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INFOS DES TAGES (SONNTAG, 9. MAI 2021)

09.05.2021 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (SONNTAG, 9. MAI 2021)

ÖSTERREICH-UMFRAGE: WAS WOLLEN SIE NACH DEN ÖFFNUNGEN ALS ERSTES MACHEN?

Für 46% der Österreicher hat ein Besuch im Gasthaus nach dem Ende des Lockdowns am 19. Mai oberste Priorität. Dies belegt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Unique research für das aktuelle profil. 12% planen einen Kurzurlaub in Österreich. Jeweils 10% wollen shoppen, Kulturveranstaltungen besuchen oder ins Fitnesscenter gehen. 7% planen, als erstes eine Sportveranstaltung besuchen zu wollen. Allerdings geben 27% der Befragten an, auf solche Aktivitäten vorerst verzichten und weiterhin vorsichtig sein zu wollen.

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Auf die Plätze, fertig, los!

Also ja, endlich, es geht los. Am 19. Mai. Alle fangen an und treten sich gleich am ersten Spieltag mit vier Premieren auf die Füße. Egal, sie haben ja nicht alle exakt dasselbe Publikum.

Das Burgtheater zeigt im Akademietheater „Fräulein Julie“ (mit Sarah Viktoria Frick in der Titelrolle), nicht unbedingt eine Novität. Das Theater in der Josefstadt zeigt „Der Bockerer“ (mit Johannes Krisch), nicht unbedingt eine Novität. In der Volksoper darf Direktor Robert Meyer endlich wieder auftreten, also kommt „Der Teufel auf Erden“ von Suppé zur Premiere – teuflische Grüße von einem geschaasten Direktor. Ja, und die Staatsoper bringt an diesem 19. die Live-Premiere von „Faust“, noch ein Teufel unterwegs, allerdings von Castorfs Gnaden.

Die Staatsoper hat einen Spielplan gezaubert, der doch noch alle vorgesehenen Premieren unter einen Hut bringt, Kompliment. Bei „Macbeth“ (10. Juni) muss man sich, Barrie Kosky hin oder her, nicht um den Kartenverkauf bekümmern, wen schert ein Regisseur, wenn die Netrebko singt. Ob die Monteverdi’sche „Poppea“ (22. Mai) noch genügend Interessenten findet? Es sei zu wünschen.

In der Volksoper gibt es noch das Musical „Into the Woods“ von Stephen Sondheim (24. Mai), natürlich wieder mit Robert Meyer. Er hat zwar noch eine Saison vor sich, aber man muss die Feste feiern, wie sie fallen – denn ein Zurück an das Burgtheater von Martin Kusej wird es ja wohl nach den Volkopern-Jahren  kaum geben? Andererseits produziert der ORF so viele Serien, da fallen immer wieder Episodenrollen ab. Und ein Publikumsliebling ist er ja noch immer.

Im Theater an der Wien schließlich erwartet uns nur noch das „Tristan Experiment“ (26. Mai) in der Kammeropern-Dependance, und wie Günther Groissböck (der ja nun wahrlich ein Fachmann für Wagner ist) das Riesenwerk für die winzige Bühne eindampft (und wie er aus Norbert Ernst einen Tristan machen will), das werden sich Wagnerianer sicher nicht entgegen lassen.

Das Burgtheater hat im Akademietheater einige Premieren, mit „Bunbury“ (23. Mai) auch keine Novität, im Thomas Bernhard-Jahr „Die Jagdgesellschaft“ (25. Mai),. Dafür darf man sich im Juni mit Ludwig Wittgenstein auseinandersetzen („Alles, was der Fall ist“ am 8. Juni) und „Pelleas und Melisande“ sehen (12. Juni), was man nur von Debussy kennt, aber eigentlich von Maeterlinck ist.

Sollte sich jemand wundern, warum man Josefstadt-Karten noch nicht buchen kann, ich habe mich erkundigt: Das Haus wird erst mit Abonnenten und „Freunden“ (offenbar ein Verein) gefüllt, bevor die Restkarten ab 17. an Normalbesucher gehen. Das gilt vermutlich auch für die nächsten Premieren: „Die Stadt der Blinden“ von Thomas Jonigk am 27. Mai (klingt so richtig nach einem Josefstädter Stück) und eine der unsäglichen Dramatisierungen, diesmal ist der Schnitzler-Roman „Der Weg ins Freie“ an der Reihe (3. Juni). Immerhin ist Susanne F. Wolf dafür verantwortlich, die sich von Adi Hirschal abgewandt und der Josefstadt zugewandt hat, was sicher ein Quantensprung ist… In den Kammerspielen zeigt die Josefstadt nur ein neues Stück, „The Parisian Woman“, und das so spät (21. Juni), dass es ohnedies nur für die nächste Spielzeit gedacht sein kann.

