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INFOS DES TAGES (DIENSTAG, 27. APRIL 2021)

27.04.2021 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (DIENSTAG, 27. APRIL 2021)

WIENER STAATSOPER: DER ONLINE-SPIELPLAN VOM 27. BIS 30. APRIL 2021

Die neue Streaming-Woche bringt mit Frank Castorfs Inszenierung von Gounods Faust am 29. April eine weitere Premiere direkt zu den Zuseher*innen nach Hause: Unter der musikalischen Leitung von Bertrand de Billy gibt Juan Diego Flórez sein szenisches Rollendebüt als Faust, Nicole Car verkörpert erstmals am Haus die Marguerite und Adam Palka und Étienne Dupuis geben als Méphistophélès bzw. Valentin ihre Staatsopern-Debüts.

WIEN/ Staatsoper: FIDELIOOnline Merker
Heute: Fidelio mit Klaus Florian Vogt und Anja Kampe. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Davor zeigt die Wiener Staatsoper Beethovens Fidelio aus 2016 u. a. mit Anja Kampe, Klaus Florian Vogt und Evgeny Nikitin, Dirigent: Peter Schneider (27. April); gefolgt von Wagners Tristan und Isolde aus 2015 mit Peter Seiffert und Iréne Theorin in den Titelrollen und ebenfalls Peter Schneider am Dirigentenpult (28. April). Mozarts Die Zauberflöte aus 2017 unter der musikalischen Leitung von Adam Fischer und u. a. mit Jörg Schneider, Olga Bezsmertna, Thomas Tatzl, Hila Fahima und René Pape steht am 30. April auf dem Online-Spielplan.

Alle angeführten Streams sind in Österreich wie auch international kostenlos auf der Webseite play.wiener-staatsoper.at verfügbar. Beginn ist jeweils um 19.00 Uhr (Ausnahme: Faust bereits um 18.00 Uhr), die Übertragungen sind 24 Stunden lang abzurufen.

Das Programm bis einschließlich 30. April 2021:

Dienstag, 27. April 2021, 19.00 Uhr
Ludwig van Beethoven
FIDELIO (Vorstellung vom 14. Jänner 2016)
Oper in zwei Akten
Musikalische Leitung: Peter Schneider
Inszenierung: Otto Schenk
Mit u.a.: Klaus Florian Vogt, Anja Kampe, Evgeny Nikitin, Stephen Milling, Valentina Nafornita

Mittwoch, 28. April 2021, 19.00 Uhr
Richard Wagner
TRISTAN UND ISOLDE (Vorstellung vom 18. Jänner 2015)
Handlung in drei Aufzügen
Musikalische Leitung: Peter Schneider
Inszenierung: David McVicar
Mit u.a.: Peter Seiffert, Iréne Theorin, Albert Dohmen, Tomasz Konieczny, Petra Lang

Donnerstag, 29. April 2021, 18.00 Uhr (LIVE)
Charles Gounod
FAUST
Opéra in fünf Akten
Musikalische Leitung: Bertrand de Billy
Inszenierung: Frank Castorf
Mit u.a.: Juan Diego Flórez, Nicole Car, Adam Palka, Étienne Dupuis

Freitag, 30. April 2021, 19.00 Uhr
Wolfgang Amadeus Mozart
DIE ZAUBERFLÖTE (Vorstellung vom 29. Dezember 2017)
Oper in zwei Akten
Musikalische Leitung: Adam Fischer
Inszenierung: Moshe Leiser, Patrice Caurier
Mit u.a.: Jörg Schneider, Olga Bezsmertna, Hila Fahima, Thomas Tatzl, René Pape

Änderungen vorbehalten.

Über den weitere Online-Spielplan informieren wir Sie zeitnah, nähere Informationen dazu auch laufend auf wiener-staatsoper.at.

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ZUM TOD VON CHRISTA LUDWIG

 

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Christa Ludwig –
das sind halt selige Erinnerungen!

Nachrufe haben es so in sich, dass man automatisch in der Kiste der Superlative wühlt, und das ist schade. Denn wenn man sie wirklich braucht, scheinen sie dann abgegriffen. Aber, wie mein Freund Heinz Schramm-Schiessl schreibt, Christa Ludwig war für Musikfreunde, die ein paar Jahrzehnte hinter sich haben, tatsächlich „eine der wichtigsten Sängerinnen, die praktisch mein ganzes bisheriges Musikleben begleitet hat“. Und obwohl sie keine Anbetung heischende Diva war, sondern immer die nüchterne, trocken humorige Berlinerin blieb, ging einem bei ihr das Herz auf. Oder gerade deshalb.

