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INFOS DES TAGES (FREITAG, 3. AUGUST 2018)

03.08.2018 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (FREITAg, 3. AUGUST 2018)

ZUM GATTI-HINAUSWURF: Aktuelles „Apropos“ von Renate Wagner  „Unser täglich Opfer gib uns heute“

Bildergebnis für daniele gatti

Daniele Gatti wurde wegen „Sexueller Belästigung“ vom Concertgebouw-Orkestra“ hinausgeworfen. Soll er nicht auch den neuen Bayreuther „Ring“ (2020) dirigieren?

ZUM „APROPOS“

Daniele Gatti und das Concertgebouw-Orchester: Trennung nach Missbrauchsvorwürfen

https://www.br-klassik.de/aktuell/news-kritik/daniele-gatti-concertgebouw-orchester-trennung-missbrauchsvorwuerfe-100.html

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Cleveland Orchestra Concertmaster William Preucil Suspended Over Sexual Assault Allegations

Cleveland Orchestra Concertmaster William Preucil has this week been suspended from the ensemble following a serious allegation of sexual assault
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Gustav Kuhns Dissertation kein Plagiat. Die Kuhn-Gegner wollten auch die Dissertation in Frage stellen.

Gustav Kuhns Gegner sind fleißig, das muss man ihnen lassen! Nun haben sie seine Dissertation (Philosophie, Psychologie und Psychopathologie) von der Uni Salzburg untersuchen lassen, sind aber „abgeblitzt“

Gustav Kuhn, langjähriger Leiter der Tiroler Festspiele Erl, hat seine Dissertation nicht plagiiert. Das betont jetzt die Universität Salzburg, nachdem eine eigene Kommission die Arbeit Kuhns aus dem Jahr 1969 überprüft hat.

In Erl selbst herrscht ob des Kuhn- Rücktritts Verunsicherung.

Viele Fragezeichen bei den Festspielen Erl

Obwohl Kuhn seine Leitungsfunktion nur ruhend gestellt hat und ein Interimistischer Leiter bestellt wurde, haben sich bereits am ersten Tag 20 Bewerber für die Kuhn-Nachfole angemeldet


WAS WEISS MANUEL BRUG ÜBER DIE PLÄNE VON BOGDAN ROSCIC?

Liest Manuel Brug aus dem Kaffeesud oder ist er tatsächlich in die Pläne von Bogdan Roscic eingedrungen? Jedenfalls hat Manuel Brug einen Artikel für das  „Profil“ verfasst, in dem er auch „Roscic‘ Erzählungen“ an uns Leser weitergibt. Inwieweit es klug ist, sich den hierorts nicht unumstrittenden Deutschen Manuel Brug als Vertrauten  „anzulachen“, statt es sich mit der hiesigen Presse gut zu stellen, werden wir ja sehen – wenn es soweit ist.

Jedenfalls nennt er Regisseure, die – meiner bescheidenen Meinung nach – eigentlich an jedes große Opernhaus gehören. Ich meine Dmitri Tcherniakov und Calixto Bieito. Die Idee, fertige Produktionen einzukaufen, die sich bereits durchgesetzt haben und bei denen man kein Überraschungsei kaufen muss, setzt sich mehr und mehr durch. Lesen Sie Auszüge aus dem Profil -und wenn Sie mehr wissen wollen, kaufen Sie die Zeitung:

 

ZUM THEMA

FUNDSTÜCK AUS DEM JAHRE 1996

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Autorenumfrage des Theatermagazins DIE DEUTSCHE BÜHNE: Zwei Opernhäuser an der Spitze: Frankfurt und Halle

Zwei Opernhäuser sind diesmal die Sieger der Autorenumfrage, die das vom Deutschen Bühnenverein in Köln herausgegebene Theatermagazin DIE DEUTSCHE BÜHNE nach jeder Saison erhebt. In der Kategorie Überzeugende Gesamtleistung eines Hauses wählten die 63 regelmäßig für das Magazin tätigen Autorinnen und Autoren die Oper Frankfurt mit sieben Nennungen an die Spitze, dazu kommen noch fünf weitere Stimmen für dort herausgekommene künstlerische Einzelleistungen. In den Begründungen werden vor allem die „exzellente Mischung verschiedener Operngenres im Spielplan“ und die „hohe Qualität bei den Aufführungen“ genannt. Unter der Frage nach Überzeugender Theaterarbeit abseits großer Zentren setzte sich die Oper Halle mit vier Stimmen durch, dazu kommen zwei weitere unter Gesamtleistung. Hier betonen die Kommentare insbesondere den „Erneuerungskurs“ des Intendanten Florian Lutz mit einer „konsequenten Hinwendung zu allen Gruppen des Publikums“.

