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INFOS DES TAGES (MITTWOCH, 9. MÄRZ 2022)

09.03.2022 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (MITTWOCH, 9. MÄRZ 2022)

WIENER STAATSOPER: SALOME  am 7.3.

Thomas Guggeis, der an der Staatsoper eben erst mit Erich Wolfgang Korngolds Die tote Stadt erfolgreich debütiert hat, liefert mit seiner musikalischen Leitung einen eindrucksvollen weiteren Beleg dafür, dass von diesem jungen Dirigenten noch viel zu erwarten ist. Guggeis zeigt auf, wie revolutionär die Musik von Richard Strauss ist und lässt erahnen, wie sehr sie damals – als weit geöffentes Tor zur Moderne – das Publikum fasziniert und schockiert haben muss.

Zum Bericht von Manfred A. Schmid

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Jennifer Holloway (Salome)

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John Lundgren (Jochanaan)

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Claudia Mahnke (Herodias), Wolfgang Ablinger-Sperrhacke (Herodes)

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Direktoren- und Direktorinnenkonferenz Östrreichischer Theater:  Statement zum Krieg in der Ukraine

Der Krieg ist ein abnormer Zustand und die größten Erfolge, die er auch bringen mag, wiegen die Übel nicht auf, welche er verursacht.“

Alexander II., Zar von Russland

Der 24. Februar 2022 markiert mit dem Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine eine Zäsur in einem Europa, von dem wir dachten, dass die Werte von Demokratie und Freiheit selbstverständlich geworden sind und Gewalt und Übergriffe auf Nachbarstaaten ausgeschlossen sind.

Als Europäer durften wir allen Grund zur Hoffnung haben, nie mehr die alltägliche Erfahrung eines Krieges zu machen, die damit verbundene Not, das Leid kennenzulernen. Mit einem Schlag und über Nacht sieht dies nun anders aus.

Auf einmal erfahren wir, was es bedeutet, wenn Krieg in unserer Mitte Einzug hält. Ohnmacht und Sprachlosigkeit beherrschen uns. Aber dieser Krieg ist nicht nur eine Katastrophe für die Ukraine und ihre Bürger*innen, sondern auch für Europa und die ganze Welt. Und explizit auch für die russische Zivilgesellschaft.

In Gedanken sind wir bei den Menschen in der Ukraine, die nichts so sehr wollen wie wir auch: Ein Leben in Frieden und Sicherheit.

Der von Russland begonnene Krieg dient offensichtlich nicht nur russischen Machtbestrebungen, sondern zielt erkennbar auch ganz grundsätzlich auf die Idee einer offenen und freien Gesellschaft in der Ukraine, auf die Möglichkeiten für Kunst und Kultur, sich überall auf der Welt frei zu entfalten und auf den Wunsch vieler in Vielfalt und Frieden miteinander leben zu können.

Die Direktor*innenkonferenz des österreichischen Theatererhalterverbandes (TEV) und die Intendant*innengruppe der Bundesländer- und Städtetheater verurteilen den Krieg und stehen solidarisch zu all jenen, die weiter fest an diese Möglichkeiten eines vielfältigen und friedlichen Miteinanders und an die Kraft der Kultur glauben und jetzt dafür streiten müssen.

Marie Rötzer                                         Bernhard Rinner

Sprecherin Intendant*innengruppe         Generalsekretär TEV & Vorsitzender Direktor*innenkonferenz

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BAYERISCHE STAATSOPER: UMBESETZUNGEN BEI „LE NOZZE DI FIGARO“: Hiermit möchten wir sie auf folgende Umbesetzungen aufmerksam machen:
 
In der Vorstellung von Le Nozze di Figaro am 9. März 2022 übernimmt Christopher Moulds die Musikalische Leitung anstelle von Ivor Bolton. Emily Pogorelc übernimmt die Partie des Cherubino anstelle der erkrankten Samantha Hankey.
 
In den Vorstellungen von Le Nozze di Figaro am 9. und 11. März 2022 übernimmt Katja Piewek die Partie der Marcellina anstelle der erkrankten Anne Sophie von Otter. Karel Martin Ludvik übernimmt die Partie des Antonio anstelle von Andrew Gillstrap und Emiliano Gonzalez Toro die Partie des Curzio anstelle von Kevin Conners.

