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INFOS DES TAGES (MONTAG, 4. OKTOBER 2021)

04.10.2021 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (MONTAG, 4. OKTOBER 2021)

INSTAG(K)RAMEREIEN – gefunden von Fritz Krammer

FLORENZ: LA TRAVIATA am 2.10.2021

Zubin Mehta; Nadine Sierra, Francesco Meli, Placido Domingo.u.a

indop
ZU INSTAGRAM mit mehreren Fotos
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Wird das Interesse am Theater nachhaltig geringer? Die Besucherzahlen sprechen derzeit Bände!

Die Autoren sind am Theater abgeschafft!
 
Dieser Tage vermeldeten das Wiener Burgtheater, das Theater in der Josefstadt und das Wiener Volkstheater einen teilweise dramatischen Besucherrückgang, der naturgemäß auf die Corona-Pandemie und die damit geradezu seuchenartig verbreitete neue Häuslichkeit zurückgeführt wird. Für einen Autor, der sich nur deshalb so selten ins dramatische Fach verirrte, weil ihm dazu keine Gelegenheit geboten wurde, hält sich das Mitleid ob dieser Entwicklung in Grenzen. Ja, der klammheimliche Wunsch, es möge überhaupt niemand mehr ins Theater gehen, um die Blase des Betrugs, die dort Platz gegriffen hat, endlich zum Platzen zu bringen, ist, obgleich charakterlich bedenklich, verführerisch.
 
Was sind wir Schriftsteller doch für ein feiges undopportunistisches Pack! Obgleich sich unsere bereits in den beamteten Hofratsrang aufgestiegene und über Jahrzehnte amtierende Interessengemeinschaft namens IG-Autoren jeweils flink zu geharnischten Resolutionen aufschwingt, wenn es um die esoterischen Finessen der neuen bzw. der alten Rechtschreibung oder um die Übersiedlung von ORF-Angestellten von der Argentinierstraße auf den Küniglberg geht, hat nicht nur sie, sondern haben auch die Grazer Autorenversammlung und der PEN-Club, haben wir alle zusammen aus Angst, vielleicht um eine kleine Chance umzufallen, den Mund gehalten, geschweige denn protestiert, während man uns, peu à peu, wie es so schön heißt, nach dem Ende des Hörspiels im Rundfunk nun auch am Theater abgeschafft hat.
 
Wer heute die Spielpläne jedes x-beliebigen, durchsubventionierten, von Ankleidedamen, Maskenbildnern und Friseurinnen über Schauspieler bis hin zu Dramaturgen und Intendanten bevölkerten Theaters mit seinen oft Hunderten von Angestellten studiert, wird feststellen, dass die zeitgenössische dramatische Literatur, die auf der Bühne nachvollziehbare Schicksale im Rahmen der gerade verhandelten Gegenwartsprobleme paradigmatisch nachzeichnet, irgendwo zwischen den Interessen aller anderen, die Karriere machen, berühmt werden und Geld verdienen wollen, aufgerieben wurde und fast gänzlich von dengroßen Bühnen verschwunden ist, umgerade noch aufirgendwelchen Lusterböden oder Foyers mit 50 Sitzplätzen geduldet zu werden.
 
An die Stelle des Zeitgenössischen traten Klassiker, die von den Regisseuren so bearbeitet werden, dass es im Programmheft nicht mehr William Shakespeare, sondern „nach“ William Shakespeare oder, wie jüngst am Burgtheater, „nach“ Maxim Gorki, dem Stalinpreisträger, heißt. Dies hat den Vorteil, dass ein Regisseur neben seiner Gage auch noch Autoren- bzw. Bearbeitungshonorare kassieren und in Folge in das Reich der literarischen Verwertungsgesellschaften aufgenommen werden kann. Letzteres ist nicht nur ein gutes finanzielles Zubrot, sondern birgt auch die Chance, im Schutze eines berühmten Namens ungestraft die eigene Halbbildung auszuführen und vor allem viel missionarische Predigerwut zwecks Läuterung eines stets zu rechtsradikalen Verirrungen neigenden Publikums auszuleben.
 
