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INFOS DES TAGES (SAMSTAG, 1. SEPTEMBER 2018)

01.09.2018 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (SAMSTAG, 1. SEPTEMBER 2018)

RAT VON RENATE WAGNER – einer fleißigen Theatergeherin


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Musikfest Berlin 2018:
Matinee mit Nicolas Altstaedt am 2. September entfällt

Aufgrund von Krankheit muss die Matinee mit Nicolas Altstaedt am Sonntag, den 2. September um 11.00 Uhr im Kammermusiksaal der Philharmonie im Rahmen des Musikfest Berlin 2018 leider abgesagt werden.
Bereits gekaufte Karten für das Konzert werden erstattet. Entweder können die Tickets an der Vorverkaufskasse im Haus der Berliner Festspiele ab Montag, den 3. September (ab 14.00 Uhr) zurückgegeben werden oder – bei online erworbenen Tickets – genügt eine Rücksendung der Buchungsbestätigung.

Weitere Informationen zur Kartenrückgabe sind erhältlich unter ticketinfo@berlinerfestspiele.de oder telefonisch unter +49 30 254 89 100.

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STAATSBALLETT BERLIN: ERSTE PREMIERE DER NEUEN INTENDANZ
PREMIERE »CELIS | EYAL« AM 07. SEPTEMBER 2018


»Half Life« by Sharon Eyal and Gai Behar, Royal Swedish Ballet, Foto: Hans Nilsson

Berlin, 29. August 2018 — Am 07. September 2018 feiert das Staatsballett Berlin seine erste Premiere unter der Intendanz von Johannes Öhman und Sasha Waltz ab 2019/2020. Der Abend »Celis | Eyal« in der Komischen Oper Berlin präsentiert die Choreographie »Your Passion is Pure Joy to Me« von Stijn Celis sowie die Arbeit »Half Life« von Sharon Eyal und Gai Behar. Die Choreographen arbeiten erstmals mit den Tänzerinnen und Tänzern des Staatsballetts Berlin. Insgesamt stehen zwölf Aufführungen von September 2018 bis Januar 2019 auf dem Spielplan.

Intendant Johannes Öhman blickt gespannt auf den Beginn der Spielzeit: »Ich freue mich sehr auf diese Premiere und dass die Saison endlich beginnt. Dieser Abend kombiniert zwei sehr unterschiedliche Arbeiten: Stijn Celis‘ Choreographie basiert auf wunderbarer Musik von Nick Cave und Pierre Boulez und reflektiert auf sensible und subtile Art über Gläubigkeit. Sharon Eyals Werk ist dagegen sehr abstrakt und androgyn, aber gleichzeitig anziehend und kraftvoll.«

2009 kreierte Stijn Celis »Your Passion is Pure Joy to Me« für die GöteborgOperans Danskompani. Die Musik spielt eine zentrale Rolle in dem Werk: neben dunkel-schönen Songs von Nick Cave stehen die kakophonischen Klangwelten der Avantgarde-Komponisten Pierre Boulez und Krzysztof Penderecki. So wie die Texte des australischen Musikers Cave, so fragen auch die sieben Tänzerinnen und Tänzer in ihrer Bewegungssprache nach der Möglichkeit, mit traumatischen Erfahrungen leben zu können und den Glauben an das Leben nicht zu verlieren. Stijn Celis begann nach einer Karriere als Balletttänzer 1993 seine choreographische Arbeit und inszenierte bereits über 40 Ballette weltweit. Seit der Spielzeit 2014/2015 ist er Leiter der Ballettkompanie am Saarländischen Staatstheater.

»Diese Kreation ist monoton, aber mit einem Blickwinkel. Diese Kreation kann unter Deinen Füßen zu einem guten Freund und in Deinen Händen zu einem üblen Gesellen werden.« So beschreibt Choreographin Sharon Eyal ihre Arbeit »Half Life«, die sie 2017 für das Royal Swedish Ballet kreierte. Die Israelin tanzte 18 Jahre lang in der Batsheva Dance Company und begann dort auch mit ihrer choreographischen Arbeit. 2013 gründete sie gemeinsam mit Gai Behar, einem DJ, Techno-Musiker und Veranstalter von Underground-Raves, die Tanzcompagnie L-E-V und tritt seitdem international in Erscheinung u.a. beim Joyce Theatre (New York), Sadler’s Wells (London), Montpellier Danse und Julidans (Amsterdam). Außerdem kreierte sie für Compagnien wie das Nederlands Dans Theatre und das Royal Swedish Ballet.

PREMIERE
CELIS | EYAL
YOUR PASSION IS PURE JOY TO ME | HALF LIFE
Choreographien von Stijn Celis und Sharon Eyal
YOUR PASSION IS PURE JOY TO ME
Tanzstück von Stijn Celis
Musik von Pierre Boulez, Nick Cave, Gonzalo Rubalcaba und Krzysztof Penderecki
Choreographie und Bühnenbild: Stijn Celis
Dramaturgie: Armin Kerber
Kostüme: Catherine Voeffray
Licht: Erik Berglund
HALF LIFE
Tanzstück von Sharon Eyal und Gai Behar
Musik von Ori Lichtik
Choreographie: Sharon Eyal
Co-Choreographie: Gai Behar
Kostüme und Maske: Rebecca Hytting
Licht: Alon Cohen
Choreographische Assistenz: Rebecca Hytting
Es tanzen
Tänzerinnen und Tänzer des Staatsballetts Berlin
Musik vom Tonträger
Spieldauer: 1 Stunde 40 Minuten inkl. 1 Pause
Premiere
07. September 2018, 20.00 Uhr in der Komischen Oper Berlin
Weitere Vorstellungen
14., 16., 22., 29. September, 02., 05., 10. Oktober, 10., 18., 29. Dezember 2018, 28. Januar 2019
Tickets: 16-70 Euro, reduziert 8-35 Euro
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SAISONSTART AN DER DEUTSCHEN OPER BERLIN MIT INTAKTER BÜHNENTECHNIK

Als erste Berliner Institution wird die Deutsche Oper Berlin Partner von Rhapsody in School und führt die Initiative Rhapsody goes Opera für Berlin an. Generalmusikdirektor Donald Runnicles macht die Teilnahme der Deutschen Oper zur Chefsache und geht bereits in der kommenden Woche, am 6. September um 11.30 Uhr, in die John-F.-Kennedy-Schule, um den Schülern der 11. und 12. Jahrgangsstufe Einblicke in die musika­lische Probenarbeit zu geben und an Alban Bergs WOZZECK zu arbeiten. Als Gegenbesuch sind die Schülerinnen und Schüler dann zu einer Probe in die Deutsche Oper Berlin eingeladen, um in einem 3. Schritt eine komplette Vorstellung erleben zu können.

Neben der Beschäftigung mit der Musik von WOZZECK steht der persön­liche Kontakt mit dem Menschen und Künstler im Zentrum der Initiative „Rhapsody in School“. Für dieses ehrenamtliche Engagement aller Beteiligten erhielt das Projekt den ECHO Klassik 2014 in der Kategorie Nachwuchsförderung.