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BAYREUTHER PODCAST: PARSIFALS NEUE VATERFIGUR (mit Eleonore Bünig, Manuel Brug und Günther Groissböck)


Irr! Bei der Hitze mit Perücke und Mütze. Günther Groissböck verwandelt sich zum „Gurnemanz“. Foto: Youtube

Eleonore Bünig, Manuel Brug und Günther Groissböck zum Bayreuther „Parsifal“

ZUM VIDEO
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Neo Rauch und Rosa Loy, Ausstatter des neuen Bayreuther „Lohengrin“, bei der Mitgliederversammlung der „Freunde von Bayreuth e.V.“ am 27. Juli 2018

Im Rahmen der jedes Jahr während der Premieren-Serie der Bayreuther Festspiele stattfindenden Mitgliederversammlung der „Freunde von Bayreuth e.V.“, die die Festspiele jährlich mit einem sehr bedeutenden Betrag zwischen zwei und  drei Millionen Euro unterstützen, waren die Festspielleiterin Katherina Wagner und das Künstlerehepaar Neo Rauch und Rosa Loy auf dem Podium. Bekanntlich sind sie für die Ausstattung dieser Neuinszenierung verantwortlich, die nicht zuletzt deshalb auch mit großer Spannung erwartet wurde. Für mich fand am Premierenabend ein Primat der Ausstattung über die Regie statt, für die der junge US-Amerikaner Yuval Sharon verantwortlich ist, der aber nicht zur Mitgliederversammlung gekommen war.


Neo Rauch und Rosa Loy. Foto: Youtube

Neo Rauch und Rosa Loy gaben nach einer allgemeinen Einführung durch Katharina Wagner einige interessante Informationen zu ihrer Sicht des „Lohengrin“ und wie er in sechs Jahren in ihrem Atelier entstanden ist. Für Neo Rauch steht und fällt der Erfolg mit der „malerischen Umsetzung“. Wagners „Lohengrin“ liege eine „Mechanik des Raumgeschehens“ zugrunde. Das wollten sie mit ihrer Inszenierung symbolisieren. „Ich versuche träumend zu malen und malend zu träumen“ konstatierte Rauch. Seit sechs Jahren sei in ihrem Atelier die CD mit der „Lohengrin“-Musik gelaufen. Diese Musik habe letztendlich auch die Bilder evoziert. Er habe fast nichts gelesen, keine Literatur zum Werk, sich dem „Lohengrin“ nur über das Hören genähert. Das Textbuch war ihm nicht so wichtig, wie er auf Anfrage sagte, aber er habe es natürlich gelesen um zu wissen, worum es geht. Er wollte sich auf die Musik konzentrieren.

Dazu gab Neo Rauch ein interessantes Statement ab. Die Bedeutung des Kunstwerks erschließe sich über die Sinnlichkeit. Die verstandesmäßige Bedeutung sei für ihn nachrangig. Ihn habe schon immer das Hypnotische an Wagner fasziniert. Er sei aber kein Experte, sondern ein „Opfer“. Die Kostüme seien im Wesentlichen an das 17. Jahrhundert angelehnt. Sie wollten einen Zirkelschluss von der Gegenwart in die Zeit des Stücks, und da komme man ins 17. Jahrhundert. Da sie den „Lohengrin“ als Stück im „Raum der assoziativen Sinnlichkeit“ ansiedeln, seien solche Rückgriffe möglich. So gebe es bei den Kostümen auch mittelalterliche Referenzen oder solche an die Gegenwart, wie die Brillen der vier Edlen. Es sollten also „Haarrisse in der Optik“ sein. Man verliere den Boden unter den Füßen. So dachten  sie, dass man sich auch solche Irrgänge erlauben könne. Es sollte Brüche geben, auch um das Auge zu überraschen – lebendige Bilder! Die Insektenflügel seien erst im sinnlichen Raum präsent gewesen. Sie symbolisierten die Assoziationskette von elektrischem Licht und Motten, die sich zum Licht hingezogen fühlen. Auch im Schilf der 1. Szene des 2. Akts gebe es eine gewisse Tierwelt, Insekten und Vögel, auch Andeutungen von Wassergeflügel.