Sollte gerade kein geeigneter Klassiker zur Verfügung stehen, hat sich die Sitte eingebürgert, Romanschwarten von Dostojewski, Tolstoi oder Erzählungen von Schnitzler, Werke also, die von ihren  Autoren dezidiert als erzählerische konzipiert wurden, für die Bühne einzurichten. Finanziell sind dabei in aller Heimlichkeit die gleichen, wenn nicht höhere Zusatzverdienste möglich. Der Aufwand dürfte allerdings größer ausfallen, jedoch durch die Absenz eines Autors ausgeglichen werden, der lästig sein könnte, wenn seine Ideen nicht mit jenen des Regisseurs übereinstimmen, und mit dem man allfällige Fernsehinterviews, die Berühmtheit ganz allgemein also zu teilen hat. Ebenso beliebt wurde in letzter Zeit die Marotte, berühmte Filme, wie etwa das ohnehin schwer unter Kitschverdachtstehende schwedische Dirigentendrama „Wie im Himmel“ auf die Bühne zu transferieren. Oder einen österreichischen Film wie „Indien“ von Josef Hader durch dialektale Einfärbung in die provinzielle Verdaulichkeit herab zu inszenieren.
Sollte nun weder ein Klassiker, noch ein Romanschinken, noch ein Film oder ein erfolgreiches Fernsehstück zur Verfügung stehen, greifen inzwischen Intendanten und Dramaturgen auch gerne selbst zur Feder, indem sie etwa für befreundete Musicalkomponisten die Libretti schreiben und aus dem Budget des Theaters eine CD-Produktion finanzieren. Naturgemäß haben wir Autoren in unserer unsäglichen Feigheit auch dazu den Mund gehalten und bestenfalls etwas über Korruption in den Bart gemurmelt.
 
Zuletzt bleibt, um den Subventionsgebern und dem Publikum zu beweisen, man lebe im 21. und nicht im 19. Jahrhundert, eine gewisse Notwendigkeit bestehen, irgendwie doch Gegenwärtiges zu präsentieren, wobei vor diesem Hintergrund, bewusst oder unbewusst, in besonders infamer Weise darauf geachtet wird, dass dieses Gegenwärtige an Abgehobenheit alle anderen Produktionen übertrifft. Denn nur so ist das Geschäftsmodell, wie oben beschrieben, weiterhin erfolgreich zu betreiben. Basiert es doch auf der unter sogenannten Theaterfachleuten allgemein akklamierten Erkenntnis, dass es keine erfolgversprechenden modernen Stücke und Stückeschreiber gibt, was insofern durchaus der Realität entspricht, da noch in keiner Kunstgattung die Meister vom Himmel gefallen sind und niemals zu solchen werden können, wenn man ihnen dazu nicht die Gelegenheit gibt.
 
Zum Zwecke, die Gegenwartsdramatik für ein breiteres Publikum somit als unverdaulich zu präsentieren, bevölkern Produzenten von sogenannten Textflächen die Bühnen: wie etwa unsere allseits geschätzte Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek oder der zwar geniale, in Sachen Dramatik jedoch vollkommen stümperhaft agierende Thomas Bernhard. Oder auch der Tiroler Jungstar Händl Klaus. Sie alle erlauben mit ihren von der Alltagswelt, aus der das Publikum ins Theater strömt, um sich über sich selbst klar zu werden, befreiten Texten den Regisseuren, die sie als Tippmamselln auf die Reise
nach oben mitgenommen haben, wie im Umgang mit den Klassikern die Realisierung der größten Platt- und politisch korrekten Dummheiten.
 
