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INFOS DES TAGES (MITTWOCH, 16. OKTOBER 2019)

16.10.2019 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (MITTWOCH, 16. OKTOBER 2019)

OPER GRAZ: „Die Fledermaus“ im Landeanflug!


Copyright: Oper Graz

In der „Königin der Operette“ scheint ​am Anfang alles noch harmlos und vor allem urkomisch zu sein: Die beiden Freunde Gabriel von Eisenstein und Dr. Falke besuchen einen Maskenball – der eine als Schmetterling, der andere als Fledermaus. Doch dann entgleitet die Ausgelassenheit, und auf der Strecke bleibt ein zutiefst verletzter Falke, der auf Rache sinnt. So lässt er den Herrn von Eisenstein, dessen Gemahlin Rosalinde und das Stubenmädel Adele, das von einer Karriere am Theater träumt, schließlich auch den Gefängnisdirektor Frank in andere Identitäten schlüpfen und auf einer exquisiten Party des Prinzen Orlofsky aufeinandertreffen. Erotische Begehrlichkeiten, makabre Späße und Alkohol, sehr viel Alkohol führen zu einer kollektiven Verbrüderung. Doch in welchem Ausmaß diesem „Duidu“ und diesem „Lalala“ wirklich zu trauen ist, spürt Maximilian von Mayenburg nach.
Der junge Regisseur, der an der Oper Graz mit einer turbulent-witzigen Inszenierung von Mozarts „Hochzeit des Figaro“ das Publikum begeistert hat, schärft in seiner Neuinszenierung der „Fledermaus“ (und dank einer für Graz erstellten Textfassung) die Beweggründe für den von Dr. Falke ersonnenen Racheplan: „Die gemeinsame Vergangenheit zwischen Falke und Eisenstein ist der Ausgangspunkt. Und ich hatte schon immer beim Lesen das Gefühl, dass uns Eisenstein, wenn er die Geschichte im zweiten Akt der Festgemeinschaft erzählt, nicht die volle Wahrheit sagt.“ Erleben Sie unter anderen Elissa Huber, Alexander Geller, Sieglinder Feldhofer, Ivan Oreščanin und Adi Hirschal (als Frosch)!

„Die Fledermaus“
Premiere am 19. Okt 2019, 19.30 Uhr
„Die Königin der Operette“ von Joahnn Strauß
Informationen & Tickets

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Opern- und Konzertdirektor Xavier Zuber wird im Sommer 2021 sein Engagement bei Konzert Theater Bern beenden

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Xavier Zuber. Foto: Frank Schinski

Xavier Zuber, seit der Spielzeit 2011.12 Opern- und Konzertdirektor bei Konzert Theater Bern, wird nach zehn Jahren auf Ende der Spielzeit 2020.21 zurücktreten. «Zehn Jahre sind eine stolze Zeit und es ist ein guter Moment, mich neuen Aufgaben zu widmen», sagt der Spartenleiter. Er habe in all den Jahren grossen Rückhalt des Hauses für seine Arbeit erfahren und freue sich nun auf die letzten beiden Spielzeiten in Bern.

Zu den Glanzpunkten von Xavier Zubers bisherigen acht Jahren bei Konzert Theater Bern zählen unter anderen die Inszenierung von Fidelio, die Uraufführungen der Oper Alzheim und der Jugendoper Humanoid, die Aufführung der Britten-Oper Peter Grimes in der Grossen Halle der Reitschule, die Wagner-Inszenierungen wie Tannhäuser oder Tristan und Isolde sowie der Mozart-Da-Ponte-Zyklus.

Der gebürtige Basler schaffte es, die Opern- und Konzertsparte international zu vernetzen sowie junge Talente zu fördern und grosse Stars an das Haus zu holen. Er kreierte neue Formate wie die Sitzkissenkonzerte für Kinder oder den Schweizerhof-Brunch. Auch zum Gelingen der Fusion zwischen dem Berner Symphonieorchester und Konzert Theater Bern trug Xavier Zuber massgeblich bei. In seine Zeit fielen die Konzerttourneen des Berner Symphonieorchesters durch China und England sowie zahlreiche CDEinspielungen.

Konzert Theater Bern dankt Xavier Zuber für seine bisherige Arbeit und wünscht ihm zwei wunderbare letzte Spielzeiten. Das Vierspartenhaus wird derzeit interimistisch von der gesamten Geschäftsleitung unter dem Vorsitz des kaufmännischen Direktors Anton Stocker geführt. Der designierte Intendant Florian Scholz, aktuell noch am Theater Klagenfurt engagiert,
Medienmitteilung

übernimmt die künstlerische Gesamtleitung auf die Spielzeit 2021.22 hin. Die Aufgaben für die Nachfolgeregelung von Xavier Zuber wurden in Angriff genommen. Die Nachfolge wird zu gegebener Zeit kommuniziert.

