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INFOS DES TAGES (FREITAG, 24. APRIL 2020)

24.04.2020 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (FREITAG, 24. APRIL 2020)

Die Bayerische Staatsoper trauert um Sir Peter Jonas

Der langjährige Intendant der Bayerischen Staatsoper, Sir Peter Jonas, ist am Abend des 22. April 2020 nach einem 45-jährigen Kampf gegen den Krebs verstorben.

„Die Musik- und Opernwelt hat in Sir Peter Jonas einen großen Mann verloren. Er hat über Jahrzehnte das Musiktheater- und Konzertleben mit Mut, mit Originalität, mit Energie und unbändiger Lust am Risiko geformt“, so Intendant Nikolaus Bachler. „Die Bayerische Staatsoper prägte der in London Geborene in einzigartiger Weise, definierte das Gefühl und Verständnis ihres Publikums für Musiktheater vollkommen neu und positionierte diese Kunstform weit über München hinaus in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. So war Sir Peter Jonas für München ein Glück – mit englischem, oftmals das Absurde streifenden Humor und großer Disziplin und britischer Coolness schuf der ‚Kinofan’ und allem Visuellen aufgeschlossene Sir Peter hier einen neuen Blick auf die Opernkunst. Seit der Ära Jonas hört das Publikum in München (auch) mit den Augen. Wir werden ihn vermissen und uns seiner dankbar erinnern – auf der ganzen Welt und gerade in München.“
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METROPOLITAN OPERA STREAMS: SAMSTAG DIE „AT-HOME GALA“

Friday, April 24
Viewers‘ Choice: Verdi’s La Traviata
Starring Natalie Dessay, Matthew Polenzani, and Dmitri Hvorostovsky, conducted by Fabio Luisi. From April 14, 2012.

Saturday, April 25
At-Home Gala
More than 40 leading artists perform in a live stream from their homes around the world.

Sunday, April 26
Rossini’s La Cenerentola
Starring Joyce DiDonato and Juan Diego Flórez, conducted by Fabio Luisi. From May 10, 2014.

Bitte vormerken – das ist eine Sensation

Friday, May 1
Viewers’ Choice: Verdi’s Aida
Starring Leontyne Price, Fiorenza Cossotto, James McCracken, and Simon Estes, conducted by James Levine. Transmitted live on January 3, 1985.  
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FINNLAND: MIKKELI-FESTIVAL ABGESAGT

2018 SOMMER-FESTIVALS IN FINNLAND – 1. Teil | Online Merker
Das Foto (Archiv Sune Manninen) zeigt die Kongress- und Konzerthalle Mikaeli, in der ein großer Teil der Konzerte üblicherweise stattfindet.

Die finnische Regierung verbot gestern alle Sport- und Kulturveranstaltungen mit mehr als 500 Zuschauern bis mindestens Ende Juli. Das von Valery Gergiev geleitete Mikkeli Musik-Festival reagierte prompt und sagte alle für die Zeit vom 4. – 12. Juli geplanten Konzerte ab. Es ist geplant, das diesjährige Festival in zwei Teilen nachzuholen: im Oktober 2020 und im März 2021. Hoffentlich kann sich Valery Gergiev bis dahin durchringen, ein Programm für die von ihm dirigierten Konzerte mit seinem Mariinsky-Orchester zu entscheiden. Bisher haben die an diesen Konzerten interessierten Zuhörer „die Katze im Sack gekauft“, standen doch mit der 9. Sinfonie von Beethoven und derselben von Bruckner erst zwei Werke fest.

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INSTAG(K)RAMEREIEN – gefunden von Fritz Krammer

YUSIF EYVAZOV ALS TALKMASTER. Valery Gergiev, Maxim Vengerov

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Bei Alagnas wird der Salon zur Bühne für das MET Hauskonzert


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Ailyn Perez ist sehr aktiv im Netz

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Video von Ailyn Perez


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NEU AUF DVD VON ACCENTUS MUSIC: Ein Insider-Blick auf Barbara Hannigans erste Opernproduktion als Dirigentin.

