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INFOS DES TAGES (MONTAG, 7. MÄRZ 2022)

07.03.2022 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (MONTAG, 7. MÄRZ 2022)

Bayerische Staatsoper: „PETER GRIMES“. Erste Eindrücke nach dem Premierenstream (von TTT)

PETER GRIMES - Bayerische Staatsoper
Foto: Wilfried Hösl/ Bayerische Staatsoper

Es war sicher kein Ärgernis, veranlaßte aber auch nicht zum Jubeln, gem. der Hoffnung nach ersten Berichten und Bildern.  Die Inszenierung hangelte sich schlüssig in den ersten beiden Akten durch das Libretto mit Längen. Bühne und Kostüme waren zeitrichtig im Kompositionszeitraum angesiedelt. Das Einheitsbühnenbild  als realistischer Großraum, Halle mit Bühne auf Bühne – Effekt, verbaute einer ausladenden Personenführung den Bewegungsmodus prägnanter Darstellungen, ließ oft nur Rampensingerei zu und stellt Fragen, da auch angedeutete szenische Zitate zu Handlungsräumen fehlen.

Die Bühne auf der Bühne eröffnete ganz schöne phantastisch realistische Meereseindrücke, der Ozean im Tosen und Wallen der Emotionen – alles immer in  düsterer Anmutung, eins zu eins zur Musik, keine optischen Kontrapunkte.

Gesang war überwiegend gehobener Durchschnitt und besser.  Rachel Willis-Sørensen und  Stuart Skelton in den Hauptpartien überraschten mit enormer Steigerung im letzten Bild, da entstanden großartig berührende Synthesen aus Musik, Gesang und Darstellung. Überhaupt war die Personenregie in der Körpersprache Aller hervorragend gearbeitet und durch Begabungen potenziert.

Optik von Otto-Dix-Impressionen  im letzten Bild waren gelungen, großartig. Der Verdacht nach den diversen Fotographien der Bühnentotale, läßt auf weite Optimierung dieser Eindrücke beim Life-Erleben hoffen. Das gilt auch für auditives Erleben (Orchester/Dirigent). Aus der Übertragung dürfte der Eindruck eingeschränkt sein.

Tim Theo Tinn 6. März 2022
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Sang- und klanglos adieu?
Oder: Dank an Roland Geyer

Roland Geyer hatte sich als Person immer dermaßen im Hintergrund gehalten, dass man sich als Opernbesucher wunderte, als er vor Beginn der letzten „Jenufa“-Vorstellung (und damit auch der letzten Aufführung in „seinem“ Theater an der Wien) vor den Vorhang trat, um sich zu verabschieden. Und sich zu bedanken – bei dem Publikum, dessen Treue er pries, bei dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien und vor allem dem Arnold Schoenberg Chor, zwei „Klangkörper“, ohne welche die Aufführungen seiner Ära nicht möglich gewesen wären (wobei ihm noch einige weitere Orchester beistanden).

Das Publikum feierte Geyer herzlich, applaudierte Zustmmung, aber ist das genug? Eigentlich hätte er metaphorische Blumen (und Orden aller Arten) dafür verdient, wie er in den letzten eineinhalb Jahrzehnten Wien sein drittes große Opernhaus gegeben (und damit auch das Theater an der Wien vor der Musical-Seuche gerettet) hat.

Es war dies ganz allein sein Verdienst, denn die Stadt Wien wusste wirklich nicht, was es mit diesem Juwel eines Hauses anfangen sollte (ja, natürlich wurde die „Zauberflöte“ nicht direkt hier uraufgeführt, ihre Gewinne haben den Bau, mit dem wir heute leben, finanziert).

Director - Roland Geyer | Cast | Hans Heiling | Theater an der Wien -  Production Details
Roland Geyer. Copyright: Theater an der Wien

Nur Roland Geyer hatte eine Vision zu einer Zeit, wo man ihm gerne mit dem wienerischen Spruch „Brauchen wir denn das?“ gekommen ist. Staatsoper und Volksoper schienen die Bedürfnisse von Wienern und Touristen-Gästen reichlich zu befriedigen. Geyer bewies, dass es ein Publikum darüber hinaus gab und dass man es mit besonderen Stücken, mit Raritäten, mit Moderne ins Haus holen konnte…

Weiterlesen in APROPOS (Renate Wagner)

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MAILAND: ADRIANA LECOUVREUR

Mailand/ Scala: „Adriana Lecouvreur“
http://www.connessiallopera.it/recensioni/2022/milano-teatro-alla-scala-adriana-lecouvreur/

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Maria Agresta in der Titelrolle „Adriana Lecouvreur“. Foto: Brescia e Amisano

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Anita Rachvelishvili, Maria Agresta, Yusef Eyvazov. Foto: Brescia e Amisano

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Live aus der Semperoper Dresden: ARTE überträgt Katharina Thalbachs Inszenierung von „Aida“ im TV und im Netz

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Krassimira Stoyanova (Aida). Foto: Arte TV

Leidenschaft und Emotionen in Ägypten zur Zeit der Pharaonen – das ist das Erfolgsgeheimnis von Giuseppe Verdis Oper „Aida“. Seit der Uraufführung von 1871 im Opernhaus Kairo gab es nur wenige Operntitel, die mehr Popularität erfuhren. Am Sonntag, den 13. März, um 16.25 Uhr überträgt ARTE Katharina Thalbachs neue Inszenierung von „Aida“ unter der musikalischen Leitung von Christian Thielemann live aus der Dresdner Semperoper. Neben der Übertragung im TV ist der Livestream auch im Rahmen der Saison ARTE Opera europaweit und mit Untertiteln in sechs Sprachen unter
arte.tv/opera (https://www.arte.tv/de/videos/RC-016485/saison-arte-opera/) verfügbar.

