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INHERENT VICE – NATÜRLICHE MÄNGEL

09.02.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPlakat Inherent Vice~1

Ab 13. Februar 2015 in den österreichischen Kinos
INHERENT VICE – NATÜRLICHE MÄNGEL              
Inherent Vice  /  USA  /  2014
Regie: Paul Thomas Anderson
Mit: Joaquin Phoenix, Josh Brolin, Owen Wilson, Reese Witherspoon, Benicio Del Toro u.a.

Möglicherweise waren alle während der Dreharbeiten wirklich so bekifft, wie sie auf der Leinwand erscheinen? Da kommt einem das Leben doch dermaßen in Schräglage vor? Dieser Film schafft das auch, und dafür muss man als Zuseher schon Sinn mitbringen, sonst findet man das Gebotene nur unendlich nervig.

Nun, Paul Thomas Anderson ist kein Regisseur, der „Normales“ bietet – ob „Magnolia“, ob “There will be Blood“ (sein bisher letzter Film, „The Master“, war da noch andeutungsweise „normal“) –  man muss sich schon grundsätzlich auf ihn einstellen. Aber so schwer wie bei „Inherent Vice“ hat er es einem Normalpublikum noch nie gemacht… Leute, die’s mit Logik haben, werden sich, gelinde gesagt, winden. Dabei gilt der dem Drehbuch zugrunde liegende Roman des amerikanischen „Postmodernen“ Thomas Pynchon als eines von dessen „zugänglichsten“ Werken?

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Wo Joaquin Phoenix ist, geht es exzentrisch zu, er kann wohl gar nicht anders. Mit speckigem Locken und definitiv irrem Blick hängt er als Privatdetektiv und Drogenkonsument Doc Sportello hinter einem siebziger Jahre Schreibtisch in Gordita Beach (ein erfundener Teil von Los Angeles, Realität ade!) und lässt sich von einer ebenso abgefahrenen Braut (im Original ist die schleppende Redeweise von Katherine Waterston schlechtweg unerträglich) eine total verrückte Geschichte erzählen, die von ihrem Liebhaber, dem Millionär Mickey Wolfmann (Eric Roberts, Julias längst vergessener Bruder) und irgendwelchen geplanten Verbrechen handelt.

Wahrscheinlich kommt man am besten durch den langen Rest des Films, wenn man sich jetzt nicht den Kopf zerbricht, was da eigentlich geschieht, denn die Handlung stellt sich als Achterbahnfahrt heraus, als geradezu herausfordernd hingeklotztes Chaos, durch welches die verschiedensten Figuren wirbeln, darunter auch – in oft kurzen Rollen – so bekannte Gesichter wie Josh Brolin (als unliebenswürdiger Polizist), Reese Witherspoon oder Benicio del Toro.

Ist das als Hotchpotch klassischer Krimi-Motive gedacht, mit den üblichen Schauplätzen von Millionärsvilla, Hurenhaus und Polizeistation? Oder als Versuch, how crazy can you get? Schließlich haben die meisten von ihnen die Nase (und den Kopf) voll von Kokain… Nun, es gibt immer viele, denen so etwas (angeblich oder wirklich) gefällt, nur wenige Kritiker wagten als Einwand schlechtweg den Kopf zu schütteln.

Kurz: Nie sollst du Paul Thomas Anderson befragen, wie er von hier nach dort kommt, auch nicht, was er mit dem Ganzen meint. Wer den Blödsinn unterhaltend findet, steigt noch am besten aus. Achtung: zweieinhalb Stunden dauert das auch noch…

Aufgabe für Fans (für alle anderen wär’s die schlimmste aller Strafen): Nachher hinsetzen und erzählen, was man gesehen hat. Mit möglichst genauer Inhaltsangabe. Wer das schafft – der kriegt wirklich einen Einser.

Renate Wagner

 

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