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TTT Vinylschätze 12 – Tempi passati: Alban Berg –  Violin Concerto 1935 – Andre Gertler, Philharmonia Orchestra London, Dirigent Paul Kletzki, 1960

Alban Berg, André Gertler, Paul Kletzki, Philharmonia Orchestra – Violin  Concerto (Vinyl) - Discogs

 First Movement – Andante – Allegretto:  Verbindung tonaler und atonaler Elemente

https://www.youtube.com/watch?v=B8g_bCaT10A

 André Gertler (* 1907 Budapest † 1998 Brüssel) ungarischer Violinist

Paul Kletzki (* 1900 Lodz, russ. Kaiserreich † 1973 Liverpool), Schweizer Dirigent/Komponist polnischer Herkunft

Alban Berg: Violinkonzert  Uraufführung wird zum Requiem

 https://www.deutschlandfunk.de/alban-bergs-violinkonzert-die-urauffuehrung-wird-zum-requiem-100.html

Kommentare: Meisterwerk,  solche Kraft, ungeheuchelte Schönheit, immenses Gefühl der Tragödie,   einzigartig unter Atonalem, wie Tonales, Melodie, Harmonie, Rhythmus, Klang, Form,  Spannungsverläufe,  Charaktere,  Anspielungen, Querverweise, Kontraste, Erwartetes und Unerwartetes …

Mein  (TTT) Zugang: mit geschlossenen Augen in meditativem „Fallenlassen“, „emotionaler Intelligenz“ folgend, musikalisches Erleben potenzierend: s. Lebensnerv Rückgrat zum Opernbesuch aktivieren!

https://onlinemerker.com/emotionale-intelligenz-lebensnerv-rueckgrat-zum-opernbesuch-aktivieren/

Erläuterungen mit dem geringsten Anspruch zu quälend hochtrabenden „Koryphäen“

https://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/musik/artikel/atonalitaet#

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ALS KÖNIG UNTERWEGS -von Moskau nach Wiesbaden – und später an die Met

After a turbulent „royal mission“ as #königheinrich @bolshoi_theatre 🇷🇺…
now „spying“ a bit @staatstheater.wiesbaden 🇩🇪 for the next „royal mission“ as 👑#filippo II 🇪🇸 with my score from @metopera 🇺🇸
Crossing former #habsburg soil and Wilhelm Tell country 🇨🇭
visiting #friedrichschiller and #uweericlaufenberg #libertà #maifestspiele

kk

ZU INSTAGRAM mit weiteren Fotos

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GRAZ/ Musikverein: 4. AMABILE

Fr 11.03.2022
UHRZEIT: 15:30 Uhr
ORT: Stefaniensaal

 GEORG GRATZER Woodwinds
RAPHAEL MEINHART Vibraphon | Marimbaphon

Eine musikalische Weltreise

Auf eine Reise rund um den Globus lädt der Grazer Musikverein sein junges Publikum am 11. März 2022 um 15:30 Uhr. Georg Gratzer (Woodwinds) und Raphael Meinhart (Vibraphon / Marimbaphon) gestalten einen Nachmittag, der nicht nur lehrreich ist, sondern diese Wissensvermittlung ebenso spannend gestaltet. Warum gibt es in verschiedenen Musikkulturen der Welt unterschiedliche Instrumente? Warum klingt eine chinesische Bambusflöte anders als eine indische? Und dennoch: trotz der Unterschiede gibt es in jeder Kultur Musik. So vielfältig, wie sie uns auch begegnet, ist sie ein Verbindung stiftendes Element. Dieses Amabile-Konzert ist ein Symbol für Offenheit und Toleranz, für das Verbindende, für das die Musik steht – denn Musikbildung ist zugleich Herzensbildung!

 KARTEN
Konzertkasse, Sparkassenplatz 2, 8010 Graz Mo. 9-18 Uhr, Di.-Fr. 9-15 Uhr

0316 82 24 55, tickets@musikverein-graz.at
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THEATER MAGDEBURG: Ein Abschluss mit Mozart. Premiere „DON GIOVANNI“ am 12.3.

