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HYDE PARK AM HUDSON

25.02.2013 | FILM/TV

Ab 1. März 2013 in den österreichischen Kinos
HYDE PARK AM HUDSON
Hyde Park on Hudson  /  USA  /  2012
Regie: Roger Michell
Mit: Bill Murray, Laura Linney, Olivia Williams, Samuel West, Olivia Colman u.a.

Nicht jedes „Biopic“ muss so bedeutsam daherkommen wie Steven Spielbergs „Lincoln“ (der bei der „Oscar“-Verleihung so schmählich unter seinem Wert gehandelt wurde). Man kann die Sache auch lockerer angehen, wenn man einen amerikanischen Präsidenten in den Mittelpunkt der Betrachtung stellt. In diesem Film ist es der 32. Präsident Franklin D. Roosevelt (1882-1945), nicht zu verwechseln mit „Teddy“, seinem entfernten Verwandten, zu Beginn des 20. Jahrhunderts 26. Präsident der USA. Franklin saß aufgrund seiner Kinderlähmung im Rollstuhl – was seine vielfältigen Fähigkeiten und Aktivitäten nicht einschränkte… Man sage gleich, dass Bill Murray in dieser Rolle eine herrliche, souveräne, humordurchtränkte, aber nie denunziatorische Studie eines wahren Exzentrikers liefert. Sehenswert!

Man wird in das Jahr 1939 versetzt, nach Springwood, den Landsitz von Franklins strenger Mutter in der Nähe von Hyde Park / New York. Und zuerst bleibt man privat: Daisy, eine entfernte Verwandte, wird zu Franklin eingeladen, bekommt das Gefühl, gebraucht zu werden, emotional, dann auch sexuell: Laura Linney wirkt so liebenswürdig und schüchtern wie ein ältliches Fräulein, aber ihre Reize erblühen auf das zauberhafteste. Ganz nebenbei akzeptieren Franklins intellektuell kühle Frau Eleanor (großartig: Olivia Williams) und Franklins Sekretärin (Elizabeth Marvel, auch eine kleine Meisterleistung) die Konkurrenz, denn bald stellt sich heraus, dass der Präsident hier unter Akzeptanz aller Damen inmitten eines wahren Harems haust, der seine vielfältigen Bedürfnisse befriedigt.

Bald aber nimmt die Handlung ihre „politische“ Wendung: Damals, 1939, steht nicht nur der Weltkrieg bevor, sondern auch an einem Wochenende im Juni der erste Besuch eines britischen Königspaars bei einem Präsidenten. Es handelte sich um King George VI. (ja, jener, der in „King’s Speech“ das Stottern abgelegt hat) und Queen Elizabeth, später als Queen Mum legendär (die wahrscheinlich gar keine so angenehme Person war…), kurz, die Eltern der heutigen Queen, vorzüglich verkörpert von Olivia Colman  und Samuel West. Und beide kamen nicht nur mit allen hochmütigen Vorurteilen der Briten gegen die Amerikaner (besonders die gewissermaßen permanent innerlich naserümpfende Königin), sondern auch als präsumtive Bittsteller, wussten sie doch, dass sie in dem bevorstehenden Krieg gegen Hitler-Deutschland die Amerikaner für ihr Überleben brauchen würden…

Auch Roosevelt wusste das ganz genau – und sorgt dafür, dass die beiden zappelten. Als er bei einem typisch amerikanischen Picknick die typisch amerikanischen „Hot Dogs“ servieren ließ, wurde dies zur Nagelprobe. Aber King George, mit dem er sich von Mann zu Mann (begleitet von ein paar Gläsern Whisky) schon davor sehr gut verstanden hatte, bestand sie elegant: Auch ein König kann mit den Fingern essen…

Es ist ein essentiell amerikanisch-britischer Film (und die Spannungen können hier genau so groß sein wie einst zwischen „Piefkes“ und Österreichern), und der Südafrikaner Roger Mitchell, der schon einige Male bewiesen hat, wie „britisch“ er inszenieren kann („Notting Hill“), zeigt hier Humor und Fingerspitzengefühl, um ein Thema, das letztendlich um hohe Politik kreist, leicht zu machen, ohne es zu verschenken. Sehenswert!

Renate Wagner

 

 

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