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INFOS DES TAGES (MITTWOCH, 15. SEPTEMBER 2021)

15.09.2021 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (MITTWOCH, 15. SEPTEMBER 2021)

Eine neue Saison für eine erneuerte Scala

OPERNPREMIEREN DER MAILÄNDER SCALA
Saison 2021 / 22

Dominique Meyer war gestern in Wien und traf im „Sole“ auf eine erlesene Journalistenrunde.

Renate Wagner war dabei!

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Foto: Renate Wagner

DOMINIQUE MEYER
Es gibt wieder Lust auf die Musik

Nur für einen Tag kam Dominique Meyer nach Wien, um hier das Programm der Mailänder Scala vorzustellen. Renate Wagner hat mit ihm gesprochen

Herr Direktor Meyer – erstmals sprechen wir Sie nicht als Direktor der Wiener Staatsoper, sondern als jenen  der Mailänder Scala an -, was führt Sie nach Wien?

Ich bin auch in meiner Wiener Direktion immer mit André Comploi los gefahren, um in den Großstädten den Spielplan der Staatsoper vorzustellen. Das tun wir nun mit dem Saisonprogramm der Mailänder Scala für 2021/22. Wien ist da nur eine Station, und wir bleiben auch nur einen Tag.

Werden Sie am Abend in die Staatsoper gehen?

Nein. Ich habe das Haus auch nicht mehr betreten, seitdem ich es verlassen habe..

ZUM INTERVIEW

Wir werden in den nächsten Tagen vielleicht wieder auf das Gespräch zurückkommen!

Die Premieren:

Premiere: 7. Dezember 2021
Verdi:  MACBETH
Riccardo Chailly / Davide Livermore
Anna Netrebko, Luca Salsi, Ildar Abdrazakov, Franceso Meli

Premiere: 18. Jänner 2022
Bellini:  I CAPULETI E I MONTECCHI
Evelino Pido / Adrian Noble
Lisette Oropresa, Marianne Crebassa, Michele Pertusi

Premiere: 10. Februar 2022
Massenet:  THAIS
Lorenzo Viotti / Oliver Py
Marina Rebeka, Ludovic Tezier, Francesco Demuro

Premiere: 23. Februar 2022
Tschaikowski.  PIQUE DAME
Valery Gergiev / Matthias Hartmann
Asmik Grigorian, Najmiddin Mavlyanov, Olga Borodina

Premiere: 4. März 2022
Cilea:  ADRIANA LECOUVREUR
Giampaolo Bisanti / David McVicar
Erste Serie:  Maria Agresta, Freddie De Tommaso, Anita RachvelishviliZweite Serie: Anna Netrebko, Yusif Eyvazov, Elena Zhidkova

Premiere: 27. März 2022
Mozart:  DON GIOVANNI
Pablo Heras-Casado / Robert Carsen
Christopher Maltman, Günther Groissböck, Hanna-Elisabeth Müller, Alex Esposito, Andrea Carroll

Premiere: 15. April 2022
Strauss:  ARIADNE AUF NAXOS
Michael Boder / Sven-Eric Bechtolf
Krassimira Stoyanova, Stephen Gould, Erin Morley, Sophie Koch, Markus Werba, Gregor Bloeb

Premiere: 4. Mai 2022
Verdi:  UN BALLO IN MASCHERA
Riccardo Chailly / Marco Arturo Marelli
Sondra Radvanovsky, Franceso Meli, Luca Salsi

Premiere: 7. Juni 2022
Ponchielli:  LA GIOCONDA
Frederic Chaslin / Davide Livermore
Sonya Yoncheva, Fabio Sartori, Daniela Barcellona, Erwin Schrott

Premiere: 20. Juni 2022
Verdi:  RIGOLETTO
Michele Gamba / Mario Marione
Enkhbat Amartüvshin, Nadine Serra, Piero Pretti

Premiere: 7. September 2022
Cimarosa:  IL MATRIMONIO SEGRETO
Ottavio Dantone / Irina Brook
Schüler der Akademie

Premiere: 15. Oktober 2022
Giordano: FEDORA
Marco Armiliatto / Mario Marione
Sonya Yoncheva, Roberto Alagna, George Petean

Premiere: 5. November 2022
Ades:  THE TEMPEST
Thomas Ades / Robert Lepage
Leigh Melrose, Isabel Leonard, Audrey Luna

Teatro alla Scala - Milano

Mit der Spielzeit 2021-2022 will die Scala ihr normales Programm wieder aufnehmen. Einerseits haben wir trotz der Unterbrechungen durch die Schließungen weiterhin Aufführungen für Streaming und Fernsehen produziert, andererseits haben wir diese Monate damit verbracht, die Struktur des Theaters zu überdenken und umzugestalten, um uns bei der Rückkehr unseres Publikums mit einer hochkarätigen künstlerischen Saison und einer renovierten, moderneren und nachhaltigeren Struktur präsentieren zu können.

