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INFOS DES TAGES (1. SEPTEMBER 2020)

01.09.2020 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (1. SEPTEMBER 2020)

BAYERISCHE STAATSOPER: IM LETZTEN MOMENT DOCH 500 ZUSCHAUER ERLAUBT

Vorverkauf zusätzlicher Tickets

7 Deaths of Maria Callas Uraufführung!
Di, 1. September 2020, 20.00 Uhr

Der Direktverkauf der zusätzlichen Tickets beginnt am 1. September 2020, ab 10 Uhr online über den Spielplan sowie via Telefon und Schalter.
Plätze nebeneinander können nur per Telefon gebucht werden.

Alle weiteren Vorstellungen im September
Der Verkauf der zusätzlichen Karten für alle Vorstellungen im September startet voraussichtlich am 2. September 2020, ab 10 Uhr online über den Spielplan sowie via Telefon und Schalter.

Jetzt doch: Staatsregierung erlaubt 500 Zuschauer in der Staatsoper
Münchner Abendzeitung
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ZÜRICH: «OPER FÜR ALLE» – DIGITAL: DREI KOSTENLOSE LIVE-STREAMINGS AN EINEM WOCHENENDE

Nach der Corona bedingten schmerzlichen Absage von «oper für alle» im Juni 2020, freuen wir uns sehr bekannt geben zu können, dass dieses beliebte Format vom 25. bis 27. September 2020 seine digitale Fortsetzung findet. Dank der grosszügigen und treuen Unterstützung der Zürich Versicherung, ist es möglich, diese liebgewonnene Tradition zu bewahren und an einem Wochenende drei hochkarätig besetzte Produktionen des Opernhauses Zürich live und kostenlos als Onlinestreaming weltweit anzubieten.

Den Auftakt des Streaming-Wochenendes macht am Freitag, 25. September, 19 Uhr die Premiere von Emmerich Kálmáns Operette «Die Csárdásfürstin». Am Samstag, 26. September, 18:30 Uhr folgt die Live-Übertragung der grossformatigen Neuproduktion «Boris Godunow» von Modest Mussorgski und am Sonntag, 27. September, 20 Uhr wird die Wiederaufnahme der Erfolgsproduktion «Maria Stuarda» von Gaetano Donizetti zu sehen sein.

Alle drei Streamings sind ab Vorstellungsbeginn für jeweils 48 Stunden online auf der Homepage des Opernhauses abrufbar. Dies gibt auch Menschen, die aus verschiedenen Gründen keine Möglichkeit haben persönlich ins Opernhaus zu kommen, die Gelegenheit live dabei zu sein. Zusätzlich zu den Übertragungen werden Backstage-Einblicke und Künstlerinterviews jeden Abend abrunden.

Die Aufführungen werden mit dem für das Opernhaus Zürich entwickelten Spielmodell durchgeführt. Unter Einhaltung der Abstandsregeln werden das voll besetzte Orchester und der Chor aus einem externen Probensaal live in das Opernhaus übertragen. Dies ist in erst-klassiger akustischer Qualität und ohne Zeitverzögerungen möglich. Die Gesangssolisten agieren live auf der Bühne.

Höchst aktuell dienen in der «Csárdásfürstin» die Liebe und das Feiern des Lebens als Rettungsanker vor einer drohenden Katastrophe. Die Feierlaune der Protagonisten um den Showstar Sylva Varescu (Annette Dasch) und den osteuropäischen Industriellensohn und Yachtbesitzer Edwin (Pavol Breslik), scheint sich immer über einem drohenden Abgrund zu bewegen. Auf dem Vulkan tanzen sie unter der musikalischen Leitung des 30-jährigen Schweizer Dirigenten Lorenzo Viotti und des schauspielerfahrenen deutschen Regisseurs Jan Philipp Gloger.

Modest Mussorgski entwirft mit «Boris Godunow» das faszinierende Psychogramm eines isolierten Herrschers, der zwischen Machterhalt, Machtgewinn, aber auch Skrupeln und Selbstzweifeln zerrissen ist und letztlich verrückt wird. Der Regisseur dieser ersten Neupro-duktion in der Saison 20/21 ist Barrie Kosky. Die exquisite Besetzung führt der gefeierte Bariton Michael Volle an, der nach seinem Nabucco ein weiteres wichtiges Rollendebüt am Opernhaus Zürich geben wird.