Ich verdanke meiner Bewunderung für sie viel, etwa die intime Kenntnis von Brünnhildens Schlussmonolog. Diesen hat sie – weil sie es auf der Bühne doch nicht wagte – auf einer Langspielplatte aufgenommen. Ich weiß nicht, wie oft ich diese gehört habe (bis ich sie mit meinen bescheidenen Mitteln „mitsingen“ konnte). Auf der anderen Plattenseite waren „Herr Kavalier!“ (wie souverän und vergnügt hat diese Annina getrickst und geschmeichelt!) und „Orest!“ mit Walter Berry. (Auf der Bühne war sie allerdings eine atemberaubende Klytämnestra. Mit Birgit und Leonie. Wir haben’s gehabt.)

Ich hatte übrigens das Glück, Christa Ludwig von Zeit zu Zeit für Interviews zu begegnen, und so erzählte sie mir ganz offen, dass die Ehe mit dem wunderbaren Berry an künstlerischen Konkurrenz-Gefühlen gescheitert ist… Zwei so große Sänger, die sich ja auch geliebt haben müssen – und waren eifersüchtig auf einander, fragten sich, wer den größeren Erfolg gehabt hätte….!

Paul-Emile Deiber hat hingegen wunderbar zu ihr gepasst. Seine größte Leistung bestand darin, mit ihr nach Klosterneuburg zu ziehen. „Wir haben in Südfrankreich gelebt“, hat mir Christa Ludwig erzählt, „und ich bin dort die Wände hoch gegangen“. Deiber war bereit, „seine“ französische Welt hinter sich zu lassen und sich mit ihr in die Nähe von Wien zu begeben, wo sie „mit einen Sprung“ in der Oper war, was sie weidlich ausgenützt hat… Ein nettes Erlebnis – ich saß mit Christa Ludwig im Kaffeehaus, Deiber kam sie abholen, sie gab ihm ein Zeichen, dass er unsere Rechnung bezahlen sollte. „Dafür sind Männer da“, meinte sie.

Christa Ludwig hat übrigens die Nach-Karriere-Zeit durchaus genossen, ihr war kein Boden unter den Füßen weg gezogen worden. So erzählte sie mir, wie angenehm das Leben geworden sei, seitdem sie nicht jeden Morgen ihre Stimme befragen musste, wie es ihr denn ginge – die wahre Erleichterung nach einem Leben von eiserner Disziplin, ohne die eine solche Karriere nicht möglich gewesen wäre.

Ich bin Christa Ludwig noch öfter in der Oper begegnet, sie war von unersättlicher Neugierde darauf, was die anderen machten. Ich habe sie in der Pause immer angesprochen, und sie war immer bereit, sich ganz offen zu unterhalten.

Es war bei einem „Tristan“, und die Vergangenheit holte mich ein. „Niemand hat die Habet acht-Rufe so unvergleichlich gesungen wie Sie 1972 in Salzburg“, sagte ich ihr. „Ja“, erwiderte Christa Ludwig, „aber ich hatte auch Karajan als Dirigenten…“

Sie und die Großen, ihre Ortrud mit Böhm, ihre Marschallin mit Bernstein, die Venus, die „halbe“ Kundry mit Karajan (der hatte ja verrückterweise die Rolle zwischen ihr und Elisabeth Höngen geteilt), und was soll ich noch aufzählen? Aus meinem Erinnerungskasten fällt die Empörung, als Karl Löbl ihr zu sagen wagte, sie sei „keine Carmen“ (und wir am Stehplatz flüsternd diskutierten, ob sie eine sei…). Wie habe ich über ihre Dorabella gelacht! (Damals war „Cosi“ noch kein Trauerweiden-Stück mit lauter bösen Menschen.) Und ihr „Reverenza“ in Karajans „Falstaff“?!!!! Von der Spitzbübin zur Tragödin spielte sie die Klaviatur ihres Könnens souverän auf und ab.  In ihre Leonore unter Karajan habe ich mich einst verliebt, ihre Lady Macbeth und ihre „Tri karti“-Gräfin verursachten mir Gänsehaut. Und ihre Wozzeck-Marie neben Berry? Wie konnten sie eifersüchtig auf einander sein, waren sie doch beide so grandios? Das sind halt selige Erinnerungen der Opernfreunde…

Was immer sie tat – sie war die Ludwig. Wir haben sie geliebt. Aus vollem Herzen. Ohne Einschränkung. In ihrer Welt eine der Größten. Vielfach die Größte. Mir fehlen die Worte.

