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HITCHCOCK

11.03.2013 | FILM/TV

Ab 15. März 2013 in den österreichischen Kinos
HITCHCOCK
USA  /  2012 
Regie: Sacha Gervasi
Mit: Anthony Hopkins, Helen Mirren, Scarlett Johansson, Jessica Biel, Danny Huston, Toni Collette u.a.

Es gab viele sehr berühmte Filmregisseure in den USA. Aber über wen als Person würde man einen Film drehen? (Dass Billy Wilder in einer Nebenrolle in der „Adlon“-TV-Serie auftrat, ist hier nicht relevant.) Alfred Hitchcock war anders. Dieser pfiffige Brite hat nicht nur seine Filme – und nicht alle davon waren gut – inszeniert. Er inszenierte auch sich selbst, stellte seine überrundliche Optik aus, vor allem aber sein durch und durch skurriles Wesen und seine nie geleugnete Vorliebe für Blondinen….

„Hitchcock“ ist nicht dasselbe wie Lean, Zinnemann, Cukor, Mankiewicz, Ford, Wyler, Kazan – wer nennt die Namen? Hitchcock war Hitchcock, und so war es nur eine Frage der Zeit, wann man einmal einen Film über ihn drehen würde. Es ging wohl hauptsächlich darum, den geeigneten Darsteller zu finden. Und den griffigen Ausgangspunkt für eine Story. Nun kam alles zusammen.

Hollywood, Ende der fünfziger Jahre – keine einfache Zeit. Die McCarthy-Ära war vorüber, aber es gab noch jede Menge von Restriktionen. Hitchcock hatte eine Reihe erfolgreicher Farbfilme, mehrere davon mit Grace Kelly gedreht. Als er auf der Suche nach einem neuen Stoff auf  den Roman „Psycho“ stieß und den Produzenten klar wurde, dass dies etwas ganz anderes sein würde als bisher, stieß er auf schier ungeheure Schwierigkeiten, die ihn fast an den Rand seiner finanziellen Existenz brachten.

Ohne die moralische, vor allem aber praktische Unterstützung seiner Frau hätte Hitchcock es nie geschafft, diesen „abweichenden“ Schwarzweißfilm über einen verrückten Mörder zu drehen… zumal die berühmte Duschszene. Allein die Idee, dass eine Frau in der Dusche stehen und mit einem Messer hingemetzelt werden sollte, brachte alle Hüter der Moral auf die Palme. Man weiß, wie genial „Hitch“ die Szene löste – und wie souverän er auch die schiere dramaturgische Unmöglichkeit durchsetzte, dass die weibliche Heldin schon im ersten Drittel des Films stirbt. Alles, was unmöglich schien, hat er möglich gemacht. Wir leben noch heute mit „Psycho“ als einem Meilenstein der Filmgeschichte…

Nun erlebt man also – in einem klassischen, durchaus konventionellen „Bio-Pic“ (Biographiefilm) von Regisseur Sacha Gervasi –  wie dieser Film damals entstand. Das betrifft den zögernden Produzenten, die wild agierenden Agenten, die Zensur, mit der man sich auseinandersetzen musst. Als helfende Hand hatte Hitchcock seine aufopfernde Assistentin Peggy Robertson (eine fabelhafte Leistung von Toni Collette) auf der Seite.

Dann ging es um die Besetzung des Films  – Scarlett Johansson ist schlechtweg bezaubernd als Janet Leigh, eigentlich noch zarter und hübscher als das Original, und sie gibt ihr fabelhaften menschlichen Hintergrund. Jessica Biel verkörpert Vera Miles, mit der Hitchcock gerne ein Verhältnis begonnen hätte, was sie ablehnte – und was sie womöglich die große Karriere kostete. (Hitchs Fixiertheit auf Blondinen ist in dem Film zwar präsent, wird aber nicht peinlich-lüstern ausgeschlachtet.) Glänzend in wenigen Szenen ist James D’Arcy als Anthony Perkins – man glaubt ihm, dass Perkins dem komplexbehafteten Norman Bates innerlich näher war, als es wahrscheinlich gesund gewesen ist…

Letztendlich aber ist es ein Film über Hitch und seine Gattin Alma, wobei diese gerade während der kritischen „Psycho“-Zeit ein vages Verhältnis mit dem Schriftstellerkollegen Whitfield Cook (Danny Huston) einging, weil sie sich von Hitch vernachlässigt fühlte – und sehr bald merkte, dass es Cook nicht um sie als Person, sondern um ihre bekannten Fähigkeiten als Dramaturgin und Schreiberin ging… Und jedenfalls wurde der Gatte eifersüchtig, das ist auch etwas wert.

Es ist Helen Mirren als Hitchcocks Gattin Alma, der dieser Film letztendlich gehört, nüchtern, souverän, ihren Mann in jeder Regung durchschauend, letztlich doch so loyal. Sie ist die Persönlichkeit, die neben einem Hitch mit Leichtigkeit besteht und ihm in allem Partnerin (und gelegentlich Gegnerin) ist. Unverständlich, dass Helen Mirren  – ebenso wenig wie Hopkins – bei den „Oscar“-Nominierungen nicht dabei war.

Anthony Hopkins ist Hitchcock, körperlich so rund aufgebläht wie dieser, er hat auch das überrunde Mondgesicht mit dem immer etwas erstaunten Gesichtsausdruck. Wenn Hitch für seine Umwelt ein Rätsel blieb, so vermittelt der Hauptdarsteller genau das. Seltsam, wie wenig man durch einen der besten Schauspieler, die es im heutigen Film gibt (und der doch auf der Leinwand ebenso überzeugend Nixon war wie Picasso), von Hitchs Innenleben erfährt. Da hat wohl das Drehbuch nicht tief genug gegraben…

Dennoch: Es ist schon ein interessanter Besuch in Hollywood um 1960, den man hier unternimmt.

Renate Wagner

 

 

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