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INFOS DES TAGES (MONTAG, 29. JÄNNER 2018)

29.01.2018 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (MONTAG, 29. JÄNNER 2018)

NEU IN UNSEREN KRITIKEN:

WIEN/Staatsoper: CINDERELLA von Alma Deutscher. Premiere am 28.1.2018 in der „Agrana-Studiobühne Walfischgasse“

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Schlussapplaus . In der Mitte die Komponistin. Foto: Renate Wagner

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Alma Deutscher wird im Februar 13 Jahre alt. Ihre Schwester Helen zählt 9 Jahre. Foto: Esther Hatzi

Zum Premierenbericht von Renate Wagner

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GELSENKIRCHEN: DIALOGUES DES CARMÉLITES. Premiere am 27. Januar 2018

Zum Premierenbericht von Christoph Zimmermann

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HEIDELBERG: DON PASQUALE. Premiere am 26.1.2018

Zum Premierenbericht von Friedeon Rosén

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WIEN/ Staatsoper: CARMEN – erfrischende Carmen, eleganter Don José.  Vorstellung am 26.1.2018

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Piotr Beczala. Copyright: Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Zum Bericht von Dominik Troger/www.operinwien.at

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FREIBURG: LOVE LIFE – Musical von Kurt Weill. Deutsche Erstaufführung am 14.1.2018

Zum Bericht von Andreas Hauff

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MUSIKVEREIN FÜR STEIERMARK/GRAZ: KONZERTABSAGE DAVID GARRETT

Das für 31. Jänner 2018 geplante Festkonzert mit David Garrett muss wegen einer Erkrankung des Künstlers (Bandscheibenvorfall!) leider verschoben werden.

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David Garrett

Ein Ersatztermin wird schnellstmöglich bekannt gegeben. Bereits gekaufte Karten behalten ihre Gültigkeit. Weitere Informationen erhalten Sie an der Konzertkasse unter 0316/82 24 55.

Vielen Dank für Ihr Verständnis!

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ANDERE LÄNDER, ANDERE GESETZE: PFEFFERSPRAY IST IN HOLLAND EINE WAFFE!

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Flughafen Amsterdam-Schiphol.

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Günther Groissböck/ Foto: Metopera

