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INFOS DES TAGES (FREITAG, 12. OKTOBER 2018)

12.10.2018 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (12. OKTOBER 2018)

WIEN / Staatsoper: VOR DER PREMIERE „LES TROYENS

Die gestrige Generalprobe verheißt eine gelungene Premiere für Sonntag. Anna Caterina Antonacci musste sich schonen, wurde deshalb für diese GP von Monika Bohinec ersetzt.


Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Wir rufen Ihnen die von uns gemachten Interviews in Erinnerung:

ALAIN ALTINOGLU: Es geht darum, was Berlioz gewollt hat

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Foto: Wiener Staatsoper

… Die Staatsoper kündigt an, dass der Abend fünf Stunden dauern wird, das kommt ja in die Nähe der „Götterdämmerung“. Aber insofern kann man vermuten, dass Sie nichts gestrichen haben?

Grundsätzlich gar nichts, eine kleine Wiederholung in einem Ballett. Ich weiß, dass die „Trojaner“, wenn beide Teile gleichzeitig aufgeführt werden, was ja derzeit so gut wie immer geschieht, oft gestrichen werden, auch bei dieser Inszenierung hat der Dirigent in San Francisco einiges herausgenommen – ich kann das einfach nicht verstehen. Das Werk ist so kostbar.

Und so gigantomanisch, dass Berlioz selbst es zu Lebzeiten nie ganz auf der Bühne gesehen hat…

Ja, er hat nur den zweiten Teil erlebt, und da hat er dann aufgrund der Erfahrung der Aufführung einiges geändert. So sind heute die Rollen von Priamus und Helenes sehr klein, die waren ursprünglich größer, er hat sie gestrichen. Ich habe ein Faksimile seiner ursprünglichen Partitur, damit man auch wirklich weiß, was Berlioz selbst wollte. Es berührt mich immer, wenn er in den ersten Teil geschrieben hat: „Für meine Cassandre, die ich nie in meinem Leben hören werde.“ Und es beruhigt mich zu wissen, dass die damals so berühmte Pauline Viardot in einem Konzert die Cassandre-Passagen gesungen – und er sie folglich doch gehört hat. Jedenfalls gibt es, anders als bei „Carmen“, für die „Trojaner“ eine komplette Fassung aus der Hand von Berlioz, und daran halte ich mich…

ZUM INTERVIEW Alain Altinoglu (mit Dr. Renate Wagner)

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BRANDON JOVANOVICH: Musik ist ein Teil meiner Seele“

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Brandon Jovanovich. Foto: Webseite der Wiener Staatsoper/Peter Dressel

Wie ist das eigentlich mit der Wiener Staatsoper? Sie singen ja nun schon die längste Zeit an den ersten Häusern, aber hier haben wir Sie in den beiden letzten Jahren gerade zweimal kurz gehört, einmal in „Carmen“ und einmal in „Lady Macbeth von Mzensk“. Und in dieser Spielzeit gibt es nicht nur eine Premiere, sondern auch noch den „Rusalka“-Prinzen und den „Fidelio“-Florestan. Geschehen noch Zeichen und Wunder?

Ehrlich gestanden kann es auch daran liegen, dass ich vor ein paar Jahren den Agenten gewechselt habe. Früher hat mich der Don José, den ich auch in Wien gesungen habe, mehr oder minder von einem Haus zum anderen getragen, aber es liegt schon sehr an den Agenten, wo man engagiert wird…

ZUM INTERVIEW Brandon Jovanovich (mit Dr. Renate Wagner)

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JOYCE DI DONATO: „Didon verschafft mir eine Gänsehaut“


Copyright: Simon Pauly/ Webseite der Wiener Staatsoper

Wie sehen Sie den Charakter der Didon, der Königin von Karthago, wohin Enée /Aeneas kommt, nachdem er Troja und Kassandra hinter sich gelassen hat?

Es muss klar werden, dass sie eine Königin ist, die von ihrem Volk sehr geliebt wird, die sehr menschlich mit ihnen umgeht, so dass sie alles für sie tun. Sie hat eine tragische Vergangenheit, weil sie ihren ersten Gatten nicht begraben konnte, findet in Enée eine neue, große Liebe – und stürzt vollkommen in den Abgrund, als er sie verlässt, um, wie die Sage es verlangt, Rom zu gründen. Es ist herzzerreißend, wie sie nach dem letzten Duett verzweifelt, hilflos und verloren ist – und sich nur den dunklen Mächten verschreiben kann. Ich bin persönlich wirklich bewegt (personally shaken) von dieser Figur, dass ich eine Gänsehaut bekomme, wenn ich nur davon spreche… Die „Trojaner“ sind ein „dunkles“ Werk, mit einer tragischen Vision am Ende, dass die Welt immer wieder nur in Kriege fallen kann. Und für mich ist das eine starke Ermahnung (strong reminder), warum Kunst in unserer Welt nötig ist…

ZUM INTERVIEW (mit Dr. Renate Wagner)
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SALZBURGER LANDESTHEATER: MANON von Jules Massenet. Premiere am 21.10.2018

ein Leben für die Liebe: Eigentlich auf dem Weg ins Kloster, verliebt sich die schöne Manon in den jungen Chevalier Des Grieux und flieht mit ihm gemeinsam nach Paris. In der aufregenden Stadt der Liebe wollen sie ein Leben voller Vergnügen führen. Doch die begrenzten finanziellen Mittel Des Grieuxs führen bald zu Frustration.

