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INFOS DES TAGES (SONNTAG, 1. AUGUST 2021)

01.08.2021 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (SONNTAG, 1. AUGUST 2021)

HEUTE IN SALZBURG: WIENER PHILHARMONIKER (Christian Thielemann, Elina Garanca. Werke von Gustav Mahler und Anton Bruckner)

tielo
Foto: Salzburger Festspiele/ Marco Borelli

Elina Garanca Mezzosopran
Wiener Philharmoniker
Christian Thielemann Dirigent

Mit Werken von Gustav Mahler und Anton Bruckner

Fünf Lieder nach Gedichten von Friedrich Rückert (1901–1902):
Ich atmet’ einen linden Duft
Liebst Du um Schönheit
Um Mitternacht
Blicke mir nicht in die Lieder
Ich bin der Welt abhanden gekommen
Symphonie Nr. 7 E-Dur WAB 107

TERMINE UND KARTEN

BACHLERS MÜNCHNER ABSCHIED: „DER WENDENDE PUNKT“ (am 30.7.)

"Der wendende Punkt" – Verabschiedung von Nikolaus Bachler als Intendant der Bayerischen Staatsoper am 30. Juli 2021 | Bildquelle: Wilfried Hösl
Copyright: Bayerische Staatsoper/ Wilfried Hösl

"Der wendende Punkt" – Verabschiedung von Nikolaus Bachler als Intendant der Bayerischen Staatsoper am 30. Juli 2021 | Bildquelle: Wilfried Hösl
Copyright: Bayerische Staatsoper/ Wilfried Hösl

"Der wendende Punkt" – Verabschiedung von Nikolaus Bachler als Intendant der Bayerischen Staatsoper am 30. Juli 2021 | Bildquelle: Wilfried Hösl
Copyright: Bayerische Staatsoper/ Wilfried Hösl

VIDEO DER GALA (30 Tage online!

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INSTAG(K)RAMEREIEN – gefunden von Fritz Krammer

MÜNCHEN/ OPERNGALA: Jonas Kaufmann mit „Die tote Stadt“

jokl
ZU INSTAGRAM mit Kurzvideo
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VERONA: GALA MIT MARIA JOSÉ SIRI UND PLACIDO DOMINGO

dosir
ZU INSTAGRAM
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BÜHNE BADEN: SAISONVORSCHAU

Michael Lakner präsentiert das Motto der Spielzeit 2021/2022.

Aufgrund der aktuellen Situation hat die Pressekonferenz zur nächsten Spielzeit nicht wie gewohnt im Frühjahr stattgefunden, sondern erst gestern.

Vorwort des Intendanten:
Sehr geehrte Freund*innen der Bühne Baden,
liebe Heldinnen und Helden,

es ist uns gelungen, die Produktionen der Winterspielzeit 2020/2021 bzw. des Sommers 2020, die nicht das Bühnenlicht der Welt erblicken durften, mit geringen besetzungstechnischen Änderungen in die Saison 2021/2022 zu verpflanzen.

Darüber hinaus wird die Neuinszenierung von Emmerich Kálmáns opernhaftem Meisterwerk KAISERIN JOSÉPHINE vollszenisch zu erleben sein. Ich war gerührt, dass mich Kálmáns Tochter Yvonne damals als „ihren Helden“ bezeichnet hat, weil ich das Werk bereits zum zweiten Mal aus der Versenkung geholt hatte.

Apropos „Held*innen“: Sind wir denn nicht alle miteinander Heldinnen und Helden, die wir mit stoischer Gelassenheit die mühsame Corona-Zeit mit martialischer Disziplin und Selbstbeschränkung ertragen haben? Denn nicht nur Sie als unsere treue Kultur-Klientel sowie die tapferen Mitarbeiter*innen der Bühne Baden sind Held*innen der Pandemieperiode, nein: auch alle Protagonist*innen der verschiedenen Stücke, die wir Ihnen 2021/2022 – endlich – präsentieren dürfen, sind es.

