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INFOS DES TAGES (MONTAG, 21. MÄRZ 2022)

21.03.2022 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (MONTAG, 21. MÄRZ 2022)

WIENER STAATSOPER: HEUTE PREMIERE „WOZZECK“

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In der Einführungsmatinee zur Neuproduktion von »Wozzeck« sind Interviews mit Regisseur Simon Stone, Musikdirektor Philippe Jordan sowie mit Anja Kampe und Christian Gerhaher zu sehen. Sie sprechen über ihre Interpretation des Werkes bzw. ihrer Rollen und über die musikalische Einzigartigkeit dieser für das 20. Jahrhundert so wichtigen Oper. Weiters gibt es musikalische Darbietungen von Christian Gerhaher, Sean Panikkar (Tambourmajor) und Jörg Schneider (Hauptmann). Durch die Matinee führt Staatsoperndirektor Bogdan Roščić.

ZUM YOUTUBE-VIDEO (1 Stunde und 22 Minuten)

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Christian Gerhaher (Wozzeck), Jörg Schneider (Hauptmann). Foto: Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Musikalische Leitung Philippe Jordan
Inszenierung Simon Stone
Bühne Bob Cousins
Kostüme Alice Babidge Fauve Ryckebusch
Licht James Farncombe

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Christian Gerhaher (Wozzeck), Anja Kampe (Marie). Foto: Wiener Staatsoper/Michael Pöhn
 
Wozzeck Christian Gerhaher
Tambourmajor Sean Panikkar
Hauptmann Jörg Schneider
Doktor Dimitry Belosselskiy
Marie Anja Kampe
Andres Josh Lovell
1. Handwerksbursch Peter Kellner
2. Handwerksbursch Stefan Astakhov
Narr Thomas Ebenstein
Margret Christina Bock
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Christian Gerhaher (Wozzeck), Ensemble. Foto: Wiener Staatsoper/Michael Pöhn
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DRESDEN: Angela Gheorghiu als „TOSCA“ – Kurzvideo vom Schlussapplaus

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ZU INSTAGRAM mit Kurz-Video

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Der Wunder-Percussionist Martin Grubinger in Mannheim

Martin Grubinger: Vom Landei zur Schlagzeug-Weltelite
Martin Grubinger. Foto: Simon Pauly

Es ist ein wahrer Rausch aus Rhythmus, Farben und Klängen, der das Publikum erfasst, wenn der weltbeste Percussionist, der Salzburger Martin Grubinger am 23. März 2022 seine Armada an Schlaginstrumenten zum Klingen bringt. Zusammen mit dem Bruckner Orchester Linz unter der Leitung von Markus Poschner entfesselt er in Mannheim ein musikalisches Feuerwerk.
Der sensationelle Multi-Percussionist Martin Grubinger, der kürzlich sein Karriereende für 2023 angekündigt hat, elektrisiert die Musikwelt. Sein Instrumentarium besteht aus Schlagwerk jeglicher Größe und Herkunft und er sucht immer die Herausforderung: Kaum ein Land, dessen Trommelkultur er nicht für sich erobert hat, kaum ein Genre, das sich seiner Experimentierlust entzieht.

Unüberhörbar, unübersehbar: Sein Tempo, seine Präzision und seine Energie haben schier keine Grenzen. Grubinger liebt es, das Publikum von den Stühlen zu reißen. Das liegt nicht nur an seinem unglaublichen Können, sondern auch an der offenen und kommunikativen Art, seiner Ausstrahlung, mit der er den letzten Winkel eines Saales erreicht. Mit seiner Kunst, seiner Experimentierfreude und seinem Engagement für unterschiedliche Konzert- und Vermittlungsformen hat er einen erfrischend neuen Fokus auf das Schlagwerk in seinen vielen Erscheinungsformen gelegt. Und führende Komponisten haben ihm Stücke „in die Hände“ geschrieben, die so atemberaubend anspruchsvoll sind, dass niemand außer Grubinger sie zu spielen vermag. So auch das virtuose Werk „Konzert für MultiPercussion und Orchester op. 23“ von Bruno Hartl, für welches 24 Percussion-Instrumente benötig werden. Den Abend rundet die beliebte Vierte Sinfonie mit dem Beinamen „Romantische“ von Anton Bruckner klangprächtig ab.

