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INFOS DES TAGES (FREITAG, 22. MAI 2020)

22.05.2020 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (FREITAG 22. MAI 2020)

MÜNCHEN: #BSOfürzuhause – 8. Montagskonzert und DIE UNMÖGLICHE ENZYKLOPÄDIE FÜR ZU HAUSE

Am 25. Mai findet bereits das 8. Montagskonzert auf der Bühne der leeren Staatsoper statt. Ab 20.15 Uhr sind unter anderem das ehemalige Ensemblemitglied Golda Schultz, der Soloflötist Paolo Taballione sowie Solisten des Bayerischen Staatsballetts live auf STAATSOPER.TV zu erleben.

STAATSOPER.TV: Bayerische Staatsoper

Ab Donnerstag, 21. Mai ist bereits die dritte Ausgabe von Die unmögliche Enzyklopädie für zu Hause als Online-Version verfügbar. Die insgesamt 53. Folge der Dramaturgiereihe trägt den Titel Ernüchterung. Mit dabei sind neben verschiedenen Gesprächsgästen auch Sängerinnen und Sänger des Opernstudios und Ensembles.

» 8. Montagskonzert
 Die unmögliche Enzyklopädie für zu Hause
8. Montagskonzert auf STAATSOPER.TV

Mo, 25. Mai 2020, 20.15 Uhr
www.staatsoper.tv

Das ehemalige Opernstudio- und Ensemble-Mitglied Golda Schultz interpretiert zusammen mit Francesco Sergio Fundarò am Klavier ausgewählte Lieder von Franz Schubert. Außerdem steht John Carters Cantata for voice and piano auf dem Programm.

Im Anschluss spielen Paolo Taballione, seit 2008 Soloflötist des Bayerischen Staatsorchesters, und Fabio Cerroni am Klavier Fantasien zu Carmen, Die Zauberflöte und La traviata sowie die Arie des Lensky aus Eugen Onegin.

Im dritten Teil des Abends präsentieren Solisten des Bayerischen Staatsballetts Soli aus bekannten Choreographien: Osiel Gouneo tanzt Auschnitte aus Spartacus von Yuri Grigorovich und Borderlands aus Portrait Wayne McGregor, Jeanette Kakareka interpretiert ein Solo aus Jewels von George Balanchine und Dmitrii Vyskubenko eine Variation aus Dornröschen.

Ab dem 27. Mai, 12.00 Uhr ist das Konzert für zwei Wochen als Video-on-Demand verfügbar.
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HEUTE – RICHARD WAGNER – ZUM 207. GEBURTSTAG –  REINIS ZARINS KLAVIERKONZERT live aus RIGA


Riga  –  Theater in der Richard Wagnerstraße 4. Copyright: Erwin Messer

Für Freitag, 22. Mai 2020 (HEUTE) hat die Richard Wagner Gesellschaft RIGA  im Internet  – 18.00 CEST – Österreich und Deutschland-  ein

BENEFIZKONZERT  mit dem mehrfach ausgezeichneten lettischen Pianisten  REINIS ZARINS organisiert.


Erinnerungstafel. Copyright: Erwin Messer

 Zum 207. Geburtstag des Meisters soll für die dringend notwendige Renovierung  des Richard Wagner -Theatersaales gesammelt werden.

DONATIONS: https://www.betterplace.org/en/projects/74658

Da  jetzt  das Geld für Opernkarten  leider gespart wird , kann das Wagner-Publikum  in die Zukunft investieren , wenn bei der nächsten Lettland -Reise  die Arbeitsstätte des jungen Dirigenten  ( 1837 bis 1839)  wieder zu besichtigen ist. Der Saal und der Orchestergraben dienten  als Vorlage für  Bayreuth.


Prof. Dr. Heinrich Tettinek (Ehrenmitglied des Richard Wagner Verbandes Wien) und Dr.Ulrike Messer – Krol 2013. Mit der Regie von Rheingold für diesen RING des Nibelungen hat der junge Norweger  Stefan Herheim 2006 seine große Wagneropern- Karriere gestartet. Copyright: Erwin Messer

Live webcast of charity concert for renovation of Riga’s Wagner theater shall take place on the 207th birthday of Richard Wagner – May 22, 2020 at 16:00 GMT, 18:00 CEST (Germany), 19:00 EEST (Latvia).