GRÄFIN MARIZA beispielsweise ist eine starke, selbstbestimmte Frau, die sich einerseits als business woman in einer von Männern dominierten Welt durchsetzen und sich nebenbei lästiger Verehrer erwehren muss, die es nur auf ihr Geld abgesehen haben. ROBIN HOOD, der mittelalterliche englische Held, kämpft unerschrocken gegen das Establishment, um die sozial Schwächeren vor Ausbeutern zu schützen. Der Milchmann Tevje und mit ihm alle Bewohner*innen des jüdischen Schtetls ANATEVKA sind klassische Alltagsheld*innen: Mit Gottvertrauen erdulden sie ihr Schicksal und lassen sich auch von den sich verändernden Moralvorstellungen der Jugend und von den das Terrain kontrollierenden brandschatzenden Russen nicht unterkriegen. Eine wahre Heldin ist auch Violetta Valéry in LA TRAVIATA. Unheilbar an Tuberkulose erkrankt, opfert die Nobel-Kurtisane ihr eigenes Glück der bürgerlichen Zukunft ihres Geliebten Alfredo. Und dann ist da die taffe Dolly Levi, die sich als junge Witwe in HALLO, DOLLY! mit allerlei Berufen finanziell über Wasser halten muss und dabei den Optimismus und ihren Lebensmut nie verliert.

Im Sommer 2022 schließlich ist es Josepha Vogelhuber, die als Hotelbesitzerin des WEISSEN RÖSSL ihre Frau steht – gefolgt von der in einem alten schlossartigen Anwesen am SUNSET BOULEVARD residierenden Stummfilm-Diva Norma Desmond, die sich selbst vorgaukelt, sie könne dank der ihr treu ergebenen Fans auf dem silver screen wieder voll durchstarten und beim Publikum reüssieren. Und schließlich wird mit Napoleon Bonaparte ein historisch nicht unumstrittener Held im Fokus der Operette KAISERIN JOSÉPHINE stehen, die seine Liebe zu Joséphine de Beauharnais zum Inhalt hat.

Mit den Gastspielen des Landestheaters Niederösterreich sowie mit vielen Konzerten von Publikumslieblingen, mit zahlreichen Kammerveranstaltungen, Einführungsmatineen und Operettencafés holen wir vieles von dem nach, was durch Covid-19 auf der Strecke blieb. Wir freuen uns, Ihnen einen Spielplan zu präsentieren, der auch unserer neuen Ballettchefin Anna Vita Gelegenheit bietet, ihre Handschrift zu zeigen, wenn unsere Compagnie mit dem weihnachtlichen Ballettabend DER NUSSKNACKER von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky alle ihre Stärken ausspielen darf.

Lassen Sie uns am Ende einer langen – nicht nur künstlerischen – Durststrecke einen kräftigen Neubeginn setzen und auch weiterhin heldenhaft und mutig allen Herausforderungen mit Lebensfreude und neu erstarkter Energie, mithilfe ewig erfreuender musikalischer Unterhaltungskunst begegnen.

Herzlich
Ihr MICHAEL LAKNER
Künstlerischer Leiter

Wir danken für Ihre Geduld und dürfen Ihnen hiermit nun die Unterlagen übermitteln.

LINK

https://celum.noeku.at/pinaccess/showpin.do?pinCode=Cx51BKpQfWvK

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JOPERA JENNERSDORF

jopü

Als neuer künstlerischer Leiter freue ich mich außerordentlich, Sie zur Operette „Die lustige Witwe“ auf Schloss Tabor einzuladen.

Ein noch nie dagewesenes spektakuläres Bühnenbild wird Sie in die goldene K. u. K. Zeit zurückversetzen. Unser internationaler Erfolgsregisseur Stephan Grögler inszeniert diese kurzweilige und unterhaltsame Fassung dieses Klassikers von Franz Lehar. Mit Svenja Isabella Kallweit wird eine hochausgezeichnete deutsche Sopranistin die Rolle der Hanna Glavari verkörpern. Als Danilo an ihrer Seite sehen Sie Bariton Wolfgang Resch, Preisträger zahlreicher Musikwettbewerbe, der in den letzten 10 Jahren höchst erfolgreich im gesamteuropäischen Raum als Solist aufgetreten ist. Diese beiden Darsteller sind mit Sicherheit das jüngste Traumpaar dieser Operette.