Im Mittelpunkt der Donizetti Oper «Maria Stuarda» steht eine hitzige Auseinandersetzung der schottischen Königin mit der englischen Königin Elisabeth I.. Der Kampf der Rivalinnen um den Thron und einen Mann mit der Starsopranistin Diana Damrau in der Titelpartie bildet den Abschluss des Streaming-Wochenendes. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Enrique Mazzola.

Der Online-Spielplan «Heimspiel» des Opernhauses Zürich erreichte zwischen März und Juni 2020 rund 200‘000 Menschen weltweit. Seit 2014 zieht «oper für alle» jährlich rund 15‘000 Besucherinnen und Besucher zu einer Live-Übertragung einer Aufführung aus dem Opern-haus auf den Zürcher Sechseläutenplatz. Diese beiden erfolgreichen Formate finden nun zusammen und erreichen gemeinsam eine neue Dimension. 

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INSTAG(K)RAMEREIEN – gefunden von Fritz Krammer

GRAFENEGG – Scappucci, Eyvazov Netrebko. Fotos und Videos vom 30.8.

ZU INSTAGRAM mit weiteren Fotos und zwei Kurzvideos

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Interview aus 1979: Edita Gruberova und Lucia Popp bei Heinz Fischer-Karwin

ZU INSTAGRAM MIT INTERVIEW AUS 1979

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Interview mit Marcus Merkel, Kapellmeister an der Oper Graz – August 2020


Marcus Merkel. Foto: Photowerk

Schon bei seinem Besuch in Wien hatte ich die Gelegenheit, das musikalische Großtalent Marcus Merkel zu interviewen, der bereits seit 2015 Kapellmeister an der Grazer Oper unter Chefdirigentin Lyniv ist, die das Haus bekanntlich gerade verlassen hat. Marcus, erst 29 Jahre alt, war mir schon bei zwei kleinen Wagner-Produktionen in der Porzellanfabrik Bayreuth am Rande des berühmten Grünen Hügels aufgefallen. Hier begleitete er mit dem Klavier 2014 eindrucksvoll souverän eine dreistündige Kammerfassung von Richard Wagners „Parsifal“ für vier Sänger der Opernkompagnie „Opernleben“ und 2019 den 1. Aufzug der „Walküre“ mit der ­­­­­­­­Kompanie „freebirdopera“, die beide große Erfolge feiern konnten.

  1. Sein Werdegang

Marcus Merkel, der im Jahr 1991 in Berlin, also nur ein Jahr nach dem Fall der Mauer, geboren wurde und aufgewachsen ist, agiert nicht nur als Dirigent, sondern auch als Pianist auf der Bühne und ist nebenbei auch noch Komponist. Mit seinen Werken gewann er mehrfach Wettbewerbe wie den deutschen Bundeswettbewerb Komposition. Im Jahre 2013 gründete er die Junge Philharmonie Berlin und ist seither deren künstlerischer Leiter. Gastspiele führten ihn bereits nach Kyoto, Amsterdam, Rostock und in der Saison 2018/19 nach Ägypten, England und Österreich…

ZUM INTERVIEW mit Dr. Klaus Billand
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RIOM, MULEGNS, JULIERTURM (Surses/Graubünden/Schweiz) ORIGEN FESTIVAL

vom 15. bis 20.8.2020


Temporäre Theaterarchitektur in den Bergen. Foto: Christian Brandstätter

Riom, Mulegns, Savognin, das sagt ihnen alles nichts? Zerknirschen Sie sich nicht ! Selbst Schweizern sind diese entlegenen Bergdörfer im entlegenen Surses-Tal im auch schon ziemlich  entlegenen Kanton Graubünden nicht wirklich ein Begriff. Und dennoch findet hier, in dieser entrischen (und auch schwer zu erreichenden) Weltgegend eines der interesssanten, einzigartigsten und ungewöhnlichsten Festivals statt, die es in Europa gibt.

Wie das kam? Schuld daran ist ausschliesslich Giovanni Netzer (nicht verwandt mit dem Fussballer). Der aus Savognin gebürtige ging nach München, um Theologie zu studieren, wurde  aber von niemand Geringeren als August Everding zu seiner Theaterleidenschaft „angefixt“, die bis heute ungebrochen andauert.

