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INFOS DES TAGES (DIENSTAG, 6. AUGUST 2019)

06.08.2019 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (DIENSTAG, 6. AUGUST 2019)

BAYREUTH: Anna Netrebko sagt die „Elsa“ ab

Der „Lohengrin“ bei den Bayreuther Festspielen findet ohne Anna Netrebko statt. Die Sopranistin hat ihr Debüt auf dem Grünen Hügel abgesagt. Eigentlich hätte Anna Netrebko am 14. und 18. August als Elsa auftreten sollen. „Erschöpfungsbedingt“ habe die Sängerin absagen müssen, teilten die Festspiele mit. Eine Einspringerin wurde mit Annette Dasch  bereits gefunden.

https://www.bayreuther-festspiele.de/festspiele/news/2019/besetzungsaenderungen-lohengrin/

Besetzungsänderung „Lohengrin“ auch am 7.8.

Thomas J. Mayer wird morgen, 7. August, statt des erkrankten Tomasz Konieczny den Telramund singen!

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JONAS KAUFMANN IN SIDNEY (Foto 4.8.2019)


Foto: Instagram

Instagram

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Die Konkurrenz PIOTR BECZALA GOLFT (in Bayreuth?)

Mit Video

https://www.instagram.com/p/B0oQLy4iBwT/?igshid=1n00358a9ox8t

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Anna Netrebko in Fuschl

Natürlich mit Video

https://www.instagram.com/p/B0xh6yXHlu6/?igshid=73c88lc9wdj

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Anita Rachvelishvili ist noch in Salzburg

Die hat noch im Verdi-Requiem zu tun!

https://www.instagram.com/p/B0Y1sYylMdk/?igshid=1h26w

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TOP-BILANZ der operklosterneuburg mit HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN

11.850 BesucherInnen beim Festival
100% Auslastung der Oper
TV-Übertragung auf ORF III am 25.8.2019 um 20:15
4.7.2020 Premiere LA FORZA DEL DESTINO


Foto: Operklosterneuburg

Einen Riesenerfolg sowie ein beeindruckendes Ergebnis bilanziert die operklosterneuburg mit ihrer diesjährigen Produktion von „Hoffmanns Erzählungen“.
11.850 BesucherInnen besuchten das Festival. Imposante 100% Auslastung. Alle 11 Vorstellungen und die Oper für Kinder waren ausverkauft.
Aufgrund der enormen Nachfrage wurde eine Zusatzvorstellung angesetzt, die in wenigen Tagen ebenfalls ausgebucht war.

Für alle OpernliebhaberInnen, die nicht mehr in den Genuß einer Karte für diese hochkarätig besetzte Produktion kamen, ein kleines Trostpflaster:
Am Sonntag, 25.8. um 20:15 wird die Klosterneuburger Produktion auf ORF III ausgestrahlt.
Sehens- und hörenswert: Daniela Fally als Puppe Olympia, Zurab Zurabishvili in der Titelpartie,
Clemens Unterreiner in den Rollen der Bösewichte, Margarita Gritskova als Muse u.v.a.

Giuseppe Verdi steht 2020 am Programm der operklosterneuburg:
LA FORZA DEL DESTINO oder „Die Macht des Schicksals“ – Premiere 4.7.2020
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GESAMTE OPERN IM RUNDFUNK 6. –12. AUGUST 2019

Bildergebnis für radio

(Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern bezieht sich ausschließlich auf die untenstehenden Sender). Kurzfristige Programmänderungen der Sender vorbehalten!
Alle Zeiten MEZ.

