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INNSBRUCK/ Tiroler Landestheater: DR ROSENKAVALIER – „Das kommt mir so bekannt….“

24.11.2014 | Allgemein, Oper

DER ROSENKAVALIER“ (22.11.2014/ Pr. 8.11.2014) – „Das kommt mir so bekannt….“

Susanna von der Burg Rosenkavalier Innsbruck 2360
Eine echte Wiener Marschallin mit Charme – Susanna von der Burg. Copyright: Rupert Larl

 Das Tiroler Landestheater setzte als verfrühtes Weihnachtsgeschenk an das Publikum und als Referenz anlässlich des 150. Geburtstag von Richard Strauss dessen unvergleichliche „Komödie für Musik“  in einer NI auf den Spielplan. Kein Werk des Meisters aus Garmisch wurde seit der Wiedereröffnung des Innsbrucker Großen Hauses (1967) so oft neu inszeniert wie der „Rosenkavalier“. Für den vierten Neuaufguss konnte als Regisseur KS Heinz Zednik gewonnen werden. Dass Zednik dieser Kostbarkeit aus Musik und Wort keine Gewalt antun würde, war anzunehmen. Dass seine persönlichen Aussagen zu diesem vielschichtigen Werk jedoch derart spärlich fließen, überraschte dann doch. Zu oft schien es, als ob die nach wie vor im Repertoire befindlichen Wiener und Münchner Produktionen („nach O.S.“) für das Innsbrucker Haus adaptiert worden wären. Während Zednik den Hauptrollen eine gute Personenführung angedeihen ließ, blieben die Vertreter der kleineren Rollen mit wenigen Ausnahmen (der Sänger als Pavarotti-Parodie) sich ziemlich selbst überlassen. All jene, die ausschließlich diese Produktion sehen / kennen, werden sich über eine kreuzbrave, schnörkelfreie Regiearbeit in prächtigem Ambiente freuen.

 Absoluten Anlass zu uneingeschränkter Freude bereiten die herrlichen Bühnenbilder und die wunderbar kleidsamen Kostüme, die sich Michael D. Zimmermann, diesem Ästheten unter den Ausstattern am TLT, ersann. Ein Traum die Roben der Marschallin. Lediglich das zu knallig rot geratene Kostüm des Ochs bei dessen Aufwartung im Stadtpalais der Faninals wollte nicht so ins übrige Ambiente passen (oder war es Absicht?).

 Bei den Konzerten im großzügigen Innsbrucker „Congress“ kann das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck seine Vorzüge stets auf das Vorteilhafteste ausbreiten. Im arg beengten Orchestergraben des Landestheaters (das Innsbrucker Haus hat seine akustischen Tücken) kommt es bei groß dimensionierten Werken leicht zu übermäßigen, ins Lärmende gehenden Klangentladungen, die die Sänger in Bedrängnis bringen und dem Publikum an exponierten Plätzen Ohrensausen bescheren. Der musikalische Leiter der Produktion, Alexander Rumpf, ging anfangs eher ruppig als klangsinnlich zu Werk, um spätestens bei den „Gänsehautstellen“ (Marschallin-Monolog und ff) dem Orchester betörende Töne zu entlocken. Schade, dass sich ausgerechnet beim orchestralen Übergang vom Terzett zum Schluss-Duett kurzfristig empfindliche Dissonanzen einschlichen.

 Früher als geplant kam Susanna von der Burg zum Einsatz und überzeugte auf Anhieb als überlegene, warmherzige Marschallin. Für die charmante Wienerin scheint diese Rolle wie geschaffen zu sein – jeder Ton, jede Geste passt. Sie korrespondiert bestens mit der gastierenden Valentina Kutzarova, einem international gesuchten Octavian mit sympathischem Spiel und unangestrengter, strömender Stimme. Das Trio der Edelstimmen komplettierte Sophie Mitterhuber als bezaubernd couragierte Faninal-Tochter. Ihr kostbarer, silberschimmernder Sopran und ihre zarte Gestalt (wahrhaft „Schultern wie a Henderl“) sind wie geschaffen für die in den heiligen Ehestand eintreten wollende Sophie. Dieser hochkarätigen Frauenphalanx hat der Rollendebütant Johannes Wimmer (Ochs) nur wenig entgegen zu setzen. Der junge Salzburger Bassist, seit 2012/13 dem Hause zugehörig, bewältigte seine bislang umfangreichste Rolle mit Anstand, doch leider ist er kein Sängerdarsteller, dessen stimmliche und darstellerische Qualitäten zu fesseln verstehen. Vielleicht kommen sie noch, aber sicher nicht über Nacht. Reichlich farblos besetzt waren das Intriganten-Paar Annina / Valzacchi mit Kristina Cosumano / Joshua Lindsay, hochachtbar die Leitmetzerin von Susann Hagel sowie der Faninal von Peter Edelmann. Überdurchschnittlich gute Leistungen boten Marc Kugel (Notar + Kommissar) und Michael Gann (Diener bei Faninal), etwas angestrengt wirkte Paulo Ferreira (Sänger). Florian Sterns Wirt kündigte die Ankunft der Marschallin höhenscheu an. Die Klein- und Kleinstrollen (adelige Waisen, Diener, Lakaien) wurden solide von Mitgliedern des Chores des TLT bestritten. Sämtliche Hauptrollen sind doppelt besetzt, was einen Vergleich herausfordert. In Summe eine Produktion, auf die das TLT stolz sein kann.     

  Dietmar Plattner

 

 

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