Pianist: Reinis Zariņš
Programme: R.Wagner, F.Liszt

DONATIONS: https://www.betterplace.org/en/projects/74658

Riga Richard Wagner Society

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Die Wunderwuzzin

Ich habe meine Freundin Inge Maux getröstet. Sie hätte in diesem Sommer in Gutenstein bei den Raimundspielen die Zufriedenheit in „Der Bauer als Millionär“ spielen sollen und ist entsprechend betrübt über die Absage – schließlich hatte man bis zuletzt gehofft und Kostüme probiert.

„Schau, Inge“, sagte ich ihr. „So Gott will, sind wir alle nächstes Jahr auch noch da, und dann ist alles wieder normal.“

Schließlich hat man einen Wunderwuzzi, genau gesagt (Achtung! Gendern!), eine Wunderwuzzin in Gestalt von Andrea Mayer aus dem Hut gezaubert, und die gute Frau soll jetzt – Simsalabim! – auf der Stelle alles bereinigen, was bis dato unlösbar war. Der Gesundheitsminister soll ihr erlauben, dass die alte Nähe wieder möglich ist (anders funktioniert Theater weder beim Trainieren, pardon Proben, noch beim Spielen), und dass wir wieder Schulter an Schulter in Räumen sitzen dürfen (bitte, bitte, ohne die Masken vorm Gesicht). Und der Finanzminister wird die Millionen über die Kunstschaffenden ausschütten, die zwei arbeitslose Monate hinter sich haben. Schön wär’s.

Mir sind im Zusammenhang mit der Kultur, ohne die es nicht geht, ein paar ketzerische Gedanken gekommen. Das hat übrigens auch damit zu tun, dass mir mein Freund Bernhard, passionierter Kaffeehausbesucher und natürlich sofort wieder „draußen“ (aus der Wohnung) und „drinnen“ (in seinem Stammcafé), erzählt, was ich so nie für möglich gehalten hätte. Dass die Lokale nämlich keinesfalls überfüllt sind. Die Sehnsucht, sich wieder auf eine kommunikative Ebene zu begeben, scheint nicht so groß, dass kein Staudamm sie aufhalten kann… komisch. Ich hätte gedacht, dass man nirgendwo einen Platz bekommt. Sind andere Leute so wie ich (die immer irgendwo unterwegs war) darauf gekommen, wie gemütlich es zuhause ist?

Im übrigen wage ich zum Thema „Kultur“ ein paar Überlegungen, für die man mich steinigen möge, aber sei’s drum, so lange ich es überlebe. Und ein bisserl Meinungsfreiheit sollte schon sein. Also – würden die Menschen die Theater, die Opern, die Konzertsäle, die Ereignisse stürmen, wenn plötzlich alles beim Alten wäre? Oder ist das ununterbrochene Lippenbekenntnis, wie wichtig die Kultur für uns sei, nicht mehr als ein solches – von Politikern, die (wie Herr Kogler, wenn ich das recht verstanden habe) vielleicht gar nicht wissen, wie ein Theater von innen aussieht?

Wie würde der Durchschnittsbürger, der in Wien automatisch ins Theater und in die Oper und ins Konzert geht, weil er schließlich Abos hat, sein Bedürfnis nach Kultur definieren? Ich habe noch keine Sprechchöre gehört: Wir wollen unsere Josefstadt wieder, wir können ohne sie nicht sein!!! Ich höre nur die… ja gelegentlich bis zum Gegeifere gesteigerte Forderung der Theatermachenden nach Geld, das ihnen durch die Krise entgeht.