Seit dieser Spielzeit gibt es die Initiative Rhapsody goes Opera, die nach einer Erprobungsphase an der Oper Köln nun auch in Berlin Einzug hält: Neben der Deutschen Oper Berlin wird auch die Staatsoper Unter den Linden teilnehmen.

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WIEN/ VOTIVKIRCHE – AUSSTELLUNG „Die Großen Meister“

Bildergebnis für votivkirche die großen meister

Gezeigt wurden Werke von Leonardo da Vinci (1452 – 1519), Michelangelo Buonarotti (1475 – 1564), Raffael Santi (Sanzio 1483 – 1520) und Sandro Botticelli (1445 – 1510). Bis auf Raffael Santi stammen die Künstler aus der Toscana. Raffael stammt aus Sanzio/Urbino in den Marken. Die Werke Raffaels wurden oder werden noch immer infolge seiner vielen Madonnenbilder als Weihnachtskarten missbraucht. So hörte man auch die Feststellung einer Dame aus der Seitenblickegesellschaft, dieses Bild kennt sie doch, ob es ein Fresko wäre ? Gemeint war die „Sixtinische Madonna“, sie wurde für die damalige Klosterkirche San Sisto in Piacenza gemalt, das Original hängt nun in der Gemäldesammlung in Dresden. Sie ist eine der wenigen Madonnendarstellungen mit dunklen Haaren, die meisten Madonnen von Raffael sind blond. Zu bewundern waren viele Werke des Meisters aus den Stanzen des Vatikan, unter anderen die „Schule von Athen“, die Skizzen dazu befinden sich in der Biblioteca Ambrosiana in Mailand.

Sandro Botticelli, der Florentiner ist natürlich unter anderen mit seiner wunderbaren „Geburt der Venus“ und dem „Frühling“ vertreten.

Das Zentrum der Ausstellung bildet die perfekte Kopie des Davids von Michelangelo. Obwohl diese Kopie gleich groß wie das Original ist, wiegt sie nur 180 kg. Das Material ist eine Mischung aus Beton und Styropor. Ein Werk des Initiators der Ausstellung, des Bühnenbildners Prof. Manfred Waba, der sich auch um die Arbeit der Kopien der gezeigten Werke bemühte. Was sie sehen sind perfekte Drucke in der Originalgröße dieser Meisterwerke. Viele weitere Kunstwerke Michelangelos sind wieder von der Cappella Sistina des Vatikans mit dabei. Herrlich, man kann diese Arbeiten genießen ohne sich den Hals zu verrenken, nachdem man sich vorher womöglich in der Hitze stundenlang in der Schlange anstellen musste. Wahrscheinlich muss man dass ja bereits in Zeiten des Massentourismus wohl vor jedem Museum oder Palazzo wo sich diese Werke befinden. Wenn man sich vorstellt, Leonardos „Das letzte Abendmahl“ auch „Cenacolo“ genannt in der Mailänder Kirche „Santa Maria delle Grazie“ zu bewundern muss man sich vorher anmelden, wenn man Glück hat, bekommt man einen Termin der sich in der Zeit des Aufenthaltes noch ausgeht. (Schade dass die „Kreuzigung“  auf der Vis a vis Wand des Refektoriums von Donato Montorfano selten Beachtung findet.) Dies alles erspart man sich bei dieser Ausstellung. Sie können das „Cenacolo“ jetzt in der Votivkirche sehen und es mit der Kopie in der Minoritenkirche vergleichen. Die sagenumwobene berühmte „Mona Lisa“ ist ebenso vertreten wie die wunderschöne „Felsengrottenmadonna“ oder die schöne „Dame mit dem Hermelin“.

Alle diese Meister waren nie „Freischaffende“ wie heute die bildenden Künstler sind, sie waren meist Angestellte von Fürsten, Königen oder ebenso von Kardinälen, Päpsten und anderen einflussreichen Menschen.

Mag. Wolfgang Grimme und Prof. Manfred Waba arbeiteten unermüdlich an diesen Werken, um eine sehenswerte und bereichernde Ausstellung zu schaffen. Es ist gelungen und man kann sich an der Kunst der Renaissance erfreuen.

Die Ausstellung wurde durch den Pfarrer der Kirche Dr. Joseph Farrugia, Wiens Bürgermeister Dr. Michael Ludwig und den Landeshauptmann des Burgenlandes, Hans Niessl  eröffnet.

Alfons Haider moderierte kurz und prägnant, und stellte die Sangeseinlagen vor, die ich mir für diese Veranstaltung sicher anders erwartet hätte. Wohl nicht zu den Werken passend, aber schön vorgetragen von Thomas Weinhappel hörte man unter anderen das Lied des „Don Quichotte“ aus „Mann von La Mancha“. Musik von Giovanni Pierluigi da Palestrina oder Claudio Monteverdi.hätte mir besser gefallen!

Die Ausstellung läuft von 1. 9. bis 2. 12. 2018 und ist jedenfalls einen Besuch wert.          

Elena Habermann
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KÖTHEN: Internationale Bach-Festtage 2018

BachundKöthendasgehörtzusammen, undwirsinddabei

29.8. bis 31.8. – Karl Masek

Köthen im Bundesland Sachsen – Anhalt. Ein Städtchen mit etwa 27 000 Einwohnern. Weitab von ausgetretenen Tourismus-Pfaden. Die (auch Bach)Stadt strahlt Gemütlichkeit aus, eine entschleunigte, charmant –  unhektische, aparte Provinzialität.


Das Plakat. Foto: Andrea Masek

26mal fanden die Bach- Festtage im Zweijahres-Rhythmus bisher statt, im Rummel der großen Prominenzfestivals aber eher an den Rand gedrängt.

Seit 2016 ist Intendant Folkert Uhde für die künstlerischen Geschicke verantwortlich. Er startete sehr ermutigend mit neuem Konzept. Geprägt durch ein Orchester, durch Ensembles und Solisten, die während einer Woche durchgehend anwesend sind und nicht von „Stars auf der Durchreise“. Uhdes Intendanz fällt weiters mitten in die Zeit intensiver Bau- und Restaurierungsarbeiten. Auch der berühmte Spiegelsaal im Köthener Schloss ist nach intensiver Bautätigkeit vor der Wiedereröffnung. Also auch hier Veränderung, Renovierung, Weiterentwicklung.