Barbara Hannigan – Stravinsky: “The Rake’s Progress” // “Taking Risks”

Barbara Hannigans ungewöhnlicher Prozess der sie zu ihrem Debüt als Operndirigentin für Strawinskys „THE RAKES PROGRESS“ geführt hat, wurde von ACCENTUS MUSIC dokumentiertund auf DVD veröffentlicht. TAKING RISKS wird in einer Doppelveröffentlichung präsentiert, gemeinsam mit der Oper „Thes Rake’s Progress, die im Dezember 2018 mit den Göteborger Symphonikern in Göteborg aufgeführt wurde.

In dieser einzigartigen und raffinierten halbszenischen Inszenierung lädt der Regisseur Linus Fellbom das Publikum zu einer Reise durch Raum und Zeit ein, von einer fernen Zukunft in die Gegenwart und zurück ins London des 18. Jahrhunderts.

NAXOS Deutschland - Music & Video Vertriebs-GmbH

This production of “The Rake’s Progress” marks Barbara Hannigan’s debut as an opera conductor and is a “labor of love” for her. Hannigan, who has sung the role of Anne Truelove many times, hand-picked the cast of soloists from over 350 applications from 39 countries, and subsequent auditions throughout Europe, as part of her mentoring initiative “Equilibrium.” In this unique and refined semistaged production, director Linus Fellbom invites the audience to partake on a journey through space and time, from a distant future to the present, and back to 18th century London.

The documentary “Taking Risks” follows all aspects of the production, starting with the very first auditions, the casting and rehearsal process, and culminating in the premiere in Gothenburg in December 2018.

Katalognummer ACC20420
Veröffentlichung am 17.4.2020

Barbara Hannigan
Equilibrium

Igor Stravinsky
The Rake’s Progress
Gothenburg Symphony Orchestra and Vocal Ensemble
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WIEN: 1,46 Millionen Cashflow für Wiener Filmbranche

Filmfonds Wien bilanziert Förderauszahlungen seit Beginn der Corona-Krise

Wien (OTS) – Um während der Corona-Krise die Liquidität der Wiener Filmschaffenden und ihrer Unternehmen zu unterstützen, hat der Filmfonds Wien seit Beginn der Krise die Auszahlungen aktueller Förderprojekte intensiviert. So konnten seit Mitte März 1,46 Millionen Euro für 51 Projekte an 31 FördernehmerInnen ausgezahlt werden. Die Projekte umfassen mit Herstellungen, Projektentwicklungen, Verwertungs- und Strukturunterstützungen alle Förderschienen des Filmfonds Wiens. Auch die Ende Mai beginnenden Förderrunden für Kino- und TV-Produktionen werden wie geplant stattfinden.

FFW-Geschäftsführerin Gerlinde Seitner führt aus: „Seit Beginn der Krise arbeitet der Filmfonds Wien und sein Team mit Hochdruck an Vertragserrichtungen, Ratenabrufen und Projektabschlüssen – alles Schritte, die zu einer zügigen Auszahlung der Förderraten führen. So konnten wir die Wiener Filmschaffenden und ihre Unternehmen allein in den letzten sechs Wochen mit knapp 1,5 Millionen Euro unterstützen.

Das ist dringend benötigtes Geld, das der Branche hilft, auch in Krisenzeiten soweit wie möglich an Projekten zu arbeiten sowie Rechnungen, Honorare und MitarbeiterInnen zu zahlen.“
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 ORF : ORF III am Freitag: Filmdoppel zum 40. Todestag von Alfred Hitchcock mit „Cocktail für eine Leiche“ und „Familiengrab“

Außerdem: „Oben ohne: Der Einbruch“ =

Wien (OTS) – ORF III Kultur und Information würdigt am Freitag, dem 24. April 2020, Sir Alfred Hitchcock, dessen Todestag sich am 28. April zum 40. Mal jährt, mit einem Filmabend im Zeichen des „Masters of Suspense”.