10.8. TRISTAN UND ISOLDE (aus Bayreuth, Aufnahme v. 1.8.) Radio 4Hilversum-18 Uhr
DIE MEISTERSINGER V. NÜRNBERG (aus Bayreuth, Aufnahme v. 27.7.) Bayern 4-18.05 Uhr
THE RAKES PROGRESS (aus Dresden, Aufnahme v. 27.5.) Deutschlandradio-19.05 Uhr
MEDÉE (aus Salzburg, Aufnahme v. 30.7.) ORF Ö1-19.30 Uhr
CARMEN (aus Genf, Aufnahme v. 10.9.2018) Radio Suisse R.-20 Uhr
IDOMENEO (aus Salzburg, Aufnahme v. 27.7.) HR 2, WDR 3, SWR 2-20.04 Uhr
11.8. SEMIRAMIDE (Live aus Pesaro) RAI 3-19 Uhr
IDOMENEO (ausSalzburg, Aufnahme v. 27.7.) France Musique-20 Uhr

EMPFANGSMÖGLICHGKEIT ÜBER DAS INTERNET

ORF – Ö 1 http://oe1.orf.at/
Bayern 4 https://www.br-klassik.de/index.html
HR 2 http://www.hr-online.de/website/radio/hr2/
WDR 3 http://www1.wdr.de/radio/wdr3/index.html
SWR 2 http://www.swr.de/swr2/-/id=7576/otnbb1/index.html
Deutschlandradio http://www.deutschlandradiokultur.de/startseite.197.de.html
RAI 3 http://www.radio3.rai.it/dl/radio3/programmi/PublishingBlock-61ab4215-547b-4563-8b1f-8932531e5469.html
Radio Suisse R. https://www.rts.ch/
Radio 4Hilversum https://www.nporadio4.nl/gids-gemist
VRT Klara http://www.klara.be/
RNE Clasica Madrid http://www.rtve.es/radio/radioclasica/programacion/
Sveriges Radio 2 https://sverigesradio.se/p2
Met-Stream http://www.metopera.org/Season/Radio/Free-Live-Audio-Streams/
BBC 3 http://www.bbc.co.uk/radio3/programmes/genres/music/classical/opera/all
France Musique https://www.francemusique.fr/opera

Das sind jene Sender, die regelmäßig Opernübertragungen senden. Sollten unseren Lesern noch andere derartige Sender bekannt sein, dann bitten wir um Bekanntgabe inkl. Internetadresse.
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Edles Schuhwerk und pompöse Kostüme beim Musikfestival Steyr

Martina Dorak © (G. Kriechbaum)
Foto: Musikfestival Steyr/ Leisure communications/G. Kriechbaum

Genau drei Mal haben Musicalfans noch die Chance die Stars des Musicals Cabaret beim 25jährigen Jubiläum des Musikfestivals Steyr in atemberaubender Inszenierung auf der Open-Air-Bühne von Schloss Lamberg zu bewundern.
Bilder zur Meldung in der Mediendatenbank

Steyr (LCG) – Bis dato durfte sich das Musikfestival Steyr in seinem 25sten Jubiläumsjahr über einen großen Ansturm und hellauf begeisterte Zuschauer freuen. Genau drei Vorstellungen lang am Donnerstag, den 8., Freitag, den 9. sowie am Samstag, den 10. August 2019, jeweils um 20.30 Uhr, haben Kulturbegeisterte noch die Möglichkeit ein Stückchen Musikgeschichte im einzigartigen Open-Air-Ambiente des Schlossgrabens von Schloss Lamberg in Steyr live zu erleben. Das Musical Cabaret entführt seine Gäste in eine Welt aus Liebe und Intrigen in Zeiten des beginnenden Faschismus des Berlin der dreißiger Jahre.

„Wir schauen dem Ende der Jubiläumsspielsaison des Musikfestivals Steyr mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. Ganz herzlich möchte ich den Stars des Stücks für ihre beeindruckenden Performances auf der Bühne gratulieren und natürlich dem ganzen Team des Musikfestivals Steyr, ohne das dieses großartige Event gar nicht möglich wäre. Wir freuen uns nun auf die letzten drei Vorstellungen, bei denen wir noch einmal alles geben werden und hoffen, dass uns der Wettergott auch am Wochenende noch hold ist“, so Intendant Karl-Michael Ebner.
Pomp und Glanz unter freiem Sternenhimmel

In den Hauptrollen brillieren Ben Connor („Clifford Bradshaw“), Oliver Liebl („Ernst Ludwig“), Martina Dorak („Concierge“), Rebecca Soumagné („Sally Bowles“), Gabriele Deutsch (Fräulein Schneider), Marlene Kern (Fräulein Kost), KS Josef Luftensteiner (Herr Schultz) und Ewald Reiter (Zollbeamter). Die pompösen Kostüme des Ensembles, die für einen wahren Eyecatcher auf der Bühne sorgen, entwarf Caterina Visconti in Zusammenarbeit mit dem Landestheater Salzburg. Visconti arbeitete zuletzt an der Mailänder Scala und der Staatsoper Berlin. Gekonnt setzt sie auch die Füße der Stars mit eigens für die neun Vorstellungen angefertigten Maßschuhen der Ludwig Reiter Schuhmanufaktur aus Wien in Szene.