Orchester „in Residence“ ist das eigens gegründete Köthener BachCollektiv.   Unter der künstlerischen Leitung der österreichischen Geigerin mit bayerisch-japanischen Wurzeln, am Mozarteum Salzburg ausgebildeten Midori Seiler, trafen sich 2016 für sieben Tage 18 Musikerinnen und Musiker, um sich gemeinsam auf Bachs Spuren zu begeben. Diese Idee eines Residenzorchesters nach der Tradition und dem Vorbild der Köthener Hofkapelle  zu Zeiten des damals noch ziemlich jungen J.S. Bach (in den 7 Jahren seines Köthener Wirkens war er 32 bis 39 Jahre alt) erwies sich als unbedingt fortsetzungswürdig. Die Begeisterung war enorm, Mitwirkende wie Publikum erzählten vom speziellen „Köthen-Feeling“ und der besonderen Atmosphäre. Bach und Köthen-das gehört zusammen, und wir sind dabei! wurde zum geflügelten Wort. Fast alle Mitwirkenden von 2016 sind auch heuer wieder mit von der Partie.

Mit dem genialen Eisenacher verbindet man vor allen den Leipziger Thomaskantor. Dass er in der Köthener Zeit als Hofkapellmeister u.a.  die berühmten „Brandenburgischen Konzerte“ komponiert hat, ist vermutlich weniger bekannt. 1721 wurde eine Sammelhandschrift mit 6 Instrumentalkonzerten zusammengestellt und dem Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg gewidmet.

 

29.8.: Beim eigentlichen Eröffnungskonzert in der evangelischen Kirche St. Agnus (ein „Vorspiel“ fand schon am 26.8. statt) waren die Brandenburgische Konzerte Nr. 3 und Nr. 6 angesetzt. Beide sind den Streichinstrumenten vorbehalten. Jedes einzelne Instrument hat gleichermaßen Solo- wie Tuttiaufgaben. Eine starre Einteilung in Soloabschnitte und Orchesterbegleitung ist hier auf kunstvolle Weise aufgehoben und es entsteht ein wunderbarer „perpetuum mobile“ – Sog. Im Falle des violinlosen B-Dur-Konzerts BWV 1051 mit deutlich abgedunkeltem Klangbild. Die beiden Bratschen haben besonders anspruchsvolle Aufgaben (eindrucksvoll: Christian Goosses und Corina Golomoz), homogen und mit bestem Aufeinder-Hören die übrigen Streicher und Flóra Fàbri am Cembalo.

Doch zunächst zur Dramaturgie dieses Abends: Man könnte ihn „Von der Nacht zum Licht“ nennen.  Zunächst dominierten depressive Gefühle, die Emotion der Trauer. Bach hatte in der ersten Zeit in Köthen Schicksalsschläge erlitten.  Einer seiner Söhne starb, dann auch seine erste Frau. Mit Weinen hebt sichs an ließ die österreichische Sopranistin Miriam Feuersinger gemeinsam mit vier Stimmen von Cinquecento-Renaissance Vokal diese Emotionen beredt Klang werden. Bach heiratete jedoch bald darauf die Köthener Hofsängerin Anna Magdalena Wilcke. Etwa zeitgleich entstand die berühmte „Hochzeitskantate“ (Weichet nur, betrübte Schatten, BWV 202, für Sopran, Oboe, Streicher und Basso continuo) mit der noch dunkel getönten instrumentalen Einleitung und der sukzessiven Aufhellung der Stimmungen (Rezitativ Die Welt wird wieder neu“) bis hin zu beschwingter, ungestüm drängender, vergnügter, beinahe übermütiger Lesart mit ausdrucksstarken Textauslegungen. Die couragierte Residenz-Einspringerin Feuersinger (für die erkrankte tschechische Barockspezialistin Hana Blaziková) vereinte sich fast symbiotisch mit der famosen Oboistin Clara Blessing zu glückhaftem Musizieren. Beide „sangen“ und „tanzten“ da förmlich um die Wette, als „Sich üben im Lieben“ lustvoll absolviert wurde. Gigue, Passepied und Gavotte wurden zu Unterhaltungstänzen eines ausgelassenen Hochzeitsfestes (wie bei Bach mit Anna Magdalena 1721, bei dem mehr als 300 Liter Wein geflossen sein sollen)…

Und das „3. Brandenburgische“, G-Dur, BWV 1048, klang entfesselt. Das perlte und swingte, da wurden musikalisch die Bälle zugespielt, dass es eine helle Freude war. Was jedem/r Musiker/in ins Gesicht geschrieben stand.  Und das pflanzte sich ins Auditorium fort. Standing ovations schon bei der Eröffnung erlebt man nicht bei jedem Festival!


Die romanische, zweigeschossige Kapelle St. Crucis (Cinquecento Matinee). Copyright: Andrea Masek

30.8.: Der große Vormittag des Wiener a-Capella-EnsemblesCinquecento. Ein Ausflugskonzert führte uns in den 30 km entfernten Ort Landsberg und in die romanische Doppelkapelle St. Crucis und die pittoreske Stadtkirche St. Nicolai. Hier wurde Giovanni Pierluigi da Palestrina (um 1525-1594) gewürdigt. Palestrina – sehr viel später der Titelheld in Hans Pfitzners Oper – wird als genialer Vollender einer vokalen Poyphonie der Renaissance gesehen. Von der Perfektion eines vierstimmigen Palestrina-Satzes zu Bach, mehr als ein Jahrhundert später, ist es nicht mehr weit. Naheliegend, diese ganz spezielle a-Capella-Musik Terry Wey (Countertenor), Axel Schulz (Tenor), Tore Tom Denys (Tenor), Tim Scott Whiteley (Bariton) und Ulfried Staber (Bass) anzuvertrauen. In der spirituellen Atmosphäre von St. Crucis erklangen drei „Klagegesänge des Propheten Jeremia“, bei denen es um die Zerstörung Jerusalems durch babylonische Truppen geht. In der trockenen, nachhallfreien Akustik ergab sich ein idealtypisches, feinst gesponnenes Klanggefüge. In unmittelbarer Nähe zu den Ausführenden spürte man fast körperlich, wie da während des Singens jeder auf jeden hörte. Jeder kleinsten Verästelung des polyphonen Geschehens wurde sensitiv nachgespürt, durch kleinste räumliche Veränderungen der „Singekreise“ wurden minimale Änderungen im „Raumklang“ evoziert.  Die fünf sangen „wie mit einer Stimme“, zugleich der Eindruck von wellenförmiger Vielstimmigkeit. Musikmagie, die man kaum für möglich hielt.


Miriam Feuersinger, Terry Wey, Axel Schulz, Ulfried Staber, Tim Scott Whiteley, Tore Tom Denys vor der Apsis in St. Nicolai. Copyright: Andrea Masek

Man musste sich den zweiten Teil erwandern. In St. Nicolai Palestrinas sechsstimmige Missa sine nomine, hier übernahm Miriam Feuersinger den Sopranpart, als wäre sie schon immer Cinquecento-Mitglied.

Starke Akklamation eines sichtlich und hörbar beeindruckten Publikums.

 

31.8.: Bis in den Nachmittag hinein ein Besuch der Lutherstadt Wittenberg. Eine Matinée im Refektorium im Lutherhaus. Wir folgten gerne der Einladung der Wittenberger Hofkapelle.