Nicht wirklich angestrengt hat sich Kay Voges im Volkstheater. Er nennt es „Housewarming“, wenn er zweimal „Der Theatermacher“ (26. Mai) und zweimal „Endspiel“ (2. Juni) zeigt, tatsächlich sind es seine Inszenierungen, die er aus Dortmund mitgebracht hat. (Peymann brachte seinerzeit seine Produktionen aus Bochum ans Burgtheater mit, wenn zwei das Gleiche tun…) Wenn Voges verspricht, dass es für Jandls „Der Traum“ (28. Mai) keinen Text gibt, wofür braucht er Jandl? Aber wir haben wohl viel „Performance“ zu erwarten im wieder einmal neuen, im Moment noch kaputten Volkstheater.

Es ist also genug los, um Theater- und Opernfreunde wieder in Gang zu bringen, wenn sie es wollen. Zumindest die halben Häuser, die ja nur bespielt werden dürfen, sollte man voll bekommen – wenn da nicht (reden wir nicht von den Masken, ja, wir setzen sie auf, ja, wir lassen sie die ganze Zeit drauf) die Sache mit der Testerei wäre. Und die Tatsache, dass man sich wirklich nicht auskennt.

Also, wer beantwortet kompetent die Fragen aller Theater- und Opernbesucher:

Gilt ein Impfpass mit nur einer Impfung als Eintrittsgenehmigung ins Theater und ins Restaurant? Oder erst nach beiden Impfungen? Oder erst nach einer gewissen Zeit???? Und vielleicht auch gar nicht besonders lang? Das ist alles dermaßen unklar!

Für Theater- und Kaffeehausbesucher kann das sehr wichtig sein, vor allem, weil man ja spontan auf einen Kaffee gehen will.. Und was Herr Mückstein da von sich gegeben hat, war hochgradig kuddelmuddelig.

Und wenn man keinen „digitalen“ Impfpass hat, tut es das gelbe Büchlein, das man – natürlich kombiniert mit Personalausweis – vor sich hin schwenkt?

Wir wollen rechtzeitig vor dem 19. ganz präzise, unmißverständliche Regeln für Theaterbesucher!!! Auch für das arme Personal in den Theatern, das hier kontrollieren muss! (Und was ist eigentlich aus Föttingers Idee geworden, Tests vor der Vorstellung anzubieten?)

Antwort erbeten!

Renate Wagner

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Las Palmas de Gran Canaria: Die Geschichte der Amigos Canarios de la Ópera – April 2021

 Eine traditions- und erfolgreiche Opernorganisation

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Foto: Klaus Billand

In dieser 54. Saison der Amigos Canarios de la Ópera – ACO war ich zu drei Aufführungen in Las Palmas, Grund genug, sich einmal etwas detaillierter mit dieser offenbar von der Kunstform Oper begeisterten Gruppe von Freunden zu beschäftigen. Interessant ist, dass der unvergessene Tenor Alfredo Kraus, bekanntlich auf Fuerteventura in den Kanaren geboren, bei der Gründung und Entwicklung der ACO eine ganz wichtige Rolle spielte.

Die Ernennung von Alfredo Kraus zum „Lieblingssohn“ der Stadt Las Palmas führte dazu, dass der Stadtrat ihn ehrte, indem er im Sommer 1967 auf Initiative des Kulturrates Gregorio De León Suárez eine Kommission mit klassischer Musik beschäftigter Bürger ins Leben rief, um eine kleine Opernsaison zu organisieren. Einerseits eine Minisaison mit drei Opern, in denen Alfredo Kraus sang, und zweitens, um zukünftige Spielzeiten zu organisieren. In der ersten Auflage wurden drei Titel gezeigt: eine Belcantista, „La favorite“, „Rigoletto“, und „Werther“, also drei große Spezialitäten des so geliebten Sängers. Diese Gesellschaft war dann auch für die Organisation von jährlichen Opern-Spielzeiten zuständig, ähnlich wie die ABAO von Bilbao.

