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INFOS DES TAGES (FREITAG, 20. AUGUST 2021)

19.08.2021 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (FREITAG, 20. AUGUST 2021)

WIENER STAATSOPER: Treue-Angebot für September-Vorstellungen

La traviata D5B6027 YENDE
Pretty Yende in „La Traviata“. Foto: Michael Pöhn
 
Sehr geehrte BundestheaterCard-Besitzerinnen und Besitzer,

in wenigen Tagen beginnt an der Wiener Staatsoper mit Puccinis Tosca die neue Spielzeit. Für Sie als dem Haus besonders eng verbundene Besucherinnen und Besucher haben wir für den Saisonstart ein spezielles Treue-Angebot vorbereitet:

Mit Ihrer BundestheaterCard können Sie alle Vorstellungen im September mit 20%, in den Kategorien 2 & 3 sogar mit 30% Ermäßigung besuchen.
(ausgenommen 14. und 28. September).

Der Monat September bringt an der Staatsoper etliche bemerkenswerte Abende. Nach einer Saison, die zum überwiegenden Teil nur über Streaming und Fernsehen mitverfolgt werden konnte, freuen wir uns umso mehr, gleich zwei Neuproduktionen, die in der Zeit des Lockdowns erarbeitet und für die Kameras auf die Bühne gebracht wurden, nun endlich vor Publikum zeigen zu können:
 

 
Regisseur Simon Stone arbeitet in Verdis La traviata mit einer überdimensionalen Videowand und demonstriert eindrucksvoll, wie zeitgenössisch große Oper 2021 sein kann:  Violetta ist ein Pariser »It-Girl«, eine heutige Influencerin, die selbst dann in ihrer Instagram-Blase gefangen bleibt, wenn sie sich mit ihrem Geliebten aufs Land zurückzieht. Ihr Leben ist der virtuellen Präsentations- und Schaulust ausgeliefert. Alles Private ist bei ihr öffentlich, dafür wird der öffentliche urbane Raum zu ihrem einzigen Rückzugsgebiet für Momente der Schwäche. Die südafrikanische Sopranistin Pretty Yende ist in der Titelpartie zu erleben, sie feierte im Herbst vergangenen Jahres als Adina in L’elisir d’amore ihr erfolgreiches Staatsoperndebüt und begeisterte bei der vom Fernsehen übertragenen Traviata-Premiere mit atemberaubender gesanglicher und darstellerischer Intensität.
Mit Das verratene Meer debütierte das Regieteam Jossi Wieler/Sergio Morabito 2020 an der Wiener Staatsoper. Unter der scheinbar realistischen Oberfläche des Geschehens spürt ihre Aufführung den Gefährdungen und der Zerbrechlichkeit von Identität nach. Die Sopranistin Vera-Lotte Boecker hat in den letzten Jahren auch durch ihre Darstellung von Henze-Partien wie der Natalie im Prinzen von Homburg oder der Autonoe/Proserpina in den Bassariden international auf sich aufmerksam gemacht. Mit der Fusako im »Verratenen Meer« erweiterte sie die Reihe ihrer Henze-Heldinnen. Bo Skovhus kehrt mit einem weiteren Rollendebüt als Ryuji an die Staatsoper als den Mittelpunkt seines künstlerischen Wirkens zurück. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Simone Young, die damit an ihr erfolgreiches Engagement für die musikalische Moderne im Haus am Ring anknüpft.
 

Neben diesen beiden Neuproduktionen erwarten Sie im September aber auch Klassiker wie Puccinis Tosca, die Wiederaufnahme von Verdis Falstaff  in der inzwischen legendären Inszenierung Marco-Arturo Marellis sowie der Ballett-Dreiteiler Tänze Bilder Sinfonien, der im Juni Premiere feierte, und neben Choreografien von Ratmansky und Balanchine auch eine neue Kreation von Martin Schläpfer zeigt. Ebenfalls am Spielplan ist Verdis Otello, eine Wiederaufnahme von Jean Pierre Ponnelles Meisterinszenierung von Le nozze di Figaro, sowie am Ende des Monats die Premiere von Il barbiere di Siviglia.  Rossinis Meisterstück wird erst zum zweiten Mal seit 1945 neu inszeniert – vom deklarierten »Feuerwerker und Spiellust-Entfessler« Herbert Fritsch. Am Dirigentenpult debütiert mit dem international gefeierten Michele Mariotti eine veritable Rossini-Autorität.

