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INFOS DES TAGES (SONNTAG, 28. JULI 2019)

28.07.2019 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (SONNTAG, 28. JULI 2019)

Salzburg/ Festspiele: Das Meer und die Idomeneos unserer Tage

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IM WORTLAUT / FESTREDE PETER SELLARS
http://drehpunkt.infobox.at/index.php?subid=706&option=com_acymailing&no_html=1&ctrl=url&urlid=6112&mailid=1400

Salzburg/ Festspiele: Viel Applaus für Eröffnungspremiere  „Idomeneo“
Nach dem offiziellen Eröffnungsakt gestern Vormittag sind die Salzburger Festspiele am Abend mit der ersten Opernpremiere in die Saison gestartet. Unter der musikalischen Leitung von Teodor Currentzis inszenierte Peter Sellars das Werk als zeitgenössischen Reflexion mit dem durchaus heiklen Anspruch, einen der drängendsten Konflikte unserer Zeit in den Fokus zu rücken: Die Klimakrise.
https://orf.at/stories/3131770/

Erste Salzburger Festspiele-Premiere: Eine Plastikmülloper
Mozarts „Idomeneo“ in der Felsenreitschule: Rührendes Weltumarmungstheater. Die Nachtkritik.
Kurier

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HEUTE BEI DEN SALZBURGER FESTSPIELEN: ADRIANA LECOUVREUR (konzertant)

Adriana Lecouvreur Salzburger Festspiele 2019 Anna Netrebko
Anna Netrebko. Foto: Vladimir Shirokov.

28. juli (15 h). 31. Juli (20 h), 3. August (15 h)

  • Anna Netrebko Adriana Lecouvreur
  • Yusif Eyvazov Maurizio, conte di Sassonia
  • Anita Rachvelishvili La principessa di Bouillon
  • Nicola Alaimo Michonnet
  • Mika Kares Il principe di Bouillon
  • Andrea Giovannini L’abate di Chazeuil
  • Alina Adamski Mlle Jouvenot
  • Valentina Pluzhnikova Mlle Dangeville/Teilnehmerin des Young Singers Project
  • Ricardo Bojórquez Quinault/Teilnehmer des Young Singers Project
  • Josh Lovell Poisson/Teilnehmer des Young Singers Project
Ensembles
  • Philharmonia Chor Wien
  • Walter Zeh Choreinstudierung
 
 
AGRIPPINA Preview

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BAYREUTH: FOTOS „LOHENGRIN“ und „MEISTERSINGER“

„Lohengrin“ am 26. Juli 2019


Camilla Nylund (Elsa). Foto: Enrico Nawrath/Bayreuther Festspiele


Elena Pankratova (Ortrud). Foto: Enrico Nawrath/Bayreuther Festspiele


Klaus Florian Vogt (Lohengrin), Camilla Nylund (Elsa). Foto: Enrico Nawrath/Bayreuther Festspiele


Tomasz Konieczny (Telramund), Elena Pankratova (Ortrud). Foto: Enrico Nawrath/Bayreuther Festspiele

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„Die Meistersinger von Nürnberg“ am 27. Juli 2019


Johannes Martin Kränzle (Beckmesser), Michael Volle (Hans Sachs), Günther Groissböck (Pogner) und die Schar der Meister. Foto: Enrico Nawrath/Bayreuther Festspiele


Klaus Florian Vogt (Stolzing), Camilla Nylund (Eva). Foto: Enrico Nawrath/Bayreuther Festspiele
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Auszug aus „Münchner Abendzeitung: Dürfen wir uns auf den Bayreuther Ring 2020 freuen?

Das junge Team ist in jeden Fall ein Experiment. Dass Pietari Inkinen den Ring vorzüglich dirigieren kann, hat er ja schon in Melbourne bewiesen. Und Valentin Schwarz? Immerhin hat er den Grazer „Ring-Award“ gewonnen – das ist eine gute Empfehlung. Ich gehe davon aus, dass der Regisseur der Bayreuther Festspielleitung bereits das fertige Konzept vorlegen hat müssen – „auf Verdacht“ vergibt Katharina Wagner kein derartiges Projekt!