Die erfolgreiche Werbung von 200 Mitgliedern  ermöglichte schließlich die Gründung des  Vereins „Kanarische Freunde der Oper“. Und weitere Personen bekundeten Interesse. Neben dem großen Erfolg von Alfredo Kraus sorgten u.a. Anna María Rota als Leonor De Guzmán und Charlotte sowie Sesto Bruscantini, der in „La favorite“ einen wunderbaren Alfonso XI. darstellte, für großes Aufsehen.

1968 wurde der Verein gegründet und die Leitung der zweiten Temporada, eigentlich die erste der ACO, fand 1969 statt. Sie brachte vier Titel: “I Puritani”, “Il trovatore”, “Tosca” und “Lucia di Lammermoor”. Alfredo Kraus begrüßte den Erfolg, den sich alle Beteiligten erwartet hatten, und so erlebte man u.a. auch den Bass Agostino Ferrin in allen  drei Opern.

Seither hat die ACO fast alle Sänger von internationalem Rang und Namen nach Gran Canaria gebracht. Bei mittlerweile 54 Spielzeiten (!) kann man unmöglich alle aufzählen. Hier nur eine größere, aber bei weitem nicht vollständige Auswahl der bekanntesten, nicht immer in der Reihenfolge ihrer Auftritte. Wenn man nicht wüsste, dass es sich um die Oper in Gran Canaria handelte, könnte man leicht annehmen, es sei eine Aufzählung von Sängern and der Met oder an der Mailänder Scala über die letzten Jahrzehnte: Katia Ricciarelli, Sesto Bruscantini, Giuseppe Taddei, Giorgio Zancanaro, Paul Plishka, Ghena Dimitrova, Leo Nucci, Luis Lima, Adelaida  Negri, Kurt Rydl, Matteo Manuguerra, Peter Dvorsky, Ilona Tokody, Fiorenza Cossotto, Silvano Carroli, Vincenzo La Scola, Sumi Jo, Theo Adam, Peter Schreier, Reiner Goldberg, Eva Lind, Michèle Charbonnet und Jon Fredric West („Tristan und Isolde“ 2010), Marco Stecchi, Gianni Raimondi, Gianfranco Cecchele, Maria Chiara, Mario del Mónaco (Samson, Otello), Elena Obraztsova (Carmen), María Orán, Andrés Turp, Eduardo Giménez, Luciano Pavarotti, Piero Cappuccilli, Carlo Bergonzi, Giampiero Mastromei, Vincente Sardinero, Jaime Aragall, José Carreras, Florence Quivar, Nino Carta, Giovanni Foiani, Tito Capobianco, Joan Sutherland, Birgit Nilsson, Ingvar Vixel, Samuel Ramey, Robert Hale, Richard Cassilly, Paul Plischka, Louis Quilico, Galina Vishnevskaya, Montserrat Caballé, Lucia Valentini Terrani, Juan Pons, Placido Domingo (Tosca 1978, Carmen 1979), Cesare Siepi, Peter Schreier, Reiner Goldberg, Renata Scotto, Renato Bruson, Ferruccio Furlanetto, Nicola Martinucci, Fiorenza Cossotto, Simon Estes, Doris Soffel, José Bros, Barbara Fritoli, Juan Diego Florez, Roberto Alagna, Emilio Sagi, Yolanta Auyanet, Peter Dvorsky et. al. Hervorheben möchte ich noch, dass Alfredo Kraus 1986 und 87 den Hoffmann in “Hoffmanns Erzählungen“ sang.

1980 wurde auf Initiative des Cabildo das Orquesta Filarmónica de Gran Canaria mit dem Ziel gegründet, ein ständiges Orchester von hoher Qualität zu haben, dem Publikum eine Saison von Sinfoniekonzerten auf Gran Canaria anzubieten und einen musikalischen Grundpfeiler für die Oper zu gewährleisten. Der qualitative Sprung auf musikalischer Ebene war sehr wichtig und grundlegend für den Fortschritt der ACO Temporadas.

Im Jahre 1988 wurde Maestro Jorge Rubio künstlerischer Leiter. Das bewirkte einen intelligenten Austausch von Produktionen mit anderen spanischen Festivals wie Bilbao, Oviedo oder Palma de Mallorca. Mit dem Auftreten von Compagnien aus osteuropäischen Ländern wurde eine Änderung des Repertoires angestrebt. Und schließlich wurden junge Künstler eingestellt, die eine gute Gelegenheit hatten, sich zu beweisen.