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Blindenmarkter Herbsttage feiern Musik-Multi Kurt Dlouhy – Sänger, Instrumentalisten, Chöre und Kabarettisten als Gratulanten.


Prof. Kurt Dlouhy. Foto: Roland Schuller

30 Jahre Herbsttage Blindenmarkt – 70 Jahre Kurt Dlouhy! Unter diesem Motto initiierten Gründer-Intendant Michael Garschall und die große Familie des Geburtstagskindes ein Fest für Dlouhy, das alle Freunde des Meisters der Vielfalt am Sonntag in die Blindenmarkter Ybbsfeldhalle lockte. Die Gratulanten freilich waren nicht nur die Besucher, sondern vor allem die Künstler auf der Bühne. Viele, möglicherweise die meisten von ihnen, haben Dlouhy ihre Karriere zu verdanken. Professor Kurt Dlouhy ist seit 30 Jahren Dirigent und Chorleiter in Blindenmarkt. Das Besondere: Dlouhy ist für jede musikalische Stilrichtung aufgeschlossen. Dies beweist alleine die Tatsache, dass er nach einleitenden Worten seines Intendanten unter den Klängen seines Lieblingsmarsches „einrückte“: des als CD-Zuspielung ertönenden Wagramer Grenadiermarsches.

Jenen Musikfreunden, die Dlouhy nur aus Blindenmarkt kennen, dürfen erzählen: Neben den in seinem Geburtsort Blindenmarkt alljährlich im Oktober stattfindenden Operetten-Produktionen, denen er absoluten Glanz der Melodien durch perfekte Arbeit mit Sängern und Instrumentalisten verleiht, unterrichtet Dlouhy an der Anton Bruckner Privatuniversität Linz, ist Gründer und Leiter zahlreicher Chöre; er arbeitet außer in seiner Heimatgemeinde für das Landestheater Linz, die Oper Klosterneuburg, weiters als Juror bei internationalen Kompositions- und Chorwettbewerben. Als oö. Landes-Chorleiter ist er für etwa 400 Chöre des Bundeslandes mitverantwortlich. Ähnliche Aufgaben erfüllt er für die Blasmusik. Sein Vorteil: Er spielt zahlreiche Instrumente. Dass er das Singen als höchste Instanz für ein gesundes, glückliches Leben anpreist, ist eine Art Credo für alle Musikfreunde.

Das bereits erwähnte Fest fand genau eine Woche vor dem „echten“ Siebziger am 23. Oktober statt. Ein von Michael Garschall locker geführtes Gespräch brachte Historisches, wobei auf der Video-Wand gezeigte Fotos aus alten Tagen halfen. Später sollten dann der absolute Publikumsliebling Willi Narowetz als Schöberl und sein cleverer Kabarettisten-Partner Robert Kolar als Berger in einer Doppelconference historischer Prägung den Lebenslauf ironisch ergänzen. Beide sind in ihrem Sketch Mitglieder einer Jury, die die „Goldene Fermate“ an Dlouhy verleihen soll.

Was die Chöre betrifft, waren der Reihe nach der Kirchenchor St. Stephan Wels, das Ensemble XYZ, der Männergesangsverein Ybbs, das Ensemble Musica Cappricciosa und das Quartett Noricum zu hören – durchwegs Gruppen, die Dlouhy gegründet und geleitet hat oder es noch tut. Viele Texte waren dem Ereignis angepasst, wobei etwa der „Kleine grüne Kaktus“ auch als Präsent sichtbar dabei war.

Willi Narowetz präsentierte als Podesta Nasoni aus Karl Millöckers Meisteroperette „Gasparone“ mit dem Lied „Das waren Zeiten“ verbale Köstlichkeiten. Und die heiß geliebte Gabi Schuchter stand ihm keineswegs nach. Zuerst spielte sie gemeinsam mit Narowetz-Tochter Sigrid ein nostalgisches Operetten-Medley für zwei Violoncelli (!), dann meinte sie als seit kurzer Zeit zweifache Oma: „Das gibt’s nur nur einmal, das kommt nicht wieder“ und apostrophierte damit ihre musikalische Freundschaft zu Dlouhy. Ein wenig direkter hatte schon vorher Gernot Kranner, legendärer Professor Ambrosius aus dem „Tanz der Vampire“, argumentiert: „Gäb’s einen Nobelpreis für Musik, der Kurt, der hätt‘ den – und alle Blindenmarkter rufen laut, man hört’s von Ybbs bis Amstetten.“