Um Ihnen den Kauf Ihrer ermäßigten Tickets zu erleichtern, haben wir unten stehend nochmals alle Informationen für Sie zusammengefasst.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch im Haus am Ring und auf viele gemeinsame Opernabende, 
Ihr Team der Wiener Staatsoper

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INSTAG(K)RAMEREIEN – gefunden von Fritz Krammer
„Die Verschnupfte“ in der Salzburger Residenz
schnup
 
ZU INSTAGRAM mit mehreren Fotos
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Prokofiews Krieg und Frieden eröffnet die Opernsaison in Genf

Nach monatelanger Schliessung öffnet das Grand Théâtre de Genève endlich wieder seine Türen mit einem Werk der Superlative! Krieg und Frieden, ein 2000-seitiger Roman, eine gigantische russische Oper des 20. Jahrhunderts, eine Fülle von Figuren …

Für die Neuinszenierung dieser auf einem Hauptwerk der russischen Literatur basierenden Oper brauchte es einen grossen Regisseur: Calixto Bieito ist einer der gefragtesten Opernregisseure unserer Zeit. Zu seinem Genfer Debüt
bringt er den talentierten argentinischen Dirigenten Alejo Pérez mit, der die Leitung des Orchestre de la Suisse Romande übernehmen wird: Spanisches Temperament trifft auf die martialischen Töne des russischen Patriotismus.

Die Schweizer Videokünstlerin Sarah Derendinger erweitert mit ihren Bildern den szenografischen Fokus der mehrfach ausgezeichneten Rebecca Ringst, die hier mit ihrem Bühnenbild die Pracht der historischen Paläste von St. Petersburg nachbildet.

Eine hochkarätige internationale Besetzung spielt Tolstois vielschichtige Charaktere, wie der russische Bass Dmitry Ulyanov, ein angesehener Gast auf allen Bühnen Europas, der in das Kostüm des Generals Koutouzov schlüpft, die armenische Sopranistin Ruzan Mantashyan, die von der Marguerite in Faust (2018 an der GTG) in die Rolle der Natasha Rostova wechselt, oder das weiche Timbre des jungen deutschen Björn Bürger in der Rolle des Fürsten Andrei Bolkonski. Der Chor des Grand Théâtre de Genève bringt mit zahlreichen zusätzlichen Sängern seine Kraft in dieses epische Fresko ein.

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Probenbild (c) Carole Parodi/ Ruzan Mantashyan als Natascha Rostowa

Prokofjews posthume Oper entstand 1941 während der Invasion der UdSSR durch Nazi-Deutschland. Sie zeichnet eine Parallele zum Krieg von 1812, bei dem Napoleons Truppen bei ihrem Versuch, das russische Reich zu erobern, gescheitert waren. Als das entscheidende Werk des russischen Widerstands erinnert uns Krieg und Frieden auch daran, dass in den Umwälzungen der grossen Geschichte kleine Geschichten entstehen und zunichte gemacht werden, Romanzen und Schicksale innerhalb der Familien und im russischen Adel zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Prokofjew hat diesen wesentlichen Bestandteil von Tolstois Roman zwischen einem romantischen Vorspiel, das aus sieben Bildern besteht, und der epischen und kriegerischen Entwicklung der letzten sechs Bilder, deren patriotischer Ton dem Komponisten von Stalin vorgeschrieben wurde, getreu erhalten.

Zweifellos wird diese Kreation von Krieg und Frieden bei ihrer Schweizer Premiere im Herzen von Genf, einem Symbol des engagierten Pazifismus, die Invasionen und Widerstandsbewegungen der Gegenwart sowie auch die Schicksale derjenigen widerspiegeln, die vom Tosen der aktuellen Ereignisse mitgerissen werden.

Sergej Prokofiew: Krieg und Frieden Grand Théâtre de Genève

13., 15., 17., 21., 24. September 2021 – 19 Uhr
19. September 2021 – 15 Uhr

Weiter Infos: https://www.gtg.ch/saison-21-22/guerre-et-paix/

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GESAMTE OPERN IM RUNDFUNK 19. – 25. AUGIUST 2021

Radios - Audio / Hifi | willhaben

(Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern bezieht sich ausschließlich auf die untenstehenden Sender). Kurzfristige Programmänderungen der Sender vorbehalten!
Alle Zeiten MEZ.