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Wer viel reist, erlebt viel und kann auch viel erzählen. Nicht immer nur Angenehmes, wie diesmal der viel reisende Weltklasse-Bassist Günther Groissböck. Der will allerdings deswegen keine Extrawürste gebraten haben, lediglich bloß dem Delikt angemessene Nachwehen „erdulden müssen“ .
Er schreibt: Tja, ziemlich ungemütlich, wenn Dir plötzlich wegen eines 16 ml „Doserls“ zwei schwerbewaffnete Polizisten auf Englisch Dinge wie „Sie haben das Recht zu schweigen. Sie haben das Recht einen Anwalt zu kontaktieren etc.“ sagen und Dich dann mitnehmen. Immerhin ohne Handschellen, aber umso misstrauischere Fragen über spezielle militärische Ausbildungen etc. stellen.
Tja, wir leben halt im Zeitalter der totalen Terror-Paranoia, aber man schaut lieber da hin, wo es um nichts geht und leider da weg, wo es, wie wir wissen, offensichtlich problematisch ist. Und ich glaube nicht, dass das nur am in Holland legalen Marihuana oder den Magic Mushrooms liegt…
Ich habe den Schock noch immer nicht ganz verdaut, aber zumindest soweit, dass ich darüber nun berichten und auch andere Holland-Reisende warnen kann:
Um ganz kurz auszuholen: Ich bin ich begeisterter Hobbysportler sowohl auf dem Rad (Rennrad und MTB), wie auch in Laufschuhen herumkeuchend sehr viel in der freien Natur und trage sehr oft aus Sicherheitsgründen einen kleinen- den mir allerkleinsten bekannten Pfefferspray (Walther 16ml)- mit mir, um mich notfalls schützen zu können. Man glaubt gar nicht, wie oft man in unangenehme Situationen kommt, trotzdem kann ich mich glücklich schätzen, dass ich den Spray noch nie direkt einsetzen musste. Soweit kurz die Vorgeschichte.
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Nun ist es so, dass dieser kleine Pfefferspray-wir besitzen zu Hause insgesamt drei Stück, da ihn meine Frau auch gerne dabei hat, wenn sie mit meiner kleinen Tochter in den Wald geht oder z.B. spät abends in einer Parkgarage in Mailand zugegegen ist. Die Dose ist so so klein, dass sie oft mal nicht immer sofort zu finden ist, weil sie sich in irgendeiner Ecke oder Falte einer Jacke etc. versteckt.
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So geschah es offensichtlich nun in meinem schwarzen Winteranorak, den ich in dieser Jahreszeit regelmäßig benutze und den ich derzeit auch auf meinen Wegen zwischen Amsterdam und Mailand etc. gerne trage.
Als nun Freitag  in Amsterdam Schiphol an der Security-Schleuse aufgrund einer besonders wachsamen (was ja grundsätzlich begrüßenswert ist) Angestellten des Sicherheitsdienstes im Chaos der Hustenbonbons, Kopfhörer, Haarbürsten, und weiteren Dingen meiner Jacke mein vermeintlich verlorengegangener 16ml Pfefferspray auffiel, nahm das Unglück sozusagen seinen Lauf:
Natürlich hat so etwas nichts im Handgepäck verloren, aber diese Situation ist durchaus nicht ungewöhnlich und so werden diese Dinge im Normalfall einfach konfisziert und entsorgt. Ich hatte eine ähnliche Situation schon mal vor über zehn Jahren in Berlin. Alles kein Problem, nur eben schade um die Nagelfeile, das kleine Schweizer-Taschenmesser oder eben den Mini-Pfefferspray.
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Nicht so in Amsterdam/Schiphol: was nämlich so gut wie niemand weiß, ist die Tatsache, dass in den Niederlanden die üblichen und weltweit sehr populären Pfeffersprays grundsätzlich verboten sind und man sich durch das Mitführen und deren Besitz im Sinne eines gar nicht so harmlosen Deliktes, nämlich „unerlaubter Waffenbesitz“ strafbar macht!!!
Im Klartext bedeutet das, dass man von der Polizei in Gewahrsam genommen wird und der Staatsanwalt, der sich in solchen Fällen automatisch einschalten muss, um über das weitere Vorgehen zu entscheiden.
Im konkreten Fall kam ich mit einer „bescheidenen“ Buße von 294 Euro(!) davon und durfte nach etwa 45 Minuten Amtshandlung, sprich Befragung und dem Unterschreiben eines Protokolls wieder zum Gott sei Dank ohnehin verspäteten Flugzeug.
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Allerdings, und da liegt nun das für mich große Problem, droht mir ein Eintrag ins holländische Strafregister, den ich als unangemessen empfinde und dem möchte ich als international wirklich viel reisender Sänger entgehen!! Speziell in Zeiten der internationalen Zusammenarbeit, Big-Data etc. kann ich mir das auch in Hinblick auf meine zahlreichen US-Engagements einfach nicht leisten! Zur Klarstellung: Dieser Eintrag ist – auch in Holland – keine Vorstrafe, aber Wenn man allerdings in Holland wohnen würde, was für mich als Berge liebender Mensch eher ubwahrscheinlich ist,  könnte man z.B. beim Beantragen einer Waffe etc. Probleme bekommen
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Zitat Ende!
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Wir können da natürlich keinen Einfluss geltend machen, nur andere Reisende vor so einer Unbill warnen. Wohlgemerkt, Günther Groissböck erkennt an, dass er sich den Buchstaben des Gesetzes nach strafbar gemacht hat (das Eingeständnis war ja die Bezahlung der Geldstrafe). Aber es hätte es wohl keinen Sinn gemacht, die Strafe nicht zu bezahlen und es auf ein Verfahren ankommen zu lassen. Hand aufs Herz, wer macht das schon, wenn draußen der Flieger wartet? Vom juristischen Standpunkt aus wäre es wohl klüger gewesen.
Aber es geht um die Verhältnismäßigkeit des Delikts: „Unerlaubter Waffenbesitz“ unterscheidet in einer internationalen Warnliste nicht zwischen Pfefferspray und einem Maschinengewehr. Weiß einer unserer Juristen, was man da noch machen könnte? Für einen viel reisender Sänger ist ein derartiger Eintrag eine mittlere Katastrophe!
PS: Bei dieser Gelegenheit schickt uns der „Internet-Surfer“  Günther Groissböck den Link zu einem