Die Opernsaison 2021/2022

In der Spielzeit 2021/2022 werden an der Scala 13 Opernproduktionen aufgeführt, von denen nur eine einzige bereits vom Mailänder Publikum gesehen wurde: 9 Neuproduktionen und 3 Aufführungen von anderen Theatern. Bei der Auswahl des Repertoires und der Interpreten wird auf Vielfalt und Ausgewogenheit geachtet, damit das Publikum ein breites Spektrum an Werken und Künstlern hören und sehen kann.  Die zentrale Bedeutung der italienischen Tradition wird mit acht Titeln aus dem 18. bis 20. Jahrhundert bestätigt, aber auch Meisterwerke aus dem französischen, russischen, österreichischen, deutschen und englischen Repertoire werden zu hören sein. Giuseppe Verdi ist der einzige Komponist, der mit drei Titeln vertreten ist, die anderen haben jeweils einen, und auch unter den Interpreten tauchen nur wenige Künstler in verschiedenen Produktionen auf. Neben dem Musikdirektor Riccardo Chailly werden im nächsten Jahr große Meister wie Daniel Barenboim, Valery Gergiev, Esa-Pekka Salonen und Christian Thielemann an der Scala auftreten. Wichtige Interpreten wie Ottavio Dantone, Evelino Pidò und Tugan Sokhiev werden zurückkehren. Zwei sehr talentierte 30-Jährige, Lorenzo Viotti und Michele Gamba, sind ebenfalls dabei, und die Liste der Debütanten ist lang: Thomas Adès, Alain Altinoglu, Marco Armiliato, Giampaolo Bisanti, Michael Boder, Fréderic Chaslin, Pablo Heras-Casado und Speranza Scappucci. Unter den Regisseuren geben Marco Arturo Marelli, Adrian Noble und Olivier Py ihr Debüt. Die Besetzungen zeigen ein komplettes Panorama der größten Stimmen unserer Zeit, bieten aber auch Platz für die besten jungen Sänger, die in den Beruf einsteigen.

 

Die neuen Produktionen

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Regisseur Davide Livermore  inszeniert „Macbeth. Foto: Brescia e Amisano/Teatro alla Scala

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Lady Macbeth: Anna Netrebko. Foto: Brescia e Amisano/ Teatro alla Scala

Musikdirektor Riccardo Chailly dirigiert zwei Neuinszenierungen von Verdi-Titeln: die Saisoneröffnung Macbeth unter der Regie von Davide Livermore mit Anna Netrebko, Luca Salsi, Francesco Meli und Ildar Abdrazakov sowie Un ballo in maschera mit Sondra Rodvanovsky, erneut Francesco Meli, der seine Galerie der großen Verdi-Figuren an der Scala fortsetzt, und Luca Salsi: eine Gelegenheit für das Regiedebüt von Marco Arturo Marelli, der an den europäischen Theatern für seinen eleganten und essentiellen Stil geschätzt wird.

Vincenzo Bellini, der am wenigsten aufgeführte der großen italienischen Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts, kehrt in die Saison zurück: I Capuleti e i Montecchi wird von Evelino Pidò dirigiert, die Regie führt Adrian Noble, ebenfalls in seiner ersten Oper an der Scala, und die Besetzung ist mit Lisette Oropesa, Marianne Crebassa, René Barbera und Michele Pertusi ideal.

Drittes Regiedebüt mit dem vulkanischen Olivier Py, der Massenets Thaïs unter der Leitung von Lorenzo Viotti mit den herrlichen Stimmen von Marina Rebeka, Ludovic Tézier und Francesco Demuro singen darf.

Nach dem großen Erfolg seiner jüngsten Chovanščina bietet Valery Gergiev mit Tschaikowskys Pique Dame unter der Regie von Matthias Hartmann ein weiteres Meisterwerk des russischen Repertoires mit Asmik Grigorian (im Wechsel mit Elena Guseva) und Najmiddin Mavlyanov in den Hauptrollen.

Frédéric Chaslin, ein kultivierter und origineller Dirigent und Komponist, gibt sein Debüt an der Scala mit La Gioconda von Amilcare Ponchielli in einer Inszenierung von Davide Livermore, in der Sonya Yoncheva, Daniela Barcellona, Judit Kutasi, Fabio Sartori, Roberto Frontali und Erwin Schrott mitwirken.

Das Teatro alla Scala präsentiert achtundzwanzig Jahre nach Gilbert Deflo eine Neuinszenierung von Rigoletto und vertraut sie einem führenden Regisseur wie Mario Martone und einem jungen Dirigenten wie Michele Gamba an, mit Enkhbat Amartüvshin, Nadine Sierra und Piero Pretti in den Hauptrollen.

Das Projekt der Accademia blickt mit Cimarosas Il matrimonio segreto auf das 18. Jahrhundert zurück: die jungen Studenten werden musikalisch von Ottavio Dantone und szenisch von Irina Brook angeleitet, einer Meisterin der Ironie, die kürzlich mit dem Kurt Weill gewidmeten Diptychon unter der Leitung von Riccardo Chailly debütierte.

Umberto Giordanos Fedora wird von Mario Martone und Margherita Palli neu interpretiert, dirigiert von Marco Armiliato und gespielt von dem charismatischen Duo Sonya Yoncheva und Roberto Alagna.

 Produktionen aus anderen Theatern und Wiederaufnahmen

Francesco Cileas Adriana Lecouvreur kehrt in der von David McVicar für Covent Garden konzipierten Inszenierung an die Scala zurück und markiert das Scala-Debüt des Mailänder Regisseurs Giampaolo Bisanti, der am Teatro Petruzzelli in Bari tätig ist. Zwei herrliche Besetzungen wechseln sich ab: Maria Agresta und Anna Netrebko, Freddie De Tommaso in seinem Debüt an der Scala sowie Yusif Eyvazov, Anita Rachvelishvili und Elena Zhidkova, Alessandro Corbelli und Ambrogio Maestri.