Vielleicht ist der Besucherschwund an den Theatern doch nicht nur auf Corona zurückzuführen. Vielleicht hatte ein relevanter Teil des Publikums in den Zeiten von Maskenpflicht und Schachbrettmuster im Zuschauerraum Zeit gefunden, sich die Frage zu stellen, wie attraktiv eine Institution eigentlich noch ist, wenn sie ihr entscheidendes kreatives Momentum eliminiert hat. In den Führungsetagen der Theater, in denen die Werke von Autorinnen und Autoren – tunlichst mehrheitlich noch lebenden – im Zentrum stehen sollten, haben Intendanten, Dramaturgen, Regisseure und Schauspielerinnen und Schauspieler, die sich danach sehnen, Publikumslieblinge zu werden, zuletzt also Kunstbeamte, deren Vertragsverlängerung von noch höher gestellten Kunstbeamten und Politikern abhängig ist, die Macht übernommen und, wie es in staatlich finanzierten Betrieben auch sonst üblich ist, das Interesse des eigenen Überlebens und der weiteren Karriere unabhängig von den finanziellen Regulativen eines freien Marktes zum Maßstab ihres Handelns gemacht.
 
Wie dramatisch die Situation wirklich ist, erlaubt ein kurzerBlick auf die Allergrößten der Theatergeschichte, die sich ihre Freiheit als Autoren dadurch absicherten, dass sie selbst Besitzer, Direktoren oder fest angestellte Schreiber von Theatern waren. Dies gilt für einen William Shakespeare, wer auch immer das war, ebenso wie für Jean-Baptiste Molière, für Carlo Goldoni oder für Johann Nestroy, aber auch für Bertolt Brecht. Und es gilt besonders auf der Hauptbühne der zeitgenössischen modernen Dramatik, dem Film, wo die künstlerisch hochwertigsten Produkte von Federico Fellini, Ingmar Bergman über Woody Allen bis hin zu Clint Eastwood oder Jim Jarmusch von Autoren-Regisseuren verwirklicht wurden, die sich ihre Stücke überwiegend selbst schrieben und maßgeblich in die Produktion eingebunden waren.
 
Alois Schöpf
 
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Dazu Tim Theo Tinn:

Freier Eintritt für Theater: Wunsch- oder Zukunftsszenario?

besonders  zielführend erscheint diese öffentliche Diskussion nicht. Wie bei der Restaurant-Auswahl in unbekannten Gefilden:  gut frequentierte Lokalitäten sind Kriterium – wo keiner ist, will ich auch nicht sein.

Gem. meinen nun schon 10 x Tim Theo Tinn‘s Plädoyer zur Kraft werkimmanenter surrealer Inszenierungen  habe ich vielfältige Gründe für reduziertes Publikumsinteresse aufgelistet. Das ist nicht nur Pandemie – die lediglich auslösende Funktion haben dürfte. Diese längst tradiert gewordenen unstrukturierten Trash-Verbiegungen durch Inszenatoren, die kaum dramaturgische Durchdringung beherrschen, aus Dilletantismus geborene Publikumsignorierer (in München kommt ja nun wieder ein Russe, der erst kürzlich mit einem verwunderlichen Parsifal in Wien aufgefallen ist), ohne Kenntnis von handwerklich zielführender Personenregie ( d. h. Bewegung im Raum und Körpersprache), Farbdramaturgie oder nötiger dimensionaler Voraussetzungen für ein angmessenes Bühnenbild, schaffen mehr als Skepsis beim Publikum bei Überlegungen eine Aufführung zu besuchen. Verursacher sind die beautragenden Intendanten – die ja diese Unkultur seit Jahrzehnten pflegen – das sind „schräge Traditionen“ und keine innovativen künstlerischen Pfade.

Und die Geldgeber in Zeiten knapper Kassen – glaubt jemand, dass hier eine Füllhorn überschwenglicher Geldmittel auch nach rd. 100 Jahren z. B. in Deutschland weiterhin gegeben wird, wenn bei mangelndem Zuschauerinteresse nur noch Verschwendung attestiert werden kann/muss?

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A.C. Ich sehe es etwas pragmatischer

Wir haben einige schwierige Zeit hinter (und hoffentlich eine bessere vor) uns. Die Menschen sind in unterschiedlicher Form betroffen. Es gibt Berufsgruppen, die keine existenziellen Sorgen haben, aber auch solche, die um ihre Existenz kämpfen. Erlauben wir diesen Menschen auch andere Sorgen als Theater!