Infos und Karten bei PRO ARTE unter Tel. 0800 – 6 33 66 26 und www.pro-arte-konzerte.
Pro Arte Konzert GmbH | Postfach 121 464 | 68065 Mannheim | Tel. 0800 – 6 33 66 26 | www.pro-arte-konzerte.de

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München/Staatstheater am Gärtnerplatz:  Stellungnahme zu JONNY SPIELT AUF

Ich darf Sie über folgendes Statement des Staatstheaters am Gärtnerplatz informieren. Dies gilt ab der heutigen Vorstellung von „Jonny spielt auf“.

In der Münchner Erstaufführung von „Jonny spielt auf“ im Jahr 1928 wurde die Rolle des Jonny von einem schwarz geschminkten Weißen gespielt. Diese historische Tatsache wurde in unserer Inszenierung kritisch auf der Bühne aufgearbeitet und verurteilt.

Dennoch hat unsere Darstellung des Blackfacing, die bei der Entstehung der Produktion auch mit People of Colour entwickelt wurde, offensichtlich Menschen verletzt. Das tut uns Leid und war nicht unsere Absicht.

Um unter diesen Umständen weiterhin einen offenen Blick auf dieses spannende musikalische Zeitdokument zu ermöglichen, haben wir uns entschlossen, in Zukunft auf die Darstellung des Blackfacing zu verzichten und laden herzlich ein, diesen Abend trotz oder auch wegen der Diskussion zu besuchen.

Ihr Staatstheater am Gärtnerplatz

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TTT: „Der große Diktator“ – Rede von Charlie Chaplin 1940 + Time – Hans Zimmer 2010

https://www.youtube.com/watch?v=w8HdOHrc3OQ original englisch 4.03 Min.

https://soundcloud.com/earl-dorado/charlie-chaplin-feat-hans deutsch 4,35 Min.

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Es tut mir leid aber ich möchte nun mal kein Herrscher der Welt sein, denn das liegt mir nicht. Ich möchte weder herrschen, noch irgendwen erobern, sondern jedem Menschen helfen, wo immer ich kann. Den Juden, den Heiden, den Farbigen, den Weißen. Jeder Mensch sollte dem anderen helfen, nur so verbessern wir die Welt. Wir sollten am Glück des andern teilhaben und nicht einander verabscheuen. Haß und Verachtung bringen uns niemals näher. Auf dieser Welt ist Patz genug für jeden, und Mutter Erde ist reich genug, um jeden von uns satt zu machen. Das Leben kann ja so erfreulich und wunderbar sein. Wir müssen es nur wieder zu leben lernen. Die Habgier hat das Gute im Menschen verschüttet und Mißgunst hat die Seelen vergiftet und uns im Paradeschritt zu Verderb und Blutschuld geführt. Wir haben die Geschwindigkeit entwickelt aber innerlich sind wir stehen geblieben. Wir lassen Maschinen für uns arbeiten und sie denken auch für uns. Die Klugheit hat uns hochmütig werden lassen, und unser Wissen kalt und hart. Wir sprechen zu viel und fühlen zu wenig. Aber zuerst kommt die Menschlichkeit und dann erst die Maschinen. Vor Klugheit und Wissen kommt Toleranz und Güte. Ohne Menschlichkeit und Nächstenliebe ist unser Dasein nicht lebenswert. Aeroplane und Radio haben uns einander näher gebracht. Diese Erfindungen haben eine Brücke geschlagen, von Mensch zu Mensch. Die erfordern eine allumfassende Brüderlichkeit, damit wir alle Eins werden. Millionen Menschen auf der Welt können im Augenblick meine Stimme hören. Millionen verzweifelter Menschen, Opfer eines Systems, das es sich zur Aufgabe gemacht hat Unschuldige zu quälen, und in Ketten zu legen. Allen denen die mich jetzt hören rufe ich zu : Ihr dürft nicht verzagen! Auch das bittere Leid das über uns gekommen ist, ist vergänglich. Die Männer, die heute die Menschlichkeit mit Füssen treten werden nicht immer da sein. Ihre Grausamkeit stirbt mit ihnen, und auch ihr Hass. Die Freiheit, die sie den Menschen genommen haben, wird ihnen dann zurückgegeben werden. Auch wenn es Blut und Tränen kostet, für die Freiheit ist kein Opfer zu groß. Soldaten vertraut euch nicht Barbaren an, Unmenschen die euch verachten, und denen euer Leben nichts wert ist, ihr seid für sie nur Sklaven. Ihr habt das zu tun, das zu glauben, das zu fühlen. Ihr werdert gedrillt, gefüttert, wie Vieh behandelt, und seid nichts weiter als Kanonenfutter. Ihr seid viel zu schade für diese verehrten Subjekte. Diese Maschinenmenschen, mit Maschinenköpfen, und Maschinenherzen. Ihr seid keine Roboter, ihr seid keine Tiere, ihr seid Menschen! Berwahrt euch die Menschlichkeit in euren Herzen und hasst nicht, nur wer nicht geliebt wird hasst, nur wer nicht geliebt wird. Soldaten kämpft nicht für die Sklaverei, kämpft für die Freiheit. Im siebzehnten Kapitel des Evangelisten Lukas steht: Gott wohnt in jedem Menschen. Also nicht nur in einem oder in einer Gruppe von Menschen. Vergesst nie, Gott liegt in euch allen, und ihr als Volk habt allein die Macht. Die Macht Kanonen zu fabrizieren, aber auch die Macht Glück zu spenden. Ihr als Volk habt es in der Hand, dieses Leben einmalig kostbar zu machen, es mit wunderbarem Freiheitsgeist zu durchdringen. Daher im Namen der Demokratie : Laßt und diese Macht nutzen! Laßt uns zusammen stehen! Laßt uns kämpfen für eine neue Welt, für eine anständige Welt! Die jedermann gleiche Chancen gibt, die der Jugend eine Zukunft und den Alten Sicherheit gewährt. Versprochen haben die Unterdrücker das auch, deshalb konnten sie die Macht ergreifen. Das war Lüge, wie überhaupt alles, was sie euch versprachen, diese Verbrecher. Diktatoren wollen die Freiheit nur für sich, das Volk soll versklavt bleiben. Laßt uns diese Ketten sprengen! Laßt uns kämpfen für eine beseere Welt! Laßt uns kämpfen für die Freiheit in der Welt, das ist ein Ziel, für das es sich zu kämpfen lohnt. Nieder mit der Unterdrückung, dem Hass und der Intoleranz! Laßt uns kämpfen für eine Welt der Sauberkeit. In der die Vernunft siegt, in der uns Fortschritt und Wissenschaft allen zum Segen reichen. Kameraden, im Namen der Demokratie : Dafür laßt uns streiten!“