Ein moderiertes Konzert. Tobias Höhne machte das instruktiv und humorvoll. 60 km von Köthen entfernt liegen die Wurzeln der Reformation, ohne die man sich Bach kaum denken und vorstellen kann. Luther war musikalisch sehr begabt, und er komponierte auch. Mit Ein feste Burg ist unser Gott gab es auch eine musikalische Kostprobe seines musikalischen Schaffens. Die vier Mitglieder – neben Tobias Höhne, die Solistin Shirley Radig (Sopran), die Instrumentalist/innen Gesine Friedrich und Thomas Höhne. Was heißt hier Instrumentalisten? Vier fabelhafte Erzmusikanten gab es da zu bestaunen. Was hatten die nicht alles für Instrumente dabei! Eine überaus edel klingende „Wartburg-Harfe“, Gamben verschiedener Stimmlagen, eine ebensolche Vielfalt an Renaissanceblockflöten, 2 Lauten, 1 Langhalslaute, eine italienische „Guitarra Patente“, Perkussionsinstrumente- und: GEMSHÖRNER in verschiedenen Stimmlagen (butterweich, geradezu „sahnig“ klingende Engelsinstrumente, wie Höhne anmerkte), HÜMMELCHEN (Dudelsack-ähnliche Blasinstrumente, bei denen man vermeint, in einen Hummelschwarm hineinzugeraten. Und ein KRUMMHORN, das die quäkenden und krächzenden Töne produziert. „Der Rabe unter den Instrumenten“, so Höhne launig.

Die aufgeführten Komponisten (Melchior Vulpius, Ludwig Senfl, Hans Leo Hassler, Heinrich Isaac, Michael Farinell, Martin Luther,u.a.) bezogen sich mit ihren Liedern, Tänzen (auch den Chorälen!) auf das breite Volk, von dem sie verstanden werden und dem sie gefallen wollten. Da waren schon Kultnummern dabei. Ludwig Senfl mit Ach Elslein, liebes Elslein mein oder H.L. Hassler mit Jungfrau dein schön Gestalt: Das waren schon Liebeslieder mit Poesie und kuscheliger Melodik! Shirley Radik sang diese Kleinodien mit farbiger, kristallklarer Stimme und der aparten Mischung „unschuldig- wissend“, oder anders gesagt: mit keuscher Erotik.

Die instrumentalen Nummern boten ein Füllhorn an Gefühlsschattierungen, was Renaissancemusik so frisch, so ewig neu, so zeitlos modern daherkommen lässt. Imponierend das Können des Instrumentaltrios, das auf allen Instrumenten mit virtuosen Qualitäten glänzte und das Gefühl vermittelte, genau so hat dies „damals“ geklungen! Etwa die temperamentvollen „Folia“-Variationen des Michael Farinell (1649-1726) oder durchaus schlüpfrige italienische Canzonen der damaligen Zeit. Oder der Abschiedsschmerz in Innsbruck, ich muss dich lassen,..

Starker Beifall wurde mit einer Zugabe belohnt. Eine weitere lustig-frivole Canzonetta.

 
Midori Seiler,Valer Sabadus, Terry Wey und das Köthener BachCollektiv danken für Ovationen. Copyright: Andrea Masek

Am Abend schließlich wieder Köthen: Inspirationen Bach & Pergolesi. diesmal in der Kirche St. Jakob. Eingeleitet vom Brandenburgischen Konzert Nr.1 mit den konzertierenden Hörnern im 1.Satz (makellos Stephan Katte und Dette Alpheis).  Pergolesis berühmtes Opus summum „Stabat Mater“ war katholisch inspiriert. Das Werk erfuhr durch Bach eine „protestantisch gefärbte“ Veränderung, indem er der lateinischen Meditation über die klagende Maria einen deutschen Text geben, musikalisch in vielen Details (Satztechnik!) seine „Sprache“ einfließen ließ. Tilge, Höchster, meine Sünden heißt nun diese  Motette (BWV 1083 nach Pergolesi). Und aus der Schilderung der “Schmerzensreichen“ wurde das Bekenntnis eines bereuenden Sünders. Was bei den Protestanten besser ankam. Man hört auch: Bachs Version hat mehr „Testosteron“…

Rundheraus gesagt: Was wir da von den beiden Counterstars Valer Sabadus und Terry Wey zu hören bekamen, war schier atemberaubend und scheint mir kaum mehr zu toppen. Schmerz ist hier bitter, hat keinen süßlichen Beigeschmack. Auch das Leid wird in kräftigeren Farben geschildert. Das abschließende „Amen“ wirkt entschlossener. Die beiden passen stimmlich unglaublich gut zusammen. Wie Topf und Deckel, auch wenn der Vergleich etwas banal anmutet. Perfekt sämtliche Duette, seien es die auseinander laufenden Linien, seien es die Parallelitäten. Ausdruckswille geht über geschmäcklerische und gefällig sein wollende Phrasierung. Die Intonation beider ist exemplarisch. Bei den Arien beider scheint die Zeit still zu stehen. Mit der Akustik wird gekonnt gespielt. Höhepunkt an Höhepunkt!

Zeit ist es, Midori Seiler und ihr Wirken in diesen festlichen Tagen zu preisen. Nur wenige üben so uneitel ihre Leitungsfunktion aus. Sie ist auf ganz „leise“ Art offenbar eine Teamplayerin und Motivationskünstlerin. Spielt ihren Violinpart ohne herausfordernde Gestik, dirigiert fast unmerklich – und hat jede Sekunde die Fäden in der Hand. Im Orchester wieder: Aufeinander hören,   positive Körpersprache, sichtlich und hörbar Lust und Spaß an der Sache. Geboren aus künstlerischem Ernst. Das Köthener BachCollektiv möge in ähnlicher Form weiter zusammenbleiben!

Nach dem Triumph mit Bach & Pergolesi gelang die abschließende Kantate „Falsche Welt, dir trau ich nicht“ mit dem optimistischen Gottvertrauens-Finale noch ein Stück weit entspannter. Der Sopran von Miriam Feuersinger schwang sich zu glockigen Höhenflügen auf, und Cinquecento setzte (auch da war Terry Wey wieder dabei) mit dem Choral „In dich hab ich gehoffet, Herr“ den Schlusspunkt eines Weltklasse-Konzerts.

 Und Ende August 2020 geht es wieder los. Fazit: Die Köthener Bachfesttage haben ein künstlerisches Ausrufezeichen gesetzt und postuliert: Für Bach kann kein Weg zu weit sein. Also: Auf nach Köthen! Im August 2020!

