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INSTRUMENTALES von alt bis neu – Sperger, Widmann + Mozart u. Weber, Bartok

24.02.2016 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

sPERGER JOHANNES MATTHIAS SPERGER (* 1750): SYMPHONIEN – Weltersteinspielungen

l’arte del mondo unter Werner Ehrhardt – deutsche harmonia mundi CD VÖ: 4.3.2016

Im mährischen Valtice geboren, in Wien u.a. bei Johann Georg Albrechtsberger studiert, konnte dieser unermüdliche Komponist und Kontrabass-Virtuose seine  berufliche Stellung erst in Deutschland festigen, als er in Ludwigslust in der Hofkapelle des Herzogs Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin ein feste Anstellung fand.

Er schrieb 45 Symphonien, 18 Konzerte für Kontrabass und Orchester (die im Original als unspielbar schwer gelten), Feldparthien und Kammermusik. Von den 44 erhaltenen Symphonien sind auf der vorliegenden Neuerscheinung die Symphonien 21, 26 und 34 eingespielt. Die zuerst erklingende Symphonie Nr. 26 in C-Moll aus dem Jahr 1787 ist der Wiener Hochklassik zuzurechnen und erinnert frappant an Joseph Haydn. Ich wette, dass sich die Mehrzahl der Absolventen von Musikhochschulen beim „blinden“ Anhören dieses außerordentlich schönen Werks auch auf diesen Komponisten als Schöpfer tippen würde. Ein witziges Menuett, ein romantisierendes Trio, ein wetterleuchtendes Finale Allegro verweisen darauf, dass Sperger seinen „Sturm und Drang“ und die Technik der Frühklassiker bestens beherrschte. Die Symphonie Nr. 21 ist als originelle „Piano-Moderato-Symphonie“ ein Werk mit ausgeprägtem Eigencharakter, dramatischem Impetus und ungewöhnlichem Finale. Die festlichere Symphonie Nr. 34 beschließt die kurzweilige Entdeckungsreise in den Kosmos eines heute vergessenen Komponisten des ausgehenden 18. Jahrhunderts.

Neben den obligaten Streichern ist das Klangbild dieser Symphonien noch von der Oboe, dem Fagott, dem Horn, der Trompete und der Pauke geprägt. Das junge temperamentvolle Ensemble l’arte del mondo unter Werner Ehrhardt geht die Stücke beherzt an. Es trifft sowohl in den lyrischen Passagen den charmant empfindsamen Ton als auch in stürmischeren Fahrwassern einen muskulöseren, sehnigeren Nerv. Wenn Sie sich dieser vergnüglichen Entdeckungsfahrt anschließen wollen, nur zu!

Dr. Ingobert Waltenberger

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Widmann JÖRG WIDMANN: Drei Schattentänze, Klarinettenkonzerte von Mozart und Weber

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin unter Peter Ruzicka – ORFEO CD

Jörg Widmann ist nicht nur Komponist, sonder wie die vorliegenden Aufnahmen zeigen, auch ein begnadeter Solist auf dem Wunderinstrument Klarinette. Das Klarinettenkonzert von Mozart, dem Widman Elogen im Booklet widmet, entstand als Live-Mitschnitt eines Konzertes in der Berliner Philharmonie  vom 4. Mai 2013. Obwohl man sich fragt, warum schon wieder einmal dieser „Gassenhauer“ unter allen Klarinettenkonzerten, überzeugen sowohl Jörg Widmann mit wunderbar wandelfähigem weichem Ton als auch die einfühlsame Begleitung von Peter Ruzicka mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin. Den Faden von Weber zu Mozart erklärt Widmann so: „Beide Klarinettenkonzerte sind ganz aus dem Geist des Theaters, der Oper heraus empfunden, beide sind von einer beseelten Virtuosität durchdrungen. Webers Schlusssatz des F-Moll Konzertes in seiner spielerisch-überdrehten Rondo Heiterkeit ist die logische Weiterentwicklung des abschließenden Mozart-Rondosatzes. Und der langsame Weber-Satz ist in seiner Melodik und der Achtelbewegung der Streicherbegleitung unverkennbar eine konkrete Hommage an das unsterbliche Mozart‘sche Adagio aus dem Klarinettenkonzert.“ Der Hörer neigt sich ohne weitere Worte vor dem wunderbar musikantischen Spiel und den „erogenen Klangzonen“ des von Widmann ganz außerordentlich angestimmten Instruments, das sowohl Mozart als auch Weber ganz besonders zur Ehre gereicht.

