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JÜDISCHES WIEN

12.05.2012 | buch

JÜDISCHES WIEN
Vorwort Robert Schindel
188 Seiten, mandelbaum Verlag 2012

Der Mandelbaum Verlag spezialisiert sich auf jüdische Themen, und ist mit seinen Stadtführern auf der Suche nach dem jüdischen Anteil schon in Paris und Istanbul, München und Amsterdam, London, Prag und Budapest fündig geworden. Das jüdische Wien hat eine lange, nicht immer ehrenhafte und doch in Details prachtvolle Geschichte – wenn Autor Robert Schindel in seinem Vorwort erzählt, wie Kinderschwestern den „Judenbalg“ unter anderen Kleinkindern vor dem Zugriff der Nationalsozialisten versteckten… Auch das gab es.

Und ein „Jüdisches Wien“ existiert nach wie vor, abgesehen von jenem Zweiten Bezirk, der Leopoldstadt, der „Mazzes-Insel“, wo sich noch immer die meisten Juden der Stadt aufhalten. Darum sind dort die Eintragungen zahlreich. Aber, und das zeigt, dass man es zumal im Wien des Kaisers Franz Joseph auch als Jude zu etwas bringen konnte, noch mehr Hinweise auf jüdische Gebäude, Orte, Gedenkstätten gibt es im 1. Bezirk und der Ringstraße: Dort, wo die Reichen und Erfolgreichen zuhause waren.

Dieser Wien-Führer der Jüdischen Art zählt aber nicht nur die Palais auf (das Arnstein, das Epstein, Lieben-Auspitz, Ephrussi, Schey, Königswarter, Gomperz, Todesco, Gutstein – es waren viele und man erfährt so manches über die Besitzer, die Architekten, die individuelle Geschichte), auch der Stefansdom ist eine Eintragung wert, selbst wenn es hier um etwas Negatives geht: Der gehörnte Judenhut, der im Riesentor abgebildet ist, gilt als Zeichen des klerikalen Anti-Judaismus…

Kaffeehäuser, Cabarets, Schulen, Spitäler, Geburts- und Wohnhäuser prominenter Juden mit Gedenktafeln, Tempel, Villen, und, wenn man in die Außenbezirke kommt, Friedhöfe dominieren in der Information: Nicht nur am Zentralfriedhof gibt es einen jüdischen Teil, der zu den großen Sehenswürdigkeiten Wiens zählt, auch auf den anderen Friedhöfen sind zahlreiche prominente Juden beerdigt – wenn auch Theodor Herzl nicht mehr unter dem Grabstein am Döblinger Friedhof ruht, sondern nach Israel überführt wurde.

Es ist überraschend, wie vieles man auch dann „neu“ findet, wenn man meint, sich bei einem Thema einigermaßen auszukennen. Diesen Hochmut bekommt man weggeräumt, und man kann mit diesem Buch in der Hand viel Neues finden und lernen.

Renate Wagner

 

 

 

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