Dresden: AIDA – Giuseppe Verdi
– Hohe gold-bronzierte Wände – mitreißende Optik und Klangräume
https://ioco.de/2022/03/06/dresden-semperoper-aida-giuseppe-verdi-ioco-kritik-07-03-2022/

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Renate Wagner macht uns auf nachstehend angeführte Streams von OperaVision aufmerksam

OperaVision : Teatr Wielki Opera Narodowa

Im März bietet OperaVision Ihnen Monique Wagemakers‘ überschwängliche Inszenierung von Rigoletto aus dem Liceu Barcelona. Danach geht es ins Grand Théâtre de Genève zu Elektra, wo der Regisseur Ulrich Rasche die Rachemaschinerie in Gang setzt, indem er die Figuren in einem spektakulären Bühnenbild gefangen hält: einem fast zwölf Tonnen schweren Stahlturm, der unaufhörlich rotiert. Schließlich geht es nach Hannover zu Der Vampyr. Der farbenfrohe Regisseur Ersan Mondtag inszeniert die blutrünstige Oper eines Komponisten, der in den Adern der Staatsoper fließt: Marschner, der wichtigste Komponist in Deutschland zwischen Weber und Wagner, leitete fast drei Jahrzehnte lang das Haus in Hannover.

11/03/2022 | RIGOLETTO Verdi @LiceuOperaBarcelona

18/03/2022 | ELEKTRA Strauss @Grand Théâtre de Genève

25/03/2022 | DER VAMPYR Marschner @Staatsoper Hannover

Die beiden Rigolettos könnten unterschiedlicher nicht sein: Markus Brück der zerbrechliche, anrührende – Christopher Maltman der dominante und kräftige. Als Duca wird hier natürlich der Katalane Josep Bros groß gefeiert.

Abwechselnd mit ihm singen der albanische Tenor Saimir Pirgu und der französische Shooting-Star Benjamin Bernheim den Duca. Bernheim, der auch die Rigoletto Premiere am Liceu gesungen hat, habe ich leider nicht gesehen. Bros und Pirgu meistern den Duca mit Leichtigkeit.

Olga Peretyatko (als Gilda) hat mit ihrer anmutigen Sopranstimme  das Publikum sogleich für sich eingenommen. Bei Aigul Khismatullina, der zweiten Gilda, dauert dies etwas länger. Am Ende hat aber auch sie das zu vier Fünftel volle Liceu erobert. Der Saalplan des Opernhauses wird voll und ganz verkauft

Elektra in Genf:

Besetzung

Ulrich Rasche Inszenierung
Jonathan Nott – Musikalische Leitung

Tanja Ariane Baumgartner
Ingela Brimberg
Sara Jakubiak
Michael Laurenz
Károly Szemerédy
Michael Mofidian

Hannover: DER VAMPYR
Große romantische Oper von Heinrich Marschner (1795 – 1861)
Libretto von Wilhelm August Wohlbrück
Premiere
25. März 2022
Opernhaus

INSZENIERUNG Ersan Mondtag
MUSIKALISCHE LEITUNG Stephan Zilias / Giulio Cilona
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Umbesetzungen bei den Osterfestspielen Baden-Baden
Anna Netrebko und Festspielhaus verzichten im Einvernehmen – Asmik Grigorian aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei.
Anna Netrebko wird nicht bei den Osterfestspielen Baden-Baden 2022 singen.
Dies vereinbarten das Festspielhaus Baden-Baden und die Künstlerin einvernehmlich. Die Entwicklungen rund um ihre Person mache einen Auftritt im Rahmen der Osterfestspiele nicht möglich. Eine zukünftige Zusammenarbeit schließen aber beide Seiten nicht aus.

Für das mit den Berliner Philharmonikern geplante Konzert am 13. April suchen Intendant und Orchester nun nach einer anderen Lösung. „Wir möchten die russische Musik nicht missen“, so Benedikt Stampa. Alle Besucherinnen und
Besucher, die bereits Karten für das Konzert gekauft hatten, werden individuell angeschrieben und über ihre Möglichkeiten informiert.
Im Festspielhaus Baden-Baden haben die Proben zur Neuinszenierung der Oper „Pique Dame“ begonnen. Tschaikowskys Komposition auf der Grundlage einer Erzählung von Alexander Puschkin ist das zentrale Werk der Osterfestspiele
2022 und wird von den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Kirill Petrenko viermal zwischen dem 9. und 18. April zu sehen sein (9.,12.,15.,18.4.).

Die litauische Sopranistin Asmik Grigorian kann Proben und Aufführungen aus gesundheitlichen Gründen nicht singen. An ihrer Stelle übernimmt Elena Bezgodkova die Partie der Lisa.

Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa begrüßte die Sängerinnen und Sänger, das Regieteam und die technischen Mannschaften. Er sagte: „Nach zwei Jahren Pandemie soll mit dieser Oper das internationale Festival-Leben wieder glanzvoll beginnen. Es ist uns ein Anliegen, gerade in der aktuellen Situation die Bedeutung dieses Meisterwerks russischer Opernkunst unter Beweis zu stellen und die dramatische Geschichte im friedlichen Miteinander von Künstlerinnen und Künstlern vieler Nationen zu erzählen.“

An der großen Opernproduktion arbeiten unter anderem Menschen aus Russland, der Slowakei, Armenien, Deutschland, Frankreich und Italien nun mehrere Wochen in Baden-Baden zusammen. Die Regisseure Moshe Leiser und Patrice Caurier siedeln ihr „Pique Dame“-Konzept zu Beginn des 20. Jahrhunderts an. Sie möchten der Geschichte den Spannungsbogen eines  guten Thrillers“ geben und haben sich dazu von Christian Fenouillat ein rasch wandelbares Bühnenbild entwickeln lassen, das die gesamte Bühnenbreite des Festspielhauses nutzt und aus verschiedenen übereinanderliegenden Spielflächen besteht. Im Mittelpunkt der Inszenierung steht die männliche Hauptfigur Hermann, dessen Obsession, die magischen und immer siegreichen Spielkarten zu erhalten, biografisch untersucht wird.