Und Günther Groissböck ist der Wotan. Die „Münchner Abendzeitung“ streut ihm ob seiner „Kostprobe“ beim Konzert für Wolfgang Wagner Rosen:


Auszug aus Münchner Abendzeitung/ Robert Braunmüller
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Feuilleton: KULTURPOLITIK . ein Dramolett von Thomas Prochazka

Bildergebnis für kulturpolitik

Von Thomas Prochazka

(Ein Dramolett.)

Ein Alt-Wiener Kaffeehaus, in welchem bereits Peter Altenberg und Sigmund Freud verkehrten. Spä­ter Nachmittag. Ein sehr wichtiger Kulturkritiker und ein typischer Vertreter eines Medien­hau­ses sitzen an einem abseits gelegenen Fenstertisch…

http://www.dermerker.com/index.cfm?objectid=73335F40-AD7B-11E9-9B1E005056A611EB

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Tannhäuser Bayreuth – Verhunztes oder befeuerndes Theater?  Trash-Spektakel quer durch digitale Aufbereitungen erobert Kritiker

Einlassungen von Tim Theo Tinn

War das Tannhäuser, war das Theater? Diese freie, trashige, in unseren Alltag gezogene Assoziation (tatsächliche Handlung nur Erinnerungswert) möchte ich nicht – das   überwiegende Feuilleton schon .


Hieronymus Bosch, Der Garten der Lüste, um 1490–1500

Erstaunlicher Weise erheben alle Rezensionen diese Arbeit zur Operninszenierung. Es bleibt ein durchaus unterhaltsames Medienspektakel, keine Tannhäuser Inszenierung nach R. Wagner. Es ist ein eigenständiges Werk. Insbesondere in der überladenen Medien – Welt sollte die Ausrichtung einer szenischen Einrichtung bei Rezensionen formuliert werden: wird das Drama inszeniert oder bearbeitet man freie Assoziationen mit Nutzung diverser Medien außerhalb des Theaters.  La Strada – Anklänge mit „Sex and Crime“ schaffen eine Variante der Konsenzrealität – aber keine überhöhte Wahrhaftigkeit oder Parallelwelt nach Richard Wagners Tannhäuser.  

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 Die sieben Todsünden – Otto-Dix – 1933                            

Ich weiß nicht, ob sich da eine Gilde selbst befeuert – es bleibt aber anzuerkennen, dass die Arbeit vielen gefällt – mir nicht. Diese Arbeit ist also berechtigt, aber Fragen einer theatralen Kultur bleiben, die auch mit Existenz tradierter Theaterformen zu tun hat. Mein Ansatz: die überwiegenden Werke haben eine weite Handlungsbreite/Interpretationsvariabilität, dass man auch in Jahrhunderten diesen Kosmos nicht ausgeschöpft haben dürfte. Daher ärgert mich die Masche, leichtfertig den Stücken neue Handlungen „aufs Auge“ zu drücken.                                                         

Diesen Themen (veränderte Inhalte, digitale Medien, + Verheutigung) und möglichen zukünftigen Formen widme ich mich in 6 Dramaturgischen Schriften und anderen Publikationen (Feuilleton onlinemerker). Hier wesentliche Auszüge:

Vorab: ich bin nicht für schmutzig Trashiges, sondern für ästhetische Poesie. Das ist meine Prägung – kein Dogma oder Anspruch an die Welt, auch wenn ich damit nicht allein bin.

Ich bin gegen die Erfindung werkfremder Inhalte oder werktreuer „Pseudo-Originalität“.  Werkimmanente Sichtung heißt: dramatische Strukturen in Ort, Handlung, Textentsprechung gem. Vorlage und schlüssiger Wahrhaftigkeit bleiben ohne Purismus erhalten – Historismus verhindert Transformation. Werkimmanente Form steht über dem Realismus, ist surreal.

Werkimmanenz: keine Deutungen außerhalb des Werkes liegender Faktoren oder Umstände. Surrealismus: unwirklich, traumhaft, Unbewusstes, Absurdes, Phantastisches.

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Die Versuchung des hl. Antonius – Joos van Craesbeeck – 1650 ?

