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INFOS DES TAGES (SONNTAG, 27. JUNI 2021)

27.06.2021 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (SONNTAG, 27. JUNI 2021)

WIENER STAATSOPER: ERSTE FOTOS VON DER GESTRIGEN BALLETTPREMIERE

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Sinfonie Nr. 15″, Choreographie: Martin Schläpfer (Uraufführung). Fiona McGee, Calogero Failla (c) Wiener Staatsballett / Ashley Taylor

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„Symphony in Three Movements“, Choreographie: George Balanchine. (c) The George Balanchine Trust, Foto: Wiener Staatsballett / Ashley Taylor

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Pictures at an Exhibition“, Choreographie: Alexei Ratmansky. (c) Wiener Staatsballett / Ashley Taylor

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HEUTE IN DER WIENER SAATSOPER: DER DRITTE „LOHENGRIN“ WARTET NOCH AUF KARTENKÄUFER

Es ist heiß, auch die Fußball-Euro ist im Gang.

Samstag um 18 h wies die Website der Wiener Staatsoper noch etwa 90 zu kaufende Karten aus. In Wien herrscht eine begrüßenswerte Transparenz, man kann die Nachfrage also beobachten. Aus Opernhäusern im Nachbarland hört man als Antwort „gut verkauft“, „weitgehend ausverkauft“ – aber keine tatsächlichen Zahlen.

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Adrian Eröd, Kwanchul Youn. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

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Klaus Florian Vogt, Sara Jakubiak.. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Vor einer Woche war die „Ortrud, Tanja Ariane Baumgartner, zu Gast beim „Online-Merker“

Dr. Renate Wagner hat mir ihr gesprochen:

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Renate Wagner, Tanja Ariane Baumgartner. Foto: Herta Haider

TANJA ARIANE BAUMGARTNER: „Ich verteidige meine Figuren!“

Wir haben Tanja Ariane Baumgartner bisher vor allem im Theater an der Wien gehört, nun kam es mit der Ortrud endlich zu ihrem definitiven Staatsopern-Debut. Die deutsche Sängerin ist mittlerweile in der Riege der ersten Wagner-Mezzos aufgestiegen. Sie hat uns ein Gespräch in der Online Merker-Galerie gegeben.
Von Renate Wagner

Frau Baumgartner, nach einem Einspringen als Brangäne vor sechs Jahren und einem geplanten Herodias-Debut, das Covid zum Opfer gefallen ist, haben Sie gestern nun endlich Ihren „richtigen“ Einstieg in die Wiener Staatsoper gefeiert, als Ortrud im „Lohengrin“. Wie war’s?

Es ist Gott sei Dank gut gegangen.

Haben Sie die Homoki-Inszenierung gekannt?

Man hat mir ein Video geschickt. Das ist überhaupt üblich geworden, dass man Videoaufzeichnungen von Inszenierungen bekommt, in die man „einsteigt“, ich werde mir auch vom Münchner „Holländer“ ein Video ansehen, bevor ich Anfang Juli dort singe. In Wien  hatten wir ´für den „Lohengrin“ zwei Orchesterproben, wir hatten eine Bühnenprobe, Regieproben, und wir haben das Stück durchgesungen. Das war eine sehr gute Probenzeit, absolut richtig und auch ausreichend.

Die Ortrud ist in meiner Vorstellung eine wirklich majestätische Persönlichkeit. Und die singt man dann mit Dirndl und „Gretelfrisur“, wie wir sagen. Tut man sich da nicht viel schwerer, als wenn man ein spektakuläres Mittelalter-Gewand trüge?

Ich habe schon das Gefühl, dass die Inszenierung sie als erste Dame des Dorfes charakterisiert. Das passt zu ihr, sie ist eine Machtfrau, die Frau eines einflussreichen Mannes. Und das Dirndl ist ja eigentlich chic, und wenn ich an einem Abend die innere Emotion einer Figur in den Griff bekomme, kommt es bei mir auf das Äußere nicht so an.