Don Giovanni, die einzige Wiederaufnahme der Saison, kehrt in Robert Carsens gefeierter Inszenierung zurück, die die Spielzeit 2011/2012 eröffnete, und umrahmt das Debüt von Pablo Heras-Casado mit den Stimmen von Christopher Maltman, Alex Esposito, Hanna-Elisabeth Müller, Emily d’Angelo und Bernard Richter.

Von der Wiener Staatsoper kommt Ariadne auf Naxos in Sven-Eric Bechtolfs eleganter Inszenierung des 20. Jahrhunderts. Auch hier gibt es ein Debüt auf dem Podium, das von Michael Boder, und eine prestigeträchtige Besetzung, deren Höhepunkte die Protagonistin Krassimira Stoyanova, Stephen Gould, der heute die schwierige Rolle des Bacchus wie kein anderer meistert, und die Entdeckung Erin Morley als Zerbinetta sind.

Die zeitgenössische Oper, die wir in der Saison 2022 präsentieren, ist ein Meisterwerk, das in der ganzen Welt anerkannt und aufgeführt wird, aber in Mailand noch nie zu hören war: The Tempest von Thomas Adès in der Inszenierung von Robert Lepage, die von der Metropolitan und der Wiener Staatsoper koproduziert wurde, bildet einen würdigen Abschluss unserer Saison mit dem Komponisten am Pult und Leigh Melrose und Isabel Leonard in den Hauptrollen.

 

Die Konzerte

 Die Konzertbesucher können sich auf zahlreiche Neuerungen freuen: neben der traditionellen Symphonischen Saison mit sieben Konzerten mit Orchester und Chor des Theaters werden die Außerordentlichen Konzerte und die Liederabende durch einen neuen Zyklus mit Gastorchestern und einen Zyklus mit großen Pianisten mit jeweils fünf Terminen ergänzt. Neu sind auch die Kammerkonzerte mit Solisten und Ensembles des Orchesters, die in einem intimeren Rahmen im Ridotto dei Palchi stattfinden werden. Wir haben die Angebote für ein jüngeres Publikum überdacht und erweitert, die immer mehr an Bedeutung gewinnen werden: zu den Kürzungen von Werken des großen Repertoires werden künftig auch Aufträge für Werke hinzukommen, die ausdrücklich für Kinder bestimmt sind. Die Sonntagnachmittagskonzerte sind in einer neuen, von Mario Acampa konzipierten, erzählerischeren und spektakuläreren Form dem jüngsten Publikum gewidmet, während für die Montagnachmittage neue Termine mit ausdrücklich didaktischem Zweck für ältere Kinder vorgesehen sind.

 Die Ballettsaison 2021/2022

Die Spielzeit 2021/2022 ist die erste, die der neue Ballettdirektor Manuel Legris konzipiert hat. Das Programm trägt der Identität des Balletts der Scala Rechnung, indem es den Weg fortsetzt, der die Geschichte der Ensemble respektiert und ein Gleichgewicht zwischen Tradition und Offenheit für neue Protagonisten, die die internationale Szene beleben, schafft. Neben den Klassikern werden wir neuen Kreationen und bedeutenden Werken, die noch nie auf unserer Bühne zu sehen waren, Raum geben, das Repertoire durch die Einladung von originellen Namen unserer Zeit bereichern und hochrangige Autoren die gebührende Beachtung schenken.

Es gibt sieben Programme, darunter ein Triptychon und ein Diptychon, die viele Neuerungen an die Scala bringen: zwei Uraufführungen für die Künstler der Kompanie, drei Debüts von bekannten Werken, die noch nie auf unserer Bühne zu sehen waren, und fünf Titel aus unserem Repertoire.

Die Neuheiten begannen bereits bei der Eröffnung der Saison mit der Premiere von Rudolf Nurejews La Bayadère, die noch nie von einer anderen Ensemble als dem Ballett der Pariser Oper aufgeführt wurde, für das sie 1992 geschaffen wurde. Nun wird es zum ersten Mal an der Scala von den Künstlern der Kompanie aufgeführt, mit Svetlana Zakharova in zwei Vorstellungen im Januar, und zwar in einer völlig neuen Inszenierung: Bühnenbild und Kostüme werden von Luisa Spinatelli entworfen.

Die Neuheiten werden im Januar mit einem Triptychon fortgesetzt: eine Weltpremiere von Solitude Sometimes, einer neuen Kreation von Philippe Kratz; eine nationale Premiere von Anima Animus von David Dawson¸ die 2018 für das San Francisco Ballet zur Musik von Ezio Bosso geschaffen wurde. Die Rückkehr von Bella Figura, einem 1995 geschaffenen und 2009 von unseren Künstlern uraufgeführten Juwel, auf die Bühne ist eine Hommage an Jiří Kylián in einem seiner Meisterwerke.

Die Premieren werden im Juni und Juli mit einer Abendveranstaltung fortgesetzt, die vollständig von Wayne McGregor gestaltet wird und ganz im Zeichen Igor Strawinskys steht. McGregor betraut die Scala mit der nationalen Premiere von AfteRite, seiner ersten Kreation für das American Ballet Theater (2018), einer neuen und originellen Interpretation von Le Sacre du printemps und einer neuen Kreation zu einem weiteren Meilenstein in der Geschichte von Musik und Ballett: Les noces.