Renate Wagner

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Die „Oscars“ 2021 –
die Welt ist nicht mehr weiß

oscar

Die Welt sei nicht mehr „weiß“, wurde von der gewaltigen Bewegung der „Political Correctness“ beschlossen, Nun, beschließen kann man manches – aber sie haben es auch durchgesetzt. Wogegen man von Rechts wegen nichts sagen kann. Zumal in den USA sind Schwarze, Latinos und Asiaten, die ihren großen Anteil an dieser Nation stellen, zu lange in die zweite oder dritte Reihe gestellt worden. Man versteht schon, dass da Änderungsbedarf besteht.

Andererseits muss man nicht übertreiben – „PoC“, People of Color, wie man nun korrekt anstelle von „Farbige“ sagt, konnten in Amerika Präsident werden, in Großbritannien der erfolgreichste Rennfahrer der Welt, weiters (und sie ist eine Frau, auch den Unterdrückten zuzuzählen) die erfolgreichste Moderatorin des US-Fernsehens, ja, und in die königliche Familie Großbritanniens haben PoCs auch hineingeheiratet. (Ja, ich weiß, ich weiß, was dazu zu sagen ist – aber „Duchess of Sussex“ ist sie, und dazu muss die Queen ja gesagt haben.)

Im amerikanischen Filmgeschäft haben sich „schwarze“ Künstler und vor allem „schwarze Themen“ immer mehr Raum erobert. Wenn sie nicht ausreichend vertreten waren (etwa bei früheren „Oscar“-Verleihungen), gingen die Wogen hoch. Von dem Radau, mit dem Denkmäler gestürzt wurden, weil man Vergangenheit, die man plötzlich als „böse“ anklagt, posthum ächten will, möchte ich gar nicht reden…

Zum Oscar-Bericht von Renate Wagner

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LINZ/ LANDESTHEATER: FREITAG IN ORF III: DERBÖSEGEISTLUMPAZIVAGABUNDUS ODER DAS LIEDERLICHE KLEEBLATT
ZAUBERPOSSE MIT GESANG IN DREI AUFZÜGENVON JOHANN NESTROY

Reihe „Wir spielen für Österreich“

Premiere am Freitag, 30. April 2021 um 22.35 Uhr | ORF III (im Rahmen der ORF-III-Reihe „Wir spielen für Österreich“)

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Copyright: Herwig Prammer/ Linzer Landestheater

Inszenierung Georg Schmiedleitner
Bühne Harald B. Thor
Kostüme Cornelia Kraske
Musik Joachim Werner
Dramaturgie Franz Huber

Stellaris, Feenkönig / Pantsch, Wirt und Herbergsvater in Ulm / Strudl, Gastwirt „Zum Goldenen Nockerl“ in Wien /
Hackauf, Fleischermeister in Prag: Lutz Zeidler

Fortuna, Beherrscherin des Glücks, eine mächtige Fee / Gertraud, Haushälterin in Hobelmanns Hause / Camilla, Tochter von Signora Palpiti: Angela Waidmann

Brilliantine, Tochter von Fortuna / Peppi, Tochter des Hobelmann / Laura, Tochter von Signora Palpiti Lorena:  Emmi Mayer

Stellaris, Feenkönig / Amorosa, eine mächtige Fee, Beschützerin der wahren Liebe / Anastasia Hobelmann, Nichte von Hobelmann /
Signora Palpiti:  Eva-Maria Aichner

Mystifax, ein alter Zauberer / Hobelmann, Tischlermeister in Wien:  Horst Heiss

Hilaris, Sohn von Mystifax / Fassel, Oberknecht in einem Brauhause / Maler / Fotograf (Prag):  Jakob Kajetan Hofbauer

Lumpazivagabundus, ein böser Geist / Handwerksbursch / Hausierer / Der Fremde (Hobelmann) / Herr von Windwachel / Wirtin, in einer Dorfschenke unweit von Wien:  Theresa Palfi