Letzte Tickets online erhältlich 
Restplätze für das Musical Cabaret sind online auf http://www.musikfestivalsteyr.at oder telefonisch beim Tourismusverband Steyr unter +43 7252 53229-0 erhältlich. 

Über das Musikfestival Steyr

Das Musikfestival Steyr geht von 20. Juli bis 10. August 2019 in die 25. Spielsaison und verwandelte den Schlossgraben von Schloss Lamberg im oberösterreichischen Steyr in rund zweimonatiger Aufbauarbeit zu einer der schönsten Open-Air Bühnen Österreichs. Neben erfolgreichen Opern- und Operettenproduktionen hat das Musikfestival Steyr in den vergangenen Jahren mehrfach bewiesen, dass es auch Musical „kann“ und sich mit Eigenproduktionen wie „Les Misérables“, „My Fair Lady“, „Evita“, „West Side Story“ oder „Chicago“ einen verdienten Spitzenplatz in der heimischen Musicalszene erspielt. Neben der jährlichen Eigenproduktion wartet das Musikfestival Steyr jährlich mit dem Kindertheater, dem Kinder-Workshop sowie mit dem Kino unter Sternenhimmel mit einem abwechslungsreichen Programm für Groß und Klein auf. Weitere Informationen auf http://www.musikfestivalsteyr.at.
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Neuhaus/Suha/Kärnten: Wiener Philharmoniker zu Gast im Museum Liaunig (18. August)


Fotos: Johanna Auer, Moritz Schell, Hahn Hall

Neuhaus, 5. August 2019 Mit Walter Auer (Flöte) und Wolfgang Härtel (Violoncello) sind am 18. August Wiener Philharmoniker zu Gast im Museum Liaunig. Gemeinsam mit dem Pianisten Lorenzo Cossi präsentieren sie ein philharmonisch-romantisches Programm.

Die Konzertreihe sonusiade im Museum Liaunig kann sich über eine erfolgreiche Halbzeit-Bilanz freuen: zwei Konzerte sind vor ausverkauftem Haus bereits über die Bühne gegangen. Das nächste Konzert-Highlight findet am 18. August statt. Walter Auer, Soloflötist der Wiener Philharmoniker und Wolfgang Härtel, Solocellist der Wiener Philharmoniker sind gemeinsam mit dem Pianisten Lorenzo Cossi zu Gast im Museum Liaunig. Sie präsentieren ein philharmonisch-romantischen Programm mit Werken von Johann Nepomuk Hummel, Robert Schumann, Carl Maria von Weber und Felix Mendelssohn Bartholdy. Ein besonderes Highlight verspricht „En passant“ für Flöte solo von Luna Alcalay zu werden.

Das Matineekonzert findet im Sonderausstellungsraum des Museums Liaunig statt, wo die neue Ausstellung mit Werken von Kurt Kocherscheidt zu sehen ist.

So. 18. August, 11 Uhr
SONUS-Gastkonzert: Wiener Philharmoniker zu Gast
Wolfgang Auer (Flöte), Wolfgang Härtel (Violoncello) und Lorenzo Cossi (Klavier)

Konzertkarte: € 30 im Vorverkauf | € 35 Tageskasse (freie Platzwahl)
Kombi-Ticket (Konzert + Museumseintritt am Tag der Veranstaltung): € 41 im Vorverkauf | € 46 Tageskasse (freie Platzwahl)
Information und Kartenverkauf unter www.museumliaunig.at und 04356/211 15 sowie direkt im Museum Liaunig.