Logisch, sie haben einen Beruf, für den es derzeit keine Auswegmöglichkeit gibt. Wer früher kein Theaterengagement hatte, konnte auf ein paar Drehtage beim Fernsehen hoffen. Zumindest. Heute gibt es nur eine Möglichkeit, „Hallo, da bin ich!“ zu rufen, wenn man Videobotschaften ins Netz zu stellt. Das macht mittlerweile jeder. Ich frage mich, wie hoch die Akzeptanz ist. Wie zahlreich ist das Publikum, das sich das ansieht – und mehr noch: Hat es wirklich etwas davon?

Also, kann man folgern, dass das „Kunst und Kultur Machen“ für diejenigen, die sie machen, wichtiger ist als für die, die sie konsumieren? Oft nur aus Gewohnheit „ins Theater gehen“? Und gemerkt haben, dass man abends auch zuhause bleiben kann. Wobei ich persönlich keine Erfahrungen mit Netflix, Sky, Disney und Amazon habe (letzteres besorgt mir meine Bücher, die anderen sind mir mit ihren bildmächtigen Riesenangeboten total fremd) . All das ist sicher kein Ersatz für „richtiges“ Theater, aber für viele vermutlich eine Möglichkeit  (eine? Hunderte!), wenn man den Abend unterhaltsam zubringen will.

Wie ist das mit dem „richtigen Theater“? Bei Nestroy, dem alten Zyniker, heißt es: „Damit der Abend auf dramatisch hin wird.“ Für mich hat Theater in meiner Jugend immer wieder bedeutet, dass es mich innerlich tief berührt hat: „Tua res agitur“, ja, um mich geht es, auch wenn der Schiller und der Goethe das „g’schrieben“ haben. Als Max Frisch uns in „Andorra“ ein Problem hinknallte, das damals keiner wahrhaben wollte, das ging unter die Haut! Und es war gewiß eine bittere „Komödie“, aber hat uns Dürrenmatts „Physiker“ nicht alles gesagt, was über die tödliche Wissenschaft zu sagen war? Da konnte man auch noch an einander krachen und sich den Kopf heiß diskutieren. Abgesehen davon, dass man in den Inszenierungen fraglos erkannt hat, worum es gegangen ist, und die Schauspieler anbetungswürdig waren… (Wenn heute die an sich anbetungswürdige Corinna Harfouch die „Physiker“ in einer Inszenierung von Herbert Fritsch spielt, kann ich nur einen Tobsuchtsanfall bekommen.)

Wann hat mich zuletzt ein Stück von heute wirklich erreicht? Theater und Publikum haben sich von einander entfernt, das ist unleugbar, und keiner kann das Rad der Zeit zurück drehen. Wer es verlangte, würde mit Hohn in den Orkus der „ewig Gestrigen“ geschleudert. Und doch ist es eine Tatsache: Wer heute in ein Stück geht, das behauptet, von Ibsen oder Schnitzler zu sein, bekommt nicht eine Ahnung davon, was der Autor einst geschrieben hat. Auch in der Oper kann sich der Zuschauer nur den Kopf darüber zerbrechen, was der Regisseur gemeint haben mag – und nicht,  worum es Mozart gegangen ist (wenn Osmin die beiden Paare, die der Bassa entlassen hat, dann doch umbringt – oder, wenn das Ganze, in einer anderen Fassung, ohnedies in Nordafrika spielt, unter den Bedingungen der kolonialen Knechtschaft und Mordgesellschaft, was super zur Musik passt) – man könnte Bücher darüber schreiben, was Regisseuren so im Lauf der Jahre willkürlich und oft böswillig durch ihre Birnen gerauscht ist (© Stadelmaier).

Und das Publikum, das brav mitgegangen ist und all das hinnimmt – hat es wirklich ein Bedürfnis nach all dem (natürlich ausgenommen von jenen, die nichts Besseres kennen und sich vom Feuilleton einreden lassen, sie hätten etwas Tolles gesehen)? Oder nimmt der Durchschnittsbesucher das einfach nur hin? Und wenn es das nicht mehr gibt – geht es ihm wirklich ab? Die Frage würde man ja gar nicht zu stellen wagen, nicht gedacht soll es sein! Und doch: Das viel besprochene „Umdenken“ kann auch zu unerwünschten Ergebnissen kommen…

Vielleicht müsste die Frau Wunderwuzzin nicht nur Theater und Oper auf die Bühnen zurück bringen, sondern das Wunder vollbringen, dem Publikum nicht nur das Interesse, sondern auch die Freude daran wieder zu geben? Das früher so oft empfundene Gefühl: Ohne Theater, ohne Oper, ohne Konzert will ich nicht sein!?!?!