Auf der Bühne werden Titel zu sehen sein, die zur Geschichte des Balletts und des Repertoires der Scala gehören: George Balanchines Jewels kehrt nach acht Jahren zurück, und auch Onegin kehrt zurück, ein perfektes Beispiel für ein modernes „Tanzdrama“, das von Aleksandr Puškins Roman inspiriert ist¸ den John Cranko meisterhaft und einfühlsam umgeschrieben hat, und in dem unser étoile Roberto Bolle wieder für einige Vorstellungen die Hauptrolle spielen wird. Außerdem kehren zwei weitere Titel zurück, die für die Verbindung zwischen Manuel Legris und der Scala von besonderer Bedeutung sind: Sylvia, seine Choreografie, mit der die Spielzeit 2019/2020 eröffnet wurde, und Giselle, die auf internationalen Tourneen und in den letzten Spielzeiten bis zur denkwürdigen Ausgabe 2020 anwesend war, für die Carla Fracci die Trainerin und Schirmherrin war.

Schließlich gibt es noch eine gute Nachricht für die laufende Saison: am 1. Oktober wird Madina aufgeführt, eine musikalische und choreografische Kreation, die die Sensibilität von zwei der größten italienischen Künstler der Gegenwart vereint, mit einer Choreografie von Mauro Bigonzetti und der Weltpremiere der Komposition von Fabio Vacchi; eine neue Herausforderung auch für den étoile Roberto Bolle, der in mehreren Aufführungen zu sehen sein wird.

 Herbstprogrammierung

Zwischen September und November, vor Beginn der neuen Spielzeit, präsentiert die Scala 5 Opernproduktionen, von denen 2 neu sind und eine nur an einem Abend zu sehen war. Die Scala wird mit drei komischen Meisterwerken Rossinis wiedereröffnet, mit einer historischen Produktion wie L’italiana in Algeri von Ponnelle unter der Leitung von Ottavio Dantone, einer großen Neuproduktion von Il barbiere di Siviglia unter der Leitung von Riccardo Chailly und der intelligenten und poetischen Regie von Leo Muscato sowie der Inszenierung von Roberto Andòs Il turco in Italia unter der Leitung von Diego Fasolis, die zum ersten Mal vor der Schließung aufgeführt wird. Die Inszenierung von La Calisto von Francesco Cavalli mit der Regie von David McVicar und der Leitung von Christophe Rousset bringt diesen bedeutenden Komponisten der venezianischen Schule zum ersten Mal in das Piermarini. Der neueste Operntitel ist die Wiederaufnahme von L’elisir d’amore unter der Leitung von Michele Gamba. Zu den wichtigsten Projekten, die durch die Pandemie im Jahr 2020 gestrichen werden, gehört zweifellos die Uraufführung von Madina, das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen dem Komponisten Fabio Vacchi und dem Choreografen Mauro Bigonzetti. Madina wird im Oktober mit dem étoile Roberto Bolle und unter der Leitung von Michele Gamba wiederaufgenommen.

Das künstlerische Team

 Um dieses künstlerische Projekt auf höchstem Niveau durchführen zu können, war es notwendig, dem Teatro alla Scala eine stabile künstlerische Struktur zu garantieren, die eine sichere Definition der auslaufenden Figuren gewährleistet. Nach der Bestätigung von Maestro Riccardo Chailly als Musikdirektor und der Ernennung von Manuel Legris zum Ballettdirektor hat Maestro Bruno Casoni das Ende seiner fast zwanzigjährigen, unschätzbaren Arbeit an der Spitze des Chors der Scala erreicht. Sein Nachfolger ist Maestro Alberto Malazzi, der viele Jahre mit ihm an der Scala zusammengearbeitet hat, und der Leiter des Chores am Teatro Comunale di Bologna gewesen ist. Nachdem wir die künstlerische Leitung des Theaters für die kommenden Jahre gefestigt haben, haben wir die Wettbewerbe reaktiviert, um die künstlerischen Ensembles zu vervollständigen: Orchester, Chor und Corps de Ballet werden im Laufe der Zeit eine sichere und konstante Struktur finden, auf die sie sich bei ihrer weiteren künstlerischen Entwicklung stützen können.

Ein integratives und zugängliches Scala

Zahlreiche Neuerungen betreffen die Strategien für den Zugang zum Theater, die Abonnements und die Preise. Das Teatro alla Scala braucht, wie alle Theater nach der Pandemie, eine Strategie der Einbeziehung und Wiederbelebung des Publikums, und wir haben bereits einige wichtige Signale für die nächste Spielzeit gegeben. Die Abo-Zyklen wurden von 5 auf 4 reduziert und die Anzahl der Titel im Abonnement wurde verringert. In der Vergangenheit hatte die Scala einen sehr hohen Anteil an Plätzen in der höchsten Preisklasse: das gesamte Parkett und viele Logenplätze. Wir haben das Layout des Theaters umgestaltet, indem wir eine zweite Preiskategorie im Parkett eingeführt und die Preise innerhalb der Logen gestaffelt haben, wodurch die Preise für Plätze mit schlechter Sicht weiter gesenkt wurden. Schließlich haben wir die Konzerte des Gastorchesters mit denen der Sinfoniekonzerte des Theaters abgestimmt, wobei die besten Plätze für 95 € verkauft werden. Ein Projekt, das uns besonders am Herzen liegt, ist „Un palco in famiglia“, bei dem Erwachsene, die einen Vollpreisplatz in einigen Logen kaufen, zusätzliche Plätze für Kinder unter 18 Jahren für 15 Euro erwerben können. Auch die Abonnements und Vorpremieren für die unter 30-Jährigen werden fortgesetzt, die seit Jahren junge Erwachsene zusammenbringen und dazu beitragen, das neue Publikum der Scala zu bilden.