Die 1884 an der Pariser Opéra Comique uraufgeführte französische Oper entwickelt ihr eigenes Genre weiter: Die typischen gesprochenen Dialoge zwischen den einzelnen Musiknummern in der Opéra comique werden ersetzt durch Massenets phantasievollen Einsatz von unterschiedlichen melodramatischen Kompositionsweisen, die die Oper zu einer durchkomponierten Form zusammenschweißen.

Abbé Prévosts „Histoire du Chevalier Des Grieux et de Manon Lescaut“ inspirierte den französischen Komponisten Jules Massenet (1842–1912) zu einem Meisterwerk der französischen Opernliteratur, in dem die Melodien und Harmonien die Emotionen der Charaktere auf fragile Art und Weise nachzeichnen. Wiederkehrende Motive in der Musik schaffen eine dichte Binnenstruktur, die dem Publikum eine Identifikation mit den Charakteren in den Schlüsselmomenten der Geschichte ermöglicht.

Adrian Kelly bewies sein Gespür für die empfindsamen Opernwerke von Jules Massenet bereits mit „Werther“ in der Spielzeit 2012/2013. Regie führt Christiane Lutz, die mit ihren Operninszenierungen u.a. an der Bayerischen Staatsoper, dem Theater an der Wien und der Dresdner Semperoper auf sich aufmerksam macht. Sie bringt als Team die Bühnenbildnerin Julia Müer und die Kostümdesignerin Dorothee Joisten mit nach Salzburg.

Musikalische Leitung Adrian Kelly Inszenierung Christiane Lutz Bühne Julia Müer Kostüme Dorothee Joisten

Mit Katie Coventry, Tamara Ivaniš, Shelley Jackson, Hazel McBain, Anne-Fleur Werner, George Humphreys,  Raimundas Juzuitis, Yevheniy Kapitula, Abdellah Lasri, Oliver Ringelhahn, Jacob Scharfman, Michael Schober

Mozarteumorchester Salzburg

Premiere: So, 21.10.2018, 19.00 Uhr, Landestheater
Termine: 23.10. / 28.10. / 31.10. / 02.11. / 06.11. / 14.11. / 18.11. / 22.11. / 27.11.2018 / 04.01.2019 u. w.

Tickets: +43 (0)662 / 87 15 12-222; service@salzburger-landestheater.at, www.salzburger-landestheater.at  

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LINZER LANDESTHEATER: LA CLEMENZA DI TITO (DIE GNADE DES TITUS)

DRAMMA SERIO PER MUSICA IN ZWEI AKTEN VON WOLFGANG AMADÉ MOZART UND MANFRED TROJAHN

INSZENIERUNG FRANÇOIS DE CARPENTRIES MUSIKALISCHE LEITUNG MARTIN BRAUN

PREMIERE FR 2. NOVEMBER 2018, 19.30 UHR, MUSIKTHEATER | LINZ

Mozart nahm sich in seinem letzten Lebensjahr die­ser Parabel über Macht, Freundschaft, Liebe und über den Mut zur Gnade an. Allerdings überließ er bei dieser Auftragskomposition anläss­lich der Krönung von Kaiser Leopold II. zum König von Böhmen aus Zeitgründen die Vertonung der Rezitative einem Schüler. Dies inspirierte den renommierten zeitgenössischen Komponisten Manfred Trojahn dazu, die Rezitative neu zu vertonen. In dieser Fassung weitet sich Mozarts Oper „La clemenza di Tito“ zu einem spannenden Dialog der Klassik mit der Moderne.

LA CLEMENZA DI TITO (DIE GNADE DES TITUS)

DRAMMA SERIO PER MUSICA IN ZWEI AKTEN VON WOLFGANG AMADÉ MOZART UND MANFRED TROJAHN

Text von Caterino Mazzolà nach Pietro Metastasios gleichnamigem Libretto
Neu komponierte Rezitativtexte von Manfred Trojahn 
In italienischer Sprache mit Übertiteln
Koproduktion mit dem Saarländischen Staatstheater Saarbrücken

Premiere Freitag, 2. November 2018, 19.30 Uhr
Großer Saal Musiktheater

Musikalische Leitung Martin Braun
Inszenierung François De Carpentries
Bühne und Kostüme Karine van Hercke
Video Amelie Remy
Chorleitung Elena Pierini
Dramaturgie Christoph Blitt

Tito Vespasiano, Kaiser von Rom Hans Schöpflin
Vitellia, Tochter des Kaisers Vitellio Brigitte Geller
Servilia, Sestos Schwester und Annios Geliebte Theresa Grabner
Sesto, Titos Freund, Vitellias Geliebter Jessica Eccleston
Annio, Sestos Freund, Servilias Geliebter Florence Losseau
Publio, Präfekt der Prätorianer Dominik Nekel

Chor des Landestheaters Linz
Statisterie des Landestheaters Linz
Bruckner Orchester Linz

Vitellia – die Tochter des ermordeten Kaisers Vitellio – will in Rom an die Macht. Da sich der regierende Kaiser Tito jedoch eine andere Braut ausgesucht hat, stachelt Vitellia ihren Liebhaber Sesto zum Mord an dem Kaiser an. Doch in dem Moment, in dem der mit Tito befreundete Sesto sich dazu durchgerungen hat, den Anschlag zu vollziehen, erfährt Vitellia, dass Tito sie doch ehelichen möchte. Kann sie das Mordkom­plott im letzten Augenblick noch aufhalten?

