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INTERSTELLAR

02.11.2014 | Allgemein, FILM/TV

FilmPlakat Interstellar 400

Ab 7. November 2014 in den österreichischen Kinos
INTERSTELLAR
USA  /  2014 
Regie: Christopher Nolan
Mit: Matthew McConaughey, Anne Hathaway , Jessica Chastain, Matt Damon, Michael Caine u.a.  

Der wahre Filmfreund wird zwar auch wegen großer Schauspieler ins Kino gehen, aber er wird immer zuerst fragen: Wer inszeniert? Denn der Regisseur „macht“ den Film, sein Können, seine Intelligenz, seine Intuition, kurz, seine Handschrift. Und für den Briten Christopher Nolan, heute erst ein Mittvierziger, wird man immer ins Kino gehen, seit er 2002 mit „Insomnia“ aufhorchen ließ, die neue „Batman“-Serie herrlich düster in drei Filmen auf die Leinwand brachte und schließlich 2010 mit „Inception“ einen der brillantesten, originellsten Filme drehte, die Hollywood sein eigen nennt. Wenn er sich nun in Sci-Fi-Welten begibt, ist man dabei.

Allerdings auf die Gefahr hin, sich gut zweidreiviertel (!) Stunden lang meist  zu langweilen und einen schrecklich verquasten Mix aus Gedanken, Ideen und Visionen vorgesetzt zu bekommen, hoch philosophisch und wissenschaftlich tief kompliziert. Angesichts dessen versöhnt diesmal nicht einmal die Machart (natürlich ist sie hervorragend, wenn auch gewissermaßen „weltraum-herkömmlich“). Nein, „Interstellar“ ist eine wirre Geschichte, die manchmal den blanken Unsinn zu streifen scheint, und dabei einen so realen Ausgangspunkt hat: Denn denken die Menschen nicht immer wieder daran, wenn sie diesen Planeten Erde so richtig zugrunde gerichtet haben, einmal irgendwohin ins Weltall „auszuwandern“?

Das Drehbuch, das Nolan zusammen mit seinem Bruder Jonathan geschrieben hat (vermutlich haben sie dafür furchtbar viel gelesen und kommen sich ganz gescheit vor), setzt ein paar Jahrzehnte nach unserer Zeit ein. Der Opa (John Lithgow) erinnert sich noch an seine Jugendzeiten, wo es täglich ein neues Handy oder technisches Spielzeug gab und jeder alle haben wollte. Das war unser Heute. Das Heute des Films (also in der nicht zu ersehnenden Zukunft) wird von Tag zu Tag einer einzigen Sorge beherrscht: Werden wir noch genug zu essen haben?

Das beschäftigt die Farmer wie Cooper (den Vornamen erfahren wir nie) einer ist: Matthew McConaughey spielt ihn, so ausgemergelt wie in seiner „Oscar“-Rolle im „Dallas Buyers Club“, mit einem breiten Akzent, der eine Sünde gegen jegliche Sprache ist, und mit relativ wenig Charisma für den Mann, der sich schließlich zu dem üblichen amerikanischen „Ich rette die ganze Menschheit“-Helden auswächst. Cooper lebt mit Vater, jungem Sohn und hinreißender junger Tochter Murph (Mackenzie Foy, die bei den Dreharbeiten vermutlich 12 war, schon eine Schönheit und von besonderer Ausdruckskraft) auf irgendeiner Farm und erinnert sich sehnsüchtig an seine Vergangenheit, als er als Weltraumpilot noch gefragt war. Nun jedoch, wo das Klima so kaputt ist, dass jede Ernte die letzte sein kann und Stürme das Land regelmäßig mit einer erstickenden Staubschicht überziehen, kann man sich ausrechnen, dass es wenig Zukunft für die Menschheit gibt und es allen egal ist, ob Coopers Sohn studieren darf oder nicht. Gewissermaßen: Wozu noch?

