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INNSBRUCK/ Tiroler Landestheater: TOSCA – „Tosca“ geht immer!

01.07.2022 | Oper in Österreich

Giacomo Puccini: Tosca • Tiroler Landestheater Innsbruck • Vorstellung: 29.06.2022

(4. Vorstellung • Premiere am 11.06.2022)

Tosca geht immer

Tosca gehöre, so dass Programmheft des Tiroler Landestheaters, zu dem am besten dramatisch konzipierten Opern. Lichtblick des Abends ist, dass Puccinis Meisterwerk auch den Umständen dieser Inszenierung seine Lebensfähigkeit beweist.

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Foto © Birgit Gufler

Regisseur Thilo Reinhardt verspürt das dringende Verlangen eine jener Opern, die kaum zu aktualisieren sind, zu aktualisieren, zu versuchen sie in das Korsett seiner Gedanken zu zwingen. Daher spielt der erste Akt im Atelier des Malers Mario Cavaradossi in einem Museum, der zweite Akt in Scarpias Verhörzentrale und der dritte Akt auf Toscas Theaterbühne. Die Szenen-Beschreibung des Programmhefts ist reichlich schönfärberisch: ein Konzept ist weit und breit nicht zu entdecken. Im ersten Akt ist die Bühne (Johann Jörg) mit den Überbleibseln des letzten Grossreinemachen im Kulissenlagerzugestellt. Die Anwesenheit der Geistlichkeit lässt sich noch erklären, aber was sollen die Corporierten darstellen? Eine der zahlreichen Widersprüche ist, dass die eifersüchtige Tosca bei ihrem Auftritt zuallererst Cavaradossis Aktmodell (das diesem Business wohl nicht im Haupterwerb nachgeht) auszahlt und wegschickt. Der zweite Akt spielt dann im Studio eines Low Budget-Fernsehsenders. Auch hier widerspricht alles was nur geht dem Text. Die Feinheiten des Libretto wurden definitiv nicht verstanden. Und Toscas Theaterbühne ist dann ein antiker Tempel am Sandstrand und der Hirtenknabe wird zu einem kleinen Christus mit Lamm. Der Lichtblick des Abends ist, dass Puccinis Meisterwerk auch in diesem kruden Wirrwarr wilder Assoziationen funktioniert.

Das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck unter der musikalischen Leitung von Lukas Beikircher spielt einen erschreckend konturlosen, breiigen Puccini. Der Chor des Tiroler Landestheaters Innsbruck, der Extrachor des Tiroler Landestheaters Innsbruck und die Wiltener Sängerknaben sind engagiert am Werk, können allein aber den Abend nicht retten.

Aurelia Florian gibt eine im Forte und in der Höhe recht scharfe Tosca, der es an Fundament und Kontur mangelt. Alejandro Roy verlässt sich als Mario Cavaradossi auf das Metall und die Kraft seines Tenors. So fehlt «Recondita armonia» oder «E lucevan le stelle» jegliches Sentiment. Daniel Luis de Vicente fehlt als Scarpia jegliche Autorität. So wenig das Ablassen von einer Vergewaltigung zur Figur des Scarpia passt, so sehr passt es zu Reinhardts Konzeption des Scarpia. Johannes Maria Wimmer als Angelotti, Oliver Sailer als Mesner, Junghwan Lee als Spoletta, Jungkun Jo als Sciarrone und Stanislav Stambolov als Schliesser ergänzen das Ensemble.

Schade um den Aufwand.

Weitere Aufführung Saison 2021-2022: 08.07.2022.

Weitere Aufführungen Saison 2022-2023: 01.10.2022, 06.10.2022, 12.10.2022, 16.10.2022, 30.10.2022, 04.11.2022, 13.11.2022, 10.12.2022, 29.12.2022.

 

04.07.2022, Jan Krobot/Zürich

 

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