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INTO THE WOODS

15.02.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPlakat Into the Woods x~1

Ab 19. Februar 2015 in den österreichischen Kinos
INTO THE WOODS
USA  /  2015  
Regie: Rob Marshall
Mit: Meryl Streep, Emily Blunt, Anna Kendrick, Johnny Depp u.a.

Eigentlich versteht man nicht recht, dass dieses Musical nicht landauf, landab gespielt wird: Denn Komponist Stephen Sondheim hat in „Into the Woods“ auch als sein eigener Autor und Texter ganz meisterlich viele Märchen der Gebrüder Grimm in ein Werk zusammen gequirlt, das seine  Elemente so komisch wie überzeugend zusammenfügt und mit einer großartigen, elastischen, oft wie „hüpfend“ wirkenden brillanten Musik amalgamiert.

1987 uraufgeführt, in Wien beispielsweise nie auf einer großen Bühne gespielt (allerdings eine unvergesslich köstliche Aufführung des International Theatre im Jahre 1990 und noch eine weniger köstliche 1995 im Messepalast), laufen hier – unter der bedrohlichen Präsenz der großen bösen Hexe – Rotkäppchen, Aschenputtel, Rapunzel herum, Bäcker und Bäckersfrau wünschen sich ein Kind, Hans im Glück hat wenig Glück, einen Riesen gibt es auch, und der große Wald ist selbstverständlich ein magischer Raum, wo sich die Wege der einzelnen Figuren auf eine von den Gebrüdern Grimm absolut nicht vorgesehene Weise kreuzen.

Obzwar die großartige Meryl Streep hier keine besonderen Kunststücke zeigt, sondern mit blau-grün-strähnigem Haar  eine böse Hexe spielt, wie sie im Märchen vorgesehen ist, bildet sie doch das Zentrum des Geschehens, das von Rob Marshall mit aller Kompetenz am Laufen gehalten wird – er ist schließlich auch Choreograph, hat Musicals wie „Chicago“ oder „Nine“ mit aller Brisanz über die Leinwand geschickt, und dasselbe gelingt ihm hier.

Wenn die Märchen auch nicht sonderlich „spannend“ sind, so gibt es doch legitimes Gruseln – und eine brillante Wendung von Sondheim, der ein scheinbares Happyend aufbaut, um dieses nachher geradezu böse-düster wieder zu zerstören… Märchen sind nun einmal nicht hell, und dieser Film ist es auch nicht, wenngleich es ein paar bezaubernde Figuren gibt, nicht alle ganz nach dem Klischee gepolt. Im Gegenteil – man erlebt immer wieder Überraschungen. Ein Musical, das Märchen hinterfragt…

Im Zentrum stehen Bäcker (James Corden, sympathisch bulliger Brite) und Bäckersfrau (Emily Blunt mit ihrer ganz besonderen Ausstrahlung), die die Hexe versöhnen müssen. Die Bedingungen, die diese stellt, bringen das Bäckerpaar in Bezug zu den anderen Figuren: den jungen Hans (Daniel Huttlestone), mit dem man trauert, wenn seine Mutter (Tracey Ullman) ihn losschickt, die geliebte Kuh zu verkaufen, dem vorlauten Rotkäppchen (Lilla Crawford, ein echter flotter Teenager), das seinerseits um den bösen Wolf (immerhin Johnny Depp in einer seiner überdrehten Albernheits-Rollen) nicht herumkommt, mit Rapunzel (Mackenzie Mauzy) und schließlich Aschenputtel (Anna Kendrick), die einen treuen Prinzen (Chris Pine, hübsch und blöd) und eine böse Stiefmutter (Christine Baranski) und natürlich auch die obligat ekelhaften Schwestern hat. Und trotzdem – alle scheinen eher echte Menschen als platte Märchenfiguren, wenngleich natürlich in Ironie gerahmt.

Wie gesagt, nach allerlei Wirbelwind-Action zu Sondheims hochkarätiger Musik (erstaunlich, wie gut gesungen wird, auch Streep hat das wirklich gelernt – wohl schon einst für „Mamma Mia“) folgt die äußerst interessante Schlusswendung, wo die Märchenfiguren ganz normal (und folglich nicht sehr lobenswert) „menschlich“ handeln, wenn sie in ihrer gesellschaftlichen Situation unter Druck geraten – und wenn man auch meint, das gehöre nicht zu den Märchen, wo Happyends ja integraler Bestandteil des Ganzen sind, macht gerade das die gut zweistündige, keine Sekunde langweilige Geschichte besonders interessant. Auch wenn dies ein typischer Film aus dem Hause Disney ist – hier werden die Märchen spannend statt lieblich und schlagen den Besucher, zumal wenn er die Musik mag, voll in den Bann.

Renate Wagner

 

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