Natürlich spielte das italienische und französische Fach eine vornehmliche Rolle.  Eine Erneuerung und Erweiterung des Repertoires gab es aber schon unter Jorge Rubio mit „Salome“ in der Produktion der Chemnitzer Oper (1993), dem „Fliegenden Holländer“ (1994) oder im Folgejahr mit der Inszenierung von Mussorgskys „Boris Godunov“ und Tschaikowskis „Eugen Onegin“ mit Bühnenmontage, Orchester, Chor und Sängern der Kiewer Oper im Jahre 1995. Besonders hervorzuheben sind die beiden erfolgreichen Produktionen der Bonner Oper, „Der Freischütz“ und „Fidelio“ mit einem jungen Mann (!) namens Michael Volle! Rubios deutscher Zyklus wurde 1998 mit „Lohengrin“ mit Paul Frey in der Titeltrolle abgeschlossen, der diese Rolle bekanntlich auch in der Werner Herzog-Produktion in Bayreuth gesungen hat.

Maestro Roger Rossel übernahm im Juli 1998 die künstlerische Leitung. Rossel hatte langjährige Erfahrung auf dem Gebiet der Oper und kam von der Opéra Royal de Wallonie. Seine innovativste Arbeit war die Schaffung eines neuen ACO-Workshops, den er mit der französischen Bühnenbildnerin Marie Claire Van Vuchelen betrieb. All dies führte zu einer Verbesserung des künstlerischen Ergebnisses, reduzierte die Investitionskosten und ermöglichte es, die Produktionen rentabler zu machen. Der ACO-Workshop bestand aus fünfzehn Personen, die meisten aus den Kanaren, die sich auf das Entwerfen, Bauen und Herstellen von Bühnenbildern und Kostümen spezialisiert hatten.

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Foto: Klaus Billand

Das bedeutendste Ereignis dieser Jahre war die Feier von zwei Konzerten des Gran Canaria -Tenors Alfredo Kraus am 17. und 21. März 1999. Trotz seiner Krankheit und weil er den ACO und der Öffentlichkeit auf Gran Canaria nicht absagen wollte, unternahm er außerordentliche Anstrengungen und sang seine letzten beiden Konzerte. Bei dieser denkwürdigen Gelegenheit ehrte ihn der Präsident von ACO, Juan de León Suárez, mit der ersten Gold-Medaille der ACO. Nach seinem Tod beschloss der Verwaltungsrat mit Zustimmung seiner Familie, seinen Namen in die Opernsaison aufzunehmen. Von diesem Moment an heißen sie Festival de Ópera de Las Palmas de Gran Canaria – Alfredo Kraus“.

Mario Pontiggia, ein junges argentinisches Talent, Architekt und Regisseur, arbeitete in den 1990er Jahren mit der Opéra de Monte-Carlo zusammen, als er 1999 zum ersten Mal nach Las Palmas eingeladen wurde (mit „L’Italiana in Algeri“) und 2001 zurückkehrte (mit „La Cenerentola“) und im Jahr 2002, in dem er seine erste Produktion für ACO („Die Zauberflöte“) machte. Ab dieser Saison übernahm Pontiggia die Rolle des künstlerischen Leiters und verlieh der ACO-Saison endgültig eine professionelle Struktur. Zu seiner Arbeit als künstlerischer Leiter gesellte sich seine Rolle als Regisseur, Bühnenbildner und Kostümbildner sowie Leiter des Workshops, der die Realisierung von mehr als zwanzig Produktionen übernahm, von denen viele erfolgreich nach Opern-Compagnien auf der spanischen Halbinsel, nach Monaco und Frankreich exportiert wurden.

Pontiggia suchte die Balance zwischen Stimmen, musikalischer Leitung und Produktionen, eine Neuerung im Konzept der ACO. Bedeutende Dirigenten waren und sind: Marco Armiliato, Pier Giorgio Morandi, Fabrizio Ma. Carminati, Paolo Arrivabeni, Yves Abel, Stefano Ranzani, Miquel Ortega, Riccardo Frizza, Marco Zambelli, Daniele Callegari, Eric Hull, Michele Mariotti, Alessandro Vitiello o José Miguel Pérez-Sierra, Sergio Alapont, Karel Mark Chichon, Francesco Ivan Ciampa, Juan Luis Martínez, Marzio Conti, Giuseppe Sabbatini y Ramón Tebar, sowie immer wieder Erik Hull und Miquel Ortega.

