Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

INFOS DES TAGES (SONNTAG, 15. MAI 2022)

15.05.2022 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (SONNTAG, 15. MAI 2022)

WIENER STAATSOPER: DIE SPIELZEIT 2022/23: START VORVERKAUF

Vorverkauf - Theater am Fluss

Kommenden Montag, den 16. Mai um 10.00 Uhr startet der Vorverkauf für die neue Spielzeit. Ab diesem Zeitpunkt können Sie Karten für Vorstellungen im September und Oktober kaufen. Für alle Vorstellungen ab 1. November bis zum Ende der Saison 2022/23 können Sie Karten vorbestellen.

Die Höhepunkte im September und Oktober

Die Saison startet mit der Wiederaufnahme von La Juive unter der Leitung von Bertrand de Billy. Als Eléazar kehrt Roberto Alagna zurück an die Wiener Staatsoper. Die Rachel singt – in ihrem persönlichen Rollendebüt – Sonya Yoncheva und als Kardinal Brogni ist Günther Groissböck zu hören. Er singt im September auch den Sarastro in Mozarts Die Zauberflöte. Eine zweite Wiederaufnahme steht dann im Oktober am Programm, Leoš Janáčeks Jenůfa. Zum ersten Mal in der Titelpartie im Haus am Ring zu hören ist Asmik Grigorian. Ein Wiedersehen gibt es mit Carmen, in einer erstklassigen Besetzung mit Elina Garanca in der Titelpartie und Piotr Beczala als Don Jose. Auch Benjamin Bernheim ist gleich im Oktober wieder zu Gast: Als Herzog in Verdis Rigoletto.

Ebenfalls in den Zeitraum September/Oktober fällt die erste Opern-Premiere der neuen Spielzeit: es handelt sich um ein besonders interessantes Projekt, eine szenische Umsetzung von Mahlers Klagendem Lied und seinen Kindertotenliedern: Von der Liebe Tod. Regie führt Calixto Bieito, Florian Boesch gibt sein Hausdebüt an der Wiener Staatsoper, ebenso wie Dirigent Lorenzo Viotti.

Ende Oktober erwartet Sie dann die erste Ballett-Premiere der Saison: Ballettdirektor und Chefchoreograph Martin Schläpfer kreiert für das Wiener Staatsballett Dornröschen – eine Uraufführung.

Sie können die Karten online auf unserer Website, persönlich bei allen Bundestheaterkassen oder telefonisch kaufen. Alle Informationen zum Kartenkauf finden Sie hier, Adressen, Telefonnummern und Öffnungszeiten hier.

Gleichzeitig mit dem Vorverkauf für die Saison 2022/23 stellen wir auf ein neues Ticketingsystem um. Selbstverständlich haben wir alles so vorbereitet, dass der Umstieg für Sie möglichst reibungslos verläuft. Dennoch könnten beim Login oder auch beim Kaufprozess vereinzelt Fragen auftauchen. Sollten Sie Hilfe benötigen, so rufen Sie +43 1 51444 2222 (Mo – Fr 10.00-16.00 Uhr) oder schreiben Sie uns ein e-Mail an tickets@wiener-staatsoper.at.

Da Sie beim ersten Login in das neue System Ihr Passwort ändern müssen, bitten wir Sie, sich schon vor dem Vorverkaufbeginn am Montag um 10.00 Uhr einzuloggen. Um etwaige Fragen zur Anmeldung vor dem Vorverkaufsstart klären zu können, ist unsere Hotline am Montag, den 16. Mai, ausnahmsweise schon ab 9.00 Uhr erreichbar. Hier finden Sie außerdem die FAQs zum neuen Webshop. Bitte beachten Sie, dass erst ab 16. Mai 10.00 Uhr Veranstaltungen im Webshop aufscheinen.

Spielplan 2022/2023
____________________________________________________________________________

DEUTSCHE OPER BERLIN: LOHENGRIN (Heute) und am 22.5.

Dirigent Sir Donald Runnicles; Regie Kasper Holten; Mit Günther Groissböck, Klaus Florian Vogt, Camilla Nylund, Martin Gantner, Anna Smirnova, Thomas Lehman u. a.

loh
ZU INSTAGRAM mit weiteren Fotos

Das zweite Foto möchte ich Ihnen gar nicht zumuten, betrachten auf eigene Gefahr“

Angeblich soll es bei der Choroper „Lohengrin“ im Chor viele positiv Geteste geben. Kommt die Deutsche Oper da irgendwie heraus?