Von besonderem Interesse für das internationale Publikum sind die Abonnements Mini und Weekend.

Die Mini-Formel umfasst 6 Titel und ist in zwei Versionen erhältlich: der M-Zyklus umfasst 4 Opern (Adriana Lecouvreur, Don Giovanni, La Gioconda und Il matrimonio segreto) und 2 Ballette (Sylvia und Giselle), während der O-Zyklus 3 Opern (Adriana Lecouvreur, Don Giovanni, Il matrimonio segreto) und 3 Ballette (Trittico Dawson/Kratz/Kylián, Sylvia und Giselle) bietet.

Das Wochenendabonnement bietet 5 Vorstellungen am Sonntagnachmittag oder Samstagabend. Die Titel sind 4 Opern (Don Giovanni, Un ballo in maschera, Il matrimonio segreto, Fedora) und 1 Ballett (Jewels).

Die Scala verwandelt sich im Mailand des nächsten Jahrzehnts

 Die Scala stellt sich ihre Zukunft mit ehrgeizigen Projekten vor, die Teil des Wandels in der Stadt sind. Am 26. April haben wir den Grundstein für das neue Gebäude in der Via Verdi gelegt, das den Entwurf des Architekten Botta vervollständigt und alle Büros des Theaters in einem einzigen Gebäudekomplex zusammenfasst, die Bühne erweitert und den Musikern ein hochmodernes Proben- und Aufnahmestudio bietet. In der Zwischenzeit schreitet der Plan voran, im Rubattino-Gebiet eine Zitadelle für Theater und Musik zu errichten, die Lagerhallen und Werkstätten für die künstlerische Produktion zusammenführt und so zum neuen Erscheinungsbild des Viertels beiträgt.  Innerhalb des Theaters haben wir drei Innovationsprojekte gestartet. Der erste ist ein technologischer Plan zur Förderung der digitalen Innovation, der sich auf die Abläufe und die Arbeitsorganisation auswirken wird, aber auch auf die Übertragung der Aufführungen, die von einem System fester Kameras gefilmt werden, die das Streaming in Zusammenarbeit mit der RAI ermöglichen, und auf den Empfang der Zuschauer, die 2022 ein Tablet in der Rückenlehne des Sitzes vor sich finden werden, das die Übersetzung von Texten in acht Sprachen und eine Reihe von Zusatzdiensten bietet. Der zweite, der sich aus dem ersten ergibt, ist ein ökologischer Nachhaltigkeitsplan, der die Reduzierung des Papierverbrauchs, die Erhöhung des Anteils recycelter Abfälle, die Auswahl von Materialien für die Einrichtung und die Nutzung erneuerbarer Energien im Rahmen eines bereits begonnenen Prozesses vorsieht. Schließlich haben wir beschlossen, unser Theater mit einem Eingliederungsprojekt auszustatten, das die Talente und die Professionalität von Frauen sowohl im künstlerischen als auch im organisatorischen Bereich fördert und dafür sorgt, dass sie sich entsprechend ihrem Talent, ihrer gleichen Bezahlung und ihrer Würde am Arbeitsplatz entfalten können.   

Das Projekt, das wir vorstellen, ist ehrgeizig und komplex. Unser Engagement für den Aufbau eines Theaters, das in zunehmendem Maße in der Lage ist, die Herausforderungen der kommenden Jahre zu meistern, muss mit einer umfassenden Vision der Scala beginnen, die wir uns wünschen, in der künstlerische Exzellenz, Produktionskapazität, Verwaltungsvereinfachung und Dienstleistungen für unser Publikum Hand in Hand gehen und sich harmonisch in die Entwicklung einer Stadt einfügen, die sich im Aufbruch befindet.

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Würdevoller Carreras-Abschied!

adieu
Seit eineinhalb Jahren erstmals „volles Haus“ – zum Carreras-Abschied. Foto: Fritz Krammer

Hallo Online-Merker, ich komme soeben vom „Familienfest“ in der Staatsoper, welches diese fabelhaft für Jose Carreras arrangierte. Der Direktor hielt vorweg einen respektvollen Haus – Karriere Rückblick (sprechen und präsentieren kann er), immer von Herrn Carreras sprechend, auf die 140 Abende an der Staatsoper die diversen Rollen, mit Beispielen u. a auch die legendäre  Boheme Karajan Boheme, 1977, mit Mirella Freni, dazu einem launigen Seitenhieb auf die Piratenaufnahmen, dieser Boheme Mitschnitt ist so ein Produkt und Piraten waren seinerzeit nicht Direktors Firmen- Freunde. Dazu die Carmen von 1991 mit der Baltsa, damals ist der ORF kurzfristig improvisiert nur in den 4. Akt eingestiegen.

Den Abschieds Abend per se wird sicher Ihr Merker vor Ort besprechen und analysieren, es gab an die 30 Minuten Beifall, ein halbes Dutzend Zugaben bevor sich Haus und Direktion mit einer sinnvollen „ Adieu und Danke“ Projektion von Jose Carreras verabschiedete.

Der Direktor hat wohl zum ersten Mal sein Haus so voll gesehen?