Elena Bezgodkova für Asmik Grigorian

Aus gesundheitlichen Gründen musste die litauische Sopranistin Asmik Grigorian derweil ihre Mitwirkung absagen. „Frau Grigorian hat uns informiert, dass sie sich für eine Zeit zurückziehen muss. Von dieser Auszeit sind leider die
Proben zu ‚Pique Dame` betroffen.“
Für Asmik Grigorian wird Elena Bezgodkova die Partie der Lisa in „Pique Dame“ übernehmen. Die russische Sopranistin gewann mehrere erste Preise bei Gesangswettbewerben in St. Petersburg und Moskau. Am Tschaikowsky-Konservatorium war sie als Tatjana in „Eugen Onegin“, in der Titelpartie in „Jolanthe“ und als Semfira in Rachmaninows „Aleko“ zu erleben. An der Stanislavsky Oper in Moskau sang sie 2017 erneut die Tatjana und gab ihr
Debüt als Lisa in „Pique Dame“. Aktuell gehört sie zum Ensemble des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden.

Nach den vergangenen Monaten sind wir alle froh, die Oper mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Chefdirigent Kirill Petrenko zu Ostern überhaupt mit einem internationalen Ensemble produzieren zu können. Vor
Umbesetzungen ist in dieser fragilen Kunstform niemand je gefeit“, so Intendant Benedikt Stampa. Er wünscht Asmik Grigorian ein rasches Comeback und freut sich auf das Debüt von Elena Bezgodkova in Baden-Baden.

Tickets noch erhältlich
Eintrittskarten sind noch für alle vier Vorstellungen erhältlich. Weitere Informationen und Reservierung unter: Tel. 07221 / 30 13 101 oder
www.osterfestspiele.de und www.festspielhaus.de
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„Va, pensiero“ – Benefiz-Matinee zugunsten der Ukraine-Hilfe Berlin e.V. am 13. März

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Die Ereignisse der letzten Tage haben uns alle tief erschüttert.
Der Angriff auf die Ukraine ist ein Angriff auf die Ideale von Freiheit und Demokratie, die wir mit den Menschen der Ukraine teilen. Die Werke, die wir spielen, stellen immer auch die Frage nach Menschlichkeit und nehmen Partei gegen das Unrecht, das dem Einzelnen ebenso widerfährt wie ganzen Völkern. Deshalb glauben wir nicht nur, dass es wichtig ist, in diesen Tagen weiter zu spielen, sondern wollen mit den Mitteln der Kunst ein Zeichen gegen das Unrecht setzen.

Wir laden am Sonntag, den 13. März, um 11 Uhr ein zu einer Benefiz-Matinee, die wir zugunsten der Ukraine-Hilfe Berlin e.V. veranstalten.

Kaum ein Komponist ist mit seinen Werken so zum Symbol der Freiheit geworden wie Giuseppe Verdi und Musik aus seinen Opern steht deshalb im Zentrum der Matinee, u. a. aus NABUCCO, MACBETH und LA FORZA DEL DESTINO, mit Solistinnen und Solisten, Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin.
Karten sind ab sofort zum Einheitspreis von 25 Euro/erm. 15 Euro auf www.deutscheoperberlin.de und telefonisch unter 030-34384 343 verfügbar.

Spendenkonto: Ukraine-Hilfe Berlin e.V.
Konto: Deutsche Skatbank
IBAN: DE24 8306 5408 0004 8722 15
BIC: GENODEF1SLR
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SONNTAG (13. MÄRZ um 18 h) BENEFIZKONZERT FÜR UKRAINE

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Kirche St.Andreas (Straßenbahn Endstation Linie 49)

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Video: Orchestra’s all over Europe play Ukrainian national anthem
Amsterdam, Paris, Barcelona, Vienna, Liverpool, Stockholm and many more
Amsterdam, March 6 2022 – In concert halls all over Europe the Ukrainian national anthem was performed as a statement of solidarity with Ukraine and the Ukrainian people. After the initiative of the European Concert Hall Organisation orchestra’s and concert halls quickly organized themselves to perform the national anthem of Ukrain in 10 European cities, among which the Philharmonie de Paris, the Musikverein in Vienna and The Concertgebouw in Amsterdam.

Europe stands with Ukraine. The Ukrainian Anthem was played all over Europe this week.
Participating concert halls and orchestra’s:
• The Concertgebouw in Amsterdam, Concertgebouworkest, Santtu-Matias Rouvali (conductor)
• Wiener Konzerthaus in Wenen, Slowakische Philharmonie, Pablo Mielgo (conductor)
• Philharmonie de Paris, Orchestre de Paris, Marin Alsop (conductor)
• Musikverein in Wenen, Czech Philharmony, Semyon Bychkov (conductor)
• Konserthuset Stockholm, Musici van de RSPO Orchestra Academy, Petter Sundkvist (conductor)
• Birmingham Symphony Hall, City of Birmingham Symphony Orchestra
• Liverpool Philharmonic Hall, Royal Liverpool Philharmonic Orchestra, Domingo Hindoyan (conductor)
• Elbphilharmonie Hamburg, NDR Elbphilharmonie Orchester, Cristian Măcelaru (conductor)
• L’Auditori in Barcelona, Orquestra Sinfónica de Barcelona i Nacional de Cataluya (OBc), Kazushi Ono (conductor)
• Auditorium-Orchestre national de Lyon, Orchestre national de Lyon, Christian Reif (dirigent)
The Concertgebouw in Amsterdam will broadcast a benefit ‚Concert for Peace‘ featuring Ukrainian and Russian musicians on Sunday March 6, 20.15h CET via Facebook en YouTube.

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ROM: Drei Helden der Antike in den Vatikanischen Museen!