Karen Stone inszeniert „Don Giovanni“ zum Ende ihrer Intendanz in Magdeburg

Eine echte Lieblingsoper hat sich Karen Stone zum Ende ihrer Intendanz am Theater Magdeburg ausgesucht: „Don Giovanni“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Die DaPonte-Oper begeistert sie vor allem wegen des Protagonisten – ein Machtmensch, dem viele Frauen trotz seines ambivalenten Charakters nicht widerstehen können. Die Ausstattung übernimmt Ulrich Schulz, den eine langjährige Zusammenarbeit mit Karen Stone verbindet. Premiere ist am Sonnabend, 12. 3., 19.30 Uhr im Opernhaus.
„Don Giovanni“ ist die zweite von drei Opern aus der erfolgreichen Zusammenarbeit von Wolfgang Amadeus Mozart und seinem Librettisten Da Ponte. Die bekannte Figur des Verführers Don Juan inspirierte Mozart zu einer seiner schillerndsten und meistbeachteten Opern, die 1787 am Prager Nationaltheater uraufgeführt wurde und seitdem aus dem aktuellen Repertoire nicht mehr wegzudenken ist. Psychologisch und vielschichtig beleuchtet der Komponist darin seinen Protagonisten, dem sich die Frauen wegen seiner leidenschaftlichen und verführerischen Art nicht entziehen können. So beginnt die Geschichte damit, dass Don Giovanni auf der Suche nach neuen erotischen Abenteuern im Bett von Donna Anna landet. Als ihr Vater, der Komtur, die beiden überrascht und von Giovanni getötet wird, beginnt für diesen eine turbulente Nacht, an deren Ende er von allen für seine Untreue zur Rechenschaft gezogen wird. Schließlich erscheint Giovanni der tote Komtur selbst – und sein Übermut wird ihm zum Verhängnis…

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Martin-Jan Nijhof. Foto: Andreas Lander

„Don Giovanni“ stand in ihrer ersten Spielzeit als Intendantin am Theater Magdeburg auf dem Spielplan (Regie damals: Alfred Kirchner). In Karen Stones Inszenierung übernimmt der international renommierte Sänger Martin-Jan Nijhof die Titelpartie. Mit dem ehemaligen Ensemblemitglied des Theaters Magdeburg kehrt ein echter Publikumsliebling ans Haus zurück, der vor elf Jahren als Leporello in „Don Giovanni“ auf der Bühne stand.
Mit ihrem langjährigen Ausstatter Ulrich Schulz lässt Karen Stone die kurzen, intensiven Szenen durch zwei Drehscheiben Tempo aufnehmen. Die Kostüme sind sowohl an die Entstehungszeit der Oper als auch die exzentrische Ästhetik der Designerin Vivienne Westwood angelehnt, die Karen Stone sehr verehrt.

In ihrer Regiearbeit möchte Stone besonders die vielschichte Figur des Don Giovanni ausloten: Er sei kein guter Mensch, doch aufgrund seiner unwiderstehlichen Anziehungskraft wollen alle Frauen mit ihm eine Nacht verbringen.

DON GIOVANNI
Oper in drei Akten von Wolfgang Amadeus Mozart
Libretto von Lorenzo da Ponte
In Italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung Svetoslav Borisov
Regie Karen Stone
Bühne, Kostüme Ulrich Schulz
Dramaturgie Hannes Föst
Choreinstudierung Martin Wagner
Don Giovanni Martin-Jan Nijhof
Donna Anna Marie Fajtová
Don Ottavio Manuel Günther
Il Commendatore Johannes Stermann
Donna Elvira Emilie Renard
Leporello Zhive Kremshovski
Masetto Juan Marcos Martínez Mijares
Zerlina Hyejin Lee / Na’ama Shulman
Opernchor des Theaters Magdeburg
Magdeburgische Philharmonie
Premiere Sa. 12. 3. 2022 19.30 Uhr Opernhaus Bühne
weitere Vorstellungen im März: So., 20.3., Fr., 25.3., jeweils 19.30 Uh
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Theater St. Gallen: LA TRAVIATA. Premiere am 19. März

Oper von Giuseppe Verdi
Premiere: Samstag, 19. März 2022, 19 Uhr, UM!BAU

 Am Samstag, 19. März, 19 Uhr, erlebt im UM!BAU des Theaters St.Gallen der Verdi-Klassiker La traviata seine Premiere. Die musikalische Leitung hat der St.Galler Chefdirigent Modestas Pitrenas, Regie führt die junge Schweizer Regisseurin Nina Russi.