Auszug aus Programmheft der Deutschen Oper Berlin

Wahlkampf in Brabant – Kasper Holten inszeniert Wagners LOHENGRIN als zeitloses politisches Machtspiel: Putin beim Armdrücken und beim Ausgraben einer antiken Amphore, Putin als Pilot eines Löschflugzeugs, nicht zu vergessen das Bild mit dem sibirischen Tiger! Putin beim Tauchen, Klettern, Rennwagen fahren und beim Versuch, eine Bratpfanne zusammenzudrücken. Ob ihm Letzteres gelungen ist, ist nicht dokumentiert, aber darum geht es ja auch nicht. Was zählt ist die Pose, die Inszenierung des Helden. Die damit verbundene Botschaft lautet freilich: Willst Du den strahlenden Sieger an der Spitze des Staates, frage nicht, woher er kam oder wie er die Macht errang, denn er will Dich ins Heil führen. Einige Politiker, die hierzulande am hellsten, am selbstsichersten in die Kameras gestrahlt hatten, sind nicht mehr im Amt, weil wir nach deren Vergangenheit gefragt und unangenehme Wahrheiten ans Licht gezerrt haben. „Erkennt Ihr ihn, so muss er von Euch ziehn“.

_______________________________________________________________________________

SOFIA: Kurzbericht ARIADNE AUF NAXOS – NI am 14. Mai 2022

schlu
Schlussapplaus mit Vera Nemirova und Evan Alexis Christ. Foto: Klaus Billand

 Erfrischender Strauss in Sofia

Gestern Abend erlebte die Neuinszenierung der „Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss in der Inszenierung der bulgarischen Regisseurin Vera Nemirova an der Sofia Opera ihre dritte Aufführung. Unter der musikalischen Leitung von Evan-Alexis Christ, der sich hier immer mehr im deutschen Fach profiliert, war eine erfrischende, ideenreiche Version der „Ariadne“ zu sehen und zu hören, die zudem staunen ließ, wie die bulgarischen Sänger des Sofioter Ensembles mit den semantischen Feinheiten und dem Witz des deutschen Librettos von Hugo von Hofmannsthal zurechtkamen. Das wirkte alles zu jeder Zeit authentisch und nicht zuletzt auch mit Hilfe von Anna Tomowa-Sintow, nicht nur eine ganz große Ariadne ihrer Zeit, bestens einstudiert.

unbenannt
Stanislava Momekova (Zerbinetta). Foto: Klaus Billand

Das Vorspiel wurde aufgrund der ausgezeichneten Personenregie, in der jeder Handgriff saß, äußerst kurzweilig, unterhaltsam, und regte auch immer wieder um Schmunzeln an, wobei Nemirova der aufkeimenden Liebesbeziehung zwischen Zerbinetta und dem Komponisten feinfühlige Momente des Innehaltens wie eine Oase im allgemeinen Chaos gewährte. Ein schlichter grauer Container bildet hier das Bühnenbild von Jens Kilian, der sich mit Fallen der Vorhangs spektakulär zur Oper öffnet. Die Kostüme von Pavlina Eusterhus sind ebenso farbenfroh, unkonventionell wie aktuell und passend zu dieser Dramaturgie. In der Oper sehen wir dann den für Wien nicht unbedingt typischen „reichen Mann“ mit seiner Entourage als absolute Kunstbanausen vor einem kitschigen Venedig-Bild speisen und Zigarre rauchen. Kaum hat das Stück begonnen, ruft das Handy des Haushofmeisters den Herrn zum Geschäft. Die Truppe taucht dann nur noch einmal zu Zerbinettas Arie auf, wohl wegen der schönen Beine der auch ebenso schön singenden Stanislava Momekova. Starker Szenenapplaus und viel Brava!

ech
Vesela Yaneva (Dryade), (Silvia Teneva (Echo) und  (Najade), Lyubov Metodieva. Foto: Klaus Billand