Von Andrea Matzker und Dr. Egon Schlesinger

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Rom, Vatikanische Museen. Foto: Andrea Matzker

Wer die Vatikanischen Museen in Rom besuchen möchte, tut dies, insofern er sich nicht selbst perfekt auskennt, am besten im Rahmen einer professionellen Führung. Vor allem sollte man rechtzeitig den Termin ausmachen. Besonders zu empfehlen ist eine Nachtführung, da zu dieser Zeit die Museen sicherlich nicht so gut besucht sind wie tagsüber beim regulären Publikumsverkehr. Dies ist selbstverständlich nur möglich in Begleitung eines Angestellten der Vatikanischen Museen und eines professionellen Führers. Vor allem aber sollte man gut zu Fuß sein. Und ist man dies nicht, so sollte man rechtzeitig dafür sorgen, dass man über die entsprechenden Hilfsmittel verfügt, die auch zugelassen sein müssen. Denn, nur für diejenigen, denen die Örtlichkeiten noch nicht vertraut sind: Man muss kilometerweit laufen. Dennoch, auch hier gilt, ebenso wie beim Petersdom, eigentlich wären viele Tage nötig, um sich auch nur halbwegs einen eigenen guten Überblick über dieses großartige Museum zu verschaffen.

Die 54 päpstlichen Kunstsammlungen der Vatikanischen Museen verteilen sich auf ca. 55.000 m² in 1400 Räumen und 20 Höfen. Etwa 70.000 Kunstwerke befinden sich im Besitz der Vatikanischen Museen, von denen jeweils ungefähr 20.000 den alljährlich 6,5 Millionen Besuchern präsentiert werden. Bevor die Museen die Geschichte der angesehenen Sammlungen erzählen, symbolisieren sie die repräsentative Umgebung der Päpste, die im Laufe der Jahrhunderte aufeinander folgten. Die immense Sammlung der römisch-katholischen Kirche umfasst einige der berühmtesten römischen Skulpturen und die größten Meisterwerke der Renaissancekunst der Welt. Papst Julius II. räumte zunächst nur Künstlern, Adligen und Gelehrten das Privileg ein, einige Meisterwerke der Kunst im damaligen Belvedere-Palast, heute Teil des Pio-Clementino-Museums, zu bewundern. Erst seit 1771 wurden die Sammlungen auf Geheiß von Papst Clemens XIV. öffentlich zugänglich.

Allein die Galerie der Landkarten (Galleria delle carte geografiche) ist 120 m lang und misst eine Breite von 6 m. Sie ist beidseitig mit 40 groß dimensionierten topographischen Karten italienischer Städte und Regionen ausgestattet, die von 1580 bis 1583 von Ignazio Danti konzipiert und unter anderem von Giorgio Vasari gemalt wurden. Der Gang durch die Galerie entspricht einem Flug über den Apennin.

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Die Galerie der Landkarten.

Der berühmte Hof des Belvedere (Cortile del Belvedere) an der Vatikanischen Bibliothek war ursprünglich das Herz der Vatikanischen Museen. Nach den Plänen Bramantes war er anfänglich als quadratischer Garten mit Orangenbäumen und einem Brunnen in der Mitte angelegt. Nach seinem Umbau zu einem Oktogon erhielt er vier Pavillons, die nach den berühmten Statuen benannt wurden, die sich jeweils darin befinden: Hermes, Apollo von Belvedere nach Leochares, Perseus mit dem Medusenhaupt von Canova und die legendäre Laokoon-Gruppe. In der bildenden Kunst gilt letztere als die bedeutendste Darstellung des Todeskampfes Laokoons und seiner Söhne. Bereits von Plinius dem Älteren wurde das 1,84 m große Werk bewundert. Es entstand um die Zeit von Christi Geburt und wird den Künstlern Hagesandros, Polydoros und Athanasanos aus Rhodos zugeschrieben. Als die Gruppe erst am 14. Januar 1506 in der Nähe der Domus Aurea Neros von Felice de Fredi wiederentdeckt wurde, erlangte sie große Beachtung und Bedeutung in der europäischen Geisteswelt. Michelangelo, der sofort zum Fundort gerufen wurde, war sehr beeindruckt von Größe, Ästhetik und Anatomie dieses Kunstwerks des Hellenismus. Die Laokoon-Gruppe, ebenso wie der Torso von Belvedere, haben ihn maßgeblich beeinflusst, was sich sowohl in den pracht- und kraftvollen Darstellungen der Sixtinischen Kapelle als auch in seinem Gesamtwerk niederschlägt. Gotthold Ephraim Lessing schrieb 1766 eine Abhandlung mit dem Titel „Laokoon oder Über die Grenzen der Malerei und Poesie“ und zeigte die Unterschiede zwischen der bildenden Kunst und der Literatur auf. Goethe beschrieb die Laokoon Gruppe als „[…] ein Muster von Symmetrie und Mannigfaltigkeit, von Ruhe und Bewegung, von Gegensätzen und Stufengängen“ und die Gruppe würde „[…] den Sturm der Leiden und Leidenschaft durch Anmut und Schönheit mildern.“

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Laokoon und seine Söhne: Foto: Andrea Matzker

Der Torso vom Belvedere (Torso del Belvedere) in der Sala delle Muse des Pio-Clementino-Museums ist das 1,59 m hohe Fragment eines sitzenden Mannes aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. und wurde von Apollonius von Athen geschaffen, der sein Werk auch sichtbar signierte. Es zeigt den angespannten Körper eines kraftvollen Mannes auf einem Pantherfell, womöglich den verletzten Philoktet, den griechischen Helden Ajax, während er über Selbstmord nachdenkt, oder den Selen Marsyas kurz vor seinem Tod durch Häutung. Wahrscheinlich wurde der Torso im Jahr 1420 auf einem Grundstück der Colonna gefunden. 1463 gelangte er in den Besitz von Andrea Bregno, einem guten Freund von Michelangelo, und stellte seitdem das kostbarste Stück von dessen Antikensammlung dar. Im Jahre 1500 erwähnt ein Mailänder Dichter in einer Terzine über Rom den Torso mit großer Hochachtung. Papst Julius II. hatte Michelangelo beauftragt, den Torso zu vervollständigen, doch Michelangelo lehnte ab. Zwischen den Jahren 1530 und 1536 gelangte der Torso in die Vatikanischen Museen. Ursprünglich befand er sich im Belvedere-Hof, daher auch der Name, und seit 1973 befindet sich an seinem jetzigen Standort.

