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HOTEL TRANSSILVANIEN

22.10.2012 | FILM/TV

Ab 26. Oktober 2012 in den österreichischen Kinos
HOTEL TRANSSILVANIEN
Hotel Transylvania / USA /  2012
Regie: Genndy Tartakovsky
Animation in 3 D, in der Originalfassung mit den Stimmen von Adam Sandler, Kevin James u.a.

Manchmal kann „Animation“ einfach mehr. Unwahrscheinlich, dass ein Realfilm – egal, wie viele Computerkünste er heranziehen würde – komischer in die Monsterwelt hineinfahren könnte als dieser Film von Genndy Tartakovsky. Er führt die Monster, die schon in hunderten Filmstunden gruseln gemacht haben, gebündelt als komische Partie vor.

Da ist erst einmal Dracula, hier zum Hoteldirektor geworden. Der führt das „Hotel Transsilvanien“ weit hinter dem Zombie-Friedhof. Und wenn Töchterchen Mavis zwar den 118. Geburtstag feiern soll, aber glatt um hundert Jahre jünger aussieht, lädt Papa alle Kollegen ein. Schon echt witzig, wie sie da aufmarschieren – Frankenstein, die Werwölfe, die Mumie, der Unsichtbare Mann und andere mehr, also auch Hexen, Zyklopen, Bigfoot und sonstige Bekannte. Gezeichnet und 3 D-animiert ergibt das einen unübertrefflichen Zirkus.

Unser Dracula, der andere so gerne furchtbar erschreckt, ist seinerseits schreckhaft, wenn es um seine Tochter geht: Er kann sich gar nicht genügend Sorgen um sie machen. Und wie es die Drehbücher so wollen, marschiert da ein ganz normaler Mensch von 21 Jahren ins Hotel: Jonathan sehen und sich in ihn verlieben, ist für Mavis eins. Angesichts dieser Situation ausflippen – das bleibt Dracula überlassen, der nichts anderes will, als seine Tochter ewig bei ihm festzuhalten (Es gibt auch im echten Leben solche Kontroll-Freak-Väter). Abgesehen davon, geben wir es doch zu, fürchten sich die Monster ja schrecklich vor den Menschen. Eine possierliche Umdrehung. Jonathan ist ein junger Mann von heute, wie er im Buch steht (die Parodie des Regisseurs macht auch vor den „Echtmenschen“ nicht Halt). Und die Teenager-Tochter lechzt geradezu nach Selbständigkeit. Flotte Girls gehören zum Standardrepertoire des US-Films, echt oder gezeichnet.

Und nun überstürzen sich die Ereignisse beim Hochzeitsfest (auch, weil Koch Quasimodo einen echten Menschen gerne braten und auftragen würde – seine Ratte Esmeralda erschnüffelt solche doch glatt!), und Dracula muss im Laufe des Geschehens erstens erkennen, dass die Menschen gar keine so fürchterliche Angst vor ihm haben – und dass man zweitens als Papa für das Liebesglück seiner Tochter alles tut. Also setzt er sich sogar ihretwegen dem Licht aus, um den erst vertriebenen Jonathan dann wieder zurück zu holen.

Das ist ein Spaß, der stellenweise an lautstark-wüsten Turbulenzen nicht zu übertreffen ist. Die amerikanische Originalfassung ist teuer besetzt (u.a. mit der Stimme von Adam Sandler für Dracula) aber erfahrungsgemäß funktionieren auch die deutschen Synchronisationen (mit Rick Kavanian als Papa Dracula): Oft leisten Schauspieler tatsächlich Herausragendes, wenn sie auf ihre Stimmen zurück geworfen sind.

Kurz: Ein radikales Pointen-Feuerwerk, möglicherweise mehr für Erwachsene (und Halb-Erwachsene) als für kleine Kinder. In den USA war der Film ein Kassenhit ersten Ranges.

Renate Wagner 

 

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