Max Planck, großer Physiker im 20. Jhdt. (schuf Grundlagen der Quantentheorien): „…. nicht die sichtbare, aber vergängliche Materie ist das Reale, Wahre, Wirkliche –, sondern der unsichtbare (immaterielle), unsterbliche Geist ist das Wahre, Wahrhaftige“ – das gilt es zu finden.

Erstaunlicher Weise ist es in 3 von 4 Kunstformen (bildende Kunst, darstellende Kunst, Musik, Literatur) seit Jahrhunderten selbstverständlich die nackte kalte Wirklichkeit/ Konsensrealität zu verlassen – nur darstellende Theaterkunst bleibt heute rückständig – ist rückständig geworden.

 Tatsächlich traute man sich z. B. schon im 15 Jhdt. mit Monteverdi und Co. in feinstofflichen Welten zu inszenieren. So konnte man mit schöpferischem Gestalten ausdrücken, was Menschen denken und fühlen – heute bevorzugt man die platte Wirklichkeit unser Konsensgesellschaft.

Dramaturgische Schriften Nr. 1 Tim Theo Tinn: (zum Googlen reicht dies)            

Musiktheater ist Parallelwelt in der die ewigen Theaterthemen „Sein/Schein – Wahrhaftigkeit/Wirklichkeit“ ihre Urstände finden. Dunkle Mächte der Libretti werden von der Musik aus der zeitgebundenen Realität in überhöhtes zeitloses Sein, in Bewusstheit geführt, losgelöst vom Hier, vom Morgen und Gestern.

Inszenierungen können mögliche Zeitenwenden antippen – vom erdgebundenen Menschen zum übergeordneten Sein. Ein Menschenbild kann im Theater das Leben mit äußeren und inneren Zielen reflektieren. Das äußere Handeln wird von veränderbaren weltlichen Motiven bestimmt, geboren von begrenztem Denken und emotionalen Prägungen eines Menschenlebens. Das innere Ziel/Handeln führt zum Sein, zur Bewusstheit, verbunden mit einer universellen Intelligenz: Der Mensch kann damit den Irrsinn unserer Zivilisation verlassen, ursprünglichen Zielen folgen. Damit wird eine Basis zu neuer Wirklichkeit, einer neuen Welt angelegt.

Während aktuell Inszenierungen häufig dramaturgisch ins heute gerückt werden, quasi als Spiegel und Reflexion der Inhalte zu gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnissen, die Darsteller oft als normale Menschen in den Mittelpunkt dramatischer Konflikte gestellt werden (die damit mglw. nur an gegenwärtigen grundsätzlich maroden Zuständen gemessen werden), könnte man die Handlungsmuster auch aufbrechen, das anzustrebende Sein in Bewusstheit, die Möglichkeit des Bewusstseinssprungs deutlich vom Menschen als Untier (Assoziationsmontage nach Eisenstein) in überzeitlicher Optik abgrenzen.

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La Tentation de saint Antoine – Félicien Rops,1878

Dramaturgische Schriften Nr. 2 Tim Theo Tinn

 …  in trister Gegenwart / beschränkter Vergangenheit, …                                                                                                                            Alternative: vorwärtsgewandt, mystische Welten in variablen Neu – oder archaischen Zeiten. …  Menschen, mit Tiefe und Leichtigkeit, vital und sinnlich, nicht intellektuell, orientiert z. B. an Pasolini, Tarantino, Dick u. Doof, Grünwald, Bosch, Dix, Magritte. Momente, Empfinden zelebrieren mit Affekten und Assoziationen (Eisenstein). Allzeitige Dramatik verlangt nach Proto – /Archetypen, Auslaufmodellen und Wege dorthin in allzeitigen Dimensionen. Wollen wir erduldete Gegenwart und Vergangenheit oder mögliche Varianten bzw. variable Zukünfte? … Besuchen wir Un– und Überbewusstes:  archaisches Science Fiction – künstlich, unwirklich, für neue „uralte“ gesellschaftliche Theater- Wichtigkeit in unrealisierten Variantenräumen im Universum aller Welten, im Phantasma.