PS: Ich sende Ihnen vom Samsung kommentarlos die Vorhang Projektion, für den Fall. Vielleicht bekommen Sie ja auch eine bessere Aufnahme von der Staatsoper, ich fand die Idee sehr gelungen. Wie meist hatte ich meinem Lieblingsplatz Galerie Mitte.

Die sind wohl doch „ mitgefahren“ der Kamerateam Aufwand war groß im Haus. Die zwei Jungen Mitglieder aus dem Studio sind nicht genannt.

https://cape10.at/aktuelles/jose-carreras-abschiedskonzert-als-kinoerlebnis/

Fritz Krammer

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Landestheater Linz: Compliance-Kommission prüft Vorwürfe gegen Tanzdirektorin

Landestheater Linz Person Details
Vorwürfe gegen Mei Hong Lin. Foto: Linzer Landestheater

Im Februar dieses Jahres wurde die Intendanz des Landestheaters Linz darüber informiert, dass Mitglieder der Tanzkompanie Linz das Führungsverhalten der Tanzdirektorin und Chefchoreographin am Landestheater Linz, Frau Mei Hong Lin, kritisieren. Frau Mei Hong Lin hat die Vorwürfe schriftlich und in mehreren Gesprächen stets als falsch und unrichtig von sich gewiesen und von Mobbing einzelner Ensemblemitglieder gegen ihre Person gesprochen.

Hermann Schneider, Intendant des Landestheaters Linz: „Bühnenkunst entsteht nur im Miteinander. Wir wollen am Landestheater Linz daher auch einen Umgang untereinander, der von Wertschätzung, gegenseitiger Achtung und Fairness getragen ist. Ein Führungsverhalten, das gegen diese Grundsätze verstößt, wird von uns ebenso wenig geduldet wie Mobbing.“

Das Landestheater Linz hat daher auch sofort eine Reihe von Maßnahmen gesetzt, um die Konfliktsituation in der Sparte Tanz zu entspannen. „Es gab eine Neuverteilung der Kompetenzen in der Leitung der Tanzkompanie. Weiters haben wir den Arbeitspsychologischen Dienst Linz beigezogen und in vielen Gesprächen mit der Kompanie und der Tanzdirektorin versucht, die Situation für alle Beteiligten zu verbessern“, so Schneider.

Seit Ende August 2021 arbeitet die Tanzkompanie nun nach der Sommerpause wieder am neuen Programm der Saison 2021/2022. In diesen zwei Wochen seit Wiederaufnahme der Probenarbeit hat es leider erneut Vorwürfe gegen den Führungsstil von Frau Lin gegeben. Schneider: „Um die Vorwürfe ungestört und fair prüfen zu können, haben wir daher Frau Lin heute mitgeteilt, dass sie von Ihrer Funktion als Tanzdirektorin und Chefchoreographin freigestellt ist, bis alle, auch die jüngsten, gegen sie erhobenen Vorwürfe restlos aufgeklärt sind.“

Dazu wird in Abstimmung mit dem Betriebsrat eine Compliance-Kommission unter externer Leitung von Univ.-Prof. Dr. Reinhard Resch, Institutsvorstand des Instituts für Arbeitsrecht an der Johannes Kepler Universität Linz, eingerichtet, um den Sachverhalt vertrauensvoll und zeitnah aufzuklären.

Die interimistische Leitung der Tanzkompanie des Landestheaters Linz übernehmen die Kompanie-Managerin Roma Janus und der Intendant des Landestheaters Hermann Schneider.
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STUTTGART: Volle Besetzung auf der Bühne und im Orchestergraben

Die Staatsoper Stuttgart zeigt zu Saisonbeginn Tosca, Die Zauberflöte und Madama Butterfly in voller Orchester- und Chorbesetzung

Mit einem Klassiker des Opernrepertoires eröffnet die Staatsoper Stuttgart die Spielzeit 21/22: Am 18. September um 19.30 Uhr kehrt Giacomo Puccinis Tosca in der Regie von Willy Decker auf die Bühne des Littmann-Baus zurück. Die italienische Sopranistin Maria Agresta feiert ihr Stuttgarter Debüt mit der Titelpartie der Flora Tosca, mit der sie zuletzt u.a. an der Opéra National de Paris gastierte. Der deutsch-brasilianische Tenor Martin Muehle übernimmt die Partie des Mario Cavaradossi und feiert damit sowohl sein Rollen- wie sein Hausdebüt an der Staatsoper Stuttgart. Die Rolle des Baron Scarpia wird von Lucio Gallo gestaltet. In weiteren Rollen sind die Ensemblemitglieder Jasper Leever (Cesare Angelotti), Andrew Bogard (Mesner) und Heinz Göhrig (Spoletta) zu erleben. Giuliano Carella dirigiert das Staatsorchester Stuttgart. Darüber hinaus singen der Staatsopernchor sowie der Kinderchor der Staatsoper Stuttgart.

Nachdem in der vergangenen Saison das Staatsorchester und der Staatsopernchor pandemiebedingt in reduzierter Stärke und auf Abstand proben und spielen mussten, sind zu Beginn der neuen Spielzeit Chor und Orchester erstmals wieder in voller Besetzung zu erleben. Durch Impfungen und regelmäßige Testungen kann auf Mindestabstände verzichtet werden, so dass auch das Staatsorchester wieder im Orchestergraben Platz nehmen kann. Willy Deckers Inszenierung von Puccinis Meisterwerk um die Sängerin Flora Tosca und ihren Geliebten gehört zu den beliebtesten Produktionen an der Staatsoper Stuttgart, die im Juli 1998 Premiere feierte.