Karl Masek

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HÖHEPUNKTE  IM SPIELPLAN DER OPER FRANKFURT IM OKTOBER 2018

Sonntag, 28. Oktober 2018, um 18.00 Uhr im Opernhaus
Premiere / Frankfurter Erstaufführung IOLANTA

Lyrische Oper in einem Akt von Peter I. Tschaikowski In russischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Premiere OEDIPUS REX Opernoratorium in zwei Akten von Igor Strawinsky In lateinischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Musikalische Leitung: Sebastian Weigle / Nikolai Petersen;
Regie: Lydia Steier

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Die Regisseurin Lydia Steier. Foto: Sandra Then

Mitwirkende Iolanta: Asmik Grigorian (Iolanta), Robert Pomakov (König René), AJ Glueckert (Graf Vaudémont), Gary Griffiths (Robert), Andreas Bauer (Ibn-Hakia), Judita Nagyová (Martha), Kateryna Kasper (Brigitta), Nina Tarandek (Laura), Magnús Baldvinsson (Bertrand), Matthew Swensen (Almeric) Mitwirkende Odipus Rex: Peter Marsh (Ödipus), Tanja Ariane Baumgartner (Jokaste), Gary Griffiths (Kreon), Andreas Bauer (Teiresias), Matthew Swensen (Hirte), Brandon Cedel (Bote)

Weitere Vorstellungen: 1., 3., 8., 11. (15.30 Uhr; mit kostenloser Betreuung von Kindern zwischen 3 und 9 Jahren), 16., 18. (18.00 Uhr), 23., 25. November, 1. Dezember 2018 Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.00 Uhr Preise: € 15 bis 165 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Mit diesem Opern-Doppel – bestehend aus Iolanta von Peter I. Tschaikowski (1840-1893) und Oedipus Rex von Igor Strawinsky (1882-1972) – setzt die Oper Frankfurt ihre Tradition fort, Kurzopern aus verschiedenen Stilepochen miteinander zu kombinieren – zum Gewinn des Publikums. Tschaikowskis 1892 in St. Petersburg uraufgeführter Iolanta diente ein märchenhaftes Schauspiel (1845) des Dänen Henrik Hertz als literarische Vorlage. Die Komposition steht noch völlig in romantischer Tradition und lässt Anklänge an Wagners Tristan und Isolde hören; auch dies ein Werk, das die äußere Handlung durch die musikalisch geschilderten inneren Vorgänge und Entwicklungen der Protagonisten ausdrückt. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte sich zunehmender Erfolg ein, zuerst nur in Russland, später auch im Ausland. Strawinskys Oedipus Rex gelangte 1927 in Paris zur konzertanten bzw. ein Jahr später in Wien zur szenischen Uraufführung. Das Libretto nach Sophokles stammt von Jean Cocteau, dessen Antikenrezeption Strawinsky faszinierte. Nach der Lektüre einer Biografie des Franz von Assisi kam der Komponist auf die Idee, das Werk ins Lateinische zu übersetzen. Wie zu einer Collage von objets trouvés verbinden sich Rhythmen und Harmonien, die ihre Einflüsse aus dem Mittelalter, aus russisch-orthodoxer Kirchen- und Volksmusik sowie aus der Klassik und dem Jazz beziehen. Auch hier fand die internationale Verbreitung erst nach dem Zweiten Weltkrieg statt. In beiden Stücken geht es um die Blindheit der jeweiligen Hauptperson – einmal im realen und einmal im übertragenen Sinne: Die Königstochter Iolanta kann nicht sehen und wird auf strenges Geheiß ihres Vaters von ihrer Umgebung in Unkenntnis über ihre Behinderung gehalten. Als der in sie verliebte Graf Vaudémont sie mit den Tatsachen konfrontiert, wird er vom König angeblich zum Tode verurteilt. Durch die Liebe findet Iolanta die Kraft, sich einer Therapie zu unterziehen, die ihr schließlich das Augenlicht wiedergibt. König Ödipus hingegen verschließt seine Augen vor der Tatsache, dass er unwissentlich zum Mörder des eigenen Vaters und zum Ehemann seiner Mutter Jokaste wurde. Als die Wahrheit ans Licht kommt, begeht seine Mutter Selbstmord, und er selbst sticht sich die Augen aus.

Die musikalische Leitung liegt bei Frankfurts Generalmusikdirektor Sebastian Weigle, der damit seine erste Neuproduktion der Saison 2018/19 an seinem Stammhaus vorlegt. Gerade an der Wiener Staatsoper mit Wagners Lohengrin zu Gast, wird er zusätzlich zu seinen hiesigen Aufgaben ab 2019/20 das Yomiuri Nippon Symphony Orchestra Tokio als Chefdirigent übernehmen. Mit ihm wechselt sich bei dieser Produktion Kapellmeister Nikolai Petersen am Pult ab. Die Amerikanerin Lydia Steier wird als eine der führenden Opernregisseurinnen ihrer Generation gehandelt. Neben ihrem Debüt an der Oper Frankfurt gehören Puccinis Turandot an der Oper Köln, Berlioz’ Les Troyens an der Semperoper Dresden, Strawinskys The Rake’s Progress am Theater Basel und Mozarts Die Zauberflöte bei den Salzburger Festspielen 2018 zu ihren jüngsten Aufgaben. Asmik Grigorian (Iolanta) stammt aus Litauen und gibt gleichfalls ihr Hausdebüt. Im Terminkalender der vielgefragten Sopranistin stehen Strauss’ Salome bei den Salzburger Festspielen 2018, Puccinis Madame Butterfly an der Königlichen Oper Stockholm und Marietta in Korngolds Die tote Stadt an der Mailänder Scala. Robert Pomakov (König René) gab hier 2016/17 sein Hausdebüt als Gremin in Tschaikowskis Eugen Onegin, kürzlich gefolgt von Oroveso in Bellinis Norma. Regelmäßig gastiert der kanadische Bass an der New Yorker Metropolitan Opera und der Opéra National de Paris. Der amerikanische Tenor AJ Glueckert (Graf Vaudémont) gehört seit 2017/18 zum Frankfurter Ensemble, wo er zuletzt Flamand in Strauss’ Capriccio, Skuratov in Janáčeks Aus einem Totenhaus und Froh in Wagners Das Rheingold verkörperte. Zudem gastierte er jüngst als Bacchus in Strauss’ Ariadne auf Naxos beim Glyndebourne Festival und als Erik in Wagners Der fliegende Holländer an der New Yorker Met. Seit 1998/99 gehört Peter Marsh (Oedipus) zum Ensemble der Oper Frankfurt, wo er zuletzt u.a. als Walter in Weinbergs Die Passagierin (in dieser Partie gastierte er auch in Wien und Tel Aviv), der Rebell in Křeneks Das geheime Königreich und Šapkin in Aus einem Totenhaus zu erleben war. Neben ihren internationalen Gastengagements sang Tanja Ariane Baumgartner (Jokaste) jüngst an ihrem Frankfurter Stammhaus Cassandre in Berlioz’ Les Troyens, Azucena in Verdis Il trovatore und Clairon in Strauss’ Capriccio sowie einen stark akklamierten Liederabend. Alle übrigen Partien sind mit Ensemblemitgliedern und Gästen besetzt.

