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INFOS DES TAGES (FREITAG 2. NOVEMBER 2018)

02.11.2018 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (FREITAG, 2. NOVEMBER 2018)

HEUTE: „LOHENGRIN“ als Stream aus der Wiener Staatsoper


HEUTE als Stream aus der Wiener Staatsoper: „Lohengrin“ mit Elza van den Heever und Andreas Schager. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Beginn: 18 h

https://www.staatsoperlive.com/de/live/

Vorschau: SONNTAG können Sie ab 16 h LES TROYENS erleben – auch via Staatsopern-Stream
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Wiener Staatsoper: L‘ Elisir d’Amore. Fotos aus der ersten Vorstellung der Serie am 31.10.2018

Zum Bericht von Manfred A. Schmid


Aida Garifullina (Adina), Benjamin Bernheim (Nemorino), Paolo Rumetz (Dulcamara). Copyright: Wiener Staatsoper/ Ashley Taylor)


Orhan Yildiz (Belcore). Copyright: Wiener Staatsoper/ Ashley Taylor)


Mariam Battistelli (Gianetta). Copyright: Wiener Staatsoper/ Ashley Taylor)
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Anna Netrebko:Nach dem Halloween dann  Business Meeting mit Peter Gelb betreffend “ MET future plans“! Von der Instagram Seite.


Sie besprechen Anna Netrebkos Zukunft an der Metropolitan Opera: Peter Gelb und die Diva

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WIEN: Unter dem Namen Wiener Lieder Herbst widmen sich der Bank Austria Salon und der Verein Lied.Kunst.Lied dem klassischen Kunstlied

Bildergebnis für bank austria unicredit

Bank Austria Salon eröffnet am 7. November 2018 eine bunte Veranstaltungsreihe, die dem Kunstlied gewidmet ist. Drei Liederabende folgen bis 30. November 2018.

 Gleich an vier Abenden kommen Liebhaber der Liedkunst zwischen 7. und 30. November 2018 im Bank Austria Salon im Alten Rathaus auf ihre Kosten. Den Auftakt in die Veranstaltungsreihe „Wiener Lieder Herbst“ des Vereins Lied.Kunst.Lied widmen Bariton Georg Lehner und Pianist Hafez Babashahi mit „Dichterliebe und Kernerlieder“ Robert Schumann. Die Eröffnungsrede hält Andreas Dorschel, Philosoph und Vorstand des Instituts für Musikästhetik an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz.
In der darauffolgenden Woche verzaubert Mezzosopranistin Ghazal Kazemi unter Begleitung von Pianistin Mehrdokht Manavi mit einer Mischung aus Liedern und fernöstlichen Texten. Unter dem Titel „Persische Lyrik“ erwartet die Zuhörer am Dienstag, dem 13. November 2018, eine spannende Mischung aus Werken von Hugo Wolf, Karol Szymanowski, Johannes Brahms und Aminollah Hossein.
Nicht minder abwechslungsreich gestaltet sich der dritte Liederabend am 22. November 2018, wenn Gan-ya Ben-gur Akselrod (Sopran), begleitet von Hafez Babashahi, mit Werken von Hugo Wolf, Johann Strauss, György Ligeti, John Cage und Cathy Berberian aufwartet. Das Abschlusskonzert am 30. November 2018 steht ganz im Zeichen von Franz Schubert, Hugo Wolf und Carl Loewe. Ihre Lieder gibt Florian Köfler (Bass) ebenfalls unter Begleitung von Hafez Babashahi zum Besten. Eingestimmt werden die Zuhörer an beiden Abenden durch inspirierende Eröffnungsvorträge von Philosoph Dorschel.