Violetta Valéry ist jung, begehrt und todkrank. In der glamourösen Halbwelt von Paris führt sie als Edelprostituierte ein ausschweifendes, aber isoliertes Leben im Luxus – bis sie mit Alfredo den Mann trifft, für den sie alles aufgeben und mit dem sie einen bürgerlichen Neuanfang wagen will. Doch die Moralvorstellungen von Alfredos Familie sowie das Fortschreiten ihrer Krankheit machen Violettas Pläne zunichte. Diese Geschichte um Sein und Schein nach dem Roman von Alexandre Dumas hat Giuseppe Verdi in La traviata mit hochemotionalen Arien und Duetten sowie rauschender Festmusik illustriert.

Am Theater St.Gallen kommt das 1853 uraufgeführte Erfolgswerk nun in einer Inszenierung von Nina Russi auf die Bühne. Dabei reduziert die junge Schweizer Regisseurin die Hauptfigur jedoch nicht auf die Bedeutung des Stücktitels – la traviata heisst übersetzt „die Verderbte“, „die vom Weg abgekommene“. „Nur zu zeigen, dass Violetta eine Prostituierte ist und sonst in ihrem Leben nichts hat, reicht mir nicht“, sagt sie. „Ich will verschiedene Seiten von Violetta darstellen. Die Hauptfigur ist für mich eine moderne und mutige Frau.“ Zwischen der grossen Party am Anfang und dem Leben auf dem Land als liebende Hausfrau an Alfredos Seite gebe es noch viel mehr Nuancen.

Die Titelrolle ist doppelt besetzt und wird von den Ensemblemitgliedern Vuvu Mpofu und Tatjana Schneider gesungen. In der Rolle des Alfredo sind abwechselnd Francesco Castoro und Pablo Bemsch zu erleben. Als weiterer Gast interpretiert Kartal Karagedik die Rolle des Giorgio Germont, im Wechsel mit Ensemblemitglied Leon Košavić. Mit Jennifer Panara, Christopher Sokolowski, Riccardo Botta, Kristján Jóhannesson, Justin Hopkins und David Maze sind sämtliche weiteren Mitglieder des Musiktheaterensembles mit von der Partie; ergänzt wird die Besetzung der Soloparts von den Theaterchormitgliedern Michaela Frei, Niccoló Paudler und Paulo S. Medeiros. Es singen weiter der Chor des Theaters St.Gallen und der Opernchor St.Gallen (Einstudierung: Franz Obermair), es spielt das Sinfonieorchester St.Gallen. Die musikalische Leitung hat dessen Chefdirigent Modestas Pitrenas.
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ESCH-SUR-ALZETTE : KULTURHAUPTSTADT EUROPAS 2022

Vergangenes Wochenende wurde mit Esch-sur-Alzette (nach Novi Sad und Kaunas) nunmehr auch die dritte Europäische Kulturhauptstadt des Jahres 2022 feierlich eröffnet.

Esch-sur-Alzette ? Beknirschen Sie sich nicht, falls Ihnen der Name nichts sagt. Machen Sie zur Beruhigung die Probe aufs Exempel und fragen Sie 10 Ihrer Freunde nach diesem Ort. Alle werden vor lauter Scham über ihre Ignoranz in betretenes Schweigen verfallen.

Und das ist auch kein Wunder. Denn Esch (deutsch: Esch an der Elze, luxemburgerisch: Esch- Uelzecht) ist zwar mit ca. 30000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Grossherzogtums Luxemburg (ca.30 km von der „Hauptstadt“ entfernt) und mit ihren an Paris und Wien erinnernden Gründerzeitbauten auch ganz nett und hübsch und angenehm, ansonsten hat sie sich aber mit keinerlei herausragenden Ereignissen oder Persönlichkeiten der europäischen Erinnerung eingeprägt. Berühmter ist da schon ihr Industrie-Vorort Esch-Belval. Belval (zu deutsch: schönes Tal) war ursprünglich ein Nah-Erholungsgebiet und bevorzugtes Ziel für die Wochend-Ausflügler aus Esch. Nach dem Auffinden von Eisenerz daselbst wurde es allerdings unter tätiger Mithilfe des Aachener Hütten-Aktien-Verein Rothe Erde in einen hochmodernen, totalintegrierten, massiven, extrem florierenden Stahlerzeugungs-Standort umgewandelt.