Entgegen vieler seiner Kollegen beschloss der theologische Theatermacher jedoch, keine internationale Regisseurskarriere anzustreben und n i c h t in die Emigration zu gehen(die hier eine jahrhundertelange Tradition hat) sondern dazubleiben und seine Fähigkeiten in den Dienst seiner engeren Heimat zu stellen.

Und also gründete Giovanni Netzer das ORIGEN FESTIVAL. Origen bedeutet in einem der fünf rätoromanischen Idiome (für deren Erhaltung Giovanni vehement eintritt): Ursprung, Anfang, Schöpfung.

In den 15 Jahren seines Bestehens hat sich das Festival einen exzellenten Ruf erarbeitet. Grossen Anteil daran hatten die von Giovanni selbst (ja, Architekt ist der Allrounder auch noch) gestalteten, streng minmalistischen, temporären Theaterbauten: in der Schneelandschaft, am Staudamm, am Julierpass. Besonders letztere, fünfeckige, rotangestrichene Holzkonstruktion hat es den Architekturkritikern aus der ganzen Welt total angetan, die ob der vielen historischen Bezüge in regelrechtes Entzücken und diverseste Interpretationsorgien („der Schweizer Turmbau zu Babel“) ausbrachen. Der wirklich eindrucksvolle rote Turm direkt am Julierpass darf zwar noch drei Jahre provisorisch stehen bleiben, konnte aber heuer wegen des C-Wortes leider nicht bespielt werden.


Der rote Turm am Julierpass. Foto: Christian Brandstätter

Netzer, dem das Wort Aufgeben fremd ist, konzentrierte stattdessen das Festspielgeschehen im Stammsitz, der mittelalterlichen Burg Riom und präsentierte dort eine hochkarätige Schau von acht internationalen Balletkreationen: von Craig Davidson, Kristian Lever, Luca-Andrea Tessarini, Eno Peçi, Dustin Klein, Sébastien Bertaud und Juliano Nunes.


Im inneren der Burg. Foto: Benjamin Hofer

Aber das unermüdliche Wirken Netzers beschränkt sich nicht auf das Produzieren von Theaterspekatakeln, er hat viel mehr eine umfangreiche sozio-ökonomische Agenda, die er mithilfe der Origen-Stiftung auch erfolgreich in die Tat umsetzt.

Das Bündner Land hat, wie schon erwähnt, eine lang zurückreichende Emigrationsgeschichte. Die meisten Bündner brachten es interessanterweise im Ausland als Zuckerbäcker zu Ruhm, Ansehen und Reichtum – von Paris über Bordeaux, Sankt Petersburg, Amsterdam bis Chicago.

Sentimental, wie sie nun einmal waren, kehrten sie dann im Alter mit dem erworbenen Vermögen in die heimatlichen Bergtäler zurück und errichteten hier prächtige, (in dieser Umgebung) riesige, im französischen Stil gehaltene Palazzi und Villen. Diese standen dann oft jahrelang leer, bevor der umtriebige Giovanni kam und sie rettete, in dem er sie neuen Bestimmungen zuführte. Das Palais der Familie Carisch wurde zum „Pop-up“ – Café Carisch, das prächtige Patrizierhaus am Riomschen Hauptplatz vis-à-vis der Kirche zum „Pop-Up“ – Hotel Frisch.

Auch den Nachbarort, das 15-Seelen-Dorf Mulegns liess Meister Netzer nicht links liegen. Das einst legendäre Posthotel zum Löwen (Albert Schweizer und die Königin von England pflegten hier abzusteigen) erwarb er mit seiner Stiftung und wird es in den nächsten Jahren behutsam renovieren und in eine Kreuzung aus Hotel und Kulturzentrum verwandeln.

Der grösste Coup jedoch gelang Giovanni N. mit der neben dem Hotel gelegenen sogenannten „Weissen Villa“, ebenfalls ein Zuckerbäckerfamilienvermächtnis. Dieser wunderbare Bau der Familie Jeghers (innen mit kostbaren Pariser Seidentapeten ausgekleidet) stand an einem Engpass im Dorf jahrzehntelang dem LKW-Schwerverkehr dermaßen im Wege, dass es schon mehrmals fast zu einem (zumindest teilweisen) Abriss gekommen wäre. Da hatten die Verkehrsbarbaren aber die Rechnung ohne den Hl.Giovanni gemacht, der sich ihnen unerschrocken in den Wegstelle, auch diesen Prachtbau erwarb und mithilfe einer auf derlei Aktionen spezialisierten Schweizer Ingenieursfirma deren „Verschiebung“ um 10 Meter weiter weg von dem Flaschenhals plante.


