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IRON SKY

03.04.2012 | FILM/TV

Ab 6. April 2012 in den österreichischen Kinos
IRON SKY
Finnland, Deutschland, Australien  /  2011
Regie: Timo Vuorensola
Mit: Götz Otto, Julia Dietze, Udo Kier, Tilo Prückner, Christopher Kirby u.a.

Nazis auf der Leinwand: die bösen im Krimi, die blöden in der Klamotte. Jetzt ist einmal Nazi-Trash dran (das wird ohnedies selten gewagt). Finnland und Australien produzierten mit, Timo Vuorensola inszenierte Monster-Sci-Fi und Blödsinn, an Ausstattungspomp wurde nicht gespart,  die Deutschen stellten die Hauptdarsteller, und dann wird’s „lustig“…

Also: Als der Krieg verloren war, haben sich die Nazis nicht nach Südamerika, sondern – auf den Mond abgesetzt (und zwar passenderweise auf die „dunkle Seite“). Dort pflegen sie ihr „Viertes Reich“ mit Heil Hitler, Uniformen, Pimpfen und dem Traum, die Erde zurück zu erobern. Von Charlie Chaplins „Der große Diktator“ werden in der Schule nur jene zehn Minuten gezeigt, die man zu einer Verherrlichung Hitlers zusammen schneiden kann… Auch der berühmte Professor, der sich mit den Superwaffen befasst (Tilo Prückner) ist nicht auf der Höhe der Entwicklung. Na ja, die dunkle Seite… da ist man halt gestrig.

Jetzt ist 2018 und die Amerikaner haben eine Präsidentin, die Sarah Palin aus dem Gesicht geschnitten ist (die Neuseeländerin Stephanie Paul leistet hier Erstaunliches und durchaus Ätzendes an Mimikry). Sie schickt eine Mission auf den Mond – ja, und was machen die Nazis mit James Washington (Christopher Kirby), den sie dabei kapern? Sie verwandeln zwecks Arisierung (!) den armen Schwarzen in einen weißen Mann – und Klaus Adler (martialisch: Götz Otto) sowie Renate Richter (so blond und sexy in Uniform: Julia Dietze) düsen mit ihm auf die Erde, um einmal die Lage für eine spätere Übernahme zu sondieren…

 

Die US-Präsidentin setzt auf den Ratschlag ihrer PR-Dame (die Australierin Peta Sergeant ist extrem witzig zwischen herausforderndem Sex und Machtrausch) die Nazis in ihrem Wahlkampf ein, und wer weiß, ob dem Drehbuch noch etwas eingefallen wäre, wenn da nicht „Wolfgang Höss“ eingriffe (wieder eine seiner überzogenen Dodel-Nummern, der blöde Preuße schlechthin: Udo Kier).

Nicht, dass man jetzt jemanden ins Kino schicken möchte, sich das anzusehen: Aber die Sache will’s, dass die Filmmusik größtenteils von Richard Wagner stammt, denn wenn die Nazis ihr gewaltiges Raumschiff in Richtung Erde in Gang setzen (es heißt natürlich „Götterdämmerung“) und die Amerikaner heftig zurück schießen – na, da passt ja so manches aus dem „Ring“, und es wird mit voller Power losgedonnert.

Dass es diesen Nazi-Trash sinnvoller machte, kann nicht behauptet werden, aber wann hätten Filme dieser Art schon je Sinn gemacht? Was letztlich bleibt außer dem Lachen über Nazi-Pathos, ist die aktuelle Satire auf amerikanische Politik – erstaunlich, wie das stellenweise greift…

Renate Wagner

 

 

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