Versuchung des Heiligen Antonius – Matthias Grünewald – 1510

Dramaturgische Schriften Nr. 3 Tim Theo Tinn

Im Hinblick auf heutiges oft nüchtern an tagesaktuelle Konsensrealitäten angelehntes (Musik-) Theater bleibt zu fragen: Kann Naturgegebenes renaturiert werden oder endet diese Individualität/ Kultur des Menschen nach rund 80.000 Jahre endgültig? Dazu muss auch hier die Urkraft des Universums geweckt werden. Theater kann mit kleinem Schubs subtil, verblüffend zu Parallelwelten, dem Urgrund/uralten Energiegewebe/Matrix, zu Quanten- u.  mystischen Geheimnissen, archaischer Vergangenheit und mystischer Zukunft, zu seinem Ursprung, der Seelensprache führen.

Theater- Erblühen/Entfalten: Assoziatives, Metaphern, Allegorien auf mentaler/ emotionaler Ebene imaginieren, Öffnung zu Feinstofflichem. Fantasia mit energetischen Delikatessen: kein Ego wie ein quiekendes, sich windendes Schweinchen bändigen, Spielregeln übertreten, Einflüsse durch Unkonventionelles dämpfen, außergewöhnlich unerwartet reagieren. So brechen wir falsch verinnerlichte Regeln mit lockerer, sorgloser Entschiedenheit ohne Dogmen – Vereinigung extrasensorischer/metaphysischer Realität statt physischem Intellekt.

Die Intuition ist verschwommene Vorahnung. Durch Ablenkung des Verstandes ist die Seele leichter zu erreichen, befreit vom Ego. Also Theater nicht als rational strukturierte, egoorientierte, verkopfte Kritikeranbiederung, sondern als assoziatives intuitives Fühlen, als Intention, Theater der Affekte und Assoziationen, aus Assoziationsmontagen (Eisenstein).

Konsensrealität und idealmögliche Fantastik:  neues altes Wissen wird sich so schnell wie das Internet etablieren. Öffnen wir magische Türen zu seltsamen und ungewöhnlichen Dingen, zu einer Realität, die uns ganz nah ist–nun aus falschen Beschränkungen, Zwängen, Stereotypen und dem desillusionierenden Sumpf erlöst wird.

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Kritisch-paranoischer Surrealismus   – Dalí

Dramaturgische Schriften Nr. 4 Tim Theo Tinn

 Legitimieren zunehmende Anleihen bei TV und Kino, Drolerie, unreflektierter Bespaßung, verleugnete Inhalte, bloße Kulinarik, Amüsement oder obsessive Verinnerlichung eine Theater-Aufführung? Standardisierte Alltagskleidung und alltägliche Konsenzrealität sollte verpönt sein – belegen sie doch in beharrlicher Wiederholung allerorten Gedanken – und Phantasiearmut. Sollte man sich der Konkurrenz anderer Medien durch Eklektizismus entziehen?

Gedanken zu archaischen (uralten) und universal-neuen (ultraneuen) Theaterwirklichkeiten.  Exklusive Einmaligkeit theatral-spezifischer Wesensart – zurück zur Originalität. Warum soll im Theater z. B. unfertiges Kino geschehen?

Wirklichkeit hat zwei Erscheinungsformen: feststoffliche, die wir vital berühren (Konsensrealität=Wirklichkeit, auf die wir uns geeinigt haben = Utilitarismus für Alltag und Kommunikation) und metaphysische, feinstoffliche, jenseits unserer 5 Sinne, die objektiv gleichzeitig existiert,– früher Schattenwirklichkeit genannt.  Heute leben wir sogar in einer Wirklichkeitsrevolution. In wenigen Hundertjahren stieg die Weltbevölkerung von ca. 500 Millionen auf 8 Milliarden. Lebenserwartung hat sich in ca. 150 Jahren verdoppelt. So wächst das Potenzial aller Entwicklungen. Damit einher gingen und gehen unglaubliche bekannte technische und digitale Entwicklungen in feststofflicher Wirklichkeit und faszinierende Öffnungen in feinstoffliche Welten.

 Leider bewegt man sich seit Jahrzehnten meistens auf mühseligen feststofflichen Konsensrealitäten, ohne die großen Wahrheiten/Wirklichkeiten zu befragen. Da waren die Erschaffer der eingefügten Gemälde z. T. vor 500 Jahren schon weiter.

