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INFOS DES TAGES (MONTAG, 1. OKTOBER 2018)

01.10.2018 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (MONTAG, 1. OKTOBER 2018)

NEU EINGELANGTE KRITIKEN

BERLIN/ Komische Oper: DIE TOTE STADT. Premiere am 30.9.2018


Sara Jakubiak, Ales Briscain. Copyright: Iko Freese/drama-berlin.de

Tolle Besetzung, lautes Orchester, belanglose Regie

Zum Premierenbericht von Dr. Ingobert Waltenberger

GRAZ: CAVALLERIA RUSTICANA/ PAGLIACCI. Premiere am 29.9.2018

Der Thespiskarren Canios Foto Photowerk

Die von vielen als Pseudokunstform bezeichnete Opernregie ist dabei, den obersten Rang im Opernalltag zu erobern und fix einzunehmen. Hatten dereinst die Komponisten selbst solche Manipulationen zum Besten des Stückes vorgenommen, so geht diese Täterschaft derzeit voll in Richtung außermusikalischen Gestaltungsdranges der Regisseure…

Zum Premierenbericht von Peter Skorepa

Die Oper Graz lockt mit mit einer Umsetzung, in welcher der Spielvogt Autorenschaft beansprucht: Lorenzo Fioroni läßt Cavalleria rusticana in einem dunklen, häßlichen Einheitsbühnenbild spielen. Und: Er beschäftigt einen Clown. Clown Geronimo. (Als Bindeglied zu den Pagliacci.) Fioroni läßt Clown Geronimo vor und während des Preludio über die bereits offene Bühne stolpern, an Blumen riechen…
Diese Produktion: »Regietheater« vom feinsten…

Zum Premierenbericht von Thomas Prochazka/ www.dermerker.com

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PARIS: LES HUGUENOTS von Giacomo Meyerbeer. Premiere am 28.9.2018

Lisette Oropesa. Copyright: Agathe Poupenay

Zum Premierenbericht  von Waldemar Kamer

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STUTTGART: DER FREISCHÜTZ. Wiederaufnahme am 28.9.2018


Daniel Behle. Copyright: Julian Laidig

Zum Bericht von Dietmar Plattner

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HAGEN: SIMON BOCCANEGRA. Premiere am 29.9.2018

Bildergebnis für hagen simon boccanegra

Zum Bericht von Christoph Zimmermann

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WIEN / Staatsoper: DON PASQUALE am 29.9.2018

Zum Bericht von Elena Habermann

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STUTTGART: PREMIERE „LOHENGRIN“ am 29.9.2018. Einige Fotos:

Inszenierung: Arpad Schilling

Zum Premierenbericht von Udo Klebes

Zum Premierenbericht von Alexander Walther


Michael König (Lohengrin), Simone Schneider (Elsa), Goran Juric (König Heinrich), Martin Gantner (Telramund).  Copyright: Matthias Baus


Gleichwertiges Paar: Michael König (Lohengrin), Simone Schneider (Elsa). Copyright: Matthias Baus


Imposante Ortud (Okka von der Damerau) und schwächlicher Telramund (Martin Gantner. Copyright: Mathias Baus/ Oper Stuttgart


Michael König (Lohengrin), Simone Schneider (Elsa). Copyright: Matthias Baus


Schluss-Szene: Elsa muss sich mit dem Messer wehren. Copyright: Matthias Baus
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WIEN/ Ronacher: „BODYGUARD“ – FOTOS VOM ROTEN TEPPICH UND VON DER PREMIERENFEIER

Fotos: Dipl. Ing. Dr. Andreas Haunold (wird morgen fortgesetzt)


Das Ensemble. Copyright: DI. Dr. Andreas Haunold


Immer dabei: Prof. (!) Birgit Sarata. Copyright: DI. Dr. Andreas Haunold


Nora Frey (die Dame neben ihr kenne ich als „Nicht Seitenblicker“ leider nicht). Copyright: DI. Dr. Andreas Haunold