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Der Torso vom Belvedere. Foto: Andrea Matzker

Der runde Saal (Sala Rotonda) mit Rundkuppel ist eine Nachbildung des Pantheons von Kaiser Hadrian, 1779 nach Entwürfen von Michelangelo Simonetti vollendet. In dem Saal befinden sich Nischen mit kolossalen Statuen und Fußboden-Mosaike aus dem 3. Jahrhundert n. Chr., die in Otricoli und Sacrofano gefunden worden waren. In der Mitte des Saales befindet sich die größte, bekannte Steinschale der Antike. Aus einem einzigen großen Stück gefertigt, hat sie einen Umfang von knapp 15 m und stammt aus Neros Casa Aurea. Sie besteht aus rotem Porphyr und diente wahrscheinlich dazu, einen großen, repräsentativen Raum mit Pflanzen zu schmücken. Die rote Farbe und die Gesteinsart waren sehr selten und daher bei den Römern den Kaisern vorbehalten, die sich darin bestatten ließen. Die Porphyr-Tradition wurde sehr geschätzt in Byzanz, bei den Staufern, von den Bischöfen der christlichen Kirche und von den Medici. Sehr bekannt sind auch die vier Tetrarchen an der Porta della Carta vom Markusdom in Venedig. Sie wurden um das Jahr 300 in Ägypten oder Kleinasien hergestellt und stellen die damaligen vier römischen Herrscher dar. Ihr gleichartiges Aussehen und ihre innige Umarmung sollten die Eintracht und Solidarität unter ihnen darstellen. Die Herstellung der Schale aus dem Vatikan ist eine hervorragende handwerkliche Leistung aus der Zeit der römischen Antike. Dies betrifft sowohl den Glanz als auch die Größe des Bassins. Die Intensivierung der roten Farbe, die auf das Mineral Hämatit (Blutstein) zurückzuführen ist, und der Glanz des Steins könnten durch Politur oder einen Auftrag von Wachsen oder Ölen entstanden sein. Die Porphyr-Schale von der Rotunde im Vatikan führte Karl Friedrich Schinkel zu der Überlegung, die rote Granitschale im Lustgarten von Berlin mit einem Umfang von 23 m in der Rotunde des dortigen Alten Museums aufzustellen. Wegen ihrer enormen Größe hat sie es allerdings nur bis vor den Eingang des Museums geschafft. Sie besteht aus rotem Granit, der von den Substanzen her denen des roten Porphyrs sehr ähnlich, aber härter ist.

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Die Porphyrschale der Sala Rotonda. Foto: Andrea Matzker

Der Saal der Tiere (Sala degli Animali) wurde unter Papst Pius VI. von 1775 bis 1799 als ein „Zoo aus Stein“ („Zoo di pietra“), wie er auch genannt wird, ins Leben gerufen und beherbergt in zwei Sälen eine große Ansammlung von Tieren oder Göttern und Menschen in Begleitung von ebensolchen. Besonderer Wert wurde auf den Gebrauch von seltenen Steinarten gelegt, die den Fellfarben der originalen Tiere möglichst gleichen sollten. Darunter sticht ganz besonders ein zauberhafter Jaguar hervor, der, kunstvoll aus Alabaster gefertigt, Francesco Antonio Franzoni zugeschrieben wird. Pius VI. erwarb die Skulptur im Jahr 1795. Die Szenerie des „Zoos aus Stein“ wird im Hintergrund beherrscht von einer großen, stehenden Marmorstatue des Meleagros. Der mythologische Held Ätoliens ist dargestellt als siegreicher Jäger in Begleitung seines Hundes mit einem von ihm erlegten kalydonischen Eber. Er trägt einen vom Wind bewegten Mantel, der seinen Arm umschlingt. Die Statue stammt aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. und ist nach einem Original von Skopas aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. geschaffen worden.

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Meleagros im Zoo der Tiere. Foto: Andrea Matzker

Die Stanze der Signatur (Stanza della Segnatura) ist der erste der in den Jahren von 1508 bis 1524 von Raffael und seiner Schule ausgemalten Säle. Die drei höchsten menschlichen Prinzipien des Geistes bestimmen diesen Saal: Das Wahre, das Gute und das Schöne. Sie sind dargestellt in den vier Wandfresken und in den Fresken der Gewölbe. In der „Schule von Athen“ hat Raffael die natürliche Wahrheit und die philosophische Vernunft dargestellt in Form von antiken Philosophen, wie Platon, Aristoteles, Pythagoras, Diogenes, Heraklit, Euklid, Zarathustra, Ptolemäus, die zum Teil Gesichtszüge von historischen Personen tragen, wie von Michelangelo und von Raffael selbst. Der zweite Kopf von rechts an dem Säulenkapitell mit der schwarzen Kopfbedeckung zeigt sein Antlitz. Er ist die einzige Person auf dem Gemälde, die dem Betrachter direkt in die Augen schaut. Das Gemälde sollte ein Spiegel der Gemeinschaft der Intellektuellen aus der gesamten klassischen Welt sein. Im Zentrum diskutieren Platon (links), der die Gesichtszüge des von Raffael höchst geschätzten Leonardo tragen soll, und Aristoteles über Idealismus und Realismus. Die Philosophen, Dichter und Denker haben sich auf Platons Seite versammelt. Die Wissenschaftler, Physiker und empirischen Denker hingegen stehen auf der Seite von Aristoteles. Der grübelnde, einsam auf den Stufen sitzende, nachdenkende und schreibende Mann dürfte im Reich der Philosophen Heraklit und im wahren Leben Raffaels Kollegen Michelangelo darstellen, der als Eigenbrötler galt.