Der „Lohengrin“ sei ein Märchen für Erwachsene. Sie haben die Neuenfels-Inszenierung in Bayreuth zwei Mal gesehen. Für Rosa Loy erzeuge die Musik im Körper eine Resonanz. Das wirke sich dann auf die Gefühle aus. Und diese Gefühle zeigten sich in den Bildern. Der „Lohengrin“ sei ein vielschichtiges Stück und erreiche damit „zeitgenössische Relevanz“. Aber das habe natürlich auch mit den eigenen Befindlichkeiten zu tun.


Rosa Loy und Neo Rauch. Foto: Youtube

Für Neo Rauch transportiert sich die Kunst „hinter den Gitterstäben des Textes hindurch.“ Dann müsse man für Anregungen offen sein, wie auch für das für viele Festspielbesucher rätselhafte grüne Männchen am Schluss. Es sei ihm in einem Traum erschienen. Der grüne Mann stehe für die Wiedergeburt, die Reinkarnation und den Neubeginn. Man könne das in Wikipedia nachlesen. Es war für ihn „eine Zusendung aus dem Unterbewusstsein“; solche Zusendungen könnten sich in das Allgemeingut einklinken.

Auf den Kommentar eines Mitglieds der Freunde, dass Wieland Wagner in Bayreuth bereits einen berühmt gewordenen blauen „Lohengrin“ inszeniert hatte und das Blau die mit dem A-Dur Lohengrins zu assoziierende Farbe sei, führte Neo Rauch aus, wie er zu dem Blau der Produktion gekommen ist. Er hatte das Erlebnis einer Delfter Porzellanausstellung und sah in dem Blau eine funktionierende Rahmensetzung. Damit wurde auch die Bilderwelt aktiv. Dann las er das Nietzsche-Zitat. Man solle also die Dinge nicht über den Kopf sondern in einer Art somnambulem Zustand auf sich zukommen lassen. So sei der bewegte Schilfgürtel als Rückfall ins Paranoide zu deuten. Das kleine Brautgemach – ein Transformatorenhäuschen (Anm. d. Verf.) – solle bewusst skurril sein, um „den Irrsinn zu unterstreichen“. Das Bühnenbild solle aber der Musik dienen.

Auf eine Frage nach der Bedeutung der sich verschiebenden Kulissen in der 1. Szene des 2. Akts meinte Rauch, dass Yuval Sharon diese Szene sehr ruhig machen wollte. Man sollte das Abstruse nicht so richtig sehen, also waren langsame Bewegungen angezeigt. Vielleicht sollte es hier noch etwas mehr Licht geben. Möglicherweise wäre da also nachzubessern. Man müsse aber auch festhalten, dass Yuval Sharon sich in ein bestehendes Konzept eingearbeitet habe und von der Schlüssigkeit der Vorlage überzeugt war. Das sei auch bei Alvis Hermanis so gewesen.

Auf die Frage, warum König Heinrich schon vor Ankunft Lohengrins eine silberne Doppelausfertigung des gestylten Schwans als Brosche trügt, meinte Rauch, dass er als König schon sehr viel – wohl historisches (Anm. d. Verf.) – Wissen angesammelt habe und deshalb auch der Schwan bereits in diesem Wissens-Archiv enthalten sei, eine Antwort, die nicht ganz überzeugte. Das „Flugobjekt“ Schwan solle einen Bruch darstellen, also Weiß gegen Blau. Man könne darin auch das große Wagner-„W“ erkennen, oder das „W“ der Bayreuther Porzellanmanufaktur „Walküre“…

Katharina Wagner meinte zum Regiekonzept, dass die Brabanter Gesellschaft lahm gelegt sei, also energielos. Die Idee des wieder Energie bringenden Umspannwerks sei von Neo Rauch und Rosa Loy gekommen und der Regisseur spiele sehr gut damit.