20.8. NEITHER (aus Salzburg, Aufnahme v. 13.8.) ORF Ö1-19.30 Uhr
21.8. SALOME (aus Mailand, Aufnahme v. 20.2.) ORF Ö1-19.30 Uhr
CARMEN (aus Wien, Aufnahme v. 21.2.) RAI 3-20 Uhr
IL RITORNO D’ULISSE IN PATRIA (aus Beauine, Aufnahme v. 24.7.) Radio Suisse R.-20.03 Uhr
ELISABETTA, REGINA D’INGHILTERRA (aus Pesaro, Aufnahme v. 21.8.) Bayern 4-20.05 Uhr

EMPFANGSMÖGLICHGKEIT ÜBER DAS INTERNET

ORF – Ö 1 http://oe1.orf.at/
Bayern 4 https://www.br-klassik.de/index.htmlHR 2 http://www.hr-online.de/website/radio/hr2/
WDR 3 http://www1.wdr.de/radio/wdr3/index.htmlSWR 2 http://www.swr.de/swr2/-/id=7576/otnbb1/index.html
Deutschlandradio http://www.deutschlandradiokultur.de/startseite.197.de.html
RAI 3 http://www.radio3.rai.it/dl/radio3/programmi/PublishingBlock-61ab4215-547b-4563-8b1f-8932531e5469.html
Radio Suisse R. https://www.rts.ch/
Radio 4Hilversum https://www.nporadio4.nl/gids-gemist
VRT Klara http://www.klara.be/
RNE Clasica Madrid http://www.rtve.es/radio/radioclasica/programacion/
MET-Stream http://www.metopera.org/Season/Radio/Free-Live-Audio-Streams/
BBC 3 http://www.bbc.co.uk/radio3/programmes/genres/music/classical/opera/all
France Musique https://www.francemusique.fr/opera

Das sind jene Sender, die regelmäßig Opernübertragungen senden. Sollten unseren Lesern noch andere derartige Sender bekannt sein, dann bitten wir um Bekanntgabe inkl. Internetadresse.
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PESARO / ROSSINI OPERA FESTIVAL: MOÏSE ET PHARAON

am 9.8.2021 (Premiere)

Nachdem Gioacchino Rossini seine italienische Oper Maometto II für Paris in Le Siège de Corinthe umgearbeitet hatte, erstellte er auch für Mosè in Egitto eine französische Version: Moïse et Pharaon. Wobei „Version“ untertrieben ist: der französische Moïse ist eigentlich eine ganz neue Oper, mit einem zusätzlichen Akt, acht neuen Musiknummern und eingefügter Ballettmusik.

Mit diesem vierstündigen Monumentalwerk eröffnete das Rossini Opera Festival in Pesaro nun (nach den populistischen Petitessen auf der Piazza del Popolo letzten Sommer) seine erste, fast normale (natürlich gab es Eintritt nur mit Green Pass, natürlich durften nur 70% der Plätze belegt werden) Post-Covid-Saison.

Da die Renovierung des „Palafestivals“ unglücklicherweise noch nicht abgeschlossen ist, fand die Premiere leider immer noch in einer stetig vor sich hinverfallenden Basketballhalle in einem heruntergekommenen Hartz IV-Einkaufszentrum ausserhalb Pesaros statt, deren Charme durch die Umbennung von Adriatic Arena in Vitrifrigo Arena auch nicht gerade gestiegen ist. Trotz aller Freude über das wiederbelebte Festival war die Stimmung dadurch ziemlich gedrückt.

Und die Inszenierung von Pierluigi Pizzi war wahrlich nicht dazu angetan, diese Stimmung zu heben. Der 91jährige Architekt, Regisseur, Bühnen-und Kostümbildner ist dem Festival seit seiner Gründung verbunden und hat hier in den letzten Jahrzehnten etliche absolut denkwürdige Inszenierungen geschaffen (Bianca e Falliero, Tancredi, Semiramide etc.). Die durch die Lockdown-Pause erzwungene Verschiebung der Moïse-Produktion hat er dazu benutzt, sein altes Konzept über den Haufen zu werfen und ein neues, ganz minimalistisches zu entwerfen. Und das war, wie man jetzt sehen musste, gerade für ihn, der ja eigentlich immer ein Meister des Maximalismus gewesen ist, leider keine gute Idee.