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Nachilfe: Dr. Ulrike Messer-Krol über die Sängerin Waria Wilt (die ich nicht gekannt habe)

Frau Dr. Messer-Krol hat in unserer Online-Galerie einen Vortrag über die Geschichte des Wiener Operballs gehalten und dabei sehr wohl Maria Wilt erwähnt, die sie als eine „Vorgängerin von Anna Netrebko auf dem Wiener Opernball“ bezeichnet:

Marie Wilt – Wien Geschichte Wiki
Maria Wilt

Datei:Amalie Materna as Elisabeth in Tannhäuser (Met 1885) IL.jpg –  Wikipedia
Amalia Materna

Dr. Messer-Krol: Zu Ihrem Kommentar, dass Sie von Maria Wilt noch nie etwas gehört haben : An meinem Abend über die Geschichte des Wiener Opernballs  habe ich, freilich nur sehr kurz , über sie erzählt: Wilt und Amalia Materna waren sozusagen die Vorgängerinnen von Anna Netrebko auf dem Wiener Opernball. Der erste Ball in der Hofoper 1877 :  Die Produktion, so hieß der abwechslungsreiche Konzert-Teil,  begann, ganz wie heute, um 22 Uhr ,  aber nicht mit den Fanfaren zum Einzug des Monarchen, die Kaiserloge blieb leer, sondern mit dem  Hochzeitsmarsch von Mendelssohn. Gefolgt vom Scherzo von Léo Delibes. Sein Ballett Sylvia war  vor nicht allzu langer Zeit  auf dem Spielplan der Oper , Coppelia in der Volksoper .  In einer Robe in Rosa-Atlas mit Draperie in Tüll     brachte  Amalie Materna „Vöglein im Fliederbusch“ zum Vortrag.  Ein  Zwiegesang  nach einem französischem Volkslied , mit Marie Wilt und gemischtem Chor.  Es „machte einen  zauberhaften Eindruck!“. Ein Jahr vorher  , sie war da 32 Jahre alt, war Frau Materna  die erste Brünnhilde in Bayreuth. Kammersängerin  Marie Wilt ging im Jahr darauf nach Leipzig und  brillierte dort auch als Wotanstochter. Das wäre so als ob Nina Stemme und Catherine Foster im Duett sängen –  Vielleicht sollte sich  ein Wagner-Sopran  diese Noten einmal anschauen . Komponist ist Franz Adalbert Doppler, k. k. Hofoperntheater-Kapellmeister in Wien.

Opern-Redoute
Opern-Redoute

Wilt war nicht der Schlanksten eine. Von ihrem Kollegen Leo Slezak stammt das boshafte, einen Jules-Verne-Titel paraphrasierende Aperçu „Die Reise um die Wilt in achtzig Tagen“.

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ORF  „kulturMontag“ am 4. Oktober: Tizian im KHM, NS-Vergangenheit in neuer Literatur, ägyptischer Hiphop im Trend

Danach: Doku-Premiere „Kochen als Weltanschauung“

Der von Clarissa Stadler präsentierte „kulturMontag“ am 4. Oktober 2021 um 22.30 Uhr in ORF 2 begibt sich zunächst ins Kunsthistorische Museum Wien, das seinen 130. Geburtstag mit einer opulenten Tizian-Ausstellung feiert. Thema sind auch die neuen Romane von Eva Menasse, Didi Drobna und Alois Hotschnig, die sich mit österreichischer Zeitgeschichte befassen, oder der trendige Sound des Arabischen Frühlings: Ägyptens Hiphop, Mahraganat oder Electro-Shaabi genannt. Auch ORF-Korrespondent Karim El-Gawhary ließ sich davon anstecken. Anschließend steht die neue Dokumentation „Kochen als Weltanschauung“ (23.15 Uhr) auf dem Programm.

