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INFOS DES TAGES (FREITAG, 26. JULI 2019)

26.07.2019 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (FREITAG, 26. JULI 2019)

BAYREUTH/FESTSPIELERÖFFNUNG: JUBEL – ABER AUCH BUHRUFE NACH „TANNHÄUSER“

So ist es eben: Eine Festspieleröffnung ohne Buh-Rufe ist keine wirkliche Festspieleröffnung. Die Buhrufe waren zwar vernehmbar, von einem Orkan kann man jedoch nicht sprechen.

Die Missfallenbekundungen galten – etwas überraschend (oder doch nicht?) – dem Bayreuth-Debütanten Valery Gergiev und natürlich – sogar etwas stärker – dem Regieteam um Tobias Kratzer.

So mein erster Eindruck unmittelbar nach Ende der Premiere.

Kritiken überlasse ich unseren Wagnerianern!


Das Festspielhaus im neuen Glanz. Foto: Klaus Billand

Tim Theo Tinn will seine Zeilen nicht als Kritik verstanden wissen – es sind seine Gedanken über die Ideen des Regiekünstlers  im ersten Schock. Auch hat er – wie auch ich – diese Neuinszenierung nur als Stream erlebt:

Tannhäuser Premiere in Bayreuth – Stream – Erleben

Schon wieder Selbstverzwergung!

Führt Mediengeilheit oder gekonnte Arbeit zum Erfolg?

Der Regisseur scheint ein hohes Talent der Selbstvermarkung zu besitzen. Sein Medienagent hat ihn außerordentlich gut in Szene gesetzt. Es gab in allen Medien hochwichtiges Geschwafel und dann eine Premiere als amüsant blödsinniges Leichtgewicht, das keiner weiteren Erörterung wert ist.

Es bringt Quote, wenn man Minderheiten bei den Darstellern einführt, die dort eigentlich nichts zu suchen haben, weil sie nicht zur Vorlage gehören, aber derjenige, der diese Fremdkörper reinquetscht, sein Dilettieren verschleiern will.

Ein körperbehinderter Kleinwüchsiger mimt den Oskar Matzerath, Blechtrommel. Klauen bei Grass macht Sinn, der hat Nobelpreis und die Verfilmung den Oscar. Ein schwarzer Mensch als Dragqueen ist exotisch und verrucht – könnte darüber hinwegtäuschen, dass diese Szenenbegattung ohne jedes regie- oder inszenatorische Vermögen in die Welt geworfen wurde.  Da wäre auch noch John Holmes – soll den längsten Dödel der Welt haben.

Es ist halt schwierig, der Vorlage Sinnstiftung einzuhauchen. So ist Bayreuth unwichtige Klitsche. Mit Wehmut denke ich an die poetische Castellucci -Inszenierung am Münchner Nationaltheater.

Musikalisch war das auch nur ein unambitionierter Versuch über die Runden zu kommen – hat auch nicht ganz geklappt.

 Ist das Bayreuth oder deutscher Theateralltag? Jetzt ist die Erbprinzessin Katharina auch Professorin geworden – kann man so eine Nullnummer akademisch erklären?

TTT

Ganz anders sieht dies Albrecht Selge, der „Konzertgänger in Berlin“, den es dieser Tage nach Bayreuth verschlagen hat:

BAYREUTH/ Festspielhaus: TANNHÄUSER. Eröffnungspremiere der Festspielsaison 2019 am 25.7.

Bayreuther Festspiele 2019 - Tannhäuser
Stephen Gould, Elena Zhidkova. Foto: Enrico Nawrath/ Bayreuther Festspiele

Tobias Kratzers Regie ist eine Sensation hinsichtlich Geist, Tempo, sehr großer Komik und nachhaltigem Schrecken. Tannhäuser im Clownskostüm on the road im alten Zitrön-Bus mit der hibbeligen, verliebten Venus am Steuer, begleitet vom kleinwüchsigen Oskar mit Blechtrommel (Manni Laudenbach) und der dunkelhäutigen Dragqueen Le Gateau Chocolat: ein rasantes Leben nach dem Jung-Wagner-Motto Frei im Wollen, frei im Thun, frei im Genießen. Aber schon nach wenigen Minuten gibt es einen Toten und Tristesse bei Burger King. Das klingt überladen, erlebt sich aber gewaltig schlüssig und mitreißend. Denn es geht nicht (nur) um Wagners Lebensspagat zwischen Revolutionärstum und Großmeister-Arrivesse, sondern um den Zwiespalt von Rebellion und Anpassung überhaupt...