Ich freue mich ganz besonders auf die Junge Philharmonie Brandenburg unter der musikalischen Leitung von Maestro Erich Polz. Er gilt als einer der talentiertesten jungen Dirigenten des Landes und feiert sein Debüt bei uns. Freuen Sie sich auf Ohrwürmer wie das „Vilja-Lied“, „Lippen schweigen“, „Da geh‘ ich zu Maxim“ und „Das Studium der Weiber ist schwer“ und viele weiteren Melodien des einzigartigen Franz Lehár.

Ich bin überzeugt, dass Sie nach dieser „Lustigen Witwe“ beschwingt die nächsten Wochen ununterbrochen einen dieser Lehar Ohrwürmer selbst interpretieren werden. Ein wunderschöner Festspielort des Burgenlandes, sowie ein hochmotiviertes Team freuen sich auf Ihren Besuch. Kommen Sie zu uns und erleben Sie, dass das Studium der Frauen überhaupt nicht kompliziert, sondern höchst unterhaltsam und amüsant sein kann.

Herzlichst
Ihr Alfons Haider

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THEATER ERFURT: ALEXANDER PRIOR WIRD NEUER GENERALMUSIKDIREKTOR

Mit der Spielzeit 2022/23 wird der 28- jähriger Dirigent GMD des Theaters Erfurt

In einem mehrstufigen Auswahlprozess ist Alexander Prior zum designierten Generalmusikdirektor für das Philharmonische Orchester Erfurt ausgewählt worden. Auf die zu besetzenden Stelle des rund 64 Musiker großen Orchesters haben sich rund 111 Dirigent:innen aus dem In- und Ausland beworben. Mit einer besonderen Mischung aus höchster musikalischer Qualität, seinem temperamentvollen Dirigat und seiner Aufgeschlossenheit für Neues hat Alexander Prior das Auswahlgremium klar für sich gewonnen. 

Das Auswahlverfahren zog sich über mehrere Runden. Nach einer ersten Vorauswahl durch den Orchestervorstand folgte ein Vordirigat von acht Bewerbern und eine geheime Abstimmung des Orchesters. Nach einer Schlussrunde, in der sich vier Kandidaten in einem nicht öffentlichen Dirigat präsentierten, verständigten sich Intendant und Philharmonisches Orchester der Stadt Erfurt rasch und eindeutig auf Alexander Prior.

„Wir freuen uns auf die kommende Zeit und sind überzeugt, dass sich das Philharmonische Orchester Erfurt mit Herrn Prior an der Spitze weiterentwickeln kann und eine breite Zielgruppe für klassische Musik begeistert wird.“ sagte Generalintendant Guy Montavon

„Alexander Prior ist ein Ausnahmetalent. Es ist uns eine große Freude ihn für Erfurt für gewinnen zu können. Ein absoluter Glücksgriff für das Philharmonische Orchester und für die gesamte Stadt“, begrüßt Kulturdezernent Dr. Tobias Knoblich den designierten GMD.

Seit der Saison 2018/2019 ist Alexander Prior Chefdirigent des kanadischen Edmonton Symphony Orchestra. Er dirigierte bereits zahlreiche Orchester wie das NDR Elbphilharmonie Orchester, das Bayrische Staatsorchester, die Hamburger Symphoniker, das Detroit Symphony Orchestra, das Seattle Orchestra, das Royal Philharmonie Orchestra, das Copenhagen Philharmonie Orchestra, das Norwegian Radio Orchestra, die Camerata Salzburg und das Wiener Kammerorchester. 