Lilia Kehayova ist ein von Beginn an sich kräftig artikulierender und angesichts der Entwicklungen überaus echauffierter Komponist und Gabriela Georgieva eine klangvoll singende und lange depressive agierende Ariadne, die nach ihrem Monolog ebenfalls Szenenapplaus erhielt. Martin Iliev gibt einen sich langsam auf Ariadne einstellenden Bacchus. Starken stimmlichen Eindruck bei einer besonders phantasievollen Choreographie machen die Naïade der Lyubov Metodieva, die Dryade der Vesela Yaneva und das Echo der Silvia Teneva. Alle kleineren Rollen sind ebenfalls bestens besetzt und hervorragend geführt. Man merkte die Regie-Pranke der Nemirova. Und es ist auch hervorzugeben, dass der Generaldirektor der Sofia Opera, Plamen Kartaloff, eine komplette Zweitbestzung bereithält, bei Zerbinetta und Ariadne sogar eine Dreifachbesetzung, die heute Abend zum Einsatz kommen wird.

 Evan-Alexis Christ konnte das Orchester der Sofia Opera zu einem guten Strauss mit allen Feinheiten und emotionalen Ausbrüchen motivieren und sorgte mit exaktem Schlag nicht nur für perfekte Einsetze der Musiker sondern durch große Sängerorientierung auch bei den Akteuren auf der Bühne. Man konnte großen Teamgeist feststellen. Absolut sehens- und hörenswert!

(Detaillierte Rezension folgt in Kürze).

Klaus Billand aus Sofia

_________________________________________________________________________________

 TTT.VINYLSCHÄTZE 31: Richard Wagner modelliert Gluck 1854 – Klemperer öffnet den Kosmos! „Iphigenie in Aulis“ 1774, Ouvertüre 

kle1
KLEMPERER, Holzschnitt auf Japanpapier, Ewald Dülberg, 1917

Oft, viel zu oft erlebe ich Dirigate unmusikalischer Dirigenten lahm, dröselnd, uninspiriert bis zur sakralen Entstellung, da bleibt nichts vom Charakter komponierter Großartigkeiten! Aber …“  (s. auch Fußnote zur Aufwertung fader Eindrücke durch Synästhesie)

Philharmonia Orchestra London, Otto Klemperer,  Gluck/ Arr. Wagner, 1962 

https://www.  youtube.com/watch?v=3gV1Z7EVeU8    11.53 Min.

Orchester der Oper Lyon,  John Eliot Gardiner, Gluck, 1990

https://www.youtube.com/watch?v=99n2peII474     6.30 Min.

“Iphigenia in Aulis” in der Bearbeitung von Richard Wagner

 https://dasorchester.de/artikel/iphigenia-in-aulis-in-der-bearbeitung-von-richard-wagner/

Otto Klemperer (* 1885 Breslau; † 1973 Zürich) „Ein deutsch-jüdisches Künstlerleben“

https://dieterdavidscholz.de/Oper%20%26%20mehr/%C3%BCber-otto-klemperer.html

kle4

Mätzchentabelle: 14 markante Posen modernen Dirigierens; Zeichnung von Hans Schliessmann, 1905

Fußnote: Meinungschleudern suggerieren falsche Qualitäten / vorgebliche Kompetenzen!

Auszüge aus Kritiken etablierter Printmedien, deren Glaubwürdigkeit klemmt, deren Text ich kaum erfassen kann! Was wollen die Genialen sagen?

„Unter seiner Anleitung webt das … Orchester feinste Klangschleier, es ziseliert Rhythmen aus Eleganz und Verlockung, es lässt die oft durch Störmanöver grundierte Vielstimmigkeit wie ein lebendiges Wesen erscheinen. Zudem suggeriert es den Hörern, dass Akkorde nicht nur Klänge, sondern Erotik und Duft sein können. So viel Synästhesie war … schon lang nicht mehr.“ (Anmerkung Synästhesie: rhetorisches Stilmittel, wenn Töne schmecken oder Farben duften, auch Krankheitsbild!)

„ … dominiert die Aufführung von Beginn an mit plastischer Präsenz, holt den Klang nach vorn, am Rand zur Übersteuerung, … Die vielen Spezialeffekte der Instrumentierung treten mit maximaler Deutlichkeit hervor, und oft klagen die Celli schöner wie jede Sängerin auf der Bühne…. er übertrifft sie mit sinnlicher Farbigkeit und einem klar aufgefächerten, französisch-kühlem, bläserbetonten Klang. Klingt … sensationell.“

Imagepflege, Selbstbeweihräucherung frei nach (in schlechter Übersetzung) Bajazzo – Prolog  „Schaut her, ich bin’s – nur ich kenne das Wahre, Schöne und Gute, lasse Euch Unkundige an meinem Genius teilhaben!“

Diese Gilde von offensichtlich frohlockend Lobpreisenden formuliert in diffusen bzw. unkenntlichen Kriterien Kompetenz heischend, mglw. auch in seltsamem Lobbyismus, der ggf. zu fragwürdigen Protektionen führt.

