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IM WEISSEN RÖSSL – WEHE DU SINGST!

05.11.2013 | FILM/TV

FilmPlakat Im weißen Rössl~2

Ab 7. November 2013 in den österreichischen Kinos
IM WEISSEN RÖSSL – WEHE DU SINGST!
Deutschland  /  2013
Regie: Christian Theede
Mit: Diana Amft, Fritz Karl, Tobias Licht, Edita Malovcic, Gregor Bloéb, Armin Rohde u.a.

Also, so wie 1960 geht es natürlich nicht, Waltraut Haas so blond und lieblich, Peter Alexander so unglücklich und dabei gut gelaunt, Rössl-Wirtin und Oberkellner im Liebesclinch, die ganze Welt ist ja doch himmelblau, basta. Das „Weiße Rössl“, an sich ein Kunstprodukt der dreißiger Jahre, Österreich-Tourismus für die damaligen Berliner Bühnen (samt jüdischem Komiker), war ja ursprünglich nicht fürs Kino gedacht. Aber es tut sich bei uns auf den echten Theater- und Musikbühnen zunehmend schwerer. Die Interpretationen (zuletzt Schottenberg im Volkstheater mit „politischem Bewusstein“) sind schmerzlich und sinnlos verbogen, der Versuch, es mehr oder minder vom Blatt zu spielen (wie zuletzt in Baden bei Wien) muss auch nicht funktionieren. Was macht man nur mit Ralph Benatzkys Erfolg von einst (an dem bekanntlich so viele Musikerkollegen mitkomponiert haben?).

Lustig, dass dem Kino dazu noch am meisten einfällt. Es ist zwar auch gewissermaßen „Regietheater“, was das Drehbuch von Jan Berger bietet, denn im Grunde ist kein Stein auf dem anderen geblieben. Manche Figuren (das lispelnde Klärchen und ihr Professoren-Papa) fehlen, andere sind gänzlich umgedichtet, und auch die Struktur hat sich verändert. Die Wirtin und ihr Leopold treten in den Hintergrund, sind nur Teil einer Art von Nostalgie-Trip, auf den sich neue Hauptfigur begibt.

Ja, Ottilie Giesecke, im Original nur freches Berliner Girl am Rande (ihr Papa zieht normalerweise die große Komiker-Nummer ab), trägt in diesem Fall die Rahmenhandlung. Und versetzt durch einen Trick – der in diesem Fall sentimentale Papa will ins Salzkammergut, wo er vor vielen Jahrzehnten mit Mama glücklich war – eine Frau von heute in eine Art Kunstwelt: ins „Weiße Rössl“.

Dort wird dann gesungen und getanzt, aber auch die Wirtin sieht ganz anders aus als je: keine lieblich sülzende Dagmar Koller mehr, mit Edita Malovcic vielmehr eine dunkelhaarige Dünne mit leicht fremdländischem Einschlag, die allerdings nach Bedarf alles kann, was sie soll, vor allem den Leopold am Gänglband führen: Fritz Karl holt sich an grantiger Gekränktheit alles aus der nun an den Rand gedrängten Rolle.

Krass wird es dann, wenn wir zu Sigismund Sülzheimer kommen, der kein jüdischer Komiker mehr ist, sondern diesmal ein sehr schriller und auch sehr böser Amerikaner: Eben hat man Gregor Bloéb den „Nestroy“, den Wiener Theater-Oscar, dafür verliehen, wie er den schlichten Franz Jägerstätter auf der Bühne verkörpert hat. Nun flippt er kinomäßig völlig aus – und wahrscheinlich ist sein Geblödel die adäquate heutige Form dessen, was in den dreißiger Jahren gemeint war… Freilich, dass man ihm mit einer „gealterten“ Julia Cencig eine ehemalige Liebe vorsetzt, das ist nicht wirklich nötig.

Ottilie, die nunmehrige Heldin – der rührselige Papa wird von Armin Rohde manchmal nicht satirisch genug verkörpert – , trägt die Züge von Diana Amft, die ja ein Typ für sich ist: Deutschlands leicht vollschlanke Antwort auf das klapperdürre Frauenideal von heute, nicht unbedingt eine Powerfrau, aber irgendwie ein nettes Weibchen, das nicht wirklich dumm herüberkommt. Dafür bekommt sie auch den mehr als feschen Dr. Siedler in Gestalt von Tobias Licht (der genügend Ironie für seine „Schöner Mann“-Parodie mitbringt).

Übrigens: Den Titelzusatz „Wehe Du singst!“ (damit versucht die Heldin als moderne Frau von heute sich gegen jegliche Sentimentalität zu wehren) muss man nicht ernst nehmen. Es ist nicht unerträglich, was man hört. Irgendwie hat es die Regie geschafft, das „Rössl“ als Nostalgie-Revue inmitten der Rahmenhandlung doch noch mit den meisten seiner Ohrwürmer und in witzig-verfremdetem Kitsch auf die Leinwand zu bringen.

Renate Wagner

 

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