Alexander Prior ist ebenfalls ein gefragter Komponist, seine Werke haben inzwischen weltweit Beachtung gefunden. Sein Stück Horizons: An American Crescendo für vier Solisten und Orchester wurde unter seiner Leitung mit dem Royal Philharmonic Orchestra im Barbican Centre uraufgeführt. Für das Russian State Ballett in Moskau komponierte er das Ballett Mowgli, welches nun seit 2008 fester Bestandteil des Spielplans ist. Im Sommer 2020 feiert seine Oper Swan Song in Kanada Premiere, auch seine orchestrale Fassung von Schuberts Winterreise – gesungen von John Brancy – wurde hochgelobt und international aufgeführt.  

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SALZBURGER FESTSPIELE: TERRASSENTALK ZU „DAS BERGWERK VON FALUN von Hugo von Hofmanntsthal


Jossi Wieler. Foto: Anna Zeuner/ Salzburger Festspiele

Nein, die Frage, wie man heutzutage eine Bergkönigin spiele und wie diese aussehe, die mag Regisseur Jossi Wieler noch nicht beantworten. Nur so viel verrät er: Es wird auch Zauber geben in seiner Inszenierung von Hugo von Hofmannsthals Das Bergwerk
zu Falun, die am 7. August im Landestheater Premiere hat. Bühne und Sprache würden genügend Raum für die Phantasie der Zuseher lassen, um einen gewissen Zauber entstehen zu lassen.

Warum es dieses Stück geworden ist, das der 25-jährige Hofmannsthal schrieb, das aber erst posthum veröffentlicht wurde, fragt Schauspiel-Leiterin Bettina Hering, die Jossi Wieler gebeten hatte, sich für das 100-jährige Jubiläum mit dem Dramatiker Hugo von Hofmannsthal auseinanderzusetzen. „Es ist ein sperriges Werk“, sagt Jossi Wieler. „Aber gerade das interessiert mich immer wieder. Ich hatte das Gefühl, es lohnt sich, sich damit auseinanderzusetzen.“ Das Stück stelle sehr aktuelle Fragen, etwa nach der Zeit: Vergänglichkeit, Ewigkeit, Endlichkeit – was heißt das im Leben? Man könne die Zeit nicht greifen, das mache den Begriff so interessant. Und in Zeiten der Pandemie sei das noch verstärkt worden. Vom Genre her sei das Werk auch ein Märchen, das auf poetische Weise
umgesetzt wurde. „Hugo von Hofmannsthal war selbst auf der Suche während er das Bergwerk schrieb“, sagt Jossi Wieler. „Genau wie seine Hauptfigur Elis ist auch er ein Suchender.“ Man könne sogar so weit gehen, die Suche des Elis nach dem Ich als Alter Ego
Hofmannsthals zu lesen, sagt Bettina Hering. „Es gibt auf allen Ebenen durchaus eine Identifikation von Hofmannsthal in Elis“, sagt der Regisseur. Elis suche nicht nur nach dem Ort, an den er hingehöre, er suche auch nach dem Sinn, nach seiner Identifikation, danach, ob er Frau oder Mann liebe. Und diese Suche bestreite er mit einer gewissen Arroganz, genau wie Hofmannsthal, der selbst als junger Autor seinen Weg gesucht habe und dessen Schreiben sich dann mit den Erfolgen der Libretti verändert habe.  

Ob es eine Figur gebe, die er besonders liebe, möchte Bettina Hering wissen. „Man mag sie nach gewisser Zeit natürlich alle. Aber Der alte Torbern interessiert mich sehr“, sagt Jossi Wieler. Er sei eine Figur aus dem Reich der Bergkönigin. Seit 200 Jahren möchte er sterben,
er empfindet Schuld, weil er der Bergkönigin verfallen ist und sich von seiner Familie abgewendet hat. Er sucht einen Nachfolger, um endlich sterben zu können. „Doch am Ende fällt es ihm nicht leicht abzutreten“, sagt der Regisseur. Er sei eine Sisyphos-Figur, die sowohl
die menschliche Welt gut kenne als auch die helle und zugleich düstere Bergwelt. „Eine wunderbare Märchenfigur, gleichzeitig absurd, fast wie eine Figur von Beckett.“
Das Ensemble hat Jossi Wieler von über 20 Rollen in der Vorlage auf ein Ensemble von sechs wunderbaren Schauspielerinnen und Schauspielern reduziert, die drei Generationen umfassen. „Das ist wichtig für das Stück“, sagt der Regisseur. Es finde ein enger und
respektvoller Austausch mit allen statt, sowohl mit den Kolleginnen und Kollegen, die ihm bereits seit Jahren vertraut sind wie mit denjenigen, mit denen eine erste Zusammenarbeit stattfindet. Der Dialog stehe immer im Zentrum seiner Arbeit. „Wir versuchen einen
gemeinsamen Klang zu schaffen und gemeinsam in das Werk hineinzuhören“, sagt Jossi Wieler.

