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IX EN PROVENCE: LE NOZZE DI FIGARO – Kurzkritik

10.07.2021 | Oper international

Kurzkritik : Aix-en-Provence : Mozart Le nozze di Figaro (9.7.2021

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Foto: Youtube

LOTTE DE BEER, die künftige Wiener Volksopernintendantin setzte im französischen Aix-en-Provence Festival Mozarts „Le nozze di Figaro“ in Szene. Das Ambiente der ersten beiden Akte sind Sets einer US-Sitcom-Serie der 80er Jahre. Die Regie ist durchaus handwerklich solide gearbeitet, die auf diese Serien anspielenden Gags sind Geschmackssache. Sie kann sich außerdem auf ein sehr spielfreudiges Ensemble verlassen. Nach der Pause wird es ernster, die Bühne karger und die Frauen übernehmen vollständig die Regie im Stück.

Musikalisch ist der Abend in den Händen THOMAS HENGELBROCKs. Ein paar eigentümliche Freiheiten der Partiturauslegung gibt es. (Extreme Rubati im Duett Susanne-Conte zum Beispiel), dabei spielt das BALTHASAR NEUMANN ENSEMBLE konzentriert, wenn auch nicht aufregend. Kleine Wackler mit der Bühne sind der Szene geschuldet.

Angeführt wird das hochkarätige Ensemble vom Titelhelden Figaro, den der junge ANDRE SCHUEN mit saftiger Baritonstimme komplex gestaltet. Seine Susanne ist mit JULIE FUCHS kein Backfisch, sondern eine emanzipierte Frau, die intelligent und musikalisch zu phrasieren vermag.

Auch LEA DESANDRE als Cherubino verleiht ihrem Cherubino vokale Integrität und szemisches Charisma. JACQUELYN WAGNER ist eine im Alter und in der Stimmfarbe der Susanna ähnliche Contessa, als Persönlichkeit eher weich zurückgenommen und weniger verschlagen und eigenwillig als diese. Ihre große Arie läßt Hengelbrock zu wenig fließen, was die souverän singende Wagner jedoch stimmlich nicht in Bedrängnis bringen kann. Der Conte Almaviva wird von GYULA ORENT zwar sehr sympathisch und dominant gestaltet, volkaltechnisch hackt er aber oft die Phrasen ab, kann seine Stimme nicht schwingen lassen und detoniert im berühmten „Contessa perdono“ bedauerlich.

Wunderbar einmal mehr der sonore Bartolo von MAURIZIO MURARO. MONICA BACELLI darf als Marcellina ihre Arie singen, die Tenorrollen übernimmt schönstimmig EMILIANO GONZALES TORO.

Ein launiger Abend ist gelungen, bei dem die starken Frauen, so von Lotte de Beer gesehen,  dominieren. Versöhnlich ist das Ende: sie bieten liebend Frieden an.

Christian Koncz

 

 

 

CHRISTIAN KONZ

 

 

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