So ist um 20.15 Uhr der 1948 entstandene Klassiker „Cocktail für eine Leiche“ (Dakapo am 25. April, 18.50 Uhr) mit James Stewart zu sehen. In Hitchcocks erstem Farb-Thriller begehen zwei Studenten (John Dall und Farley Granger) einen Mord, um die philosophischen Thesen ihres Professors zum perfekten Verbrechen zu verwirklichen. Bei einer zu Alibi-Zwecken gegebenen Party ist auch ihr Lehrer (James Stewart) dabei, der schließlich einen Verdacht schöpft. Anschließend, um 21.40 Uhr, geht es weiter mit Hitchcocks letztem Film, der schwarzen Komödie „Familiengrab“ (Dakapo am 25. April, 16.50 Uhr) mit Barbara Harris, Bruce Dern und Cathleen Nesbitt aus dem Jahr 1976, die nach dem Roman „Auf der Spur“ von Victor Canning entstand.

Humorvoll wird es um 23.40 Uhr mit Elfi Eschke und einer Episode der österreichischen Serie „Oben ohne“ von Reinhard Schwabenitzky. In „Der Einbruch“ wird Anna Schnabels (Maria Köstlinger) Bioladen plötzlich Opfer eines Einbruchs. Sarah (Elfi Eschke) nimmt in Stöckelschuhen die Verfolgung auf und stellt einen Fußabdruck sicher, den sie der Polizei übergibt.
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Jeden Donnerstag stellt die ARTE Pressestelle aktuelle Mediathekentipps für Sie zusammen.

Neben Web-Only-Formaten informieren wir Sie an dieser Stelle über interessante Dokumentationen, packende Filme, Serien und Konzerte, die unseren ZuschauerInnen vor und/oder nach der Ausstrahlung auf arte.tv zur Verfügung stehen werden.Jeden Donnerstag stellt die ARTE Pressestelle aktuelle Mediathekentipps für Sie zusammen. Neben Web-Only-Formaten informieren wir Sie an dieser Stelle über interessante Dokumentationen, packende Filme, Serien und Konzerte, die unseren ZuschauerInnen vor und/oder nach der Ausstrahlung auf arte.tv zur Verfügung stehen werden.

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Das Bachfest Leipzig 2020 trotzt Corona mit Bachs Johannes-Passion, April 2020

Am 06.April 2020, dem Montag in der Osterwoche, wurde das Bachfest Leipzig von der Stadt Leipzig Corona bedingt abgesagt. Die potenzielle Gefährdung von Gästen, Künstlern und Mitarbeitern sei zu hoch. Hinzu kämen die weltweiten Ein- und Ausreiseverbote sowie die Einschränkungen des Flugverkehrs durch die Pandemie, lautete die Begründung.


Die Thomaskirche in Leipzig. Foto: Ursula Wiegand

Diese Absage erklärt sich auch mit dem internationalen Charakter des Bachfestes, das seit dem Jahr 2000 – Johann Sebastian Bachs 250. Todestag – in großem Rahmen begangen wird. Neben den Bayreuther Festspielen, die am 31. März die Reißleine gezogen hatten, gilt das Bachfest Leipzig wegen der Zusammensetzung des Publikums als das am meisten international geprägte Musikfestival Deutschlands.

Vom 11.- 21. Juni sollte es stattfinden. 25.000 Tickets hatten Bachfans aus mindestens 42 Ländern bereits gebucht. Es hätte vermutlich einen Besucherrekord gegeben. „Beim diesjährigen Leipziger Bachfest im Juni wollten wir unter dem Motto „BACH – We Are Family!“ mit fast 50 Bach-Chören aus der ganzen Welt die größte Party der globalen Bach-Familie aller Zeiten feiern. Ob aus Malaysia, Kanada, Australien, Neuseeland, Paraguay, Südafrika, Japan oder Europa – von allen fünf Kontinenten wollten Sängerinnen und Sänger nach Leipzig pilgern, um gemeinsam Bach zu musizieren. Ein Festival-Höhepunkt sollte am 13. Juni die Aufführung einer kammermusikalischen Fassung der Johannes-Passion auf dem Marktplatz werden, gespielt vor 5.000 Zuhörern – und mit ihnen! Denn Sie alle sollten in Bachs unsterbliche Choräle einstimmen“, schrieb nach dem Aus Intendant Prof. Dr. Michael Maul.  