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Als Ortrud in der Wiener Staatsoper / Foto: Michael Pöhn

Sie haben ja auch schon „Ortrud-Erfahrung“?

Ich habe die Rolle für Frankfurt geprobt, wurde dann leider krank und konnte sie dort nicht singen. Dann habe ich eine konzertante Aufführung in Lettland gesungen, und dann in Hamburg die Konwitschny-Inszenierung. Ich habe einen hohen Respekt vor der Ortrud, es ist eine herausfordernde Partie, an die Stimme und auch an die Psyche. Ich muss ehrlich sagen, dass ich Probleme hatte, als ich begann, mich mit dieser Frau zu beschäftigen, dieses Überdimensionale, dieses Wünschen und Verfluchen. Erst als mir klar wurde, dass sie wirklich die alte Ordnung vertritt, da bekam ich besseren Zugang. Denn ich möchte meine Figuren auch verteidigen. Ich möchte verstehen, wenn jemand böse ist – und ich habe ja viele böse Frauen zu singen und zu spielen -, warum es so ist.

Da drängt sich ja auch die Klytämnestra auf, die Sie diesen Sommer wieder in Salzburg singen werden. Die eine, Ortrud, wird zerfressen von Haß, die andere, Klytämnestra, von schlechtem Gewissen. Wie wird man diese Frauen eigentlich los? Ich kann mir nicht vorstellen, dass man sich nach einer Vorstellung abbeutelt und sagt, das war’s, ist nur eine Rolle.

Nein, man wird sie wirklich schwer wieder los. Meine erste dieser „starken“ Figuren war die Penthesilea von Schoeck, da fingen sechs Wochen danach Alpträume an, und ich hatte wirklich Schwierigkeiten, das zu verarbeiten. Mittlerweile hat man mehr Erfahrung im Umgang mit diesen Frauen. Und bei Klytämnestra versuche ich dann festzuhalten, dass der Gatte ja doch ihre Tochter geopfert hat, sicher aus für ihn guten Gründen, aber der Mutter ein Kind umbringen – da kann ich nachvollziehen, dass man sich rächt. Das ist natürlich moralisch nicht einwandfrei, aber ein Ansatz, die Frau zu verstehen

Wie lange vor einer Aufführung bereiten Sie sich vor?

Ich bin so vier Stunden vor der Vorstellung im Haus. Da singe ich mich erst einmal ein, dann geh ich in die Maske, und bei Ortrud singe ich mich vor den zweiten Akt noch einmal ein. Und nachher versucht man, los zu lassen. Ich schlafe meist wenig nach einer großen Vorstellung, und es geht erst die nächsten zwei, drei Tage „runter“.

Aus Ihrer persönlichen Erfahrung und aus dem, was Sie von Kollegen wissen: Ist es für einen Sänger noch immer das Ziel der Wünsche, an der Wiener Staatsoper zu singen?

Für mich auf jeden Fall, und ich glaube, für meine Kollegen auch. Ich würde die Wiener Staatsoper wirklich jedem Haus vorziehen, es gibt die Wiener Philharmoniker, und alles ist voll von Tradition. Ich kenne das Haus ja seit meiner Studienzeit in Wien, ich war oft und oft am Stehplatz,, da ist sehr viel Herzblut für mich dabei.

Gibt es weitere Pläne am Haus?

Nächste Saison ist nichts vorgesehen, aber es gibt Gespräche, auch über Rollen und Termine, mehr darf man ja bekanntlich noch nicht sagen.

Ihr Terminkalender ist ja wirklich voll. Nach der Wiener „Lohengrin“-Serie geht es nach München, zum „Fliegenden Holländer“, wobei Sie selten Partien singen, die so klein sind wie die „Frau Mary“…

Es ist auch mal schön, eine „relaxtere“ Partie zu machen, wo man die Stimme entspannt. Außerdem ist dieser Abend für mich wichtig, denn es wird mein Debut in München sein, und es sind die Opernfestspiele, da freut man sich dabei zu sein. Nächstes Jahr wird es ja eine größere Sache dort werden, bei einer Neuinszenierung von „Capriccio“ mit Diana Damrau.