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CD-NEUERSCHEINUNGEN DES „ARGOVIA PHILHARMONIC“

Endlich ist das argovia philharmonic auch mit Mozart auf CD zu hören! MOZART CONCERTI

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Die neueste CD des argovia philharmonic präsentiert Live-Aufnahmen von zwei Solokonzerten Mozarts. Das Klavierkonzert in C-Dur KV 467 wird interpretiert von Hisako Kawamura (mehrfache Gewinnerin sowie Preisträgerin internationaler Wettbewerbe). Das Orchester steht unter der Leitung von Chefdirigent Douglas Bostock. Im Fagottkonzert in B-Dur KV 191 brilliert der junge Andrea Cellacchi, Erstpreisträger von «The Muri Competition 2016» und Solo-Fagottist beim Konzerthausorchester Berlin. Das Orchester steht unter der Leitung von Rune Bergmann.

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) 

Klavierkonzert C-Dur KV 467

1. I. Allegro maestoso 14:10
2. II. Andante 5:04
3. III. Allegro vivace assai 6:52 

Fagottkonzert B-Dur  KV 191 

4. I. Allegro 7:11
5. II. Andante ma adagio 6:18
6. III. Rondo: Tempo di menuetto 4:08

 
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KINDEROPER „FELL UND FEDER“
 
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Fell und Feder – Eine Oper für Kinder
CD
  • Musik von Charlotte Perrey & Rudolph Schacher nach einer Geschichte & Libretto von Lorenz Pauli
  • Künstler: Melanie Adami, Chasper Mani, Argovia Philharmonic, Harald Siegel
  • Label: Coviello, DDD, 2017
  • Bestellnummer: 8616134
  • Erscheinungstermin: 6.7.2018
Ein Huhn bricht aus seinem Gehege aus, da es sich davon viel Abenteuer verspricht. Es möchte einen Schatz finden, Gold, Edelsteine und Regenwürmer! Ein Hund ist ebenfalls ausgebüxt, weil er dachte, man würde ihn dann vermissen. Nun sucht ihn aber niemand, und er fühlt sich ganz allein. Hinter einem Busch versteckt sich das Huhn und gibt sich als Wunschbusch aus, der Hund wünscht sich einen Freund, groß und stark. Und gescheit. Als aus dem Busch nur das Huhn hervortritt, ist der Hund natürlich enttäuscht. Das Huhn verspricht ihm, bei der Suche nach seinem Freund zu helfen, damit sie dann zu dritt den Piratenschatz finden können. Auf der Suche nach der Erfüllung ihrer Wünsche realisieren die beiden mehr und mehr, dass das größte Glück in ihrer Freundschaft liegt. Die reizende Geschichte von Lorenz Pauli haben Charlotte Perrey und Rudolphe Schacher kindgerecht für großes Orchester, Sopran und Tenor vertont – das argovia philharmonic startet damit eine neue Reihe für junge Hörer ab 5.
 
Info: info@argiviaphil.ch
www.argoviaphil.ch
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SONNTAG, 14. Oktober: 409. Veranstaltung der Internationale Ignaz Joseph Pleyel Gesellschaft(IPG)

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MATINEE am Sonntag, dem 14. Oktober 2018 um 11,00 Uhr mit anschließendem Mittagstisch im PLEYEL KULTURZENTRUM (3701 Ruppersthal, Baumgartner Straße 14)

unter dem Ehrenschutz von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Landeshauptmann a.D. Dr. Erwin Pröll

Erlauben Sie uns bitte Ihnen mit drei großartigen Künstlerinnen auf historischem Instrumentarium eine Gegenüberstellung von kammermusikalischen Werken unseres Meisters mit gleichartigen Werken seines Schätzers W. A. Mozart zu geben!
DIE KÜNSTLER

IPG-PLEYEL-KLAVIERTRIO auf historischem Instrumentarium
Cornelia Löscher, Violine
Arne Kircher, Violoncello
Varvara Manukyan, Original Pleyel Hammerflügel 1838, Opus 5884

PROGRAMM
Ignaz Joseph Pleyel (1757 Ruppersthal-1831 Paris)
Duo pour Violon et Violoncelle, A-Dur, 1788, Ben 505
1.Adagio, 2.Rondo.Allegretto

Wolfgang Amadé Mozart (1756-1791)
Duo für Violine und Viola, G-Dur, 1783, KV 423
bearbeitet für die Violine und das Violoncelle
1.Allegro, 2.Adagio, 3.Rondeau.Allegro

Wolfgang Amadé Mozart (1756-1791)
Divertimento (Trio) für das Klavier, Violine und Violoncell
B-Dur, 1776, KV 254
1.Allegro assai, 2.Adagio, 3.Rondeaux.Tempo di Menuetto

Ignaz Joseph Pleyel (1757 Ruppersthal-1831 Paris)
Sonate pour le Clavecin ou Piano Forte, avec Violon et Violoncelle
B-Dur, 1794, Ben 447
1.Allegro, 2.Air eccosais.Adagio espressivo, 3. Air eccosais.Rondo.Allegro

Zugabe. Wir danken Ihnen für Ihren Besuch!
 
