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Hilde SOCHOR

22.05.2009 | INTERVIEWS, Schauspieler

Interview, 05/2009: Hilde SOCHOR, An Ruhestand ist nicht zu denken

„An Ruhestand ist nicht zu denken“. Interview mit Hilde SOCHOR. Das Gespräch führte Karin Tilgner, Textversion Susanne Resperger
Mit ganz besonderen Erfolgen kann derzeit die „Neuen Tribüne“ aufwarten:
Hilde Sochor liest aus den Büchern von Lida Winiewicz „ GEISTERBAHN – Eine Wiener Weltreise“ und „ALTE DAME, GRAUER HUND“. Diese Lesungen finden immer mehr begeisterte Zuhörer, viele kommen mehrfach und noch immer ist jeder angesetzte Abend ausverkauft.
Selbstverständlich stehen nicht nur die Autorin und ihre treffenden Dialoge, Geschichten und Beobachtungen im Mittelpunkt, sondern eine ganz große Wiener Volksschauspielerin: Hilde Sochor. Karin Tilgner sprach exklusiv für die Theatergemeinde mit der Doyenne des Wiener Volkstheaters über ihre Begegnung mit Lida Winiewicz und ihre Anfänge der Schauspielerei.
Als erstes wollten wir gerne mehr über die Freundschaft zur Autorin Lida Winiewicz wissen:
Begonnen hatte alles bei den Proben im Volkstheater zur „Späten Gegend“, das Stück sollte zu einem Jubiläum von Lida Winiewicz gelesen werden – man wollte es dann aber doch irgendwie szenisch aufführen. Zusammen mit Birgit Doll und mit dem Regieassistenten Gerhard Alt erarbeitete man das Stück für die Bühne, und sie erinnert sich mit Freuden daran.
Dieses Stück über die Bäuerin, die Hilde Sochor verkörpert, hat einen realen Hintergrund: Winiewicz’s Nachbarin aus dem Mühlviertel betreute ihr Haus in der Zeit als die Autorin 20 Jahre in Irland lebte. Aus diesen Berichten entstand die Erzählung, die dem Stück zu Grunde liegt. Man wollte diese im Theater zuerst nur lesen lassen, dann aber entstand die Idee, eine junge Kontrastperson zu erschaffen um von einer reinen Lesung weg zukommen. Somit trafen Realität und Fiktion zusammen – angesiedelt in den 70er Jahren.
Nun wollte man bei den Proben ab und zu etwas verändern, Lida Winiewicz, die immer wieder bei den Proben dabei war, unterstütze die Ideen der Schauspielerinnen und daraus wurde eine Produktion mit sehr großem Erfolg. Zuerst wurden gerade einmal 5 Vorstellungen angesetzt – dann wurden 19 Vorstellungen daraus.
Und es entstand eine wunderbare Freundschaft die bis heute anhält.
In der Folge schrieb Lida Winiewicz mit „Alte Dame – Grauer Hund“ ihre eigenen Erlebnisse als 71 jährige Dame – als USA-Tramperin – nieder. Kein Verlag war an ihrer Arbeit interessiert – passte sie ja in keine Schublade. So bot sie ihr Werk dem Radiokulturhaus an, Hilde Sochor erklärte sich bereit diese Erzählungen zu lesen und – es wurde ein großer Erfolg. Ein großer Verlag (Amalthea) griff sofort zu und Preiser Records produzierte eine Hör-CD.
Der große Erfolg war da, was lag näher als Lida Winiewicz zu bitten noch etwas zu schreiben. Da sie 20 Jahre in Irland gelebt hatte, erschien Wien für sie wesentlich interessanter als von irgendeiner Reise zu berichten – so entstand „Geisterbahn – eine Wiener Weltreise“ und wurde ebenfalls ein ganz großer Publikumserfolg.
Daraus entstand die Frage – was sie eigentlich lieber mache: Film, Fernsehen oder Theater?
Auf diese Frage antwortet Hilde Sochor schnell – Theater. Sie gibt jedoch auch einen kleinen Einblick in die Unterschiede der doch verschiedenen Genres. Das Theater ist ihr am liebsten. Obwohl sie in ihrer Laufbahn sehr oft für das Fernsehen gearbeitet hat, vor allem als es noch Fernsehspiele gab, das war dem Theater näher. „Im Film und in Serien wird man so schnell katalogisiert und in eine Schublade gesteckt.“ Das wollte sie nie so sehr, auch wenn viele Arbeiten sehr schön und interessant waren.
 Im Theater ist es auch jetzt noch möglich, andere Typen zu spielen, der Kontakt mit den Publikum, dessen Reaktion zu spüren. Aber auch die Art des Probens, ein wesentlicher Teil der Arbeit im Theater, ist anders.
Zum Abschluss wollten wir gerne noch wissen ob Sie immer schon Schauspielerin werden wollte?
„Ja – eigentlich schon – nicht sofort als junges Mädchen, wo ich mich als zu dick empfand. Nach meinem Empfinden mussten Schauspielerinnen „SCHÖN“ sein!“ Aber die Sehnsucht wurde größer und größer – trotzdem studierte sie zuerst Zeitungswissenschaft (Publizistik) um irgendeinen Zugang zum Theater zu bekommen. Zu dieser Zeit wurde dann auch der Lehrstuhl für Theaterwissenschaft begründet – und sie wechselte sofort zu diesem Studium über. Leider wurde nach 3 Semestern die Uni gesperrt – der Totale Krieg war da. Eine Freundin animierte sie nach dem Krieg die Aufnahmsprüfung im Reinhardseminar zu machen – die Prüfung ging daneben.
Als die Uni wieder aufmachte, suchte Friedrich Langer – damaliger Kulturreferent der Österreichischen Hochschülerschaft – theaterbegeisterte Studenten zur Gründung eines „Studios der Hochschulen“ – Vorläufer der späteren Kellertheater. Es wurde dort studiert, gespielt, gegessen, mit einem Wort gelebt! Dazu kam das Schauspielstudium am Prayner – Konservatorium und die erfolgreiche Abschlussprüfung im Jahr 1948. Aus dem Studio der Hochschulen gingen Künstler wie Alexander Kerst, Helmut Qualtinger, Michael Kehlmann, u.a. hervor. Hilde Sochor wurde als Erste weg engagiert – zuerst einmal an die Kammerspiele – danach gleich ans Volkstheater. Mit Gustav Manker – Regisseur und Bühnenbildner, später auch Direktor des Volkstheaters – war dann auch bald ein privates Glück gefunden, mit ihm hat sie drei Kinder, jetzt gibt es auch schon vier Enkelsöhne…
Hilde Sochor spielt momentan mehr denn je, an Ruhestand ist gar nicht zu denken, das Publikum liebt sie und hört ihr gerne zu. Eine richtige „Volksschauspielerin“
                                    (Das Interview führte Karin Tilgner /Textversion Susanne Resperger)
Weitere Auskünfte und Informationen über Auftritte finden Sie unter
http://www.tribuenewien.at/

 

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