Und zum ersten Mal überhaupt interessiert den Konzertgänger so wirklich das Schicksal dieses Typen da zwischen zwei Weibern. Fernab vom verklemmten Sexualmurks à la „Nuttengöttin vs Heilige Langeweile“…

Einige Altfexe hier, die die Großmutter von Lauritz Melchior noch persönlich kannten, sagen, dies sei ihr bester Tannhäuser ever. Aber ohne die starke Sängerriege wäre das alles ja nichts...

Konzertgänger auf Reisen: Bayreuths neuer TANNHÄUSER
Ein paar nächtliche Notizen zum eben erlebten neuen TANNHÄUSER, mit dem die Bayreuther Festspiele eröffneten – meinen ausführlichen Bericht vom Festival gibts dann am Wochenende in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN SONNTAGSZEITUNG.
https://hundert11.net/bayreuth2019-tannhaeuser/

Albrecht Selge / „Konzertgänger in Berlin“

Fotos (von Dr. Klaus Billand)


Schlussapplaus Solisten. Foto: Dr. Klaus Billand


Schlussapplaus Chor mit Eberhard Friedrich. Foto: Dr. Klaus Billand


Vor dem 2. Akt. Foto: Klaus Billand

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SALZBURGER FESTSPIELE: bschlussaufführung Operncamp · Medea I am 27.7. um 11 h

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Operncamps
Abschlussaufführung Operncamp · Medea I am 27.7. um 11 h
SZENE Salzburg

Musikalische Leitung Raphael Schluesselberg
Regie Anna Bernreitner
Kostüme Hannah Öllinger
Bühne Manfred Rainer
Chorleitung Ulrich Permanschlager
Gesamtleitung Operncamps Hanne Muthspiel-Payer

PROGRAMMDETAILS

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TIROLER FESTSPIELE ERL: FOTOS VOM LETZTEN „ALMTRIEB“ (22.JULI 2019)


Foto: Stephan Kitzbichler

Eine wirklich finstere „Nacht“, aber bemerkenswert: Innerhalb von 80 Minuten geht der Abend von Thomas Bernhard zu Karl Kraus´ „Letzten Tagen der Menschheit“ (erdrückend gespielt) und bietet dabei hochqualitativ Musik von Pirchner, Schedl, Ullmann, Messiaen sowie eine formidable Uraufführung (Carl Tertio Druml). Ein beklemmender Abend, der erstaunlich logisch mit Bachs „Es ist genug“ schließt, nachdem Karl Kraus´ Antichrist am absoluten Ende die Tasten aus einem Klavier reißt. 


Foto: Stephan Kitzbichler


Foto: Stephan Kitzbichler


Der Komponist Carl Tertio Druml (im blauen Anzug). Foto: Stephan Kitzbichler

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SOMMERFESTIVAL KITTSEE / Burgenland (vor Bratislava): CARMEN. Die beiden letzten Vorstellungen!

http://www.sommerfestival.at/?page_id=672

Sommerfestival Kittsee

2019: GEORGES BIZET – CARMEN
Musikalische Leitung: Joji Hattori
Inszenierung: Dominik Am Zehnhoff-Söns

Carmen: Sofiya Almazova
Micaela: Natalie Pena Comas
Don José: Stefano Hwang
Escamillo: Andres Alzate

8. Vorstellung Freitag, 26. Juli 2019 19:30 Uhr TICKETS
9. Vorstellung Samstag, 27. Juli 2019 18:30 Uhr TICKETS

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SOMMERZEIT IST OPERETTENZEIT – VIEL VON KALMÁN – Schlossfestspiele  Langenlois

Tonight July 25th, I happily return to the Schlossfestspiele in Langenlois to sing for the first time the Hungarian Count Feri-Basci in Kalman’s most famous operetta „Die Csardasfürstin.“ Together with a great cast headed by Netta Or as Sylva, we are led by the Intendant himself & Conductor Andreas Stoehr and Director Rudolf Frey highlighting the operetta’s very historic background using the historic castle as the background. Looking forward to singing the hits „Die Mädis vom Chantant“ and „Jaj Mamam!“ Tickets are still available for all performances.

www.schlossfestspiele.at


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KLASSIK-FESTIVAL SCHLOSS KIRCHSTETTEN

Das Klassik Festivals Schloss Kirchstetten zeigt  „l´ITALIANA IN ALGERI“ von Gioachino Rossini. Die Opera buffa wird unter der Regie von Richard Panzenböck und der musikalischen Leitung von Hooman Khalatbari von 1. bis 17. August im Maulpertschsaal – dem KLEINSTEN Opernhaus Österreichs – gezeigt.

Die Premiere findet am 3. August um 20 Uhr statt.


