Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

INFOS DES TAGES (SAMSTAG, 31. AUGUST 2019)

31.08.2019 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (SAMSTAG, 31. AUGUST 2019)

 

BAYREUTHER FESTSPIELE: Traumhafter Spätsommer – Zeit für Ihre Kartenbestellung 2020

Bildergebnis für bayreuther festspiele

Am 28. August gingen die Bayreuther Festspiele 2019 zu Ende, aber die kommenden Festspiele sind nicht so weit entfernt, wie es vielleicht scheint. Manchem Wagner-Begeisterten dauert es ohnehin immer zu lang, bis die Fanfaren vom Balkon des Festspielhauses erneut zum Beginn der Vorstellungen rufen. Und im nächsten Jahr lockt mit der Neuinszenierung „Der Ring des Nibelungen“ Richard Wagners einzigartiges Hauptwerk, zu dessen vollständiger Aufführung er das Festspielhaus ursprünglich errichten ließ. Gewiss zählt ein Besuch des vierteiligen „Ring“-Werks zu den Höhepunkten im Leben jedes waschechten Wagner-Fans, denn „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ wurden im Bayreuther Festspielhaus, dem authentischsten Wagner-Ort der Welt, uraufgeführt.

„Ring“ und Beethovens Neunte

Um an diesem Erlebnis in vollem Umfang teilhaben zu können, sollten Sie nicht zögern, Ihre Karten für 2020 zu bestellen. Neben dem „Ring des Nibelungen“, der in drei vollständigen Zyklen aufgeführt wird (dazu kommen einmal „Das Rheingold“ sowie einmal „Siegfried“) stehen weiterhin „Tannhäuser“, „Lohengrin“ und „Die Meistersinger von Nürnberg“ auf dem Spielplan. Die Festspielsaison 2020 wird aus Anlass des Beethoven-Jubiläums mit einer Aufführung von dessen IX. Symphonie abgerundet. Eine Darbietung dieses Werks, das mit der Persönlichkeit Richard Wagners und auch der Festspielgeschichte eng verbunden ist, auf der Bühne des Festspielhauses hat Ausnahmecharakter, zuletzt wurde es 2001 gespielt. Wer für die Aufführung am 30. August 2020 eine Karte erwerben möchte, erhält damit zugleich die Gelegenheit, mit einem Teil des Eintrittspreises die Richard-Wagner-Stipendienstiftung zu unterstützen. Die Richard-Wagner-Stipendienstiftung leistet hochherzige Nachwuchs- und Jugendarbeit, indem sie jährlich rund 250 jungen angehenden Sängern und Musikern aus zahlreichen Ländern u.a. den Besuch der Bayreuther Festspiele ermöglicht.

Möglichkeiten zur Kartenbestellung

Unmittelbar im Anschluss an die diesjährigen Festspiele wird ab 30. August 2019 die Online-Bestellmöglichkeit für Festspielkarten 2020 auf der Website der Bayreuther Festspiele freigeschaltet. Da ab November 2019 die Bearbeitung der Kartenwünsche beginnen wird, sollten die Online-Bestellungen bis spätestens 31. Oktober 2019 eingegangen sein. Die Unterlagen für eine schriftliche Bestellung werden ab Anfang September versandt, der vollständig ausgefüllte Bestellschein sollte bis spätestens 16. Oktober 2019 an die Bayreuther Festspiele zurückgesandt worden sein.

Da die Bayreuther Festspiele infolge der weiterhin sehr großen Kartennachfrage möglichst zahlreichen Interessenten aus dem In- und Ausland den Besuch ermöglichen wollen, bleibt die Anzahl der Karten, die pro Werk erworben werden können, weiterhin limitiert.

Die eingehenden Kartenbestellungen werden im Standardverfahren grundsätzlich papierlos verarbeitet. Allerdings kann der Besteller auch 2020 neben Karten zum Selbstausdrucken (Print-at-home-Tickets) gegebenenfalls auch Karten in Papierform (Hardcopy-Tickets) erhalten. Wir empfehlen jedoch die Online Bestellung und die Auswahl der Print-at-home-Tickets – alle Vorgänge sind deutlich einfacher und umstandsloser und Sie sparen neben Zeit auch noch Geld. Sämtliche erworbenen Karten sind wie schon 2019 wiederum vom Käufer mit dem Namen des Benutzers zu personalisieren.

Ausführliche Erläuterungen zur Kartenbestellung und zum Kartenerwerb finden Sie in unseren Allgemeinen Geschäftsbedingungen sowie in komprimierter Form auch hier.