Nach Angaben des Bach-Archivs stelle die Absage das Festival „vor eine große Herausforderung“, die für alle Beteiligten „existenzbedrohend“ sei. Man erarbeite nun einen Plan für die Rückabwicklung der 150 Einzelveranstaltungen. Bereits erworbene Tickets könnten entweder umgetauscht, gespendet oder rückerstattet werden.


Bach an der Thomaskirche- Foto: Ursula Wiegand

Zu wenig Geld zu haben, war allerdings schon für Johann Sebastian Bach, Vater von ursprünglich 20 Kindern, von denen die Hälfte überlebte, ein Thema. Auch musste er seine Sänger und Musikanten entlohnen. Öfter hat er sich bei den Leipziger Dienstherren über sein zu niedriges Salär beschwert. Sein Standbild vor der Thomaskirche zeigt ihn mit einer leeren, demonstrativ umgestülpten Manteltasche.

Doch was Bach und seine Familie damals mit enormem Fleiß geschafft hatten, bekam in Rekordzeit 2020 auch das Bachfest Leipzig auf die Reihe und hatte darüber hinaus sogleich eine gute Botschaft: Das diesjährige Bachfest geht nicht verloren, es wird auf den 10. bis 19. Juni 2022  vertagt.

„Alle für 2020 verpflichteten Bach-Chöre haben uns bereits signalisiert, dass sie auch zu einem späteren Festival-Jahrgang nach Leipzig reisen würden“, freut sich Prof. Maul. Warum erst in zwei Jahren?  Das Programm für das Bachfest 2021 steht bereits fest. Ab dem 16. November d. J. beginnt bereits der Vorverkauf. Sein Motto lautet „Erlösung“.

Trost und Erlösung gab es jetzt jedoch schon am Karfreitag, also nur vier Tage nach der Absage. Eine kammermusikalische Fassung von Johann Sebastian Bachs Johannes-Passion wurde live um 15 Uhr – die als Todesstunde Jesu gilt – aus der Thomaskirche in alle Welt gestreamt und hat überall die Menschen berührt und begeistert. Mehrfach wurde sie an diesem Tag ausgestrahlt.

Durch einen Wettlauf gegen die Uhr und die perfekte Zusammenarbeit von Experten rund um den Globus wurde dieses mediale Karfreitagswunder ermöglicht. Das Bachfest-Motto „We are family“ ist also kein leeres Wort. Tag und Nacht wurde an diesem neuartigen Projekt gearbeitet. Dabei zeigte es sich, dass die internationale Bach-Familie nicht nur sorgsam Altes pflegt. Sie weiß auch die digitalen Möglichkeiten der Gegenwart bestens zu nutzen.

 Glück im Unglück kam hinzu, wie Prof. Maul es einige Tage später genauer schildert. Schon vorher hatte er mit einem jungen Team eine Mitsing-Johannes-Passion verabredet, die am 13. Juni 2020 im Rahmen des Bachfestes auf dem Leipziger Marktplatz mit 5.000 Publikumssängern stattfinden sollte.

Im Vorjahr hatte Maul von der kammermusikalischen Variante dieser Passion erfahren, die 2019 als Innovativstes Konzert des Jahres mit dem Preis „Opus Klassik“ ausgezeichnet wurde. Die hörte er sich in Weimar an und setzte sich danach sogleich mit den „Machern“ zusammen – dem isländischen Tenor Benedikt Kristjánsson, dem Schlagzeuger Philipp Lamprecht, der Cembalistin Elina Albach und Steven Walter, dem Produzenten vom „PODIUM Esslingen.“ Schnell war man sich einig. 

Doch dann kam Corona. Anfänglich war Maul noch gelassen, „doch binnen drei Wochen wuchs die Einsicht, dass mein großer Traum der größten Zusammenkunft der globalen Bach-Community aller Zeiten im diesjährigen Bachfest erstmal ein solcher bleiben wird“, erzählt Maul. Zusammen mit Steven Walter vom PODIUM Esslingen entstand jedoch die Idee, diese Corona adäquate Trio-Fassung am Karfreitag in der Thomaskirche vor dem Bach-Grab aufzuführen und weltweit zu streamen.

