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INFOS DES TAGES (MONTAG, 2. SEPTEMBER 2019)

02.09.2019 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (MONTAG, 2. SEPTEMBER 2019)

BERLIN: ES GEHT WIEDER LOS – MIT DEN URLAUBERN

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NEU IN UNSEREN KRITIKEN:

BERLIN/ Musikfest/ Philharmonie: BENVENUTO CELLINI von Hector Berlioz – halbszenisch unter Sir Eliot Gardiner (31.8.)


Gefeierte Interpreten nach „Benvenuto Cellini, dirigiert von John Eliot Gardiner. Foto: Adam Janisch

Zum Bericht von Ursula Wiegand

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München: Oper Incognita: „Aida“, 31.8.2019 – Super-Breitwandkino in der Ägyptischen Sammlung München

Das freie Opernensemble Opera Incognita ist bekannt für die Aufführung von meist unbekannten Opern an außergewöhnlichen Orten. So gab es in den vergangen Jahren beispielsweise „Stiffelio“ von Verdi im Arri-Filmstudio, Wagners „Rienzi“ in einem Hörsaal an der Ludwigs-Maximilian-Universität und letztes Jahr die Verzahnung von Purcells „Dido und Aeneas“ und Brittens „The Rape of Lucretia“ im Müllerschen Volksbad, einem Jugendstil-Schwimmbad.

Nun ist also „Aida“ dran, eine nicht so ganz unbekannte Oper, die aber im Ägyptischen Museum in München zur Aufführung kommt.

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Enden als Ausstellungsstücke: Aida und Radames in der Schlussszene © Opera Incognita

Zum Bericht von Susanne Kittel-May

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BERN/ Konzert Theater: Georges Bizet: CARMEN.  Wiederaufnahme: 30.08.2019

Die Blume ist ein Handschuh

 «Carmen» gehört zu den populärsten Opern überhaupt und so wird Bizets Opus ultimum als Erfolgsproduktion der Saison 2017/2018 nun von Konzert Theater Bern zur Eröffnung der neuen Saison wiederaufgenommen.

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In der Wiederaufnahme ist nun praktisch zu erleben, warum das so ist. Mario Venzago dirigiert ein hervorragend disponiertes Berner Symphonieorchester: im Graben glühen die Leidenschaften und auch wenn mit der grossen Kelle angerichtet wird, ist der Klang nie breiig. Mit klug gewählten Tempi gelingt es Venzago die Spannung vom Anfang bis zum Ende aufrechtzuerhalten und die Farben der Partitur zum Leuchten zu bringen…

Zum Bericht von Jan Krobot
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BADEN/ Sommerarena: ZIGEUNERLIEBE von Franz Lehàr. Derniere am 31.8.


Star des Abends war der in China geborene Vincent Schirrmacher in der Rolle des „Zigeunergeigers“ (Foto: Christian Husar)

Mit einer musikalischen Rarität wartete die Bühne Baden in der ausverkauften Sommerarena auf: „Zigeunerliebe“ von Franz Lehár. Sie wurde damit neuerlich ihrem Ruf als führende Operettenstadt gerecht…

Zum Bericht von Udo Pacolt
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Hombrechtikon/ Schweiz: DER BETTELSTUDENT von Carl Millöcker. Premiere am 31.8.

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«Kasimir, wie der Reis»?

Wie schon in den vergangenen Jahren vermag die Operette Hombrechtikon (https://www.operettehombrechtikon.ch/) auch dieses Jahr wieder mit Spielfreude, Leidenschaft und Qualität zu überzeugen.

Zum Bericht von Jan Krobot

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ORF „kulturMontag“ am 2. September: Filmfestspiele von Venedig, 40 Jahre Ars Electronica und das neue Album von „Wanda“

Danach: Anlässlich des 100. Geburtstags – Dokumentation „Maria Lassnig: Es ist die Kunst, jaja…“ =

Wien (OTS) – Der „kulturMontag“, präsentiert von Clarissa Stadler, beschäftigt sich am 2. September 2019 um 22.30 Uhr in ORF 2 mit dem Programm der 76. Filmfestspiele von Venedig, das im Vorfeld bereits heftige Kritik auslöste. Außerdem feiert die Ars Electronica, das Festival für Kunst, Technologie und Gesellschaft in Linz, den bereits 40. Geburtstag. „Out of the Box – die Midlife-Crisis der Digitalen Revolution“ nennt sich das diesjährige Thema. Zudem sprach das Kulturmagazin mit der Band „Wanda“ über ihr viertes Studioalbum „Ciao“, Erfolgsdruck und Kritik. Anschließend an das Magazin steht anlässlich des 100. Geburtstags von Maria Lassnig (8. September) die Doku „Maria Lassnig: Es ist die Kunst, jaja…“ (23.20 Uhr) auf dem Programm.