Waltraud Haas. Copyright: DI. Dr. Andreas Haunold


Auch ohne ihn geht in Wien kein Event über die Bühne: Alfons Haider, Copyright: DI. Dr. Andreas Haunold

Morgen veröffentliche ich dann weitere Promi-Fotos. Leider kenne ich die wenigsten von den Abgelichteten. Vielleicht können wir dann ein lustiges Raten veranstalten. Wer nicht erkannt wird, ist eben kein Promi. Ich bin bei der Identifizierung natürlich kein Massstab, ich meide diese „Szene“

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HEUTE BEIM ONLINE-MERKER: EINE JUNGE SÄNGERIN AUS DEM MARIINSKY-THEATER ST. PETERSBURG

Eintritt frei, zu Getränken sind Sie eingeladen!

Bei dieser Gelegenheit können Sie die Austellungen besichtigen (genau genommen sind es ja sogar drei, wenn man „Pohl-Museum“ miteinbezieht)

VIDEOS

 

VIDEO Kurennaya mit Valery Gergiev  Rodion Shchedrin – Tanja – Katja (Romance in Folk Style). The Mariinsky Orchestra conducted by Valery Gergiev 

VIDEO  Verikovsky. Pannochka’s aria from the opera „Viy“

VIDEO 1 Gustave Charpentier. Luoise’s aria from ­the opera „Louise“

Die neue Eingangstüre können Sie auch erstmals benützen und bestaunen (ein Mäzen hat dafür 18 000 Euro bezahlt)

 

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WIEN: Weltstar-Ballett-Gala am 13. und 14. Oktober im Volkstheater in Wien, Beginn jeweils 19.00 Uhr.

Sichern Sie sich Ihre Tickets! Wer sich für klassisches Ballett begeistert und für zeitgenössischen Tanz interessiert, hat hier die Gelegenheit, diese edle Kunst an zwei Abenden zu genießen. 

Auf der Bühne erleben Sie Stars von den bedeutendsten Compagnien Europas wie dem Berliner Staatsballett, dem Bolshoi Ballett Moskau, dem Holländischen Nationalballett, dem Ballett der Pariser Oper, dem Royal Ballet, dem Ungarischen Nationalballett und  dem Wiener Staatsballett.

Zu sehen sind u.a. Iana Salenko, Anna Turazashvili, Dorothée Gilbert, Dinu Tamazlacaru, István Simon, Denis Savin, Reece Clarke, Young Gyu Choi sowie Olga Esina, Liudmila Konovalova, Kyoka Hashimoto, Eno Peci und Jakob Feyferlik.

Gezeigt wird exquisiter Tanz – im Galaprogramm finden sich Auszüge aus den beliebtesten klassischen Werken aber auch zeitgenössische Piecen. Als Uraufführung wird die neueste Choreografie von Eno Peci zu sehen sein. Produktionsleiter ist Kirill Kourlaev; die künstlerische Leitung hat Olga Esina. 

Karten-Vorverkauf:

über culturall: https://www.culturall.com/ticket/tcult/performance_schedule.mc?type=organizers&organizer=2814534 oder direkt im Volkstheater an der Tageskassa bzw. im webshop: https://shop.jetticket.net/volkstheater/Events.aspx?msg=0&ret=9

 

STUTTGART: Wo ist Anfang?

Der neue Generalmusikdirektor Cornelius Meister dirigiert das 1. Sinfoniekonzert des Staatsorchesters Stuttgart mit Werken von Cage, Haydn und Mahler

Konzerte am Sonntag, 07. Oktober 2018, um 11 Uhr und am Montag, 08. Oktober 2018, um 19:30 Uhr im Beethovensaal der Liederhalle

Die Musikerinnen und Musiker des Staatsorchesters Stuttgart und der neue Generalmusikdirektor Cornelius Meister eröffnen die Sinfoniekonzert-Reihe der Spielzeit 2018/19 am Sonntag, 07. Oktober, um 11 Uhr und am Montag, 08. Oktober 2018, um 19.30 Uhr im Beethovensaal der Liederhalle mit Werken von John Cage, Joseph Haydn und Gustav Mahler.