Im Gegensatz zu den anderen Fresken wurden die der Stanze der Signatur in den Jahren 1508-1511 fast ausschließlich von Raffael selbst gemalt. Spätere Arbeiten im päpstlichen Palast wurden hauptsächlich von seinen Schülern und seiner Werkstatt ausgeführt. Die Perspektive der „Schule von Athen“ sorgt dafür, dass sich der Betrachtende quasi mit im Bild befindet. Der Fluchtpunkt der Linien befindet sich im Himmel in der Nähe der Köpfe beider Philosophen und der nach oben weisenden Hand von Platon, was bedeutet, dass die geistige Auseinandersetzung auf einer höheren Ebene stattfindet. Das Blau des Himmels wiederholt sich in den Gewändern der fünf Philosophen, und das Dunkelrot des Marmors und des Gewölbes erinnert ebenso an die Gewandung der Philosophen. Die „Schule von Athen“ erzielte augenblicklich eine enorme Reputationssteigerung Raffaels, was sich auch darin widerspiegelt, dass er sein Ebenbild selbstbewusst und selbstverständlich in die Reihe der großen Philosophen, Wissenschaftler, Denker und Gelehrten eingliederte. Der Künstler ist nicht mehr allein als Handwerker, sondern als außerordentliche Persönlichkeit geachtet.

 

Die Sixtinische Kapelle (Cappella Sistina) wurde zwischen 1475 und 1483 unter Papst Sixtus IV., nach dem sie auch benannt ist, vom Architekten Giovannino de’Dolci erbaut nach Plänen von Baccio Pontelli und am 15. August 1483 feierlich eingeweiht. Planer und Erbauer sind gemeinsam vor Ort abgebildet auf Peruginos „Schlüsselübergabe“ („La Consegna delle chiavi“) aus Anlass der Eröffnung. Pontelli trägt auf dem Gemälde den Kompass, Dolci den Winkel. Die Sixtinische Kapelle liegt unmittelbar nördlich des Petersdoms und ist mit diesem direkt über die Sala und die Scala Regia von Gian Lorenzo Bernini verbunden. Besucher können die Sixtinische Kapelle allerdings nur über die Vatikanischen Museen betreten. Sie ist 40,9 m lang, 20,7 m hoch und 13,4 m breit. Damit kommen ihre Maße in etwa denen eines salomonischen Tempels gleich, bei dem die Länge ungefähr der doppelten Höhe und der dreifachen Breite entspricht. Die Wandgemälde zeigen Szenen aus dem Leben von Christus und Moses und wurden von verschiedenen Malern der Renaissance geschaffen, wie Sandro Botticelli, Pietro Perugino und Luca Signorelli. Die Decke gestaltete Michelangelo zwischen 1500 und 1512 im Auftrag von Papst Julius II.  hauptsächlich allein, da er von der Arbeit anfänglich angestellter Assistenten enttäuscht war. Außerdem wollte er sein Projekt so geheim wie möglich halten. Am 1. November 1512 wurde sein Meisterwerk enthüllt und gilt fortan als eines der bedeutendsten Kunstwerke aller Zeiten. Auf 520 m² stellte Michelangelo Szenen der Genesis dar mit allein 115 überlebensgroßen Figuren. Das Detail der Erschaffung Adams, bei der Gottvater mit seinem ausgestreckten Zeigefinger Adam zum Leben erweckt, ist eines der meistreproduzierten Gemälde der Welt.

Über 20 Jahre später, im Jahre 1532, wurde Michelangelo von Clemens VII. beauftragt, die Stirnwand der Kapelle mit einem weiteren Fresko zum Thema des Jüngsten Gerichts zu schmücken. Dafür mussten drei Gemälde des Malers Perugino weichen. Von 1536 bis 1541 arbeitete Michelangelo daran. Das Gemälde ist über 200 m² groß und enthält ca. 390 Figuren, die zum Teil überlebensgroß sind. Er stellte das Werk mit 66 Jahren fertig und, ganz im Gegensatz zu den anderen Kollegen seiner Zeit, hat er es höchstwahrscheinlich ganz allein geschaffen. Der Künstler stellte sich selbst auf der abgezogenen Haut des heiligen Bartholomäus dar.

Kurz vor seinem Tod im Jahr 1564 wurde ein Erlass verabschiedet, der Übermalungen von als unsittlich geltenden Abbildungen vorsah. Er hieß: „Pictura in Cappella Apo[stoli]ca coopriantur.“ Diese Übermalungen der entblößten Körper wurden bald begonnen und noch Jahrzehnte lang fortgesetzt. Dafür verantwortlich war Daniele da Volterra, den man daher auch den „Hosenmaler“ („Il braghettone“) nannte. Erst bei der letzten großen Restaurierung in den Jahren 1980 bis 1994 wurde das Fresko bis auf die Hosenmalerei wieder in seinen Urzustand versetzt. Daniele da Volterra hatte nämlich die meisten ursprünglichen Malereien Michelangelos nicht einfach übermalt, sondern abgeschlagen, um das Fresko mit seinen Bekleidungen und Bedeckungen neu auf die frische Wand zu bringen.