Gefunden von TTT

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Budapest/ Staatsoper/ 19.03.2022: „MAYERLING“.glanzvolle Ballettvorstellung zur Wiedereröffnung der ungarischen Staatsoper.

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Gergő Ármin Balázsi  als Kronprinz Rudolf und Claudia Garcia Carriera  als Gräfin Larisch. © Péter Rákossy / Hungarian State Opera

Nach fünf Jahren der Schließung wegen Renovierung erstrahlt die ungarische Staatsoper nun im neuen Glanz. Das nach seinem Architekten Miklós Ybl auch als Ybl Palace benannte Opernhaus heißt im ungarischen Magyar Állami Operaház und wurde zwischen 1875 und 1884 im Stil der Neorenaissance errichtet. Das Prachtgebäude in der Andrássy út wurde nun originalgetreu restauriert und die Bühnentechnik erneuert. Rund um den ungarischen Staatsfeiertag gab es nun ein fünftägiges Festprogramm, um die Wiedereröffnung des Opernhauses zu feiern: beginnend mit einem Galakonzert am 12.März mit Beiträgen aus Oper und Ballett, folgte tags darauf die Premiere der Originalfassung von Ferenc Erkels Oper Hunyady László sowie der Ballettpremiere von „Mayerling“ in der Choreografie von Sir Kenneth MacMillan am 14.März, getanzt vom Ungarischen Nationalballett. Mit der Auswahl dieser beiden Werke wurden nicht nur zwei Stücke wieder aufgeführt, die länger nicht am Spielplan standen, sondern es wurden damit auch zwei ungarischen Komponisten geehrt: Ferenc Erkel war der erste Direktor der ungarischen Oper und Schöpfer der ungarischen Nationalhymne. Kompositionen von Franz Liszt kommen in der Orchestrierung von John Lanchbery im Ballett „Mayerling“ zur Verwendung.