Leim, ein Tischlergesell Daniel Klausner
Zwirn, ein Schneidergesell Jan Nikolaus Cerha
Knieriem, ein Schustergesell Julian Sigl
Nannette, Tochter des Wirts / Sepherl, Kellnerin
Hannerl, Kellnerin /Reserl, Magd im Hause Hobelmann: Sophie Kirsch
Geselle / Zimmermann /  Bedienter / Herr von Lüftig: Lukas Franke

ZUM STÜCK
Den bösen Geist Lumpazivagabundus will man verbannen, weil er die Söhne zu einem liederlichen Leben verführt. Die Glücksgöttin Fortuna macht ihre Zustimmung dazu vom Ausgang einer Wette mit der Fee Amorosa, der Göttin der Liebe, abhängig: Wenn von drei Handwerksburschen, die mit Reichtum überschüttet werden, nur einer vernünftig und durch die Liebe gebessert wird, dann hat die Göttin der Liebe die Wette gewonnen.
Die drei Auserwählten sind herumziehende Handwerksburschen: der Tischler Leim, der an einer unglücklichen Liebe leidet, der trinkfreudige Schuster Knieriem und der Schneider Zwirn. Ein Los beschert ihnen 100.000 Taler, die sie teilen. Sie versprechen einander, sich nach einem Jahr wieder zu treffen und zu  sehen, was jeder aus seinem Glück gemacht hat. Schneider Zwirn entwickelt sich zum leichtsinnigen  Weiberhelden, Schuster Knieriem gibt sich dem Trunke hin, aber der Tischler Leim wird vernünftig und kehrt zu seiner geliebten Peppi zurück. Somit hat Amorosa die Wette gewonnen und letztlich werden auch noch Zwirn und Knieriem durch die Macht der Liebe zu glücklichen Familienvätern
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Las Palmas/Gran Canaria: Interview mit María José Siri, Sopran – März 2021

Klaus Billand: Anlässlich des Auftritts von María José Siri als Adriana Lecouvreur im Auditorium Alfredo Kraus von Las Palmas auf Gran Canaria, bekam ich vom Veranstalter, den Amigos Canarios de la Ópera, die Anfrage, die Sopranistin zu interviewen. Das geschah wegen der Pandemie mit eingereichten Fragen.

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Maria José Siri. Foto: Agentur

ZUM INTERVIEW
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Sommerspiele Schloss Sitzenberg im Tullnerfeld: Hin & HerPosse mit Gesang von Ödön von Horváth

  1. bis 27. Juni 2021

 

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Copyright: Anna Zehetgruber

Intendant Martin Gesslbauer und sein Team sind bereit, den Startschuss für den niederösterreichischen Theatersommer zu geben: Nach einjähriger Corona-Pause soll ab 4. Juni Ödön von Horváths groteske Posse „Hin und Her“ auf der Bühne der Sommerspiele Schloss Sitzenberg gezeigt werden. Das vielfach unterschätzte und selten gespielte Stück um den staatenlosen Ferdinand Havlicek, der in keinem Land willkommen ist und im Niemandsland umherirrt, ist heute genauso aktuell wie zu seiner Entstehungszeit Anfang der 1930-er Jahre. Der zauberhafte Arkadenhof von Schloss Sitzenberg im Tullnerfeld hält damit 2021 wieder ein Stück Weltliteratur, Charaktere mit Tiefgang und ein hochkarätiges Ensemble bereit. Gespielt wird bis 27. Juni, selbstverständlich unter Einhaltung aller COVID-Sicherheitsbestimmungen.

Ödön von Horváths Stück „Hin und Her“ war bei den Sommerspielen Schloss Sitzenberg bereits für den Juni 2020 geplant worden, musste aufgrund der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie allerdings in die Spielzeit 2021 verschoben werden. „Die seit Herbst 2020 erneut extrem angespannte Lage und die über Monate fehlende Perspektive für Kulturveranstaltungen haben die Vorbereitungen für uns natürlich sehr schwierig gemacht. Aber wir haben das Festival bestmöglich auf einen sicheren Ablauf und kommende Abstandsregeln im Zuschauerbereich vorbereitet. Welche Sicherheitsbestimmungen der Juni auch bringen mag, wir freuen uns in jedem Fall, unserem Publikum endlich wieder zauberhafte Theaterabende zu servieren.“, betont Intendant Martin Gesslbauer und führt aus: „In jedem Fall werden unsere „Hin und Her“-Vorstellungen in dieser Saison zum Schutz der Gäste ausschließlich im Schlosshof und somit outdoor stattfinden. Permanente Frischluftzufuhr ist damit garantiert, aber wir bitten angesichts der besonderen Umstände um Verständnis, dass wir ohne Ausweichquartier heuer besonders bemüht sind, die Vorstellungen auch bei unbeständiger Witterung durchzuführen.“