Der Mensch ist mehr als physische Materie, er hat feinstoffliche Energiesysteme. Quantenphysik sieht darin eine Kraft, die sicht- und messbare Realität formt. Nach dem Sieg des Rationalen im Altertum über ein magisch-metaphysisches Weltbild (s. auch TTT-Schriften Nr. 3) gibt es nun Beweise für transzendente Landschaften, Engel, Geister, u.a. als Realität in feinstofflicher Wirklichkeit.  Der metaphysische Variantenraum birgt die Informationen aller potenziellen Ereignisse und ist unendlich. Alles was war, ist, sein wird, sein könnte, ist dort.

Gem. moderner Wissenschaft löst jedes Gefühl chemische Veränderungen z.B. im pH-Wert, im Hormonhaushalt aus, die Gefühle spiegeln menschliche Eindrücke, haben also Einfluss auf den Stoff, aus dem unsere Wirklichkeit besteht. Veränderung geschieht, wenn die Matrix etwas zum Spiegeln erhält. Unsere Selbstbild zu ändern ist der schwierige Weg nach 3 Jhdt. mechanischer Wissenschaften. Wer könnte da besser als das Theater Wege aufzeigen, indem man z. B. auf Ökonomie Ausgerichtetes ignoriert.

Zum intuitiven Öffnen verlorener Kräfte: Worte reduzieren Wirklichkeit. Gedanken sind winzige auch materielle Teile des Bewusstseins. Gedankliche Energie materialisiert potenzielle Varianten, abhängig von unserer Wahl (Unterschied zu Wunsch u. Traum, daher: Geist wird Materie).  Bewusstsein kann keine Information des Variantenraumes direkt lesen, das kann unser Unbewusstes. So kommen Vorahnungen, Intuitionen, Weissagungen, Entdeck-ungen und Meisterwerke zustande (Mozart: „Komponiert ist schon alles – aber geschrieben noch nicht“) – nicht als Ergebnis logischer Überlegung, sondern als Eingebung, Botschaft aus dem Nirgendwo. Gute Musik z. B. entsteht nicht durch sorgfältige Notenwahl, sondern wie von selbst. Tief berührende Meisterwerke entstehen aus der Tiefe der Seele, nicht durch sachgerechte Auslese. „Misslingen hat seine Gründe – alles Gelingen sein Geheimnis“ (Joachim Kaiser). Die Einheit von Seele und Verstand war immer Seltenheit. Noch sind wir gehorsame Marionetten (s. manipulative Gleichschaltung durch Massenmedien,  TTT – Schriften Nr. 3).

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 Meditative Rose 1958 S. Dali

DRAMATURGISCHE SCHRIFTEN TIM THEO TINN Nr. 5

….die  verwässerten Irrtum für außerordentlich positives Machwerk halten. Natürlich gibt es immer wieder auch völlig aus dem Rahmen geratene Spektakel, die unterhaltsam sind und so einen Teil ihres Auftrages erfüllen.

…auch die Physiologie der Wahrnehmung hilft im Musiktheater durch die Gnade unserer Sinnesorgane: Ohren hören alles, was ihnen zugänglich ist, Augen wählen aus, was sie sehen (s. Fovea-Sicht).

Jahrhundertelang bestand überhaupt keine Diskussion über den Regisseur als Nachschöpfer z. B. gem. o.a. Erläuterungen von Brecht. Heute findet man immer mehr anmaßende Selbsterhöhungen: man will ein Stück nicht nur inszenatorisch „umsetzen“, sich vom bloßen Nachschöpfen emanzipieren, nicht nachschaffender Interpret eines vorbestehenden Werkes, sondern Gestalter einer originalen Schöpfung sein.

Als eigenständiges Drama können solche Alltagsgeschichten bei sorgsamer Umsetzung bestehen. Als Inszenierung eines konkreten Librettos im Kontext einer überzeitlich genialen Musik nicht. Brecht dazu: Anstatt die Geschichte zu erzählen, besorgen die falschen Arrangements andere Geschäfte. … unter Vernachlässigung der Geschichte … zaubern sie gewisse Stimmungen beim Publikum, welche die Vorgänge oberflächlich oder falsch erklären, oder sie dienen Spannungen, die nicht diejenigen der Geschichte sind.