Es wäre interessant gewesen, auch Yuval Sharon zum Themenkomplex dieses Regiekonzepts zu hören.

Klaus Billand


BAYREUTH: Kinderoper – DER RING DES NIBELUNGEN – WA am 25. Juli 2018


Timo Riihonen (Fafner), Sebastian Pilgrim (Fasolt), Simone Schröder (Fricka), Jukka Rasilainen (Wotan) und Stefan Heibach (Loge). Copyright: Enrico Nawrath/Bayreuther Festspiele

 Immerhin läuft die Kinderoper in Bayreuth schon seitdem Katharina Wagner die Festspielleitung übernommen hat. Und noch nie habe ich eine erlebt. Seit mittlerweile neun Jahren gibt es diese lobenswerte Initiative nun schon, und sie ist eine Institution geworden, und zwar eine sehr erfolgreiche! Anders als bei manchen Aufführungen im Festspielhaus reißt man sich hier auf der Probebühne II um die Karten wie vor einiger Zeit, als es auch oben nicht genügend davon gab.

Dieses Jahr stand eine WA des „Ring des Nibelungen“ in der Fassung von Katharina Wagner und Markus Latsch in der Regie von David Merz und mit der Dramaturgie von Ruth Asralda auf dem Programm, und zwar zehn Mal bis zum 4. August mit einer geschlossenen Zusatzvorstellung für den Hauptsponsor 310Klinik Bayreuth am 5. August. 310Klinik ist auch Hauptsponsor der Bayreuther Festspiele. Die musikalische Bearbeitung lag in den Händen von Marko Zdralek. Das Bühnenbild schuf Julius Theodor Semmelmann. Es besteht aus einem braunen Holz-Kubus, der mit zwei Türen nach vorn geöffnet wird, und zwar von den Akteuren selbst. Es ist sozusagen eine „Ring“-Box, in der alle relevanten Szenen mit wenigen, aber aussagekräftigen Requisiten gespielt werden.

So sieht man die Burg Walhall hoch auf einem Felsen, die dunklen Klüfte von Nibelheim mit goldenen Einschlüssen, oder die Weltesche in Hundings Zimmer mit dem Schwert Nothung darin. Sogar ein Brünnhilde im Schlaf umgebender Feuerkreis wird sichtbar, aus Bühnennebel zwar und einigen Düsen am Boden, aber durchaus eindrucksvoll. Beim Wogen des Rheins mit langen blauen Tuchbahnen durch die Rheintöchter dürfen sogar die Kinder in der ersten Reihe mit wogen! Für das gute Lichtdesign zeichnete Peter Younes verantwortlich. Die sehr fantasievollen Kostüme wurden von Ina Kromphart geschaffen und weisen natürlich einige auf die Kinder und ihre Vorstellungswelt abgestimmte Besonderheiten auf. Der Studiengang Maske – Theater und Film, Theaterakademie August Everding München, schuf das zum Teil die kindliche Fantasiewelt ansprechende Maskendesign. Besonders stachen die beiden Riesen Fafner und Fasolt hervor, die in der Tat als riesige plumpe Puppen auf die Bühne kommen und beim Sprechen sogar den Mund bewegen. Sie machten bei vielen Kindern besonderen Eindruck.


Vincent Wolfsteiner (Siegmund), Christiane Kohl (Sieglinde). Copyright: Enrico Nawrath/Bayreuther Festspiele

Man spielte alle vier Stücke reduziert auf ihre wesentlichen Inhalte und Aktionen, natürlich auch mit einer wesentlichen reduzierten Zahl an Protagonisten. Der „Götterdämmerung“-Chor fällt ganz weg. Es beginnt mit dem „Rheingold“-Vorspiel. Das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt (Oder) (GMD Howard Griffiths, Intendant: Pater Sauerbaum) musizierte unter der musikalischen Leitung von Azis Sadikovic mit nur 30 Musikerinnen und Musikern fulminant und machte einmal mehr klar, dass ein „Ring“ in einem kleinen Haus auch mit einer weit geringeren Orchesterbesetzung gut klingen kann. Bestens gelungen, und somit oft nur dem Kenner der „Ring“-Partitur vernehmlich, waren die gut gefügten musikalischen Übergänge bei den Abkürzungen. Da hätte sich der 2012 im Teatro Colón in Buenos Aires aufgeführte sogenannte „Colón-Ring“ von 7,5 Stunden Gesamtlänge mit Pausen etwas abschauen können.