Veranstaltungsreihe „Wiener Lieder Herbst“

Datum: 7.11.2018, 13.11.2018., 22.11.2018., 30.11.2018
Uhrzeit: jeweils 19.30 Uhr
Eintritt: 30 Eur (Abendkassa), 15 Euro (Schüler und Studenten)
Ort: Bank Austria Salon im Alten Rathaus
Adresse: 1010 Wien, Wipplingerstraße 8
Lageplan: https://goo.gl/maps/guDQLyg5Hfo
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DUISBURG: OTELLO (heute Opernwerkstatt mit Probenbesuch)

Premiere am 15. November im Theater Duisburg:

Verdis „Otello“ in der Inszenierung von Michael Thalheimer

Opernwerkstatt am Freitag, 2. November, um 18.00 Uhr mit Gespräch und Probenbesuch


Brandon Jovanovich als Otello- Foto: Hans-Jörg Michel

Am Donnerstag, 15. November, um 19.30 Uhr ist Premiere im Theater Duisburg: Die Deutsche Oper am Rhein bringt Giuseppe Verdis Oper „Otello“ in der Inszenierung von Michael Thalheimer auf die Bühne. Gerade in Duisburg ist der vielfach ausgezeichnete Theaterregisseur eine bekannte Größe: Sieben seiner Schauspiel-Inszenierungen waren seit 2003 bei den Duisburger Akzenten vertreten, zuletzt „Die Perser“ (2018) in einem Gastspiel des Wiener Burgtheaters und „Penthesilea“ (2017) in einer Aufführung des Schauspiels Frankfurt. Nun stellt sich Michael Thalheimer erstmals mit einer Opernproduktion im Theater Duisburg vor.

Otello, General der Republik von Venedig, ist auf dem Höhepunkt seines Ruhms, als der Fähnrich Jago sein vernichtendes Werk beginnt. Er beneidet Otello um alles, was er nicht besitzt: seine Macht, sein Charisma und seine Liebe zu Desdemona. Doch er erkennt, dass Otello kein strahlender Held, sondern ein in sich gefangenen ist, verwundbar durch den Stachel der Eifersucht – ein Gift das ihm jede Kontrolle entzieht. Am Ende tötet Otello Desdemona, den einzigen Menschen, der ihn aufrichtig liebt, als müsste er sich damit von seinen Ängsten, Zwängen und Selbstzweifeln befreien.

In einer hochkonzentrierten, abstrakten Bildsprache schärft Michael Thalheimer den Blick für die Psychologie, Emotionalität und Körperlichkeit der Figuren und setzt das Eifersuchtsdrama unter geradezu atemlose Spannung. Ein schwarzer Bühnenraum mit wenigen Requisiten und minimalistischen Lichteffekten genügt Thalheimer, um aus dem Dunkel in Otellos Psyche einen dramatischen Sog zu entwickeln. Große Erfolge feierte seine mit Henrik Ahr (Bühnenbild), Michaela Barth (Kostüme) und Stefan Bolliger (Licht) entwickelte Inszenierung bereits in Antwerpen, Gent und Düsseldorf.

Im Theater Duisburg übernimmt Antonino Fogliani die musikalische Leitung der Duisburger Philharmoniker und des neu besetzten Sänger­ensembles: Gustavo Porta, ein Spezialist für die großen italienischen Tenor­partien, ist Otello. Simon Neal, der in Düsseldorf zuletzt als Wotan gefeiert wurde, verkörpert Otellos Gegenspieler Jago. Brigitta Kele, Ensemblemitglied von 2012 bis 2016, kehrt als Desdemona an den Rhein zurück.

In der Opernwerkstatt am Freitag, 2. November, um 18 Uhr geben Antonino Fogliani, Gustavo Porta und Simon Neal im Gespräch mit Chefdramaturgin Hella Bartnig Einblick in die Produktion, bevor die Besucher im Theater Duisburg den ersten Teil der Bühnenorchesterprobe miterleben dürfen. Der Eintritt ist frei.

