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JEAN SIBELIUS Symphonien Nr. 1-7 mit Sir Simon Rattle

26.09.2015 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

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JEAN SIBELIUS Symphonien Nr. 1-7 mit Sir Simon Rattle auf Berliner Philharmoniker Recordings – Luxusedition anlässlich des 150. Geburtstages des Komponisten auf CD und Blu-ray

Der live in der philharmonischen Saison 2014/2015 entstandene Gesamt-Zyklus der Sibelius Symphonien wird in einer Hardcover Box auf vier CDs, einer Blu-ray Disc im Pure-Audio-Format sowie einer Blu-ray Disc im Full HD Video Format präsentiert. Wenn man so will, ist derselbe Inhalt auf drei unterschiedlichen Medien für jeden Bedarf verpackt.

Ich habe mir die Blu-ray Audio Version angehört, die neben den tontechnisch höchsten Standards den Vorteil hat, dass man alle Symphonien hintereinander ohne CD-Wechsel anhören kann. Das ist im Falle des genialen Nordländers mit einer unglaublichen musikalischen Entwicklung von 1898 bis 1924 nicht unerheblich. Beim bald scheidenden Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker ist Sibelius in besten Händen. Sein  Verdienst, wie auch auf diesen Aufnahmen zu hören, ist es sicherlich, der Luxusphalanx der Berliner Philharmoniker jenen Kick zu geben, der es aus einem bequemen Professionalismus in Abenteuerregionen der Interpretation katapultiert. So modern, in formal streng herausgemeißelten Strukturen hat man diese in hellblaues Nordlicht getauchten Orchesterlandschaften noch nie gehört. Wobei etwa die leiseren Töne in der von Chromatik und Dissonanzen strotzenden Vierten wie das Andante mosso der Fünften zu Höhepunkten in der gesamten Sibelius Diskographie werden. Weg von allen Klischees des naturbeschwörenden finnischen Nationalkomponisten hat sich mir erstmals die Nähe dieser „Glaubensbekenntisse aus den verschiedenen Altersstufen des Komponisten“ zu Bruckner erschlossen. Ausgehend von einer Affinität zu Tchaikovsky ist dieser Bezug neben Janacek oder Bartok wohl der für mich nunmehr wegweisende, weg vom Folkloristischen, das in nuce natürlich vor allem der russischen Musiktradition entliehen scheint,  hin zu einer wahrhaft europäisch-universellen Dimension.

Im Booklet werden auf spannende Weise die Auseinandersetzungen Sibelius‘ mit der Moderne als auch so manche Polemik genüsslich geschildert. So hat der Komponist und einer der besten Beethoven Dirigenten aller Zeiten (8. Symphonie!), René Leibowitz, 1955 Sibelius zum „le plus mauvais compositeur du monde“ erklärt. Darüber, wie auch über böse Kommentare von Ernst Krenek bis zu Theodor W. Adorno kann man heute getrost schmunzeln. Auch dank Sir Simon Rattles neuer Einspielung, der die Sibelius Exegese auf einem neuen Höhepunkt zeigt, zählt Sibelius zu den populärsten und musikalisch aufregendsten Symphonikern des 20. Jahrhunderts.

Nicht nur Futter für echte Hi-Fi Freaks. Die 2. und 6. fallen hinter den großen Lesarten der 4., 5. und 7. insgesamt etwas ab. Die gediegen schöne Box stellt abschließend betrachtet aber einen weiteren glanzvollen Meilenstein in der sorgfältigen Editionsarbeit des wohl beeindruckendsten Eigenlabels eines Orchesters weltweit dar.

Anmerkung: Die erste Gesamtaufführung der sieben Sibelius-Symphonien mit den Berliner Philharmonikern fand 2010 statt. Die dritte Symphonie war aus diesem Anlass überhaupt zum ersten Mal mit den Berlinern im Konzert zu erleben.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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