Zwar konnten 2019 Aktivitäten auf dem so genannten Schwarzmarkt weiter deutlich eingedämmt werden, jedoch sehen sich die Festspiele leider gezwungen, in festgestellten Fällen des nicht gestatteten Kartenweiterverkaufs mit eindeutiger Gewinnerzielungsabsicht entsprechende rechtliche Schritte zu unternehmen.

Wir wünschen Ihnen bei Ihrer Bestellung der Festspielkarten viel Glück und Erfolg und hoffen, Sie im nächsten Sommer in Bayreuth willkommen heißen zu dürfen.
___________________________________________________________________

SALZBURG/Festspiele: Abschlusskonzert Young Singers Project (YSP) –

„So schön war’s noch nie!“


Alle beim Schlussapplaus. Foto: Marco Borrelli/ Salzburger Festspiele

Zum Bericht von Klaus Billand

________________________________________________________________

IPG – PLEYEL-GESELLSCHAFT Sa, 31.8.2019, 18h (heute): Herzliche Einladung zum Abschlusskonzert der Pleyel Akademie.

Ignaz Joseph Pleyel 1757-1831

Herzliche Einladung zur 439. Veranstaltung der Internationale Ignaz Joseph Pleyel Gesellschaft(IPG)
unter dem Ehrenschutz von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und
Landeshauptmann a.D. Dr. Erwin Pröll

PLEYEL AKADEMIE
Abschlusskonzert – Gesang
am Samstag, dem 31. August 2019 um 18,00 Uhr
im Bentonsaal des PLEYELKULTURZENTRUMS,
Baumgartner Straße 14, 3701 Ruppersthal
Wir freuen uns sehr, unseren Pleyel VerehrerInnen das 1. Abschlusskonzert für Gesang präsentieren zu dürfen.

KÜNSTLERISCHE LEITERIN: MA BARBARA KAJETANOWICZ
ELIZAVETA TRUKHANOVA, am Original Pleyel Hammerflügel, 1838, Opus 5884

TEILNEHMERINNEN & TEILNEHMER:
PETRA RYŠAVÁ, PAVLA RYŠAVÁ, MARIE RYŠAVÁ, MICHAEL KUTSCHERA, BEATRICE KUTSCHERA, SYLVIA MUNZAR, LUDMILA ŠPAÈKOVÁ, SOPHIE KURZBAUER.

Nächstes Konzert: 8.9.2019, 11h, Streichquartette mit dem Ignaz J. Pleyel Quartett
________________________________________________________________

HEUTE: WIENER KAMMERORCHESTER IM STEPHANSDOM: „Die vier Jahreszeiten“

Bildergebnis für wiener kammerorchester

Stephansdom Wien

Sa, 31.08.2019 20:30 Wiener Stephansdom

Programm
Franz Joseph Haydn Die Jahreszeiten, Hob. XXI:3 , Arrangement für Streichquartett von H. Pascher
Antonio Vivaldi „Der Sommer“ aus „Die vier Jahreszeiten“ g-Moll, Op. 8, Nr. 2, RV 315
„Der Frühling“ aus „Die vier Jahreszeiten“ E-Dur, Op. 8, Nr. 1, RV 269
„Der Herbst“ aus „Die vier Jahreszeiten“, Op. 8, Nr. 3, RV 293
„Der Winter“ aus „Die vier Jahreszeiten“, Op. 8, Nr. 4, RV 297
___________________________________________________________

SO WAREN SIE, DIE ORIGINALE: EBERHARD WÄCHTER UND KARL LÖBL 1990

 

ZUM VIDEO
_____________________________________________________________________________

ORF III am Wochenende: Schwerpunkt „80 Jahre Beginn Zweiter Weltkrieg“ mit u. a. vier weiteren ORF-III-Neuproduktionen

Außerdem: Fünfteiliger Abend zum 80. Geburtstag von Dagmar Koller u. a. mit RadioKulturhaus-Gala

Wien (OTS) – Am Wochenende setzt ORF III Kultur und Information den umfassenden „zeit.geschichte“-Schwerpunkt anlässlich 80 Jahre Beginn des Zweiten Weltkriegs fort. So stehen u. a. am Samstag, dem 31. August 2019, bereits ab 8.40 Uhr entsprechende Dokumentationen auf dem Programm, darunter die Premiere der ersten drei Filme der vierteiligen ORF-III-Neuproduktion „Mit Hitler im Krieg“ sowie die ebenfalls neue ORF-III-Doku „Österreich privat – Die Kriegsjahre“. 80 Jahre Dagmar Koller lautet das Motto am Sonntag, dem 1. September. ORF III widmet dem Publikumsliebling zum Jubiläum einen fünfteiligen Themenabend und präsentiert u. a. unter dem Titel „Lieder meines Lebens: Ein Fest der Melodien für Dagmar Koller“ eine glanzvolle Gala aus dem ORF RadioKulturhaus.