KUNST & KULINARIK AN EINEM PLATZ!
Und nach den künstlerischen Darbietungen kredenzen wir Ihnen im Anschluss folgende kulinarische Köstlichkeiten:

-Kürbiscremesuppe
-Geb.Schweinsschnitzel mit Kartoffelsalat oder
-Rindsbraten mit Serviettenknödel
oder
-Spinatgnocci mit Gorgonzolasauce

-Erdbeerkuchen (bitte vorbestellen!)
 
Hier kommen Sie zum Programm 2018! Klicken Sie bitte auf den nachstehenden Link:

LINK

Bestellen Sie schon jetzt Ihre Karten für das Jahr 2019!
KARTEN FÜR UNSERE PLEYEL KONZERTE KÖNNEN SIE BEI DER PLEYEL GESELLSCHAFT: I: WWW.PLEYEL.AT; T: 02955/70645, Mobil: 0664/495 37 27, E-Mail: adolf.ehrentraud.pleyel@aon.at, SOWIE BEI ELITE TOURS SAMT REISE BUCHEN: Tel: +43(1) 513 22 25, FAX-DW 44 UND BEI DEN SENIOREN WIEN, Tel. 01/51543 -600, www.ab5zig.at
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MuTh/ KonzertsängerKultur-Tipp: Schleyer´s Lesung mit Musik

Erich Schleyer liest Loriot II – 17. Oktober 2018


Erich Schleyer. Copyright: MuTh

 Loriot – für Ehepaare und ihre Scheidungen, für Hundebesitzer als Diener der Tiere, für Wagnerianer und Opernversteher.

Eine heitere Lesung mit Erich Schleyer begleitet vom Duo SainMus. SainMus – das sind die Wiener Musiker

Clemens Sainitzer am Cello und Philipp Erasmus an der Gitarre, unterwegs auf dem schmalen Grad zwischen Improvisation und Komposition.

Programm: Texte von Loriot

Besetzung:
Erzähler: Erich Schleyer
SainMus: Cello: Clemens Sainitzer / Gitarre: Philipp Erasmus

Termin: Mittwoch, 17. Oktober 2018, 19:30 Uhr

Ort: MuTh-Konzertsaal der Wiener Sängerknaben, Am Augartenspitz 1, 1020 Wien

Karten: 38/33/28 €, Loge 48 €, Kinder und Jugendliche 20/15/9 € / www.muth.at oder 01/347 80 80 oder an der Abendkassa

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STUTTGART/ Internationale Hugo Wolf-Akademie: 1. Galeriekonzert der IHWA mit Marie-Nicole Lemieux und Roger Vignoles
 
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Nicole Lemieux. Copyright: Denis Rouvre Naive

Auf ein Wiederhören mit Altistin Marie-Nicole Lemieux – Nachdem sie bereits 2014 erstmals das Stuttgarter Liedpublikum bei einem Galeriekonzert der Internationalen Hugo-Wolf-Akademie begeisterte, kehrt die Sängerin in diese Konzertreihe in die Staatsgalerie zurück. Am Sonntag, den 28. Oktober 2018 um 18.00 Uhr im Vortragssaal der Staatsgalerie Stuttgart spannt sie zusammen mit dem Pianisten Roger Vignoles unter dem Titel „L’invitation au voyage“ den programmatischen Bogen von Beethoven, Schubert und Schumann bis zum französischen Liedschaffen der Spätromantik.

Die aus Québec stammende Altistin Marie-Nicole Lemieux machte erstmals auf sich aufmerksam, als sie im Jahr 2000 den Queen Fabiola und den Liedpreis beim Königin-Elisabeth-Wettbewerb gewann. Daraufhin startete sie ihre internationale Karriere, die sie auf die renommiertesten Bühnen der Welt führte. Durch ihre kraftvolle Stimme, ihre makellose Virtuosität sowie ihr Gespür für Nuance und Drama hat sie sich als eine der international gefragtesten Altistinnen ihrer Generation etabliert. Ihr Repertoire ist breit gefächert: den Beginn ihrer Karriere prägte die Barockmusik (Orfeo ed Euridice, Giulio Cesare, Ariodante, Orlando Furioso u.a.), inzwischen widmet sie sich auch zunehmend den italienischen und französischen Fachpartien aus Werken wie Les Troyens, Pelléas et Mélisande, Samson et Dalila, Carmen, Guillaume Tell, Tancredi, L’Italiana in Algeri, Falstaff, Il Trovatore, Un Ballo in Maschera. In zahlreichen Rezitals bewies sie ihr außerordentliches Talent für französische, russische sowie deutsche Lieder. Marie-Nicole Lemieux arbeitet mit renommierten Ensembles und Dirigenten zusammen. Ihre facettenreiche Diskographie wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. Seit 2007 arbeitet Marie-Nicole Lemieux mit Warner Classics zusammen.