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Gergő Ármin Balázsi  (Kronprinz Rudolf) und Yourim Lee (Prinzessin Stephanie). © Péter Rákossy / Hungarian State Opera

Das dreiaktige Handlungsballett rund um Kronprinz Rudolf und Mary Vetsera hatte seine ungarische Erstaufführung 2004 – damals tanzten Zoltán Nagy jr. und Tamás Solymosi alternativ die Hauptrolle. Ist nicht nur ein historischer Konnex zwischen Österreich und Ungarn mit der Tragödie von Mayerling verbunden, so gibt es auch einen balletthistorischen Zusammenhang: Erst vier Jahre später gelangte dieses Ballett auch ins Repertoire des Wiener Staatsballetts, mit Irina Tsymbal als Mary Vetsera, Karina Sarkissova als Mizzi Kaspar  bzw. Gräfin Larisch und Balázs Delbó als Bratfisch – hatten diese Tänzer vom Ungarischen Nationalballett doch mit neuem Engagement nach Wien an die Staatsoper gewechselt.

Für den jetzigen Anlass der Premiere zur Wiedereröffnung der Ungarischen Staatsoper wurden die Ausstattung und die Kostüme nach den Originalentwürfe von Nicholas Georgiadis erneuert, die Einstudierung erfolgte durch Karl Burnett (Staging ballet master) und Grant Coyle sowie Ballettdirektor Tamás Solymosi als Répétiteurs. Sir Kenneth MacMillan schuf „Mayerling“ 1978 für das Royal Ballet in London. Der schottische Choreograf setzte dabei den Focus auf die emotionale Entwicklung der Figur des Kronprinzen Rudolf, gleichwohl exzellente Technik und Partnerhandling ebenfalls gefragt sind und damit diese Partie als einer der schwierigsten im klassischen Männer-Repertoire gilt. Vor allem die vielen Pas de deux des Kronprinzen mit wechselnden Partnerinnen stehen im Zentrum der Handlung mit dem dramatischen Höhepunkt im tragischen Finale.

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Ausgelassene Stimmung mit Mizzi Kasper: Gergő Ármin Balázsi und Jessica Carulla Leon. © Péter Rákossy / Hungarian State Opera

In der Matineevorstellung am Samstag war die Premierenbesetzung zu sehen. Gergő Ármin Balázsi verkörperte den Kronprinzen Rudolf. Er zeichnet eine eindringliche psychologische Studie der Figur. Steif bei allen Auftritten im Umfeld des Kaisers wie bereits zu Beginn auf seiner eigenen Hochzeit mit Prinzessin Stephanie, verliert er seine hölzerne Haltung als körperlichen Ausdruck des Unwohlseins nur im Etablissement bei Mizzi Kaspar (Jessica Carulla Leon), wo er Zerstreuung findet. Stets auf der Suche nach Zeichen von Anerkennung und Liebe bei seiner Mutter Elisabeth (Zsófia Gyarmati), die sie ihm nur in wenigen Momenten schenken kann, bevor auch sie wieder in der Gefühlskälte der höfischen Umgebung erstarrt, zugleich aber Colonel Bay Middleton (Jurii Kekalo) gestattet, ihr zur Ablenkung den Hof zu machen. Bereits in der Szene in der Hochzeitsnacht, als Gergő Ármin Balázsi als Kronprinz mit wirrem, glasigen Blick, der Schusswaffe und dem Totenkopf seine junge Gemahlin (Yourim Lee) in Panik und Entsetzen versetzt, blickt man erstmals in die Abgründe seiner seelischen Verzweiflung. Der Prinzipal Dancer im Ungarischen Nationalballett macht in großer Eindringlichkeit seine pochenden Kopfschmerzen und seine psychischen Qualen, die er mit Morphium zu betäuben sucht, spürbar und sichtbar. Man fühlt mit ihm, ist gefangen in seiner Abwärtsspirale an Todessehnsucht und Verzweiflung in steter Verdichtung seiner Emotionen.

Solotänzerin Lili Felméry überzeugt als Mary Vetsera. Mit der nötigen Unschuld lässt sie sich von Gräfin Larisch verleiten, den von ihr in jugendlicher Schwärmerei angehimmelten Kronprinzen kennenzulernen und ihm dann in aller Konsequenz zu folgen und sogar den Tod in Kauf zu nehmen. Als intrigant die Fäden dieser Liaison spinnende Gräfin Larisch fungiert Claudia Garcia Carriera als Katalysator der Ereignisse, will sie dem Kronprinzen doch lieber selbst ein willfähriges Geschöpf zuführen, wenn sie schon ihre eigene Position als Geliebte verlieren soll. Als treuer Diener seines Herrn gefällt András Rónai als Fiaker Bratfisch. Geschmeidig, stets zur Stelle, wie ein vierfacher Schatten, so gestalten die vier ungarischen Offiziere ihren verschwörerischen Part und umgarnen den Kronprinzen: Léo Lecarpentier, Louis Scrivener, Takaaki Okajima und Junnosuke Nakamura. Laura Topolánszky überzeugt als Katharina Schratt, die mit warmen Sopran das Lied am Geburtstag von Franz Josef singt – „Leb wohl, ich muss scheiden“ und damit die dramatischen Geschehnisse gleichsam vorweg nimmt. Das Corps de ballet gefällt mit starkem Einsatz und viel Verve und rundet so das Handlungsgeschehen perfekt ab.