Und dass der österreichische Durchschnittsbürger bei „Kultur“ überhaupt eher an „Wein-Kultur“ denkt als an die Hochkultur, um die wir jetzt ringen – daran will ich gar nicht denken…

Renate Wagner

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Gier.  Von Thomas Prochazka. Eine Tragödie (ganz frei nach Thomas Bernhard).

Von der Minoritenkirche schlug es drei Uhr, als ich mich, die Straßenbahn vor dem Burg­theater verlassend und mit diesem ekelig angefeuchteten und jeden tieferen Atemzug verhindernden Mundnasenschutz vor dem Gesicht, die eine fachfremden und also in der Sache inkompetenten Einflüsterern Glauben schenkende Regierung dem österreichischen Volk aufzuzwingen sich erdreistete, in Richtung Café Landtmann wandte. Wochenlang war man mit einem in jedem zivilisierten Land der Welt selbstverständlichen Abstand zu Fremden sehr gut ohne diese Schwachsinnigkeit, diese allergrößte Schwachsinnigkeit überhaupt, wie ich bemerken muß, ausgekommen, ehe eine überforderte Regierung mit dieser Maßnahme von ihrer völligen Ahnungslosigkeit davon ablenken wollte, daß sie dieses Österreich grundlos in die tiefste wirtschaftliche und gesellschaftliche Krise seit dem zweiten Weltkrieg gestürzt hatte, berichtete Atzbacher.

Reger hatte mich durch seine Haushälterin telephonisch ins Landtmann bestellen lassen, er habe mir für mich Wichtiges mitzuteilen über die Kultur in Österreich, welche doch, wie die Haushälterin extra betont hatte, schon lange nur mehr eine Unkultur sei, wie Reger gesagt haben soll, und dieses Land schon lange nicht mehr jene Kulturnation, für die es sich halte, denn naturgemäß hätten die Mächtigen in diesem Staat, vielfach bereits Produkte einer kompetenz­orientierten Ausbildung, die doch immer nur eine inkompetente sei, die inkompetenteste überhaupt, die man sich vorstellen könne, anstatt Bildung erfahren zu haben schon längst jedes Interesse an Kunst und Kultur verloren, wären mit dem, was man früher unter dem Begriff Humanismus verstand, niemals mehr in Berührung gekommen…

Pieter Bruegel d. Ä. (um 1525/30 – 1569 Brüssel): »Avaritia«, 1558 (Ausschnitt). Kupferstich, 22,5 × 29,5 cm. Brüssel, Bibliothèque Royale, Cabinet Estampes Public Domain
Pieter Bruegel d. Ä. (um 1525/30 – 1569 Brüssel): »Avaritia«, 1558 (Ausschnitt). Kupferstich, 22,5 × 29,5 cm. Brüssel, Bibliothèque Royale, Cabinet Estampes. Public Domain

http://www.dermerker.com/index.cfm?objectid=54D63490-9AD4-11EA-875E005056A64872

Von Thomas Prochazka
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Wiener Stimmung #7 bis #13

Die Uraufführungsreihe des Burgtheaters geht auch im Juni weiter.

Texte Peter Rosei, Thomas Köck, Thomas Perle, Julya Rabinowich, Ivna Žic, Daniel Wisser, Fahim Amir und Gerhild Steinbuch werden Ende Mai und im Juni zu sehen und zu hören sein – präsentiert von einem Ensemble in einem momentan noch andauernden Theater-Lockdown, auch wenn das Leben außerhalb des Theaters sich nach und nach zu normalisieren scheint – „normale“ Proben oder gar Vorstellungen im Theater liegen noch in weiter Ferne, das Burgtheater kommt daher weiterhin in die (Wiener) Wohnzimmer.