Nun sind Sie ja bei Wagner gelandet und haben fast alles gesungen, was in Ihr Mezzo-Fach fällt. Venus, Ortrud, Fricka, Brangäne und als Höhepunkt die Kundry. Werden Sie es dabei belassen? Das letzte Beispiel dafür, dass eine Brangäne zur Isolde wurde, war ja Petra Lang, und im Hintergrund wäre ja, wie Kolleginnen gezeigt haben, die Brühnnhilde ja nicht unmöglich…

Nein, ich glaube, ich bleibe bei diesen Rollen, die ich derzeit singe. Ich bin ein Mezzo, ich kann einen Ausflug nach oben machen, das geht sehr gut, aber ich möchte meine tiefen Partien nicht verlieren, das wäre zu schade.

Von München geht es nach Salzburg, und dafür, dass Sie so gar keine Mozart-Sängerin sind, sind Sie mit Salzburg ja eng verbunden.

Zu Mozart kann ich nur sagen, dass Dorabella, Marcellina und Dritte Dame wirklich nicht viel sind, aber es liegt nicht an mir, dass ich nicht mehr von ihm gesungen habe. Ich glaube, heutzutage wird Mozart mit schlankeren Stimmen besetzt. Mir tut leid darum, auch, dass Bach nicht auf mich zugekommen ist. In Salzburg bin ich trotzdem seit 2010, und die Geschwitz damals war ein Glücksfall. Erst war ich für eine Magd in „Elektra“ angefragt, und das ging sich mit Frankfurt, wo ich fix im Engagement war, überhaupt nicht aus. Da musste ich blutenden Herzens mein erstes Angebot von den Salzburger Festspielen absagen, weil in Frankfurt die Gora in Reimanns „Medea“ anstand. Und dann kam für diesen Sommer das Angebot für „Lulu“, die später Premiere hatte, und das ging sich aus.

Und seither haben Sie sich in Salzburg als „Spezialistin“ für die Moderne erwiesen mit „Soldaten“ und „Bassariden“. Viele Sänger scheuen vor den zeitgenössischen Komponisten zurück, weil sie an die Stimme doch ganz andere und oft extreme Anforderungen stellen.

Es ist interessant mit den Zeitgenossen, weil man Sachen mit der Stimme macht, wo es auch keine Vorbilder gibt. Dadurch geht man mit weniger Respekt vor anderen Künstlern heran – eine Amneris hat die Simionato gesungen, und man kann es sich auf Platten anhören, man weiß, wie die Damen geklungen haben, und denkt sich: O Gott, wie mache ich das jetzt! Das Problem hat man bei der Moderne nicht, weil es keine Vorbilder gibt. Außerdem bin ich von Haus aus Geigerin, und das hilft schon sehr – auch, weil man solcherart mit dieser Art von Musik ja schon zu tun hatte. Die Erarbeitungsmechanismen sind andere. Auch bin ich durchaus experimentierfreudig, das hilft.

Salzburg 2020 war eine Welt für sich, während andere gleich aufgegeben haben, hat Helga Rabl-Stadler ja das Festival durchgezogen, trotz aller Schwierigkeiten.

Eine großartige Frau! Für mich ist sie die Jeanne d’Arc der Operwelt. Sie hat gegen jegliche Widerstände auf die Festspiele bestanden. Und es wurden tolle Präventionskonzepte gebastelt, letzten Sommer wusste man ja noch viel weniger, wie man mit dem Virus umgehen soll, und das war alles so hervorragend geplant – es war ein unglaublich schöner Sommer. Und ich freue mich auf diesen Sommer heuer, der hoffentlich auch so schön wird, und meine Eltern werden kommen, und in der Freizeit werden wir in der Umgebung wandern, wenn der Schnürlregen ein  Einsehen hat…