Heilige oder Hure – Tizians Frauenbild in großer KHM-Jubiläumsschau

Mit einer Ausstellung der Superlative feiert das Kunsthistorische Museum Wien (KHM), das am 17. Oktober 1891 von Kaiser Franz Joseph eröffnet wurde, gebührend seinen 130. Geburtstag. „Tizians Frauenbild. Schönheit – Liebe – Poesie“ heißt die große Herbstschau, die sich anhand von rund 60 Gemälden aus internationalen Sammlungen auf die Darstellung der Frau in Tizians Oeuvre und seiner Zeitgenossen der venezianischen Renaissance, wie Jacopo Tintoretto, Paolo Veronese oder Lorenzo Lotto, konzentriert. Aber wer waren diese Frauen in der Malerei Venedigs im 16. Jahrhundert? Erzählen sie in den für diese Zeit zum Teil sehr freizügigen Darstellungen von der Sehnsucht nach Berührung oder von Macht und deren Missbrauch? Clarissa Stadler trifft die Direktorin des KHM, Sabine Haag, in der opulenten Ausstellung zum Gespräch.

Von Nazi-Nestern und anderen dunklen Geheimnissen – Eine (literarische) Spurensuche

Was verbindet Eva Menasse, Didi Drobna und Alois Hotschnig? Sie alle sezieren in ihren aktuellen Werken Österreichs jüngere Geschichte und steigen dabei tief in menschliche Abgründe hinab. Menasse untersucht in ihrem Anti-Heimatroman „Dunkelblum“ das vertuschte Massaker in der burgenländischen Gemeinde Rechnitz kurz vor Kriegsende 1945 und thematisiert damit das Vertuschen und Verdrängen durch Täter und Zeitzeugen. Ihre slowakische Kollegin Drobna rollt in der ebenfalls auf historischen Fakten beruhenden Familiengeschichte „Was bei uns bleibt“ die letzten Kriegsmonate im niederösterreichischen Hirtenberg, auf, wo noch bis 2019 Munition produziert wurde. Auch Hotschnigs Buch „Der Silberfuchs meiner Mutter“ hat eine reale Entsprechung und erzählt anhand des Schicksals eines Buben, dessen Mutter sich mit einem Wehrmachtssoldaten eingelassen hatte, eine Geschichte rund um Herkunft, Identität und Liebe.

Der Sound des Arabischen Frühlings – Millionenseller Mahraganat

Mahraganat oder Electro-Shaabi ist die Musik der marginalisierten Jugend aus Kairos Außenbezirken. Sie ist das Sprachrohr einer enttäuschten Generation und gleichzeitig der Soundtrack ihrer Partys. „Shaabi“ bezeichnet auch die ausgelassene Art, dazu zu tanzen und zu feiern – auf den ägyptischen Straßen, zwischen den Häusern, mit der ganzen Nachbarschaft. Der Hiphop Ägyptens, gefürchtet von den Konservativen und den Machthabern, thematisiert – unterlegt mit elektronischen Beats, vulgärer Sprache und einer ungesunden Dosis Autotune – nicht nur Frauen, Alkohol und Drogen, sondern auch die Perspektivlosigkeit, die Armut und den Alltag am Rande einer Gesellschaft, deren Mehrheit diese Menschen eigentlich repräsentieren. Ein seismografischer Sound, von dem sich auch ORF-Korrespondent Karim El-Gawhary anstecken ließ.

Dokumentation „Kochen als Weltanschauung“ (23.15 Uhr)

Essen ist mehr als nur Nahrung. Kochen ist längst ideologisch aufgeladen. Aber: Kann die regionale Küche die Welt verbessern und was erzählen unsere Vorlieben, unsere Essens-Ideologien über uns? Sollten ökologische Fragen nicht unsere Ernährung bestimmen? Und was kann die bayerisch-österreichische „Kochkunst“ dazu beitragen? Der Film „Kochen als Weltanschauung“ von Antje Harries begibt sich u. a. mit den Spitzenköchen Eckart Witzigmann, Heinz Reitbauer und Paul Ivić auf eine kulinarisch-sinnliche Reise, die humorvoll auf die Geschichte des Kochens blickt.