Es gibt viel Ernstes, aber auch viel Humor in dieser sehenswerten Produktion. So diverse Dialoge, etwa zwischen Wotan und Fricka, die ihrem Gatten ganz profan die Problematik der Lage erklärt. Oder der Moment, als Loge nach dem Fluch Alberichs diesem einfach ins Gesicht schleudert „Hau‘ ab!“. Die Einfachheit dieser Sprache kam bei den Kindern an und machte das Stück verständlicher. Man sparte auch etwas mit den Gewaltszenen. So war der Mord Fafners and Fasolt nicht zu sehen. Umso härter schlug Hunding dann allerdings bei Siegmund zu. Schön heraus gearbeitet wurde auch die – freilich platonisch – intime Beziehung zwischen Siegfried und dem Waldvogel, die den Kindern vor Augen führte, dass Ehrlichkeit und Authentizität Tugenden sind, die einen weiter bringen. Insofern wurde hier auch eine gewisse pädagogische Komponente deutlich. Last but not least war es auch wichtig, die Kinder auf gewisse Art und Weise in das Stück einzubeziehen. Wichtiger als das gemeinsame Rhein-Wogen mit Tuchbahnen war in diesem Sinne beispielsweise die Frage, die Wotan im „Rheingold“ an sie richtete: „Soll ich jetzt diesen Ring abgeben?!“ Und es kam ein schallendes JA! Ein starker Moment!


Jukka Rasilainen (Wotan). Copyright: Enrico Nawrath/Bayreuther Festspiele

Auch sängerisch war dieser „Ring“ für Kinder ein Ohrenschmaus. Der bewährte finnische Bassbariton Jukka Rasilainen sang einen prägnanten und agilen Wotan und Wanderer. Simone Schröder war mit ihrem kraftvollen Mezzo eine beeindruckenden Fricka und Flosshilde. Daniela Köhler sang eine stimmstarke Brünnhilde, die auch viel Emotion vermitteln konnte. Vincent Wolfsteiner war ein ebenso kraftvoll singender Siegmund und dann auch Siegfried, der hier besonders humorvolle Noten setzte und in einen guten Dialog mit den Kindern trat. Stefan Heibach gab einen gewitzten Loge mit feuriger Irokesen-Mähne. Er bediente später im Orchester auch mal das Becken. Armin Kolarczyk sang einen klangvollen Alberich, der die besonderen charakterlichen Eigenheiten dieser Figur bestens zu den Kindern brachte. Ebenso war der Mime von Paul Kaufmann ein Erlebnis. Mit eindrucksvollem Bass sang Sebastian Pilgrim den Fasolt und den Hunding. Timo Riihonen stand ihm an Bassgewalt und dazu noch erhöhter Finsternis als Hagen und Fafner nicht nach. Ji Yoon gab eine liebliche Freia und zwitscherte auch den Waldvogel klangvoll. Christiane Kohl war eine einnehmende Sieglinde und auch eine gute Woglinde, ebenso wie Mareike Morr eine stimmschöne Wellgunde. Viele der Sängerinnen und Sänger sangen oder singen ja auch auf der großen Bühne.

Nach über zwei Stunde mit einer Pause, in der es nicht einmal einen Stand mit Mineralwasser-Verkauf gab, ging der „Ring“ für Kinder über den Bühne bzw. durch den Kubus. Man konnte keinem der Kinder irgendeine Ermüdung ansehen. Sie rissen nach Ende den Billetteuren die mit kindergerechten Texten versehenen bilderbuchartigen Programme aus den Händen. Teils auf dem Boden sitzend begannen sie unmittelbar mit der Lektüre, als hätte es eine neue Ausgabe von Asterix und Obelix gegeben. Sie konnten auch eine „Bayreuther Ringkiste“ im Papierformat basteln. In Pausen-Interviews berichteten mir einige, dass ihnen die Szenen mit den Riesen sehr gut gefallen hatten, ein Mädchen hatte sogar etwas Angst vor ihrer Riesengröße. Alle fanden es spannend und auch gut verständlich. Einige meinten auch, dass man für eine solch gute sängerische und darstellerische Leistungen wohl sehr viel gearbeitet und geprobt haben müsse. Offenbar gefiel einigen Kindern auch die gelegentliche große Lautstärke der Musik. Das Orchester saß ja unmittelbar neben dem Kubus. Wie ich später hörte, wurden die meisten in der Schule schon auf diesen „Ring“ eingestimmt, kamen also nicht unvorbereitet.


