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Johann Szegö: BEKANNTE ÖSTERREICHISCHE SELBSTMÖRDER

16.01.2012 | buch

Johann Szegö
BEKANNTE ÖSTERREICHISCHE SELBSTMÖRDER
Schicksale von Ferdinand Raimund bis Jack Unterweger
208 Seiten, Verlag Ueberreuter 2011  

Er hätte nur noch ein wenig warten müssen und dann für das Jahr 2011 noch zwei prominente „Selbstmörder“ in sein Buch einarbeiten können – die Schriftstellerin Brigitte Schwaiger und das Allroundtalent Ludwig Hirsch… Selbstmord ist in Österreich ein gewissermaßen verbreitetes Schicksal, und so wurde Johann Szegö für dieses Thema mit vielen Namen fündig. Freilich, dass Kronprinz Rudolf, der berühmteste aller Selbstmörder, und Adolf Hitler (auch ein Österreicher, daran ist nicht zu rütteln) hier nicht vorkommen… der Autor begründet es im Vorwort mit dem Übermaß an Information, die dazu bereits vorhanden ist. Dennoch, der Vollständigkeit halber… aber die ist ja wohl ohnedies nicht zu erzielen.

Die Untertitel verweisen auf die bekanntesten Namen – wobei sich zu Ferdinand Raimund, für den der Autor nicht viel Verständnis zeigt („Pietätloser Kommentar des Schreibers dieser Zeilen: Wenn mir der Tod durch einen Hundebiss prophezeit worden ist und ich daran glaube, dann spiele ich nicht mit einem Hund!“), noch ein paar österreichische Autoren von Rang gesellen, die gleichfalls ihrem Leben ein Ende gesetzt haben: Adalbert Stifter, Otto Weiniger, Ferdinand von Saar, Egon Friedell, Stefan Zweig (dieser allerdings in Brasilien), Josef Weinheber, Hertha Kräftner, Konrad Bayer, Gerhard Fritsch – eine beängstigende Menge.

Von bildenden Künstlern (Opern-Architekt van der Nüll) bis zu Verbrechern (Jack Unterweger, Franz Fuchs), von schillernden Gestalten des Kulturlebens (Franz Jauner einst, Sacher-Chef Peter Gürtler vor nicht allzu langer Zeit) bis zu den nicht näher benannten Internet-Opfern jüngst pflügt Szegö, nach einem interessanten Grundsatzkapitel zu Beginn, durch die Geschichte. An der chronologischen Spitze steht Franz Hofdemel, der am Tage nach Mozarts Tod seinem Leben ein Ende setzte. Schlechtes Gewissen? War er es vielleicht, der Mozart-Mörder nämlich (von Salieri war damals noch nicht die Rede)?

Szegö braust in schnellen, höchst journalistisch geschriebenen Kurzartikeln durch die Schicksale. Wer ein Buch wie dieses kauft, den interessiert natürlich vordringlich die Frage: „Warum?“ Sie ist wahrlich nicht immer zu beantworten. Dann spricht die Nachwelt gern von „plötzlicher Sinnesverwirrung“.

Aber genau nachzugraben, ist nicht der Sinn dieses Buches, das als flotter Marsch durch Österreichs Kulturgeschichte mit dem schwarzgeränderten Thema unterhalten will. Kleinigkeiten könnte man ergänzen – etwa, dass Richard Gerstl, der Selbstmörder aus Liebeskomplikationen, nicht so unbekannt geblieben ist, wie man aus Szegös Schilderung den Eindruck gewinnen muss: Heute ist er einer der „Stars“ des Leopold Museums…

Renate Wagner

 

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