Corona heißt der Text von Peter Rosei mit dem sich Ensemblemitglied Robert Reinagl beschäftigt hat und der am 21. Mai zur Uraufführung kommt, Thomas Köck trifft auf Stefanie Dvorak (23. Mai), Markus Meyer auf Thomas Perle (28. Mai), Julya Rabinowich wird von Alexandra Henkel interpretiert (30. Mai) und Lililth Häßle hat sich dem Text von Ivna Žic (4. Juni) angenommen. Die „Doppel“ Daniel Wisser und Sabine Haupt (6. Juni), sowie Fahim Amir und Florian Teichtmeister (11. Juni) und Gerhild Steinbuch und Marta Kizyma (13. Juni) folgen. Jeweils um 18 Uhr, am Donnerstag und am Samstag, geht eine neue Folge der Wiener Stimmung auf dem YouTube-Kanal und der Website des Burgtheaters online.

Wiener Stimmung – Uraufführungen für das Burgtheater: Autor*innen aus Österreich schreiben neue Texte für das Burgtheater-Ensemble in Isolation.

Die Uraufführungsreihe Reihe Wiener Stimmung – gestartet Ende April (Text von Franzobel, mit Burgtheater-Ensemblemitglied Norman Hacker) – entstand als eine Wien-Parallele im Netz, eine Momentaufnahme des (damaligen) aktuellen Quarantäne- und vollständigen Lockdown-Zustandes, an dem sich (vielleicht) nur scheinbar viel geändert hat. Diese Uraufführungs-Reihe hat (noch nicht – aber bald) historischen Charakter, seit viele Bereiche des „normalen“ Lebens zurückzukehren scheinen.

Die Autor*innen der Reihe auf einen Blick: Fahim Amir, Dimitré Dinev, Teresa Dopler, Franzobel, Paulus Hochgatterer, Eva Jantschitsch, Doris Knecht, Thomas Köck, Angela Lehner, Barbi Marković, Thomas Perle, Kathrin Röggla, Peter Rosei, David Schalko, Magdalena Schrefel, Gerhild Steinbuch, Marlene Streeruwitz, Miroslava Svolikova, Mikael Torfason, Daniel Wisser und Ivna Žic.

 Die nächsten Folgen im Überblick

Donnerstag, 21. Mai
Wiener Stimmung #7
Corona
von Peter Rosei mit Robert Reinagl

Der Reise-Chronist, Romancier und Essayist Peter Rosei schickt das Corona-Virus dorthin, wo es sich am liebsten Aufhält, zu den Menschen. Ein Wiener Asphalt-Couplet auf den Straßen des zweiten Bezirks, interpretiert von Robert Reinagl.

Peter Rosei geboren 1946 in Wien. 1968 promovierte er zum Doktor der Rechtswissenschaften. Seit 1972 lebt er als freier Schriftsteller in Wien und auf Reisen. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen, u. a. Franz-Kafka-Preis 1993, Anton-Wildgans-Preis 1999, Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 2007 und Großes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich 2016. Zuletzt erschienen im Residenzverlag die fünfbändigen Wiener Dateien (2016), Karst (2018) und die Reiseaufzeichnungen Die große Straße (2019).

Samstag, 23. Mai

Wiener Stimmung #8
There goes my systemrelevanz (again) ((and again)) (((and again)))
von Thomas Köck mit Stefanie Dvorak

Im schlafenden Theater führt ein dort zurückgelassener Chor ein Selbstgespräch über die eigene Relevanz. Aus der für ihn gewohnten Position – dem Abseits, – analysiert der Chor politische Begriffe, die allzu schnell in unseren Alltag eingegangen sind. Lustvoll bissig und lakonisch nimmt Thomas Köck Polit-Rhetorik und ihren fließenden Übergang zum Business-Sprech unter die Lupe und aufs Korn. Wenn Systemrelevanz bedeutet, relevant für ein System sein, das Ungerechtigkeiten produziert, dann pfeift sein von Stefanie Dvorak verkörperter Theaterchor gern auf jede Relevanz.