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Salzburger Festspiele 2018 *The Bassarids* / Foto Salzburger Festspiele

Sie sind seit zwölf Jahren Ensemblemitglied der Oper Frankfurt…

Nicht mehr. Ich habe das, in Frieden und Harmonie, im Sommer 2020 beendet, aber es wurde abgemacht, dass ich immer wieder als Gast zurück kommen werde. Und es war eine unglaublich schöne Zeit. Ich verdanke Frankfurt zum Beispiel meine ganzen italienischen Partien, die auch für die Stimme so wichtig sind, für die Entwicklung, und die ich so liebe. Eine großartige Zeit, weil sie mir auch ein so breites Repertoire geboten hat, Carmen und Händel, Strauss und die Modernen. Und die Fürstin von Bouillon, eine toll geschriebene Rolle. Diese Jahre haben sich für mich gelohnt.

Wird Ihr Zeitplan auch enger, seit Sie zu unterrichten begonnen haben?

Ja, ich habe ein Angebot angenommen, an der Universität in Bern zu unterrichten, weil ich finde, alles, was ich kann, muss für eine jüngere Generation weiter gegeben werden. Und wenn wir das nicht machen, wer macht es dann? Ich hatte das Glück, von den Alten lernen zu dürfen. Als ich in Frankfurt ins Ensemble kam, gab es Leute, die waren 40 Jahre am Theater, Und ich saß in der Kantine und hörte mir die Geschichten an. Oder was ich von Heinz Zednik lernen konnte, den ich in Salzburg kennen gelernt habe, als er gleichzeitig mit mir in der „Lulu“ sang! Im übrigen kann man unendlich viel auch von den Schallplatten und CDs der Künstler früherer Zeiten lernen. ich sage auch immer meinen Studenten: Hört Euch die Alten an!

Also haben Sie sich entschlossen, frei schaffend zu werden.

Ja, da ist die Arbeit in Bern, und es kommen immer mehr Angebote, die mit der Ensemble-Präsenz in Frankfurt nicht  zu vereinbaren waren. Aber noch einmal: Wir sind sehr gut auseinander gegangen.

Wenn Sie jetzt in die Schweiz zurück kehren… die war Ihnen ja schon immer sehr nahe?

Das deutsche Rheinfelden, wo ich geboren wurde, liegt ganz an der Grenze. Fünf Minuten. Mein Vater war Lehrer, dirigierte den Kirchenchor, bei uns gab es immer Musik, sehr viel Sakralmusik, meine Eltern sangen im Chor, und ich saß da und hörte zu. Und als ich mit neun Jahren kam und sagte, ich will singen, war das in einer so kleinen Stadt nicht einfach. Da fand mein Vater, es sei gescheiter, es erst einmal mit der Geige zu versuchen. Dabei war es noch nicht klar, dass das einmal der Berufswunsch wird, das kam erst später. Aber die Geige liegt sehr nahe bei der Stimme. Ich hatte mein Geigenstudium in Freiburg schon beendet und konnte damit Geld verdienen, als ich in Karlsruhe Gesang studierte. Und dann hörte ich von Helena Lazarska, der berühmten Pädagogin, und ich bin zu ihr nach Santiago de Compostela zu einem Kurs gefahren. Da habe ich sie näher kennen gelernt und habe beschlossen, das Studium bei ihr in Wien fort zu setzen.

Das heißt, dass Wien Ihnen schon seit Ihrer Jugend vertraut ist?

Ja, da war ich andauernd am Stehplatz der Oper, und da sangen Domingo und Carreras… Und dann habe ich ja eigentlich in Wien debutiert. Vieles kommt so seltsam zustande. Ich habe damals in Passau für irgendwelche Konzerte vorgesungen, und dort war ein Musikjournalist in der Jury, der mir sagte: An der Wiener Kammeroper suchen sie eine Rosina. Geh doch mal vorsingen! Und dann habe ich dort vorgesungen, es hat geklappt, und so stand ich auf der Bühne des Schönbrunner Schloßtheaters. Und die Rosina ist eine schöne Partie. Ja, und wenn ich heute längere Zeit in Wien bin, kenne ich mich aus, gehe in Museen, und weiß, wie schön es ist, im Park von Schönbrunn zu spazieren.