Samstag, 31. August

Einen Tag vor dem offiziellen Beginn des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren nähert sich ORF III dem Ereignis aus verschiedenen Blickwinkeln. Um 8.40 Uhr sucht die „zeit.geschichte“-Doku „Geheimnisse des Dritten Reiches“ den Keim allen Übels in „Hitlers Familie“. Danach folgt die von Barbara Necek gestaltete Dokumentation „Maginot gegen Siegfried – Verteidigungslinien des Zweiten Weltkriegs“ (9.25 Uhr), weiters das Dakapo des Zweiteilers „Der Polenfeldzug“ (10.20 bzw. 11.10 Uhr) sowie den Dokuvierteiler „Chronik des 3. Reichs“ (ab 11.55 Uhr). Anschließend steht die zweiteilige Produktion „Zweiter Weltkrieg“ mit „Der erste Tag“ (15.00 Uhr) und „Das erste Opfer“ (15.55 Uhr) von Christian Frey auf dem Programm.

Im Hauptabend präsentiert ORF III gleich vier Neuproduktionen. Den Anfang machen die ersten drei Folgen des neuen ORF-III-Dokuvierteilers „Mit Hitler im Krieg“, der die unterschiedlichen Wege österreichischer Soldaten im Zweiten Weltkrieg beleuchtet. Der Film „An Hitlers Seite“ (20.15 Uhr) von Hubert Nowak zeichnet den Weg der „Ostmark“ nach dem „Anschluss“ der österreichischen Soldaten in die deutsche Wehrmacht nach, der vom Einsatz österreichischer Gebirgstruppen bei der Besetzung Norwegens bis zum Tod Tausender Österreicher in Stalingrad geprägt war. Der ebenfalls von Hubert Nowak gestaltete zweite Teil „Opfer und Täter“ (21.10 Uhr) geht der Frage nach, warum sich Angehörige der Wehrmacht zu Werkzeugen der NS-Vernichtungsideologie machen ließen. Porträtiert werden einige der „prominenten“ Kriegsverbrecher wie die Generäle Franz Böhme und Alexander Löhr, die im Nürnberger Prozess ebenso verurteilt und danach hingerichtet wurden wie die SS-Funktionäre Ernst Kaltenbrunner oder Arthur Seyß-Inquart. Der dritte Teil der Dokureihe „Mit Hitler im Krieg – Überfall auf Polen … und Österreich?“ von Alfred Schwarz (22.00 Uhr) spricht die Erwartungen an, die Polen in den militärischen Widerstand gegen Hitler-Deutschland setzte. Denn während es in Polen keinen Zweifel darüber gab, dass gegen den historischen Erzfeind Deutschland Widerstand geleistet werden muss, erwartete man sich nicht die erfolgreiche Verteidigung Polens, sondern erhoffte sich bei eigenem Widerstand ein sofortiges Eingreifen Frankreichs und Englands.

Der Abend schließt mit der ORF-III-Neuproduktion „Österreich privat – Die Kriegsjahre“ (22.50 Uhr). Das Filmarchiv Austria hat mit landesweiten Aufrufen mehr als 100.000 Amateurfilme zusammengetragen, die das Alltagsleben zur Zeit des Zweiten Weltkriegs zeigen. Regisseur Ernst A. Grandits bereitete den privaten Filmschatz auf – das Ergebnis ist ein Bild Österreichs abseits offizieller Berichterstattung oder beschönigter Propagandafilme, eine private Innenansicht des Zweiten Weltkriegs in der Alpenrepublik.

Sonntag, 1. September

Am Sonntag steht um 8.50 Uhr in „Erlebnis Bühne mit Barbara Rett“ zunächst das Abschlusskonzert der Kammermusiktage „Obertöne“ in der prunkvollen Kulisse des Bernardisaals im Stift Stams auf dem Spielplan. Ab 9.55 Uhr folgen mit Dakapos und weiteren „zeit.geschichte“-Dokumentationen erneut Programme zum Schwerpunkt „80 Jahre Beginn Zweiter Weltkrieg“.