Zu 40-Jahr-Feier der ACO in der Saison 2007 wirkten Mitglieder des Balletts der Wiener Staatsoper unter ihrem Chef Renato Zanella bei einer „Fledermaus“ mit.

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Ulises Jaén, der derzeitige Künstlerische Direktor der ACO; Foto: ACO.

Ulises Jaén, bereits seit vielen Jahren mit den ACO verbunden, ist seit der Saison 2015 für die künstlerische Leitung verantwortlich, um den schweren Zeiten, die die Krise mit sich gebracht hatte, mit einem neuen Modell von Produktionen zu begegnen. Ein Interview mit ihm habe ich im Merker 03/2021 veröffentlicht. Eine herausragende Elina Garanca bot ein unvergessliches Konzert im Auditorium Alfredo Kraus, und man bewunderte die imposante Gesangs- und Bühnenpräsenz von Ambrogio Maestri als Boccanegra.

Spielorte waren von Beginn an das Teatro Pérez Galdós und ab 1997 das neu entstandene Auditorio Alfredo Kraus am Strand von Las Palmas auf der anderen Seite der Stadt, zumal das Teatro Pérez Galdós von 2001 bis 2007 wegen umfangreicher Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten geschlossen war.

Was mich aber besonders beeindruckte, ist die signifikante Präsentation von sehr guten Sängern aus den Kanarischen Inseln. Gerade auch wieder in der laufenden 54. Temporada, die diesmal ausschließlich italienische Opern bringt. Alfredo Kraus ist zwar ein legendärer Sänger der Kanaren, aber wohl kein Einzelfall. In der kürzlichen „Cenerentola“ war unter anderen der kanarische Tenors Xabier Anduaga zu hören, eine Stimme von Weltformat! Ich denke, das ist unter den Opernfreunden in Mittel- und Nordeuropa möglicherweise zu wenig bekannt. Damit hat Alfredo Kraus durch seine elementare Rolle bei der Gründung der ACO seiner Heimat ein bedeutendes Vermächtnis hinterlassen. Die ACO hat es gewürdigt und sich auf diesem Gebiet besonders verdient gemacht.   

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Foto: Klaus Billand

Informationen u.a. aus dem Buch zum 50. Jahrestag der Amigos Canarios de la Ópera, 1967-2017 (Spanisch).

 Klaus Billand                                                                                         

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UNVERHOFFTE FUNDSTÜCKE IM INTERNET- Der Heft-Merker und die Staatsopern-Saison 1957/1958

Man findet oft unverhofft etwas, von dessen Existenz man gar nicht weiß.

Ich fand in meiner (ruhenden) Werkstätte eine Holzdrechselarbeit, die offenbar seinerzeit (in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts) nicht gebraucht wurde (zu hohe Stückzahl bestellt?). Meiner Erinnerung zufolge (ich war in meiner Kindheit sehr oft mit meinem Vater unterwegs) fertigte die Holzdrechselarbeiten für uns ein Herr Witzmann, ein bereits damals älterer Herr mit einer ganz kleinen Werkstätte (etwa 30 m2) in der Vivenotgasse an. Bei oftmaligen Besuchen in der Werkstätte erzählte Herr Witzmann ganz stolz von seiner Tochter, die Opernsängerin ist. Ihr Name: Elisabeth Witzmann.

Ich war damals knapp über 10 Jahre alt und Oper war für mich noch kein Thema, trotzdem erinnerte ich mich anden Glanz in den Augen des alten Holzdrechslerls, wenn er über seine Tochter erzählte. Ich selbst habe Elisabeth Witzmann nie zu Gesicht bekommen, laut deren Vater war sie in erster Linie in Deutschlang engagiert. Dass sie auch an der Wiener Staatsoper singt bzw. gesungen hat, wusste ich nicht.

Am Haus, in der die Witzmann-Werkstätte war, fahre ich praktisch täglich vorbei, längst steht dort ein Neubau. Gestern dachte ich an den alten Drechslermeister und an seine Erzählungen über seine Tochter und wollte im Internet recherchieren, wie sich deren Karriere entwickelt hat!