Und dann ging es in die Schweiz. Wie kam es zu Ihrem Engagement in Luzern?

Durch ein Vorsingen, das eine Wiener Agentur vermittelt hatte. 2003 hatte ich noch einen Residenzvertrag, ab 2004 war ich fest dort, Direktor war Dominique Mentha, der ja vorher an der Wiener Volksoper gewesen war. Ich bin auch gastweise immer wieder nach Basel, weil es dort einen so phantastischen Korrepetitor gab, der mir ein Vorsingen für die Eboli vermittelte. Und in Basel habe ich dann in der Regie von Hans Neuenfels 2008 erstmals die „Penthesilea“ gesungen, und als die „Opernwelt“ das zur „Inszenierung der Jahres“ wählte, war das wichtig, denn das bringt einen doch in den Fokus. Und darauf kam ich nach Frankfurt und habe es nicht bereut.

Im Herbst werden Sie wieder in Österreich sein und zwar in Linz, beim Bruckner-Fest mit dem Bruckner Orchester Linz  unter Markus Poschner. Was werden Sie dann singen?

„Das klagende Lied“ von Mahler. Ich hatte ja schon einmal einen Linzer Vertrag für „La betulia liberata“, und ich habe mich so gefreut, weil es endlich einmal Mozart gewesen wäre, aber dann kam Covid dazwischen. Das wird dann mein verspätetes Linz-Debut.

Welche Partien würden Sie sich noch wünschen?

Na, ein Mezzo-Traum ist natürlich die Dalila, aber im Moment habe ich das meiste gesungen, was ich wollte.

Wie navigieren Sie eigentlich Ihre Karriere? Überlassen Sie das einer Agentur, oder machen Sie das selbst?

Die Angebote kommen von den Häusern eigentlich direkt zu mir, die Verträge lasse ich dann die anderen machen, das könnte und wollte ich nicht. Man wird auch immer wieder empfohlen, die persönlichen Beziehungen sind sehr wichtig. Und inzwischen besetzen auch sehr viele Regisseure und holen sich Sänger, mit denen sie gut zusammen arbeiten. Im Kreis der Wagner-Sänger begegnet man auch immer denselben Leuten, man kennt sich, und jeder weiß, es wird ein schwerer Abend, jeder muss sehen, wie man am besten durchkommt. Es gibt keine Rivalitäten, es ist schwer genug, wir müssen alle durch.

Derzeit leben Sie wieder in der Schweiz?

Ja, in Biel. Das ist klein, aber sehr schön, liegt an einem See, hat Gebirge im Hintergrund – ich wohne am Land. Wenn ich zwischendurch „daheim“ bin, muss ich ehrlich zugeben, dass mich das Singen Tag und Nacht beschäftigt. Das heißt nicht, dass es fast nichts daneben gibt, aber es ist so ein großes Glück, dass ich diesen Beruf ausüben darf, und auch ein Privileg, auf einer Bühne stehen zu dürfen. Wie viele wollen das, und wie wenigen gelingt es. Und ich denke, es ist eine Verpflichtung, dem Beruf etwas zurück zu geben. Es ist eine Freude für mich, kein Karrieredruck quält mich. Ich wollte immer Musik machen mit den Besten.

Noch eine letzte persönliche Frage: Tanja Ariane – was haben sich Ihre Eltern dabei gedacht?

Das ist einzig und allein mein Werk. Ich heiße Tanja Baumgartner, Tanja ist auch mein Rufname, und die Ariane steht gewissermaßen „stumm“ dazwischen. Aber ich dachte, als Künstlername gibt das mehr her, es gefällt mir einfach so. Es ist nichts Falsches dabei, alles echt!