„Otello“ im Theater Duisburg: Do 15.11. – 19.30 Uhr (Premiere) / Di 20.11. – 19.30 Uhr / Fr 23.11. – 19.30 Uhr Sa 01.12. – 19.30 Uhr / So 09.12. – 15.00 Uhr / Mi 12.12. – 19.30 Uhr

Infos & Karten über www.operamrhein.de, an der Theaterkasse Duisburg (Tel. 0203.283 62 100) und im Opernshop Düsseldorf (Tel. 0211.89 25 211).

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„fidelio“ zeigt Christian Thielemanns Gastkonzerte aus Tokio

Der digitale Klassik-Treffpunkt streamt beide Konzerte live-zeitversetzt am 2. und 3. November; außerdem Karten für das „Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker“ zu gewinnen =

„fidelio“ – der digitale Klassik-Treffpunkt von ORF und Unitel (www.myfidelio.at) – startet mit einem Highlight in den November und streamt beide Gastkonzerte der Sächsischen Staatskapelle unter der Leitung ihres Chefdirigenten Christian Thielemann am 2. und 3. November 2018, jeweils um 20.15 Uhr live-zeitversetzt aus Tokio.

Thielemann, der auch die künstlerische Leitung der Salzburger Osterfestspiele innehat, gilt in der Klassikwelt als strenger Handwerker und gefeierter Spezialist für das große Repertoire. Bei seinem diesjährigen Gastkonzert aus der Suntory Hall in Tokio steht das symphonische Schaffen von Robert Schumann im Mittelpunkt. Die Interpretation aller vier Symphonien des zeitweise in Dresden beheimateten Komponisten innerhalb zweier Tage erlaubt Künstlerinnen und Künstlern wie Publikum eine singuläre Konzentration auf dieses herausragende Repertoire.

Auf dem Programm für den 2. November stehen Robert Schumanns erste zwei Symphonien: Symphonie Nr. 1 B-Dur op. 38 („Frühlingssymphonie“) und Symphonie Nr. 2 C-Dur op. 61. Tags darauf, am 3. November, folgen dann die Symphonie Nr. 3 Es-Dur op. 97 („Rheinische“) sowie die Symphonie Nr. 4 d-Moll op. 120.

„fidelio“-Jahresabo sichern und Karten für das „Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker“ gewinnen

Für alle Musik-, Opern und Ballettfans, denen noch das passende Weihnachtsgeschenk fehlt, hat „fidelio“ das ideale Präsent parat: Das Jahresabo gibt es ab sofort bis inklusive 24. Dezember um nur 99 Euro statt 149 Euro. Unter allen abgeschlossenen Aktionsabos werden zwei Karten in der besten Kategorie für das erstmals von Christian Thielemann dirigierte „Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker“ am 1.1.2019 mit anschließendem Mittagessen im Hotel Sacher verlost. Nähere Infos unter: www.myfidelio.at/weihnachtsaktion.
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BRASILIEN – Recife/Bundesstaat Pernambuco und Riberão Preto/Bundesstaat São Paulo: Meisterklassen Gesang – 25.09.-4.10.  und 14.-19.10.2018