Bevor in Haydns Sinfonie Nr. 6 „Le matin“ über einer neuen Konzertsaison die Sonne aufgeht, steht eine Grundsatzfrage der Musikgeschichte im Raum: Was ist überhaupt Musik? Cage gibt mit 4’33’’ eine großzügige, aber radikale Antwort: alles, was sich an Klang und Geräusch in einem gegebenen Zeitraum ereignet. Für Skeptiker hält er einen Notausgang bereit: „You don’t have to call it music, if the term shocks you!”

Ob es sich hier noch um Musik im herkömmlichen Sinne handelt, fragten sich auch viele Zeitgenossen Mahlers, der in seiner 7. Sinfonie die Sonne über einer alten Welt untergehen lässt, sich dabei zwischen Ironie und bitterer Wehmut bewegt und immer wieder an die Grenzen der Tonalität stößt.

Im Anschluss an das Konzert findet ein Empfang mit dem Publikum im Beisein von Generalmusikdirektor Cornelius Meister, Intendant Viktor Schoner und einigen Musikerinnen und Musikern des Staatsorchesters im Foyer der Liederhalle statt.

Programm

John Cage 4’33”
Joseph Haydn Sinfonie Nr. 6 „Le matin“
Gustav Mahler Sinfonie Nr. 7 e-Moll

Musikalische Leitung Cornelius Meister

Karten: Telefonisch und per E-Mail

+49 711 20 20 90

tickets@staatstheater-stuttgart.de

Montag bis Freitag 10 bis 20 Uhr, Samstag 10 bis 18 Uhr

An der Theaterkasse Königstraße 1D (Theaterpassage), 70173 Stuttgart
Montag bis Freitag 10 bis 19 Uhr, Samstag 10 bis 14 Uhr
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 ORF : „kulturMontag“: Bruegel-Schau, Andreas Vitáseks „Austrophobia“ und Florian Henckel von Donnersmarck im Interview

Am 1. Oktober ab 22.30 Uhr in ORF 2; danach: neues Helnwein-Porträt zum 70. Geburtstag des Künstlers =

Clarissa Stadler führt am 1. Oktober 2018 ab 22.30 Uhr in ORF 2 durch einen „kulturMontag“, der diesmal die neue Bruegel-Schau im KHM, Andreas Vitáseks neues Programm „Austrophobia“ und die Premiere von „Werk ohne Autor“ – Florian Henckel von Donnersmarcks jüngstem Film – in den Mittelpunkt rückt. Zum 70. Geburtstag von Gottfried Helnwein zeigt der „kulturMontag“ um 23.30 Uhr das neue Filmporträt „Kunst als Waffe – Die Welt des Gottfried Helnwein“: ORF-Regisseurin Claudia Teissig besuchte den Kunststar auf seinem Anwesen und gestaltete einen facettenreichen Film über dessen Leben und Werk.

Monster & Dämonen: Die sensationelle Bruegel-Schau im KHM

Sabine Haag ist mit der weltweit ersten monografischen Schau über Pieter Bruegel d. Älteren ein Sensations-Coup gelungen: Zum 450. Todestag des „Virtuosen des Alltäglichen“ sind im Kunsthistorischen Museum in Wien Gemälde-Leihgaben aus aller Welt ausgestellt. Mit scharfsinnigem Blick und jeder Menge Spott begegnete der Maler den menschlichen Schwächen und Abgründen. Eines seiner berühmtesten Gemälde ist der „Turmbau zu Babel“. Sechs Jahre hat Sabine Haag mit ihrem Kuratorenteam an der Schau der Superlative gearbeitet. Normalerweise haben die fragilen Originale aus Antwerpen, Brüssel und New York strengstes Reiseverbot. Die Schweizer Nachbarn haben dafür sogar eigens ein Gesetz geändert. Dahinter steckt ein groß angelegtes internationales Forschungsprojekt, denn auch 450 Jahre nach Bruegels Tod versuchen Expertinnen und Experten die grotesken Inhalte zu enträtseln.