Eine weitere Erfolgsproduktion wird ab dem 19. September wieder aufgenommen: Mozarts Zauberflöte in der Regie von Barrie Kosky. Die spezielle Corona-Fassung mit szenischen Doubles aus der letzten Spielzeit wird beibehalten, jedoch können auch hier Chor und Orchester in voller Stärke singen und musizieren. Ab dem 2. Oktober kehrt schließlich Madama Butterfly in der Regie von Monique Wagemakers zurück ins Repertoire. Wie die beiden anderen Produktionen wird auch dieses Werk in der Originalfassung auf die Bühne gebracht.

Der Zuschauerraum des Opernhauses wird für die Aufführungen im September und Oktober im Schachbrettmuster zu rund fünfzig Prozent besetzt. Voraussetzung für den Besuch der Vorstellungen ist der Nachweis eines tagesaktuellen negativen Tests, einer vollständigen Impfung oder einer Genesung von Covid-19 (3G).

Giacomo Puccini
Tosca
Samstag, 18. September 2021, 19:30 Uhr

 Weitere Vorstellungen 21./ 26. September 2021, 1./13./19. Februar 22

Wolfgang Amadeus Mozart
Die Zauberflöte
Sonntag, 19. September 2021, 19 Uhr

Weitere Vorstellungen: 25./27. September , 6./7. Oktober 2021, 27./28. November, 14./21./26. Dezember 2021

Giacomo Puccini
Madama Butterfly
Samstag, 2. Oktober 2021, 19 Uhr

 Weitere Vorstellungen: 8./13.16./24. Oktober 2021
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Die erste Solistin des Stuttgarter Balletts initiiert ein interkulturelles Projekt zwischen dem Stuttgarter Ballett und der Escuela Superior de Música y Danza de Monterrey, Mexiko


Die Teilnehmer. Copyright: Roman Novitzky

Die erste Solistin des Stuttgarter Balletts Rocío Alemán hat ein interkulturelles Austauschprojekt zwischen ihrer ehemaligen Ballettschule – der Escuela Superior de Música y Danza de Monterrey in Mexiko – und dem Stuttgarter Ballett gestartet. Das Projekt ermöglicht der Abschlussklasse der ESMDM die Erfahrung, mit Choreograf*innen des Stuttgarter Balletts zusammenzuarbeiten und so ihre künstlerischen und technischen Fähigkeiten zu erweitern sowie die Arbeit im professionellen Umfeld einer weltweit renommierten Ballettkompanie kennenzulernen.

Im Rahmen des Pilotprojekts „Creer para crecer“ („schaffen um zu wachsen“) haben zehn Choreograf*innen des Stuttgarter Balletts jeweils ein dreiminütiges Solo für je eine*n Absolvent*in kreiert. Die pandemiebedingt virtuell erprobten Soli wurden zu einem 60-minütigen Video zusammengefügt, das am 25.09.2021 um 19 Uhr auf der Creare Crescere YouTube-Kanal präsentiert wird.
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VLADIMIR KLOS – Ups and downs, mein Leben – einziger Tanz

aufgezeichnet von Silke Meier-Brösicke

(Henschel-Verlag 2021 ISBN 978-3-89487-834-4)

vladimir klos buchcover 9783894878344

Rechtzeitig zum 75.Geburtstag von Vladimir Klos am 1. Juli dieses Jahres ist die biographische Lebensaufzeichnung des tschechischen Tänzers erschienen, der so etwas wie das fünfte Rad am Zugpferd des John Crankos Stuttgarter Ballettwunder maßgeblich beeinflusst habenden Erste Solisten-Quartetts Marcia Haydée, Birgit Keil, Richard Cragun und Egon Madsen gewesen ist. Hat der 1946 in Prag geborene Tänzer doch als häufigster Partner und seit 2011 mit Trauschein auch offizieller Lebensgefährte von Birgit Keil im Prinzip genauso hohen Anteil am Ruhm der Compagnie gehabt.

Silke Meier-Brösicke, die in den letzten vier Jahren als Dramaturgin zu seinem Team als Co-Direktor des Badischen Staatsballetts Karlsruhe gehört hatte, zeichnet für dieses Buch mitverantwortlich. In den locker mit vielen Fotos seiner bedeutendsten Rollen und seiner Weggefährten angereicherten Kapiteln kommt immer wieder die große Dankbarkeit zum Ausdruck, mit der der Jubilar auf sein reiches künstlerisches Leben zurück blickt. Die größte Erfüllung bedeutete für ihn mit seiner Kunst des Durchlebens von Persönlichkeiten auf der Bühne Menschen berührt zu haben und dabei aber auch selbst berührt gewesen zu sein.

Ohne Umschweife und unter Verzicht auf nebensächliche Details wird der Lebensweg aufgeblättert. Angefangen von seiner überaus glücklichen Kindheit bis zum politischen Umschwung 1968, seiner im Alter von fünf Jahren ersten Ballett-Begegnung bei einer „Schwanensee“-Vorstellung in der Staatsoper seiner Heimatstadt, dem Beginn seiner Ballett-Ausbildung im Alter von acht Jahren in der gleichen Schule, in der ein Jahr hinter ihm mit Jiri Kylian ein weiterer bedeutender Name in der Ballettwelt am Start war.