Ab 17.55 Uhr dreht sich schließlich alles um Jubilarin Dagmar Koller, die am 26. August ihren 80. Geburtstag feierte. Den Auftakt macht in der Programmleiste „Operette sich wer kann“ Franz Antels Film „Johann Strauß – Der König ohne Krone“. Danach zeigt ORF III das Dakapo von „Kultur Heute Spezial: Dagmar Koller – Eine Ikone feiert“(19.45 Uhr). „ORF III Spezial“ präsentiert anschließend die ORF-III-Gala „Lieder meines Lebens: Ein Fest der Melodien für Dagmar Koller“ (20.15 Uhr): Im ORF RadioKulturhaus erklingen die Melodien, die das Leben der Jubilarin geprägt haben. Stargäste wie Alfons Haider, Sona MacDonald, Iréna Flury, Peter Edelmann, Harald Serafin und Günter Tolar erinnern sich gemeinsam mit der Grande Dame an ihre wichtigsten Lebensstationen. Es moderiert Peter Fässlacher. Um 21.20 Uhr ist die Ausnahmekünstlerin im Komödienklassiker „Hochwürden erbt das Paradies“ an der Seite von Hans Clarin zu sehen (Dakapo am 8. September um 13.50 Uhr). Die Reihe „Aus dem Archiv“ zeigt schließlich um 22.50 Uhr „Dagmar Koller – Mein Leben“: Darin spricht der Publikumsliebling bei Christian Reichhold mit Krista Stadler und Alexander Goebel über sein mehr als bewegtes Leben.

________________________________________________________________________________

PESARO/ ROSSINI OPERA FESTIVAL : SEMIRAMIDE, DEMETRIO E POLIBIO und L’EQUIVOCO STRAVAGANTE von Gioacchino Rossini

am 11., 12. und 13. 8.2019

Zu seinem 40jährigen Jubiläum präsentierte das Rossini Festival in Pesaro wie immer drei Opern des hier geborenen Meisters.


„Demetrio e Polibio“: Geister auf der Hinterbühne. Foto: Rossino Opera Festival Pesaro

Die erste, DEMETRIO E POLIBIO, ist eine Jugendsünde des 15jährigen Rossini, und es ist nicht  einmal sicher, wieviel Musik davon überhaupt von ihm stammt. Regisseur Davide Livermore hatte eine sehr interessante Ausgangsidee: die Handlung spielt auf der Hinterbühne eines Theaters nach Ende der Vorstellung, und die Figuren erwachen wie Geister aus diversen Kisten langsam zu neuem Leben. Die Inszenierung hat sich bei dieser Wiederaufnahme seit ihrer Premiere (2010) sehr verbessert, und es gibt auch ein paar hübsche magische Tricks, und es wird auch sehr gut gesungen (Cecilia Molinari, Riccardo Fassi), aber im Prinzip ist diese Nullität von einem Erstlingswerkchen nicht einmal durch alle Tricks dieser Welt nicht zu retten …

Die Opera Buffa L’EQUIVOCO STRAVAGANTE des 19jährigen Gioacchino hingegen ist bereits ein ausgewachsenes kleines Meisterwerkchen mit einem genialen, von anzüglichen und zotigen Doppel- und Dreifachbedeutungen strotzenden Libretto. Vor einigen Jahren hätte man dieses „extravagante Missverständnis“ in einer begeisternden, von Erotik nur so aufgeladenen Inszenierung von Emilio Sagi (auf DVD nachvollziehbar) gesehen.


„L‘ equivoco stravagante“ : Falsche Nasen und falsche Kühe. Foto: Rossino Opera Festival Pesaro

Die heurige Neuproduktion hingegen wurde vom Regieduo Moshe Leiser/ Patrice Caurier in den Sand bzw. um im Bilde zu bleiben (den ganzen Abend lang glotzt eine Kuh blöd durch ein großes Fenster ins Wohnzimmer hinein) in den Dung gesetzt. Wenn man nicht wüsste, wer die beiden sind, wenn man nicht wüsste, was die beiden können (man denke nur an die herrliche „Italiana in Algeri“ mit der Bartoli in Salzburg), würde man sie glatt für die unehelichen Söhne von Michael Hampe und Otto Schenk halten. Kostüme wie aus dem Fundus der Löwingerbühne, Figuren wie aus einem Bauerncomics, keine Menschen, nur schlecht ausgestopfte Karikaturen, die sich außerdem noch unterbrochen am A….kratzen (wofür Otti ja in seinen Hoch-Zeiten berühmt und berüchtigt war). Aber soviele Wimmerl am Popo, wie hier ununterbrochen gekratzt, gibt’s auf der ganzen Welt nicht….