Kunst & Leben: „Werk ohne Autor“ auf Oscar-Kurs

Für „Werk ohne Autor“ ließ sich Oscarpreisträger Florian Henckel von Donnersmarck von der Biografie des gefeierten Malers Gerhard Richter inspirieren. Der 45-jährige Regisseur erzählt darin von einem Künstler namens Kurt Barnert, der während der NS-Zeit aufwächst, in der DDR erste Erfolge feiert, dann aber in den Westen flüchtet. Dort versucht er in Düsseldorf Fuß zu fassen, wird aber von den traumatischen Erlebnissen seiner Vergangenheit verfolgt. Zentrale Figur ist dabei der Vater seiner späteren Ehefrau, der während des Zweiten Weltkrieges mit den Nationalsozialisten zusammen gearbeitet hat. Donnersmarck thematisiert die Schrecken des Krieges und die Ermordung behinderter Menschen durch die Nationalsozialisten, zeichnet die Unterdrückung im SED-Regime nach und porträtiert nebenbei auch die Künstlerszene der noch jungen Bundesrepublik. Der deutsche Schauspieler Tom Schilling spielt den Maler, die erst 23-jährige Paula Beer seine Frau und Sebastian Koch den Vater, der nach seiner dunklen NS-Vergangenheit die Beziehung seiner Tochter manipulieren will. Florian Henckel von Donnersmarck, der mittlerweile in Los Angeles lebt, kommt zur Premiere seines neuen Films nach Wien und gewährt dem „kulturMontag“ ein ausführliches Gespräch.

Heimat & Fremde: Andreas Vitáseks „Austrophobia“

Andreas Vitasek ist seit 37 Jahren auf allen Kabarettbühnen des Landes zu Hause und wurde 2014 mit dem Österreichischen Kabarettpreis geadelt. Spannung und eine blitzgescheite Auseinandersetzung mit dem Heimatbegriff und dem Fremdsein, mit begründeten und unbegründeten Ängsten, verspricht sein neuer Kabarett-Abend. In seinem 20. Programm unternimmt der Publikumsliebling den Versuch einer Selbstheilung vom bipolaren Verhältnis des geborenen Österreichers zu seinem Mutterland. Als Schlüsselkind der ersten Generation der Nachkriegszeit sucht Vitásek nach den Gründen seiner ambivalenten Beziehung.

„Kunst als Waffe – Die Welt des Gottfried Helnwein“ (23.30 Uhr, ORF 2)

Er ist der Ritter der Freiheit und Unabhängigkeit, seine Rüstung sind das Stirnband, die dunkle Sonnenbrille und mystische Totenkopfringe, seine Waffe ist die Kunst. Sein atemberaubendes Schloss steht mitten im sagenumwobenen Irland. Gottfried Helnwein, Österreichs Schockmaler von internationalem Format, ist ein Mahner in unserer Gesellschaft, ein scharfer Beobachter einer Welt voller Ungerechtigkeit. Anlässlich seines 70. Geburtstages am 8. Oktober besuchte ORF-Regisseurin Claudia Teissig den Kunststar auf seinem Anwesen und gestaltete einen facettenreichen Film über dessen Leben und Werk.

Mehr zum Inhalt:

Was er sieht, ist was wir nicht sehen wollen, was er erkennt, ist was wir verdrängen wollen. Seit mehr als 50 Jahren kämpft Gottfried Helnwein unermüdlich mit seinen Bildern, Installationen und Fotografien gegen Verdrängung, das Verschweigen und gegen Unterdrückung. Im Zentrum seiner subtilen Bilderwelten steht das unschuldige Kind, gequälte, bandagierte, verletzte Seelen als Symbol für eine Welt voller Gewalt und Missbrauch.