TTT zu derselben Darbietung: „ … die musikalische Umsetzung im Dirigat … enttäuschte nicht. Er mühte sich wacker am Pult und erreichte eine im Tempo und Dezibel ansprechende Umsetzung. Agogisch (individuelle, lebendige Ausgestaltung) bleibt noch Luft nach oben.“

Wohl wissend durch Quantenthemen durchaus herausfordernd zu formulieren, weise ich darauf hin, dass meine Einlassungen die reale Welt in entdeckter feinstofflicher Energetik mit neuen Perspektiven spiegelt, während irreale Synästhesie sich nur aus Bezug zu Schädelschöpfungen mehr oder minder angemessener Vernetzung von Sinnesreizen im Gehirn bildet.

Nach wissenschaftlichen Studien erreichen Wortkaskaden synästhetischer Wahrnehmungen  bis zu einem Viertel aller Menschen, bilden daher ein singuläres Instrument der Abgrenzung, somit Ausgrenzung! Nach diesen Erkenntnissen können drei Viertel der Leute diesen hochtrabenden Phantasmaflügen nämlich nicht folgen.

Tim Theo Tinn 14.05.2022

_________________________________________________________________________

New Yorker Wien-Liebe geht um die Welt

Viennese Opera Ball: Daniel Serafin, Leo Hillinger, Silvia Frieser, Ernst Woller und Wolfgang Köchert © Stefan Joham
Daniel Serafin, Leo Hillinger, Silvia Frieser, Ernst Woller, Wolfgang Köchert. Foto: Stefan Joham

Der 66. Viennese Opera Ball in New York City stand Freitagabend im Zeichen des Facettenreichtums der Liebe.

New York City (LCG) – Wie sehr Menschen sich nicht erst seit Covid-19 nach Kultur und Tradition sehnen, zeigt der Viennese Opera Ball in New York City. Immigranten führten ihn ein, um den schönen Traditionen Österreichs verbunden zu bleiben, die rot-weiß-rote Kultur zu feiern und die transatlantische Freundschaft hochleben zu lassen. Freitagabend eröffnen Silvia Frieser (elegant eingekleidet von Malan Breton) und Daniel Serafin das große Comeback der Bälle mit der 66. Auflage des Viennese Opera Balls, der als Botschafter des österreichischen Charms einen fixen Platz im Terminkalender der New Yorker Society hat und jedes Jahr mehr Österreicher anlockt. Das diesjährige Motto „A Night of Love“ könnte treffender nicht sein und versteht sich als Friedensbotschaft. Intonalisiert hat sie der ukrainische Opernsänger Iurii Samoilov mit dem populärsten Lied seines Heimatlands, bevor er demnächst an der New Yorker Met debütieren wird. Künstlerisch ließen Frieser und Serafin mit einem Line-up aufhorchen, das die Herzen der Opernwelt höherschlagen lässt: Carolina López Moreno, Donata D‘Annunzio Lombardi oder Matthew White, Nadine Sierra und Johanna Will. Die Eröffnung verantworteten in bewährter Tradition Sandra Stockmayer (stilsicher von Michel Mayer eingekleidet) und Roman Svabek, die dafür sorgen, dass die Debütanten unter weiblicher Ägide einziehen und auch Manhattener binnen weniger Tage einen gekonnten Walzer auf das Parkett legen.

„Der erste Wiener Ball nach zwei Jahren Pandemiepause verbindet unsere Städte noch enger und steht im Zeichen gemeinsamer Liebe zur Kultur“, betont Wiens Landtagspräsident Ernst Woller.

„Kultur überwindet alle Grenzen. Liebe ist die Antwort auf den fürchterlichen Krieg gegen die Ukraine“ so Samoilov.