Heimatlos zwischen den Grenzen

„Hin und Her“ von Ödön von Horváth handelt an einem unbedeutenden Grenzübergang, irgendwo mitten in Europa. Zwei Länder, getrennt und verbunden durch eine kleine Brücke im Niemandsland. Ein „unerwünschter“ Ausländer soll abgeschoben werden, ganz freundlich und ohne unnötige Gewalt. Nur die andere Seite will ihn auch nicht haben – sehr bedauerlich, der Pass ist bereits verfallen… Also beginnt für den abgeschobenen Ferdinand Havlicek ein mühsames Hin und Her, ein bizarres Leben im Transit, in dem man als Zuschauer den typisch abgründigen Horváth-Biedermännern und -frauen begegnet. Havlicek muss schließlich klarstellen, dass er ein Mensch und kein Amtsvorgang ist. So rückt so etwas wie ein Happy End in Griffweite.

Für die Inszenierung des Stoffes zeichnet die niederösterreichische Regisseurin und Schauspielerin Anke Zisak verantwortlich. In ihrer Regiearbeit geht sie der Frage nach, wo der Mensch mit Grenzen konfrontiert ist: „Grenzen können Halt und Sicherheit geben, aber sie können auch belasten und Leben zerstören. Bestimmte Grenzen muss man setzen und akzeptieren, andere muss man überwinden. Es ist hochspannend, wie unterschiedlich die Figuren in Horváths Stück mit dem Thema umgehen.“, betont Zisak und führt aus: „Das Stück wirft nicht nur Fragen zu Grenzen im geografischen Sinn auf. Es geht auch um politische und administrative, wirtschaftliche, soziale und gesellschaftliche, aber auch um ganz persönliche Grenzen im Denken und Handeln. Die Unterschiede auf den jeweiligen Seiten einer Grenze herauszuarbeiten, aber zugleich auch das Verbindende sichtbar und begreifbar zu machen, ist einer der Ansprüche unserer Produktion. Die Pandemie hat unserer Gesellschaft völlig neue Grenzen aufgezeigt: Grenzen der Belastbarkeit unseres Gesundheitssystems, unserer Gesetzte sowie Grenzen der psychischen Belastbarkeit jedes einzelnen. Wie viel ist man bereit, für das Allgemeinwohl zurück zu stecken? Das ist nur eine der spannenden Fragen, die dadurch aufgeworfen wurden und – wie wir gesehen haben – recht unterschiedlich beantwortet werden.“

Multiplayer-Ensemble analog zur Planung 2020

„Glücklicherweise konnten wir das wunderbare Ensemble, das Horváths Charaktere eigentlich schon im Vorjahr verkörpern hätte sollen, heuer eins zu eins neuerlich verpflichten. Angeführt wird unser Hin und Her-Team von Michael Duregger als Havlicek und Michaela Ehrenstein, die frühere Intendantin der Sommerspiele Schloss Sitzenberg, in der Rolle der Frau Hanusch.“, so Intendant Martin Gesslbauer. An ihrer Seite sind unter anderem Ben Marecek, Sohn von Heinz Marecek, als Konstantin und Anne-Sophie König als Eva zu erleben. In Zeiten der Pandemie steht natürlich vor allem auch innerhalb des Teams der Gesundheitsschutz an erster Stelle, wie Gesslbauer betont: „Schauspielerinnen und Schauspieler können bei der Ausübung ihres Berufs keine Maske tragen. Umso wichtiger ist eine gute Teststrategie. Wir werden daher vor den Proben als auch vor den Aufführungen regelmäßig testen, um so viel Sicherheit als möglich zu gewährleisten.“

Wie Anke Zisak verrät, bietet die diesjährige Produktion aber noch andere Herausforderungen:

„Eine besondere Angelegenheit bei unserer Produktion wird die Abstimmung zwischen Kostüm, Maske und den Schauspielrinnen und Schauspielern. Denn Horváths Stück hält viele kleinere Rollen bereit, sodass es in unserem Ensemble teils zu Doppel- bzw. Dreifachbesetzungen kommt. Angela Schneider und Reinhard Hauser werden als unsere Multiplayer in vielen verschiedenen Rollen im Dauereinsatz sein.“