https://www.wagner-heavymetal.com/blog
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HEUTE: Fünfteiliger „ORF III Themenmontag“ zum 20. Todestag von Falco

U. a. mit „Falco – Forever Young“, „Mütter: Falco und seine Mutter Maria“ und „Falco Live – Der Falke ist wieder da“

Wien (OTS) – Am 6. Februar 1998 kam Johann Hölzel alias Falco bei einem Verkehrsunfall in seiner Wahlheimat Dominikanische Republik ums Leben. Anlässlich seines 20. Todestages widmet sich ORF III Kultur und Information mit einem fünfteiligen „Themenmontag“ am 29. Jänner 2018 dem Leben und Schaffen des Ausnahmemusikers.

Den Auftakt macht die Dokumentation „Falco – Forever Young“ (20.15 Uhr) von Regisseur Patrick Hibler. Das Porträt beleuchtet die Kultfigur Falco von ihrer privaten Seite und lässt Familienmitglieder und namhafte Kenner des Musikers zu Wort kommen, darunter Falcos Vater, der für diese Doku 2017 erstmals sein Schweigen brach, André Heller, Niki Lauda, Markus Spiegel, ehemalige Bandkollegen sowie Vertreter der heutigen Popmusiker-Generation wie Bilderbuch oder Julian le Play.

Danach steht „Falco und seine Mutter Maria“ (21.20 Uhr) auf dem Programm. In dieser Ausgabe der Gesprächsreihe „Mütter“ mit Hermi Löbl erzählt Falcos Mutter Maria Hölzel über Kindheit, Jugend und Karriere ihres berühmten Sohnes, zu dem sie ein sehr inniges Verhältnis hatte.

Fortgesetzt wird der Abend mit der Dokumentation „Falco Gaga“ (22.25 Uhr). Einmal redete er Klartext, einmal Unsinn: Genie und Wahnsinn lagen bei Falco nah beieinander. Dementsprechend war er in Talkshows und bei TV-Interviews ein geschätzter wie gefürchteter Gesprächspartner. Der Film präsentiert komische und witzige, skurrile und verrückte Fernsehauftritte des Musikers.

Danach ist Falcos wohl legendärstes Konzert, sein Auftritt am Wiener Donauinselfest im Jahr 1993 in „Falco Live – Der Falke ist wieder da“ (22.50 Uhr) zu sehen. Bei strömendem Regen begeisterte er 150.000 Fans mit Hits wie „Junge Römer“, „Der Kommissar“ oder „Jeanny Part 2“ und begab sich dabei sogar in Lebensgefahr: Während der Nummer „Nachtflug“ schlug ein Blitz auf der Bühne ein.

Zum Abschluss des Abends zeigt ORF III „Remember Falco!“ (23.50 Uhr), eine Collage mit Musikvideo-Highlights aus Falcos unterschiedlichen Schaffensperioden.

