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HELSINKI/ Finnische Nationaloper: OVELA KETTU (DAS SCHLAUE FÜCHSLEIN). Premiere

25.01.2015 | Oper

Helsinki: Ovela kettu (Das schlaue Füchslein) – 23.1.2015

Im Normalfall geschieht die Erarbeitung einer Neuinszenierung einer Oper so vor sich, dass der Intendant des Opernhauses einen Regisseur verpflichtet, der sich wiederum mit einem Ausstatterteam seiner Wahl auf ein Konzept einigt. Nicht so bei der Neuproduktion von Leoš Janáčeks „Schlauem Füchslein“ an der Finnischen Nationaloper. Dort hatte die Intendantin Lilli Paasikivi zunächst den international bekannten Designer KLAUS HAAPANIEMI mit der Ausstattung dieses Stücks betraut, bevor sie bei dem Regisseur IMMO KARAMAN und seinem Choreographen FABIAN FOSCA anfragte, ob sie unter diesen Voraussetzungen an einer Zusammenarbeit bereit wären.

 So ist es nicht verwunderlich, dass diese Inszenierung stark unter dem von Haapaniemi geschaffenen visuellen Eindruck steht, der äußerst fantasiereiche Kostüme für die Tier- und Menschenwelt schuf und ein Einheitsbühnenbild voller Atmosphäre kreierte, das einen nahtlosen Ûbergang der einzelnen Szenen ermöglichte. Die Dominanz der Ausstattung sollte jedoch nicht zum Irrtum verleiten, dass in diesem Fall der Regisseur nur in Diensten des Designers stand. Neben einer Personenführung, die den Figuren, ob Tier oder Mensch, Persönlichkeit verlieh, garnierte Immo Karaman seine Interpretation mit einigen eigenständigen Ideen, die sich durchaus vom bisher in dieser Oper Gewohnten abhoben, die sich dem Zuschauer aber auch nicht vollständig erschließen. So richtet der Förster in dem Moment, in dem Harašta das Füchslein erschießt, seine Flinte in Richtung Zuschauerraum, woraufhin an den Seiten der Bühne für einen kurzen Augenblick rote Lampen aufleuchten??? Entledigt er, der schon im Hochzeitstanz mit dem Füchslein zu sehen ist, sich so seiner Liebe zu ihm? Auch der Schluss wird, sofern ich ihn nicht fehlinterpretiere, als eine Art Liebestod inszeniert. Der Förster hört die Stimme des Füchslein-Nachwuchses nur aus dem Off, wie im Traum, und sinkt (von seiner Liebe zu diesem Tier erlöst?) zu Boden, während im Bühnenzentrum noch einmal die Titelfigur erscheint.

 Diese Produktion wird von der Finnischen Nationaloper als eine Aufführung für die ganze Familie beworben. Zu diesem Zwecke wurde von der Originalsprache abgesehen und das Stück als „Ovela kettu“ in finnischer Sprache gegeben. So sehr die Ausstattung Haapaniemis  auch auf Kinder einen großen Zauber ausüben wird, so möchte ich in Frage stellen, ob das Ziel, ein neues, junges Publikum zu erschließen, mit dieser Oper heranzuziehen, erreicht werden wird, zumal die Textverständlichkeit in hohen Stimmlagen erschwert ist. Janáčeks Werk zudem als Oper für Kinder zu inszenieren, heißt jedoch auch, seine Tiefendimension, seine große humanitäre Aussage zu reduzieren.

 Am Pult des wie immer prächtigen Orchesters stand die junge DALIA STASEVSKA, halb Ukrainerin, halb Finnin, die in vergangenen Jahren Esa-Pekka Salonen in Los Angeles und London assistiert hatte und zukünftig dieselbe Position bei Paavo Järvi in Paris bekleiden wird. Von meinem Platz in einer der hinteren Parkettreihen war sehr gut zu beobachten, wie exakt und gut ablesbar ihre Schlagtechnik ist und wie gut Dalia Stasevska dadurch Bühne und Graben zusammenhielt. Das Klangbild, das sie produzierte, unterschied sich deutlich von meinen Vorerfahrungen durch vorwiegend tschechische Dirigenten, doch „sag‘ ich nicht, dass dies ein Fehler sei.“

 Auf der Bühne war ein gut ausgesuchtes Stückensemble versammelt, in dessen Mittelpunkt der Förster JAAKKO KORTEKANGAS‘ mit seinem wohlklingenden Bariton stand. Die beiden Füchse (HANNA RANTALA und MARI PALO) waren im Stimmtyp sehr ähnlich, wobei zu konstatieren war, dass der Fuchs dem Sopran Mari Palos eine Spur zu tief lag. In seinem kurzen Auftritt ließ der junge WALTTERI TORIKKA einen  Bassbariton voller Persönlichkeit in Stimme und Darstellung erkennen. Stellvertretend für die vielen Mitwirkenden kleinerer Rollen seien JUHA RIIHIMÄKI (Schulmeister) und NICHOLAS SÖDERLUND (Pfarrer) genannt.

 Sune Manninen

 

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