Thomas Köck, geboren 1986 in Oberösterreich, ist zweifacher Träger des Mülheimer Dramatikerpreises. Er studierte Philosophie in Wien sowie Szenisches Schreiben und Film an der Universität der Künste Berlin, war Hausautor am Nationaltheater Mannheim, ist Mitbegründer des Blogs nazisundgoldmund.net, auf dem Autor*innen gegen Rechts publizieren, und fungiert mit der daraus hervorgegangenen HYDRA als Gastgeber des Kollektivsalons im Kasino des Burgtheaters, eine Reihe, die in der Spielzeit 2020/21 fortgeführt wird.

Donnerstag, 28. Mai,      

Wiener Stimmung #9
nachbarn               
von Thomas Perle mit Markus Meyer                        

Thomas Perle beschreibt die Isolation bitterböse aus der Sicht eines älteren Herren, alleinstehend, denunziatorisch und sicherlich traurig oder trauernd. Am Fenster stehend beobachtet er die Welt, die scheinbar solidarisch ist? Wer sieht was und welche Wahrheit gilt? Man folgt den Gedanken von Thomas Perles nachbarn und fühlt sich unwohl wohl.

Thomas Perle wurde 1987 in Rumänien geboren. 1991 emigrierte er mit seinerFamilie nach Deutschland, wo er in Nürnberg dreisprachig aufwuchs. 2008 begann er sein Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien, das er 2015 mit Diplom abschloss. 2013 erhielt er für seinen Kurzprosatext wir gingen weil alle gingen. den Exil-Literaturpreis. 2015 erhielt er vom Bundeskanzleramt Österreich das Start Stipendium für Literatur. Er ist Mitglied des internationalen Autorentheaterlabors WIENER WORTSTAETTEN und Teil des europäischen Kooperationsprojekts Fabulamundi. playwriting europe. 2019 wurde er für karpatenflecken mit dem Retzhofer Dramapreis ausgezeichnet, die Produktion, die im Mai 2020 im Kasino zur Uraufführung hätte kommen sollen, wird nun in der Spielzeit 2020/21 „nachgeholt“.

Samstag, 30. Mai

Wiener Stimmung #10
Antigone frisst Ariadnes roten Faden     
von Julya Rabinowich mit Alexandra Henkel    

Die eine wird zur Strafe lebendig eingemauert, die andere hat den hilfreichen Faden, der aus dem Labyrinth führt. Was aber, wenn das Gefängnis zum Schutzwall wird, die Wände zum Kokon, wenn das Verlassen des Labyrinths bedrohlicher erscheint als das Verharren darin? Julya Rabinowich spannt den Bogen von der Mythologie in unsere denkwürdige Gegenwart und entdeckt archaische Muster in der neuen Liebe zum social distancing.                 

Julya Rabinowich, geboren 1970 in St. Petersburg, lebt seit 1977 in Wien. Sie ist als Schriftstellerin, Kolumnistin und Malerin tätig sowie als Dolmetscherin. Bei Deuticke erschienen Spaltkopf (Rauriser Literaturpreis), Herznovelle, Die Erdfresserin und Krötenliebe. Mit Dazwischen: Ich veröffentlichte sie bei Hanser 2016 ihr erstes Jugendbuch (mit dem Kinder- und Jugendbuchpreis Östererich ausgezeichnet). 2019 folgte ihr Jugendbuch Hinter Glas.

Donnerstag, 4. Juni        

Wiener Stimmung #11
Heute steht nicht im Kalender     
von Ivna Žic mit Lilith Häßle        

  Bedeutet die Unmöglichkeit der räumlichen Bewegung Stillstand? Ivna Žic schreibt in einer Zeit, in der Möglichkeitsräume neu ausgelotet werden über die Rückverfolgung der Erinnerungen im Traumbewusstsein zum räumlichen Ursprung der eigenen Existenz.                   