Roger Vignoles gilt international als einer der bedeutendsten Klavierbegleiter. Im Laufe seiner Karriere arbeitete er mit Sir Thomas Allen, Barbara Bonney, Kathleen Battle, Christine Brewer, Brigitte Fassbaender, Bernarda Fink, Susan Graham, Thomas Hampson, Dame Kiri Te Kanawa, Dame Felicity Lott und Sarah Walker zusammen. Er spielt regelmäßig auf den großen Bühnen dieser Welt wie Wigmore Hall, Philharmonie Köln, Wiener Konzerthaus, Wiener Musikverein, Concertgebouw, Musée d’Orsay, Carnegie Hall, Frick Collection in New York, Scala, Oper Frankfurt, Théatre des Champs-Élysées, Schubertiade Schwarzenberg, Bonn Beethovenfest, Baden-Baden Festival und Teatro del Zarzuela in Madrid. Zu den Höhepunkten der Saison 2018/19 gehören Konzerte mit Dorothea Roschmann, Bernarda Fink, Marie-Nicole Lemieux, Nicky Spence, Ainhoa Arteta, Mark Padmore, Roderick Williams u. a. sowie Meisterkurse beim Tanglewood Festival, Marlboro Music Festival, am Yong Siew Toh Conservatory in Singapur, beim Cleveland Art Song Festival und Aldeburgh Festival.

Konzerteinführung 17.15 Uhr In Zusammenarbeit mit der Staatsgalerie Stuttgart

Weitere Infos: www.ihwa.de Karten: 0711.72 23 36 99, karten@ihwa.de oder www.ihwa.de/service/kartenverkauf
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WIEN/ CAFE PRÜCKEL: ICH, MEINE FRAU & SIE – bis 28. OKTOBER
 
 
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THEATER ST. GALLEN: PREMIERE „DON CARLO“ AM 27.10.

Don Carlo
Oper von Giuseppe Verdi
Mailänder Fassung

Premiere: 27. Oktober 2018

Zwanzig Jahre nach der letzten St.Galler Inszenierung kommt am Samstag, 27. Oktober, 19.30 Uhr, Giuseppe Verdis Oper Don Carlo wieder auf die Bühne des Theaters St.Gallen. Regie führt Nicola Berloffa, das Bühnenbild hat Fabio Cherstich entworfen. Für die Kostüme hat die Modedesignerin Alessandra Facchinetti mit St.Galler Stickereifirmen zusammengearbeitet. Die musikalische Leitung hat Modestas Pitrenas, der neue Chefdirigent des Sinfonieorchesters St.Gallen.

Ob Don Carlo, Philipp II., der Marquis Posa, Elisabeth von Valois oder die Fürstin Eboli: Die Akteure in Giuseppe Verdis Don Carlo sind Gefangene. Sie sind gefangen in den Zwängen ihres Standes, des Hofzeremoniells, der politischen Interessen und der Religion. Für Regisseur Nicola Berloffa, der in St.Gallen schon Carmen und Norma inszeniert hat, und seinen Bühnenbildner Fabio Cherstich bot es sich deshalb an, nur abgeschlossene Räume zu zeigen – Räume, die zwischen goldenem Käfig und Gefängnis oszillieren. Dabei orientierten sich Berloffa und Cherstich stilistisch an der Entstehungszeit der Oper in den 1860er Jahren.

Als Kostümbildnerin wurde mit Alessandra Facchinetti eine erfahrene Modedesignerin gewonnen, die Mode für Häuser wie Gucci, Valentino und Tod’s entworfen hat. Für den Don Carlo arbeitete sie mit St.Galler Stickereifirmen zusammen. Ausserdem konnte sie einen besonderen Schatz des Theaters St.Gallen nutzen: Im einzigartigen Bortenfundus, der auf die langjährige St.Galler Kostümchefin Johanna Weise zurückgeht, fand Facchinetti zahlreiche Zierbänder, Kordeln und Spitzen, die ihren Kleidern das gewisse Etwas einer überkultivierten Aristokratie geben.

Unter der musikalischen Leitung von Chefdirigent Modestas Pitrenas kommt die vom Komponisten überarbeitete und radikal gekürzte Mailänder Fassung auf die Bühne, die 1884 ihre erste Aufführung erlebte, 17 Jahre nach der Premiere der Urfassung. Sein Hausdebut in der Titelpartie gibt der spanische Tenor Eduardo Aladrén, der auf zahlreichen Bühnen in den USA und Europa viele grosse Tenorpartien gesungen hat. Tareq Nazmi (Filippo II) debütierte in St.Gallen 2017 als Zaccaria in Nabucco. Der aus Kuwait stammende Bass sang unter anderem in Barcelona, Shanghai, Peking und Paris, dieses Jahr hatte er Engagements an den Salzburger Festspielen und an den Sommerfestspielen Baden-Baden. Nikolay Borchev (Posa) war Ensemblemitglied an der Bayerischen Staatsoper und der Wiener Staatsoper, er gastiert regelmässig an der Deutschen Oper und der Staatsoper Berlin, am Théâtre de la Monnaie in Brüssel und an der Staatsoper Hamburg. In St.Gallen war er 2016 als Graf in Le nozze di Figaro zu hören. Der Südamerikaner Ernesto Morillo sang 2014 in St.Gallen den Alvise in La Gioconda. Er tritt an zahlreichen Opernhäusern in Europa und Übersee auf, so am Teatro Colón in Buenos Aires, an der Opéra de Montréal und am Teatro Filarmonico in Verona.