Paul Marsovszky debütierte als Dirigent. Der gebürtige Deutsche, der in Budapest an der Musikakademie Franz Liszt Dirigieren studiert hatte, leitete mit viel Umsicht, Gefühl und Einsatz das Orchester der Ungarischen Staatsoper.

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Bereitschaft zum gemeinsamen Tod mit Mary Vetsera – Gergő Ármin Balázsi mit Lili Felméry.© Péter Rákossy / Hungarian State Opera

Das begeisterte Publikum spendete nicht nur langanhaltenden Beifall für das Ballett, es war auch von der strahlenden Schönheit des Opernhauses fasziniert. Ira Werbowsky

Ira Werbowsky

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 ORF : „kulturMontag“ am 21. März: Deix-Film im Kino, Stones „Wozzeck“ an der Staatsoper, Literatur gegen den Krieg

Danach: neues Porträt „Der Haneke Code“ zum 80. Geburtstag des Ausnahmeregisseurs

Wien (OTS) – Der von Peter Schneeberger moderierte „kulturMontag“ am 21. März 2022 um 22.30 Uhr in ORF 2 präsentiert eine breite Themenpalette: So stellt die Sendung den von Manfred Deix’ Lebenswelt und Figurenkosmos inspirierten Animationsfilm „Rotzbub“ vor, der demnächst in die heimischen Kinos kommt. Weiters steht u. a. ein Premierenbericht über Simon Stones „Wozzeck“-Inszenierung an der Wiener Staatsoper auf dem Programm, ebenso wie eine Reportage aus Leipzig, wo trotz Absage der Buchmesse Autoren und Verleger auf Pop-up-Veranstaltungen die Debattenkultur hochhalten und Solidarität für die Ukraine bekunden. Anschließend sind anlässlich des 80. Geburtstags von Filmemacher Michael Haneke (Details zu ORF-Schwerpunkt unter presse.ORF.at) das neue Porträt „Der Haneke Code“ (23.15 Uhr) und das preisgekrönte Drama „Caché“ (0.10 Uhr) zu sehen.

Ein „Rotzbub“ aus Siegheilkirchen – Manfred Deix auf der großen Leinwand

Keiner konnte die Spezies Österreicher bissiger karikieren als der 2016 verstorbene Manfred Deix, keiner lieferte eine derart schonungslose wie lustige Gesellschaftskritik. Denn Humor war dem 2016 verstorbenen „Beach Boy“ der Zeichner wichtig. Sein Figurenkosmos lernt jetzt in Marcus H. Rosenmüllers Film „Rotzbub“ laufen und erzählt in animierten Bildern ab 24. März in den heimischen Kinos von seinen Wurzeln. Zahlreiche Publikumslieblinge bevölkern mit ihren Stimmen den Filmort Siegheilkirchen: Markus Freistätter, Thomas Stipsits, Adele Neuhauser, Erwin Steinhauer, Katharina Straßer, Ulrike Beimpold, Roland Düringer, Branko Samarovski, Wolfgang Böck, Juergen Maurer, Gerti Drassl, Gregor Seberg, Karl Fischer und Mario Canedo. Zwei Cameos seien noch besonders hervorgehoben: Armin Assinger als Gendarm ist wohl der Glücksgriff des Jahrtausends und „Bilderbuch“-Frontman Maurice Ernst als Einfaltspinsel die Entdeckung des Jahrzehnts. Ein anarchistisches, hundsgemeines Charakterporträt von einem, der humorvoll aufbegehrte.