Maulpertschsaal. Foto: Andreas Anker
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WIEN/ ImPulsTanz: ISMAEL IVO und sein Balé da Cidade de São Paulo mit „Um Jeito de Corpo“

Die Musik des 1942 geborenen Caetano Veloso, einem nicht nur in Brasilien hochverehrten Dichter, Liedermacher und Sänger, bildet die Grundlage für das 2018 in São Paulo uraufgeführte Ballett „Um Jeito de Corpo“. Eine hochdynamische Arbeit, die nicht nur optisch von immenser Farbenfreude geprägt ist.

Bildergebnis für wien impulstanz ismael ivo
Ismael Ivo, Balé da Cidade de São Paulo & Morena Nascimento (BR)  Um Jeito de Corpo4 © STIG

Die brasilianische Choreografin und Tänzerin Morena Nascimento, von 2008 bis 2010 festes Ensemblemitglied des Tanztheater Wuppertal von Pina Bausch, entwickelte nach einem Konzept und der Idee von Ismael Ivo mit „Um Jeito de Corpo“ („Ein Weg des Körpers“) ein Stück, das mit seinem Bewegungsvokabular und seiner Anmut versucht, die Poesie des Caetano Veloso in eine eigene, tänzerische Sprache zu übersetzen.

Seine klaren politischen Überzeugungen, musikalisch und textlich ungemein kreativ formuliert und mit dem sanften, fragilen Timbre seiner Stimme zu Musik verschmolzen, brachten Veloso Gefängnis und Exil ein. Wegweisend für die brasilianische Kultur war seine „Erfindung“ des „Tropicalismo“, in dem er Volksmusik, Bossa Nova, Rock und Avantgarde verband. Für „Um Jeito de Corpo“ wurde diese Musik bearbeitet. Geloopt, mit Samples und Audiomaterial gemischt und zu Original-Percussion gespielt, entstand eine akustisch vielgestaltige Basis für den Tanz, zwischen brasilianischem Volkslied und hämmerndem Elektronik-Pop.

Die wie ein Atrium gehaltene Bühne (Marcel Kaskeline) wird von einem in wechselnden kräftigen Farben leuchtenden Himmel bedeckt. Das stimmungsvolle Lichtdesign von Aline Santini unterstützt die Dynamik der Choreografie. Und die Kostüme! Farbenpracht in den wehenden Kleidern und Bikinis, von beiderlei Geschlecht getragen, düstere Passagen werden in gedeckteren Farben getanzt.


Ivo: Baleda Cidade de Sao Paulo Nascimento. Um Jeitode Corpo (c) Karolina Miernik

„Um Jeito de Corpo“ stellt in beinahe atemloser Rasanz eine Fülle von Themen auf die Bühne. Die 17 Frauen und 16 Männer tanzen in Soli, Gruppen- und Massen-Szenen Vergewaltigung, den Terror der brasilianischen Militär-Diktatur (1964-1984), homoerotische Liebe, sexuelle Anspielungen. Mit Pfauenfedern in der Hand preisen sie Schönheit und Reichtum, nicht frei von Eitelkeit. Eine Dunkelhäutige entscheidet sich gegen den Druck der Masse für Bildung. Rassismus und Gewalt, nicht nur gegen Frauen, sind dominante Themen. Ein Transgender schreit seine seelischen Qualen hinaus in die Bewegung, eine Frau setzt sich die Pistole an die Schläfe. Und trotzdem immer wieder überbordende Lebensfreude und unschuldiger Sexappeal.


Ivo: Baleda Cidade de Sao Paulo Nascimento. Um Jeito d eCorpo (c) KarolinaMiernik

Sie zitieren klassisches Ballet und Capoeira, Karneval und Disco-Takt, wo alle mitmarschieren, Ausdruckstanz zu Neuer Musik und Massenszenen zu Volksliedern. Die ungeheure Energie, die allem innewohnt, überträgt sich aufs Publikum. Die Präzision und Virtuosität, die Emotionalität und Authentizität, die kraftvolle Körperlichkeit und die Sensibilität der Kompanie im Ganzen wie auch jedes, wirklich jedes einzelnen Tänzers sind herausragend.

Am Ende weht rote Erde in jenes Haus, und ein langhaariger Tänzer brilliert in einem Solo. Erotik pur.


Ismael Ivo: Balé da Cidade de São Paulo & Morena Nascimento (BR) – Um Jeito de Corpo6 © STIG

„Um Jeito de Corpo“ ist ungemein dicht und hoch politisch. Bei allem scheinbar Spielerischen: Die Kraft und Poesie der Bilder, die Genauigkeit, die mitreißende Schönheit, die rauschhafte Sinnlichkeit und der in allem präsente Wunsch nach Freiheit überwältigen. Großartig!
Das Haus verfällt, der Wind weht schon den Sand hinein. Und doch bleibt Hoffnung. Aus Prinzip.