Samstag, 6. Oktober 2018, um 19.30 Uhr im Opernhaus
Erste Wiederaufnahme CAPRICCIO

Konversationsstück mit Musik in einem Aufzug von Richard Strauss
Mit deutschen und englischen Übertiteln Musikalische Leitung: Lothar Koenigs;
Inszenierung: Brigitte Fassbaender

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Copyright: Monika Rittershaus

Mitwirkende: Kirsten MacKinnon (Gräfin Madeleine), Sebastian Geyer (Graf), AJ Glueckert (Flamand), Iain MacNeil (Olivier), Alfred Reiter (La Roche), Tanja Ariane Baumgartner (Clairon), Hans-Jürgen Lazar (Monsieur Taupe), Florina Ilie (Eine italienische Sängerin), Michael Petruccelli (Ein italienischer Tenor), Gurgen Baveyan (Der Haushofmeister), Katharina Wiedenhofer (Eine junge Tänzerin) u.a.

Weitere Vorstellungen: 12., 19., 26. Oktober, 4. (18.00 Uhr) November 2018 Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.30 Uhr Preise: € 15 bis 105 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Mitten im Krieg legte Richard Strauss (1864-1949) mit seiner letzten, am 28. Oktober 1942 im Münchner Nationaltheater uraufgeführten Oper Capriccio sein musikdramatisches Vermächtnis vor. Das Dirigat oblag damals seinem Freund Clemens Krauss, der zudem das Libretto des Werkes eingerichtet hatte. Beide Künstler sind aus heutiger Sicht nur schwer vom Vorwurf der Nutznießerschaft am nationalsozialistischen System freizusprechen. Und so wollte sich Regisseurin Brigitte Fassbaender auch nicht damit abfinden, lediglich – wie es das Libretto vorsieht – die Geschichte einer Frau zwischen zwei Männern zu erzählen, sozusagen als Sinnbild der Erörterung zweier entgegengesetzter musiktheoretischer Positionen: Was ist wichtiger – das Wort oder die Musik? Fassbaender verlegt also die in Paris angesiedelte Handlung in die vierziger Jahre zur Zeit der deutschen Besatzung und macht aus der Gräfin kurzerhand eine Resistance-Kämpferin, die es auf ihrem Schloss mit Kollaborateuren und Gleichgesinnten zu tun bekommt. Publikum und Presse zeigten sich nach der Premiere am 14. Januar 2018 von der tiefgründigen, aber auch äußerst humorvollen Inszenierung angetan. So berichtete etwa die Frankfurter Rundschau: „Wenn es so etwas wie eine »Modellaufführung« gibt, so wäre die Regiearbeit von Brigitte Fassbaender als solche zu apostrophieren: (…) besonnenes, unaufdringliches, zugleich gedanklich mutig-entschiedenes Regietheater.“

Anlässlich der ersten Wiederaufnahme dieser Produktion aus der Saison 2017/18 weist der Besetzungszettel einige neue Namen auf: Die musikalische Leitung liegt bei dem deutschen Dirigenten Lothar Koenigs, der damit sein Hausdebüt vorlegt. Nach Chefpositionen in Cardiff und Osnabrück ist er freiberuflich tätig und regelmäßig zu Gast an den Opernhäusern von München, Hamburg, Dresden, Zürich, Mailand und London sowie an der New Yorker Metropolitan Opera. Die kanadische Sopranistin Kirsten MacKinnon (Gräfin Madeleine) feierte 2017/18 ihr stark akklamiertes Frankfurt-Debüt als Ines in Meyerbeers L’Africaine – Vasco da Gama. Ab der Spielzeit 2018/19 gehört sie nun zum Ensemble der Oper Frankfurt. An ihrer Seite steigt auch Sebastian Geyer (Graf) neu in die Produktion ein. Er gehört gleichfalls zum festen Sängerstamm der Oper Frankfurt und gastierte kürzlich als der Fremde in Millöckers Gasparone an der Wiener Volksoper. Die Partie des Monsieur Taupe übernimmt das langjährige Ensemblemitglied HansJürgen Lazar, und aus dem Opernstudio der Oper Frankfurt steigen Iain MacNeil als Olivier sowie die „Neuzugänge“ Florina Ilie (Eine italienische Sängerin) und Michael Petruccelli (Ein italienischer Tenor) in die Inszenierung ein. Alle übrigen Künstler und Künstlerinnen sind mit der Produktion bereits vertraut.

Karten für die genannten Veranstaltungen sind bei den bekannten Vorverkaufsstellen, online unter www.oper-frankfurt.de oder im telefonischen Vorverkauf 069 – 212 49 49 4 erhältlich.
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BAD ISCHL : Bevor die Fahnen am Vorplatz des Kongress & TheaterHauses kurz vor Saisonende eingeholt werden, präsentierte das Lehár Festival Bad Ischl seine Bilanz 2018 in einer Pressekonferenz.

„Die hohe Erwartungshaltung an Intendant Thomas Enzinger konnte nicht nur erfüllt, sondern bei weitem übertroffen werden“, leitete der Bad Ischler Bürgermeister und Festival-Präsident Hannes Heide ein. „Es gab einen neue Besucherrekord beim Lehár Festival zu verzeichnen und einen Einnahmenrekord“, berichtet Heide. In Zahlen: Mit 22.885 ausgegebenen Karten konnten die Vorjahreszahlen um 3.500 BesucherInnen übertroffen werden. Das bedeutet ein Plus von 18 %. Außerdem hat das Festival damit 1.500 BesucherInnen mehr als im Rekordjahr 2011. Die Kartenerlöse haben mit brutto 991.214,97 Euro das bisherige Rekordergebnis aus dem Jahr 2011 um über 40.000 Euro überholt. Im Vergleich zur Vorsaison konnten rund 190.000 Euro mehr eingenommen werden. (Zahlenstand: 30.8.2018 – das Festival läuft noch bis 2.9.!)

„Wir sind künstlerisch und wirtschaftlich sehr erfolgreich und können mehr als zufrieden sein“, so Heide abschließend. „Ich habe schon oft gesagt, dass ich diese Region und insbesondere Ischl als magischen Ort empfinde. Jetzt habe ich das Gefühl wir haben einen magischen Sommer gehabt“, freut sich Neo-Intendant Thomas Enzinger über seine erste eigene Spielzeit in Bad Ischl. Die vielen zufriedenen Gesichter in den Publikumsreihen, die große Resonanz bei der Presse im In- und Ausland und dann auch noch die rekordverdächtigen Zahlen, stimmen ihn sehr positiv. „Es ist eine große Bestätigung meiner Arbeit. Ich mache Theater für das Publikum, aber immer mit Haltung.“ Für ihn sei wichtig, dem musikalischen Unterhaltungstheater die Würde zu geben, die es verdient. „Wir machen nicht NUR Operette. Wir machen OPERETTE!“, spielt er darauf an, dass das Genre oft als „leichte Muse“ abgetan wird. Die Freude über das Ergebnis sei jedenfalls groß, bedeute für ihn jedoch auch die Verantwortung, es noch besser zu machen und weiterhin alles zu versuchen. „Es ist ein Ansporn intensiv weiterzuarbeiten und sich nicht zurückzulehnen.“