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„kulturMontag“: Kulturpolitik in Wien, Regie-Rebell Stone im Porträt, Holocaust-Schicksal der Wienerin Gertrude Pressburger als Buch
Am 29. Jänner nach der „Promi-Millionenshow“ um 23.10 Uhr in ORF 2

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Wien (OTS) – Welche Richtung schlägt die Wiener Kulturpolitik unter einem neuen Bürgermeister ein? Dieser und anderen Fragen stellt sich im „kulturMontag“ am 29. Jänner 2018 der amtierende Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny live im Studio bei Martin Traxl. Weitere Themen der Sendung: die Autobiografie der Holocaust-Überlebenden Gertrude Pressburger, die während des Bundespräsidentschaftswahlkampfs im Jahr 2016 mit ihrer Videobotschaft vor Hassrhetorik warnte und zum, auch angefeindeten, Internetstar wurde, sowie ein Porträt des Regie-Shootingstars und -Rebells Simon Stone, dessen Inszenierung von August Strindbergs „Hotel Strindberg“ heute im Akademietheater Premiere feiert. Das Kulturmagazin startet aufgrund der „Promi-Millionenshow für Licht ins Dunkel“ um 23.10 Uhr in ORF 2.

Kulturpolitische Weichenstellung in Wien – Stadtrat Mailath-Pokorny live im Studio

Wie geht es unter dem neuen Bürgermeister mit der Kunst und Kultur in Wien weiter? Der langjährige Weggefährte des scheidenden Stadtoberhaupts Michael Häupl, Andreas Mailath-Pokorny, zieht seit 2001 als Kulturstadtrat die Fäden in künstlerischen Belangen. Stolz ist der 58-Jährige auf Großprojekte wie die Wiener Theaterreform 2003, die Etablierung und Bespielung des beliebten MuseumsQuartiers sowie die Ausgliederung der Museen der Stadt Wien ab 2001 – und wohl auch darauf, das Kulturbudget der Stadt im Laufe der Jahre um 50 Prozent gesteigert zu haben. Allerdings ist dieses – mit rund 203 Millionen Euro immer noch das höchste aller Bundesländer – 2016 erstmals wieder gesunken. Und so sehr Mailath-Pokornys Amtszeit noch zu Beginn von vielen Neuerungen und Reformen geprägt war, heißt es in den vergangenen Jahren doch immer wieder: bitte warten. Welche Kulturbaustellen sind noch offen, welche Zukunftsprojekte stehen in der Warteschleife? Wie beurteilen Kunst- und Kulturschaffende die Lage in Wien? Und welchen Stellenwert hat Kultur für Wiens zukünftigen Bürgermeister? Der „kulturMontag“ zieht Resümee – Andreas Mailath-Pokorny ist live zu Gast.

„Gelebt, erlebt, überlebt“ – Facebook-Wunder Frau Gertrude erzählt ihre Lebensgeschichte

Die Videobotschaft, in der Gertrude Pressburger vor Hassrhetorik im Bundespräsidentschafts-Wahlkampf im Jahr 2016 warnte, wurde in den sozialen Medien rasch ein riesiger Erfolg. 3,2 Millionen Aufrufe verzeichnete der kurze, aber eindringliche Appell der heute 90-jährigen Wienerin. Mit ihrem aufwühlenden Statement gegen die Radikalisierung von Geist und Wort auf der Facebook-Seite von Alexander Van der Bellen wurde sie zum Sinnbild einer neuen Form des Wahlkampfs. Die Holocaust-Überlebende fühlte sich durch so manche Äußerung an die dreißiger Jahre erinnert. Jetzt erzählt sie in dem Buch „Gelebt, erlebt, überlebt“ erstmals ihre Lebensgeschichte. Gertrude Pressburger war zehn, als Hitler in Österreich einmarschierte. Obwohl die jüdische Familie katholisch getauft worden war, musste sie fliehen. Fast sechs Jahre dauerte die Flucht, die 1944 in Auschwitz endete. Gertrude überlebte den Holocaust – ihre Eltern und die zwei jüngeren Brüder wurden von den Nationalsozialisten umgebracht. Dass ihre wahrhaftigen Worte Gehör finden, hat sie bestärkt, mit einer jungen Journalistin ihre Autobiografie zu schreiben: „Ich bin nicht zurückgekommen, um dasselbe noch einmal zu erleben.“

