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JOHANN JOSEPH FUX: CONCENTUS MUSICO-INSTRUMENTALIS

01.07.2016 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

0761203798025 JOHANN JOSEPH FUX: CONCENTUS MUSICO-INSTRUMENTALIS – Neue Hofkapelle Graz – cpo 2 CDs – Prachtvolles klingendes österreichisches Hochbarock

Nehmen Sie die unüberbietbare Raffinesse von Jean-Baptiste Lully zu Versailles des Louis XIV., mischen sie mit den am Kaiserhofe Wiens Ende des 17. Jahrhunderts so beliebten „Italienern“, fügen die aufklärerischen und libertären Sitten des Widmungsträgers Joseph I. hinzu, und voila, Sie halten das schönst vorstellbare Heft österreichisch hochbarocker Musik in Ihren edlen Händen.

Dabei haben wir riesiges Glück, dass diese Musik überhaupt überliefert ist. Nur ein einziges Notenexemplar hat die Zeiten überdauert, und auch hier musste ein Teil rekonstruiert werden. Für die vorliegende exzellente Aufnahme hat dies Dirigent Michael Hell mit Fingerspitze und Kenntnis besorgt.

Die Sammlung Concentus Musico-instrumentalis besteht aus einer groß angelegten, dreiteiligen Serenade, einer Sinfonia à 6, vier Ouvertüren und einerdreistimmigen Sinfonia. Im Booklet wird über die delikate Frage sinniert, ob bestimmte Sätze der Sinfonia in F-Dur oder der Ouvertüre in C-Dur vielleicht sogar die freie Gesinnung, das Draufgängertum und die Leidenschaftlichkeit Josephs I. widerspiegeln? Dieser erlauchte und reformfreudige Herr soll ja zahlreiche erotische Abenteuer gehabt haben, mit Kammerzofen und adeligen Damen, aber auch mit Kastraten und Leibgardeuren. Wie auch immer, dem Musikfreund ist alles recht, sofern es mit klingender Note bezahlt wird. In den höchst kunstvoll gewebten Partituren, so etwa der wahrscheinlich den Einzug des Brautpaars in die Stadt Wien begleitenden Serenade, werden Elemente französischer und italienischer Manier ähnlich wie bei Georg Muffat zu einem klingenden Gobelin der Sonderklasse gestickt.  

Besonders variantenreich und farbig wird diese Musik auch durch den Einsatz der „neuen französischen Holzblasinstrumente“ Oboe, Fagott (und Blockflöte). Daher dürften diese Werke auch, wie dies Klaus Hubmann für das Booklet aufschlussreich analysiert, die ersten am Wiener Hofe gewesen sein, wo diese Instrumente zum Einsatz kamen. So ist es ein kleines Wunder, dass der aus Hirtenberg bei Graz stammende Musiker Fux, der mehr als die Hälfte seines Lebens als kaiserlicher Hofkomponist und Hofkapellmeister tätig war, auch eine großer Neuerer und feingeistiger Komponist war, der es spielend auch mit Paris aufnehmen konnte.

Die vorliegenden beiden CDs können nicht nur als eine  erfreuliche kognitive Entdeckung wertgeschätzt werden, sondern enthalten auch ganz vorzüglich und sinnlich erlebte Musik. Instrumentierung, Besetzung, Interpretations- und Wiederholungsfragen wurden individuell behandelt und zur Kurzweil des Hörers gelöst. 

Berührend ist auch, dass die CD Nikolaus Harnoncourt  gewidmet ist, der sich zusammen mit seiner Frau Alice in der Vorbereitungsphase der Aufnahme viel Zeit für Gespräche mit den Musikern genommen hat. Harnoncourts stets hinterfragender Geist und seine Experimentierfreudigkeit sind dem Ensemble Vorbild und Ansporn zugleich gewesen. Vielleicht ist es auch deshalb eine  so besonders gelungene Einspielung geworden. Wenn ich mich nicht täusche, handelt es sich sogar um eine Erstaufnahme!

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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