„Wir tragen Österreich im Herzen und der Viennese Opera Ball in New York City trägt die herzliche Botschaft von Frieden und Liebe um die Welt“, sind Frieser und Serafin überzeugt

Alles Walzer im Big Apple

Den Auftakt der Ballsaison nach zwei Jahren Stille am Tanzparkett feierten im Blumenmer von 20.000 roten Rosen mit Cheers auf rot-weiß-rote Tropfen von Esterházy, Hillinger und Schlumberger unter anderem Manhattans Society-Ikonen Denise Rich, Jean Shafiroff, Sylvia Hemingway, Maribel Lieberman sowie Milliardär John Paulson (u.a. Horizon Therapeutics und Novagold Resources) und Kosmetik-Tycoon Peter Thomas Roth. Die rot-weiß-rote Falgge am charmanten Manhattaner Parkett hielten unter anderem hoch: Wiens Landtagspräsident Ernst Woller, Winzer Leo Hillinger, Klaus Panholzer (Schloss Schönbrunn), Peter Hosek (Schloss Schönbrunn Konzerte), Markus Bachmann (Sonor Wines), Dirigent Vinicius Kattah, Karl Wessely (Esterházy), Traditionsunternehmer Albert Maurer (M. Maurer), Künstler Faith Da Silva, Juwelier Wolfgang Köchert oder Generalkonsulin Helene Steinhäusl.

___________________________________________________________________

Dr. Klaus Billand wird heute 70! Herzlichen Glückwunsch

Zahl 70

Den Abend davor verbrachte  der Opernreisende in Sofia. Vera Nemirova inszeniert dort „Ariadne auf Naxos“. Premiere war gesternn!

______________________________________________________________________

„Demokratie muss man üben“ – Auf der Probebühne des Stadttheaters Gießen stellte das neue Team die Spielzeit 2022/2023 vor

shp
Copyright: Oliver Schepp

Ab September leitet Simone Sterr die Geschicke des Stadttheaters Gießen mit einem neuen Team. Gemeinsam haben sie ihre Pläne für das Mehrspartenhaus in einer Pressekonferenz am Freitag vorgestellt. Auf das Publikum warten ab der Saison 2022/2023 neue Formate, neue Gesichter, feste Ensembles in allen Sparten sowie ein globaler und politischer Spielplan, der geprägt wird durch viel Zeitgenössisches und zahlreiche Uraufführungen.

Gießens Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher eröffnete die Pressekonferenz auf der Probebühne, hob das Stadttheater als „Strahlpunkt unserer Stadt“ hervor und begrüßte die „künstlerische Energie“, mit der das neue Team Neugier und Erwartungen wecke: „Ich freue mich auf elektrisierende Zeiten.“

 Die designierte Intendantin Simone Sterr beschrieb ihre Vision des Theaters als demokratische Teamarbeit, als „Ort der vielen Stimmen“, subversiv und frei von politischen Ansichten, geprägt von eigenwilligen Persönlichkeiten: „Wir alle haben Lust, unbequem zu sein und mitzugestalten.“ Mit einem internationalen Spielplan und vielstimmigen, unterschiedlichen und charakterstarken Ensembles soll die Gegenwart verdichtet und der Blick auf lokale wie globale Phänomene geschärft werden: „Das Theater erzählt von der Brüchigkeit der Welt, weiß sie im Höchstfall zu beschreiben, nie aber zu erklären.“

Dies spiegelt sich auch im neuen Logo des Theaters wider: Über dem in drei Worten gesetzten Schriftzug „Stadt Theater Gießen“ kringeln sich verschlungene Linien. Sie sind eine grafische Umsetzung von Begriffen, die ein Algorithmus generiert, mit denen die feste Größe „Stadttheater“ immer wieder neu überschrieben werden kann: „Damit drückt sich unser Verständnis von Theater aus als verlässlicher fixer Ort, der beweglich ist, dem man immer wieder neu begegnen kann, der offen ist, Themen aufnimmt und aussendet, der stetig ist und sich stets verändert“, so Sterr.

Schon mit der Spielzeiteröffnung möchte das neue Team eine Menge bewegen und Perspektiven wechseln. Für „Posthuman Journey“ von Pa To Yan (Premiere: 30. September 2022) wird die Grenze zwischen Bühnen- und Zuschauer:innenraum gänzlich aufgehoben. Regisseur Thomas Krupa, Choreograph Raphael Hillebrand und der Komponist Hannes Strobl erarbeiten diesen Ritt durch Mythen der Vergangenheit hin zu abgefahrenen Zukunftsvisionen gemeinsam mit allen Sparten. Als Uraufführung werden die drei in Frankfurt, Saarbrücken und Mannheim bereits einzeln aufgeführten Teile über das Ringen um Demokratie zum ersten Mal als Trilogie gezeigt.