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OPER FRANKFURT: LUCIA RONCHETTI: INFERNO

Heute Premiere / Uraufführung / Konzertante Vorstellung vom 27. Juni 2021

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Sebastian Kuschmann (Dante). Foto. Barbara Aumüller

Oper
Text von Lucia Ronchetti nach Dante Alighieri, mit einem Epilog von Tiziano Scarpa
Auftragswerk der Oper und des Schauspiel Frankfurt
In deutscher und italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Musikalische Leitung: Tito Ceccherini
Sprachregie: Marcus Lobbes
Licht: Marcel Heyde
Dramaturgie: Konrad Kuhn, Ursula Thinnes, Katja Herlemann

Dante: Sebastian Kuschmann
Dantes innere Stimme: Jan Jakub Monowid, Matthew Swensen, Sebastian Geyer, Eric Ander
Francesca: Karolina Makuła
Ulisse: Alexander Kravets
Lucifero: Alfred Reiter, Sebastian Geyer, Matthew Swensen
Charon, Ugolino della Gherardesca: Frank Albrecht
Minos, Brunetto Latini: Ralf Drexler
Filippo Argenti, Alessio Interminei: Florian Mania
Cavalcante de‘ Cavalcanti, Vanni Fucci: Andreas Gießer
Pier delle Vigne: Anna Kubin

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Karolina Makula (Francesca). Foto: Barbara Aumüller

Vokalensemble
Schumann Quartett
Frankfurter Opern- und Museumsorchester

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ORF III – ERLEBNIS BÜHNE. DIE SENDETERMINE IM JULI 2021

https://www.fernsehserien.de/erlebnis-buehne/sendetermine

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TAKTE, TÖNE, MEISTERWERKE. 3 SAT-DOKU / MUSIKVEREIN FÜR STEIERMARK/ GRAZ
 
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ZUM VIDEO – Länge etwa 30 Minuten
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Klassik-News: Flasche voll! Was erlaube Bayreuth?

Liebe Klassik-Radio-Fans,

darf Bayreuth, was andere nicht dürfen? Ein „Gschmäckle“ könnte man der Causa schon zusprechen, aber bleiben wir bei den Fakten: „Mit Freude und Erleichterung“ hat die Festspielleitung der legendären Wagner-Festspiele die Zusage zur Kenntnis genommen – bis zu 900 Zuschauer pro Vorstellung dürfen auf den Grünen Hügel. Das überrascht, schließlich war Anfang der Woche noch eine Begrenzung auf 226 Personen im Publikum zur Diskussion gestanden.

Um die Sicherheit zu gewährleisten, werden die Zuschauer im Schachbrettmuster gesetzt und müssen die gängigen Abstands- und Hygienebedingungen berücksichtigen. Die Freude ist allerdings nur bedingt: Bayreuths Oberbürgermeister Thomas Ebersberger findet nämlich, dass die Zusage für viele zu spät kommt. Vor allem für die internationalen Gäste, die noch Flug und Hotel buchen müssten. Davon können wiederum Besucher aus dem Umland profitieren. Klassik Radio rät seinen Hörerinnen und Hörern: schnell sein! Anfang Juli beginnt der Vorverkauf …

MEHR DAZU

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HAGEN/ Osthaus-Museum: The Second Best – Julian Schnabel und Jiri Georg Dokoupil in Hagen

Julian Schnabel (* 26. Oktober 1951 in New York City, New York) ist ein US-amerikanischer Maler und Filmregisseur. Der Sohn jüdischer Eltern – sein Vater war ein erfolgreicher Geschäftsmann – wuchs in Brooklyn auf. 1965 übersiedelte seine Familie, der auch noch zwei ältere Geschwister angehören, nach Brownsville, Texas. Nach dem Umzug in die ländliche Umgebung begann Schnabel unter Einsamkeit zu leiden, suchte Trost in der Malerei. Er gilt als einer der Hauptvertreter des Neoexpressionismus/New Image Painting. (Quelle: Wikipedia)

Von Andrea Matzker und Dr. Egon Schlesinger

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Julian Schnabel als Second Best in Hagen.