Umstrittenes Programm – 76. Filmfestspiele von Venedig

Die Filmfestspiele von Venedig gehen in die 76. Runde. Festivaldirektor Alberto Barbera zeigt auch dieses Mal hochkarätiges Kino aus aller Welt. 21 Filme, darunter das Weltraumdrama „Ad Astra“ mit Brad Pitt oder „Joker“ von Todd Phillips, hat er für den renommierten Wettbewerb am Lido ausgesucht. Bereits im Vorfeld war Barbera jedoch mit heftiger Kritik konfrontiert, da nur zwei der 21 Wettbewerbsfilme von Regisseurinnen stammen. Heftig umstritten ist auch die Einladung von Roman Polanski und Nate Parker, da beiden Regisseuren Vergewaltigung vorgeworfen wird. Regisseurin und Drehbuchautorin Lucrecia Martel aus Argentinien übernimmt in diesem Jahr den Jury-Vorsitz. Pedro Almodóvar und Julie Andrews erhalten den begehrten Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk.

Leuchtendes Wahrzeichen – 40 Jahre Ars Electronica

Am 18. September 1979 schwebte die erste Klangwolke über Linz. Kurz darauf wurden der Prix Ars Electronica und das dazugehörige Museum ins Leben gerufen. Unter dem Thema „Out of the Box – die Midlife-Crisis der Digitalen Revolution“ findet das Festival für Kunst, Technologie und Gesellschaft nun zum 40. Mal statt. Von 5. bis 9. September soll an verschiedenen Standorten in Linz kritisch in die Vergangenheit und optimistisch in die Zukunft geblickt werden.

Frische Platte – Wanda legen mit „Ciao!“ ihr viertes Studioalbum vor

Vor fünf Jahren haben sie die österreichische Musikszene auf den Kopf gestellt: die Band Wanda. Die fünf Wiener gehören mit brauner Lederjacke, Italo-Kitsch und Amore zu den erfolgreichsten österreichischen Musikexporten. „Die vielleicht letzte wichtige Rock-’n’-Roll-Band unserer Generation“, nannte der „Musikexpress“ die Wiener Formation. Für den Kulturmontag haben sich Wanda im Böhmischen Prater eingefunden und über Erfolgsdruck, Kritik und das neue Album „Ciao!“ gesprochen.

Doku anlässlich des 100. Geburtstags: „Maria Lassnig: Es ist die Kunst, jaja…“ (23.20 Uhr):

Maria Lassnig gilt nicht nur als eine der wichtigsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts, sondern war auch als Grand Dame und Revolutionärin bekannt. Am 8. September jährt sich der Geburtstag des „Kunst-Weltstars“ zum 100. Mal. Zu diesem Anlass zeigt der ORF-„kulturMontag“ Sepp Dreissingers Video-Langzeitbeobachtung der beeindruckende Künstlerin. Der Fotograf, Filmemacher und Autor stand mit Maria Lassnig jahrzehntelang in engem Kontakt. Gemeinsam mit Heike Schäfer erarbeitete er in dieser Dokumentation ein umfassendes Porträt der in Kärnten geborenen Künstlerin.
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BAYREUTH/Studiobühne Bayreuth: „LEUBALD“ – ein Jugendwerk von Richard Wagner

BAYREUTH/Studiobühne  11.8.2019

 Ein derbes Spektakel!

 Nach dem erfolgreichen „Heda, Heda, Hedo“ aus dem vergangenen Jahr (Merker 09/2018) brachte Uwe Hoppe, der Leiter der Studiobühne Bayreuth, diesmal das von ihm vor 30 Jahren uraufgeführte Jugendwerk Richard Wagners, das Trauerspiel „Leubald“ in einer Neuinszenierung von 2013 wieder heraus. Schon des Öfteren sorgte Hoppe mit seinen Stücken auf der Studiobühne Bayreuth in der Innenstadt auf dem Hoftheater im Steingräber-Palais, in dem die weltbekannte Klaviermanufaktur Steingräber & Söhne beheimatet ist, mit interessanten, durchaus kontroversen, stets aber humoristischen Vorstellungen für Unterhaltung, weitab des Grünen Hügels. „Leubald“ war nun etwas weniger humoristisch als „Heda, Heda, Hedo!“, aber in der Tat unterhaltend, durchgespielt in 90 Minuten.