Als erste Sparte präsentierte das Junge Theater seine Pläne. „Das hat es noch nie gegeben“, betonte Theaterpädagoge Sebastian Songin diese Aufwertung, die sich auch in einem festen, dreiköpfigen Ensemble ausdrückt. Seine Stelle ist neu geschaffen, um mit Workshops und Kooperationen vielfältige Möglichkeiten für junge Menschen anzubieten, sich auf und hinter der Bühne einzubringen und „die Kinder zur Revolte zu erziehen“.

Mathilde Lehmann stellte als Künstlerische Leitung des Jungen Theaters eine Reihe von Produktionen vor, darunter Autor:innenaufträge wie „Luft nach oben“ von Fabienne Dür über Klassismus und die eigene Entscheidungshoheit auf dem Bildungsweg. Auch das junge Publikum wird eine spartenübergreifende Produktion erleben: In „Ente, Tod und Tulpe“ von Leopold Dick setzen sich Musiktheater, Tanz, Performance und Schauspiel mit der Frage nach dem Tod auseinander, ganz ohne Sprache und Gesang. Als Familienstück ist ab November Wilhelm Hauffs Märchen „Das kalte Herz“ im Großen Haus zu erleben.

Auch den Spielplan des Musiktheaters prägt ein deutliches Bekenntnis zu zeitgenössischen Stücken. Insgesamt konnte die Künstlerische Leiterin Ann-Christine Mecke vier Opern vorstellen, die in den letzten 25 Jahren entstanden sind, wie Gordon Kampes „Gefährliche Operette“ im Großen Haus oder Thierry Tiedrows „Prothesen der Autonomie“ und Christofer Elghs „Valerie’s Voice“ im Kleinen Haus. Das Publikum darf sich auch auf bekannte Namen und Stücke freuen: Mozarts „La clemenza di Tito“, Puccinis „Tosca“ und Brittens „Ein Sommernachtstraum“ komplettieren den Spielplan, der als Besonderheit mit der deutschen szenischen Erstaufführung von Donizettis „Caterina Cornaro“ aufwartet. Drei der vier Belcanto-Hauptrollen können aus dem Ensemble besetzt werden, das auf sechs fest engagierte Sänger:innen erweitert wird.

Andreas Schüller gibt seinen Einstand als Generalmusikdirektor im 1. Sinfoniekonzert u.a. mit Richard Strauss’ „Till Eulenspiegels lustige Streiche“. Zu den gewohnten Sinfonie-, Kammer- und Chorkonzerten gesellt sich eine neue Reihe, die sich auch an all jene richtet, die „zu viel Ehrfurcht vor dem Besuch ganzer Sinfoniekonzerte“ abhalte: Diese „Previews“ werden immer am Dienstagabend vor jedem Sinfonie- und Chorkonzert im Großen Haus Neugier auf die Konzerte wecken, mit etwas kürzerem Programm, dafür mit Moderation, Überraschungen und Gesprächen. Im Anschluss wird das Foyer zur Lounge mit klassischer Musik und kühlen Getränken. Aufgrund der hohen Nachfrage kündigte Schüller an, das beliebte Neujahrskonzert künftig zweimal aufzuführen. Auch für das junge Publikum wird es weiterhin spannende Konzertformate geben. Stellvertretender Generalmusikdirektor und 1. Kapellmeister wird Vladimir Yaskorski, Dramaturgin für Musiktheater und Konzert wird die Autorin und Dozentin Daniele Daude.