Selbstverständlich können solche Experimente wichtige Akzente für eine Werkrezeption setzen, es bleibt allerdings die Frage, in welchem Rahmen dies erfolgen sollte.

Häufig erlebt man bei solchen Abenteuern sehr kopflastige Ergebnisse. Den Veränderungen der Geschichten kann man sich nur kognitiv nähern.  Man muss also den Gehirnschmalz anwerfen – den Verstand benutzen, um Folgerungen einer neuen Geschichte zu kapieren.  Verstehen wollen untergräbt Empfinden, da die oft sinnwidrigen Elemente zunächst auch nur vom Intellekt verarbeitet werden, um zu erkennen, ob eine aufgesetzte neue Geschichte, die oft falsche Textbezüge und fehlenden Anschluss an die musikdramatische Ausleuchtung hat, doch sinnvoll ist.

….man muss ja ständig auf eine ganz andere ggf. konträre Geschichte reflektieren, dass beschäftigt anders als die Aufnahme einer dramatisch-musikalischen Kongruenz, deren Gehalt schon aus dem musikalischen Duktus fließt und dem man seine emotionale Aufnahme öffnen kann. Somit wird die Wahrhaftigkeit der musiktheatralischen Dichtung einer konstruierten Wirklichkeit geopfert, die emotionale Berührung untergräbt, da man ständig gefordert ist abweichende Inhalte gedanklich einzuordnen.

Augen können den Ohren somit durch Unschlüssigkeit kaum folgen. Fazit: Empfindung bleibt auf der Strecke, rationaler Wahrnehmungsdruck als rein intellektueller Prozess ernüchtert.       

   Das steht im Widerspruch zur eigentlichen menschlichen Natur. Unser Bewusstsein in Aufnahme und Bewertung arbeitet assoziativ, interpretativ und selektiv, überwiegend emotional. Mindestens 70 bis 90 Prozent werden somit vom Un–und Unterbewusstsein aufgenommen und reflektiert. Werden diese Kanäle blockiert, entsteht fragendes Unverständnis und Empfindungskollision.          

Tatsächlich dürfen und müssen heutige Inszenierungen Veränderungen, Verdichtungen, Verfremdungen, Überhöhungen nutzen. Dazu sollte allerdings die konzeptionelle Sichtung die Vorlage stimmig im Text, in den Aussagen, in der Atmosphäre spiegeln (s.  auch Spiegelneuronen).  

Dramaturgische Schriften Nr. 6 Tim Theo Tinn

Zerbrechen oder Überhöhen? – Werktreu, werkfremd, werkimmanent? Die Zukunft des Musiktheaters liegt im Bezug zu universalen Welten: was heute passiert oder gestern war ist bekannt,  futuristisch – archaische Möglichkeiten geben Autonomie in Inhalt und Logik und damit Alleinstellungsmerkmale des Theaters, d. h. wir bewegen uns in Parallelwelten, Variantenräumen einer Wirklichkeit, die durch die Erschließung der Quantenenergien ohnehin immer neuere Konturen erhält.

… sich in Fantastik, Symbolik – in Varianten – /Parallelwelten unserer Tageswirklichkeit/ Konsensgesellschaft bewegen – Initiierung der Klangwelten – sollte er bei seinen Libretti nicht auf die Deutungstiefe geachtet werden?

… Inszenierungen bewegen sich erdschwer im Niemandsland …. im Verismus unserer Wirklichkeit, jenseits  … – das kann auch so sein – aber schafft man so die Berührung mit dem Kosmos des Klang-Giganten?