Die Liedtexte von Ödön von Horváth wurden für die Sitzenberger Inszenierung adaptiert und von Heinz Jiras neu vertont. Als Spielort für Horváths Charaktere hat Martin Gesslbauer ein Bühnenbild konzipiert, das die Grenzthematik ganz in den Mittelpunkt rückt. „Schloss Sitzenberg bietet mit seinem Arkadenhof ein atemberaubendes Ambiente, das es für Regisseur und Bühnenbildner allerdings zu einer großen Herausforderung macht, Zuschauer in ein tristes Nirgendwo zu entführen. Sommertheater haben aufgrund der fehlenden Guckkastenbühne meist nur einen begrenzten Gestaltungsspielraum und das Licht kann erst nach Einbruch der Dunkelheut effektvoll eingesetzt werden. Umso glücklicher bin ich mit dem stimmungsvollen Bühnenbild, das Martin Gesslbauer für Sitzenberg entworfen hat. Es bieten die Möglichkeit, drei Spielorte gleichzeitig zu bestaunen.“, verrät Anke Zisak.

Gefährliches Hin und Her im realen Leben Horváths

Eine groteske Parallele zum Inhalt von „Hin und Her“ gibt es im realen Leben des Autors: Als Ödön von Horvaths Posse 1934 am Zürcher Schauspielhaus uraufgeführt wurde, war der Autor bereits von den Nazis aus Deutschland vertrieben worden. Kurz vor der Premiere musste er noch schnell für einen Tag nach Ungarn, weil er erfahren hatte, dass sein Pass und seine Staatsbürgerschaft verfallen worden wären und man ihn als staatenlos abgeschoben hätte. Doch die Ausreise selbst war mit großer Gefahr verbunden. Denn: Ohne neuen Pass, kein neues Visum und somit keine Rückkehrmöglichkeit in die Schweiz… Nur knapp entging er dem Schicksal seiner eigenen Hauptfigur.

 Es spielen

Michael Duregger (Havlicek), Michaela Ehrenstein (Frau Hanusch), Ben Marecek (Konstantin), Anne-Sophie König (Eva), Gerhard Karzel (Thomas Szamek), Christian Rovny (Mrschitzka), Angela Schneider (mehrere Rollen), Reinhard Hauser (mehrere Rollen), Anton Öllerer (Schmuggler)

Spieltermine

PREMIERE: Fr. 4.6.2021 – 19:00 Uhr

SPIELTERMINE:

Sa. 5.6.2021 | So. 6.6. 2021

Fr. 11.6. 2021 | Sa. 12.6. 2021 | So. 13.6. 2021

Fr. 18.6. 2021 | Sa. 19.6. 2021 | So. 20.6. 2021

Fr. 25.6. 2021 | Sa. 26.6. 2021 | So. 27.6. 2021

 BEGINN

Fr. – Sa. 19:30 Uhr, So. & Feiertag 17:30 Uhr

Aufgrund der Corona-Pandemie finden alle Vorstellungen 2021 ausnahmslos im Schlosshof statt. Es wird daher die Mitnahme von entsprechend warmer, regenfester und funktioneller Kleidung empfohlen.

Karten & Informationen

Kat. 1: 44,- €, Kat. 2: 39,- €, Kat. 3: 31,- €

E: karten@schloss-sitzenberg.at / W: www.schloss-sitzenberg.at

Tel. Kartenverkauf: 0664 94 90 803
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BUCHEMPFEHLUNG: Hans-Otto Thomashoff – Mehr Hirn in die Politik

Gegen Unzufriedenheit, Polarisierung und Spaltung – Mit den Erkenntnissen der Hirnforschung für eine bessere Politik
Originalausgabe
224 Seiten, Paperback, Klappenbroschur
ISBN 978-3-424-20230-4
€ 18,00 [D] / € 18,50 [A] / CHF 25,90* (*UVP)
Erscheinungstermin: 26. April 2021

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„Wer Politikversagen und Politikverdruss verstehen will, kommt an den Erkenntnissen der Hirnforschung nicht vorbei.“ Hans-Otto ThomashoffPlädoyer für eine gehirngerechte Politik

Wutbürger, Populismus und Protest: Viele Menschen haben das Gefühl, von den politischen Akteuren nicht gehört und nicht ernst genommen zu werden. Doch welche Ursachen liegen diesem weit verbreiteten Empfinden zugrunde? Und was könnte oder vielmehr müsste konkret getan werden, um Politik und Gesellschaft wieder in Übereinstimmung zu bringen?