Neben allen freundschaftlichen, ironischen und bewundernden verbalen Erfindungen gab es auch einen mehr als rührenden Moment musikalischer Erinnerung: Monika Riedler, vor einigen Jahren Star der Blindenmarkter Herbsttage, veredelte, begleitet vom vielseitig anpassungsfährigen und sängerfreundlichen Bernd Leichtfried, das „Vilja-Lied“ aus Franz Lehárs Operette „Die lustige Witwe“. Und beim Refrain durften alle mitsingen: Riedler und Leichtfried gebührt ein nachträgliches Sonderlob.

Dieser Bericht kann aufgrund seiner Vielfalt keinen Anspruch auf Vollständigkeit beanspruchen: Zu schnell zogen zahlreiche Künstler am Publikum vorbei. Eines aber bleibt in Erinnerung: der sympathische Auftritt der anwesenden Familie des Jubilars, darunter vier entzückende Enkelkinder. Man hatte den Eindruck: Keines der Familienmitglieder hat sich bislang dem musikalischen Vorbild des Familien-Oberhauptes entzogen. Dazu kam noch ein intellektuell-philosophischer und gleichzeitig ironischer Auftritt des Dlouhy-Freundes Sepp Froschauer samt einem Hauch von geheimnisvollen Anspielungen um Hoffnung auf eine gemütliche Zukunft.

Zuletzt feierten alle Mitwirkenden mit dem enthusiastisch gerührten Publikum Kurt Dlouhy als jenen Meister der musikalischen Vielseitigkeit, der sich schon nach drei Stunden ans Pult des Kammerorchesters Ybbsfeld begab, um die bislang vom Publikum mit frenetischem Applaus belohnte Marcus-Ganser-Inszenierung von Johann Strauss‘ „Fledermaus“ zu dirigieren, die unter seiner Leitung auch am 23. Oktober, also dem echten „Siebziger“, erklingen wird.

Ingo Rickl

Kurt Dlouhy wurde im Rahmen des feierlichen Vormittags  zum Ehrenmitglied des Vereines der Freunde der Herbsttage Blindenmarkt gewählt, als dessen Präsidentin nach Ehrenpräsidentin Kammersängerin Adele Haas Frau Kommerzialrätin Hilde Umdasch mit großem, vielseitigen Einsatz tätig ist.

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17. TAGE DER OFFENEN ATELIERS NIEDERÖSTERREICH

Bildergebnis für 17. tage des offenen ateliers niederösterreich

Es ist wieder soweit! Im Rahmen der 17. „NÖ Tage der Offenen Ateliers“ – Österreichs größter Schau Bildender Kunst und Kunsthandwerk – am 19. & 20. Oktober öffnen über 1.000 KünstlerInnen und KunsthandwerkerInnen ihre Ateliers, Galerien, Studios und Werkstätten für Interessierte. An über 640 Standorten kann man den Kreativen über die Schulter blicken, sich inspirieren lassen, hinter die Kulissen schauen, mit den Kunstschaffenden ins Gespräch kommen, den Schaffensprozess verfolgen und natürlich auch Kunstwerke erwerben. Und viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer locken zusätzlich mit Happenings wie Konzerten, Lesungen und lukullischen Schmankerln.

ATELIER-TOUR!

Am Sonntag, 20. Oktober lädt Mag. Carl Aigner (Museum Niederösterreich), zu einer geführten Atelier-Tour durch das Weinviertel. Besuchen Sie mit ihm Künstlerinnen und Künstler und erleben Sie einen sehr persönlichen und individuellen Zugang zu Wunderkammern der Kunst in Niederösterreich.

Film: https://youtu.be/gEU6nplwaZ8

Informationen zu den teilnehmenden KünstlerInnen: https://www.kulturvernetzung.at/de/orte-und-menschen/#tdoa (Suche nach Regionen möglich!)
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KÖLN: Jacques Offenbach: Barkouf ou un chien au pouvoir, Oper Köln, Premiere 12.10.2019

Deutsche Erstaufführung anlässlich des 200. Geburtstages von Jacques Offenbach
Koproduktion mit der Opéra national du Rhin Strasbourg (Premiere 07.12.2018)

Liberté! Egalité! Leckerli!