Augenzwinkernd zeigt Julian Schnabel sein eigenkreiertes und selbstbemaltes T-Shirt mit den Worten „The Second Best“, denn über „Simply The Best“ sprechen sowieso immer alle. Völlig unkonventionell, leger gekleidet, kommt er in Begleitung seines Kollegen Jiri Georg Dokoupil, seines Galeristen Dirk Geuer, des Kurators der Ausstellung, Reiner Opoku, und des Direktors des Osthaus Museums, Tayfun Belgin, zur Pressekonferenz der Ausstellung mit dem Titel „Two Czechoslovanians Walk into a Bar“. Nachdem er seinen Kollegen Dokoupil im Jahren 1982 bei einer Ausstellung in Berlin kennengelernt hatte, kam es vor sechs Jahren zufällig, wiederum in Berlin, zur spontanen Zusammenarbeit mit ihm. Daraus entstanden 13 großformatige Gemälde, die nun im Osthaus Museum von Hagen zu sehen sind.

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Julian Schnabel mit Jiri Georg Dokoupil im Osthaus Museum von Hagen. Foto: Andrea Matzker

Julian Schnabel macht keine normale Pressekonferenz. Nein, er nimmt die in der Runde aufgestellten Stühle und fordert alle Anwesenden auf: „Take your chair“ und vergrößert den Kreis, um die großen Werke aus der Entfernung besser auf sich wirken lassen zu können. Einem Herrn, der nicht ganz so gut zu Fuß ist, hilft er kurzerhand mit „Come!“ auf die Beine und führt ihn zu einer neuen Sitzmöglichkeit. Eine Journalistin fragt ihn, ob sie ihn fotografieren könne vor einem seiner Bilder. Er bittet sie, doch Englisch mit ihr zu sprechen, auch wenn er gerne Deutsch sprechen würde: „Später gerne. Jetzt mache ich keine Fotos vor meinen Bildern, ich will sie mir erst einmal ansehen!“ Denn seit ihrem Entstehen vor sechs Jahren hat er sie nie mehr gesehen, vor allem nicht in diesem ausgezeichnet gehängten Zustand.

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Julian Schnabel mit seinem Werk Untitled Cologne Cathedral 2016.

„Wenn ihr wollt, erzähle ich euch vor jedem Bild, wie es dazu kam, wenn ihr das wissen wollt. Ich denke, das ist interessanter als eine langweilige Sitzung.“ Mit diesen Worten geht er, umzingelt von den Journalisten und Fotografen, in den Nebenraum: „Aber nur, wenn einer einen Stuhl für den Herrn holt, der noch nebenan sitzt, damit er es auch hören kann. Als keiner einen Stuhl holt, geht er zurück in den Saal mit dem Herrn und fängt dort an.

Die Journalistin von vorher: „Erinnern Sie sich, wie lange Sie an den Bildern gearbeitet haben?“ Julian Schnabel: „Natürlich! Ich habe doch keinen Alzheimer! So ca. drei Tage lang.“ Und dann erzählt er bildhaft von der Entstehung der „Bubbels“ (Blasen) auf den großen Werken. Befragt nach seiner Motivation für das Malen, antwortete er mit den Worten van Goghs aus dem von ihm produzierten Film: „Wenn ich male, denke ich nicht.“ Und weiterhin: „Für mich ist Malen wie Atmen.“

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Julian Schnabel mit seinem Sohn Cy in Hagen

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Julian Schnabel mit seinen Kindern Lola und Cy

Begleitet wird er auch von seinem Sohn Cy, dem er zwischendurch den Inhalt seiner Jackentasche reicht, und begrüßt, umarmt und küsst zwischendurch herzlichst eine wunderschöne junge Frau: „Das ist meine Tochter Lola. Sie ist auch Malerin, und zwar eine sehr gute Malerin.“ Von der Ausstellung ist er sehr angetan, alle Bilder sind so gehängt, dass sie großartig – jedes einzelne für sich – wirken. Als sei das Haus für sie geschaffen.