2019 stehen folgende Hauptstücke auf dem Programm:

„Das Weiße Rössl“ von Ralph Benatzky

„Pariser Leben“ von Jacques Offenbach (200. Geburtstag im Jahr 2019)

„Clo-Clo“ von Franz Lehár – in einer halbszenischen Aufführung; wird vom deutschen Klassiklabel CPO als CD produziert.
Details zur neuen Saison kommen im Laufe des Herbsts. Der reguläre Kartenverkauf beginnt im Oktober 2018
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Sinfonieorchester Wuppertal: Benjamin Reissenberger neuer Orchestermanager

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Dr. Benjamin Reissenberger. Foto: Daniel Häker

Seit Juni gibt es beim Sinfonieorchester Wuppertal einen neuen Kopf an der Spitze des Orchestermanagements. Der studierte Klarinettist und promovierte Musikwissenschaftler Benjamin Reissenberger verantwortet zukünftig nicht nur das betriebliche Management des Sinfonieorchester Wuppertal, sondern auch gemeinsam mit Generalmusikdirektorin Julia Jones die künstlerische Programmplanung. »Der Erfolg des Sinfonieorchester Wuppertal und seine glanzvolle Geschichte lassen mich mit Freude und Stolz auf meine Tätigkeit blicken.«, so Dr. Reissenberger. Neben der Arbeit als Opernorchester spielt das Sinfonieorchester pro Saison über 50 Konzerte, vornehmlich in seiner Heimatspielstätte, der Historischen Stadthalle Wuppertal am Johannisberg. Das Orchester beweist in den verschiedensten Konzertformaten und -programmen seine außerordentliche Vielseitigkeit, mit der es das kulturelle Angebot der Stadt und der Region prägt und bereichert. Bei Gastspielen sind die Musiker_innen als Kulturbotschafter Wuppertals im In- und Ausland unterwegs.

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BREMEN: Die Durchleuchtung einer Freiheitsoper: Paul-Georg Dittrich inszeniert Beethovens „Fidelio“, Yoel Gamzou hat die Musikalische Leitung.

Premiere ist am 16. September um 18 Uhr im Theater am Goetheplatz.

 Beethovens einzige Oper ist das Zeugnis einer immensen Abarbeitung an der Gattung Oper und dem Thema der Freiheit. Leonores Errettung ihres dem Tode geweihten Gatten wird zu einem Fanal für politische Mündigkeit. Ein Thema, das Fidelio als Oper für besondere Gelegenheiten prädestiniert. „Und durchaus auch für die unrühmlichen“, führt Brigitte Heusinger, seit der Spielzeit 2018/19 Leitende Dramaturgin im Musiktheater, aus: „Dies ist der Ausgangspunkt der szenischen Umsetzung, die im ersten Teil exemplarische Aufführungen anzitiert und Revue passieren lässt.“ In insgesamt acht Dioramen nimmt Dittrich Bezug auf geschichtsträchtige Inszenierungen aus verschiedenen Jahrzehnten.

 Im zweiten Teil wird der appellative Charakter der Oper, die Forderung nach Einmischung und Teilhabe wörtlich genommen. 60 Zuschauer*innen wechseln die Seite, die klassische Guckkasten-Situation wird aufgehoben. Bei Brot und Theaterwein werden sie zur Tischgesellschaft auf der Bühne. Karten für diese speziellen Plätze gibt es ausschließlich an der Theaterkasse.

Stilistisch changiert „Fidelio“ zwischen Singspiel, dramatischer Oper und Oratorium, die musikalische Leitung hat Generalmusikdirektor Yoel Gamzou inne. In den Hauptpartien geben Christian-Andreas Engelhardt als Florestan und Nadine Lehner als Leonore ihr Debüt, Tenor Joel Scott alias Jaquino ist in Bremen erstmals zu erleben.

Nach „Wozzek“ und „La Damnation de Faust“, beide Arbeiten nominiert für den Deutschen Theaterpreis DER FAUST, und in der vergangenen Spielzeit „Lucia di Lammermoor“, ist der Regisseur Paul-Georg Dittrich nun mit seiner vierten Inszenierung am Theater Bremen zu sehen. Dittrich, geboren 1983, studierte Regie in Hamburg und arbeitet häufig sparten- und medienübergreifend. Er inszenierte u.a. am Schauspiel Frankfurt, am Schauspielhaus Wien, am Maxim Gorki Theater Berlin und an der Staatsoper Hamburg.

Fidelio
Oper in zwei Aufzügen von Ludwig van Beethoven
Text Joseph Ferdinand Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke nach Jean-Nicolas Bouilly

 Premiere am Sonntag, 16. September 2018 um 18 Uhr im Theater am Goetheplatz

 

Musikalische Leitung:                     Yoel Gamzou
Regie:                                                Paul-Georg Dittrich
Bühne:                                              Lena Schmid
Kostüme:                                           Anna Rudolph
Licht:                                                 Joachim Grindel
Chor:                                                 Alice Meregaglia
Video:                                                Kai Wido Meyer
Dramaturgie:                                    Isabelle Becker, Brigitte Heusinger

Mit: Christian-Andreas Engelhardt, Christoph Heinrich, Nadine Lehner, Claudio Otelli, Daniel Ratchev, Marysol Schalit/Iryna Dziashko, Joel Scott, Jeong Hoon Lee, Romualdas Batalauskas. Chor und Extrachor des Theater Bremen. Es spielen die Bremer Philharmoniker

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ORF III am Wochenende: „Gräfin Mariza“ aus Mörbisch 2018 in „Erlebnis Bühne“, Schwerpunkt zu Susi Nicolettis 100. Geburtstag

Außerdem: „zeit.geschichte“ mit zwei Folgen „Österreich I“ und Mike Supancic im „Sommerkabarett“ =

Der Festivalsommer neigt sich dem Ende zu – zuvor gibt es in ORF III Kultur und Information aber noch ein weiteres Kulturhighlight, diesmal aus dem Burgenland: Emmerich Kálmáns Operettenklassiker „Gräfin Mariza“ von den diesjährigen Seefestspielen Mörbisch. Gestartet wird das Wochenende jedoch am Samstag, dem 1. September 2018, mit den finalen beiden Folgen der zwölfteiligen „zeit.geschichte“-Dokumentarreihe „Österreich I“. Am Sonntag, dem 2. September, ist schließlich in „Erlebnis Bühne“ um 20.15 Uhr das Operettenspektakel von der Seebühne zu erleben.