Die nächsten Kapitel beschäftigen sich mit seinem Erstengagement beim Studio Ballett Prag mit seinem für damalige Verhältnisse weltoffeneren Repertoire, mit seinem ersten Hauptrollen-Debut als Romeo (allerdings zu Musik von Tschaikowsky!), zu der er bis heute trotz vieler anderer großartiger Bühnencharaktere die persönlichste Verbindung hat, und dem Leben aus dem Koffer während der vielen Gastspiele in aller Welt  von 1964-68. Dabei erfahren wir, dass er dazwischen auch für sechs Monate in einer Musical-Produktion am Theater an der Wien mitwirkte und durch eine Zufallsbegegnung mit Helmut Weiss sogar  einen Ausflug ins Schauspielmetier in einer Hauptrolle in dessen Film „Bonifatius Kiesewetter“ unternommen hatte.

Eindrücklich wird seine von der Mutter angetriebene Flucht in den Westen Ende August 1968 in einem Zug nach Wien geschildert. Bereits ein Jahr zuvor hatte er durch eine Einladung zum Vortanzen in Stuttgart, die Voraussetzung für die Gewährung eines Visums war, einen diesbezüglichen Anlauf unternommen, musste jedoch aufgrund einer Verletzung absagen. 1968 klappte es dann bei einem Vortanzen bei Cranko in München, wo er bald zum ersten Mal Birgit Keil begegnete und ab 1.12. desselben Jahres einen Vertrag für die Stuttgarter Compagnie bekommen hatte.

Sehr bewegend und aus seinem ganz persönlichen Blickwinkel wird der Tod Crankos geschildert, der ihn kurz zuvor noch zum ersten Solisten beförderte. Dasselbe gilt für weitere besonders schwere Zäsuren seiner Karriere wie eine Halswirbel-Verletzung mit weitreichenden Folgen, seinem umjubelten Comeback als Romeo 1993, dem Rücktritt von Marcia Haydée als Gelegenheit seines eigenen Bühnenabschieds 1996 mit rund fünfzig Jahren, was als Tänzer ohnehin schon ein sehr reifes Alter ist, und er als Übergang zu einem Neuanfang betrachtete anstatt in Depressionen zu verfallen.

Mit der Ernennung zum Lehrbeauftragten 1996 und drei Jahre später zum Professor an der Musikhochschule Mannheim in der Ausbildung von TänzerInnen zu Pädagogen und Ballettmeistern sowie im Repertoire-Unterricht in klassischem Ballett für Abschluss-Klassen wartete bereits die zweite Karriere auf ihn. Gekrönt wurde sie 2003 als Partner von Birgit Keil zum Co-Direktor des 2012 zum Staatsballett avancierten Karlsruher Balletts. In dieser Zeit fungierte er noch zusätzlich als Kostümbildner einiger Produktionen, nachdem er bereits früher erste Entwürfe für seine Frau kreiert hatte.

Sehr berührend ist Klos Bekenntnis zum Entschluss bei der Compagnie-Leitung in Karlsruhe denselben Weg wie einst Cranko zu gehen und jungen Tänzern Chancen zu geben anstatt auf renommierte Gasttänzer zu setzen. Der Erfolg gab ihm Recht genauso wie damals seinem berühmten Mentor.

Bewegend ist schließlich noch die Erwähnung seines Schicksalsschlages in Form einer schweren Krebserkrankung, die er über alle Leiden des langwierigen Heilungsprozesses hinweg durch den festen Willen, bei der Abschieds-Gala 2019 in Karlsruhe unbedingt dabei zu sein, überwinden konnte.

Am Ende dieses sehr lesenswerten, kurzweiligen Buches, das bei den Zeitgenossen seiner Tänzerkarriere viele Erinnerungen lebendig werden lässt und Nachgeborene über vieles sicher Nicht Gewusste in Kenntnis setzt, stehen ein Rollenverzeichnis von Vladimir Klos Repertoire sowie seine Vita in Kurzform.

 Udo Klebes 

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Nationaltheater Mannheim – Familienkonzert »Mara tanzt durch München« auf NTM Digital

Seit dem Lockdown hat der Künstler Ernesto Lucas HO mit seinen handgezeichneten Illustrationen nicht nur den »Barbier von Sevilla« in Szene gesetzt, sondern auch mit dem virtuellen Familienkonzert zu Ravels »Ma mère l’Oye – Mutter Gans« bei den Kleinsten für Begeisterungsstürme gesorgt.

Dieses Mal landet Mara, die Mannheimer Rakete, in München, mitten im Arbeitszimmer des Komponisten Karl Amadeus Hartmann, der gerade dabei ist, seine »Tanzsuite« zu schreiben. Leider hat er beim Komponieren einen wichtigen Teil der Musik vergessen und Mara wäre nicht Mara, wenn sie ihm nicht helfen würde, das fehlende Stück in seinen Erinnerungen zu suchen.

Eingespielt von Musiker*innen des Nationaltheater-Orchesters verzaubert auch der neue Trickfilm aus der Feder von Ernesto Lucas HO Jung und Alt gleichermaßen!

Ab dem 19. September bis zum 17. Oktober steht das Familienkonzert auf der Website des Nationaltheaters Mannheim unter NTM DIGITAL zur Verfügung.

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Zum Glück haben wir keine anderen Sorgen!

grio

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