Weiterer sonusiade-Termin
So. 27. Oktober, 11 Uhr: radio.string.quartet
Bernie Mallinger, Violine
Igmar Jenner, Violine
Cynthia Liao, Viola
Sophie Abraham, Violoncello

Museum Liaunig
Das Museum Liaunig ist ein privates Kunstmuseum in Neuhaus/Suha in Kärnten. Präsentiert wird die Privatsammlung des Industriellen und Kunstsammlers Herbert Liaunig, eine der umfangreichsten Sammlungen österreichischer Kunst ab 1945, ergänzt durch Vertreter der klassischen Moderne sowie exemplarische Werke internationaler Künstler. Das vom Wiener Architektenteam querkraft konzipierte Museum wurde 2008 eröffnet, 2011 mit dem Österreichischen Museumspreis ausgezeichnet und bereits 2012 unter Denkmalschutz gestellt. Das Museum steht seit 2018 unter der Leitung von Peter Liaunig. www.museumliaunig.at
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SALZBURGER FESTSPIELE auf den Perner-Inseln


Foto: Klaus Billand
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MONTPELLIER/ Festival Radio France : FERVAAL von Vincent d’Indy


Gaëlle Arquez und Michael Spyres: Luc Jennepin.

Das 1985 gegründete Festival Radio France in Montpellier bietet jedes Jahr im Juli ein extrem reichhaltiges und aufgefächertes Programm, von Klassik über Jazz bis zu Elektronischer Musik, und das nicht nur in Montpellier, sondern auch in vielen Städten und Dörfern der Region Occitanie, viele Veranstaltungen davon bei freiem Eintritt.

Seinen internationalen Ruf verdankt das Festival aber in erster Linie den verdienstvollen Wiederentdeckungen und Neupräsentationen längst vergessener, verschollener Opern oder Opern, von deren Exisenz man nicht einmal irgendetwas wusste – in konzertanter Form (die man danach auf CDs nachhören kann.)

Heuer war Vincent d‘ Indys fast fünfstündiges Werk „Fervaal“ an der Reihe. VIncent d’Indy wer ?

VIncent d’Indy (1851-1931) war der Spross einer französischen Aristokratenfamilie. Früh begann er, Klavier zu studieren und wurde Schüler von César Franck, bevor er „auf die schiefe Bahn“ geriet und (wie auch Berlioz) nur noch deutsche Komponisten zu seinen Göttern erkor: Gluck, Beethoven, Mendelssohn, Weber – vor allem aber W a g n e r…

Er pilgerte nach Bayreuth zur Premiere des „RIng des Nibelungen“ und des „Parsifal“, er war an der Pariser Erstaufführung des „Lohengrin“ beteiligt – und er schrieb Opern, die von chronischer Richard-Wagnersucht zeugen: Fervaal ist die erste davon. D’Indy lässt sie in Bruxelles aufführen, weil er sich in Paris nicht traut.

Worum geht es in Fervaal ?

Der keltische Ritter Fervaal befindet sich in Südfrankreich in Gesellschaft des Druiden Arfagard. Er wird verletzt und von der schönen Guilhen, Tochter eines sarrazenischen Emirs, aufgenommen und gepflegt (kommt ihnen was bekannt vor ?). Eine gegenseitige Liebe entspinnt sich zwischen den beiden…aber…aber Fervaal ist nur dann zu einem großen Schicksal bestimmt, wenn er keusch bleibt, sagt der Druide. Darauhin kehrt Fervaal geheilt in seine Heimat Cravann zurück, die gerade von den bösen Sarrazenen angegriffen wird. DIe Göttin Kaito erscheint und Fervaal wird zum Kriegsherren gewählt, es kommt zum Kampf, Guilhen erscheint und stachelt – aus Rache für ihre Zurückweisung – ihre Truppen zur Schlacht an. DIe Kelten werden dezimiert, Fervaal will eigentlich sterben, tötet aber lieber seinen Druiden Afagaard, um freie Bahn bei Guihen zu haben. Diese stirbt  jedoch leider  erschöpft in seinen Armen, und unser keltischer Held schreitet langsam ins Gebirge empor – bis er in den Wolken verschwindet (Das Libretto stammt wagnerianisch naturgemäß vom Komponisten selbst).

