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J. S. BACH – DIALOGKANTATEN FÜR SOPRAN & BASS BWV 32, 57, 58 – Thomas E. Bauer, Johanna Winkel

29.10.2015 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

bau  J. S. BACH – DIALOGKANTATEN FÜR SOPRAN & BASS BWV 32, 57, 58 –

Thomas E. Bauer, Johanna Winkel und der Chorus Musicus Köln mit dem Neuen Orchester unter Christoph Spering halten die deutsche Bach-Pflege hoch – Oehms CD – VÖ: 13.11.2015

In Deutschland (und seit Masaaki Suzuki auch in Japan) musizierte und aufgenommene Musik des Altmeisters Johann Sebastian Bach ist meist ein sicherer Wert. Dies kann wieder einmal anhand der vorliegenden liebevoll produzierten CD auf das Beste nachvollzogen werden. Christoph Spering und sein Team haben sich diesmal der drei Kantanten „Liebster Jesu, mein Verlangen“, „Selig ist der Mann“ und „Ach Gott, wie manches Herzeleid“ angenommen. Die Dialogkantaten ziehen den Hörer in ein persönliches Gespräch hinein, in den Gedankenaustausch zwischen der gläubigen, fragenden Seele und dem in einer Bass-Stimme personifizierten, antwortenden Jesus. Die drei Kantaten, die sich thematisch auf den Weihnachtsfestkreis beziehen, sind in den Jahren 1725 bis 1727 entstanden. Bach schrieb die Kantate „Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet“ für den zweiten Weihnachtsfeiertag. Wie alle Kantaten dieser Einspielung ist sie in der Besetzungsstärke aufgenommen, die Bach in den 1730er Jahren als Mindestbesetzung gefordert hat. Grundlage des Kantatentextes für „Liebster Jesu, mein Verlangen“ ist gemäß dem damaligen Sonntagsevangelium der Tempelbesuch Jesu mit seinen Eltern in Jerusalem. Umgearbeitet zu einem allegorischen Dialog symbolisiert die Sopranstimme die suchende Seele und die Bass-Stimme (ungeachtet der Jugendlichkeit Jesu) die Stimme Jesu. Im Zentrum von „Ach Gott, wie manches Herzeleid“ steht die Auslegung der Flucht der Heiligen Familie, die als Kampf der Welt gegen den Glauben interpretiert werden darf.

Von der überragenden Stilistik, der puren Schönheit des vokalen Interpretation durch Chor und Solisten, den stimmigen Tempi, der Durchhörbarkeit der Stimmen bei strukturell großem Bogen, Wortdeutlichkeit und spiritueller Tiefe her einfach ist es eine traumhaft schöne Aufnahme geworden. Besonders Johanna Winkel hat es mir „angetan“: Sie intoniert lupenrein bei instrumentaler Stimmführung, aber balsamischen Timbre, ihr Sopran leuchtet warm in allen Lagen und stellt all dies in den Dienst einer großen Innigkeit und Natürlichkeit des Ausdrucks. So als könnte es nicht anders sein. Der kleinvolumigere, vor allem in der Tiefe nur bedingt expansive Bass von Thomas E. Bauer blüht in den Höhen prächtig auf und erinnert in der Art des Singens ein wenig an Dietrich Fischer-Dieskau.

Und wie es bei Bach heute nicht selten der Fall ist, leistet der Chorus Musicus Köln in Sachen Stimmkultur, Ausgewogenheit der Gruppen, Phrasierung und den kontrapunktischen Teilen Erstaunliches an Präzision und aufeinander gehörtem Zusammenklang. Wenn man bei manchen Opern im Vergleich zu „seligen alten Zeiten“ den Verfall an sängerischem Potential zu Recht beklagen mag, so darf man heute in Bezug auf das Niveau der Chorkultur getrost konstatieren, dass sich die Zeiten gebessert haben. So ist auch das Hören der chorischen Teile der neuen Bach CD eine reine Freude. Zurücklehnen und genießen! 

Dr. Ingobert Waltenberger

  

 

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