Shootingstar und Regie-„Berserker“ Simon Stone im Porträt

Für ihn muss Theater wie Film sein, sagt Simon Stone, der Theatermann der Stunde. Jetzt inszeniert der vielgefeierte australische Ausnahmeregisseur und Dramatiker wieder in Wien. Im Akademietheater zeigt er „Hotel Strindberg“, eine wilde Reise durch den Kosmos von August Strindberg. Der schwedische Dramatiker, ein Frauenhasser, der oft dem Wahnsinn nahe war, von Obsessionen besessen und von Dämonen gejagt, inspirierte Simon Stone zu seinem neuen Projekt. Stone ist bekannt für seine radikalen Bearbeitungen klassischer Stoffe. „Ich stecke die Figuren eines Stücks in eine Zeitmaschine und lasse sie ihre Geschichte in unserer modernen Welt erleben“, so Stone. Auf diese Weise hat er sich vielen Werken genähert: Tschechows „Kirschgarten“ oder „Drei Schwestern“, Ibsens „John Gabriel Borkmann“ oder Wedekinds „Frühlings Erwachen“. Referenzen auf alte Stücke sind ihm wichtig, weil er gerne die Erwartungshaltung des Publikums bricht, zum Diskutieren anregen will. Im Wiener Akademietheater spielen jetzt unter anderem Martin Wuttke, Franziska Hackl und Caroline Peters. Der „kulturMontag“ hat eine Probe besucht und porträtiert den aufsehenerregenden Jungregisseur.

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Bruno Mars räumte bei Grammy-Gala in New York ab

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Insgesamt gewann Bruno Mars sechs der Musikauszeichnungen. Bildquelle APA (AFP)/TIMOTHY A. CLARY

New York (APA/dpa/ag.) – RB-Sänger Bruno Mars hat für seinen Song „That’s What I like“ bei der Grammy-Verleihung in New York den Preis für das beste Lied des Jahres gewonnen. Er und sein Autorenteam setzten sich damit am Sonntag gegen den Megahit „Despacito“ von Luis Fonsi Daddy Yankee durch. Für sein Album „24K Magic“ gewann der 32-Jährige ebenfalls den Preis für das beste Album des Jahres.

Er siegte bei der Verleihung unter anderem gegen „4:44“ des US-amerikanischen RB-Sängers Jay-Z. Nominiert waren ebenfalls Kendrick Lamar mit „Damn“, Childish Gambino für „Awaken, My Love!“ und Lorde für „Melodrama“. Mars hatte zuvor bereits die beiden Hauptpreise für das Lied und die Aufnahme des Jahres gewonnen.

Insgesamt gewann der 32-Jähriges bei der diesjährigen Preisvergabe sechs der begehrtesten Musikauszeichnungen der Welt.

Mit einem politisch gefärbten Auftritt von US-Rapper Kendrick Lamar begann die 60. Verleihung der Grammys. Lamar eröffnete die Show im Madison Square Garden mit seinem Titel „XXX“ an Seite von U2-Sänger Bono und dem irischen Musiker The Edge. Der Rapper erschien vor amerikanischen Flaggen und an Seite von zahlreichen Tänzern in Camouflage-Uniform auf der Bühne.

Comedian Dave Chapelle kommentierte den Auftritt mit den Worten: „Beängstigender als der Anblick eines schwarzen Mannes, der in Amerika ehrlich ist, ist nur, ein ehrlicher schwarzer Mann in Amerika zu sein„. Kurz darauf übernahm Moderator James Corden, der wie im vergangenen Jahr durch den Gala-Abend führen sollte.

Lamar bekam im Anschluss an seinen Auftritt sogleich zusammen mit der Sängerin Rihanna den Preis für die beste kombinierte Rap- und Gesangsperformance verliehen, und zwar für ihr Duett in dem Song „Loyalty“. Der Rapper gehört bei der diesjährigen Verleihung zusammen mit der Rap-Ikone Jay-Z und dem RB-Sänger Bruno Mars zu den Favoriten für die höchste Zahl von Preisen und den Sieg in der Königskategorie des besten Albums.