Ivna Žic, 1986 in Zagreb geboren, und lebt in Zürich und Wien. Sie studierte Angewandte Theaterwissenschaft, Schauspielregie und Szenisches Schreiben in Gießen, Hamburg und Graz. Seit 2011 arbeitet sie als freie Autorin, Dozentin und Regisseurin u. a. am Berliner Maxim Gorki Theater, Schauspielhaus Wien, Theater Neumarkt und bei uniT. Žic erhielt für ihre Texte eine Vielzahl von Stipendien und Preisen. 2019 wurde sie mit ihrem Debütroman Die Nachkommende sowohl für den Österreichischen als auch für den Schweizer Buchpreis nominiert.

Samstag, 8. Juni

Wiener Stimmung #12
Schwerkraft
von Daniel Wisser mit Sabine Haupt                          

Zwei Frauen, Mutter und Tochter, sind die Protagonistinnen dieses Monologs des Österreichischen Buchpreisträgers und Heimorglers Daniel Wisser. Sehen können sie einander gerade nicht und der Abstand zwischen Daheim und Pflegeheim, der ein Abstand zwischen Welten ist, lässt sich auch mit Telefonaten und Obstlieferungen nicht zureichend überbrücken. Der einen Birnen sind der anderen Äpfel in diesem Versuch über die Abwesenheit.           

Daniel Wisser ist Mitbegründer des Ersten Wiener Heimorgelorchesters, das im letzten Jahr sein 25-jähriges Bandjubiläum feierte. Auf billigen, kleinen „consumer keyboards“ spielen sie Songs mit literarischen Texten aus eigenen und fremden Federn. Vor fünfzehn Jahren war das Heimorgelorchester in Peter Handkes Untertagbluesauf der Bühne des Akademietheaters zu sehen. Zu diesem Zeitpunkt war gerade Wissers erster Roman Dopplergasse achterschienen, dem bisher vier weitere folgten, zuletzt Königin der Berge, der mit dem Österreichischen Buchpreis 2018 ausgezeichnet wurde.

Donnerstag, 11. Juni

Wiener Stimmung #13      
Virus im Pelz                   
von Fahim Amir mit Florian Teichtmeister                            

Der Mann nennt sich Gerry Hodscha, er ist „Zahlenmystiker“ und hat seine eigene Sendung auf YouTube. Sie heißt Es ist simple Mathematik – und es ist zutiefst erstaunlich, was die Welt, wenn man sie erst durch Gerrys Rechenhirn gejagt hat, endlich von sich preisgibt. Ein Aluhut? Entscheiden Sie …!  

Fahim Amir ist Philosoph und Autor in Wien. Er hatte Gastprofessuren an der Akademie der bildenden Künste Wien, an der Universität Campinas São Paulo und an der Kunstuniversität Linz inne. Amir beschäftigt sich theoretisch und künstlerisch mit den Übergängen von NaturKulturen und Urbanismus, Kunst und Utopie, kolonialer Historizität, Transkulturalität und Modernismus. Amir war Kurator von Symposien zu Neuer Musik (Ferienkurse Darmstadt), Live-Art-Festivals (Kampnagel Hamburg) und Ausstellungen (Secession Wien), betrieb die Bar Schnapsloch und den Verlag Proll Positions. Amir verfasste das Nachwort zu Donna Haraways Manifest für Gefährten (2016). Seine zuletzt erschienene und mit dem Karl-Marx-Preis 2018 ausgezeichnete Studie Schwein und Zeit (Nautilus, 2018) wurde in die ZEIT/ZDF-Sachbuchbestenliste aufgenommen und vom Goethe-Institut und der Frankfurter Buchmesse zu einem der besten Bücher des Jahres 2019 gewählt.

Samstag, 13. Juni

Wiener Stimmung #14      
Minus dreißig Tage Zukunft
von Gerhild Steinbuch mit Marta Kizyma         

 „Das Oberhaupt der neuen alten rotweißstumpfen Stolzbewegung sagt: Ich schaue jeden Tag in den Spiegel und jeden Tag bin ich sauber. Na, wenn sie das jetzt also ist, die sogenannte Gegenwart, dann kann man sich ja auch gleich in den Schädel schießen.“ In einem Solo furioso speit eine Beobachterin aus ihren vier Wänden auf die hygienisch-neue Gesellschaftsordnung, die sich in Windeseile formiert hat, und fragt: Was war nochmal der Vorteil von Staatsgrenzen, wenn sie doch stets – wie zugemauerte Zimmertüren – Austausch und Ausgang versperren?                 