Bevor der Hörer aber seinen Weber genießen darf, animiert Jörg Widmann als Komponist für die Klarinette in den Drei Schattentänzen zu einem „lustvoll-spielerischen Umgang mit Mikrotönen, Mehrklängen, Klappengeräuschen und anderen aufregenden neuen Spieltechniken, wie einen finalen „Schrei“ und Quieker. Als pädagogisches Lehrstück, unverkrampft, leicht, à l‘improviste erklingen der Echo-Tanz, der (Under) Water Dance und die Danse africaine.

Beim ersten Klarinettenkonzert von Carl Maria von  Weber hat das fabelhaft disponierte Orchester wieder seinen guten Anteil an einer wunderbar respektvollen Realisierung des meisterhaft instrumentierten Konzerts voller Noblesse, rauschenden Farben und harmonisch-romantischen Stimmungswechseln. Atmosphärisch reicht die im Großen Sendesaal in der Nalepastraße im Juni 2014 produzierte Studioaufnahme allerdings nicht an die atemberaubende, live aufgenommene Mozart-Interpretation heran.

Dr. Ingobert Waltenberger

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Bartok  BELA BARTOK: Werke für Violine & Klavier mit Tanja Becker-Bender, Peter Nagy – SWR 2 CDs

Die deutsche Violonistin Becker-Bender und der ungarische Pianist Nagy  spielen seit Jahren zusammen Kammermusik auf der Bühne und im Studio. Die letzte ausführliche Erkundung nicht eben ausgefallenen Nischenrepertoires, so doch noch immer eines recht wenig erkundeten Terrains der Plattenfirmen, ist der Kammermusik von Bela Bartok für Violine und Klavier gewidmet. Auf der Doppel-CD erklingen die Sonaten für Violine & Klavier Nr. 1 & 2, eine Sonate für Violine solo, die Sonate für Violine & Klavier e-moll, die Rhapsodien für Violine & Klavier Nr. 1 & 2, eine Klaviersonate, die rumänischen Volkstänze sowie das Andante A-Dur für Violine & Klavier. 

Weit entfernt, mit volksliedhaften Elemente in naiver Folklore zu verharren, ist Bartok mit den vorliegenden Kammermusikwerken der Urheber hoch komplexer meisterlicher Schöpfungen sui generis des 20. Jahrhunderts, die ganz  eigene Geschichten in Harmonik basierend auf archaischen Tonarten (Pentatonik, Diatonik) sowie in rhythmischer Vielfalt erzählen. Bis heute eher zaghaft  rezipiert, ist die vorliegende Edition ein verdienstvoller Versuch, die außerordentliche Musik Bartoks, die eher auf eine Sonderform „impressionistischer Romantik“ als auf Zwölftonmusik verweist, Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Für mich persönlich ist Peter Nagy am Klavier in Stilistik, Feinfühligkeit und einem beredt-erzählerischen Ton unübertroffen in der Auslotung des Bartokschen Mikrokosmos am Klavier. Auch im Zusammenspiel mit Tanja Becker-Bender gelingen ihm eine Unzahl an Abschattierungen, Klangvaleurs und dynamischen Finessen, ohne die große Form aus den Augen zu verlieren, noch auf ein gewisses Maß an belcantesker Affinität verzichten zu müssen. Im Vergleich dazu ist der Ton von Frau Becker-Bender etwas direkter und bisweilen auch rauer. Ihre Urwüchsigkeit bietet einen manchmal reizvollen Kontrast zu den am Klavier ausgekosteten Lyrismen. Vielleicht geht einem dabei das eine oder andere Mal das Quäntchen an Sanglichkeit ab, das dem Tänzerisch-Leichten die träumende Sehnsucht, der Form die Autobiographie, der Musik ihren Glanz gäbe.

Auf jeden Fall legt der SWR damit eine interessante Veröffentlichung vor, die die volle Aufmerksamkeit des Publikums verdient.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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