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Die weiße Pyramide. Foto: Pesaro-Festival

Ein paar sinnlose geometrische Elemente auf der sonst nackten Bühne, ein eiskaltes Hintergrund-Licht in scheusslichen Farben (ocker !), handwerkliche Schwierigkeiten, den Chor unfallsfrei auf und wieder von der Bühne zu bringen, allerstatischstes Steh-und Schreit- und An-die-Rampe-geh- und Sing-Theater (wofür die Briten den unübertrefflichen Ausdruck „Park and Bark“ – Parken und Bellen – geprägt haben), und das Ganze in für Pizzische Verhältnisse (er hätte als Modeschöpfer sicher auch grossen Erfolg gehabt) erstaunlich primitiven Kostümen. Die Juden sind gar wie islamistische Pakistanis gekleidet – was ja in seiner dreisten Opfer-Täter-Umkehr eigentlich eine riesige Niedertracht darstellt. Das Betrüblichste ist aber, dass sich der greise Pizzi, der sich seinen Ruf ja ursprünglich durch die feinziselierte und hochästhetische Nachbildung von exquisiten Renaissance-Säulen in Pappmaché erarbeitet hat, sich auf seine alten Tage (wahrscheinlich von seinem Assistenten) Videoprojektionen hat einreden lassen, und dazu noch grottenschlechte: eine weisse zweidimensionale Pyramide, die irgendwie zerbröselt, ein rotes Meer, das sich nicht perfekt öffnet, Kometen, die in der Form von Spermatozoiden in Flammen die Erde heimsuchen wollen…..das ist alles vollpeinlich…

Szenisch also genaugenommen eine Nullnummer: ein patschertes Pessach-Oratorium, das noch dazu aussah wie ein islamistischer Unter-Ammergau.

Musikalisch war da Gott sei Dank schon sehr viel mehr los. Zwar vermisst man noch immer schmerzlich das weitaus theatererprobtere Orchestra Comunale di Bologna, aber Giacomo Sagripanti vermochte es an der Spitze des Orchestra Sinfonica della Rai dann doch vier Stunden lang die Spannung dieser wunderbaren Partitur zu halten.

Bei den Stimmen überzeugten in erster Linie die weiblichen: Pesaro-Debüttantin Eleonora Buratto als Mosestochter Anaï, Gesangsdoyenne Monica Bacelli als Marie und die den meisten Zuschauern unbekannte junge Russin mit dem schwierigen Namen Vasilisa Berzanskaya als Sinaïde. Ihr Auftritt kam so überraschend und ihr Gesang war so stilsicher und makellos, dass man förmlich spüren konnte, wie dem Publikum vor lauter Überwältigung der Atem stockte.

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Brennende Spermien. Links Erwin Schrott. Foto: Pesaro-Festival

Bei den Männern sah es durchwachsener aus: die Höchstnote verdient eigentlich nur Roberto Tagliavini als Moses. Erwin Schrott als Pharao sang ziemlich rüde, und Andrew Owens als Pharaosohn Amenophis war gleich eine glatte Fehlbesetzung.

Bedauerlicherweise also kein enthusiasmierender Einstieg ins heurige Festival.

Robert Quitta, Pesaro
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WIEN:  Lesung am Dienstag, 24. August um 19 h (bis 20 h) im „G’schamster Diener“ (Stumpergasse in 1060)

Home: Cafe - Restaurant Gschamster Diener - Stumpergasse 19 - 1060 Wien

Dienstag, 24. August 2021, 19:00 – 20:00

„Kunst kann aus Zorn entstehen, aber es gibt keine Kunst ohne Liebe“

G'schamster Diener - Cafe Restaurant - Wien 360° Panorama
Copyright: „G’schamster Diener“

Zwei österreichisch-jüdische Dichterinnen zweisprachig gelesen

Else Keren stammte aus Czernowitz, war eine Freundin von Paul Celan, überlebte die Shoah, lebte später in Israel. Die Sprache ihrer Dichtung blieb die deutsche 
Tamar Radzyner stammte aus Polen, überlebte das KZ Auschwitz und lebte ab 1959 bis zu ihrem Tod in Wien. Die Sprache ihrer Dichtung ist ebenfalls die deutsche.

Herbert Kuhner wurde in Wien geboren, emigrierte als Kind mit seinen Eltern in die USA, kehrte als junger Erwachsener nach Wien zurück, ist Schriftsteller, Professor und Übersetzer. Mit sehr viel Feingefühl übersetzt er Gedichte zeitgenössischer jüdischer Autoren ins Englische, indem er congenial den Klang des Gedichtes in der anderen Sprache wiedergibt.

Angelika-Ditha Morosowa verfügt über eine Schauspielausbildung und ist promovierte Literaturkritikerin. Sie trat schon mehrfach im G’schamster Diener auf.

Diese Lesung ist zweisprachig deutsch-englisch und nähert sich so feinfühlig dem literarischen Schaffen von Else Keren und Tamar Radzyner an. Es werden vielfältige Themen gelesen:Trauer, Tod, Sehnsucht, Verarbeitung, aber auch Träume und Liebe
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