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JOHN CARTER

07.03.2012 | FILM/TV

 

Ab 9. März 2012 in den österreichischen Kinos
JOHN CARTER
USA  /  2012 
Regie: Andrew Stanton
Mit: Taylor Kitsch, Lynn Collins, Mark Strong, Ciaran Hinds, Dominic West, Willem Dafoe, James Purefoy u.a.

Was Hollywood so an Fantasy-Albernheiten auf die Leinwand schiebt, geht eigentlich auf keine Kuhhaut – aber es werden Hunderte von Millionen Dollar in die Entstehung investiert, und offenbar kommt dann auch ein Vielfaches davon wieder herein. Im Fall von „John Carter“ kann man sogar fast von „Sci-Fi-Literatur“ sprechen, was natürlich jenen Teil des Publikums, der nur wegen seltsamer Marsmenschen kommt, nicht interessieren wird. Aber für die anderen: „Tarzan“-Erfinder Edgar Rice Burroughs hat 1912 sich auch Captain John Carter erdacht. Wäre dieser nur ein amerikanischer Bürgerkriegsveteran in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts, dessen Frau und Tochter bedauerlicherweise ermordet wurden, die Nachwelt würde seiner nicht gedenken.

Aber Rice Burroughs hat sich für ihn ein ziemlich krudes Schicksal ausgedacht: In einer Indianerhöhle, wo er Gold sucht, trifft er auf Außerirdische – und mit Hilfe eines Amuletts ist er, hups, in einer anderen Welt (in den „Men in Black“ hat man dieses Beamen zwischen den Welten „blitzdingsen“ genannt…). Erst weiß er nicht, wo, aber wir wissen es gleich, er erfährt es später: Es ist der Mars! Nicht nur, weil da kleine grüne Babys aus Eiern kriechen – es gibt auch keine Schwerkraft, unser Mensch kann folglich hier nicht nur elastisch hopsen, sondern regelrecht fliegen!

Fragen wir uns nicht, was der Inhalt der mehr als zwei Filmstunden ist, die nun folgen – wer von den seltsamen Völkern gegen wen kämpft, ist völlig irrelevant. Es geht darum, dass unser Held am Ende seine Prinzessin bekommt. Wenn auch auf Umwegen… Glücklicherweise gehört diese Prinzessin zu einem Volk, das menschenähnlich aussieht.

Das andere ist nämlich jenes, das dem Film seinen wahren Sci-Fi-Glamour verleiht: die so genannten „Tharks“ sind dürre, grüne, vierarmige Geschöpfe, deren seltsame Gesichter noch von Stoßzähnen à la Elefanten (wenn auch glücklicherweise entsprechend kleiner) gekennzeichnet sind. Da ist man dann bei den Albernheiten von „Avatar“, aber auch die Albernheiten des „Kriegs der Sterne“ werden reichlich und fast demonstrativ zitiert: Diese Geschichte von „John Carter“ ist optisch überhaupt ein Zitaten-Sammelsurium aus allem, was man von Filmen dieser Art kennt, da zischen Raumschiffe herum und mächtige Magier tun fiese Dinge, da gibt es Haustiere der anderen Art und wahnwitzige Reittiere, und Carter kriegt eine Prinzessin im Tausendundeine Nacht-Gewand…

Ja, und der Beginn des Films ist auch ganz lustig: Da fühlt man sich nämlich, zumindest was das Ambiente anbelangt, ganz bei Sherlock Holmes, nur dass es ein nobles, reiches New York von 1881 ist, in das man entführt wird. Und John Carter ist eigentlich, wie sein verwirrter Neffe und Erbe erfährt, tot, liegt aufgebahrt in seiner Luxusgruft, die nur von innen (!) zu öffnen ist. Das muss doch zu denken geben… Ein Tagebuch erzählt von den Mars-Abenteuern und der Sehnsucht, dorthin zurück zu kehren. Und wir dürfen alles mit ansehen.

Der Hauptdarsteller des Films trägt den im Deutschen eher seltsamen Namen Taylor Kitsch, ist 29 und wirkt um einiges jünger, erfreut dadurch, nicht als hirnloses Muskelpaket, sondern als junger Mann mit gut trainiertem Körper und wenigstens sympathischer Ausstrahlung auf der Leinwand zu erscheinen. Entweder er wird mit diesem Film zum Star (wie der wesentlich gröbere Sam Worthington mit „Avatar“) oder er geht als zu unbedeutend unter. Obwohl – Fortsetzungen wären schon noch drin, wenn man bedenkt, was sich Edgar Rice Burroughs zu John Carter noch alles ausgedacht hat.

Lynn Collins ist für ein schönes Prinzesschen schon recht reif, wirkt mit ihren 34 ein bisschen wie die ältere Schwester und nicht unbedingt lieblich. Als ihr Papa taucht Ciaran „Caesar“ Hinds auf, und wenn man sich fragt, woher einem das angenehme Gesicht von James Purefoy in einer Nebenrolle bekannt vorkommt, wird man da in der Nähe fündig: Das war doch Marc Anton in der „Rom“-Serie… Mark Strong ist ein zu guter Schauspieler, um alberne Bösewichte im Dutzend billiger abzuliefern (aber er wirkt halt so hintergründig, dass Typecasting bei ihm auf der Hand liegt). Ein anderer Bösewicht ist Dominic West, der unverdient die Prinzessin bekommen soll. Am erstauntesten ist man, Willem Dafoe auf der Besetzungsliste zu finden: Ihn hätte man in diesem vierarmigen Tars Tarkas wahrlich nicht vermutet. Komisch, dass man sich hier die Mühe nimmt, echte Menschen als „Vorlagen“ für diese Phantasiegeschöpfe (die noch weit mehr verfremdet sind als in „Avatar“) agieren zu lassen…

Regisseur Andrew Stanton hatte alle Hände voll zu tun, Darsteller, Ausstatter und Computer-Animation unter einen Hut zu bringen, für eine stringente Story hat es nicht gereicht. Aber es geht ja ohnedies wieder einmal nur um die Materialschlacht. Und da ist sie.

Renate Wagner

 

 

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