Seit 2017 ist Ismael Ivo, der 1984 gemeinsam mit Karl Regensburger das ImPulsTanz-Festival gründete und immer noch dessen künstlerischer Berater ist, der Direktor des Balé da Cidade de São Paulo. Dem Choreografen und Tänzer wurde am 23. Juli 2019, im Anschluss an die österreichische Erstaufführung des Stücks „Um Jeito de Corpo“, im Burgtheater das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst verliehen.

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Ismael Ivo, Dr. Jürgen Meindl, Karl Regensburger. Burgtheater(c)KarolinaMiernik

Die Überreichung erfolgte durch den Sektionsleiter für Kunst und Kultur im Bundeskanzleramt Österreich, Dr. Jürgen Meindl, in Vertretung des Bundesministers Mag. Alexander Schallenberg.
Sektionschef Dr. Meindl zum Werk des Ausgezeichneten: „Die Faszination, die die Arbeit von Ismael Ivo auf uns alle ausübt, liegt in der Verbindung des Körperlichen mit dem Intellektuellen, die seinen Choreografien immer auch zugrunde liegt. Zurecht weist er darauf hin, dass seine Kunst eine politische ist und keine, die nur auf technischer Perfektion des Ensembles beruht. Seine Choreografien sind als Denkmuster zur Erlangung der Freiheit zu verstehen, und in diesem Sinne sind seine Botschaften universell.“

Das Publikum spendete dem sehr gerührten Künstler lang anhaltenden, stehenden Applaus.

„Um Jeito de Corpo“ von Morena Nascimento im Burgtheater Wien, Vorstellungen am 23., 24., 25. und 26. Juli 2019

Rando Hannemann

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ORF III am Freitag: Zwei „Filmklassiker in Rot-Weiß-Rot“ mit Peter Alexander als Graf Bobby

Außerdem: „Vier Frauen und ein Todesfall: Warm abtragen“ =

Wien (OTS) – ORF III Kultur und Information präsentiert am Freitag, dem 26. Juli 2019, zwei „Filmklassiker in Rot-Weiß-Rot“ mit Peter Alexander. Den Anfang machen „Die Abenteuer des Grafen Bobby“ (20.15 Uhr) aus dem Jahr 1961. Mary Piper (Vivi Bach) benötigt für ihren Europaaufenthalt eine Anstandsdame, ansonsten müsste sie mit ihrer Mutter zurück nach Amerika. Graf Bobby (Peter Alexander), immer in Geldnöten, wirft sich in Damenkleider und bekommt den Job. Er verliebt sich in die zauberhafte Mary und leistet ihr daher tagsüber als reife Dame und abends als junger Mann Gesellschaft. Doch da erscheint plötzlich sein Freund Baron Mucki von Kalk (Gunther Philipp).

Danach folgt der Spielfilm „Das süße Leben des Grafen Bobby“ (21.50 Uhr) aus 1962. Als erfolglose Besitzer der Detektiv-Agentur „Pfiff & Greif“ stehen Graf Bobby und Baron Mucki kurz vor dem Bankrott. Ein lukrativer Auftrag soll helfen: die Überführung eines Mädchenhändlers. Ihre Ermittlungen beginnen auf einer Yacht, wo sich Bobby als Frau verkleidet einer Mädchen-Tanztruppe anschließt. Dabei verliebt er sich in die Tänzerin Vera und entdeckt, dass sein Auftraggeber Benevenuto Sokrates Sacre (Oskar Sima) der Chef einer Rauschgiftschmugglerbande ist.

Um 23.20 Uhr zeigt ORF III die „Vier Frauen und ein Todesfall“-Folge „Warm abtragen“. Der alte Gustl Hausner, ein Bauer mit großem Landbesitz, kommt bei einem Brand in seiner Scheune ums Leben. Beim Leichenschmaus wird schnell klar, dass sein einziger Sohn Josef Hausner (Helmut Berger) nicht wirklich gut auf seinen Vater zu sprechen war. Es kommt zu einem handfesten Streit zwischen ihm und seiner 17-jährigen Tochter Lucy (Nora Heschl). Julie (Adele Neuhauser), Henriette (Gaby Dohm), Maria (Brigitte Kren) und Sabine (Martina Poel) beginnen Fragen zu stellen – und geraten an den hartgesottenen Brandinspektor Mösenlechner (Werner Brix).
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