Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

HELSINKI/ Finnische Nationaloper: PEER GYNT – Ballett von Heinz Spoerli

12.04.2014 | Ballett/Tanz, KRITIKEN

Helsinki / Finnische Nationaloper: Heinz Spoerlis ”Peer Gynt” – 12.4.2014

Nach Zürich 2007 und Berlin 2013 (hier war kein Geringerer als Vladimir Malakhov der Titelheld) fand Heinz Spoerlis „Peer Gynt“ nun auch den Weg an die Finnische Nationaloper (Premiere war am 11.4.). Und wenn es heutzutage in der Welt der Oper allgemein ausgeübter Brauch ist, ein Werk zwar mit Komponistennamen und Stücktitel anzukündigen, aber dies auf der Bühne mehr als das Werk des Regisseurs mehr oder weniger wieder erkennen zu lassen, so ist es wohltuend, dass diese Aufführung eben nicht als Ibsens oder Griegs „Peer Gynt“ annonciert wird, sondern als Schöpfung des Choreographen Heinz Spoerli. Warum nicht also auch in der Oper?

Spoerli schuf eine Art Multimedia-Produktion, die große Teil von Griegs Bühnenmusik, aber auch dessen Norwegischen Tanz berücksichtigt, dazu zeitgenössische Kompositionen des Australiers Brett Dean und des Briten Marc-Anthony Turnage. Analog dazu steht dem klassischen Ballett Modern Dance gegenüber. In einer losen Bilderfolge stellt Spoerli Ibsens Drama des Weltenumwanderers auf der Suche nach dem wahren Ich assoziationsreich in Szene. Er stellt dem Tänzer der Titelfigur (in dieser zweiten Vorstellung verkörpert von ILJA BOLOTOV) einen Schauspieler (MIKA PIISPA) zur Seite wie auch den Bariton ARTO HOSIO (in seinem kurzen Solo auf der Suche nach der richtigen Intonation); Solveigs Tanzpart wurde eindrucksvoll umgesetzt von EDITA RAUŠEROVÀ, während das verdiente Ensemblemitglied, das sich mit Solveigs Lied abmühte und die Ohren der Zuhörer peinigte, lieber ungenannt bleiben sollte. Als Berggeist brillierte XIAOYU HE.

ROBERT REIMER, der schon die Berliner Aufführung betreut hatte, war ein umsichtiger Dirigent. Ein mit erstaunlich vielen Kindern durchsetztes Nachmittags-Publikum applaudierte dankbar, obwohl ich nicht sicher bin, für welche Zielgruppe diese Produktion gedacht ist. Sicher nicht für diejenigen, die Ibsen oder Grieg erwarteten, ebenso wenig für Anhänger klassischen Balletts. Also hauptsächlich für Spoerli-Enthusiasten? In einem Tanz-Blog fand ich eine interessante Meinung über Spoerlis „Peer Gynt“ in Berlin: „…ich bin noch nicht ganz sicher, ob es sich dabei nun um einen völligen Mist oder einen Geniestreich handelt. Möglicherweise ist beides zutreffend.“

Sune Manninen

 

Diese Seite drucken