Nun ja.

Anklänge an Kundry, Erda, Wotan, Amfortas, Kurwenal, Tristan, Siegfried und Parsifal sind natürlich rein nichtzufällig. MIt „Fervaal“ schreibt der Wagnerianer d’Indy eine Oper für Wagnerianer, wobei er zwangsläufig das Risiko in Kauf nimmt, dass eine solche dann Nicht-Wagnerianern nicht wirklich ewas sagt, und eingefleischte Wagnerianer dann doch lieber zum Original greifen.

Die erst weit nach Mitternacht endende Aufführung in Montpellier war natürlich schon sehr imposant und beeindruckend.Bewunderungswürdig besonders Michael Spyres in der Titelrolle, Gaëlle Arquez als sarrazenische Heilern, aber auch alle andern der 15 Solisten, sowie das Orchestre National Montpellier Occitanie und der Choeur de la Radio Lettone, alle unter der exzellenten Leitung von Michael Schønwandt.

Aber nicht soo beeindruckend, dass man sich sofort eine szenische Produktion wünschen würde oder auch nur eine alsbaldige konzertante Wiederbegegnung. Maximal nimmt man sich vor, bei Gelegenheit in die im Herbst erscheinende CD hineinzuhören, um zu sehen, ob die große Liebe zu diesem zwittrigen Werk vielleicht doch noch entflammt….

Robert Quitta, Montpellier

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WIEN/ ImPulsTanz im Leopold Museum: Liquid Loft mit „Stand-Alones [polyphony]“

In acht leere Säle des Leopold Museums hinein choreografiert hat Chris Haring seine jüngste, hier als Uraufführung präsentierte Arbeit „Stand-Alones [polyphony]“, in der acht PerformerInnen allein je einen Raum füllen mit ihrer Einsamkeit. Und der Zuschauer wird Mit-Performer.


Arttu Palmio LiquidLoft Stand Alones polyphony (c) Michael Loizenbauer

Das Leopold Museum, das die weltweit größte Schiele-Sammlung und das Egon-Schiele-Dokumentationszentrum beherbergt, bot mit acht in einem Rundgang begehbaren Räumen, deren Wände nur ein paar Dübellöcher zieren, einen idealen Rahmen für die Inszenierung von acht Soli, die in ihrer Ästhetik wie fort gelebte Schiele-Dramen erscheinen. Schwer atmende PerformerInnen kauern an den Wänden „ihrer“ Säle. Einige Mobilboxen liegen herum, die Spots strahlen von der Decke. Das Publikum wandert durch den Elends-Zoo. Und irgendwo, irgendwann, bewegt sich was. „Ahh“ klingt’s lang gezogen aus der Box neben ihr, und Anna Maria Nowak zerrt dabei mit aufgerissenem Mund an ihrem Gesicht, entstellt den Blick, um hernach in der Mitte, nun ohne Hose am Boden liegend und sich krampfig windend, unverständliche Sprachfetzen aus der Box stumm mitzusprechen. Im Schulterstand in der Ecke, aus der Box rauscht’s, über jener vor der Wand hockend und viel zu schnell eingespieltes Sprechen affektiert simulierend, sich mit freiem Oberkörper ihr ruckendes Bewegen vom Knirschen und Splittern aus der Box triggern zu lassen, sackt sie schließlich in sich zusammen.


Dong Uk Kim Liquid Loft Stand Alones polyphony (c) Michael Loizenbauer

Im Nachbarraum Dong Uk Kim, der im güldnen Strechkleid irgendwas von Tränen in der Nacht und sexuellen Phantasien mit-redet. Die Box spricht vor. Zum Pfeifen des Kurzwellen-Radios stöhnt er, erregt windet er sich, vom Sound ein- und ausgeschaltet, an der Wand. In weiteren Räumen und ihren individuellen Rollen: Luke Baio, Stephanie Cumming (auch choreographische Assistenz), Katharina Meves, Dante Murillo, Arttu Palmio und Hannah Timbrell. „Liquid Loft“ zählen wegen ihres hohen künstlerischen Anspruches zu den bekanntesten und geschätztesten Kompanien zeitgenössischen Tanz- und Performance-Schaffens Österreichs. In dieser separierten Konstellation jedoch war umso eindrücklicher die individuelle Klasse eines jeden Mitgliedes zu erleben.