Vor mittlerweile 20 Jahren hat sich der Sohn eines „erzkatholischen“ Wiener Postbeamten, im „erzroten“ Favoriten geboren, im Süden der grünen Insel angesiedelt. Gottfried Helnwein ist ein Künstler von barocker Natur. Der vierfache Vater und Großvater lebt mit einem Großteil seiner Familie unter einem Dach, mit seiner Frau Renate, zwei seiner Kinder, drei Enkelkindern, sowie fünf Hunden und – wie kann es anders sein – mit jeder Menge Enten. Kein Wunder, denn Helnwein ist ausgewiesener „Barksist“, verehrt er doch Carl Barks, den geistigen Vater der Familie Duck, seit seinem vierten Lebensjahr. Sein Held ist der ewige Verlierer-Typ Donald, den er auf unzähligen Bildern verewigt hat. Allerdings in der für Helnwein so typisch subtilen wie grotesken Art.

Auf Schloss Gurteen in der Grafschaft Tipperary, einem weitläufigen Anwesen aus dem Jahr 1866, das der elisabethanischen Architektur nachempfunden ist, findet der gebürtige Wiener Inspiration und Ruhe für seine Kunst. Die Kapelle des einstigen Schlossbesitzers Edmond de la Poer, der Haus- und Hofmeister von Papst Pius. IX war, hat der Künstler eigenhändig zum Atelier umgestaltet und ausgebaut.

Nicht aus ästhetischen, sondern aus humanistischen Motiven sei er Künstler geworden, sagt Gottfried Helnwein. Schon als Kind interessierte er sich für Berichte über die Kriegsverbrecherprozesse, war und ist besessen von dieser Geschichte der Grausamkeit und Intoleranz. Er versteht sich als durch und durch politischen Künstler, beobachtet das politische Weltgeschehen akribisch und setzt sich mit seiner Arbeit zur Wehr. Ob mit dem finsteren Kapitel des Nationalsozialismus oder ganz aktuellen Massakern an Schulen – mit Bleistift und Feder, Spraydose und Pinsel rückt Helnwein einer saturierten Gesellschaft auf die Pelle, will sie für den alltäglichen Horror sensibilisieren. In Österreich sorgte er zuletzt mit seiner 4.000 Quadratmeter großen, aufrüttelnden Kunstinstallation „I saw this“ am Wiener Ringturm als Mahnmal gegen Krieg und Terror für Aufsehen. Trotz internationalem Erfolg sieht sich Helnwein in der Rolle des Außenseiters im Kunstbetrieb und fühlt sich darin „pudelwohl“.

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MÜNCHEN: Interview mit Dr. Meret Forster, Künstlerische Leiterin des 67. Internationalen Musikwettbewerbs der ARD im September 2018

Dr. Klaus Billand sprach mit Dr. Meret Forster im September 2018)


Dr. Meret Forster. Copyright: BR-Bildmanagement

Anlässlich der 67. Ausgabe des Internationalen Musikwettbewerbs der ARD, der in diesem Jahr auch das Fach Gesang beinhaltete, führte ich mit der Künstlerischen Leiterin Dr. Meret Forster ein Interview über den Wettbewerb, mit Schwerpunkt auf dem Fach Gesang. Sie teilt sich die künstlerische Leitung mit Oswald Beaujean.  