Samstag, 1. September: Zweimal „zeit.geschichte: Österreich I“ mit „Vom Siegen und Sterben“ und „Im Kriege wiedererstanden“ ab 20.15 Uhr sowie Mike Supancic im „Sommerkabarett“ (23.45 Uhr)

Am Samstag sind im Hauptabend die finalen zwei Teile der zwölfteiligen ORF-III-Dokumentarreihe „Österreich I“ von Hugo Portisch und Sepp Riff zu sehen, beginnend mit „Vom Siegen und Sterben“ (20.15 Uhr) über die ersten Kriegsjahre des Zweiten Weltkriegs. Im Frühjahr 1940 steht für die deutsche Führung eine neue Konfrontation mit den Westmächten England und Frankreich an. Polen wiederum fällt im Blitzkrieg. Doch der erste Schlag wird in diesem Jahr nicht im Westen geführt, sondern im Norden. Mit der Besetzung Dänemarks und Norwegens will sich die nationalsozialistische Führung die Erzvorkommen Skandinaviens sichern. Auch in der Heimat hinterlässt der Krieg seine Spuren. Über 50.000 deutsche Soldaten sind im ersten Kriegsjahr gefallen. In der finalen Folge „Im Kriege wiedererstanden“ (22.00 Uhr) hält Hitler den Krieg schon für gewonnen. Am 22. Juni 1941 überfallen deutsche Truppen die Sowjetunion. Es gelingt der Wehrmacht, dem Gegner binnen kürzester Zeit erhebliche Verluste zuzufügen und Hunderttausende Kriegsgefangene zu machen. Doch der hereinbrechende Winter verlangsamt den deutschen Vormarsch, bis er knapp vor Moskau zum Stillstand kommt.

Der Abend schließt mit einer weiteren Ausgabe des „Sommerkabaretts“. In „Mike Supancic: Das Geheimnis von Imst“ (23.45 Uhr) zieht der Kabarettist mit der Bahn durch Österreich und entdeckt dabei die obskursten Triebe heimischer Politik und Kultur.

Sonntag, 2. September: Sechsmal „ORF III Spezial“ zum 100. Geburtstag von Susi Nicoletti mit u. a. „Susi Nicoletti – Mit Ernst unernst“ – ab 10.35 Uhr; Außerdem: „Die Gräfin in der Geige“ (19.40 Uhr) und „Erlebnis Bühne mit Barbara Rett: Seefestspiele Mörbisch: Gräfin Mariza“ (20.15 Uhr)

Susi Nicoletti wäre am 3. September 100 Jahre alt geworden. ORF III widmet der Schauspielerin einen sechsteiligen Schwerpunkt, beginnend mit „Das Mädl aus der Vorstadt“ (10.35 Uhr) aus dem Jahr 1962 aus dem Wiener Burgtheater. An der Seite von Susi Nicoletti sind in der Posse von Johann Nestroy außerdem Richard Eybner, Ernst Anders, Josef Meinrad und Christiane Hörbiger zu erleben. Es folgen die Filme „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ (12.40 Uhr) aus dem Jahr 1957, „Kleiner Schwindel am Wolfgangsee“ (14.25 Uhr) aus 1949 sowie „Die Winzerin von Langenlois“ (16.05 Uhr), der ebenfalls im Jahr 1957 entstanden ist. Danach bietet „Susi Nicoletti – Mit Ernst unernst“ (17.35 Uhr) ein ausführliches Porträt über das Leben und die Karriere der Schauspielerin. Der Schwerpunkt schließt mit dem aus dem Jahr 1955 stammenden Film „Sonnenschein und Wolkenbruch“ (18.10 Uhr) von Regisseur Rudolf Nußgruber. Darin ist Nicoletti als Revuetänzerin Margit zu erleben, die von einem Hotel engagiert wird, einen Perlenkettendiebstahl zu inszenieren. Der Grund: Das Hotel will seiner miserablen Buchungslage durch die Presse einen ordentlichen Aufschwung verschaffen. Aber dann taucht die echte Besitzerin der Perlenkette auf.

Im Vorabend stimmt die Dokumentation „Die Gräfin in der Geige“ (19.40 Uhr) auf den im Hauptabend gezeigten Operettenklassiker von den Seefestspielen Mörbisch 2018 ein. „Gräfin Mariza“ gehört zu den am öftesten in Mörbisch gespielten Operetten. Aber noch nie ist Manja, die Zigeunerin, in 14 Metern Höhe, an der Spitze eines Geigenhalses erschienen. Mila Janevska erzählt in der von Gabi Schiller gestalteten TV-Dokumentation, wie es ihr bei der „Erstbesteigung“ ergangen ist und wie sie die ungewöhnliche Bühne erlebt. Danach folgt in „Erlebnis Bühne mit Barbara Rett“ das diesjährige Mörbisch-Highlight. Karl Absenger inszeniert im ersten Jahr der Intendanz von Peter Edelmann auf der spektakulären Seebühne in Mörbisch die Geschichte der reichen und schönen Gräfin, die sich vor ihren Verehrern retten möchte. Sie erfindet kurzerhand einen Verlobten und gibt ein rauschendes Fest, um die vielen lästigen Kavaliere abzuschrecken. Durchkreuzt wird ihr Plan von einem Baron, der ausgerechnet denselben Namen trägt wie der imaginierte Bräutigam und zudem an einer Heirat interessiert wäre. Die Komposition von Emmerich Kálmán dirigiert Guido Mancusi.

Nachfolgend gedenkt ORF III des am vergangenen Mittwoch verstorbenen Erich Lessing und zeigt das im Jahr 2013 von Thomas Hackl und Martina Hechenberger entstandene Porträt „Der Fotograf im Rückspiegel“ (22.45 Uhr). Der Fotograf erzählt darin von seiner Jugendzeit in Wien, seinen Erlebnissen auf der ganzen Welt, der Eröffnung seiner Galerie im Jahr 2011 und seinem unvergleichlichen Schaffen. Es folgt um 23.40 Uhr „Im Gespräch mit Erich Lessing“. 2015 führte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz rund um das Jubiläumsjahr des Staatsvertrags ein ausführliches Interview mit dem Jahrhundertfotografen.

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FRANKREICH ZUM TOD VON ERICH LESSING

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Wir dürfen Ihnen den Wortlaut der Sprecherin des französischen Außenministeriums gestern zum Ableben des österreichischen Fotographen Erich Lessing übermitteln:
Mit Trauer haben wir die Nachricht vom Ableben des österreichischen Fotografen Erich Lessing entgegen genommen. Frankreich möchte den Hinterbliebenen seine aufrichtige Anteilnahme bekunden!
1966 wurde er mit dem Prix Nadar für sein Werk „Odyssee, Homers Epos in Bildern“ ausgezeichnet. Erich Lessing war ein Vorreiter der modernen Fotoreportage, die unseren Blick auf das 20. Jahrhundert geprägt hat. Das Schicksal Europas, dessen Dramen der Wiener selbst durchlebte bevor er beginnen konnte, dessen Wiederaufbau zu dokumentieren, war im Mittelpunkt seines leidenschaftlichen Engagements.
Für die Franzosen wird er immer als jener großartige Fotograph in Erinnerung bleiben, der 1962 die französisch-deutsche Versöhnung, als General de Gaulle den Kanzler Adenauer besuchte, in Bildern festhielt.“
Mit freundlichen Grüßen,

Dipl.-Kffr. Angelika LE BRUN, B.A.
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