Die Struktur des Werkes sei eher merkwürdig: ein 5-Akter, bei dem der 3. Akt wiederum in drei Akte unterteilt ist und der erste Akt ein Drittel des Umfangs einnimmt. Die Art, wie das Werk geschrieben ist, entspreche dem Ende des 19. Jahrhunderts, die Sprache sei oft archaisch.
„Ich fand es spannend, dort aus unserer Zeit heraus hineinzuhören“, sagt er. Die Fragen allerdings, die im Werk gestellt werden, das seien moderne Sinnfragen. Diese Fragen herauszuarbeiten sei die Aufgabe des Theaters. Und gerade in der Zeit der Pandemie habe
man diese Fragen noch einmal neu stellen müssen. „Wir wollen natürlich heutzutage immer gerne ganz klare Antworten haben. Aber im Leben und auch in der Kunst gibt es oft nicht nur eine Antwort“, sagt Jossi Wieler.

Pressebüro der Salzburger Festspiele/Anne Zeuner

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MAINZ: Presseerklärung des Aktionsbündnisses „Mainzer Theater für alle“:
Schlechter Lohn für die Mainzer Theaterkultur
Die Ankündigung der Stadt Mainz, zu Lasten des Staatstheaters Mainz im laufenden und im kommenden Jahr 900.000 € einsparen zu wollen, hat das bereits 2011 gegründete Aktionsbündnis der theaternahen Vereine und Stiftungen „Mainzer Theater für alle“ auf den Plan
gerufen. Im Jahre 2011 hat dieses Aktionsbündnis schon einmal erfolgreich von der Stadt Mainz für 2013 geplante Einsparungen zu Lasten des Staatstheaters von 3 Mio. € jährlich verhindert. Um dies damals mit vereinten Kräften zu verhindern, schlossen sich der Förderverein tanzmainz eV, der Förderverein des Orchesters im Staatstheater Mainz eV, die Theaterfreunde Mainz eV, die Mainzer Volksbühne eV, die Stiftung Mainzer Theaterkultur und die Theatergemeinde Mainz eV, die gemeinsam 4.000 Mitglieder repräsentieren, zusammen.
Auch jetzt, ziemlich genau 10 Jahre später, treten die zusammengeschlossenen Vereinigungen und Stiftungen dem zweiten Versuch der Stadt, zu Lasten des Mainzer Theaters im eigenen Haushalt zu sparen, entschlossen entgegen. Diese Kürzungen sind ein schlechtes
Signal an alle Kulturschaffenden in Stadt und Land, die sich während der Pandemie solidarisch mit der Gesellschaft gezeigt und die Schließung ihrer Einrichtungen widerspruchslos akzeptiert haben. Gerade jetzt dem Staatstheater den vereinbarten und fest zugesagten jährlichen Ausgleich für die tarifvertragsbedingten Mehrausgaben zu kürzen, also zu Lasten dieser Kulturschaffenden sparen zu wollen, hält das Aktionsbündnis für grundverkehrt: Das ist schlechter Lohn für die so erfolgreiche Mainzer Theaterkultur.