 

  1. Welche Rolle spielt der Wettbewerb im internationalen Kontext der Gesangswettbewerbe?

 

Der ARD-Musikwettbewerb wurde schon nach dem 2. Weltkrieg durch seine historische Entwicklung bedeutsam. Das Fach Gesang war von Anfang an dabei als eine der populärsten Kategorien. Zu Beginn griff noch nicht das Dreijahres-Intervall. Der Wettbewerb hatte in Bezug auf seine internationale Bedeutung schon bald das Glück, Wegbereiter für bedeutende internationale Sängerkarrieren zu werden. So wurde Jessye Norman 1968 durch ihren Wettbewerbserfolg international bekannt, Ivan Rebroff schon im Jahre 1960, Robert Holl 1972, Anne Sofie von Otter 1982 und Thomas Quasthoff 1988. Seine internationale Bedeutung zeigt der Wettbewerb, und zwar in allen Sparten, auch durch den steigenden Teilnehmeranteil aus Asien, sowohl in quantitativer wie in qualitativer Hinsicht. Insbesondere aus Südkorea kamen viele Bewerbungen, was vermutlich der dortigen intensiven und breiten musikalischen Ausbildung zuzuschreiben ist. Dieses Jahr liegt der Ausländeranteil bei 87 Prozent, letztes Jahr waren es gar 90 Prozent. Der ARD-Musikwettbewerb – auch im Fach Gesang – hat also eine nach wie vor weit über Deutschland und Zentraleuropa hinausgehende Bedeutung. In diesem Jahr wurden 80 Sängerinnen und Sänger zugelassen. Nach München kamen dann 61 Teilnehmer, von denen letztlich zwei oder drei noch kurzfristig absagen mussten.

 

  1. Wie funktioniert die Auswahl der TeilnehmerInnen?

 

Jeder, der in die ausgeschriebenen Alterskategorien fällt, kann sich mit Audioaufnahmen bewerben. Eine dreiköpfige Vorjury – darunter waren in diesem Jahr Dame Ann Murray und Michael Nagy als Vertreter der Hauptjury -, hört sich diese anonymisierten Aufnahmen an. Vorher wird die Tonqualität von Technikern so weit wie möglich angepasst.

 

  1. Wie steht es mit der Rolle des künstlerischen Ausdrucks angesichts dieser Art der Einsendungen?

 

Wir überlegen aktuell, ob und wie man von reinen Audio-Aufnahmen bei der Bewerbung auf Bewegtbild-Formate umstellen kann. Das geht natürlich auf Kosten der Anonymität. Videos werden dann für alle Sparten des Wettbewerbs gelten. Allerdings erfordert das die Festlegung eines gewisses Settings, welches vorgegeben werden muss, um unterschiedliche visuelle Aufnahmen möglichst vergleichbar bewerten zu können. Eine Live-Aufnahme von einer Aufführung kann beispielsweise ganz anders wirken als eine Studioaufnahme und somit nicht ohne weiteres vergleichbar sein. Im Wettbewerb gilt es dann, technische Fertigkeiten, Bühnenpräsenz und künstlerischen Ausdruck zusammenzubringen. Dame Ann Murray, unsere Juryvorsitzende in diesem Jahr, hat immer wieder unterstrichen, dass die Persönlichkeit, die vorn neben dem Flügel auf der Bühne steht, eine Geschichte erzählen muss. Dabei ist es für die Jury wichtig zu beurteilen, wie das im Zusammenspiel von stimmlichem Material, technischer Qualifizierung, Bühnenpräsenz und der Vermittlung eben dieser Geschichte zu erleben ist. In der richtigen Beurteilung des Zusammenspiels dieser Kriterien zeigt sich schließlich auch die Kunst der immer wieder neu zusammengestellten Jury. (Der nächste Wettbewerb im Fach Gesang ist für 2021 geplant).

 

  1. Nach welchen Kriterien wird die Jury ausgewählt?

 

Wir legen Wert darauf, dass ein Großteil der Jury von Künstlern besetzt ist, die nach wie vor auf der Bühne stehen, bzw. sängerisch aktiv sind. Die Jury-Mitglieder müssen „diesen Bühnenmoment“ kennen, in dem es heißt, alles zu geben und sich zu beweisen. Hinzu kommen Internationalität, die Repräsentanz verschiedener Stimmfächer und auch generationelle Unterschiede. Nach diesen Kriterien wurde auch die diesjährige Jury zusammengesetzt. Es war also kein Kritiker oder Intendant dabei. Der ARD-Musikwettbewerb versteht sich nicht als Nachwuchswettbewerb. Das Mitbringen gewisser technischer Fähigkeiten ist für den Wettbewerb conditio.