Nachhaltigkeit ist das Gebot der gehobenen Küche. „Brutal regional“ ist der neue Luxus in Gourmettempeln und globale Einflüsse beherrschen längst die Töpfe und Pfannen auf dem heimischen Herd. Bewusstes Essen ist eine kulinarische Weltanschauung geworden.

Eckart Witzigmann, von Gault-Millau zum „Koch des Jahrhunderts“ gekürt, stammt aus Bad Gastein und avancierte später zum ersten 3-Sterne-Koch in Deutschland. Heute begleitet er junge Köche als Patron. Regisseurin Antje Harries besucht mit Witzigmann u. a. das Steirereck am Pogusch. Der rustikale Gasthof mit angegliedertem Bauernhof, artgerecht gehaltenen Schweinen und freilaufenden Hühnern gehört dem Sternekoch Heinz Reitbauer, Sohn eines einstigen Weggefährten von Witzigmann. Gemeinsam sprechen sie über lokale Produkte und die Kunst, beste Nahrungsmittel zu beschaffen. Als Kontrast begleitet die Dokumentation eine passionierte Hobbyköchin. Sie reflektiert Last und Lust täglichen Kochens. Die international bekannte Food-Expertin Hanni Rützler fasst aktuelle Trends zusammen, die unsere Essensgewohnheiten heute bestimmen. Der Sternekoch Paul Ivić zeigt in seinem Wiener Restaurant, wie das vegetarische Essen den Einzug in die Haute Cuisine gefunden hat, und unternimmt eine Führung zu seinen Gemüsebauern aufs Feld. Über die Herkunft der Kartoffel reflektiert Kulturhistoriker Peter Peter und Kochbuchautorin und Food-Bloggerin Susanna Bingemer zeigt auf einem Münchner Friedhof, dass auch Superfood regional sein kann.

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Uraufführung: Alois Bröder: SECHS NACHTSTÜCKE

Zazzerino: Alois Bröder

Alois Bröder: Seitdem der erste Mensch die Augen geöffnet hatte, gehört der gestirnte Himmel in seinen Variabilitäten und Periodizitäten zu den unveränderlichen Bedingungen, die uns umgeben und sich auf unser Leben auswirken. Die berühmte, erst um den letzten Jahrtausendwechsel in Mitteldeutschland völlig unerwartet wiederaufgefundene Himmelsscheibe von Nebra ist die bislang älteste bekannte Darstellung dieses Firmaments. Aus heutiger Sicht verbindet sie die Geheimnisse der tiefsten Weiten des Alls mit denen unserer entferntesten Vorzeit und verbirgt einen enigmatischen Subtext.

Hinge man die Scheibe an eine Decke und legte sich darunter auf den Rücken, entspräche dies dem Liegen auf einer nächtlichen Lichtung: von Dämmerung zu Dämmerung wäre man so den unmerklichen Bewegungen und dem Leuchten der Himmelskörper ausgesetzt und könnte ebenso geschlossenen Auges Himmelszelt und Nachtgeräusche wahrnehmen – in Berührung mit den Anfängen unserer Vergangenheit.

Solcherart Vorstellung bestimmt meine Komposition, die es unternimmt, die auf der Scheibe sichtbaren Gestalten zu umschreiben und sich ihnen anzunähern: den beiden Horizontbögen, dem zunehmenden und dem vollen Mond, dem Siebengestirn der Plejaden und – als deren einzig nicht rationalem Bestandteil – dem Sonnenschiff.

Donnerstag, 21.10.2021, 19.30 Uhr: Staßfurt, Salzlandtheater
Freitag, 22.10.2021, 19.30 Uhr: Schönebeck, Dr.Tolberg-Saal
Sonntag, 24.10.2021, 17.00 Uhr: Magdeburg, Gesellschaftshaus

Alois Bröder
SECHS NACHTSTÜCKE
für Kammerorchester
(Uraufführung)

Mitteldeutsche Kammerphilharmonie
Michael Schneider, Dirigent

https://www.mitteldeutsche-kammerphilharmonie.de/spielplan-tickets/stueckedetail/1762-johann-wilhelm-tolberg.html
https://www.alois-broeder.de/de/Kompositionen/fuerOrchester.html

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