Das Bündnis wird sich – wie 2011 – mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen zur Wehr setzen und Solidarität mit dem Mainzer Theater zeigen.
Kulturschaffende Spielball der Politik
Das Aktionsbündnis hat zwar Verständnis dafür, dass die Stadt Mainz wegen der Nichtgenehmigung ihres Haushalts 2021 und 2022 durch die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion(ADD), Trier im Bereich der freiwilligen Ausgaben kürzen muss. Dass sich die Stadt jedoch
ausgerechnet, die Kultur herausgesucht hat, um durch einseitige Kürzung bereits zugesagter Mittel das Land zu bewegen, diese Minderausgaben der städtischen Seite auszugleichen, erscheint den Bündnispartnern unvertretbar: Die Kulturschaffenden des Staatstheaters werden so zum Spielball rein fiskalischer Interessen. Das haben sie nach der langen Zeit des staatlichen verordneten Stillstands, den sie solidarisch mitgetragen haben, nicht verdient.

Theater als Kitt der Gesellschaft
Ausgerechnet in diesen für die Kulturschaffenden ohnehin schwierigen, bisweilen existenzbedrohenden Zeiten den Rotstift bei der Kultur anzusetzen, ist auch für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft ein schlechtes Signal. Die Folgen der Pandemie und der damit einhergehenden Maßnahmen haben tiefe Spuren in der Gesellschaft hinterlassen. In den sozialen Netzwerken verroht der Diskurs, im öffentlichen Meinungskampf wird immer öfter nicht die Haltung des Gegenübers abgelehnt, sondern gleich der ganze Mensch. Zugleich droht sich die soziale Spaltung in der Gesellschaft weiter zu vertiefen. Bildung und Kultur, und dabei vor allem das Theater, wirken als Orte der sozialen Integration und direkten Begegnung dieser negativen und letztlich demokratiegefährdenden Entwicklung entgegen. Wir brauchen Theater heute mehr denn je, als den Ort, an dem wir unsere Empathie wiederentdecken und andere Perspektiven ausprobieren können. Theater tragen deshalb mit dazu bei, der Verbreitung von Hass und Hetze in unserer Gesellschaft entgegenzuwirken. Öffentliche Kürzungsdebatten aber schwächen das Theater und schmälern seine Bedeutung.

Gefahr für das zweitkleinste Mehrsparten-Theater in Deutschland
Die geplanten Kürzungen von zusammen 900.000 € in den Jahren 2021 und 2022 sind für das Mainzer Staatstheater keine unerhebliche Summe und könnten zum Wegfall von bis zu 30 Stellen führen. Hinzu kommt, dass das Staatstheater Mainz – gemessen an der Etatgröße
– ohnehin das zweitkleinste Mehrsparten-Staatstheater in den alten Bundesländer der Bundesrepublik Deutschland ist. Die mit der Pandemie und der vollständigen Schließung des Theaters verbundenen Einnahmeausfälle konnten Markus Müller und Erik Raskopf zwar
durch Kurzarbeit, November- und Dezemberhilfen und durch massive Einsparungen insbesondere im Bereich der Personalkosten sowie durch den Verzicht auf Stellenbesetzungen kompensieren, sodass das Staatstheater zum Ende des Geschäftsjahres am 31. Juli 2021
eigentlich wirtschaftlich stabil und gesund dasteht. Für die kommende Spielzeit sieht der Wirtschaftsplan des Staatstheaters deshalb auch eine Entnahme aus den Rücklagen in Höhe von bis zu 2 Mio. € vor. Damit entlastet das Staatstheater Land und Stadt als Träger und
sorgt so weiterhin für stabile, finanzielle Verhältnisse. Die Finanzlage des Staatstheaters würde durch die einseitig von der Stadt geplanten Kürzungen gefährdet, zumal nicht ausgeschlossen erscheint, dass diese Einsparpolitik auch über 2022 hinaus fortgesetzt wird.