Lamar hatte bereits vier Preise in der Tasche, bevor der Abend richtig begonnen hatte. Schon vor Beginn der Show war er drei Mal ausgezeichnet worden, für die beste Rap-Performance, den besten Rap-Song und das beste Musikvideo, wie die Grammy-Akademie auf ihrer Website mitteilte. Mars holte seinerseits schon vor der Show drei Grammys. Er gewann in der RB-Abteilung die Preise für die Performance, den besten Song und das beste Album.

Die junge Sängerin und Songwriterin Alessia Cara wurde mit dem Grammy für den besten Nachwuchsstar ausgezeichnet. Die 21-jährige Kanadierin setzte sich bei der Preisverleihung gegen den Sänger Khalid, die Sängerinnen Julia Michaels und SZA sowie den Rapper Lil Uzi Vert durch. Cara wurde durch Darbietungen auf der Videoplattform YouTube bekannt, in denen sie Stars wie Taylor Swift und Amy Winehouse mit verblüffender stimmlicher Ähnlichkeit imitierte. In ihren eigenen Songs richtet sie sich oft an junge Menschen, die sich sozial ausgegrenzt fühlen.

Die „Star Wars“-Schauspielerin Carrie Fisher wurde posthum mit einem Grammy geehrt. Den Preis bekam sie für ihr Hörbuch „The Princess Diarist“, wie die Grammy-Akademie auf ihrer Website mitteilte. Darin erzählt Fisher von ihren Erinnerungen an die Dreharbeiten zum ersten Teil der „Star Wars“-Saga.

Die Darstellerin der Prinzessin Leia war im Dezember 2016 an einem Herzinfarkt gestorben. Posthum mit einem Grammy ausgezeichnet wurde auch der Sänger, Songwriter und Dichter Leonard Cohen. Für sein Lied „You Want It Darker“ gewann er den Preis für die beste Rock-Performance. Es ist der Titelsong von Cohens letztem Studioalbum. Der legendäre kanadische Rockpoet war im November im Alter von 82 Jahren gestorben.

Aus Solidarität mit der #TimesUp-Bewegung zum Kampf gegen sexuelle Übergriffe trugen mehrere Musiker bei der Grammy-Verleihung weiße Rosen am Revers oder in der Hand. Darunter waren Rapper Kendrick Lamar, Lady Gaga, Miley Cirus, Khalid, Sam Smith, Janelle Monae sowie Alessia Cara, die bei der Gala am Sonntag als beste neue Künstlerin des Jahres geehrt wurde.

Die weiße Rose galt bei der Verleihung in New York als Pendant zur schwarzen Kleidung, in der Prominente bei der Golden Globe-Gala Anfang Jänner erschienen waren. Die Grammy-Aktion hatte mit einem Aufruf der Gruppe „Voices in Entertainment“ von 14 Frauen begonnen, die in führenden Positionen in der Musik- und Unterhaltungsindustrie in den USA arbeiten. Die weiße Rose stehe historisch für „Hoffnung, Frieden, Sympathie und Widerstand“, schreiben die Gründerinnen.

Mit einer Lesung aus dem Enthüllungsbuch „Fire and Fury“ („Feuer und Zorn“) teilten Hillary Clinton und Star-Musiker bei den Grammyverleihung gegen US-Präsident Donald Trump aus. Die Demokratin Clinton, die gegen Trump bei den Wahlen im November 2016 verloren hatte, erschien am Sonntag überraschend in einem vorab aufgezeichneten Sketch von Moderator James Corden. Darin las sie eine Passage aus Michael Wolffs Buch, das mit Details aus dem Wahlkampf und Trumps Zeit im Weißen Haus Schlagzeilen machte.

Auch Rapperin Cardi B, John Legend, Cher und Snoop Dogg lasen einige Sätze aus dem Buch. „Warum lese ich diesen Scheiß überhaupt?“, fragt Cardi B, nachdem sie eine Passage zu Trumps angeblich regelmäßigen Cheeseburger-Abendessen im Bett rezitiert hat. „Ich kann das nicht glauben. Lebt er so wirklich sein Leben?

Snoop Dogg fügte hinzu, ganz sicher nicht bei Trumps Vereidigung vor gut einem Jahr dabei gewesen zu sein.