 Gefälschte Inszenierung -Tim Theo Tinn kolportiert  

Inszenierung bedeutet Auftrag zur Einrichtung und öffentlicher Zurschaustellung von konkret benannten Werken. Wenn szenisch, dramaturgisch vom tatsächlichen Inhalt überhaupt nichts mehr erkennbar ist, entsteht Antagonismus. Dem Auftrag wird nicht entsprochen, es wird nicht inszeniert, sondern dilettiert. Die Bezeichnung Inszenator/ Regisseur verflüchtigt sich oft zum unbedarften Antagonisten, ist somit falsch. Dabei bleibt dahingestellt, ob Beauftragte nicht in der Lage sind, dramaturgisch schlüssig zu arbeiten oder bewusste Verballhornung betreiben

Immer häufiger geraten z. B. Musiktheaterinszenierungen zu eigenständigen mehr oder minder geglückten Dramen, die szenisch nichts mehr mit der Vorlage gemein haben. In normaler Wirtschaft handelt es sich dann um eine Fälschung, um Betrug. Dagegen spricht das Grundrecht der Kunstfreiheit. S. aber auch „Wolfgang Beltracchi“, Fälscher bildender Kunst. Sollte dieses Delikt in darstellender Kunst nicht gelten? Wer behauptet, das Libretto einer Oper zu inszenieren, aber etwas ganz anderes macht, die Vorlage völlig ignoriert, täuscht.

Dieser Prozess seit über 30 Jahren hat sich intensiviert. Heute entsprechen viele Inszenierungen nicht mal dem Titel der Vorgabe … Inszenierungen sind schleichend immer seichter geworden und zur Unkenntlichkeit mancher Vorlagen mutiert.

Tim Theo Tinn 28. Juni 2019

Profil: 1,5 Jahrzehnte Festengagement Regie, Dramaturgie, Gesang, Schauspiel, auch international. Dann wirtsch./jurist. Tätigkeit, nun freiberuflich: Publizist, Inszenierung/Regie, Dramaturgie etc. Kernkompetenz: Eingrenzung feinstofflicher Elemente aus Archaischem, Metaphysik, Quantentheorie u. Fraktalem (Diskurs Natur/Kultur= Gegebenes/Gemachtes) für theatrale Arbeit. (Metaphysik befragt sinnlich Erfahrbares als philosophische Grundlage schlüssiger Gedanken. Quantenphysik öffnet Fakten zur Funktion des Universums, auch zu bisher Unfassbarem aus feinstofflichem Raum. Glaube, Liebe, Hoffnung könnten definiert werden). Ist mit Begeisterung für singuläre Aufträge zu haben, nicht für Festengagements. Liste sämtlicher Publikationen seit 1/2018 auf Anfrage (tinn@timtheo.de)

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Der ORF trauert um den ehemaligen Generalintendant Gerhard Weis =

Wien (OTS) – Nach kurzer schwerer Krankheit ist der ehemalige Generalintendant des ORF gestern, am Freitag, dem 26. Juli 2019, im Kreis seiner Familie verstorben. Mit Gerhard Weis verliert Österreich einen großen, besonnenen Denker und zukunftsweisenden Medienmanager, der Radio und Fernsehen des Landes wesentlich geprägt hat.

„Der Tod von Gerhard Weis macht mich tief betroffen“, trauert ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz um Weis. „Gerhard Weis war einer der großen Architekten eines modernen, vielfältigen und relevanten ORF. Er hat nicht nur die Regionalisierung und ‚Verösterreicherung‘ vorangetrieben, sondern den ORF auch als Fenster zur Welt etwa mit der Teilnahme an 3sat aufgebaut. Er hat Info-, Kultur- und Wissenschaftssäulen errichtet, auf denen das ORF-Programm heutzutage noch ruht. Und er hat in einer Zeit der schnell wachsenden Konkurrenz die Grundsteine für die erfolgreiche Flottenstrategie des Unternehmens gelegt. Ohne Gerhard Weis wäre der ORF heute nicht einer der erfolgreichsten öffentlich-rechtlichen Sender Europas. Er war ein Kämpfer für einen starken ORF und hat sich immer aufrecht für zukunftsorientierte Rahmenbedingungen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit voller Energie eingesetzt. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie.“

Gerhard Weis wurde am 1. Oktober 1938 in Wien-Brigittenau geboren. Seine journalistische Karriere startete er 1958 als Zeitungsjournalist. 1967 kam der „strukturelle Frühaufsteher“ zum ORF – zunächst als innenpolitischer Redakteur, später als Ressortleiter Innenpolitik. Ab 1973 leitete Weis die ORF-Hauptabteilung Öffentlichkeitsarbeit, von 1974 bis 1978 war er Intendant für das erste Fernsehprogramm. Es entstanden Serien wie die „Alpensaga“ sowie die Magazine „Schilling“ und „Land der Berge“. 1979 folgte die Leitung der Abteilung „Öffentlichkeitsarbeit, Koordination und Unternehmensplanung“ in der ORF-Generalintendanz.