Die weiblichen Hauptrollen sind mit Alex Penda als Elisabetta und Alessandra Volpe als Eboli besetzt. Die bulgarische Sopranistin Alex Penda war am Theater St.Gallen bereits in den Titelpartien von Salome und Carmen zu Gast. Ihr breites Repertoire von Barockopern bis Wagner brachte sie an namhafte Häuser wie die Wiener Staatsoper, die Bayerische Staatsoper, die Deutsche Oper und die Staatsoper Berlin, das Bolschoi-Theater in Moskau und das Teatro San Carlo in Neapel. Alessandra Volpe, Mezzosopranistin aus Süditalien, sang an der Metropolitan Opera in New York, an der Mailänder Scala, am Opernhaus Zürich, der Bayerischen Staatsoper in München und am Glyndebourne Festival. Bei den diesjährigen St.Galler Festspielen war sie als Tigrana in Puccinis Edgar zu erleben.

Premiere Samstag, 27. Oktober 2018
Zeit 19.30 Uhr
Ort Grosses Haus

Musikalische Leitung Modestas Pitrenas
Inszenierung Nicola Berloffa
Bühne Fabio Cherstich
Kostüm Alessandra Facchinetti
Licht Valerio Tiberi
Choreinstudierung Michael Vogel
Dramaturgie Marius Bolten

Filippo II Tareq Nazmi | Shavleg Armasi
Don Carlo Eduardo Aladrén
Rodrigo, Marquese di Posa Nikolay Borchev
Il Grande Inquisitore Ernesto Morillo
Un frate Martin Summer
Elisabetta di Valois Alex Penda
La Principessa Eboli Alessandra Volpe
Tebaldo | La Contessa d’Aremberg
Sheida Damghani
Il Conte di Lerma Riccardo Botta
Un araldo reale Nik Kevin Koch
Una voce dal cielo Tatjana Schneider
Chor des Theaters St.Gallen
Opernchor St.Gallen
Sinfonieorchester St.Gallen

Einführungsmatinee
Sonntag, 14. Oktober 2018
11 Uhr, Foyer

Die weiteren Vorstellungen
Dienstag, 6. November 2018, 19.30 Uhr
Samstag, 10. November 2018, 19.30 Uhr
Mittwoch, 21. November 2018, 19.30 Uhr
Sonntag, 25. November 2018, 14.30 Uhr
Dienstag, 4. Dezember 2018, 19.30 Uhr
Sonntag, 9. Dezember 2018, 17 Uhr
Sonntag, 16. Dezember 2018, 14.30 Uhr
Freitag, 28. Dezember 2018, 19.30 Uhr
Donnerstag, 28. Februar 2018, 19.30 Uhr (zum letzten Mal)

Einführungen
Jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn gibt es im Studio oder im Foyer Werk-Einführungen (Premiere ausgenommen)

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25 Jahre Usedomer Musikfestival in Glanzbesetzung

Von Ursula Wiegand


Usedom, stürmische Ostsee vor Bansin, Foto Ursula Wiegand

Musik liegt in der Ostseeluft über der Insel Usedom. Immer. Dafür sorgen ganzjährig Wind und Wellen, vor allem im Herbst. Am 7. Oktober war Fortissimo angesagt. Presto, presto jagte der Sturm die Wogen an den Strand von Bansin. Wer sich dennoch unter dräuenden Wolken auf die Seebrücke wagte, musste sich gegen die Böen anstemmen. Überdies mischte sich dissonantes Möwengeschrei im Diskant mit den rauschenden Bass-Partien der Wälder. Insgesamt ein Naturkonzert sondergleichen.


Usedom, Baltic Sea Philharmonic am Ostseestrand, Foto Peter Adamik

Tags darauf war der rasante Wettergalopp vorüber, und alles spielte wieder Andante. Im Piano plätscherten nun die Wellen, im Pianissimo flüsterten die Sandkörner. Möwen und Kormorane saßen nun faul und friedlich hintereinander auf den Holzresten der 1957 abgebrannten Seebrücke von Heringsdorf. 1995 wurde sie rund 50 Meter entfernt neu erbaut und ist mit ihren 508 Metern der längste Seesteg Kontinentaleuropas.


Möwen und Seebrückenkopf Heringsdorf, Foto Ursula Wiegand

Plötzlich also sanfte Spätromantik in Bild und Ton. Viele Kinder zogen Schuhe und Strümpfe aus, um durch das noch recht warme Wasser zu waten. Eisbecher – „aber bitte mit Sahne“ (Udo Jürgens) – auf den Café-Terrassen waren wieder „in“ oder Matjesfilets im Brötchen zur Stärkung bei kilometerlangen Strandspaziergängen. 


Stargast Anne Sofie von Otter bei den Usedomer Musikfestspielen 2018, Foto Ursula Wiegand

Diese landschaftliche Schönheit, die anerkannt gesunde Ostseeluft und Usedoms berühmte Bäderarchitektur bilden einen verlockenden Dreiklang. Der ist mit ein Grund, warum Künstlerinnen und Künstler gerne auf die Insel kommen, um beim Usedomer Musikfestival aufzutreten. Vom 22.09. bis zum 13.10.2018 feiert dieses besondere Festival seinen 25. Geburtstag. Erstmals zeigten und zeigen Gäste aus allen neun Ostseeanrainer-Staaten und Norwegens ihr Können und bewiesen – alle politischen Hürden überwindend – die durch das gemeinsame Musizieren entstandene Harmonie.  