 

  1. Gibt es eine Richtschnur bei der Auswahl der Titel?

 

Mozart muss einmal von allen im 1. Durchgang gesungen werden. Die Ausschreibung ist gerade beim Fach Gesang aber recht frei. Im 1. Durchgang sind es zwei Stücke freier Wahl, wobei es erstens eine Arie oder ein Lied von Mozart und zweitens eine Opern- oder Oratorienarie aus der Romantik zu sein hat. Im 2. Durchgang sind zwei Lieder gewünscht, davon eines aus dem 20. Jahrhundert und eines von Franz Schubert, der also immer dabei ist. Das Auswahlrepertoire ist aber so aufgestellt, dass sich alle Stimmfächer wiederfinden und auch dramatischen Stimmen bis zur eher lyrischen, kleinen Stimme Raum geboten wird. Jeder Sänger hat also eine große Repertoire-Breite, die er mitbringen kann, wenn er teilnimmt. Das ist ein wesentliches Charakteristikum dieses Wettbewerbs. Die ausgeschiedenen Teilnehmer haben von der 1. Runde an die Möglichkeit, ein Beratungsgespräch mit den für sie relevanten Vertretern der Jury zu beantragen. Das steht schon in der Ausschreibung. Nicht jeder Teilnehmer nimmt dieses Angebot in Anspruch.

 

  1. Inwieweit werden Erfahrungen aus vorherigen Wettbewerben weiter getragen?

 

Ihr Kollege Oswald Beaujean ist schon seit 12 Jahren dabei, und Dr. Forster nun im dritten Jahr, also im 1. Wettbewerbsjahr für das Fach Gesang. Die künstlerische Leitung wird vom Hauptausschuss immer für fünf Jahre festgelegt. Somit ist eine künstlerische Kontinuität ebenso gewahrt wie die Nutzung der Erfahrungen der Vorjahre.

 

  1. Wie wird der Wettbewerb finanziert?

 

Der Wettbewerb wird von der ARD per Gesamtumlage finanziert. Der Etat ist seit 2006 gedeckelt. Somit ist man seit einigen Jahren auf Drittmittel und Partner angewiesen. Die Kompositionsaufträge des Wettbewerbs werden aktuell dankenswerterweise von der Ernst von Siemens Musikstiftung finanziert. Diese muss aber alle drei Jahre mindestens ein Jahr aussetzen. So müssen die Kooperationen nimmer neu belebt und auch neue geknüpft werden. Das ist ein neues Kapitel, welches auf den ARD-Musikwettbewerb zugekommen ist. Man setzt aber auch auf Multiplikatoren wie Sängeragenturen, Veranstalter, Opernhäuser, Orchestervertreter et al. Diese werden, wie die Sponsoren auch, zum Wettbewerb und den Preisträgerkonzerten eingeladen. Die Kooperationen werden bei der Finanzierung in Zukunft vermutlich weiterhin eine starke Rolle spielen.

PS:

Weitere bekannte Namen von Opernsängern, die einen der ersten drei Plätze seit 1954 gewannen, möchte ich hier nennen, mit einem gewissen Wagner-Schwerpunkt: Günter Missenhardt, Simon Estes, Ileana Cotrubas, Siegmund Nimsgern, Ionel Pantea, Victor von Halem, Francisco Araiza, Maria Russo, Elena Mosuc, Ruxandra Donose, Stefan Heidemann, Christian Elsner, Hanno Müller-Brachmann, Zoryana Kushpler, Marina Prudenskaja und Wilhelm Schwinghammer.