„Diese Johannes-Passion war ein Projekt, das wir innerhalb von kaum drei Wochen gestemmt haben“, betont Maul. Nach insgesamt 170 Jahren Bachfest sollte 2020 trotz Corona nicht ohne Bachfest-Aktivitäten bleiben.

Und alle von nah und fern machten mit. Martin Hundertmark, Pfarrer der Thomaskirche, stimmte ebenso zu wie Thomaskantor Gotthold Schwarz. Da auch im Ausland Restriktionen herrschten, wurden die Hälfte der Chöre vorproduziert und Videos angefertigt. Die übrigen Choräle sollten von Sängerinnen und Sängern um Gotthold Schwarz gesungen werden.

Der Wettlauf gegen die Uhr begann. „David Chin mit seinen Malaysia Bachfest Choir & Orchestra, Lisette Canton mit dem Ottawa Bach Choir, die J. S. Bach-Stiftung St. Gallen und der Thomanerchor Leipzig.  Sie alle lieferten binnen Wochenfrist wunderbar produzierte Einspielungen“. Schließlich haben David Chin in Malaysia und sein Kollege in Hongkong die sechs Videos über Nacht zusammengeschnitten“, lobt Maul. Auch weltbekannte Bach-Stars tat en das Ihre. Sie alle sangen und musizierten  daheim und spielten dann ihre Parts zu „Ach großer König“ in die Kamera.

Maul selbst geigte vor dem Bach-Denkmal an der Thomaskirche und sagt nun ganz ehrlich: „Ach, hätte ich nur vorher nochmal in die Noten geschaut, aber auch so ist Bach wegen meines konstant falschen f statt fis in der letzten Choralzeile nicht vom Denkmal heruntergestiegen, um mir eine Ohrfeige zu verpassen.“

Selbst die Beschaffung der für dieses Adhoc-Projekt benötigten Gelder wurde kein Krimi. Die Aufführung wurde in Zusammenarbeit mit dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) realisiert und insgesamt durch Spenden der Stiftung Chorherren zu St. Thomae und der Neuen Bachgesellschaft e. V. ermöglicht. Unterstützt wurde sie auch durch die Partnerschaft mit den Ludwigsburger Schlossfestspielen und weiteren Festivals. Der (MDR) produzierte auch kostenfrei einen Trailer.

Die Proben begannen am 9. April, dem Gründonnerstag, spätnachmittags! Als Choristen „opferten“ sich Damen und Herren, die sonst als Solisten/innen auftreten: Isabel Meyer-Kalis und Julia Sophie Wagner, Sopran, David Erler, Altus und Wolfram Lattke, Tenor, und Thomaskantor Gotthold Schwarz, Bass, der auch dirigierte. Hartmut Becker, Violoncello und Mechthild Winter, Orgel, vervollständigten die kleine Gruppe. Von allen wurden – auch von den Kameraleuten – die Corona bedingten Abstandsregeln genau eingehalten.

Die Chöre für den Live-Stream am Karfreitag lieferten, wie schon erwähnt, der Ottawa Bach Choir (Kanada), die J. S. Bach-Stiftung St. Gallen (Schweiz), Mitglieder des Thomanerchors Leipzig, die Malaysia Bach Festival Singers and Orchestra und außerdem der Bachfest-Family-Chor mit Miriam Feuersinger (Sopran, Österreich), Reginald Mobley (Altus, USA), Martin Petzold (Tenor, Deutschland), Klaus Mertens (Bass, Deutschland), Michael Maul (Violine), Rudolf Lutz (Klavier, Schweiz) und Ton Koopman (Orgel, Niederlande).