Kristjan Järvi, Foto Peter Adamik

Initiatoren des Grenzen überwindenden Musizierens waren und sind der Intendant Thomas Hummel und der inzwischen preisgekrönte estnische Dirigent Kristjan Järvi, der junge Menschen aus den Ostseestaaten und Norwegens im Orchester Baltic Sea Philharmonic auf Zeit höchst erfolgreich vereint. 700 hatten bislang die Chance dabei mitzuwirken.

2018 feiert nun dieses erfrischend jugendliche Orchester sein zehnjähriges Bestehen und hat in dieser Zeit in wechselnder Besetzung fast 100 Konzerte gegeben.


Waterworks mit Kristjan Järvi, (c) BMEF – Peter Adamik

Neuerdings setzen Kristjan Järvi und seine hoch motivierten, mitunter auswendig spielenden Musikanten/innen mit „Waterworks“ und „Nordic Pulse“ auf einen innovativen Mix aus Stücken, kombiniert mit Sound- und Lichtdesign. Mit „Waterworks“ begeisterte das Orchester bis Anfang 2018 rund 100.000 Konzertbesucher in 14 Ländern und 47 Städten. Im November wird „Waterworks“ im Wüstenstaat Dubai rauschen.


Stadt Usedom, Turm der spätgotischen St. Marienkirche, Foto Ursula Wiegand

Besonders glanzvoll ist die Geburtstags-Gästeschar. Selbst ein Weltstar wie Anne Sofie von Otter kam. Mit ihrem fabelhaften Mezzo brachte sie am 07. Oktober die Stimme Schwedens – begleitet von Leif Karner-Lidström (Klavier) und ihrem Sohn Fabian Fredriksson (E-Gitarre) – in der spätgotischen St. Marienkirche in Usedom Stadt großartig zu Gehör. Ein Ereignis in diesem geschichtsträchtigen, im 13. Jahrhundert gegründeten Städtchen.

Klassisch orientierte Lieder ihrer in Deutschland oft unbekannten Landsleute machten den

Anfang, gefolgt von einigen Brahms-Liedern. Beim „Es träumte mir“, fielen ihre reinen Höhen auf. Tatsächlich erreicht Frau von Otter mit Leichtigkeit das hohe C und sogar das hohe Cis. „Ich bin schon gefragt worden, ob ich ein fauler Sopran sei“, hat sie schon mal lachend erzählt.


Anne Sofie von Otter, Leif Kaner-Lindström (Klavier), Fabian Fredriksson, E-Gitarre, Foto Ursula Wiegand

Für alles, was sie von ABBA bis zu Opernarien singt, ist jedoch ihr Mezzo genau das Richtige, passt auch bestens zu Leonhard Bernsteins „A simple Song from Mass“ und zu den schlichten Liedern von Häftlingen aus dem Konzentrationslager Theresienstadt. Mit der im KZ umgedichteten „Countess Maritza“ (Gräfin Mariza) trumpft sie regelrecht auf. Diese Lieder, so sagt sie, sollten nicht vergessen werden. Das hat auch einen familiär-politischen Hintergrund. Ihr Vater, einst ein hoher Diplomat, hatte vergeblich versucht, andere Staaten über die Gräuel der Nazis zu informieren und wurde schließlich auf einen minderen Posten versetzt.

Zuletzt ist Johann Sebastian Bach an der Reihe. Sehr leise und ausdrucksvoll bringt sie sein „Komm süsser Tod“. Dass sie es überhaupt schafft, dieses Lied zu singen, ist mehr als bewundernswert, hat doch ihr Mann, der Theaterintendant Benny Fredriksson, nach unbewiesenen „Me-too“-Anschuldigungen, im März d. J. auf einer gemeinsamen Australien-Konzertreise Selbstmord verübt.

Vielleicht ist dieser Bach-Wunsch das persönliche Requiem einer tapferen Frau für ihren geliebten, in den Tod getriebenen Gatten und daher intensiv berührend. Zuletzt schreitet sie singend durch den Mittelgang der Kirche. Danach braust der Beifall auf, und sicherlich hoffen alle, dass sie erneut bei einem Usedomer Musikfestival erscheint. 


Usedom, Schloss Stolpe, Renaissancebau, 16. Jh., Foto Ursula Wiegand

So wie der in Litauen geborene „Wiederkommer“ David Geringas, ein Rostropovich-Schüler und selbst schon lange ein weltbekannter Cellist. Seit 2005 reist er zu diesem Musikfestival an, gibt auch Meisterkurse auf Usedom im Schloss Stolpe, einem nun fein restaurierten Renaissancebau aus dem 16. Jahrhundert. Diesmal hat er vom 26.09. bis zum 01.10. hier viermal konzertiert, u.a. zusammen mit seiner Frau und seinen Schülern, und ein breit gefächertes Programm geboten.  


 Sväng, die finnischen Mundharmonika-Experten, Foto Ursula Wiegand

Darüber hinaus ist das Usedomer Musikfestival immer für Überraschungen gut, für Besonderes, das woanders kaum geboten wird. Gemeint ist „Pfiffig finnisch“ von der Gruppe Sväng, die vier Mundharmoniker-Künstler vereint. Mit den simplen Instrumenten aus Kindertagen sind diese hoch spezialisierten „Ton-Werkzeuge“ keineswegs zu vergleichen und aller Nuancen fähig. Wenn die Vier loslegen, scheint fast eine Big Band tätig zu sein.