Die Verschiebung der singenden Villa. Foto: Benjamin Hofer

Als krönender Abschluss des heurigen Festivals war es dann soweit: die Villa „migrierte“ in der Nacht an ihren neuen Bestimmungsort. Aber Giovanni wäre nicht Giovanni, wenn er das Ganze sang-und klanglos den Technikern überlassen hätte. Während der ca. dreistündigen total lautlosen und erschütterungsfreien Verschiebung hatte er in der attraktiv beleuchteten Villa vielmehr vier Sänger/innen platziert (darunter den österreichischen Tenor Martin Mairinger), die während der „Migration“ des Hauses sehr melancholische Sehnsuchtslieder der ehemaligen Bündner Migranten (in allen fünf rätoromanischen Idiomen) zum Besten gaben.

Erlebt man nicht jeden Abend. Erlebt man eigentlich nie. Und wird das wohl auch nicht so bald wieder irgendwo erleben…

Robert Quitta, Riom

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Gernot Kranners Charity-Initiative (29.8.2020): Die ‚Stiefkinder der Kultur‘ schlagen zu

Die Stiefkinder schlagen zu. Genauer gesagt: die ‚Stiefkinder der Kultur‘. Volksopern-Sänger Gernot Kranner sieht es so, und er hat unter diesem Motto zum beachtenswerten, sehr seriös gedachten ‚KünsterlInnen helfen KünstlerInnen‘-Kulturfest gebeten. Es ist eine Veranstaltungsreihe mit Spendenaktionen, welche von der Corona-Krise betroffenen und von der heimischen Kulturpolitik beiseite gelassenen Künstlern –  Freischaffende aber auch fördernswerter Nachwuchs – zugute kommen soll. 

Die Spielstätte, auch für kommende ähnliche Events: Direkt vis a vis vor den Toren der Wiener Volksoper, im Grand Cafe am Alsergrund. Das Gedränge dort weist schon darauf hin: Es kommt an, macht Spaß, führt zu spielerischer Kommunikation – und mit 41 Programmpunkten des überlangen Abends wird, nun ja, wird auch die Konzentration des gut gelaunten Gastes vielleicht überfordert. Bunter, bunt gemischter geht es nicht: Gestandene Bühnen-Souveräne wie Capo Gernot Kranner, mit Dudelsack und dem „Lieben alles ist hin–Augustin“ angerückt, dessen stimmgewaltiger Bruder Reinwald Kranner oder Gerhard Ernst (markig wienerisch), rezitierend Albert Fortell (literarisch wienerisch), gefolgt von seinem als Magier auftretenden Sohn Nikolaus Fortelni, gefühlsintensiv René Rumpold und Andreas Lichtenberger, Jörg Schneider ….. und dazwischen auch ein Kraft zusprechender Energetiker, Kostüm-Dame Brigitte Just als Malerin, Ausdruckstänzerin Nadja Puttner oder Kabarett- und Jongliereinlagen. Als Musik-Maestro ist ihnen Pavel Singer am Elektropiano der große Helfer gewesen.

Aber, wichtig, besonders wichtig: Auch eine Talenteshow wird hier geboten. Kranner möchte diese eingeschlagene Serie im Alsergrunder Grand Cafe als ein Sprungbrett für die Jungen ausbauen. Für Nachwuchs, welcher die Bühnen erobern möchte. Wie etwa die munter swingenden Mucha-Schwestern oder die gesanglich hochbegabte Stella Kranner im Duo mit Marionettenspieler Fabian Buresch. Ernst dazu gesagt: So richtig aufgebaut und gefördert werden die hoffnungsfreudigen Jungen in Wien ja nicht  – seit Jahren wird in die kulturelle Image-Werbung hoch investiert, nicht aber auf eine um eine gewisse künstlerische Karriere bemühte heimische Jungkünstler geschaut. Also, Gernot Kranners Charity-Initiative sollte nur weiter wachsen. Sein Motto:“Bezahlt wird hier von den Gästen was es ihnen es wert ist! Es sind so viele Künstler, welche seit März nichts mehr verdient haben. Am wichtigsten ist für uns alle aber …. es findet wieder etwas statt.“

Meinhard Rüdenauer
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