Die UNO-Botschafterin der USA, Nikki Haley, reagierte prompt auf die verbale Ohrfeige vor einem Millionenpublikum gegen ihren Vorgesetzten und Parteikollegen Trump. „Ich habe die Grammys immer geliebt, aber dass Künstler das „Fire and Fury“-Buch lesen, war das Ende„, twitterte Haley wenige Minuten nach dem Sketch. „Ruiniert großartige Musik nicht mit Müll. Manche von uns lieben Musik, ohne dass Politik eingeworfen wird.“ Auf den Tweet einer Reporterin der „Washington Post“, die den Sketch als lohnenswert bezeichnete, antwortete Haley, der Sketch habe die Show „ruiniert“.

Ein Großteil der Preise in insgesamt 84 Kategorien wurde bereits vor Beginn der Show bekanntgegeben. Die deutschen Elektro-Pioniere von Kraftwerk gewannen den Grammy für das „Beste Dance/Elektronische Album“.

Die Grammys ehren in zwei Hauptkategorien einen einzelnen Song.

Beim „Lied des Jahres“ werden die Komponisten und Texter ausgezeichnet. Die Kategorie „Aufnahme des Jahres“ würdigt neben diesen Songwritern auch das Produktionsteam und die Toningenieure rund um den Song.

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Rapper Nazar kommt bei Gedanken an Kurz Galle hoch

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Der Rapper teilt gegen rechte Politiker und linke Sozialromantiker aus. Bildquelle: APA (Archiv)/ROLAND SCHLAGER

Wien (APA) – Ardalan Afshar, geboren 1984 in Teheran und seit 2008 als Nazar eine Größe der österreichischen Rap-Szene, hat seine Autobiografie geschrieben. „Mich kriegt ihr nicht“ heißt das Buch,
das nicht nur mit dem Musikbusiness, sondern auch mit der Politik abrechnet: „Ich muss zum Beispiel nur an unseren neuen, schicken Bundeskanzler Sebastian Kurz denken, und mir kommt sofort die Galle hoch.“

„Wie können die Leute nicht merken, dass es ein reines Geschäftsmodell ist, auf dem Reißbrett entworfen, das der Typ ihnen als seine Überzeugungen präsentiert?“, fragt Nazar in dem Buch. „Seine einzige Überzeugung ist die, dass er bereit ist, jedem in den Arsch zu kriechen, der dafür sorgt, dass er beruflich erfolgreich ist. Seht ihr das denn nicht?“

Dass Nazar FPÖ-Obmann H.C. Strache 2015 bei einem Konzert in der Wiener Arena einen „Hurensohn“ genannt hat, trug ihm 2.450 Euro Strafe wegen Beleidigung ein. Was der Musiker vom neuen Kanzler und ÖVP-Chef hält, wurde bisher nicht aktenkundig. „Ich habe Herrn Kurz öfters bei Podiumsdiskussionen oder Fernsehsendungen getroffen und einmal auch zufällig im Urlaub in Kroatien, und jedes Gespräch, das
ich damals mit ihm geführt habe, war eigentlich sehr konstruktiv. Zu der Zeit hätte ich auch viele seiner Aussagen unterstützt“, erzählt Nazar im Interview mit der APA. „Umso erschreckender war es für mich, als er vom Außenminister zum Kanzlerkandidaten wurde. Da hat sich das Blatt komplett gewendet, und er hat vergessen, was er vorher gesagt hat – was ich sehr schade fand.“