Das äußerst holprige Drehbuch entwickelt diese Situation lang und breit, und wirklich logisch ist es nicht, wie Vater und Tochter auf ein streng geheimes Nasa-Gelände geraten, wo sein alter Mentor Dr. Brand (Michael Caine, der sich als Wissenschaftler ohne Gewissen entpuppt) doch noch an einem Raumfahrtprogramm arbeitet. Denn, aufgepasst, irgendwo in der Galaxis gibt es ein Wurmloch und dahinter, ja dahinter, da soll sich dann ein bewohnbarer Planet befinden. So schwer sich Cooper, der Super-Vater, auch von den Kindern, vor allem von der ihm so tief verbundenen Murph, trennt – da ist er, eine dreiviertel Kinostunde hat sich bis dahin langsam gewälzt, dann schon im Raumanzug in der Raumkapsel.

Interstellar Hathaway McCon x

Mit Cooper unterwegs, damit es nicht fad wird, ist Anne Hathaway als Brands Tochter, für die es seit ihrer „Oscar“-Rolle in „Les Miserables“ möglicherweise nicht so viele Angebote geregnet hat. Die Idee, in einem Blockbuster dabei zu sein, ließ sie übersehen, dass sie in diesem Film so gut wie keine Rolle hat, nicht einmal als Love Interest des Helden, und dass man ewig im Raumanzug auch nicht so besonders aussieht. Immerhin – ein Aufputz ist sie immer, eine schöne Person mit positiver Ausstrahlung, aber wenn sie etwas „spielen“ oder darstellen darf, ist sie besser als hier…

Mit im Raumschiff sind noch David Oyelowo (den man als den Sohn des „Butlers“ in dem gleichnamigen Film in Erinnerung hat) und Wes Bentley, aber auch deren Funktion im Geschehen wird nicht ganz klar. Dafür beginnt jetzt die übliche Weltraum-Ästhetik, die ja heutzutage schon in zahllosen Filmen ähnlich perfekt aus dem Computer kam.

Die längste Zeit tut man sich nun in den Milchstraßen und dergleichen um, aber der ersehnte Planet bietet dann entweder Meer (mit tödlichen Riesenwellen – damit ein bisschen Dramatik ins Geschehen kommt) oder eine Eiswüste.

Bevor es allzu langweilig wird, taucht Matt Damon auf, der in der Darsteller-Liste nicht geführt wird, obwohl seine Rolle gar nicht so klein, aber dafür höchst undurchsichtig ist. Offenbar geht es darum, am neuen Planeten eine neue Welt zu schaffen und die Menschen zurück auf der Erde (darunter Coopers Kinder) einfach verrecken zu lassen, sorry, so ist es nun einmal. Das muss dem guten Mann früher oder später das Leben kosten.

Parallel springt das Geschehen wieder auf die Erde zurück, aber weil wir uns furchtbar viel über die Geheimnisse der Schwerkraft und die offenbar daraus resultierende Relativität der Zeit anhören mussten, wissen wir, dass unsere Helden im Raumanzug absolut unverändert sind, während auf der Erde Jahrzehnte vorbeigingen und sich Coopers Kinder in Casey Affleck, vor allem aber in Jessica Chastain (mit ihrem berühmt ausdrucksvollen Gesicht) verwandelt haben. Nun ist auch Murph Wissenschaftlerin (mit Topher Grace als sie anbetenden Kollegen auf den Fersen), die für Dr. Brand arbeitet und auf Papa (der von Zeit zu Zeit Skype-Botschaften ins All erhält) wartet… Sie weiß, dass sie jetzt die Welt retten muss, und weiß der Teufel, irgendwie gelingt ihr das auch…

Die Handlung des Films redet sich nun in einen wahren Wirbel der Albernheiten, Unglaubwürdigkeiten und auch schrecklichen Sentimentalitäten hinein, damit man eine Art Happyend bekommt (und damit der nach wie vor unverändert junge Papa am Sterbebett seiner greisen Tochter – jetzt Ellen Burstyn – stehen kann, denn er hat seine 124 Jahre, die er inzwischen ist, dank Weltraum schadlos überstanden). Zu allem braust Musik von „unserem“ Hans Zimmer, der sich stellenweise gebärdet, als sei er Philip Glass persönlich, aber wie gut dessen musikalisches Gewabere zu dergleichen, das sich so mysteriös gibt, passt, weiß man ja.

Ist die Menschheit jetzt gerettet? Nein, das wohl nicht, denn dumme Filme, selbst wenn große Regisseure sie machen, sind dazu nicht imstande.

Renate Wagner

 

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