Mangel an Verlässlichkeit der Stadt Mainz
Völlig inakzeptabel erscheint dem Aktionsbündnis, dass die Stadt Mainz bereits für das laufende Wirtschaftsjahr fest zugesagte und vereinbarte Zuschüsse einseitig kürzen will, und das auch noch ohne Absprache mit der Theaterleitung. Der Wirtschaftsplan für die Spielzeit 2021/22 mit den entsprechenden Zuschüssen wurde einstimmig von Land und Stadt verabschiedet.
Dieser Mangel an Verlässlichkeit der Stadt steht in krassem Widerspruch zu den bemerkenswerten, kulturellen und wirtschaftlichen Leistungen des Theaterintendanten Markus Müller und seines Teams. Das Staatstheater hat in den viereinhalb Spielzeiten vor Beginn der
Pandemie nicht nur die Besucher- Abonnementszahlen, sondern auch seine eigenen Erlösein einer Weise gesteigert, die beispiellos ist: Das Staatstheater erzielte vor der Pandemie die höchsten Verkaufserlöse seit Beginn der Aufzeichnungen! Die tatsächlichen Erlöse haben
bis zur Pandemie in jeder Spielzeit das Einnahmesoll übertroffen. So konnten Rücklagen gebildet werden, die für die Sicherstellung der Liquidität auch dringend erforderlich waren.
Die Rücklagen waren unter dem Vorgänger von Markus Müller so stark abgeschmolzen, dass zu Beginn seiner Intendanz mehrfach Liquiditätsengpässe entstanden waren.
Dieses Engagement und dieser wirtschaftliche Erfolg des Staatstheaters Mainz und aller seiner Beschäftigten haben es nicht verdient, dass die Stadt Mainz sie mit solch unabgestimmten Sparvorschlägen konfrontiert.

Neuordnung der Trägerschaft des Staatstheaters
Das Aktionsbündnis hat Verständnis dafür, dass die Stadt Mainz die finanziellen Lasten der Trägerschaft nicht mehr im bisherigen Umfang tragen kann und will. Es ist verständlich, dassdie Stadt Mainz als eine der Trägerinnen des Theaters perspektivisch eine Erhöhung der Anteile des Landes anstrebt. Mittlerweile wird das Staatstheater zu 47% von der Stadt und zu 53% vom Land finanziell getragen. Der Änderungswunsch ist nachvollziehbar. Dies darf jedoch nicht durch einseitige Kürzungen von vereinbarten Leistungen geschehen, sondern nur durch eine grundsätzliche Neuordnung der Trägerschaft des Staatstheaters. Einer solchen Neuordnung stehen die Bündnispartner aufgeschlossen gegenüber.

Ziel des Aktionsbündnisses
Seit Gründung des Aktionsbündnisses im Januar 2011 verfolgt dieses das Ziel, für ein attraktives künstlerisches Angebot in Tanztheater, Musiktheater und Schauspiel sowie Kinder- und Jugendtheater am Mainzer Staatstheater zu sorgen. Theater ist ein für den Zusammenhalt
unserer Gesellschaft unverzichtbares Kultur- und Freizeitangebot für alle Einwohner dieser Stadt. Die kulturelle Vielfalt des Theaters ist ein wichtiger Standortfaktor für Unternehmen.
Der damit verbundene Freizeitwert veranlasst zudem immer mehr Menschen ihren Wohnsitz in die Stadt zu verlegen, um so am kulturellen Leben in seiner gesamten Bandbreite und Vielfalt unmittelbar teilnehmen zu können.
Nicht zuletzt stellt das Theater ein wichtiges Freizeitangebot für Kinder, Jugendliche und Studierende in dieser Stadt bereit. Gerade diese pädagogisch, aber auch sozialpolitisch so wichtige Aufgabe des Theaters darf nicht dem Rotstift der Stadt Mainz zum Opfer fallen.

Mainz, den 30.07.2021
Dr. Wolfgang Litzenburger, Theaterfreunde Mainz eV (verantwortlich i.S.d.P.)
Manuela Klauer, Förderverein tanzmainz eV
Thomas Baumhäkel, Förderverein des Orchesters im Staatstheater Mainz eV
Hubert Heimann, Mainzer Volksbühne eV
Dr. Michael Coridaß, Stiftung Mainzer Theaterkultur
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