Nach der Stahlkrise in den 80er Jahren musste man allerdings umdenken und eine Transformation von der Industrie- in eine Wissensgesellschaft beginnen. Und dieses ambitionierte, auf Jahrzehnte angelegte, vorbildliche Projekt (das mithilfe von Agora, einer Gesellschaft, die vom Eigentümer Arcelor Mittal, dem Staat Luxemburg sowie den Gemeinden Esch und Sassenheim gebildet wurde, durchgeführt wird), war es wohl auch, die Esch-sur-Alzette letztlich die Nominierung zur Kulturhauptstadt Europas eingetragen hat.

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Einer der Hochöfen von Belval. Foto: Robert Quitta

Wenn man zum ersten Mal in Belval ankommt, kann man nicht anders als total überwältigt, um nicht zu sagen: erschlagen zu sein. Denn da stehen in der Gegend unglaubliche Gebilde herum: diese Ex-Hochöfen wirken wie Dinosaurier aus der Stahlzeit, wie Riesen aus einem dystopischen Science-Fiction-Film (viele Besucher müssen an „Metropolis“ denken). Diese gigantischen Dinger sind nicht an sich schön, im Gegenteil. Das Schöne an ihnen ist, dass sie alle irgendwie eine eigene Persönlichkeit zu haben scheinen…und dass sie nicht dem Reissbrett bzw. dem Computerprogramm von eitlen Architektenstars entsprungen sind, die damit unbedingt auf die Titelseiten von Fachzeitschriften kommen wollen…sondern offenbar ausschließlich aus den Notwendigkeiten des Stahlerzeugung geboren wurden…und uns Laien dadurch bis heute ein Rätsel aufgeben, wie denn diese völlig ungewohnten Formen denn überhaupt zustande kamen und wozu sie dienten. Mysteriös und großartig!

Durchaus gelungen sind aber auch – das sei der Ordnung halber ehrlicherweise gesagt – die modernen Zubauten zeitgenössischer Architekten für die “ Wissensgesellschaft“ : die Universität, die Bibliothek, der Bahnhof, eine Bankzentrale, Wohnungen, die „Rockhal“ etc.

Esch-Belval ist naturgemäss das Epizentrum des Kulturhauptstadtjahres.

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Neues Gras in den alten Idustrieanlagen. Foto: Robert Quitta

In der „Massenoire“- Halle (Massenoire war die Produktionsstätte für Stopfmasse auf Teerbasis, die zum Verschluss des Stichlochs am Hochofen verwendet wurde und die man Schwarze Masse nannte) ist die vom Aachener Industriehistoriker Stefan Krebs ganz hervorragend kuratierte Ausstellung „Remixing Industrial Pasts“, die auch die Geschichte der Arbeitsimmigration aus Polen, Italien, Portugal etc. sehr subtil darstellt, zu sehen. Besonders berührend dabei das reichhaltigste Original-Foto-und Filmmaterial, das von den unzähligen Amateur-Foto-Clubs des Reviers zur Verfügung gestellt wurde.

In der ehemaligen Möllerei (ursprünglich eine Lagerhalle für Brennstoffe und Erze, die für die fortwährende Versorgung des Hochofens erforderlich waren) zeigt man hingegen die vom österreichischen Theorie-Papst (und Chef des Karlsruher ZKM – Zentrum für Kunst und Medien) Peter Weibel gestaltete (und klarerweise weitaus intellektuellere und diskurslastigere) Schau „“Hacking Identity and Dancing Diversity“.

Da das hier (noch lange vor der EU) eigentlich eine einzige Region war, mit demselben industriellen und post-industriellen Schicksal, haben sich vernünftigerweise sowohl 10 andere luxemburger Dörfer (Niederkerschen, Petingen, Bettemburg, Düdelingen, Sassenheim, Schifflingen, Monnerich, Differdingen, Rümelingen und Tetingen) als auch acht französische „Communités“ (die Grenze ist einen Katzensprung entfernt und genaugenommen nicht wirklich ersichtlich): Villerupt, Thil, Russange, Audon-le-Tiche, Ottange, Aumetz, Boulange, Rédange) dem Kulturhauptstadtjahr mit verschiedensten Aktivitäten angeschlossen.

