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HUGO CABRET

06.02.2012 | FILM/TV

Ab 10. Februar 2012 in den österreichischen Kinos
HUGO CABRET
Hugo  /  USA  /  2011 
Regie: Martin Scorsese
Mit: Asa Butterfield, Ben Kingsley, Emily Mortimer, Jude Law u.a.

Denkt man an seine unvergeßlichen Mafia-Epen, ist das wohl kein typischer Martin-Scorses-Film. Denkt man an ein Ausstattungsfest wie „Zeit der Unschuld“, seine 1993 Verfilmung eines Edith Wharton-Romans, kommt man der Sache schon näher. Ja, Martin Scorsese kann absolut auch liebevoll sein und sich solcherart in die Welt der „Period Movies“ versenken. Allein, wie in der Geschichte des Jungen Hugo der Pariser Hauptbahnhof um 1930 aufersteht – ein Fest fürs Auge, und wer auch ein bisschen zusieht, wie’s gemacht wird, kann über solche detailverliebte Perfektion nur in Bewunderung ausbrechen.

Hugo Cabret also, der zwölfjährige Junge. Er ist, wie man liest, der Held eines Kinderromans von Brian Selznick (vielleicht keine Bildungslücke, wenn man noch nie davon gehört hat), einerseits wie erwähnt in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts spielend, andererseits ein Hauch von Sci-Fi, denn ein robotergleicher Automat spielt eine große Rolle. Ebenso wie nostaligischerweise mächtige, spektakuläre Uhrwerke, die in Gang gehalten werden wollen.

Vor allem aber ist die Geschichte von Hugo Cabret eine ultimative Huldigung an den Film, an das frühe Kino der zwanziger, dreißiger Jahre, und hier legt Scorsese in einer vielschichtigen, an Personen geradezu überbordenden Handlung sein ganzes Herz hinein.

Aber erzählen wir ein bisschen von der Handlung, sonst wird die Sache zu theoretisch: Hugo ist ein hinreißender Zwölfjähriger (Asa Butterfield gewinnt die Zuschauerherzen, weil er so nett, so hübsch, so unternehmungslustig und so klug ist), eine Waise (Papa in Gestalt von Jude Law taucht später in einer Rückblick-Sequenz auf), der als „blinder Passagier“ am Pariser Hauptbahnhof wohnt, wo ihn vom Blumenmädchen bis zum Polizisten jeder kennt, wo er – Familientradition! – die Uhren in Gang hält und sich seine nötigen Esswaren stibitzt. Er hat jeden Schlupfwinkel hier  im kleinen Finger und turnt sich geradezu hinreißend durch das Riesenareal, das von Scorsese zu seiner Welt für sich gestaltet wird (tatsächlich verlässt man sie nie). Und da lassen sich dann immer wieder 3 D-Effekte (wenn man deren Einsatz auch nicht für unabdingbar hält) einbringen – Hollywood wird mit der neuen Technik so lange spielen, bis man sie still schweigend wieder abschafft…

Zwei Begegnungen treiben die Handlung vorwärts. Zum einen trifft Hugo die etwa gleichaltrige Isabelle (Chloe Grace Moretz), die ihm bei seinem großen Projekt hilft, nämlich den Roboter-Apparat zu reparieren, der gewissermaßen sein Nachlass ist. Zudem ist Isabelle die Nichte von Georges Méliès, der eine historische Persönlichkeit ist – 1861 bis 1938, Theaterbesitzer, berühmter Illusionist seiner Zeit und früher Filmregisseur. In Gestalt des herrlich verbitterten Ben Kingsley schwenkt die Handlung nun auf die Welt des Kinos ein, die für Scorsese so wichtig ist.

Die verlorenen Stummfilme des Georges Méliès tauchen auf, man sieht, wie er sie gemacht hat, Scorsese feiert sie geradezu, indem er sich auf ihre Spuren setzt. Daneben fügen sich geheimnisvolle Elemente der Handlung zusammen (ganz abgesehen von privaten Romanzen, etwa zwischen Blumenmädchen und Polizist, wunderbar Emily Mortimer und Sacha Baron Cohen), und man merkt geradezu gerührt (vielleicht sogar am Randes des Kitsches?), wie Scorses alles gut machen will, was auf der Welt nicht richtig gelaufen ist. Zumindest den großen Vergessenen des Films von einst möchte er ihre zustehende Beachtung und ihren Ruhm wiedergeben…

Das alles ist auf ganz seltsame Art zauberhaft, und wer bereit ist, sich mit Hugo in diese Welt zu begeben und quasi die kindliche Seite seines Herzens ansprechen zu lassen, wird in diesem Film schlechtweg glücklich sein.

Warten wir ab, ob bei der „Oscar“-Verleihung dieses zaubrische Märchen von seinen zahlreichen Nominierungen (bester Film, bester Regisseur…) auch einige heimträgt.

Renate Wagner

 

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