Und für diesen primitiven und banalen Schmarrn hat man hier auch noch sieben Wochen geprobt.

Ein echtes Ärgernis. Ärgerlich vor allem auch dadurch, dass dieser zweieinhalbstündige Regie-Streik die Gesangsleistungen des hervorragenden Ensembles (u.a.Teresa Jervolino) nachhaltig beeinträchtigt.

Angesichts dieser unerfreulichen Erlebnisse blieb es der neuen SEMIRAMIDE vorbehalten, die Ehre des heurigen Festivaljahrgangs zu retten. Dieses „melo-dramma in due atti“ ist Rossinis letzte für Italien geschriebene Oper und – man kann es nicht anders sagen – ein absolutes Meisterwerk, vielleicht sogar sein opus magnum. Es hat eine grosse, ausladende, ambitionierte Architektur, die sowohl in den Strukturen selbst als auch in Details in jedem Augenblick über die Maßen harmonisch ist.


„Semiramide“: Im Auge des Teddybären. Foto: Rossino Opera Festival Pesaro

Semiramide ist so etwas wie die Kathedrale von Chartres der Operngeschichte, ein Monument der Vollkommenheit, ein etwas über vierstündiger ultimativer musikalischer Gottesbeweis.

Und dabei liegt ihr die (von Voltaire Vorlage übernommene) schauerlichste Geschichte zugrunde, die sich irgendwie denken lässt: Königin ermordet mithilfe ihres Geliebten den König, der junge, totgeglaubte Prinz wächst im Ausland unter falschem Nemen auf. Als er in die Heimat zurückkehrt, will ihn die Mutter vom Fleck weg heiraten, das Orakel bzw. der intrigante Oberpriester befehlen dem Buben jedoch, seine Mamsch abzukrageln, und zwar auch noch dazu im Grab vom Papa.

Hamlet trifft Ödipus und Orest…Geht’s irgendwie schauerlicher und perverser ? Wohl kaum…

Regisseur Graham Vick interpretiert diese fürchterliche Horrorstory folgerichtig als Selbst-Therapie eines schwerst traumatisierten Jungen. Mit großen naiven Zeichnungen, wie sie Kinder anfertigen sollen, die Zeugen einer Bluttat wurden, mit einem kleinen blauen Himmelbettchen und einem riesigen großen blauen Teddybären etc…

Und erntete dafür am Schluss einen Buhorkan, der sich was gewaschen hatte und ihn fast von der Bühne geweht hätte…

Ich möchte ihm hingegen an dieser Stelle danken, dass ich (wie viele andere Zuschauer auch) nach zig (musikalisch wunderbaren) Semiramiden zum ersten Mal verstanden habe, worum es in diesem babylonischen Schauerdrama überhaupt geht. S e h r erhellend !

Musikalisch schwebte man – selbst von den bösartigen und dummen Vick-Feinden unbestritten – im siebten oder auch achten oder neunten Rossini-Himmel .

„Lokalmatador“ Michele Mariotti sorgte gemeinsam mit dem Orchestra Sinfonica Nazionale della Rai für eine ungeheuer spannungsgeladene und energetische, aber auch detailverliebte und transparente Interpretation dieser Mega-Partitur.

Der Gesangscast war – wie eigentlich immer, seit der ehemalige Sänger und Sängeragent Ernesto Palacio Intendant des Festivals ist – von olympischer Qualität.

Besonders hervorheben muss man aber trotzdem auf alle Fälle noch die (aus der Zeddaschen Accademia Rossiniana hervorgegangene) Simone Jircia als Bussineswomanmörderrabenmutter Semiramide und die Armenierin Varduhi Abrahamyan als ihr Sohn Arsace. Ihre überragende Leistung macht uns den ganzen Abend lang sprachlos. Wie sie bis zu 15 Minuten lange Arien mit ihren halsbrecherischen Koloraturen scheinbar mühelos bewältigt, sich dabei aber nie in reine gesangliche Virtuosität verliert, sondern die Rolle in jedem Augenblick einfühlsam und beseelt gestaltet… so ein überzeugendes Debut hat man schon lange nicht miterlebt. Unglaublich ! A Star is born…

Vicks Semiramide wird im Herbst in Rai 5 übertragen (und kommt dann wahrscheinlich als DVD heraus). In der nächsten Saison ist sie dann auch noch einmal live in Liège zu erleben. Anschauen, wo und wie auch immer !

Robert Quitta, Pesaro
________________________________________________________________________

 

Diese Seite drucken