Biografisches war nicht zu finden, die Karriere der Elisabeth Witzmann fand ja lange vor Internet, Wikipedia und Youtube statt. Ich wollte schon aufgeben, da stieß ich auf einen Link, in dem von „der jungen Elisabeth Witzmann als „Königin der Nacht“ an der Wiener Staatsoper im Mai des Jahres 1958 berichtet wurde. Neugierig geworden klickte ich an und fand plötzlich den „Merker“ (gegründet 1956), der damals noch nicht „Der neue Merker“ war, weil dieser meines Wissens nach von Dr. Sieglinde Pfabigan erst 1989 (neu) gegründet wurde.

Meine Neugier war geweckt, also stöberte ich heute weiter und fand die gesamte Saison. Vielleicht findet sich in Mitarbeiterkreisen wer, der Zeit für Recherche hat. Es müsste noch mehr zu finden sein.

Hier der Link zur gesamten Saison 1957/1958

Um zur gesamten Saison zu gelangen, müssen Sie zuerst diesen Link öffnen (der zum Juni 58 führt), dann ganz nach unten scrollen und den Button ZURÜCK anklicken, dann haben Sie alle 10 Monate zur Ansicht. Kompliziert, ich weiß, aber einfacher kann ich es nicht erklären!

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Noch ein Nachtrag zur Oscar-Verleihung

Noch einmal zum Oscar: Die koreanische Schauspielerin Yuh-Jung Youn gab die charmanteste und amüsanteste Dankesrede des Abends – und die meistgeklickte in den sozialen Medien. Dass sie ausgerechnet von Hollywood-Liebling Brad Pitt den Oscar für ihre Rolle in dem von ihm mitproduzierten Film Minari überreicht bekam freute sie besonders. Die 73-jährige schwärmte vom Oscar-Gewinner des vergangenen Jahres und war selig ihn endlich kennenlernen zu können. Zudem verzieh sie allen, die ihren Namen falsch aussprechen (Sie sagte später, Pitt war der einzige der ihn richtig aussprach). Es war ihr außerdem unverständlich, dass sie sich gegen die mitnominierte Kollegin Glenn Close durchsetzen konnte, die sie sehr bewundert. Close, eine der großen dramatischen Schauspielerinnen des amerikanischen Films ist nach acht Nominierungen tatsächlich immer noch oscar-los. Youn amüsierte das Publikum weiter mit der Aussage, dass ihr Gewinn möglicherweise auf die Gastfreundschaft der Amerikaner zurückzuführen sei. Eine Oscar-Rede die für viel Vergnügen sorgte und DER Höhepunkt der Verleihung war.

Youn’s Oscar-Rede:

https://www.youtube.com/watch?v=wrMxfLgb9CE

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HEUTE ORF „IM ZENTRUM“: Übergriff, Gewalt und Mord – So viele Hilferufe, zu wenig Gehör?

 Am 9. Mai um 22.10 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) – Elf Morde an Frauen gab es heuer schon in Österreich. Die Regierung hat ein Maßnahmenpaket geschnürt und verspricht mehr Geld für den Gewaltschutz. Opposition und Hilfsorganisationen kritisieren, dass „nicht viel Neues“ geplant sei und dass über Höhe und Verwendung der zusätzlichen Mittel bisher nichts bekannt sei. Was muss die Politik tun, um die Sicherheit von Frauen zu verbessern? Wird bei der Prävention die Arbeit mit potenziellen Tätern ausreichend berücksichtigt? Wie können nicht nur Gewaltverbrechen, sondern Gewalt gegen Frauen grundsätzlich verhindert werden?

Darüber diskutieren am Sonntag, dem 9. Mai 2021, um 22.10 Uhr in ORF 2 bei Claudia Reiterer „IM ZENTRUM“:

Susanne Raab Bundesministerin für Frauen, Familie, Jugend und Integration im Bundeskanzleramt, ÖVP
Alma Zadić Bundesministerin für Justiz, Die Grünen
Doris Bures Zweite Nationalratspräsidentin und ehem. Frauenministerin, SPÖ
Andrea Brem Geschäftsführerin Wiener Frauenhäuser
Alexander Haydn Psychotherapeut, Männerberatung Wien
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Echsperten – Michael Hatzius | Mitternachtsspitzen im April 2021

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ZUM YOUTUBE-VIDEO

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