Erfreulicherweise bringt das Offenbachjahr nicht nur Begegnungen mit dem Kernrepertoire des Komponisten sondern auch mit Trouvaillen wie «Les Fées du Rhin» (Opéra de Tours und Theater Orchester Biel Solothurn), «Le Roi Carotte» (Staatsoper Hannover und Volksoper Wien) oder jetzt an der Oper Köln mit «Barkouf ou un chien au pouvoir».


Bjarni Thor Kristinsson, Chor der Oper Köln; © Paul Leclaire.

„Barkouf“ wurde nach seiner Uraufführung noch acht Mal gespielt und verschwand dann in den Archiven. Für lange Zeit, bis dem Musikwissenschaftler Jean-Christophe Keck in Zusammenarbeit mit dem Verlag Boosey & Hawkes (Rechtsnachfolger des Verlags Bote & Bock, der schon früh die Rechte an Offenbachs Werken jenseits des Rheins erwarb) die kritische Edition gelang. Die Erstaufführung in neuerer Zeit fand an der koproduzierenden Opéra national du Rhin Strasbourg statt und nun ist das Werk an der Oper Köln zu erleben.

„Barkoufs“ Verschwinden hat seinen Grund hauptsächlich in den Entwicklungen der französischen Opernlandschaft Mitte des 19. Jahrhunderts und einer gegen Offenbach gerichteten PresseKampagne, den Produktionsbedingungen der Uraufführung und – im positiven Sinn – in der Qualität des Werks.
Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Opéra comique ihre Leichtigkeit und das Heitere zu verlieren, immer stärker die Grand opéra zu imitieren während dem die Vaudevilles deutlich an Umfang abnahmen. Hervé und Offenbach sprangen mit der Operette in die Lücke, um das Bedürfnis des Publikums nach einfachen, fröhlichen, satirisch-parodistischen Werken zu füllen. Offenbach stellte gegenüber den Behörden wie auch in der Ausschreibung seines Einakter-Wettbewerbs klar, dass er die Opéra comique als Opéra bouffe wieder an die Ursprünge, die Opéra comique des 18. Jahrhundert angleichen wolle. 1860 war Offenbach, der in Frankreich naturalisierte Deutsche jüdischen Glaubens, am Ziel seiner Träume angekommen: die Opéra hatte bei ihm das romantische Ballett „Le Papillon bestellt und Alfred Beaumont, frisch bestallter Direktor der Opéra comique bestellte, wahrscheinlich zur glanzvollen Eröffnung seiner Intendanz, „Barkouf ou un chien au pouvoir“. Beaumont glaubte mit dem Dream-Team aus Star-Komponist und Star-Librettist, Eugène Scribe, nichts falsch zu machen. Als Barkouf nach viereinhalb Monaten Proben zur Uraufführung kam, startete rasch eine konzertierte Presse-Kampagne gegen Offenbach, die ihm klarmachen wollte, dass sein Platz sein Theater, das Théâtre des Bouffes-Parisiens sei, und nicht die ehrwürdige Opéra comique. Konservatismus, Neid und Groll waren geweckt. Offenbach liess im Rahmen der Auseinandersetzung verlauten, „Barkouf“ sei als Opéra bouffe (Gattungsbezeichnung von der Zensur erzwungen) tatsächlich am falschen Platz, denn die aktuelle Opéra comique habe mit ihren Ursprüngen nichts mehr gemein. „Barkouf“ während der Proben unter keinem guten Stern, den die Sänger und Musiker wandten sich rasch gegen das Werk und dann hatte auch die Zensur noch Einwände. Immerhin konnten die Einwände der Zensur durch verschiedene Entschärfungen und die Herabstufung von der Opéra comique zur Opéra bouffe rasch gelöst werden. Die sich auch in Krankheiten äussernde Opposition des Sängerpersonals blieb aber bis zur Absetzung des Werkes bestehen. Offenbach konnte mit „Barkouf“ beim Publikum einen Achtungserfolg erringen. Das dürfte auch damit zu tun haben, dass die Musik kaum je die Erwartungen erfüllt, die man mit Offenbach verknüpft, und so modern ist, dass sie den strengen Kriterien der zeitgenössischen Verfechtern der Opéra comique nicht Genüge tut. Es wurden weder ein Libretto noch ein Klavierauszug der Oper gedruckt.


Susanne Elmark, Patrick Kabongo, Chor der Oper Köln; © Paul Leclaire.