Weis war während dieser innovativen Zeit auch Chefredakteur in der Generalintendanz. Die Verwirklichung des Gemeinschaftsprojekts „3sat“, die Gründung des „Teletext“, der Minderheitenredaktion und die Einführung der Föderalismusschiene „Bundesland heute“ fielen in diese Periode. Im März 1992 wurde Weis zum Intendanten des Landesstudios Wien bestellt. Auch dort sorgte er für tiefgreifende Änderungen. „Radio Wien“ wurde zum „Neuen Radio Wien“ ummodelliert und auf den Wettbewerb mit den Privatradios vorbereitet.

Ab Oktober 1994 war Weis als Hörfunkintendant tätig und führte erfolgreiche Reformen bei Ö1, das er zum meistgehörten Kultur- und Informationssender Europas umgestaltete, und Ö3, das er erfolgreich auf den dualen Radiomarkt vorbereitete, durch. Seit Februar 1997 war er darüber hinaus Generalsekretär.

1998 wurde er zum ORF-Generalintendant gewählt. In seiner Amtszeit (1998 – 2001) als Generalintendant hat Weis das öffentlich-rechtliche Profil des ORF gestärkt: Information, Wissenschaft und Kultur wurden im Fernsehen ausgebaut, die Marktanteile gehalten. Im Radio blieben die Marktanteile trotz privater Konkurrenz ebenfalls auf hohem Niveau, und mit FM4 wurde ein neues vorwiegend fremdsprachiges Jugendkulturradio aus der Taufe gehoben. „Report international“, „Euro Austria“, „Bundesland heute“ am Wochenende, aber auch „Die Barbara Karlich Show“, „Die Millionenshow“ oder „Taxi Orange“ waren einige der Fernsehformate, die unter Weis auf Sendung gingen. Mit dem von ihm initiierten Neubau des Newsroom-Trakts wurde eine zeitgemäße Heimstätte für alle ZiB-Sendungen des ORF geschaffen. Egal ob Lawinenkatastrophe in Galtür, Tauerntunnelbrand, oder die Terroranschläge des 11. September, mit dem in seiner Ägide als Generalintendant eingeführten und konsequent umgesetzten Prinzips der „ereignisbezogenen Information“ wurde das TV-Regelprogramm des ORF im Falle erhöhter Ereignisdichte mit insgesamt mehr als 250 Sonder- und Spezialsendungen aufgewertet.

Dass dem Bildungsbürger Gerhard Weis Kunst und Kultur und deren Vermittlung an alle Bevölkerungsschichten ein besonderes Anliegen war, spiegelt sich auch in seinem Engagement bei den Vereinigten Bühnen Wien wieder, deren Aufsichtsratsvorsitz er bis zuletzt über zwei Jahrzehnte inne hatte.

Bis zuletzt war Gerhard Weis Vorsitzender des Kulturbeirats von ORF III Kultur und Information und trug in den vergangenen Jahren wesentlich zu dessen Erfolgsgeschichte bei.

Die aktuellen ZiB-Ausgaben und die Nachrichtensendungen und Journale der ORF-Radios gedenken heute an Gerhard Weis. ORF III erinnert am Montag, dem 29. Juli, um 19.45 Uhr in einem „Kultur heute spezial“: Neben Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz kommen zahlreiche Freunde und Wegbegleiter zu Wort. U.a. Journalistenlegende Hugo Portisch, Time Warner International Chef Gerhard Zeiler, ORF-III-Chefredakteurin Ingrid Thurnher, der Geschäftsführer der Vereinigten Bühnen Wien, Franz Patay, Lebensfreund, ehemaliger Informationsintendant und Ars-Electronica Gründer Hannes Leopoldseder, die Direktorin des jüdischen Museums Wien und langjährige ZiB 1-Anchorwoman Danielle Spera, Filmproduzent Rudolf Klingohr, Kulturmanager Josef Kirchberger, u.v.a..
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