Bachfest Leipzig 2020 Johannes-Passion: Benedikt Kristjánsson, Foto: MDR/Stephan Flad

Doch ein Könner stand bescheiden, aber mit spürbarer Hingabe im Mittelpunkt: Der isländische Tenor Benedikt Kristjánsson. Für ihn ging nun ein Traum in Erfüllung. „Vor acht Jahren war ich zum ersten Mal in der Thomaskirche in Leipzig. Ich hatte einen Blumenstrauß in der Hand und Tränen in den Augen. Beides legte ich auf Bachs Grabplatte. Seit diesem Moment habe ich davon geträumt, in der Thomaskirche zu singen… Ich bin sehr dankbar und ich hoffe, dass Bach-Liebhaber auf der ganzen Welt mit mir singen werden.“

Kristjánsson, der diese Variante von Bachs Johannes-Passion entwickelte, hat sie sich voll zu eigen gemacht. Er braucht keine Noten. Lebendig aber mit sparsamen Gesten gestaltet er eindringlich seine drei Rollen. Klar und rein schwebt sein Tenor als Evangelist durch die Thomaskirche. Eine Stimme, der man stundenlang zuhören könnte.

Als Jesus und Pilatus muss er in die Tiefe, schafft aber auch diese beiden Basspartien. An dramatischen Stellen stöß er einige Worte sprechend hervor. Dass er vorher nervös war, wie er im Nachhinein bekannte, konnte ihm niemand anmerken. Ein Kommentator in der FAZ bezeichnete ihn später gar als den neuen Peter Schreier.


Bachfest Leipzig 2020 Johannes-Passion: Philipp Lamprecht, Percussion. Foto: MDR/Stephan Flad

Zusammen mit Elina Albach (Cembalo) und Philipp Lamprecht (Percussions), die überzeugend den reduzierten Orchesterpart übernahmen, agierte und musizierte ein perfektes Dreier-Team. Bachs feingewebte Melodienbögen kamen auf Lamprechts Marimba bestens  zur Geltung. Wenn das Volk schreit „Weg mit Ihm“, ertönt ein Trommelwirbel.

Selbst der Mitsing-Wunsch von Maul und Kristjánsson ging indirekt in Erfüllung. In aller Eile hatte man zuvor ein digitales Programmheft mit Noten erstellt, das sich Sangesfreudige herunterladen konnten. Wer wollte, konnte sich beim Singen auch filmen lassen. 

Tatsächlich saßen bei diesem Live-Ereignis, das in mehr als 76 Länder gestreamt wurde, zahlreiche Bach-Enthusiasten mit den Noten daheim vor ihren Bildschirmen. „Sie sangen, spielten mit und betrachteten das Ganze als eine Art Kompensation für all die abgesagten Aufführungen von New York bis Tokio“, sagt Maul. Als Geiger und Intendant war bei der Aufführung auch in der Thomaskirche, hielt sich aber zumeist im Hintergrund. „Ich war ziemlich weggetreten und heulte wie ein Schlosshund“ erinnert er sich.

Sicherlich sind vielen die Tränen bei dieser außergewöhnlichen Karfreitagspassion, die gerade wegen ihrer  Schlichtheit beeindruckte, übers Gesicht gelaufen. Tausende Zuschauer von Alaska bis Neuseeland brachten ihre Rührung zum Ausdruck. Bis Ostern waren schon an die 10.000 Kommentare eingegangen. Sätze wie „dies war die ergreifendste Johannes-Passion, die ich je gehört habe“ oder „das hat uns diesen Karfreitag gerettet“, waren nach Mauls Worten nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Ein Zuhörer aus Nigeria kommentierte „I sang along and I’m glad I didn’t miss one bit!“ (Ich habe mitgesungen, ich bin fröhlich und habe nichts vermisst!)

Bis zum vergangenen Wochenende wurde dieses Video bereits über 500.000 mal auf den Streaming-Portalen des Bach-Archivs, beim MDR und bei arte Concert abgerufen. Spontan spendeten Menschen aus der ganzen Welt 20.000 Euro für freischaffende Musiker. Sämtliche beim Bachfest Leipzig mitwirkende Künstler sind Freischaffende, die nun stark unter der Corona-Krise leiden. Die Spenden sollen ihnen die Mitwirkung an weiteren Darbietungen und Streaming-Formaten ermöglichen. (https://www.bachfestleipzig.de/de/corona)

Die Abrufe dieses Videos werden noch zunehmen und die Spenden hoffentlich ebenso, ist doch diese besondere Johannes-Passion bei MDR Kultur und MDR Klassik sowie bei arte TV weiterhin zu abrufbar.