Filip Jers, links außen, ein Einspringer aus Schweden und selbst auf allen Kontinenten unterwegs, spielt Diaton- und Chromat-Mundharmonikas, ebenso der Rechtsaußen Eero Turkka. Eher mittig musiziert auf seiner Harmonetta Jouko Kyhälä,  der diplomierte Chef der Gruppe, der auch einige Stücke komponiert oder arrangiert hat.


Sväng mit Filip Jers und Jouko Kyhälä, Foto Ursula Wiegand

Kraft und Atem braucht vor allem Pasi Leino, der an bisschen an Hitchcock erinnert, wenn er beim Blasen über seine schwere Bass-Mundharmonika hinweg ins Publikum schaut. Alle tragen große, auffällige Ringe an ihren emsigen Fingern. Und dann fetzt die topfitte „Viererbande“ los, bringt traditionelle Weisen, zarte und flotte, spielt Polkas, Jazz, Swing und auch Sibelius – alles begleitet von lustigen Erklärungen. Zuletzt ein „Svängtime rag“, gefolgt von einer Jam Session. Die geht in die Beine, doch gar niemand wagt durch den Saal vom Hotel Nautic in Koserow zu tanzen.


Blick auf die St.Petri-Kirche von Benz, Foto Ursula Wiegand

Nächster Tatort: die Evangelische St. Petri-Kirche von Benz, deren Granitquader-Sockel aus der Zeit vor dem 13. Jahrhundert stammt Lyonel Feininger hat diese schöne Kirche mehrfach gemalt. Berühmt ist auch ihr blauer Sternenhimmel im Innern.   

Noch berühmter sind die Berliner Philharmoniker. Fünf Streicher von ihnen sowie ein Pianist sind angereist und bringen „Russische Idyllen“. Neben Michail Glinka kommen dankenswerterweise auch weniger bekannte Komponisten zu Wort, so Alexander Aljabjew und Sergej Ljapunow.


Luiz Felipe Coelho und Marlene Ito, Foto Ursula Wiegand

Alle Interpreten, eine internationale Schar, werfen sich mit Verve in diese teils hochromantischen, teils äußerst geschwind dahin galoppierenden Werke, die oft an ein anstürrmendes Kosakenheer denken lassen. Voller Schwung und Hingabe musizieren die beiden Violinisten Luiz Felipe Coelho und Marlene Ito, ebenso Joaquin Riquelme Garcia mit seiner Viola. Knut Weber entlockt seinem Cello alle Facetten.


Knut Weber, Cellist, Foto Ursula Wiegand

An seiner Seite am Contrabass Gunars Upatnieks, der auf diese Weise seinen Geburtstag feiert. Im Hintergrund sorgt Mikhail Mordvinov, der Mann  am Klavier, für den nötigen Drive. Die Wogen der Publikumsbegeisterung schwellen zuletzt dermaßen an, dass das Scherzo aus Ljapunows Klaviersextett im b-Moll wiederholt wird. In der Berliner Philharmonie ist solches kaum zu erleben.


Mikhail Mordvinov (Klavier), Luiz Felipe Coelho und Marlene Ito (Geige), Foto Ursula Wiegand

Am 11. Oktober steht noch eine Serenade im nun polnischen Swinemünde und dort im Miejski Dom Kultury auf dem Programm. Die Zusammenarbeit mit Polen beim Usedomer Musikfestival besteht schon länger und wurde nun am 29.09. mit der festlichen Aufführung von Bachs h-Moll Messe in  der St. Nikolaikirche auf der polnischen Nachbarinsel Wollin gekrönt. – Am 12. 10. lässt sich im Kaiserbädersaal des Seebades Heringsdorf noch „Strauss am Meer“ erleben.


Ex-Kraftwerk Peenemünde, Spielort der Peenemünder Konzerte, Foto Ursula Wiegand

Am 13. Oktober endet nach all’ den täglichen Musikangeboten das Usedomer Musikfestival traditionsgemäß im Kraftwerk Peenemünde und dort mit dem Abschlusskonzert der Saison im Musikland Mecklenburg-Vorpommern. Die Radiophilharmonie des NDR Hannover spielt dann unter der Leitung von Robert Trevino.

Dort hat Kristjan Järvi am 22.09. schon das Eröffnungskonzert im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel dirigiert. Aus dem Riesenbau, der einst den Strom für die NS-Heeresversuchsanstalt – u.a. zur Entwicklung der Tod bringenden V2-Rakete lieferte – ist mehr und mehr ein Kraftzentrum des Lebens geworden.

Also Ende gut, alles gut und vorbei? Zum Glück ist das nicht der Fall. Auf Usedom wird kulturell immer etwas geboten. Vom 21. September bis 12. Oktober 2019 läuft dann das nächste Usedomer Musikfestival. Zuvor schon können Musikfans das Baltic Sea Philharmonic, geleitet von Kristjan Järvi, mit den neuen Stück „Midnight Sun“ am 26.06.2019 in der Berliner Philharmonie und am 02.07. 2019 in Hamburgs Elbphilharmonie erleben.   

Ursula Wiegand

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