Nach jährlichen Abständen von 1954 bis 1980 gab es von 1982 bis 2000 zweijährige Abstände. Seit 2003 wird der Gesangswettbewerb alle drei Jahre ausgeschrieben.

Der Internationale Musikwettbewerb der ARD umfasst 21 Fächer mit Klaviertrio, Gesang, Bläserquintett, Oboe, Trompete, Klavier, Schlagzeug, Viola, Klarinette, Flöte, Violoncello, Fagott, Posaune, Harfe, Klavierduo, Horn, Streichquartett, Violine, Kontrabass, Gitarre und Orgel.                                                                                                                 

Klaus Billand
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MÜNCHEN: Interview mit Susanna Klovsky, Klavierbegleiterin des 67. Internationalen Musikwettbewerbs der ARD am 5. September 2018


Susanna Klovsky. Copyright: Mel Mori – Photographie

Anlässlich der 67. Ausgabe des Internationalen Musikwettbewerbs der ARD, der in diesem Jahr auch das Fach Gesang beinhaltete, führte ich mit Susanna Klovsky, einer der Korrepetitorinnen, ein Interview über ihre Arbeit beim Begleiten der Sängerinnen und Sänger. Sie ist seit neun Jahren bei diesem Musik-Wettbewerb als Klavierbegleiterin aktiv und kommuniziert mit den Teilnehmern auf Deutsch, Russisch, Englisch, Spanisch und Französisch.

 

  1. Wie wird man KlavierbegleiterIn bei einem Internationalen Gesangswettbewerb wie diesem?

 

Die Wege sind völlig unterschiedlich. Natürlich gibt es Korrepetitoren an den verschiedenen Hochschulen und Opernhäusern, die in dem Fach arbeiten, es eventuell auch studiert haben  und über entsprechende Erfahrungen verfügen. Man muss in diesem Beruf sehr viel Einfühlungsvermögen für den Anderen haben, stets das richtige Maß finden, sich zurückzunehmen und wissen, wo man eine gleichwertige und – beispielsweise in den Zwischenspielen – auch führende Rolle spielen kann. Es geht darum, die richtige Balance zu finden. Man kann als Korrepetitor also durchaus auch die eigenen musikalischen Ideen verwirklichen. Natürlich spielt wie überall in der Kunst das Talent eine gewichtige Rolle, wie auch der Charakter. Und nicht zu vergessen, um unter der Belastung einer Wettbewerbssituation unterstützend für den jeweiligen Kandidaten zu wirken, braucht man sehr gute Nerven.

 

  1. Wie stellt sich die Vorbereitung mit dem Sänger auf den Wettbewerbsvortrag dar?

 

Da die KandidatInnen aus der ganzen Welt kommen, haben sie oft einen Jetlag oder können aus Kostengründen nur spät anreisen. So hat man oft nur einen oder maximal zwei Tage vor der ersten Runde Zeit und muss sich also sehr schnell auf den Sänger einstellen. Man hat meist nur eine Probe. Es gibt verschiedene Sänger, die ganz spezielle Ideen haben und schon genau wissen, wie sie ihren Vortrag gestalten wollen, oder solche, die auch auf Austausch aus sind und eine gemeinsame Fassung mit dem Begleiter anstreben. Es hilft unter Zeitdruck aber in jedem Falle wenn sie sicher in ihrer Interpretation sind. Man kann sie dann in nur einer Probe gut auf den Wettbewerb einstellen. Susanna Klovsky plant mindestens eine Stunde für die Probe ein, auch wenn  sie kürzer angesetzt ist. Manchmal kann es tatsächlich auch kürzer sein, wenn der Sänger oder die Sängerin seinen bzw. ihren Vortrag gut beherrscht. Dass sie eine wichtige Stütze für die KandidatInnen ist, hat sie bei diesem Gesangswettbewerb stets bewiesen.            

Klaus Billand                                                                     

 

 

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