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im Biosphärenreservat Ellergronn. Foto: Robert Quitta

Insofern empfiehlt sich, wenn man schon nach Esch fährt, auch ein Besuch in der mittlerweile zum Biosphärenreservat umgemodelten Ex-Mine Ellegronn (mit ihrem die Bergarbeiter-Subkultur in ihren speziellen Riten und ihrer speziellen Sprache – die man als Nicht-Kumpel fast gar nicht versteht – sehr detailliert und liebevoll abbildenden kleinen Museum) in Luxemburg und im französischen Audon-le-Tiche, in dessen riiiiesiger Exmine (in die man mit dem Auto hineinfahren kann) im Sommer hochinteressante Kulturveranstaltungen stattfinden werden (eine Multimediashow namens TOTEM, eine Hamlet-Aufführung, ein „Dinner im Dunkeln“ etc.). Im benachbarten Villerupt (das noch von einem orthodox-kommunistischen Bürgermeister – mit jeder Menge Fidel Castro-Bilder in seinem Büro – regiert wird) hat man anlässlich Esch 2022 sogar ein neues, grosses Kulturzentrums namens ARCHE aus dem Boden gestampft…

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Alte Kumpel. Foto: Robert Quitta

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Teller der Bergarbeiter. Foto: Robert Quitta

Daher wünschen wir allen Beteiligten der Kulturhauptstadtevents ein herzliches: Glück auf!

weitere infos auf : www.esch2022.lu

Robert Quitta, Esch-sur-Alzette

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ORF trauert um langjährigen ORF-Sportreporter Sigi Bergmann

Sigi Bergmann – Wikipedia

Der langjährige ORF-Sportreporter, Boxexperte und legendäre Gastgeber von „Sport am Montag“, Sigi Bergmann, ist heute im 85. Lebensjahr nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben.

Der promovierte Historiker und Germanist schloss auch ein klassisches Gesangsstudium ab. Neben Gesang und Oper interessierte sich Bergmann schon während seines Studiums für Sport, spielte aktiv Fußball und begann selbst zu boxen.

Seine journalistische Karriere begann er in den frühen 1960er Jahren beim Volksblatt, 1968 wechselte er als Redakteur zum Österreichischen Rundfunk (ORF). Von 1969 bis 1974 präsentierte er dort die wöchentliche Sendung „Sportmosaik“. Im Jahr 1975 wurde er mit der Moderation der legendären ORF-Sendung „Sport am Montag“ beauftragt, die er 17 Jahre lang – bis 1992 – gestaltete, moderierte und prägte. Um zu zeigen, dass Kunst und Sport einander nicht ausschließen, holte Bergmann Persönlichkeiten wie Peter Ustinov, Helmuth Lohner, Otto Schenk und auch Plácido Domingo und José Carreras in seine Sendung. Sigi Bergmann war als Sportjournalist und Reporter bei insgesamt 20 Olympischen Spielen. Neben Fußball, Rodeln oder Skifahren moderierte er im ORF an die 4.000 Boxkämpfe, mehr als jeder andere Kommentator im deutschsprachigen Raum, wobei er alle großen Kämpfe von Muhammad Ali kommentierte, dessen Fan er war. Rund 40 Jahre war Bergmann in der ORF-Sportredaktion tätig, er gilt als Kommentator, Sportjournalist und Boxexperte mit Kultstatus.

Seit 1967 verband Bergmann eine Freundschaft mit dem zweifachen Box-Europameister Hans Orsolics, dem er nach enormen Schwierigkeiten als Förderer und Mentor zurück in ein normales Leben verhalf. Auch sein erstes Buch „Orsolics Hansi K.o. – Triumphe und Leiden eines Boxers“ handelt von der Geschichte und Biografie des Boxers. Die im Bergmann-Requiem von Johannes Holik (Uraufführung November 2021 in Wien, evang. Kirche Dorotheergasse) vertonten Texte stammen aus Bergmanns Autobiografie „Aus dem Notizbuch eines Sportreporters“.

Für ORF-Generaldirektor Mag. Roland Weißmann ist „mit Sigi Bergmann eine der prägendsten Persönlichkeiten des Sportjournalismus in Österreich verstorben. Wie niemand vor ihm hat er die genreübergreifende Sportberichterstattung etabliert und damit auch international Maßstäbe gesetzt. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie.“

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