Gerhild Steinbuch, geboren 1983 in Mödling, Studium Szenisches Schreiben im DRAMA FORUM Graz und Master Dramaturgie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Seit 2019 ist sie Professorin am Institut für Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst. Gerhild Steinbuch ist Gründungsmitglied von HYDRA (ehem. Nazis & Goldmund), einer Autor*inneninitiative gegen die europäische Rechte, zudem Mitglied im „Institut für chauvinistische Weiterbildung“, Mit-Initiatorin der VIELEN in Österreich. In der Saison 2019/20 richtete sie als Teil der HYDRA den Kollektivsalon im Kasino aus und arbeitet an Projekten für das Nationaltheater Mannheim, NT Athen, Deutschlandfunk und brut Wien. Die Reihe Kollektivsalon wird in der Saison 2020/21 im Kasino fortgesetzt.

Weitere Informationen zu den Onlineangeboten des Burgtheaters finden Sie unter www.burgtheater.at.

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INSTAG(K)RAMEREIEN – gefunden von Fritz Krammer

Alexandra Kurzak probt in Quarantäne die „Königin der Nacht“


Bitte untenstehenden Link anklicken

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Fritz Krammer: Interessant der dramatische Peng, fern von den lyrischen Piepserln, die dann auf den Bühnen stehen.
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HEUTE:  Freitag, 22. Mai, 14 Uhr: Staatssekretärin Mayer im Austausch mit VertreterInnen aus der Kulturbranche

Wien (OTS) – Am Freitag, 22. Mai 2020 um 14 Uhr trifft Staatssekretärin für Kunst und Kultur Andrea Mayer VertreterInnen der österreichischen Kulturbranche, um über das Konzept der Bundesregierung zur stufenweisen Öffnung von Kulturveranstaltungen und die bevorstehende Anpassung der Verordnung, mit der insbesondere der Rahmen für Veranstaltungen im Sommer festgelegt werden soll, zu informieren.

Datum: Freitag, 22. Mai 2020
Uhrzeit: 14.00 Uhr
Ort: Festsaal des Bundesamtsgebäudes, Radetzkystraße 2, 1030 Wien
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IPG – IGNAZ PLEYEL-GESELLSCHAFT (Ruppersthal): Unsere nächsten Konzerte

Wir freuen uns bekannt geben zu dürfen, dass wir — wenn es die Bundesregierung erlaubt- unser nächstes Konzert als Freiluftaufführung –  am So, dem 5. Juli 2020 um 11,00 Uhr mit dem Janacek Quartett in Quintett-Besetzung und anschließendem Mittagstisch auf der Weinbergwiese geben, und planen des Weiteren alle unsere Veranstaltungen bis Ende des Jahres für unsere Pleyel VerehrerInnen zu geben, auch „Der Verschwender“ von Ferdinand Raimund, Musik von Conradin Kreutzer mit dem weltbekannten Janacek Quartett. Wir freuen uns auf das Wiedersehen und ersuchen Sie bereits jetzt um Ihre Voranmeldungen!

Ab 29.5.2020 geben wir jeden Samstag ab 14,00 Uhr Weinwanderungen mit anschließendem Weinkellerbesuch und über Wunsch Weinverkostung!  In der Hoffnung, dass wir uns bald wieder persönlich sehen können, sende ich Ihnen im Namen des Teams der IPG herzliche Grüße aus dem Geburtsort Pleyels
Do, 18. Juni 2020, 17h, Pleyel Museum(Geburtstag unseres Meisters Ignaz J. Pleyel)
Geburtstagskonzert zu vier Händen als virtuelle Veranstaltung mit dem Pleyel – Duo Stephanie Timoschek und Christine David auf dem Original Ignaz Pleyel Hammerflügel, Opus 1614, 1830!

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie sich via Facebook mit folgendem Link einloggen würden https://www.facebook.com/PleyelMuseum/live

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