Vincent Wolfsteiner (Siegfried). Copyright: Enrico Nawrath/Bayreuther Festspiele

Inwieweit solche Erfahrungen aus einigen Kindern dann später regelmäßige Opernbesucher machen, bleibt der Zukunft überlassen. Sie waren sich da selbst (noch) nicht sicher. Ich habe den Eindruck, dass die Kinderoper mit den Eltern zunächst einmal ein Event für sich ist und nicht automatisch erwartet werden kann, dass sie aus den Kleinen die späteren Opernbesucher macht. Hoffen wir es jedoch, denn sie wären im Zeitalter der Handy-gesteuerten Sinnentleerung und der damit verbundenen De-Intellektualisierung mehr als gefragt.

Klaus Billand

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NÄCHSTER SCHWEIZER „TATORT“ AM KOMMENDEN SONNTAG MIT DEM JEWISH CHAMBER ORCHESTRA MUNICH

Das Besondere am nächsten Schweiz-TATORT, der am 5. August erstausgestrahlt wird: Es ist der erste TATORT, der in einer einzigen Kameraeinstellung gedreht wurde. „Der Regisseur Dani Levy hat mit diesem Film ein Gesamtkunstwerk geschaffen: Film, Theater, Musik und Architektur verschmelzen in seiner atemberaubenden Inszenierung.“ (Urs Fitze, SRF Bereichsleiter Fiktion)
Die Handlung des nächsten TATORT spielt während der gesamten Dauer eines Konzertes und ist komplett an einem Stück gedreht. Das Musikprogramm für einzelne Szenen wählte Dani Levy zusammen mit Daniel Grossmann vom Jewish Chamber Orchestra Munich aus, der ihn dabei fachlich beriet. Zur Aufführung kommen Werke heute nahezu vergessener jüdischer Komponisten wie Erwin Schulhoff, dessen Musik zwischen Avantgarde und Jazz als entartet galt, von Victor Ullmann, der in Auschwitz-Birkenau umgebracht wurde und Marcel Tyberg, seinerzeit gefeierter Komponist, Dirigent und Organist, der ebenfalls in Auschwitz ums Leben kam und nach seinem Tod für lange Zeit in Vergessenheit geriet. In regulären Konzertprogrammen sind diese vergessenen, verschollenen jüdischen Komponisten auch heute immer noch eher selten anzutreffen. – Einige der Stücke im Schweizer TATORT sind sogar regelrechte Funde und Erstaufführungen, wie zum Beispiel die «Sinfonie Nr. 2» von Marcel Tyberg. „Das Gefühl, verbuddelte und vergessene Meisterwerke zu spielen, hat uns alle elektrisiert“, sagt Dani Levy.

Daniel Grossmann, Dirigent und künstlerischer Leiter des Jewish Chamber Orchestra Munich bedeutet es sehr viel, dass der TATORT als eines der meistgesehenen und wohl bekanntesten TV-Formate dem Thema der vergessenen jüdischen Komponisten ein so großes Forum bietet. Schließlich ist das ein Themenschwerpunkt, den das Orchester seit seiner Gründung 2005 setzt.


ORF-Stellungnahme zu Verschiebung „Österreich-Bild“ =

Zur Entscheidung des ORF-Landesstudios Wien, die von ihm beauftragte Dokumentation „Schwarze in Wien – Von Soliman bis Alaba“ nicht am ursprünglich geplanten Sendeplatz im Rahmen der Reihe „Österreich-Bild“ auszustrahlen, da der Film nicht zur Anmutung und Bildsprache der Programmleiste passt, hält der ORF fest, dass die Produktion natürlich gesendet wird. Es wird geprüft, welcher Sendeplatz für den Film passend ist, um ihn innerhalb der nächsten Wochen zur Ausstrahlung zu bringen. Dieser Termin wird zeitnah bekanntgegeben.

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