Im Gespräch klingt der Rapper, der sich in „Mich kriegt ihr nicht“ als Alpha-Tier bezeichnet, das lieber die anderen fickt, als gefickt zu werden, ganz anders als in seinen Songs und in seinem für die gleiche Zielgruppe geschriebenen Buch. Der 33-Jährige, der als Vorzeige-Integrationsbeispiel gelten könnte, formuliert bedächtig
und bringt seine Enttäuschung ganz ohne Wut zum Ausdruck. „Beim vorletzten Album, das starke mediale Präsenz hatte, war ich Everybodys Darling. Jeder hat sich gefreut, wenn er mich einladen durfte oder buchen konnte. Das Blatt hat sich stark gewendet, sobald das FPÖ-Bashing gegen mich eingesetzt hat, weil ich mich politisch geäußert habe. Viele meinen offenbar: Mach deine Musik, halt die Schnauze und misch dich in diese Themen nicht ein. Ich verstehe nicht, warum ich keine politische Meinung haben darf und mich nicht äußern darf, weil ich ja immerhin in diesem Land lebe, ganz normal Steuern zahle und mit dem System hier zurechtkommen muss. Wenn hier Dinge passieren, die meiner Meinung nach nicht richtig sind, muss es mein gutes Recht sein, mich auch äußern zu dürfen.“

„Ich hab großes Interesse an Politik gehabt, aber je tiefer man Einblicke bekommt, merkt man schnell, dass es in Wahrheit nur noch um Machterhaltung und Geld geht und nicht darum, der Bevölkerung etwas Gutes zu tun, wie uns von allen vorgegaukelt wird“, ist Nazar überzeugt. Auch bei der jüngsten Diskussion über antisemitische Burschenschafterlieder findet er es „sehr amüsant, dass jetzt so getan wird, als wäre das mega-überraschend. Wer sich nicht erst seit gestern mit der österreichischen Politik auseinandersetzt, dem wird
schnell klar, dass das nichts Neues sein dürfte.“

Dabei teilt Nazar in seinem Buch durchaus nach beiden Seiten aus – gegen rechte Politiker wie gegen linke Sozialromantiker. Natürlich gebe es auch Sozialschmarotzer, erklärt der Musiker im Gespräch, aber die Politik der neuen Regierung richte sich gegen die Falschen: „Ich lebe in Favoriten, da gibt es viele Arbeiter, aber auch viele Arbeitslose. Österreich hat ein perfektes Sozialsystem. Leider Gottes gibt es immer Menschen, die Lücken finden, wie man das System ausnützen kann. Aber dass man gerade versucht, Menschen, die länger arbeitslos sind und in Notstand geraten, auch noch etwas wegzunehmen und damit ihre Existenz zu gefährden, anstatt sich Gedanken zu machen, wie viel Geld für die Politik und die Parteien und die Wahlwerbung ausgegeben wird, ist für mich unerklärlich. Stattdessen sollte man eher überlegen, wie man die Wirtschaft stärken könnte,
wie man die Arbeitgeber entlasten könnte, damit sie die Möglichkeit haben, mehr Menschen anzustellen. Leiharbeitsfirmen sind für mich moderne Sklaverei. Man muss das ganze System reformieren – aber nicht, indem man Menschen die Mindestsicherung streicht. Das ist absurd!“

In seinem Buch gibt Nazar, dessen Vater als Kampfpilot im Krieg zwischen dem Iran und dem Irak fiel, nach einer lebensgefährlichen Infektion als Kleinkind mit der Mutter außer Landes flüchtete und schließlich in Österreich behandelt wurde, auch viel Persönliches über sich preis. Er schreibt über seine Erfahrungen mit Polizei und Gericht ebenso wie über seine unzähligen Beinoperationen und seine andauernden Schmerzen, die ihn trotz Knieprothese verfolgen. Das klingt dann weniger martialisch. Auch der Titel „Mich kriegt ihr
nicht“ wirkt wie szeneimmanente Selbststilisierung. Wer ist hinter Ihnen her, Nazar? „Gott sei Dank niemand, außer oft meine Freundin, wenn die Wohnung nicht aufgeräumt ist“, lacht der Musiker. „Der Titel wurde gewählt, weil man beim Lesen rasch rauskriegt, dass ich im Leben sehr oft das Glück hatte, dass ich in der letzten Sekunde den Bogen noch geschafft habe, bevor Schlimmeres passiert wäre.“

(S E R V I C E – Nazar: „Mich kriegt ihr nicht“, edition a, 240
S., 21,90 Euro)

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