Stehanie Cumming Liquid Loft Stand Alones polyphony (c) Michael Loizenbauer

Das Publikum bewegt sich frei durch die Räume, verweilt nach Belieben. Durch die ausschließlich und unveränderlich von der Decke strahlenden Spots wird auch der Zuschauer zum Performer, indem er/sie sich selbst durchs Licht bewegt und so seinen Status als anonymer und in jeder Hinsicht Unbeteiligter verliert. Geschickt arrangiert von Thomas Jelinek (Lichtdesign und Szenografie). Stefan Grissemann steuerte Theorie und Text bei, Roman Harrer das Bühnenmanagement.

Die von den TänzerInnen selbst gesteuerten akustischen Emissionen (Komposition, Sound: Andreas Berger) werden in leise Orchestermusik aus vergangenen Zeiten hineingestellt. Das geschwindigkeitsvariierte Geplapper (Sprache, der inszenatorisch ihr Sinn genommen wurde) übertönt sie, und das langgezogene „Ahh“, das ein irgendwie reduziertes emotionales Engagement andeutet, lassen keine Ballsaal-Seligkeit aufkommen. Jeder leidet in seinem Raum allein. Nur akustisch dringt vom Nachbarn her wie eine Ahnung vom Außen etwas ein in diese Innen-Welt.


Anna  Maria Nowak, Dong Uk Kim. Liquid Loft Stand Alones polyphony (c) Michael Loizenbauer

Am Ende treffen sich die Acht im größten Saal zum finalen physischen Crescendo. Und es erinnerte an Disco-Treiben. Jeder für sich und alle gemeinsam … Den PerformerInnen, dem künstlerischen Leiter und Choreografen Chris Haring und dem beteiligten Team wurde lautstark gedankt.

Die verstörende Ästhetik der Bilder des Expressionisten Egon Schiele, neben Oskar Kokoschka und Gustav Klimt einer der bedeutendsten Maler der Wiener Moderne, ist in den acht betanzten Sälen überraschend gegenwärtig. Die Bewegungssprache, die skulpturalen Intermezzi, die Sprach-, Sound- und Geräuscheinwürfe und natürlich die verzerrten Körper und Gesichter mit jenen oft ungleichen „Schiele-Augen“ stellen seine inneren und die Dämonen seiner Zeit in aktuelle Kontexte. Wohlstandsgetriebene Individualisierung und damit verbundene Vereinsamung mit all ihren Konsequenzen einerseits und das durch soziale Medien und Konformitätsdruck inzwischen legitimierte, scheinbar erzwungene Seins-Modell der dissoziierten Persönlichkeit andererseits sind zeitgenössische individuelle Effekte. Nervosität, Angst und Wut, Verzagen und Verzweifeln, psychische Fragilität und trotz allem einen Willen zum Leben ließen uns die Stand-Alones spüren. Auch in uns. Vereinsamte (Spiegel-) Bilder einer Ausstellung, deren mehrfacher Besuch zwecks Besichtigung wirklich aller „Exponate“ gelohnt hätte.

„Stand-Alones [polyphony]“ von Liquid Loft, Vorstellungen am 2., 3. und 4. August 2019 im Leopold Museum Wien.