Bachfest Leipzig 2020. Johannes-Passion wird gefilmt. Foto: MDR/Stephan Flad

Außerdem wird bereits von dieser Johannespassion, die auch ein Dokument der Zeitgeschichte darstellt, in Zusammenarbeit mit MDR/ARTE eine zweite und interaktive Fassung vorbereitet. In diese werden auch ausgewählte Mitsing-Videos integriert, die zu Dutzenden geschickt wurden. Diese Version soll im Juni ausgestrahlt werden. Das Datum ist noch nicht bekannt. Auf alle Fälle wird diese Johannes-Passion beim Bachfest 2022 auf dem Marktplatz in Leipzig und dann mit 5.000 Mitsingen „in echt“ zu erleben sein.

Beim schon erwähnten Bachfest Leipzig 2021 vom 11. bis 20. Juni mit dem Motto „Erlösung“ steht ein groß angelegter Zyklus mit geistlichen Werken Bachs im Zentrum: „Bachs Messias – Das Leben und Wirken Jesu von Nazareth in 33 Kantaten, drei Oratorien und der Matthäus-Passion“.

Der Zyklus aus elf Konzerten in vier Tagen knüpft konzeptionell an den 2018 mit großem Erfolg aufgeführten „Kantaten-Ring“ an. Die Konzerte werden dirigiert von Ton Koopman, Masaaki Suzuki, Hans-Christoph Rademann, Gotthold Schwarz, Václac Luks, Wolfgang Katschner und Justin Doyle. Der Schauspieler Ulrich Noethen spricht die Evangelientexte. Die Tickets für den gesamten Zyklus sind bereits ab Sommer 2020 erhältlich und vermutlich schnell vergriffen! 

Infos unter www.bach-leipzig.de und per Mail unter bachfest@bach-leipzig.de. Telefonische Buchung:
Mo–Fr: 8–21 Uhr, Sa: 8–20 Uhr, So: 10–20 Uhr
Aus Deutschland: 0 18 06-56 20 30 (0,20 € pro Anruf aus den dt. Festnetzen, max. 0,60 € pro Anruf aus den dt. Mobilfunknetzen). – Aus dem Ausland: +49-3871-2 11 41 91 (lokale Tarife)

Ursula Wiegand
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WIEN/ KABINETTTHEATER

Sehr geehrtes Publikum, liebe Freundinnen und Freunde des Kabinetttheaters!

Alle Vorstellungen bis Ende Juni mussten abgesagt werden.
Zwischendurch gab es einen kleinen Hoffnungsschimmer: im letzten Maßnahmen-Katalog der österreichischen Bundesregierung wurde von einer evtl. „Lockerung“ ***  ab Mitte Mai gesprochen: Falls wir vor Publikum auftreten dürften, würden sich mit 20 Quadratmetern pro Theaterbesucher gerademal 2,5 Zuschauer in unserem Zuschauerraum ausgehen…
(Die dann nötigen Kartenpreise übersteigen unsere Rechenkünste.)

Aber: wie uns die Staatssekretärin Ulrike Lunacek nahebringt:
„Wenn dann was auf einer Bühne stehen soll, muss man vorher üben, proben- anders gehts nicht“.
Wir danken und sagen: Stimmt!!!

Aber erst ab 1. Juni könnten unter noch zu klärenden näheren Umständen Proben mit einem (1) Darsteller auf 20 Quadratmetern genehmigt werden – Puppen und Objekte wurden allerdings noch nicht erfasst.

*** Wir empfehlen als Lektüre zum derzeit überstrapazierten Wort Walter Serner’s „Letzte Lockerung“ aus dem Jahr 1918. „In aphoristischer Form protestiert dieser dadaistische Text gegen alle Sinnerhaltungs- und Sinnstiftungsversuche“ (Wikipedia)

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