Constantin Hochkeppel als neuer Künstlerischer Leiter der Tanzsparte freut sich darauf, das Physical Theatre in Gießen zu etablieren, einer Kombination aus tänzerischen und theatralen Mitteln. Die Ensemblemitglieder versteht er als Performer:innen, die im Schaffensprozess kollaborativ an der Entwicklung teilhaben. Er selbst wird zwei Stücke choreographieren über das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft sowie den fünf Phasen der Trauer. Das Engagement der argentinischen Choreographin Paula Rosolen, die in Frankfurt und Gießen studierte und mit dem Ensemble der Tanzcompany Gießen „Ein neues Stück“ einstudiert, werde ein eindeutiges Zeichen an die hiesige Szene senden: „Wir sind da und offen für euch. Lasst uns gemeinsam entdecken, was Tanz alles sein kann“, so Hochkeppel, der auch mit Ausbildungseinrichtungen vor Ort zusammenarbeiten möchte, gemeinsam mit Caroline Rohmer als stellvertretender Künstlerischer Leiterin und Dramaturgin. Als neues Einführungsformat machte Hochkeppel Lust auf die „Physical Introductions“, die es dem Publikum ohne Vorkenntnisse ermöglichen sollen, die Stücke auf physischer Ebene durch eigenes Ausprobieren von Bewegungselementen zu erleben.

„Demokratie muss man üben“ – Unter dieses Motto stellte Simone Sterr, die das Schauspiel leitet, den konsequent zeitgenössischen Spielplan der Sparte. Dramaturgin Lena Meyerhoff betonte die Wichtigkeit eines nicht-kanonischen Spielplans für den Blick auf die Gegenwart und die gestellte Aufgabe, sich mit autoritären Unterdrückungsmechanismen auseinanderzusetzen. Ihr Kollege Tim Kahn schlug den Bogen von Georg Büchners „Dantons Tod“, dem einzigen Klassiker im Programm, dem sich der türkisch-deutsche Regisseur Caner Akdeniz im Großen Haus widmet, bis zu „Der Staat Gegen Fritz Bauer“ nach dem Film von Lars Kraume über den Wegbereiter der Frankfurter Ausschwitzprozesse. Ebenso wie „Mais In Deutschland“ von Olivia Wenzel „werfen wir aus unterschiedlichen Perspektiven einen Blick auf den Zustand von Demokratien, der dieser Tage von tiefen Rissen aber auch großer Zuversicht begleitet wird“, so Kahn.

Die Regisseurin und Autorin Ayşe Güvendiren wird sich in einer „Spielzeit der Erinnerungskultur“ mit mehreren Aktionen, Diskursen und inszenatorischen Aufschlägen mit dem Erinnern beschäftigen und einen Bogen schlagen von den NS-Verbrechen der Vergangenheit in die schmerzhafte Gegenwart rechter Gesinnung und rechter Anschläge, nach Mölln, Hanau, zur Frankfurter Polizei und zum NSU. Mit „Erinnern ist Zuhören“ benannte sie eine zentrale Aufgabe von Theatern. Sie kündigte einen mobilen türkischen Teesalon an, der öffentliche Orte der Stadt besuchen wird.

Die Spielzeithefte mit dem vollständigen Programm werden Mitte Juni vorliegen.
___________________________________________________________________

„IM ZENTRUM“: Das Ende der Ära Kurz – ÖVP zwischen Krise und Aufbruch

Am 15. Mai um 22.10 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) – Am Wochenende wird Bundeskanzler Karl Nehammer zum ÖVP-Bundesparteiobmann gewählt. Damit ist auch formell der Schlusspunkt hinter die Ära von Sebastian Kurz gesetzt. Mit einer Grundsatzrede am Parteitag in Graz will Nehammer eine Aufbruchsstimmung erzeugen. Doch angesichts von Rücktritten, U-Ausschuss und Inseratenaffäre in Vorarlberg ist er zunächst als Krisenmanager in der eigenen Partei gefordert, vom Krisenmanagement als Bundeskanzler angesichts von Ukraine-Krieg, Teuerung und Energie-Sicherheit einmal abgesehen. Gelingt unter Nehammer die Emanzipation der ÖVP von seinem Vorgänger Sebastian Kurz? Gibt der neue Obmann der Partei auch eine neue inhaltliche Ausrichtung? Kann er die Funktionäre und in weiterer Folge auch die Wähler von seinem Kurs überzeugen? Kommt die ÖVP aus dem Umfragetief heraus, um bei den nächsten Nationalratswahlen reüssieren zu können?

Darüber diskutieren am Sonntag, dem 15. Mai 2022, um 22.10 Uhr in ORF 2 bei Claudia Reiterer „IM ZENTRUM“:

Laura Sachslehner ÖVP-Generalsekretärin
Franz Fischler ehem. EU-Kommissar, ÖVP
Fritz Plasser Politikwissenschafter
Eva Linsinger „profil“
_________________________________________________________________

 

Diese Seite drucken