Meisterklasse in Recife. Foto: Klaus Billand

Nach der ersten Reise nach Recife im Januar/Februar diesen Jahres (online Merker 04/2018) mit dem Ziel, in Gesprächen mit den drei Musikschulen der Stadt die Möglichkeiten einer Verbesserung des klassischen Musikangebots zu eruieren und dazu entsprechende Vorschläge zu machen, reiste ich Ende September bis Ende Oktober wieder nach Brasilien, diesmal aber mit einem anderen Schwerpunkt. Da die Musikschulen ihren starken Wunsch zum Ausdruck gebracht hatten, dass u.a. Meisterklassen in Gesang für ihr Leistungsangebot wünschenswert wären, sprach ich den Dirigenten, Organisten und Klavierbegleiter Radu Pantea aus Luxemburg an, diesmal mitzukommen und solche Meisterklassen nicht nur in Recife, sondern auch in Riberão Preto im Hinterland des Bundesstaates São Paulo, zu halten. Ich hatte ihn als äußerst kompetenten Begleiter beim Gesangswettbewerb „Competizione dell’Opera“ 2014 in Tashkent/Usbekistan kennen gelernt. Radu ist der Sohn des bekannten rumänischen Baritons Ionel Pantea, der sich insbesondere im Mozartfach einen Namen machte. Den Anstoß zu Meisterklassen auch in Riberão Preto gab mein ehemaliger brasilianischer Arbeitskollege Sérgio Miranda da Cruz, der dort aufgewachsen war und in Gesprächen mit der Fakultät der Universität von São Paulo, Campus Riberão Preto, auf entsprechendes Interesse stieß. Die direkte künstlerische Arbeit mit den Gesangsstudenten durch die Meisterklassen würde auch weitere Erkenntnisse hinsichtlich der Art und des Ausmaßes der Verbesserung des klassischen Curriculums der Musikschulen geben. In Recife erhielten wir wieder die umfangreiche Unterstützung des Rechtsanwalts und Sponsors der Musikschulen ETECM und CEMO (Escola Técnica de Criatividade Musical, Centro de Educação Musical de Olinda) Tiago Carneiro Lima, dem besonders an der Intensivierung des klassischen Musiklebens in Recife gelegen ist. Dazu plant er ein längerfristiges Projekt.

Obwohl in der Zeit unseres Aufenthalts in Recife wichtige Prüfungen stattfanden, waren die Sänger und Pianisten stark an den angebotenen Meisterklassen interessiert, wofür Lima Carneiro im Übrigen ein Theater angemietet hatte, das Teatro Valdemar de Oliveira. Vier Pianisten, 16 Gesangsstudenten und drei Gesanglehrerinnen machten vom Angebot Gebrauch und wurden von Pantea in der Interpretation der von ihnen einstudierten Stücke im Hinblick auf Sprache und musikalische Gestaltung in mehreren halbstündigen aulas unterwiesen.


Basilika Madre de Deus in Recife. Foto: Klaus Billand


Das Innere der Basilika Madre de Deus vor dem Schlusskonzert. Foto: Klaus Billand

Die Meisterklassen wurden mit einem beeindruckenden Abschlusskonzert in der barocken Basilika Madre de Deus im Zentrum von Reife abgeschlossen, zu dem über 120 Besucher kamen und den jungen Sängern begeisterten Applaus spendeten. Neben Barock-Arien von Händel und Bach wurden vor allem Opernarien und -duette sowie Ensembles von Mozart, Verdi, Puccini, Bizet und Offenbach, aber auch Lieder von Schubert, Gounod, César Franck, Reynaldo Hahn und Richard Strauss gesungen. Als Zugabe sangen alle den Gefangenenchor aus „Nabucco“, der nicht einmal einstudiert worden war – ein großer Erfolg! Zuvor hatte Radu Pantea, der das Konzert am Flügel begleitete, auf der Empore der Basilika eine Merklin-Orgel um das Jahr 1860 entdeckt, die über 10 Jahre lang nicht mehr gespielt worden war. Er stimmte sie neu und gab zu Beginn des Konzerts Stücke von Bach und Händel sowie Giordani, mit der erst 19jährigen Sopranistin Yanne Cordeiro, der charismatischen Vanessa de Melo und dem strahlende Barock-Bariton Matheus Alvarenga. Insbesondere die an dem von Roseane Hazin geleiteten Conservatório Pernambucano de Música-CPM beschäftigte Gesanglehrerin Rosemary Carlos war mit den meisten ihrer Studenten vertreten. Gesanglich ragten bei den Damen besonders heraus: Elizete Félix, Gesangslehrerin mit dramatischem Sopran; Vanessa de Melo, kraftvoller Koloratursopran; Gleyce Melo mit exzellentem Spinto Sopran und Giovana Restrepo als Koloratursopran. Unter den Männern beeindruckten besonders Elias Marques und Bruno José als sehr gute lyrische Tenöre sowie der exzellente Bass Fernando Almeida. Die Sängerin und Gesangslehrerin Amarílis de Rebuá aus João Pessoa im Bundesstaat Paraíba wirkte bei einigen Meisterklassen mit und gab wertvolle Ratschläge.