 Richard Wagner hatte sich als Schüler mit dem Stück auf der Basis seiner Lektüre von Shakespeare und dem frühen Goethe befasst und schloss es 1828 mit nur 15 Jahren ab. Der Familie erschien es nicht zuletzt wegen der vielen Toten als zu wirr. Dennoch hat die Studiobühne unter Hoppe und mit ihm als Schauspieler daraus etwas sehr Interessantes gemacht. Man erkennt hier und da durchaus schon den späteren Komponisten des Wagnerschen Gesamtkunstwerks. Das Stück galt lange als verschollen, erst 1978 konnte das Original von der Richard-Wagner-Stiftung in London erstanden werden.

 Die Studiobühne hat in Bayreuth „Leubald“ in Form eines Melodramas in Szene gesetzt, d.h. zum gesprochenen Wort kommt eine erklärende Begleitmusik. Das musikalische Material ist dabei natürlich den Werken Richard Wagners entnommen. Man wollte dabei nach Möglichkeit Entsprechuchungen von szenischen Konstellationen Rechnung tragen. Das war natürlich nicht durchgehend möglich, so dass musikalische Stellen auftauchen, die vor allem Stimmungen transportieren, welche sich wiederum aus der szenischen Realisierung ergeben. So kann es sein, dass der Matrosenchor aus dem „Fliegenden Holländer“ zu einer Zechszene in einer Kneipe erklingt, die Klingsor-Musik aus dem „Parsifal“ zu einer Hexenhöhle oder der Racheschwur aus der „Götterdämmerung“, wenn Leubald Rache schwört. Mit Hans Martin Gräbner perfekt am Flügel wurde das also für den Kenner der Wagnerschen Musik und Leitmotive eine gewisse Gaudi, wenngleich das Stück bisweilen recht grob wirkt und einige Szenen zu für meine Begriffe zu sehr mit unartikuliertem Gegröle und Röhren auffallen. In jedem Falle ist aber immer viel los, und Entwicklungen laufen in großer Schnelle ab, sodass es nie langweilig wird. Von den über 30 Toten, die es bei Wagner gegeben haben soll, ist aber GsD nichts zu sehen…


Jürgen Skambraks (Leubald). Foto: Klaus Billand


Annette Zeus (Adelaide). Foto: Klaus Billand

 Jürgen Skambraks spielt den energischen und draufgängerischen Leubald, Sohn des von Roderich vergifteten Siegmer, aber mit dem Hause Roderich wegen dessen Tochter Adelaide sehr verbunden. Er stirbt am Wahnsinn und an einer von Bärting zugefügten Wunde sowie am Liebestod mit Adelaide. Annette Zeus ist Adelaide, Tochter Roderichs. Sie ist kurz mit Leubald glücklich vereint und wird von ihm im Liebestod erstochen. Lukas Stühle ist Flamming, ein Landstreicher, der sich ein Leben lang an Leubald für einen Fußtritt rächen will, aber von einer Hexe neutralisiert wird. Sascha Retzlaff gibt den Bärting, einen Raubgrafen, Bösewicht und Raubritter. Er raubt zwar Adelaide, wird aber bei Vergewaltigungsversuchen von Leubald erschlagen. Uwe Hoppe mimt den Roderich, Graf und Ritter, Giftmörder an Siegmer, Leubalds Vater und wird schließlich von Leubald erschlagen. Johanna Rösch spielt das Gundchen, Zofe der Adelaide und sinkt zum Schluss auf den Leichen der beiden Liebenden zusammen. Charis Hager ist die tausendjährige Hexe, und so sieht sie auch aus, ledig, Beherrscherin von Geistern und wird wegen einer „Alterskrise“ von Todesahnungen geplagt. Sie belegt Flamming mit einem Bann und wird ebenfalls von Leubald erschlagen. Finn Leible ist Siegmers Geist, klassisch unter einem Betttuch wie ein Gespenst, und geht zum Schluss in die ewige Ruhe ein, nachdem das Geschlecht Roderich ausgelöscht wurde. Anja Kraus ist der kleine Geist.


Uwe Hoppe (Roderich), Jürgen Skambraks (Leubald). Foto: Klaus Billand

 Ein derbes Spektakel also, in dem alle Genannten eindrucksvolle schauspielerische Qualitäten zeigten. Man darf gespannt sein auf das kommende Jahr bei Herrn Hoppe von der Studiobühne Bayreuth!                                                                                      

Klaus Billand
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