Rando Hannemann
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CD-Aufnahme des Linzer Jeunesse Chores unter Wolfgang Mayrhofer im Eigenverlag

Erlesene Chormusik zum Thema „LUX“ (Licht) in Präzision und Klangschönheit

„LUX“ -„Licht“ – dieses Phänomen, das die Menschheit schon seit der Antike beschäftigt, um das sich Mythen, Geschichten und Deutungen unter vielen Aspekten ranken, aus religiöser, spiritueller oder einfach nur emotionaler Sicht, steht im Fokus dieser, in ihrer Qualität hochrangigen Aufnahme. Wolfgang Mayrhofer, der  verdienstvolle Förderer und Erzieher der musikalischen Jugend, beleuchtet dieses Thema mit dem, 1983 von ihm gegründeten, Kammerchor, dem Linzer Jeunesse Chor, mit dem er die oberösterreichische Musiziertradition auch in viele Länder Europas und nach Israel trägt, in bekannten und beliebten, aber auch kaum bekannten Chorsätzen, vor allem deutscher und englischer, aber auch anderer Komponisten in unterschiedlichen kompositorischen Klangvisionen und schöner Vielseitigkeit. Die Aufnahme besticht durch eine äußerst präzise und detailgetreue Wiedergabe mit der Frische jugendlicher Stimmen und die Hingabe und Ernsthaftigkeit, aber auch den Enthusiasmus der jungen Sängerinnen und Sänger, vorwiegend Student/innen und Absolvent/innen des Linzer Adalbert Stifter Gymnasiums, die höchsten Ansprüchen in Präzision und Perfektion gerecht werden. Stilsicher, facettenreich und detailgetreu, mit Klarheit und besonderer Klangschönheit der Frauen- und insbesondere auch der Jungmännerstimmen, widmen sie sich anspruchsvollen Chorsätzen unterschiedlicher Genres und Stilrichtungen aus verschiedenen Jahrhunderten. Sie spannen den Bogen von der Gregorianik, deren Spuren sich auch in anderen Kompositionen wiederfinden, vertreten durch den Gregorianischen Hymnus „O lux beata Trinitas“, über Hildegard von Bingen („Laus Trinitati“), Gesängen von Johannes Brahms („Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen“, Lasset uns unser Herz samt den Händen aufheben zu Gott“, „Siehe, wir preisen selig, die erduldet haben“, „Mit Fried und Freuds ich fahr dahin“), Felix Mendelssohn-Bartholdy („Psalm 43 Richte mich, Gott“), Max Reger („Morgengesang“) und Gustav Mahler/Clytus Gottwald mit dem, im 4. Satz seiner „2. Sinfonie“ von einer Altstimme gesungenen „Urlicht“ zu traditioneller englischer Chormusik des 16. Jahrhunderts von William Byrd (“Christe. Qui lux es et dlies“), Thomas Tallis („O nata lux de lumine“) und der neueren mit Edvard Elgar/John Cameron („Lux aeterna“ aus den „Enigma-Variationen“) und Colin Mawby (“Lumen Christi“), dem berühmtesten zeitgenössischen Komponisten sakraler Musik in England, ergänzt durch Chormusik des Norwegers Ola Gielo, der in “Northern Lights“ eine Assoziation zur überwältigenden Erscheinung des Naturphänomens Nordlicht herstellt, und des Amerikaners Eric Whitacre mit „Sante Chapelle“, einem Auftragswerk zum 40jährigen Bestehen des britischen Ensembles „Tallis Scholars“. Die Qualität der Wiedergabe ist bestechend. Alle Chorsätze werden a capella in sehr differenzierter Gestaltung und idealem Zusammenwirken der einzelnen Stimmgruppen gesungen. Das ausgewogene und geschmackvoll zusammengestellte Programm folgt nicht –wie allgemein üblich – der Chronologie, sondern ist sorgfältig nach inhaltlichen Gesichtspunkten und thematischen Zusammengängen ausgewählt und abgestimmt, wodurch die Aufmerksamkeit in einer sehr abwechslungsreichen und spannenden Folge auf jeden der einzelnen Chorsätze in seiner homogenen und differenzierten Klangwelt gelenkt wird. Ein sehr geschmackvoll gestaltetes Cover und kurze instruktive Texte des Begleitheftes unterstreichen den ansprechenden Charakter der CD – eine Empfehlung für sehr anspruchsvolle Liebhaber von Chormusik, aber auch unvoreingenommene Musikfreunde, die sich unkonventionell an Chormusik erfreuen.

Ingrid Gerk

Kontakt: Wolfgang Mayrhofer, Hauptstraße 35, 4040 Linz
wo.gmx.net

www.linzer-jeunessechor.at

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