Konzert im Krebs-Krankenhaus. Foto: Klaus Billand

Auf Anregung des Chefonkologen des Krebskrankenhauses von Pernambuco (Hospital de Cancer de Pernambuco – HCP), Dr. Marcelo Gonçalves de Sousa, fand mit den Gesangsstudenten dort ein weiteres Konzert statt, und zwar im Patio des alten Krankenhauses unter freiem Himmel bei herrlichem Sonnenschein – das erste seiner Art! Es war menschlich eine ganz starke Erfahrung, zumal einige der Patienten mit großer Rührung und gar Tränen in den Augen das Konzert verfolgten. Radu Pantea saß am Klavier, und ein Stück wurde auch von dem talentierten jungen pernambucanischen Pianisten Luis Felipe Oliveira dargebracht. Dieses Konzert zeigte klar auf, dass man klassische Musik auch bestens zur Therapie von schwerwiegend erkrankten Patienten einsetzen kann. Man will solche Konzerte in diesem Sinne am Krebs-Krankenhaus fortsetzen. Auch der von Maestro Jadson Oliveira geleitete Madrigal-Chor Lindbergh Pires von Recife, dessen Konzert zum 75jährigen Bestand der Katholischen Universität von Pernambuco wir im Teatro Santa Isabel erleben konnten, ist auf diesem philanthropischen Gebiet aktiv und will das HCP nun in sein Programm einbeziehen.

Die Erfahrung dieser Woche mit den Gesangsstudenten in Recife zeigte, dass Investitionen in die Musikschulen des Nordostens Brasiliens nicht ausreichen, wenn nicht auch die künstlerische Ausbildung der Musiker in Form von regelmäßigen Proben erfolgt. Dabei können Meisterklassen oder gar die Vorbereitung einer Oper eine bedeutende, auch motivationale Rolle spielen. So ist geplant, dass wir im März/April 2019 wieder kommen, um „Le nozze di Figaro“ vom W. A. Mozart mit den Studenten szenisch aufzuführen. Sie arbeiten bereits seit einiger Zeit daran. Die Aufführung ist im Teatro Valdemar de Oliveira in Recife mit Orchester unter der Leitung von Radu Pantea geplant.


Sänger und die beiden Pianisten (Bo Lundby Jaeger und Giovana Ceranto) vor Eintritt in das Auditorium in Riberao Preto. Foto: Klaus Billand

Mit einem Zwischenstopp beim luxemburgischen Botschafter Carlo Krieger in Brasília, D.F., der Hauptstadt Brasiliens, der großes Interesse für das Projekt bekundete, ging die Reise weiter nach Riberão  Preto. Der Besuch an der Fakultät für Musik wurde durch deren Leiter Rubens Russomanno Ricciardi angebahnt. Während der Meisterklassen dort mit etwa 15 Gesangsstudenten wurden wir aber ausschließlich von der Gesangslehrerin Yuka Almeida betreut, die sich nach all ihren Kräften um das Gelingen der Unterrichtsstunden und des Abschlusskonzertes kümmerte, für das Radu Pantea die „Petite Messe solenelle“ vom G. Rossini vorbereitete.


Das Programmheft. Foto: Klaus Billand

Obwohl die Studenten das Stück teils noch nie gehört hatten, waren sie in der Lage, nach den individuellen Meisterklassen und den speziellen Proben dazu, die „Petite Messe Solennelle“, die alles andere als petite (klein), sondern ein hochkomplexes 90 Minuten langes Stück ist, in nur fünf Tagen einzustudieren.


