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JOHANNES BRAHMS Violinsonaten – DAVID OISTRAKH

22.02.2016 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps
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JOHANNES BRAHMS Violinsonaten – DAVID OISTRAKH brilliert mit seinen kongenialen Partnern Frida Bauer und Svjatoslav Richter  – PRAGA Digitals CDLive Aufnahmen aus Moskau und des tschechischen Rundfunks 1966-1972

Das schönste am Spiel des in Odessa geborenen David Oistrakh ist, dass es aus einer ganzheitlichen Musikerperspektive heraus noch nicht Fragen von Stil, Technik und emotionellem Gehalt einer Komposition getrennt hat. Entgegen jedem kalten konzeptuellen Anspruch war das virtuose Handwerk ganz selbstverständlich immer Diener einer Interpretation, die sich auch vor intensivem Gefühl und ja, Pathos nicht gefürchtet hat. Es ist eine beinahe verbotene Lust, sich solch einem satten und prallen, dem Leben und seinen Wirren verschriebenen Musikverständnis ganz ohne unerwünschte Nebenwirkungen hingeben zu können.

Und besonders dann, wenn es um Brahms Violinsonaten geht, diese in schönste Kammermusik gegossenen Lieder ohne Worte. Die „Regen-Sonate“ in G-Dur Op. 78, in Pörtschach am Wörthersee 1878 skizziert, folgt im Eröffnungsthema dem namensgebenden „Regenlied“. Clara Schumann hat ob dessen Anmut Tränen der Freude vergossen. Und man kann sich in der Tat für dieses lyrische, unbeschwerte Stück kaum eine idealeres Duo als Frida Bauer und David Oistrakh vorstellen. „Walle Regen, walle nieder; Wecke meine alten Lieder“ – Schwärmerische Sehnsucht und Träumerei ohne dunkle Wolken sind in jedem Takt des Spiels der beiden greifbar. Leichte Schatten ziehen als Gewitterwolken ohne Sturm vorüber. Das gilt auch für die dritte Sonate in D-Moll Op. 108, ebenso in Prag aufgenommen und mir Frida Bauer als Partnerin am Klavier. Diese Hans von Bülow gewidmete Sonate ist allerdings virtuoser und in ihrer Struktur dramatischer. Die konzertante Sonate ist vom thematischen Duktus her herbstlicher getönt, die Glut der rot-gelb-grünen Farben werden von Oistrakh und Bauer in vielfältigen Ausdrucksnuancen beschworen. 

Die beiden soeben beschriebenen Sonaten waren bei PRAGA Digitals schon erhältlich und werden in der vorliegenden Kompilation erstmals mit der zweiten, der „Thuner Sonate“ in A-Dur, Op. 100, und dem Scherzo für Violine und Klavier in C-Moll gekoppelt, diesmal mit Svjatoslav Richter als viril herausforderndem Counterpart. Die im Mai 1972 in Moskau aufgenommene 2. Violinsonate haben diese beiden Künstler auch im Sommer bei den Salzburger Festspielen gespielt. Der Mitschnitt ist bei ORFEO erhältlich. Etwa gleichzeitig mit der vierten Symphonie entstanden, sind es rauch hier romantische Lieder, die thematisch verarbeitet werden: „Komm bald“ und „Wie Melodien zieht es mir“. Svjatoslav Richter spielt wenn man so will „eigensinniger“ als Frida Bauer, die Instrumente sind nicht auf bloße Harmonie gerichtet, sondern ringen zudem um ihren Stellenwert im kompositorischen Geflecht. Das kommt dem Gefühl der Freiheit und deren leidenschaftlicher Suche bei der musikalischen Landvermessung entgegen, das die Sonate abseits ihrer absoluten musikalischen Schönheit ins Ohr des Hörers pflanzt. Das ebenso in Moskau 1968 eingespielte Scherzo bietet in den kurzweiligen wenigen Minuten seiner Dauer so viel unbändige Energie und generös sich verströmende Leidenschaft, das dieses Stück alleine die Anschaffung dieser CD rechtfertigen würde.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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