Fernab von Frankreich, in Lahore hat der Grossmogul, um sein Volk, das sich angewöhnte die Vizekönige jeweils früher oder später aus dem Fenster zu stürzen, zu bestrafen, den Hund Barkouf als Vizekönig eingesetzt. Der Grosswesir Bababeck, der sich selbst Hoffnungen auf den Posten gemacht hatte, ist verständlicherweise wenig begeistert. Barkouf lässt nur das Blumenmädchen Maïma, seine frühere Besitzerin an sich heran, und so wird diese faktisch zur Regentin. Bababeck gelingt es nicht sich Maïma gefügig zu machen und so übersetzt sie, mittlerweile Sekretärin des Vizekönigs, dessen Äusserungen ganz frei. Die Steuern werden halbiert, die zum Tode Verurteilten, so auch Xaïloum, der Geliebte ihrer Freundin und Orangeverkäufern Balkis, begnadigt. Weise und umsichtig verhindert Maïma einen Anschlag von Bababeck und dessen Kumpanen auf Barkoufs Leben. Als sich der Grosswesir daraufhin mit den Tartaren verbündet und das Königreich bedroht, zieht Barkouf in den Kampf und fällt ehrenvoll.

Mariame Clément (Inszenierung) lässt den ersten Akt in einer Art Repräsentationsraum spielen, die beiden folgenden Akte dann in einem Aktenkeller (Bühne und Kostüme: Julia Hansen): der Geheimdienst und seine Aktenproduktion als Charakteristikum jeder gepflegten Diktatur. Clément gelingt ein locker-leichte Umsetzung, der Humor, sei es der unter Aktentürmen stolpernde Hausmeister zwischen erstem und zweitem Akt (Choreografie Mathieu Guilhaumon)oder die mit Masken „aktualisierten“ Verschwörer, wirkt nie aufgesetzt oder übertrieben. Das Gürzenich-Orchester Köln unter Leitung Stefan Soltesz spielt den unerwartet wenig operettenhaften, oft hochmodernen Offenbach hervorragend, so dass es die reine Freude ist mit dem Orchester die unbekannten Seiten des Komponisten zu entdecken. Der von Rustam Samedov vorbereitete Chor der Oper Köln ist mit grosser Spielfreude am Werk. Was die Textverständlichkeit angeht, ist noch Luft nach oben.

Bildergebnis für oper köln barkouf jacques offenbach
Andrew Penning, Martin Koch, Matthias Klink, Patrick Kabongo, Kathrin Zukowski; ; © Paul Leclaire.

Tenorbuffo Matthias Klink als Bababeck verkörpert den Repräsentanten des korrupten Systems hervorragend. Sein Hauptanliegen ist die Besitzstandswahrung, nebenbei auch noch seine Tochter Périzade, gesungen von Kathrin Zukowski, unter die Haube zu bringen. Martin Koch ist als Eunuch Kaliboul Bababecks dauernder Begleiter. Susanne Elmark verkörpert das Blumenmädchen Maïma und bewältigt die enorme schwierige Partie mit stupender Technik und wunderbarer Höhe perfekt. Judith Thielsen als Orangenhändlerin Balkis steht ihr in Nichts nach. Die lyrischen Tenöre Patrick Kabongo und Sunnyboy Dladla brillieren in den Rollen der Geliebten Saëb und Xaïloum. Bjarni Thor Kristinsson ergänzt das Ensemble als Großmogul. Ein Fest der schönen Stimmen!

Mikroports waren aus der Entfernung des Zuschauerraums nicht wahrzunehmen. Ihre Verwendung ist aber anzunehmen, da die Vorstellung fürs Radio aufgezeichnet wurde.

Eine absolut lohnende Begegnung mit einem unerhörterweise ungehörten Offenbach.

Weitere Aufführungen: 17 Do / Okt 19, Staaten-Haus Saal 2, 19:30 – 22:30; 20 So / Okt 19, Staaten-Haus Saal 2, 16:00 – 19:00 23 Mi / Okt 19, Staaten-Haus Saal 2, 19:30 – 22:30; 27 So / Okt 19, Staaten-Haus Saal 2, 18:00 – 21:00 30 Mi / Okt 19, Staaten-Haus Saal 2, 19:30 – 22:30; 01 Fr / Nov 19, Staaten-Haus Saal 2, 18:00 – 21:00 03 So / Nov 19, Staaten-Haus Saal 2, 16:00 – 19:00.

Radio WDR 3: (Aufnahme vom 12.10.19 aus dem Staatenhaus, Köln): 27 So / Okt 19, 20:04 – 23:00.

Jan Krobot/ Zürich
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