Radu Pantea dirigent die „Petite Messe solenelle“ von G. Rossini. Copyright: Klaus Billand

Das finale Konzert am 19. Oktober wurde so zu einem großen Erfolg für die Studenten und Radu Pantea, sowie den dänischen Prof. Bo Lyngby Jaeger, der das 2. Klavier übernommen hatte. Marcos Vinícius Pessoa saß an der Orgel. Der Chor wurde auch von den Sängern gestellt. Unter den Sängerinnen ragten gesanglich heraus: Janaina Lemos mit nur 19 Jahren als heller lyrischer Sopran und Lilian Giovanini mit einem dramatischen virtuosen, auch barocken Spinto-Sopran (sie hat momentan ein Engagement in Leipzig). Bei den Männern beeindruckten gesanglich besonders: Rafael Stein als junger Tenor; Luis Felipe Sousa als für ein Alter mit 20 außergewöhnlicher Bass-Bariton. Als Sensation könnte man Felipe Rissatti mit seinem glänzenden Countertenor bezeichnen. Die Sänger wurden am 1. Klavier von der hervorragenden Pianistin und Cembalistin Giovana Ceranto begleitet. Bei entsprechender Weiterentwicklung und Unterstützung könnten sich hier einige internationale Karrieren entwickeln. Etwa 50 Personen kamen zu diesem Konzert. Bei entsprechender Vorankündigung am Campus der Universität von São Paulo in Riberão Preto, im Übrigen wunderschön in einer tropisch bewachsenen und denkmalgeschützten ehemaligen Kaffee-Fazenda gelegen, hätte das Publikum sicher zahlreicher sein können. Das trifft auch für den Minicurso de Ópera zu, ein Kurz-Kurs zur Oper, den ich wie schon in Recife im Februar, nun auch hier hielt. Er umfasste die gesamte Geschichte der Oper mit all ihren Untergattungen und zehn szenischen Beispielen anhand von YouTube cuts.


Radu Pantea während des Prélude Religieux der „Petite Messe“. Foto: Klaus Billand

Auf dem Rückweg über Rio de Janeiro besuchten wir schließlich noch Myrian Dauelsberg, die hier seit langer Zeit Dell’Arte, eine der bedeutendsten Musikagenturen Brasiliens, führt. Wenn es in Recife und Riberão Preto weiter geht, ist mit ihr auch eine Zusammenarbeit angedacht. Sie interessierte sich sehr für das Thema und die jungen Künstler.


Radu Pantea und Dr. Klaus Billand. Foto: privat

Unabhängig von institutionellen Aspekten wurde auf dieser Reise wieder klar, wie interessiert und engagiert die jungen Studenten für ihre Liebe zu Gesang und Musik LEBEN. Leider ist der Markt für Opernsänger in Brasilien allzu begrenzt und im Prinzip nur auf den Südosten und  Süden des riesigen Landes beschränkt. Vielleicht gelingt es aber dem einen oder der anderen, den Sprung nach Europa oder in die USA zu schaffen. Die Qualität und Reife dazu hätten sie eines Tages sicher! Es wäre zu hoffen, dass der Sektor der klassischen Musik im Lande unter dem neuen Präsidenten Jair Bolsonaro wieder mehr Mittel bekommt, nicht zuletzt unter einer besseren Anwendung des sog. Lei Rouanet, das schon seit 1992 besteht. Dass eines der schönsten und sogar größten Opernhäuser der Welt, das prachtvolle Theatro Municipal do Rio de Janeiro, dem Palais Grand Garnier – also der Grand Opéra von Paris nachempfunden – seit einiger Zeit wieder einmal wegen Geldmangels geschlossen ist, scheint für einen europäischen Opernliebhaber kaum fassbar. Es hat mit etwa 2.300 weit mehr Sitzplätze als die Wiener Staatsoper und ein Keller-Cafe, welches das Alte Ägypten auferstehen und „Aida“ ganz nahe kommen lässt… Jedes europäische Opernhaus würde es darum beneiden!                                                                                              

Klaus Billand
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Merker-Kunstsalon – nächste Opernrarität

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