Misere der Machtlosigkeit – Simon Stones „Wozzeck“ an der Wiener Staatsoper

Der österreichische Komponist Alban Berg nahm 1915 das Dramenfragment „Woyzeck“ von Georg Büchner, damals beinahe ein Jahrhundert alt, als Vorlage für seine Oper „Wozzeck“, die am 21. März als Neuinszenierung von Regie-Berserker Simon Stone an der Wiener Staatsoper Premiere feiert. Die Sozialtragödie behandelt nicht nur Klassenunterschiede, sondern ist auch eine Analyse psychopathologischer Entstellungen eines verzweifelten Menschen, die unter die Haut geht. Simon Stone verlegt seinen „Wozzeck“ in die Gegenwart nach Wien und entwirft das Psychogramm eines Femizids – ein aktuelles Problem in Österreich, denn mehr als 30 Frauenmorde wurden im Vorjahr begangen. „Es gehört bei uns zur schrecklichen Normalität, dass Frauen von gedemütigten, ausgenutzten Männern für deren eigenes Versagen mit ihrem Leben büßen müssen. Daher muss das Stück genau im Jetzt spielen, weil es das Problem jetzt gibt, und es ist für mich keine Frage, dass dieses Werk in Wien spielen wird“, sagt Stone. Der „kulturMontag“ bringt einen Premierenbericht.

Mit Worten gegen den Krieg – Was kann Literatur?

Leipzig, seit mehr als 60 Jahren Partnerstadt Kiews, rechnet mit 12.000 Geflüchteten aus der Ukraine und hat die Messehalle, wo derzeit die coronabedingt abgesagte Buchmesse stattfinden sollte, zur Notunterkunft umfunktioniert. Hier, wo sich dieser Tage sonst Literaturfans tummeln, wollen Autorinnen, Autoren und Verlage trotz Messeabsage auf diversen Pop-up-Veranstaltungen die für Leipzig so bekannte Debattenkultur hochhalten und Solidarität mit der Ukraine bekunden. Aus Österreich, das schon jetzt in Leipzig auf den Gastland-Auftritt 2023 aufmerksam machen will, stammt der diesjährige Leipziger Buchpreisträger für Europäische Verständigung, der Autor und Publizist Karl-Markus Gauß. Neben Friedenskundgebungen lädt der Pen-Club zur Diskussion unter dem Titel „Ukraine, Russland, Belarus im Kampf gegen Putin. Was kann Literatur leisten?“. Mit dabei ist die ukrainische Autorin Marjana Gaponenko, ihr russischer Kollege Michail Schischkin, Volha Hapeyeva aus Belarus und der deutsche Historiker Karl Schlögel. Eine Reportage von der Leipziger Buchmesse, die keine ist.

Dokumentation „Der Haneke Code“ (23.30 Uhr)

Michael Haneke ist ein unbestechlicher Beobachter, der gekonnt und erbarmungslos den Finger auf jede offene Wunde zu legen versteht, ein Meister des schonungslosen, düsteren Blicks auf die Gesellschaft. Mit vielfach preisgekrönten Filmen wie „Funny Games“, „Die Klavierspielerin“, „Das weiße Band“ oder dem Oscar-gekrönten Drama „Amour“ hat Österreichs international erfolgreichster Regisseur Filmgeschichte geschrieben. Sein Erfolgsrezept: Michael Haneke bringt Schattenseiten und verdrängte Gefühle ans Tageslicht und stellt den Menschen so dar, wie er nun einmal ist: fehlerhaft, verletzlich und seinen Emotionen ausgeliefert; gefangen in einer Realität, die ihn überfordert. Hanekes Blick ist klar und unsentimental und doch dem Menschen nah; sein Publikum nimmt er ernst und provoziert es stets bis zur Überforderung.

Aufgewachsen in einer österreichisch-deutschen Künstlerfamilie, lernte Michael Haneke sehr früh das Theater und vor allem die Musik kennen und lieben. Angestrebte Karrieren als Musiker und Schauspieler wurden nicht verwirklicht – Haneke wendete sich dem Film zu. Zu Beginn waren es TV-Produktionen, mit seinem Kinofilm „Der siebente Kontinent“ gelang ihm der Durchbruch bei den Filmfestspielen in Cannes – eine internationale Erfolgsgeschichte, die bis heute andauert. Filmhistoriker Alexander Horwath, Autor Philippe Rouyer und Schauspielerin Isabelle Huppert sprechen im Film von Marie-Ève de Grave u. a. über ihre Erfahrungen mit dem Ausnahmeregisseur. Als kompromissloser Künstler zieht er es vor, seine Arbeit für sich selbst sprechen zu lassen. Sein Werk ist enthüllend, humanistisch und zugleich von Düsterkeit und Anmut geprägt.
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