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JACK UND JILL

26.01.2012 | FILM/TV

Ab 27. Jänner 2012 in den österreichischen Kinos
JACK UND JILL
Jack and Jill  /  USA  /  2011
Regie: Dennis Dugan
Mit: Adam Sandler, Al Pacino, Katie Holmes u.a.

Adam Sandler ist einer der Brachialkomiker des amerikanischen Films, durch seinen Hang zu ordinären Geschmacklosigkeiten zu charakterisieren. Aber man ist bei ihm nie vor Überraschungen sicher – positiven nämlich. Selbst sein vorletzter Film „Meine erfundene Frau“ (ein Remake der „Kaktusblüte“ mit Jennifer Aniston) war mit seiner Kritik an der Schönheitschirurgie-Industrie stellenweise brillant. Und 2008 hat er mit „Leg dich nicht mit Zohan an“ ein heikles Thema aufgegriffen, das am Rande auch in diesem Film auftaucht – Sandler geht nämlich kritisch-satirisch mit Juden um, und tut es unter der Vorgabe, dass er das darf. Er ist nämlich einer.

„Jack and Jill“ beginnt quasi dokumentarisch: mit Szenen von Zwillingen. Babys, Kinder, dann älteren Pärchen, die aber dasselbe Geschlecht haben. Jack und Jill sind Bruder und Schwester. Und beide werden von Adam Sandler gespielt…

Wir beginnen bei Jack. Der macht Werbespots fürs Fernsehen und soll seinem Kunden keinen Geringeren als Al Pacino als Star für seine Donuts besorgen. Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Und dann sägt noch die Tatsache an seinen Nerven, dass seine Schwester aus New York ihn besuchen möchte. Und diese Jill ist eine jüdische Bombe, wenn es je eine gegeben hat. Nervtötend, laut, penetrant. Und auf ganz seltsame Art liebenswert. Sandler gelingt hier etwas absolut Erstaunliches – er zieht keine Charleys Tante-Klamotte ab, mit dem bekannten peinlichen Blinzeln ins Publikum: Nein, er schafft es, eine genuine weibliche Person hinzustellen. Das Bemühen der einsamen 43jährigen, sich an die Familie anzuschmeißen. Die Suche nach einem Date (per Computer), was peinlich schief geht (und in der damit verbundenen Demütigung sogar weh tut). Sandler und Regisseur Dennis Dugan mögen diese Frau. Kurz, man kann diese „Jill“ glauben.

Was man weniger glaubt, ist nicht das Auftreten des originalen Al Pacino als Al Pacino – es gibt ihn schließlich, er spielt Richard III. am Theater, und irgendwann geht er auch in ein Football-Spiel, wo man ihm begegnen kann. Erstaunlich ist, dass er sich in Nervensäge Jill dermaßen verguckt, dass er zu allem Möglichen bereit ist, wenn sie ihm ein Rendezvous gibt. Und als sie nicht will, darf Sandler die bekannte doppelte darstellerische Volte schlagen – nun verkleidet sich Jack als Jill, und der Bruder, der Jill spielt, muss natürlich anders sein als die originale Jill… Wer Schauspielern gern bei ihrem „Handwerk“ zusieht, wird das sehr mögen.

So sehr man Sandler hier ausnahmsweise schätzt – was ein A-Schauspieler wie Pacino in einem solchen Film zu suchen hat, ist natürlich nicht einzusehen, es sei denn, man akzeptiert, dass er in die nächste Riege abgerutscht ist… Er lässt sich hier zu allerlei hinreißen, so spielt er den Mann von la Mancha, um Jill als seine Dulcinea anzubeten. Soll man ihn für die Bereitschaft, sich auf einen solchen Film dermaßen einzulassen, bewundern? Oder soll man rufen: Hallo Hollywood, wie wäre es wieder einmal mit einer Rolle, die eines Al Pacino würdig ist?

Noch viel tiefer aber ist der Fall von Katie Holmes, und das aus einem ganz einfachen Grund: Sie war doch einmal eine hübsche und aufstrebende Schauspielerin. Dann lernte sie Tom Cruise kennen, heiratete ihn, bekam seine Tochter – und man könnte doch meinen, dass das der Startschuss zum Startum gewesen sein müsste. Keinesfalls. Im Gegenteil sozusagen. Die gute Frau bekommt nur noch (auch in anderen Filmen, die nicht einmal den Sprung nach Europa schaffen – oder wenn, höchstens auf Video) Nebenrollen als unauffällige Ehegattinnen zu spielen, um die sich drittklassige Schauspielerinnen kaum reißen würden… Und ein Adam Sandler-Film gehört nun einmal Adam Sandler. Und hier zu Recht. Schade, dass er sich auch diesmal seiner fäkalen Unappetitlichkeiten nicht enthalten kann. Würde das Publikum dieses sein „Markenzeichen“ wirklich vermissen?

Am Ende kann der amerikanische Familienkitsch natürlich nicht vermieden werden: Bruder Jack lernt, dass er zu seiner Nervensäge-Schwester nie lieb genug war. Sie heulen vor Rührung. Das ist natürlich übertrieben… mitweinen muss man wirklich nicht. Mitlachen lohnt sich.

Renate Wagner

 

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