Der Psychiater und Autor Hans-Otto Thomashoff gibt auf diese Fragen Antworten, indem er die Erkenntnisse der Neurowissenschaften mit der politischen Praxis verknüpft. Seine These: Die Politik ignoriert, wie das menschliche Gehirn arbeitet, sie ignoriert, nach welchen Regeln die Psyche ihre Entscheidungsprozesse organisiert, und sie ignoriert die natürlichen Grundbedürfnisse, die unser Handeln leiten, und bei deren Missachtung Unzufriedenheit entsteht. Sein Buch ist ein Plädoyer für einen grundlegenden Neustart in Politik und Gesellschaft, der die mündigen Bürger aktiv an politischer Gestaltung beteiligt. Das setzt die Bereitschaft zur aktiven Teilnahme voraus und auf allen Seiten – Politik wie Bürger – (psychologische) Bildung und Wissen als Grundlage politischer Entscheidungskompetenz.

Was wir Menschen brauchen, um uns zufrieden zu fühlen, hat die Hirnforschung längst herausgearbeitet: Bindung, Selbstwirksamkeit, ein erträgliches Maß an Stress und Stimmigkeit. Die Politik sollte diese Ziele zum selbstverständlichen Ziel ihres Handelns erklären. Stattdessen werden politische Entscheidungen ohne langfristige Perspektive getroffen als Reaktion auf äußere Sachzwänge. Die Politik handelt nicht gezielt, sondern sie reagiert nur, um den Status quo aufrechtzuerhalten: Klimakrise, Staatshaushalt, Rentensicherung, Zukunft der Wirtschaft, Bildung, Corona.

Dazu kommen die Politiker selbst und ihre Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Zu viele von ihnen verfangen sich in den Verlockungen ihres Amtes und inszenieren vor allem sich selbst. Darin zeigt sich eine der Schwächen der parlamentarischen Demokratie. Die Unzufriedenheit der Bürger wächst und macht sie als Wähler empfänglich für das vereinfachte Schwarz-Weiß-Denken von Parteien jenseits des demokratischen Randes. Die Corona-Krise und ihre Folgen beschleunigen diesen Trend weiter.

Thomashoffs Analyse ist grundlegend neu. Sie zeigt, welch revolutionär anderen Blick uns die Hirnforschung auf die Triebkräfte historischer Prozesse und politischen Handelns ermöglicht. Auf ihrer Basis entwickelt er Ansätze für eine neue Politik, die darauf ausgerichtet ist, unser Gehirn langfristig zufrieden zu machen. Für den erfolgreichen Staat der Zukunft fordert er: direkte demokratische Mitbestimmung, Transparenz, regionale Eigenständigkeit und konstruktive Konfliktlösung.

Thomashoff ist überzeugt: Wir haben es in der Hand, unsere Zukunft besser und glücklicher zu gestalten. Wir müssen „gehirngerecht“ handeln, um uns verantwortungsvoll der Aufgabe zu stellen, eine Weltgemeinschaft mündiger Bürger zu schaffen.

Aus dem Inhalt: +++ Politik als Geisel des Aktionismus +++ Was die Hirnforschung von der Politik fordert: Bindung, Wirkmächtigkeit, Stressbegrenzung und Stimmigkeit +++ Die erwachsene Gesellschaft +++ Schwachstellen unserer Psyche als Gefahr für unsere Demokratie: Selbstverstärkung, Gefühl versus Verstand, Priming und Manipulation, Gefahr der Masse, Spaltung, Radikalisierung
+++ Persönlichkeitsanforderungen an Politiker +++ Mehr direkte Demokratie wagen +++

Hans-Otto Thomashoff ist Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychoanalyse
in eigener Praxis in Wien sowie promovierter Kunsthistoriker und Naturfotograf. Er ist Ehrenmitglied des Weltpsychiatrieverbandes, Aufsichtsratsmitglied in der Sigmund-Freud-Privatstiftung und Mitglied des internationalen P.E.N-Clubs. Außerdem ist er Autor zahlreicher Sachbücher und Fachpublikationen.
www.thomashoff.de – Anfragen Interviews und Vorträge bitte an: dr@thomashoff.de
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