Dies alles ist nun bald 500 Jahre her. Und doch ist es heutzutage nicht so abwegig, wie die „Berliner Zeitung“ vom 28.2.2014 schreibt: „Ein offener Brief an die Berliner Gemäldegalerie Alter Meister richtet allergrößte Bedenken gegen Caravaggios Meisterwerk „Amor als Sieger“, gemalt 1602 und schon seit der Erwerbung aus der Sammlung Giustiani 1815 ein weltberühmtes und vielbeneidetes Juwel der preußischen Museen. Das Bild soll nun, ginge es nach den Briefschreibern, wegen seiner „unnatürlichen und aufreizenden Position“ schleunigst von der Wand. Die „ausdrücklich obszöne Szene“ diene „zweifellos der Erregung des Betrachters“. Auch unter Rücksicht auf das Alter des „Modells“ sei dieses „künstlerische Produkt“ höchst verwerflich.“ Und „Das Blättchen“ kommentiert am 17.3.2014 dazu: „Obsiegte solche Bild-Betrachtung künftig, käme einiges auf uns zu, denn wer weiß, an wie vielen Wohn- oder Schlafzimmerwänden ein Druck des Amor oder vergleichbarer Schweinskram hängen. Besser – hängt sowas schon mal ab. Und wer noch einen Ofen oder Kamin hat, sollte wissen, was zu tun ist, um ganz sicher zu gehen.“

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Die Sixtinische Kapelle. Foto: Andrea Matzker

Doch nun zurück zu den Fresken der Sixtinischen Kapelle: Erst nach dieser letzten und ausgiebigen Restaurierung jedenfalls kamen die unglaublich leuchtenden Originalfarben zum Vorschein. Jahrhundertelang hatte man keinen blassen Schimmer von dieser Pracht der Farben durch den grauen Schleier der Verschmutzung, der sich mit der Zeit auf ihnen angesammelt hatte. An manchen Stellen hat man ein kleines Rechteck mit der verschmutzten Oberfläche stehen lassen, damit der Unterschied sichtbar wird. Da eine große, japanische Firma maßgeblich an den Restaurationskosten beteiligt war, hat sie sich im Gegenzug die Fotorechte gesichert. Auch daher ist es ausdrücklich verboten, in der Sixtinischen Kapelle Fotos zu machen. Wer beim Knipsen erwischt wird, dem droht der Rausschmiss oder die Wegnahme der Kamera. Angeblich soll Papst Franziskus schon einmal Fotos in der Sixtinischen Kapelle gemacht haben. Er hat aber sicherlich Gottes Segen dazu, und neben seinem Hausrecht auch die Erlaubnis. Im Kölner Odysseum fand vom 17. Juni bis zum 23. Oktober 2016 eine Bilderschau mit dem Titel „Der andere Blick“ statt, in der man auf 1200 m² die Fresken Michelangelos aus nächster Nähe bewundern konnte, abfotografiert und großformatig auf Leinwände projiziert. Dort entstanden auch die hier beigefügten Fotos. Eine genau durchdachte LED-Beleuchtung simuliert am Originalschauplatz das normalerweise durch die Fenster eindringende Tageslicht und ermöglicht es den Beteiligten des Konklaves, ihre Stimmzettel und Dokumente zu lesen. Man versucht, den Fluss der Touristen kontrolliert zu begrenzen, um die Kunstwerke möglichst zu schonen. In Ausnahmefällen finden auch Messen und Taufen in der Sixtinischen Kapelle statt. Papst Franziskus spendet jedes Jahr am Fest der Taufe des Herrn, dem ersten Sonntag nach Epiphania, Kindern, meistens Angehöriger des Vatikans, das Sakrament der Taufe an diesem besonderen Ort des Christentums, an dem die Kardinäle der ganzen Welt zum Konklave zusammenkommen, um den jeweils neuen Papst zu wählen.

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„Die Schule von Athen“ von Raffael. Foto: Andrea Matzker

Andrea Matzker/D r. Egon Schlesinger

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 ORF : „kulturMontag“: Kunst und Politik in Krisenzeiten, Roman und Theaterstück Marke Haratischwili, Almodóvars „Parallele Mütter“

 Live im Studio: Bogdan Roščić und Markus Hinterhäuser; außerdem: Dokumentation „Die Hexen von Hollywood“

Der von Peter Schneeberger präsentierte „kulturMontag“ am 7. März 2022 um 22.30 Uhr in ORF 2 beleuchtet u. a. anlässlich des Ukraine-Kriegs zunächst das Verhältnis von Kunst und Politik in Krisenzeiten sowie Kulturinstitutionen und Künstler/innen zwischen Anpassung und Widerstand. Live im Studio dazu sind Staatsoperndirektor Bogdan Roščić und der Intendant der Salzburger Festspiele, Markus Hinterhäuser. Weiters befasst sich die Sendung mit der georgisch-deutschen Autorin Nino Haratischwili und ihrem neuen Roman „Das mangelnde Licht“ über vier junge Frauen im umkämpften postsowjetischen Georgien, dessen Bühnenadaption zeitgleich zum Erscheinen mit großem Erfolg in Hamburg uraufgeführt wurde. Ebenfalls passend zum Weltfrauentag (Details zum ORF-Schwerpunkt unter presse.ORF.at) berichtet das Kulturmagazin über den neuen Film des spanischen Regisseurs Pedro Almodóvar „Parallele Mütter“, der eine mitreißende Geschichte über Mütter, Freundschaft und den Mut zum Blick in die Vergangenheit erzählt. Anschließend steht die Dokumentation „Die Hexen von Hollywood“ (23.15 Uhr) von Sophie Peyrard über die Darstellung von Hexen im Film seit 1930 auf dem Programm.

Zwischen Anpassung und Widerstand – Kunst und Politik in Krisenzeiten

Während westliche Regierungen den russischen Angriffskrieg Wladimir Putins auf das Schärfste verurteilen und wirtschaftliche Sanktionen über das Land verhängen, zeigt sich die weltweite Kultur-Community gespalten. Die Kunstwelt reagiert mit internationalen Protesten, gibt sich solidarisch und laut. Kultureinrichtungen reagieren unterschiedlich – manche erklären sich solidarisch mit allen Parteien, bei anderen verlieren russische Künstler/innen ihre Aufträge oder Programme mit Russland-Bezug werden gestrichen. Auch der österreichische Kulturbetrieb bezieht dieser Tage Stellung zum Krieg in der Ukraine. Steht die Kulturwelt vor einer Zeitenwende? In jedem Fall endet mit dem Beginn dieser weltpolitischen Krise in der Musik- und Veranstaltungsbranche das bislang übliche Laissez-faire. Muss sich ein Künstler politisch positionieren? Wo beginnt die Verantwortung des Einzelnen und wo hört sie auf? Wächst der politische Druck auf Veranstalter? Breitet sich ein moralischer Rigorismus aus und stellt somit russische Künstler/innen vor ein Dilemma? Bedeutet doch ein offener Bruch mit einem Regime wie Putins Russland nicht nur allzu oft Exil, Haft, persönliche Bedrohung oder gar Mord, sondern auch die Gefährdung der Angehörigen. Der „kulturMontag“ bringt ein Stimmungsbild zwischen Moskau und Wien. Live im Studio nehmen der Intendant der Salzburger Festspiele, Markus Hinterhäuser, und Staatsoperndirektor Bogdan Roščić dazu Stellung.