Sein Freund Jiri und er haben beide tschechische Vorfahren, und die Zusammenarbeit mit ihm erwuchs auch aus dem großen Vertrauen heraus, das die Freunde sich gegenseitig entgegenbringen. Selbstverständlich haben sie die drei Tage der Zusammenarbeit nicht nur gemalt, wie er lachend sagt, und Dokoupil führt an „Es waren auch ein paar Whiskys dabei“, daher auch der Titel der Ausstellung.

Zauberhaft, mit sehr viel Geschmack und Geist zusammengestellt, ist auch die riesige Einzelausstellung „Prints 1983-2021“ Schnabels, die in den weiteren, großzügigen und zugleich verschachtelten Räumlichkeiten des Museums zur Geltung kommt, darunter ein entzückendes Kabinett mit seinem Kölner Dom und weiteren Werken oder den vielen durch Italien inspirierten Gemälden, Graphiken und Drucken. Beide Ausstellungen werden am 27. Juni 2021 für das Publikum eröffnet, dauern bis zum 15. August 2021 und sind absolut sehenswert. Parallel dazu ist die von Schnabel eingerichtete Böhm-Kapelle in Köln ein weiteres Ereignis, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

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Julian Schnabel: Untitled For Anna Magnani 1984. Foto: Andrea Matzker

Kurz: Ein überzeugender Mann und Künstler hinter einem eindrucksvollen Werk, wahrhaft, echt und menschlich, wie die von ihm verehrte Anna Magnani, die am 26. März 1956 um 5:30 Uhr morgens im Morgenmantel am Telefon in Rom von ihrer Oscar-Verleihung erfahren hatte, und der er in der Ausstellung ein Werk gewidmet hat.

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Julian Schnabel signiert Poster der Ausstellung mit seinen Kindern Lola und Cy. Foto: Andrea Matzker

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Julian Schnabel vor einem seiner Werke. Foto: Andrea Matzker

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Julian Schnabel mit seiner Tochter Lola. Foto: Andrea Matzker

Andrea Matzker und Dr. Egon Schlesinger

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„IM ZENTRUM“: Die beschädigte Demokratie – Orbans Politik und Europas Alarmrufe

 Am 27. Juni um 22.10 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) – Kann Ungarn Mitglied der Europäischen Union bleiben? Diese Frage stellen einige Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union mit aller Ernsthaftigkeit. Anlass ist ein ungarisches Gesetz, das Informationen über Homosexualität einschränkt und das EU-Kommissionspräsidentin Von der Leyen als „Schande“ bezeichnet hat. Während der ungarische Regierungschef Orban darin keine Diskriminierung sieht, ist es für seine Kritiker der nächste Schritt Ungarns in Richtung illiberale Demokratie. Die Debatte erhielt europaweite Aufmerksamkeit, als bei der Fußball-Europameisterschaft mit Regenbogenfarben Solidarität mit Homosexuellen in Ungarn demonstriert werden sollte. Wie sollen Österreich und die anderen EU-Staaten auf die politischen Entwicklungen in Ungarn reagieren? Ist das jüngste Gesetz mit den europäischen Grundwerten überhaupt vereinbar?

Darüber diskutieren am Sonntag, dem 27. Juni 2021, um 22.10 Uhr in ORF 2 bei Claudia Reiterer „IM ZENTRUM“:

Othmar Karas Vizepräsident des Europäischen Parlaments, ÖVP
Ewa Ernst-Dziedzic Nationalratsabgeordnete, Die Grünen Sprecherin für Außenpolitik, Migration, Menschenrechte, LGBTI
Paul Lendvai Publizist, Buchautor
Dávid Vig Direktor Amnesty International Ungarn
Boris Kálnoky Leiter Medienschule Mathias Corvinus Collegium, Budapest
Franziska Tschinderle Journalistin „profil“
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