Nichts für schwache Nerven – Das neue Buch von Nino Haratischwili

Ihr Heimatland Georgien hat soeben die Kandidatur zur EU-Mitgliedschaft eingereicht. Ein Land, in dem der russisch-georgische Krieg von 2008 wieder allgegenwärtig ist, denn seit Putin den Angriffskrieg gegen die Ukraine losgetreten hat, fürchtet man in Georgien die erneute Invasion. Es fehlte nicht an Warnungen, sagt die georgisch-deutsche Schriftstellerin Nino Haratischwili, führte Putin doch 1996 einen Krieg in Tschetschenien, 2008 in Georgien, 2014 in der Ukraine, 2015 in Syrien und jetzt wieder in der Ukraine. Die permanente Bedrohung ist der in Tiflis geborenen 38-Jährigen sehr vertraut. Ihre Erinnerungen haben eine gewaltige Kraft. In ihrem neuen Roman „Das mangelnde Licht“ schreibt Haratischwili nach dem düsteren Tschetschenien-Roman „Die Katze und der General“ erneut über das Land, in dem sie selbst geboren und aufgewachsen ist: das Georgien der frühen 1990er Jahre. Durch ihren neuen Roman, in dem vier junge Frauen im umkämpften postsowjetischen Georgien versuchen, den Weg in eine zivile Gesellschaft zu finden, zieht sich die ständige Präsenz von Gewalt, Krieg und Tod. Eine Adaption des Buchs wurde zeitgleich zum Erscheinen am Hamburger Thalia Theater mit großem Erfolg uraufgeführt – in Anbetracht der derzeitigen politischen Lage das Stück der Stunde.

Bittersüßes Mutterland – Pedro Almodóvars neuer Film

„Ich glaube, dass Frauen eine besondere Fähigkeit haben, die Welt zu korrigieren“, sagte Oscar-Preisträger Pedro Almodóvar. So ist auch sein Werk nicht von ungefähr ein durch und durch femininer Kosmos, hat er doch in den vergangenen 40 Jahren nur drei Filme gedreht, in denen Frauen keine Hauptrolle spielen. Wie von Geisterhand getrieben schreibt der mehrfach Preisgekrönte ganz automatisch fast alle Rollen für Frauen, was daran liegen mag, dass der spanische Starregisseur ausschließlich mit Frauen aufgewachsen ist. Sie inspirieren ihn zu seinen Geschichten, spielen Charakterrollen und verleihen seinen Casts Glanz und Glamour. In jeder Schaffensphase hatte Pedro Almodóvar immer eine ganz eigene Muse: Carmen Maura in den aufsehenerregenden, gewagten Debütfilmen, Victoria Abril in den sinnlich-abgründigen Streifen der zweiten Schaffensphase, Marisa Paredes in den Filmen der Reifejahre und schließlich Penélope Cruz in den Welterfolgen der jüngeren Zeit. In seinem neuen Film „Parallele Mütter“ erzählt er eine mitreißende Geschichte über zwei Single-Mütter (Penélope Cruz und der Newcomerin Milena Smit), Freundschaft und den Mut zum Blick in die Vergangenheit – in die eigene und in die der Nation. Meisterhaft verbindet Almodóvar darin Melodramatisches mit der Vergangenheitsbewältigung seiner Heimat und geht der Frage nach, was es heißt, Mutter zu sein. Ein Mysterium, das er von jeher zu erkunden versucht.

Dokumentation „Die Hexen von Hollywood“ (23.15 Uhr):

Man begegnet ihnen in der Bibel, im Märchen, in uralten Mythen indigener Völker – und auf der großen Leinwand wie auf dem Fernsehschirm: Hexen, mit metaphysischen Kräften ausgestattet, verfemt, verfolgt, von der Gesellschaft ausgestoßen – oder auch kultisch verehrt. An der Darstellung von Hexen im Film lassen sich der Wandel von Geschlechterstereotypen, aber auch eine Geschichte weiblicher Emanzipation ablesen. Berückend schön oder abstoßend hässlich, allenfalls aber abgrundtief böse – so kam eine der ersten Hexen in der Hollywood-Geschichte daher: die böse Stiefmutter, die Walt Disneys Schneewittchen den vergifteten Apfel reicht. Sich nach irdischer Liebe verzehrend oder hausfraulich-bieder waren die Hexen der 1950er und 1960er Jahre. Sinnliche Sirenen, die jeden Vorstadt-Puritanismus sprengen, die Hexen von Eastwick. Strebsam-nerdig, aber mutig und selbstbestimmt ist die junge Hermine aus den Harry-Potter-Filmen. Und Angelina Jolie gab in „Maleficent“ den gefallenen Engel. Regisseurin Sophie Peyrard beschäftigt sich in ihrem Dokumentarfilm mit der Entwicklung der Hexen-Rolle im Hollywoodfilm seit 1930. Zu Wort kommen Filmkritikerinnen, Hexenforscherinnen und Autorinnen, die das Thema vor dem Hintergrund des soziopolitischen Klimas der jeweiligen Ära betrachten. Anhand der unterschiedlichen filmischen Darstellungen der Hexe reflektieren sie die Rolle der Frau in der Gesellschaft über die Jahrzehnte hinweg. Ihre Analysen und historische Fakten untermalt die Filmemacherin mit ausgewählten Ausschnitten aus der Filmgeschichte.

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